Netzneutralität

  • : Bitkom: Netzneutralität würde IPTV verbieten und der Umwelt schaden
    Wollen wir für jeden Dienst eine eigene Überholspur haben, oder sollte sämtlicher Datentransfer neutral behandelt werden? <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/eirikso/3055527027">Eirik Solheim</a>
    Bitkom: Netzneutralität würde IPTV verbieten und der Umwelt schaden

    Brauchen wir überhaupt Regeln für Netzneutralität, wenn es überall gut ausgebautes Breitband mit ausreichender Kapazität gibt? Was passiert, wenn neben dem Best-Effort-Internet, so wie wir es heute kennen, sogenannte Spezialdienste bevorzugt behandelt werden? Und wie lassen sich solche Spezialdienste überhaupt definieren? So lauteten einige der Fragen, die im gestrigen Fachgespräch zum Thema Netzneutralität behandelt wurden.

    Eine beachtenswerte These stellte der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder auf, der alle Angebote als Sonderdienste definiert sehen möchte, die „wohlfahrtsstiftend“ seien. „Also explizit nicht nur Notfalldienste, Sicherheitsdienste, sondern auch Dienste für die Industrie, für Industrie 4.0, oder auch Dienste, zum Beispiel für junge Unternehmen, die Bandbreiten oder spezielle zugesicherte Qualitäten brauchen.“ Zwar bekennt sich der Providerverband dazu, den Netzausbau vorantreiben und weiterhin Best-Effort-Internet anbieten zu wollen, was das Problem weitgehend entschärfen würde, ohne Spezialdienste wäre jedoch so einiges nicht mehr möglich, warnte Rohleder:

    „IPTV ist ein solcher Spezialdienst, der in Deutschland ja möglich ist. Aber wenn Sie diesen Dienst verunmöglichen, indem Sie ihn letztlich verbieten durch eine entsprechende Regelung der Netzneutralität, heißt das, dass Sie das Thema IPTV vom Markt nehmen müssen. Und das ist eine Frage, die müssen Sie sich stellen als Politiker, ob Sie IPTV verbieten wollen.“

    Selbstverständlich bleibt IPTV trotz Netzneutralität möglich, das weiß auch Rohleder ganz genau. Bitkom bevorzugt aber offensichtlich ein durchkommerzialisiertes Internet, in dem vertikal integrierte Konzerne den Ton angeben und an möglichst vielen Stellen der Wertschöpfungskette abkassieren. Da kommt jedes Argument recht, auch wenn es noch so sehr an den Haaren herbeigezogen ist.

    Rohleder bemühte sogar den Umweltschutz, um sich für ungehindertes Netzwerkmanagement stark zu machen. Gegen Netzwerkmanagement hat natürlich niemand etwas einzuwenden, solange es technischen Zielen dient und nicht wirtschaftlichen. Denn wenn man trotz ausreichender Kapazitäten künstlich die Bandbreite beschränkt, lassen sich dadurch entstehende Engpässe monetarisieren, indem man gegen Bezahlung Spezialdienste anbietet. Das ließ Rohleder jedoch nicht gelten und verwies auf die deutschen Kommunikationsnetze, die zwei Prozent der Energie verbrauchten, weil sie permanent, Tag und Nacht, unter Volllast laufen würden. Wir müssten uns fragen, ob wir es unmöglich machen wollen, zu Zeiten von niedriger Last Teile der Infrastruktur herunterzufahren,

    „weil wir prinzipielle Bedenken gegen Netzwerkmanagement (…) haben, oder ob wir nicht zu einer neuen Abwägung dieser Rechte, nämlich der Rechte auf Informationzugang und wie sie auch von vielen proklamiert werden, auch von uns, auf den Zugang zum Best-Effort-Internet, abwägen gegen das Recht auf eine gesunde Umwelt, und gegen die Pflicht, den Energieverbrauch in Deutschland zu reduzieren.“

    Nicht ganz so weit gehen wollte Wilhelm Eschweiler, Vizepräsident der Bundesnetzagentur, forderte aber ebenfalls ein Nebeneinander von Internetzugängen nach dem Best-Effort-Prinzip und Spezialdiensten. Als Grundvoraussetzung des Internetzugangs sieht er gesellschaftliche Teilhabe, der Ansatz dürfe aber Geschäftsmodelle nicht verhindern. Dieser Spagat sei in den USA gelungen, wo letzte Woche Regeln für Netzneutralität in Kraft getreten sind. Diese verbieten zwar Spezialdienste nicht ausdrücklich, die Regulierungsbehörde FCC nimmt sich allerdings das Recht heraus, solche Angebote auf Fall-zu-Fall-Basis zu überprüfen und gegebenenfalls zu untersagen. Damit will die Behörde verhindern, dass das Internet, wie wir es kennen, aufs Abstellgleis gestellt wird und Spezialdienste nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel darstellen würden. Ähnlich stellte Eschweiler die Position der deutschen Regierung in den Trilog-Verhandlungen dar und bezeichnete den Vorschlag als „weise“.

    Aber das Grundproblem bleibt, und darum drehte sich im Kern die gesamte Debatte: Begünstigen Spezialdienste Innovation, oder benachteiligen sie den Markteintritt kleiner, noch unbekannter Start-Ups, die es sich nicht leisten können, anders als etablierte Anbieter für Überholspuren zu bezahlen – wenn es etwa nach der deutschen Telekom geht für „ein paar Prozent Umsatzbeteiligung“. Davor warnten die restlichen Sachverständigen Alexander Sander von Digitale Gesellschaft e.V., Ben Scott von der Stiftung neue Verantwortung sowie Thomas Lohninger von der Initiative für Netzfreiheit. Start-Ups müssten im schlimmsten Fall mit jedem Provider Verhandlungen führen, um ihr Angebot überhaupt an den Mann bringen zu können. Ein segmentierter Markt würde zwangsläufig dazu führen, dass Verknappung zum Geschäftsmodell wird, so Lohninger, und brachte ein Gegenbeispiel aus den Niederlanden, die Netzneutralität gesetzlich verankert haben: Der Provider KPN verdoppelte über Nacht das Transfervolumen für seine Kunden, weil er sein eigenes IPTV-Angebot nicht via Zero Rating anbieten durfte. Weil davon letztlich alle profitiert haben – KPN, die Kunden sowie der Wettbewerb –, zeigt das Beispiel anschaulich, wie hohl die Argumentation der Bitkom ausfällt.

    18. Juni 2015 6
  • : Digitale Agenda: Fachgespräch zu Netzneutralität im Bundestag
    Gesetzlich verankerte Netzneutralität würde bezahlte Überholspuren im Internet verbieten. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/notionscapital/14216382643/">Mike Licht</a>
    Digitale Agenda: Fachgespräch zu Netzneutralität im Bundestag

    Heute findet im Bundestag ein öffentliches Fachgespräch zum Thema „Gesetzgebung zur Netzneutralität – aktuelle Entwicklung“ statt. Die Sitzung des Ausschusses „Digitale Agenda“ wird im Bundestags-TV live übertragen und beginnt um 16h. [Update: Die Sitzung ist mittlerweile in voller Länge in der Bundestags-Mediathek verfügbar.]

    Als Sachverständige geladen sind Wilhelm Eschweiler, Vizepräsident der Bundesnetzagentur, Bernhard Rohleder vom IT-Branchenverband Bitkom, Thomas Lohninger von der Initiative für Netzfreiheit, Alexander Sander von Digitale Gesellschaft e.V. und Ben Scott von der Stiftung neue Verantwortung.

    Im Vorfeld haben einige der geladenen Sachverständigen schriftlich Stellung zum vorab verteilten Fragenkatalog genommen. Allzu überraschend fielen die Aussagen nicht aus, versprechen jedoch eine zumindest stellenweise amüsante Sitzung. Bitkom etwa kritisiert die Haltung des EU-Parlaments, das strenge Netzneutralitätsregeln einfordert: „Gesetzliche Regelungen der gegenwärtig im Europäischen Parlament diskutierten Art würden das Internet, wie wir es kennen, gefährden,“ heißt es in der Stellungnahme. Überhaupt sei der Begriff „Netzneutralität“ wissenschaftlich umstritten und nicht im Sinne eines einheitlichen Verständnisses geklärt:

    Ein absolutes und dogmatisches Verständnis von Netzneutralität geht an den tatsächlichen Gegebenheiten in den Netzen vorbei und würde im Falle der Umsetzung die Aufrechterhaltung der verschiedenen Netzfunktionalitäten erschweren sowie die Integrität und Sicherheit der Netze gefährden. Besonders kritisch ist die Festschreibung eines dogmatischen Verständnisses von Netzneutralität.

    Der Branchenverband möchte das Best-Effort-Prinzip erhalten, aber gleichzeitig bevorzugt behandelte Spezialdienste zulassen, um die Innovationsfähigkeit und „Investitionskraft der TK-Industrie“ nicht zu gefährden. Als Beispiel führt Bitkom „E‑Health-Anwendungen in der Notfallmedizin“ an und meint ferner:

    Grundsätzlich müssen mögliche Vorgaben zu Traffic Management und Volumengrenzen für Daten flexibel genug bleiben, um differenzierte Angebote im Einklang mit den Anforderungen der Kunden zu ermöglichen. Dies gilt insbesondere auch für Angebote wie Zero-Rating und damit Shared-Cost-Dienste. Eine abschließende Aufzählung von Ausnahmen erweist sich daher grundsätzlich als kritisch. Insbesondere eine Verpflichtung der Netzbetreiber Datenverkehr nicht zu verändern erweist sich als zu strikt, um Endkunden eine optimale Leistung zu bieten. Beispielsweise wäre es damit nicht möglich Endkunden für die jeweils genutzt Bildschirmgröße optimierte Darstellungen zur Verfügung zu stellen. Eine solche Optimierung würde den Inhalt als solchen nicht verändern, jedoch eine Änderung der Daten voraussetzen.

    Offenbar soll es Aufgabe des Netzbetreibers sein, das richtige Format und die richtige Auflösung für die Nutzer auszuwählen, anstatt das wie bisher der Server-Anwendung zu überlassen, die sich mit dem Client auf eine sinnvolle Übertragung einigt. Jedenfalls wäre es nicht das erste Mal, dass Gegner von Netzneutralität Beispiele an den Haaren herbeiziehen, um ihre Position zu untermauern. In Wirklichkeit geht es natürlich darum, Geld zu verdienen, wie Ben Scott schreibt:

    Die Netzbetreiber haben ganz eindeutig ihre Absicht kundgetan, für bestimmte besonders bevorzugte Inhalte Bezahlmodelle zu entwickeln. Und dies wird auch passieren, sofern die betreffenden Aufsichtsgremien die Änderung im zugrundeliegenden Prinzip der Gleichbehandlung zulassen, das eine der Grundfesten des Internets darstellt, so wie wir es kennen. Es gibt keinen Grund an ihrem Wort zu zweifeln, denn diese Firmen sind an ihre unternehmerischen Verpflichtungen gebunden, ihre Einnahmen und Gewinne zu steigern und das Aktionärsvermögen zu mehren. Jede andere Vorgehensweise – sofern die Regulierung sie denn zuließe – wäre eine unerwartete Wendung.

    Er verweist auf konkrete Erfahrungen mit solchen Modellen, die sich besonders im mobilen Bereich breit gemacht hätten, wo „diskriminierende Routing- und Preisfestlegungsverfahren“ häufig anzutreffen seien. Zahlreiche Betreiber hätten bereits in der Vergangenheit VoIP- oder Peer-to-Peer-Anwendungen sowie andere Dienste mit hoher Bandbreite und niedriger Latenz blockiert oder gedrosselt – und verstecken solche Regelungen gerne im Kleingedruckten. Gegen Spezialdienste würde im Prinzip nichts sprechen, solange sie über physikalisch oder logisch getrennte Zugangskanäle angeboten werden:

    Sie dürfen dann aber nicht als Internetzugang oder als Paket zusammen mit einem Internetzugang angeboten oder in einer Art und Weise verwendet werden, in der das Prinzip der Netzneutralität eines Internetzugangsprodukts vorsätzlich oder ursächlich verletzt würde. Diese Spezialdienste sollten einer wachsamen Beaufsichtigung und strenger Transparenz unterliegen, falls und wann immer sie auf den Markt kommen.

    Das würde das Problem lösen, dass es technische keine Möglichkeit gebe, für bestimmte Datenströme im Internet eine priorisierte Servicequalität anzubieten, ohne andere Datenströme einzuschränken. Denn technisch betrachtet gehe es in der Debatte um Netzneutralität darum, „wie in einer Netzwerkverbindung zwischen einem Inhalte-/Diensteanbieter und einem Endbenutzer bei bestimmten Routern oder über bestimmte Links hinweg auf Datenengpässe oder Paketverluste reagiert werden soll.“ Solange der gesamte Verkehr auf demselben Medium übertragen wird, gebe es nur zwei Wege, um Qualitätsprobleme zu umgehen: Entweder eine Erhöhung der Kapazität für alle, um einen höheren Datendurchsatz zu ermöglichen und somit Datenengpässe zu verringern; oder – wie es die TK-Branche, der EU-Rat und Kommission gerne regeln würden – Datenengpässe durch den Verkauf von Prioritätszugängen zu monetarisieren. Als Konsequenz bedeutet das freilich eine gleichzeitige Verschlechterung der Leitungsqualität für alle anderen:

    Jede Priorisierung von Paketen an Engstellen im Netzwerk, mit der diese Anforderung an eine höhere Servicequalität honoriert werden soll, führt aber automatisch zu einer Verringerung der verfügbaren Bandbreite aller anderen Datenströme in der Warteschlange und damit zu einer Einschränkung (oder Unterbrechung) bei der Bereitstellung nicht priorisierter Daten.

    Ähnlich sieht das auch Thomas Lohninger, der zudem den dann möglichen doppelten Markt für Provider ins Feld führt, sollten Spezialdienste auf demselben Medium erlaubt werden:

    Diese Reklassifizierung würde es Telekomanbietern ermöglichen einen doppelten Markt zu eröffnen, in welchem Online-Diensteanbieter sich von diesen einen bevorzugten Zugang zu dessen Kunden kaufen könnten. Damit wäre das Zwei-Klassen-Internet festgeschrieben und das Prinzip der Netzneutralität Geschichte. Durch einen solchen doppelten Markt wären die Anbieter von Online-Diensten in der Situation, entweder ihre Dienste in minderer Qualität als ihre Konkurrenz anbieten zu müssen oder mit jedem Telekomanbieter eigene Verträge über den Zugang zu dessen Kunden aus zu verhandeln.

    Davon würden Marktführer profitieren, die es sich leisten könnten, für den bevorzugten Zugang zum Kunden zu bezahlen, im Unterschied zu Neuankömmlingen am Markt. In weiterer Folge würde das zu einer Konsolidierung des gesamten Marktes führen, und neue Anbieter von Online-Diensten, die innovative Idee voran bringen, könnten sich schwer bis gar nicht auf dem europäischen Markt etablieren.

    Von der Bundesnetzagentur und von Digitale Gesellschaft e.V. liegen derzeit keine schriftlichen Stellungnahmen vor. Die aktuelle Position der Regulierungsbehörde ist insbesondere vor dem Hintergrund der letzte Woche in Kraft getretenen Regeln für Netzneutralität in den USA spannend. In den laufenden Trilog-Verhandlungen auf EU-Ebene vertritt Deutschland im Ministerrat bekanntlich weitgehend die Wünsche der Providerlobby, während unser Digitalkommissar Günther Oettinger vor der Einführung des Sozialismus durch die Tür der Netzneutralität warnt.

    17. Juni 2015
  • : Regeln für Netzneutralität in den USA treten in Kraft
    US-Präsident Obama mit FCC-Chef Tom Wheeler. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/samchurchill/10584331825/">Sam Churchill</a>
    Regeln für Netzneutralität in den USA treten in Kraft

    Vergangenen Freitag sind in den USA die von der Regulierungsbehörde FCC erlassenen Regeln für Netzneutralität in Kraft getreten. Damit unterliegen Internet- und Mobilfunkanbieter den selben strengen Vorgaben wie Betreiber von Telefonienetzen.

    Künftig ist es ihnen untersagt, den Zugang zu legalen Inhalten, Diensten und Anwendungen zu blockieren, zu drosseln oder bestimmte Inhalte bevorzugt zu behandeln, also bezahlte Überholspuren einzurichten. Anbieter müssen ihre Angebote zudem transparenter gestalten und unter anderem verbindliche Aussagen darüber treffen, mit welchen Preisen und tatsächlich erreichbaren Geschwindigkeiten Kunden rechnen müssen.

    Erstmals ist es der FCC erlaubt, Peering-Fragen zwischen Providern zu klären und regulierend einzugreifen, wenn es bei Übergabepunkten zu Problemen kommen sollte. Netzwerkmanagement, etwa bei Überlastung, bleibt erlaubt, muss aber angemessen und transparent ablaufen. Wie die Regulierungsbehörde mit Schlupflöchern wie sogenannten Zero-Rating-Angeboten umgeht wird sich noch weisen müssen. Ausdrücklich verboten sind sie nicht, sondern sollen auf Fall-zu-Fall-Basis bewertet werden. Für Kundenbeschwerden hat die FCC einen eigenen Bereich samt Beschwerdeformular eingerichtet.

    Bis zuletzt hatte die Telekommunikationsbranche versucht, das Inkrafttreten der neuen Regeln zu verhindern. Die noch laufenden Gerichtsverfahren gegen das Regelwerk müssten zunächst ausgefochten werden, bevor Provider unter die „Bestimmung II“ des Telekommunikationsgesetzes fallen dürften. Erst diese Einstufung von Providern als Infrastrukturanbieter machen es der Regulierungsbehörde möglich, entsprechend starke Regeln zu erlassen. Ein US-Bundesgericht wies am Donnerstag den Einspruch ab, versprach im Gegenzug aber, die Klage möglichst bald zu prüfen.

    Unterstützung erhält die Branche vom republikanisch dominierten US-Kongress. Der für Budgetfragen zuständige Unterausschuss im Repräsentantenhaus verabschiedete letzte Woche einen Budgetentwurf, der es der FCC untersagt, die Netzneutralitätsregeln zu implementieren, solange dazu noch Gerichtsverfahren laufen. Die Erfolgsaussichten dieses legislativen Tricks bleiben jedoch ungewiss, da neben dem (ebenfalls republikanisch geführten) Senat noch US-Präsident Barack Obama zustimmen müsste. Dieser hatte sich in der Vergangenheit klar für Netzneutralität ausgesprochen.

    15. Juni 2015
  • : Netzpolitischer Wochenrückblick – KW 24 – Der Bundestag hätte gerne sein IT-Netzwerk zurück
    <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/protohiro/85504626">protohiro</a>
    Netzpolitischer Wochenrückblick – KW 24 – Der Bundestag hätte gerne sein IT-Netzwerk zurück

    Herzlich Willkommen zum 24. netzpolitischen Wochenrückblick in diesem Jahr. Das war eine Woche der Live-Blogs. Insgesamt vier Mal haben wir mit diesem Format Debatten und Verhöre aus dem Deutschen Bundestag für Euch dokumentiert. 215.000 Zeichen insgesamt, wir fühlen uns gerade auch nach Wochenende. Aber der Reihe nach.

    Dieser Wochenrückblick wurde auch als Newsletter verschickt. Hier kann man sich dafür eintragen.

    Anfang der Woche haben SPD und Union mit großer und absoluter Mehrheit für den Gesetzentwurf der Vorratsdatenspeicherung gestimmt und dieser wurde am Freitag im Bundestag in der ersten Lesung debattiert. 38 mutige SPD-Abgeordnete haben dagegen gestimmt. Das sind leider nur 20%, der Union fehlen nur vier SPD-Stimmen für eine spätere Verabschiedung. Dafür ist erst mal das Schnellverfahren gestoppt. Über die anlasslose Vollprotokollierung unseres Kommunikationsverhaltens soll erst frühestens im September nach der Sommerpause abgestimmt werden. Ursprünglich geplant war der Juli vor der Sommerpause. Die Kritik an dem geplanten Gesetz wird immer größer. In der SPD haben elf von 16 Landesverbände Beschlüsse dagegen, nächste Woche debattiert der SPD-Parteikonvent dazu. Wir wünschen den Gegnern viel Erfolg und eine Mehrheit! Die CDU-Bundesdatenschutzbeauftragte ist dagegen, ebenso warnt der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages und auch der evangelische Parteitag Kirchentag setzt ein starkes Zeichen dagegen.

    Angela Merkel fiel es deutlich schwer, mit Argumenten dafür zu sprechen. Und die Bundesregierung kann die Notwendigkeit nicht belegen. Die Vorratsdatenspeicherung ist eine reine Glaubensfrage. Wir sagen: Bauchgefühl darf keine Grundrechte aushebeln! In der Bevölkerung gibt es eine Mehrheit gegen mehr Überwachungsmaßnahmen. Wichtig ist auch die Überwachungsgesamtrechnung. In Belgien hat das Verfassungsgericht die dortige Speicherung gestoppt und in Paraguay wurde die Einführung verhindert.

    Das IT-Sicherheitssimulationsgesetz ist durch den Bundestag

    Der Bundestag hat in zweiter und dritter Lesung nach kleinen Änderungen das IT-Sicherheitsgesetz verabschiedet, wir nennen es IT-Sicherheitssimulationsgesetz. Währenddessen hat der Bundestag wohl die Kontrolle über die eigene Haus-IT verloren. Lorenz Matzat nennt das einen „Totalschaden der Demokratie“. Eine Anhörung im Bundestag zeigte, dass die Reform des Verfassungsschutzes viele Mängel enthält und mehr als überkomplex ist. Der Verfassungsschutz-Präsident Maaßen vergleicht dafür das Internet mit Atomkraft.

    Angela Merkel hat gegenüber Wirtschaftslobbyisten Klartext gegen Datenschutz und gegen Netzneutralität geredet. Dafür hat der Petitionsausschuss für Netzneutralität votiert und auch die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sprach sich dafür aus. Kabel Deutschland will hingegen Netflix bevorzugen, wenn die zahlen und so zeigt sich, dass das Gerede von Oettinger und Merkel mit den selbstfahrenden Autos und Operationen im Netz nur Ablenkung von den eigentlichen Themen ist.

    Der Generalbundesanwalt Range hat die Ermittlungen im Fall Merkel-Handy eingestellt, weil nichts gerichtsfest verwertbar sei. Am Donnerstag wurden im Geheimdienst-Unterschungsausschuss die Zeugen Dr. Thomas Kurz (Bundeskanzleramt, 2008 Referatsleiter des Referats 621), Guido Müller (Vizepräsident BND, 2010 Referatsleiter 623) und Hans Josef Vorbeck (Bundeskanzleramt, 2003 bis 2011 Gruppenleiter 62) verhört. Moneyquote: „Ich habe erst jetzt von Akten erfahren, die damals an mich gingen.“ Am Freitag war der ehemalige BND-Präsident Ernst Uhrlau dran, der sich daran erinnerte, bereits 2006 das Bundeskanzleramt über mögliche Spionageaktivitäten der NSA in der EU informiert zu haben. Die Bundesregierung will weiterhin die Herausgabe der Selektoren an das Parlament verhindern. In Frankreich wurde vom Senat das Geheimdienstgesetz beschlossen und die Schweiz bekommt ein eigenes PRISM.

    Wir verklagen das Bundeskriminalamt

    Der Bundesnachrichtendienst antwortet nicht mehr auf unsere Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz und verletzt damit unser Recht. Leider ist klagen dagegen für uns zu aufwändig und zu teuer. Dafür verklagen wir das Bundeskriminalamt und wollen Einblick in den Vertrag über den Staatstrojaner FinFisher.

    Besser als Fernsehen: Der Jahresrückblick Social Media Recht von der re:publica bietet Einsteigern und Fortgeschrittenen einen Crashkurs zu aktuellen Fallstricken im Netz. Eric King von Privacy International erklärt die europäischen Allianzen der Five Eyes und wie der Ringtausch wohl abläuft. Eine spannende Frage bleibt, wie man Robotern ethisches Verhalten beibringt sowie die Frage nach dem digitalen Imperialismus. Und dann fragen wir uns noch, warum die Bundesregierung die Geschäftsgeheimnisse der Schufa höher hält als die Privatsphäre ihrer Bürger.

    Bleibt zum Schluss eine gute Nachricht: Wir haben den Vorverkauf für unsere „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz am 4. September in Berlin gestartet, wo wir auch gleichzeitig unseren elften Geburtstag feiern. Kommt alle.

    Wir wünschen gute Erholung, viel Kühlung und auch ansonsten ein schönes Wochenende. Wir werden Samstag auf dem Torstraßenfestival in Berlin sein, das nebenan organisiert wird und in der Nachbarschaft stattfindet. Euch allen viel Spaß.

    12. Juni 2015 3
  • : Merkel stellt sich gegen Datenschutz und Netzneutralität
    Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit dem Kommissar für den digitalen Binnenmarkt Andrus Ansip. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/estonian-foreign-ministry/1914537813/">Estonian Foreign Ministry</a>
    Merkel stellt sich gegen Datenschutz und Netzneutralität

    Deutschland dürfe sich nicht vor Big Data und freizügigen Datenschutzbestimmungen fürchten, sondern müsse Daten als Rohstoff der Zukunft sehen, um im globalen Wettbewerb nicht abgehängt zu werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Wirtschaftstag 2015. „Wenn wir das akzeptieren, dann dürfen wir eben nicht als erstes nur über den Schutz nachdenken, sondern wir müssen auch überlegen, welche Chancen bestehen darin“, zeigte sie sich über die Wettbewerbsfähigkeit deutscher und europäischer Unternehmen auf dem Weltmarkt besorgt und weniger über Datenschutz und die informationelle Selbstbestimmung einzelner Bürger.

    Die eigentliche Musik wird stattfinden jetzt in der Debatte um die Datenschutzgrundverordnung, um das Big Data Management, und da müssen wir aufpassen, dass wir in Europa nicht ein klein wenig schizophren sind. Wir haben das schöne Safe-Harbor-Abkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika, das heißt, es können alle Daten aus Europa nach Amerika geschickt werden und dort zu neuen Produkten verarbeitet werden, und der europäische Kunde ist froh, mit diesen Produkten dann hantieren zu können. Wir müssen es schaffen, ein solches Big Data Management zu machen, dass Wertschöpfung hier auch in Europa stattfinden kann. Und da darf sozusagen nicht das Big Data Management gewinnen jetzt in der Kompromissfindung, das den restriktivsten Zugang zu den Daten hat, sondern es muss ein fairer Kompromiss gefunden werden, der die Wertschöpfung aus anonymisierten Daten, das geht in Europa immer noch ganz genau, aber auch aus individualisierten Daten möglich macht, weil die Kunden werden individualisierte Applikationen fordern, und deshalb müssen wir an dieser Stelle gemeinsam denken und möglichst schnell vorankommen.

    Dieser Vorstoß lässt nichts Gutes für die Verhandlungen zur EU-Datenschutz-Grundverordnung erahnen. Über dieses soll am 15./16. Juni im Rat abgestimmt werden, bevor es in die Trilog-Verhandlungen mit dem Parlament und der Kommission geht. Deutschlands Position im Rat war in der Vergangenheit wiederholt dafür kritisiert worden, Datenschutzregelungen herabsenken und etwa das Prinzip der Zweckbindung aufheben zu wollen. Und dass Merkel das Safe-Harbor-Abkommen ironiefrei als „schön“ bezeichnet, dürfte sowohl die EU-Kommission als auch das Parlament überraschen. Beide Institutionen haben sich in unterschiedlicher Intensität für die Aussetzung des Abkommens ausgesprochen, weil darin zwar Datenschutz und Kontrolle versprochen, aber nachweislich nicht eingehalten wird.

    Big Data dürfe nicht als Bedrohung, sondern als Wertschöpfungsmöglichkeit der Zukunft gesehen werden, so Merkel. Es würden viele Arbeitsplätze im industriellen Bereich verloren gehen, prophezeite die Kanzlerin, weil Maschinen die Arbeit übernehmen könnten und würden. Sie zeigte sich jedoch überzeugt, dass

    sehr viel mehr Arbeitsplätze geschaffen werden mit der Wertschöpfung aus der Kenntnis der Daten. Wenn wir uns diesen Teil der Wertschöpfung aber abkoppeln und in Europa nicht stattfinden lassen, dann werden wir ein großes Problem haben, die Wertschöpfung, so wie wir sie heute haben, zu erhalten. Und der zentrale Punkt wird nicht mehr „Das Auto“, „Das Zugabteil“ sein, sondern der zentrale Punkt wird die Schnittstelle zum jeweiligen Kunden sein.

    Interessanterweise vertrat Audi-CEO Rupert Stadler auf der gleichen Veranstaltung die gegenläufige Position. Das Auto sei ein zweites Wohnzimmer und daher privat. Die einzige Person, die Zugang zu den an Bord gespeicherten Daten bräuchte, sei der Kunde, sagte Stadler und fügte hinzu, dass Audi die Privatsphäre seiner Kunden sehr ernst nehme. Dieser Vorstoß dürfte sich gegen den ebenfalls anwesenden Executive Chairman von Google Eric Schmidt gerichtet haben. Das US-Unternehmen will seine Android-Plattform in möglichst vielen Autos unterbringen und langfristig wohl auch in den Markt autonom fahrender Autos einsteigen – und die dabei anfallenden Kundendaten zu Geld machen. Ob Audi die Netzneutralität genauso ernst nimmt wie die Privatsphäre der Kunden bleibt zur Zeit noch unklar. Eine entsprechende Anfrage blieb zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bislang unbeantwortet. Denn auch dieses Thema schnitt Merkel in ihrer Rede an:

    Wir müssen uns mit der Frage der Netzneutralität auseinandersetzen, wenn wir Spezialdienste anbieten wollen, wenn wir Telemedizin machen wollen, wenn wir autonomes Fahren machen wollen, dann muss es sichere Bedingungen für große Datenmengenübertragungen geben, und deshalb kann man nicht sagen, wir kümmern uns darum nicht.

    Bisher verneinen Autohersteller, für automatisiertes Fahren überhaupt Netzzugang zu benötigen, geschweige denn priorisierte Überholspuren im Internet. Das hält offenbar die Bundesregierung und insbesondere den EU-Digitalkommissar Günther Oettinger nicht davon ab, dieses vorgeschobene Argument regelmäßig auf’s Tapet zu bringen. Argumente werden gedreht und gewendet, wie man sie gerade braucht: In Sachen Datenschutz müsse sich Europa an die USA angleichen, in Sachen Netzneutralität ignoriert Merkel jedoch freimütig die strengen Netzneutralitätsregeln, die in den USA Anfang des Jahres angekündigt wurden – ohne, dass die Welt untergegangen wäre.

    In der Frage des europäischen Binnenmarktes beklagt Merkel den relativ starken Wettbewerb in den einzelnen Nationalstaaten und will lieber gesamteuropäische Großunternehmen sehen, die chinesischen oder US-amerikanischen Konzernen ähneln.

    Wir brauchen Veränderungen im Wettbewerbsrecht, weil wir heute einen fragmentierten Markt haben, weil wahrscheinlich auch der Blickwinkel – Was ist eine Monopolstellung in Europa? – ein falscher ist. Und wenn wir in China wenige Telekommunikationsanbieter haben, in den USA wenige, und in Europa mehr als die Zahl der Mitgliedsstaaten, dann können die nie eine globale Kraft entfalten und hier muss das erst ansetzen.

    Schließlich geht Wettbewerb über alles, und das kleine Deutschland respektive Europa sei dieser alternativlosen Entwicklung hilflos ausgeliefert:

    Wir müssen natürlich feststellen, dass wir an dieser Stelle nicht diejenigen sind, die das Weltgeschehen bestimmen. Und das hängt natürlich mit einem zusammen, was auch in Deutschland stark ausgeprägt ist. In den USA ist, wenn ich das richtig verstehe, alles erlaubt, was nicht explizit verboten ist. Bei uns ist tendenziell erst mal alles verboten, was nicht explizit erlaubt ist. Und das bedeutet natürlich, dass sie politisch Handelnde haben müssen, auch wirtschaftlich Handelnde haben müssen, die ein hohes Maß an Sachwissen haben, um immer vorauszusehen, was an Rahmensetzung gebraucht wird. Bei der rasanten Entwicklung der digitalen Gesellschaft und der Digitalisierung ist es aber nicht sichergestellt.

    Warum ist Günther Oettinger nochmal EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft?

    Die Rede lässt sich auf Youtube in ihrer Gesamtheit ansehen, darüber hinaus haben wir ein Transkript der relevanten Passage angefertigt:

    Aber ich will, zu dem zweiten Thema, als zweites Thema der Digitalisierung aufgreifen, weil es heute hier offensichtlich, bei ihrem Wirtschaftsrat, auch eine große Rolle spielt. Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft tiefgreifend, das ist hier auch schon oft gesagt worden. Und ich wage jetzt einfach mal, auch an Sie eine Bitte zu richten: Beschäftigen Sie sich damit. Mit dem Schlagwort Industrie 4.0 ist es nicht getan. Ich mache mir Sorgen, dass zwar einige Unternehmen in Deutschland sehr gut, inzwischen, die Herausforderung erkannt haben, dass aber in der Breite des Mittelstands die Tiefe dieser Veränderung – ich will keinem zu nahe treten – vielleicht noch nicht ausreichend bekannt ist, und es wird nicht reichen, einen IT-Verantwortlichen in jedem Unternehmen zu haben, sondern das Ganze muss vom CEO aus gedacht werden oder vom Chef des Hauses. Und da ich, da ich nun auch alles andere als ein Digital Native bin, sondern bestenfalls ein Anfangs-Digital-Migrant, weiß ich, weiß ich, was es bedeutet, sich in erklecklichem Lebensalter auf diese neue Welt einstellen zu müssen. Wir werden alles, oder viel mehr, vom Individuum heraus denken. Das wird erhebliche Folgerungen auch haben, die gesellschaftlichen Folgerungen sind angesprochen worden, für den gesellschaftilchen Zusammenhalt. Damit müssen wir uns befassen, weil die Frage nach der natürlichen Solidarität, wenn sie sehr viel mehr wissen über die individuellen Verhaltensweisen, nicht mehr so gegeben sein wird, wie wir das aus der klassischen sozialen Marktwirtschaft kennen, mit großen Gruppen, die in gemeinsamen Versicherungssystemen sind, sondern wir werden hier zumindest einen Druck auf Fragmentierung der Gesellschaft spüren, der in Deutschland sicherlich eine breite gesellschaftliche Diskussion hervorrufen muss.

    Aber ich fang mal einfach an. Es wird alles digitalisiert werden, was digitalisiert werden kann. Das heißt, man braucht ein positives Verhältnis zum Phänomen von Daten. Wer Daten als eine Bedrohung ansieht, wer bei jedem Datum überlegt, was kann man Schlechtes damit machen, der wird der Chance der Digitalisierung nicht gerecht werden. Weil mehr Daten brauchen natürlich einen Rahmen, wie alles in der sozialen Marktwirtschaft einen Rahmen braucht, aber mehr Daten sind erst einmal der Rohstoff, um mehr Produkte und mehr Anwendungen und mehr Innovationen zu haben. Daten werden der Rohstoff der Zukunft sein in der digitalen Welt.

    Und wenn wir das akzeptieren, dann dürfen wir eben nicht als erstes nur über den Schutz nachdenken, sondern wir müssen auch überlegen, welche Chancen bestehen darin. Und wir werden nicht nur in nationalen Parlamenten, sondern – ich schau einfach mal Elmar Brok an, weil er gerade so vor mir sitzt – sondern auch im europäischen Parlament darüber sprechen müssen, dass Big Data nicht eine Bedrohung ist, sondern Wertschöpfungsmöglichkeit der Zukunft ist. Und es werden viele Arbeitsplätze im industriellen Bereich verloren gehen, weil Arbeit auch ersetzt werden kann durch Maschinen. Und es können, und davon bin ich zutiefst überzeugt, sehr viel mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, mit der Wertschöpfung aus der Kenntnis der Daten. Wenn wir uns diesen Teil der Wertschöpfung aber abkoppeln und in Europa nicht stattfinden lassen, dann werden wir ein großes Problem haben, die Wertschöpfung, so wie wir sie heute haben, zu erhalten. Und der zentrale Punkt wird nicht mehr das Auto, das Zugabteil sein, sondern der zentrale Punkt wird die Schnittstelle zum jeweilgen Kunden sein. Das ist im Grunde ein großes, sozusagen Stärkungswerk, die Digitalisierung für die Wünsche des Kunden. Und vom Kunden her muss gedacht werden. Das heißt, Industrie 4.0 ist gut, aber es wird eine Vernetzung aller Dinge geben. Die Industrie 4.0 muss auf die gesamte Gesellschaft ausgerollt werden.

    Und was wo, wo machen wir uns jetzt die Chancen der europäischen Union zu Nutze? Natürlich noch zu wenig. Herr Ives hat es gesagt, Island (sic) ist, hat Recht, aber, lieber Herr Staatspräsident, Sie haben ein bisschen damit kokettiert, dass Sie ein kleines Land sind. Da wo ich sitze, im Rat der Staats- und Regierungschefs, hat jedes Land eine Stimme. Und Estland kann dort erklären, dass sie vielen Sachen nicht mehr zustimmen werden, wenn wir nicht endlich auf dem Gebiet der Digitalisierung auch vorankommen, und dann sind wir schon zwei, denn ich werde dem estnischen Ministerpräsidenten helfen.

    Und ich weiß das, und wir brauchen, wir brauchen Veränderungen im Wettbewerbsrecht, weil wir heute einen fragmentierten Markt haben, weil wahrscheinlich auch der Blickwinkel, was ist eine Monopolstellung in Europa, ein falscher ist, und wenn wir in China wenige Telekommunikationsanbieter haben, in den Vereinigten Staaten von Amerika wenige und in Europa mehr als die Zahl der Mitgliedsstaaten, dann können die nie einen globalen, eine globale Kraft entfalten und hier muss das Erste (sic) ansetzen. Zweitens, ja, wir haben mit dem Telekommunikationspaket, obwohl’s um so schöne Dinge geht wie Netzneutralität und Roaming-Gebühren, Jahre zugebracht. Und die frühere Kommissarin Neelie Kroes, die Vorgängerin von Günther Oettinger, hat in einem, in einem wirklich verzweifelten Versuch alle zu begeistern, hier viel, viel Zeit verbracht. Aber die gute Nachricht heißt, die lettische Präsidentschaft hat jetzt der ganzen Sache, zusammen mit Günther Oettinger und Andrus Ansip, so auf die Sprünge geholfen, dass wir kurz vor einigen Einigungen stehen. Und es gibt eine sehr konstruktive Haltung, jetzt auch im europäischen Parlament, und wir müssen uns mit der Frage der Netzneutralität auseinandersetzen, wenn wir Spezialdienste anbieten wollen. Wenn wir Telemedizin machen wollen, wenn wir autonomes Fahren machen wollen, dann muss es sichere Bedingungen für große Datenmengenübertragungen geben, und deshalb kann man nicht sagen, wir kümmern uns darum nicht. Wir werden Fortschritte bei den Roaming-Gebühren haben, das wird ein erster Schritt sein. Aber die eigentliche Musik wird stattfinden jetzt, in ’ner Debatte um die Datenschutzgrundverordnung, um das Big-Data-Management, und da müssen wir aufpassen, dass wir in Europa nicht ein kleines wenig, ein klein wenig schizophren sind. Wir haben das schöne Safe-Harbour-Abkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika, das heißt, es können alle Daten aus Europa nach Amerika geschickt werden, dort zu neuen Produkten verarbeitet werden, und der europäische Kunde ist froh, mit diesen Produkten dann hantieren zu können. Wir müssen es schaffen, ein solches Big-Data-Management zu machen, dass unsere, dass Wertschöpfung hier auch in Europa stattfinden kann. Und da darf, sozusagen, nicht die, das Big-Data-Management gewinnen jetzt, in der Kompromissfindung, das den restriktivsten Zugang zu den Daten hat, sondern es muss ein fairer Kompromiss gefunden werden, der die Wertschöpfung aus anonymisierten Daten, das geht in Europa immer noch ganz genau, aber auch aus individualisierten Daten möglich macht, weil die Kunden werden individualisierte Applikationen fordern, und deshalb müssen wir an dieser Stelle gemeinsam denken und möglichst schnell vorankommen.

    Nun brauchen wir natürlich, die gute Nachricht ist, die neue Kommission nimmt sich dieser Sache sehr intensiv an, der französische Präsident und ich hatten in der vergangenen Woche eine Diskussion mit dem European-Round-Table, bei der wir nur über die Fragen der Digitalisierung gesprochen haben, vom Wettbewerbsberecht bis, im übrigen auch, zum Steuerrecht, wo die ganze Frage der Verlustabschreibung von Start-Ups im Falle eines Unternehmen‑, also eines Kapitaleigentümerwechsels, in Europa auch nicht gut geregelt ist. Start-Ups wechseln des häufigeren ihre Kapitalseigner, und wenn dann sozusagen Verlustabschreibungen nicht zu übertragen sind, dann werden die, wird die Entwicklung der Start-Ups gehindert. Aber das muss auch in der, auf der europäischen Ebene diskutiert werden, und wir haben ganz, relativ ambitioniert, Jean-Claude Juncker war auch dabei, bei dieser Diskussion gesagt, wir treffen uns im Oktober wieder und machen dann eine Betrachtung, wo sind die Fortschritte und was haben wir erreicht.

    Ich will damit nur sagen, das ist etwas, was sich die Bundesregierung mit ihrer digitalen Agenda auf die Fahnen geschrieben hat. Das ist etwas, was wir jetzt mit Leidenschaft und Nachdruck, auch in Europa, befördern. Und ich glaube, wenn wir noch weiter auch und Sie alle, wenn sie im europäischen Ausland sind, deutlich machen, dass es eine große Dringlichkeit hat, dann haben wir einige Chancen, Zeit aufzuholen, aber wir müssen natürlich feststellen, dass wir an dieser Stelle nicht diejenigen sind, die das Weltgeschehen bestimmen. Und das hängt natürlich mit einem zusammen, was auch in Deutschland stark ausgeprägt ist, in den USA ist, wenn ich das richtig verstehe, alles erlaubt, was nicht explizit verboten ist. Bei uns ist tendenziell erstmal alles verboten, was nicht explizit erlaubt ist.

    Und das bedeutet natürlich, dass sie politisch Handelnde haben müssen, auch wirtschaftlich Handelnde haben müssen, die ein hohes Maß an Sachwissen haben, um immer vorauszusehen, was an Rahmensetzung gebraucht wird. Bei der rasanten Entwicklung der digitalen Gesellschaft und der Digitalisierung ist es aber nicht sichergestellt. Und deshalb komme ich zurück zu meinem Anfangsappell: Beschäftigen Sie sich intensiv damit und machen Sie es nicht zu einem Nebenthema in Ihren Unternehmen, denn schneller als Sie denken, werden diejenigen, deren Zulieferer Sie vielleicht sind, auf Sie zukommen und von Ihnen erwarten, dass sie in dem Gespräch der Maschinen sozusagen automatisch teilnehmen, dass Business To Business Communication normal ist, aber, vergessen wir auch in Europa nicht, der Kunde und die Schnittstelle zu ihm ist der eigentliche Anknüpfungspunkt, an dem die Wertschöpfung der Zukunft stattfinden wird, und wir wollen ja nicht, dass die deutsche Industrie sozusagen zum Schluss-Zulieferer für die Kundenwünsche ist, sondern sie soll ja Gesamtproduktion herstellen.

    11. Juni 2015 39
  • Bundestag: Petitionsausschuss setzt sich für gesetzliche Verankerung der Netzneutralität ein
    Petitionsausschuss des Bundestages. Bild: <a href="http://www.linksfraktion.de/">Linksfraktion</a>. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">BY 2.0</a>.
    Bundestag Petitionsausschuss setzt sich für gesetzliche Verankerung der Netzneutralität ein

    Heute im Bundestag berichtet: Rechtsrahmen für Netzneutralität

    Der Petitionsausschuss setzt sich für eine gesetzliche Verankerung der Netzneutralität ein. In der Sitzung am Mittwochmorgen beschlossen die Abgeordneten einstimmig, eine Petition zu dem Thema der Gleichbehandlung aller Datenpakete im Internet dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur „als Material“ zu überweisen und dem Europäischen Parlament zuzuleiten.

    Nach unseren Informationen geht es dabei um diese Petition aus dem April 2013: Keine erhebliche Bereitstellung von Inhalten durch Internetverbindungsanbieter.

    Es ist ein wichtiges Element des Internets, dass alle transportierten Daten gleich behandelt werden. Der hierfür am häufigsten gebrauchte Begriff ist die sogenannte Netzneutralität. Wenn ein Unternehmen gleichzeitig die Verbindung zum Internet sowie wesentliche Dienste im Internet anbietet, hat es ein wirtschaftliches Interesse daran, die eigenen Dienste bevorzugt zu behandeln. Dies führt zu einem Interessenskonflikt. Solange es Anreize für Verbindungsanbieter gibt, eigene Inhaltsangebote zu bevorzugen, wird das Prinzip der Netzneutralität wieder und wieder gefährdet werden.

    Diese Petition hatte 263 Online-Mitzeichner erreicht.

    Eine besser formulierte und öfter unterzeichnete Petition Beibehaltung der bisherigen Netzneutralität im Internet aus dem Januar 2014 mit 1.169 Online-Mitzeichnern wurde bereits im Februar diesen Jahres behandelt.

    Warum jetzt eine ältere und weniger beachtete Petition nochmal drankam, konnte uns nicht auf Anhieb gesagt werden.

    Die Sinnhaftigkeit von Petitionen im allgemeinen hatten wir bereits im Oktober 2012 angezweifelt: Petitionen sind fürn Arsch.

    10. Juni 2015 1
  • : Netzneutralität im Streaming-Bereich: Kabel-Deutschland-Chef will Netflix bevorzugen
    Switch <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/schwenke/2249617094/in/photolist-cPgSR7-5Bm9TU-5XQRi7-5SA6Je-dySbpQ-5ZPqkf-ddjNYw-4qMSMC-bepTX-4qMYQG-4qMYvh-4qHUiH-4qHTYF-4qHTSK-35Tgta-9YkFYc-7MFqJv-38FMHr-6XuiQL-nSUKdZ-u4Nhk-4kwL1C-pcWjkX-puqrqV-psojes-4qHU8T-4qMYdm-4qHTBx-4qHTH4-bDrGgx-e3nDzw-bQcCPe-bBhYcj-fjKc5W-fjKc87-ci4Hiq-ebqaoB-duZQqq-bepCF-beprq-e3gY2e-dXTGJa">schwenke</a>
    Netzneutralität im Streaming-Bereich: Kabel-Deutschland-Chef will Netflix bevorzugen

    Wie golem.de berichtet, hat der Chef von Kabel-Deutschland, Manuel Cubero, auf der Branchenmesse der Kabelnetzbetreiber in Köln in einer Diskussionsrunde erklärt:

    Qualitätsklassen sind in dem Bereich unerlässlich. Wenn Firmen wie Netflix Bedarf haben, ihre Daten schneller zum Kunden zu bringen, dann müssen wir in der Lage sein, das auch anbieten zu können.

    Dies sei aber keinesfalls diskriminierend, denn die Qualitätsklassen würden ja allen angeboten. Wenn Kabelnetzbetreiber ihre Gewinne steigern wollen und zu diesem Zwecke Firmen, die das nötige Kleingeld mitbringen, eine bessere Behandlung der Daten ermöglichen, finden wir das sehr wohl diskriminierend. Auch wenn, juristisch gesehen, keine Diskriminierung vorliegt, wenn alle die Möglichkeit haben, bevorzugt behandelt zu werden. Dass die Netzbetreiber auf neue Entwicklungen reagieren und ihre Netze, um dem steigenden Traffic gewachsen zu sein, ausbauen müssen, kann und darf nicht durch Premium-Tarife für Großkunden refinanziert werden. Das wäre das Gegenteil von Netzneutralität. Dem stimmt auch Günther Oettinger zu, wie wir hier erfahren haben.

    Er ist FÜR Netzneutralität. Mit einer Ausnahme: Wenn es um Dienste im allgemeinen Interesse geht, also beispielsweise Notdienste, Feuerwehr, Krankendienste, dann sollten diese Vortritt haben. (Das heißt auch, dass es für Firmen keine Ausnahmen geben soll, selbst wenn sie dafür zahlen würden)

    Hier positioniert sich Oettinger dann, ganz zu unserer Freude, auch deutlich klarer als die Kanzlerin vor einigen Tagen, anlässlich des Evangelischen Kirchentages. Es sei aber darauf hingewiesen, dass beim EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft Rhetorik und Handeln im Moment noch diametral zueinander stehen. Merkel äußerte (ZDF-Mediathek) sich jedenfalls zum Thema wie folgt:

    Dann haben wir das schwierige Problem Netzneutralität. Alle sagen, wir wollen natürlich den gleichen Zugang zum Internet. Andere sagen, wenn ich bestimmte Anwendungen habe, also ich möchte autonom ohne Fahrer Auto fahren, dann kann das natürlich nicht sein, dass ich irgendwo nach 200 Metern plötzlich mit einem anderen zusammen krache, weil das Netz nicht zur Verfügung steht. Ist das nun genauso wichtig, dieses Netz, oder hat es eine höhere Priorität?

    10. Juni 2015 14
  • : Medienforum NRW: Hannelore Kraft gegen Störerhaftung, Depublikation und für Netzneutralität
    Medienforum NRW: Hannelore Kraft gegen Störerhaftung, Depublikation und für Netzneutralität

    Die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat heute das Medienforum 2015 in Köln eröffnet. In ihrer Rede ging es auch um einige netzpolitische Fragestellungen.

    Im Gegensatz zur Bundesregierung kritisiert Kraft die geplante Verschlimmbesserung der Störerhaftung durch eine Änderung im Telemediengesetz. Die Landesregierung NRW hatte sich dazu schon dezidiert geäussert.

    Auch der Ausbau der öffentlichen W‑LAN-Netze ist in meinen Augen für die Digitalisierung des Landes wichtig. Dazu muss jedoch die Haftungs­frage geklärt werden. Der Bund ist nun gefordert, hier konstruktivere Ansätze zu entwickeln als bisher. Der vorliegende Änderungsvorschlag ist zu kom­pliziert und versperrt eher den Zugang zum freien Netz. Ich bin aber davon überzeugt, dass es im Bundestag zu einer Verbesserung kommen wird.

    Die absurde Regelung zur Depublizierung von Inhalten in den Mediatheken soll laut Kraft weg. Dem können wir uns nur anschließen:

    Das ist ein dickes Brett,. aber wir bohren auch dieses Brett beharrlich weiter. Das gilt für die 7‑Tage-Regelung genau so, auch das ist ein Dauer-Thema für mich, wie Sie wissen. Die Regel muss weg, weil Online-Angebote keinen Erfolg haben können, wenn die einzelnen Inhalte bereits nach 7 Tagen wieder aus dem Netz genom­men werden müssen. Inzwischen haben alle Länder die Rundfunkkommission beauf­tragt, entsprechende Regelungen vorzulegen. Voraussetzung für ein Ende der 7‑Tage-Regelung ist natürlich auch eine an­gemessene und faire Beteiligung aller Urheberin­nen und Urheber sowie der Produ­zentin­nen und Produzenten an der Verwertung. Dafür ist es wichtig, dass alle Beteiligten zusammenfinden. Diesen Dialog hat Nord­rhein-Westfalen ange­stoßen.

    Auch in der Netzneutralitätsfrage hat sie sympathische Ansichten und sieht in der Position des EU-Parlaments „eine geeignete Ausgangsbasis“. Das steht diametral zur Bundesregierung, dem EU-Rat und der EU-Kommission.

    Es ist gut, wenn die etablierten, großen „Player“ durch neue Akteure immer wieder herausgefordert werden. Darum dürfen wir es auch auf keinen Fall zulassen, dass wenige große kommerzielle Akteure das Netz gleichsam besetzen wollen. Nein, wir müssen weiter für ein diskriminierungsfreies Internet kämpfen. Wie groß diese Aufgabe ist, zeigt der aktuelle Vorstoß von Marc Zuckerberg. Facebook zahlt Menschen in manchen Ländern Asiens oder Afrikas den Anschluss. Aber sie erhalten dann nicht das komplette Netzangebot, sondern ausschließlich Facebook oder die von Facebook ausgewählten Dienste. Man könnte fragen: Ist das nicht besser als nichts? Die Antwort geben die Länder selbst: In Indien haben hunderttausende Menschen per Mail gegen das Vorhaben protestiert. Weil sie selbst ent­scheiden wollen, was sie nutzen. Weil sich unter diesen Umständen auch keine anderen Unter­nehmen oder sonstige Initiativen entwickeln können. Das ist genau das, was auch wir in NRW nicht wollen: dass aus dem freien Internet, zahl­reiche geschlossene, kommer­zialisierte Netze gemacht werden. Ich stimme Ihnen zu, Herr Braun, das darf keine endlose Debatte werden, alle müssen wissen, woran sie sind, Netzbetreiber wie Nutzer. Aber um die Medien- und Meinungsvielfalt zu sichern, ist es unsere gemeinsame Aufgabe, diese schwierige Debatte zu führen. Die vom Europäischen Parla­ment vorgeschlagenen Regeln sind eine geeignete Ausgangsbasis. Es wird aber eine große Heraus­forderung bleiben, Maß­stäbe für Spezial­dienste zu erarbeiten, die nicht auf Kosten der Diskriminierungsfreiheit gehen

    9. Juni 2015 1
  • : „Telekomkonzerne haben nichts von Netzneutralität“
    „Telekomkonzerne haben nichts von Netzneutralität“

    Digitalfernsehen.de hat den ehemaligen Journalisten und jetzigen Geschäftsführer der digitalen Strategieberatung Kpunktnull, Thomas Knüwer, zum Thema Netzneutralität interviewt: „Telekomkonzerne haben nichts von Netzneutralität“.

    Herr Knüwer, mal einfach für alle Leser erklärt: Was soll die Netzneutralität überhaupt garantieren?

    Thomas Knüwer: Netzneutralität garantiert Chancengleichheit und funktionierenden Wettbewerb. Wäre sie festgeschrieben, hätten neu auf einen Markt kommende Unternehmen keine Nachteile gegenüber Mitbewerbern. Ohne Netzneutralität können sich existierende Unternehmen eine Markteintrittsbarriere erkaufen. Zum anderen verhindert Netzneutralität eine marktwirtschaftliche Absurdität: Auf keinem Markt müssen zwei Seiten für eine Leistung bezahlen. Doch was mit dem Wegfall der Netzneutralität droht, ist genau das: Einerseits würden die Leitungskunden an die Telekomkonzerne zahlen, andererseits die Aussender der Daten.

    5. Juni 2015 4
  • : Günther Oettinger: „Man will den Sozialismus durch die Tür der Neutralität einführen.“
    Auch im Sozialismus gab es Krankenwagen
    Günther Oettinger: „Man will den Sozialismus durch die Tür der Neutralität einführen.“

    Auf einer Veranstaltung von Bankenverband und anderen erklärte unser EU-Digitalkommissar Günther Oettinger diese Woche in Berlin die Debatte um Netzneutralität mit:

    „Man will den Sozialismus durch die Tür der Neutralität einführen.“

    Wir wollten das genauer wissen und haben sein Kabinett um eine Erläuterung gebeten. Die haben wir auch bekommen:

    Die Antwort ergibt sich aus dem Beispiel, das Herr Oettinger heute genannt hat. Er ist FÜR Netzneutralität. Mit einer Ausnahme: Wenn es um Dienste im Allgemeinen Interesse geht, also beispielsweise Notdienste, Feuerwehr, Krankendienste, dann sollten diese Vortritt haben. (Das heisst auch, dass es für Firmen keine Ausnahmen geben soll, selbst wenn sie dafür zahlen würden). Dagegen steht die Meinung, dass es nicht einmal für medizinische und lebensnotwendige Dienste, Vorrang geben soll, also für alle, ausnahmslos. Daher der Begriff Sozialismus. In diesem Sinne ist die Position von Herrn Oettinger immer dieselbe.

    Das ist natürlich interessant, denn so haben wir Günther Oettinger in seinen zahlreichen Interviews und Auftritten noch nie verstanden und das Statement lässt ihn auf einmal in einem ganz anderen Lichte erscheinen. Vielleicht hat er es nur bisher nicht geschafft, das so klar auszudrücken, dass er FÜR Netzneutralität ist, wenn er Befürworter dieser mit den Taliban vergleicht, auch sonst gerne die Argumente von Deutsche Telekom & Co übernimmt und wir bisher eine andere Position von Seiten der EU-Kommission in schriftlicher Form mitbekommen haben?

    Was zusätzlich interessant ist: In diesem Statement wird ein Gegensatz aufgebaut, den es so nicht gibt. Wir vermissen bisher von der EU-Kommission (hier ist Oettinger ja der Zuständige) einen klaren Definitionsvorschlag, wie denn genau die eine Ausnahme für Spezialdienste in Gesetzesform formuliert sein könnte, die „Dienste im Allgemeinen Interesse“ und hier explizit „Notdienste, Feuerwehr, Krankendienste“ meint. Uns ist bisher keine Definition in diese Richtung aufgefallen, eine Rückfrage an sein Kabinett, wo wir diese finden könnten, blieb leider erfolglos.

    In den Trilog-Verhandlungen zur Findung eines Kompromisses gibt es bisher die Positionen von EU-Rat und EU-Kommission, die beide in die Richtung gehen, dass Firmen Überholspuren und Extra-Ausnahmen über Zero-Angebote kaufen können, wenn sie dafür bezahlen. Das Parlament hat für eine klare Definition von Spezialdiensten gestimmt, die solche Schlupflöcher schließt. Am Dienstag Abend kam es bei einer Sitzung zu keinem Kompromiss. Die EU-Kommission soll jetzt für die kommende Sitzung Ende Juni einen Kompromiss vorlegen.

    Wir sind gespannt, ob Günther Oettinger eine klare Definition liefern wird. Oder halt weiter den Sozialismus herbei redet. Und das Gegenteil von dem tut, was sein Kabinett uns schreibt.

    Übrigens gab es auch im Sozialismus funktionierende Krankendienste.

    Update: Auch im Sozialismus hatten Feuerwehr und Krankenwagen Vorfahrt, wie wir gerade gelernt haben.

    4. Juni 2015 26
  • : IFG-Antwort zur Netzallianz: Verkehrsministerium kommuniziert mit Interessengruppen nur in eine Richtung
    Credit: <a href="http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Fotoreihen/Bilder/Presse-und-Leitungstermine/2014/140307-netzallianz-ankunft-gruppenbild/140307-netzallianz-ankunft-gruppenbild-02.jpg?__blob=poster">BMVI</a>
    IFG-Antwort zur Netzallianz: Verkehrsministerium kommuniziert mit Interessengruppen nur in eine Richtung

    Mitte Mai hatten wir darüber berichtet, dass das Verkehrsministerium 135 Euro haben will, um über das Informationsfreiheitsgesetz angefragte Dokumente zur Netzallianz aus der Regierungs-Paywall zu befreien. Freundlicherweise gab es aus unserer Leserschaft sofort ausreichend Spenden, um das Geld einzuwerfen und so wurden uns Dokumente zugeschickt. Dazu gehören Einladungen zu den Treffen der Netzallianz, sowie zu den sogenannten Sherpa-Sitzungen zur Vorbereitung und Zwischenstände von gemeinsamen Papieren. Davon würden wir zwar gerne Diff-Versionen machen, haben aber momentan leider zu viele andere Baustellen zu bearbeiten. Wir haben die ganze Korrespondenz bei FragdenStaat online gestellt.

    Verkehrsministerium kommuniziert schriftlich nur in eine Richtung?

    Es gibt ein paar interessante Sachen in den Dokumenten zu finden. In der IFG-Anfrage beantragten wir „sämtliche Korrespondenz“ zur Netzallianz. Explizit hatte ich auch E‑Mail- und Post-Korrespondenz gemeint. Laut den zugeschickten Dokumenten gibt es im Ministerium aber nur Kommunikation in eine Richtung: Die bekommen dort nie schriftliche Antworten. Oder sie haben diese einfach nicht mitgeschickt. Ich habe daraufhin Widerspruch eingelegt und das Ministerium aufgefordert, mir alles zuschicken, was man als Korrespondenz interpretieren könnte. Immerhin habe ich das Geld schon bezahlt, dann möchte ich auch die richtige Gegenleistung dafür bekommen.

    Forderungen zur Abschaffung der Netzneutralität wurden umformuliert

    Interessant ist noch folgendes: Man sieht ein wenig den Entstehungsprozess eines „Positionspapier der Mitglieder der Netzallianz Digitales Deutschland zum zukünftigen europäischen Telekommunikations-Rechtsrahmen“, das im Namen von Netzallianz und Minister Dobrindt an unseren Digitalkommissar Günther Oettinger geschickt wurde. Es gibt einen Entwurf vom 24. März, der folgendes enthielt:

    Wie können Internetdiensteanbieter zur Finanzierung der Netze beitragen?

    Den Telekommunikationsunternehmen muss die Möglichkeit eröffnet werden, sich Erlösquellen außerhalb des Netzbetriebs erschließen zu können. So müssen neue, innovative Geschäftsmodell möglich sein, z.B. bei Industrie 4.0, eHealth, eMobility. Hier muss es eine europaweit einheitliche innovationsoffene Regelung für Datendienste geben. Sie muss unterschiedliche Qualitätsklassen zulassen und für differenzierte Regelungen bei der Netzneutralität sorgen.

    Die Forderung der Abschaffung der Netzneutralität war aber wohl etwas zu deutlich. Interessanterweise ist das Papier umgeschrieben worden und in der offiziell veröffentlichten Version vom 22. April wurde das Ganze etwas blumiger und verklausulierter formuliert:

    Den Telekommunikationsunternehmen muss weiterhin die Möglichkeit eröffnet bleiben, sich zusätzliche Erlösquellen innerhalb und außerhalb des Netzbetriebs erschließen zu können. Industrie 4.0, eHealth, eMobility, Cloud-Computing und Big-Data Analysis, aber auch die Unterhaltungs- und Spieleindustrie, sind Zukunftsfelder, die mitentscheiden werden, ob Europa im weltweiten Innovationswettbewerb langfristig mithalten kann. Telekommunikationsanbieter stellen fortlaufend zusätzliche Netzkapazitäten und neue Dienste zur Verfügung. Davon profitieren sowohl Kunden als auch Inhalteanbieter. Hieraus ergeben sich neue Möglichkeiten der Wertschöpfung, die allen Akteuren in der Wertschöpfungskette zugutekommen sollten. Dies kann gelingen, wenn die verschiedenen Marktakteure weiterhin frei miteinander verhandeln und Verträge schließen können. Die Belange von KMUs und Start-Ups müssen dabei berücksichtigt werden. So wird auch gewährleistet, dass Telekommunikationsunternehmen sich neue Erlösquellen erschließen können. Neue, innovative Geschäftsmodelle müssen möglich sein. Das erfordert eine europaweit einheitliche innovationsoffene Regelung , die qualitätsgesicherte Dienste neben dem Best-Effort Internet zulässt.

    Wir sind gespannt, ob wir eine Antwort auf unseren Widerspruch erhalten. Wir können uns nicht vorstellen, dass es keine Antworten gab, wenn in mehreren Anschreiben die Anschreibenden dazu aufgerufen wurden, schriftlich zu antworten.

    3. Juni 2015 2
  • : Verbraucherschützer pochen auf Netzneutralität
    Verbraucherschützer pochen auf Netzneutralität

    In der Netzneutralitätsdebatte hat sich die Organisation Transatlantic Consumer Dialogue (TACD) zu Wort gemeldet und fordert in der EU ähnlich strenge Regeln, wie sie Anfang des Jahres die Federal Communications Commission (FCC) in den USA erlassen hat. Stellvertretend für die insgesamt neun Empfehlungen seien hier die ersten zwei angeführt:

    • Governments and regulators must strongly defend the principles of openness and neutrality of the Internet as defined in this resolution via regulatory mechanisms, covering all layers of the Internet.
    • Lawmakers and regulators should prevent ISPs and network providers from engaging in discrimination between content, services, applications, and devices unless it is necessary to implement reasonable network management. In particular, preferential treatment and zero-rating of specific content or services should not be permitted.

    Lobend erwähnt der Bericht die Niederlande und Slowenien, die jegliche Diskriminierung beim Netzzugang verboten haben. Der FCC gibt er jedoch folgendes mit auf den Weg:

      The exception for „unlawful“ traffic does not appear to be limited to traffic that has been found by a court to be unlawful. The exception seems to leave some degree of discretion to broadband providers to decide for themselves whether and how to discriminate against traffic they deem „unlawful.“ TACD is critical of this approach because ISPs are unlikely to give proper consideration to user privacy, limitations on copyright law, and collateral damage to free speech in their decisions about blocking or throttling particular applications, content, or endpoints.

    TACD ist ein Zusammenschluss zahlreicher Verbraucherschutz- und Bürgerrechtsorganisationen aus Europa und den USA. Mitglied sind unter anderem die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) und die Electronic Frontier Foundation (EFF).

    2. Juni 2015
  • : Fünf Mythen zur Netzneutralität: Ein offenes und neutrales Internet ist möglich
    Fünf Mythen zur Netzneutralität: Ein offenes und neutrales Internet ist möglich

    edri-netzneutralitaet-katzeIn Brüssel finden heute Trilog-Verhandlungen zwischen Kommission, Rat und Parlament statt. Und für die Netzneutralität sieht es nicht gut aus, weil die Berichterstatterin fürs Parlament, eine spanische konservative EU-Abgeordnete, eher die Interessen von Telefonica vertritt als die Position des Parlaments. Bleibt zu hoffen, dass nicht der Worst Case dabei rauskommt. Wenn bei den Trilog-Verhandlungen ein schlechter Deal zu Netzneutralität raus kommt, muss der zwar noch durchs Parlament. Aber es ist unklar, ob dort dann die Position vom vergangenen Jahr aufrecht erhalten werden kann.

    Das liegt u.a. daran, dass Teile des Parlaments neu gewählt sind, andere interessiert das Thema einfach nicht soviel, um gegen einen Kompromiss zu stimmen, den eine Berichterstatterin fürs Parlament verhandelt hat. Dagegen könnt Ihr was unternehmen, indem Ihr vor allem EU-Abgeordnete von CDU, CSU und SPD kontaktiert und denen klar macht, dass Netzneutralität ein wichtiges Zukunftsthema ist. Auf savetheinternet.eu finden sich viele hilfreiche Argumente und Kontaktmöglichkeiten, auch per Fax.

    European Digital Rights erklärte gestern: Net Neutrality – building on success.

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    The European Parliament now has a choice either to defend a history of successful liberalisation, defend the position that accepted by large majority just last year, and defend a position that will set an example for the world. Or not. Dear Members of the European Parliament: You made the promise to deliver Net Neutrality. Do not succumb to pressure. History is on your side. Citizens are on your side.

    Auf einer Veranstaltung des bankenverbandes in Berlin hat heute unser Digitalkommissar Günther Oettinger nochmal klargestellt:

    „Man will den Sozialismus durch die Tür der Neutralität einführen.“

    Wir haben die EU-Kommission angefragt, ob sie uns näher erklären können, was er damit genau gemeint hat. Vielleicht bekommen wir dieses Mal eine Antwort. In der Regel hören wir von der Kommissions-Pressestelle nur, dass unser Anliegen weitergeleitet wurde. Update: Haben Antwort bekommen. Mussten aber Rückfrage stellen und warten auf Antwort. Dann gerne mehr.

    Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat heute „Fünf Mythen zur Netzneutralität“ beantwortet und kommt zu dem Ergebnis: „Ein offenes und neutrales Internet ist möglich“.

    „Viele Argumente gegen einen freien Zugang zum Netz entpuppen sich bei genauem Hinsehen als Mythen. Netzneutralität ist weder ein Hindernis für den Breitbandausbau, noch gefährdet sie die Verkehrssicherheit oder die schnelle Übertragung lebenswichtiger Gesundheitsdaten. Und trotz aller Beteuerungen zahlen Verbraucher am Ende drauf, wenn Anbieter ihre Dienste gegen Bezahlung bevorzugt durchs Netz schicken können“, sagt Ilja Braun, Referent im Team Digitales und Medien beim vzbv.

    Immer noch aktuell ist „Netzneutralität tötet“, ein Video von Alexander Lehmann, das ebenfalls mit Mythen der Gegner aufräumt. Teilt das Video und teilt den Link zu savetheinternet.eu!

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

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    2. Juni 2015 10
  • : Netzneutralität: AT&T will Regeln durch Hintertür umgehen
    Der US-Provider AT&T wehrt sich mit Händen und Füßen gegen Netzneutralität. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/jeepersmedia/14727318733/">Mike Mozart</a>
    Netzneutralität: AT&T will Regeln durch Hintertür umgehen

    Trotz strenger Netzneutralitäts-Regeln in den USA suchen Provider nach Schlupflöchern, um sie zu umgehen. Diesmal ist es der Anbieter AT&T, der sein „Sponsored Data“ genanntes Programm auf Video-Angebote ausweiten will. Dabei anfallender Datenverbrauch soll nicht auf das Transfervolumen angerechnet werden, das beispielsweise bei AT&Ts DSL-Leitungen auf 150 GByte pro Monat begrenzt ist.

    Zur Kasse sollen nicht direkt die Verbraucher selbst, sondern am Programm teilnehmende Anbieter gebeten werden, wie das jetzt schon bei einigen Werbeunternehmen der Fall ist. Sollte der Vorstoß von AT&T gelingen, ist auch denkbar, dass der Provider eigene Video-Angebote vom Transfervolumen ausnimmt und sie so bevorzugt auf dem Markt platziert.

    Das alles wird freilich davon abhängen, wie die Regulierungsbehörde FCC über die Anfrage von AT&T entscheiden wird. Diese war notwendig geworden, weil vor zwei Wochen Provider wie Cogent im Verbund mit Think Tanks, unter anderem dem Open Technology Institute, die FCC aufgerufen haben, entsprechende Bedingungen an die geplante Übernahme des Satelliten-TV-Betreibers DirecTV durch AT&T zu knüpfen. Auch die Videostreaming-Plattform Netflix wehrt sich gegen die Pläne und befürchtet, ins Hintertreffen zu geraten, sollte AT&T eigene Angebote vom Transfervolumen ausnehmen und diese dadurch begünstigen.

    Solcherart realisierte Zero-Rating-Angebote sind in den Netzneutralitäts-Regeln nicht ausdrücklich verboten, sondern sollen auf Fall-zu-Fall-Basis entschieden werden. Knackpunkt ist, ob dadurch Wettbewerbsverzerrungen entstehen oder Verbraucher geschädigt werden. Diese Gefahr sieht AT&T nicht und verweist darauf, dass die bestehenden Trafficlimits für die überwältigende Mehrheit der Kunden ausreichend seien. Sollte das tatsächlich der Fall sein, bleibt jedoch unklar, warum es überhaupt eines Sponsored-Data-Programms bedarf.

    Naheliegender erscheint es, dass sich AT&T, stellvertretend für andere US-Provider, gegen die Degradierung zum reinen Infrastruktur-Lieferanten zu wehren versucht. Sollte die FCC diese Praxis erlauben, könnte AT&T nicht nur eigene Angebote bevorzugt auf den Markt bringen, sondern zusätzlich Geld von Anbietern wie Netflix oder Hulu kassieren, die sonst das Nachsehen hätten. Von der Entscheidung der FCC wird also abhängen, ob auf dem US-Markt trotz festgeschriebener Netzneutralität durch die Hintertür ein Zwei-Klassen-Netz entstehen wird.

    29. Mai 2015 3
  • : EU-Verhandlungen zu Netzneutralität in Sackgasse angekommen
    Breiter Widerstand von Aktivisten und zahlreichen Internetkonzernen haben in den USA zu strengen Netzneutralitätsregeln geführt. In Europa geht die Auseinandersetzung in die heiße Phase. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, via flickr/ <a href="https://www.flickr.com/photos/backbone_campaign/16101589983/">Backbone Campaign</a>
    EU-Verhandlungen zu Netzneutralität in Sackgasse angekommen

    In den Trilog-Verhandlungen zwischen EU-Parlament, Kommission und EU-Rat in Sachen Netzneutralität zeichnet sich derzeit kein Kompromiss ab. Wie aus einem letzte Woche geleakten Dokument hervorgeht, zeigt der Rat keinerlei Bereitschaft, sich der Position des EU-Parlaments anzunähern. Dieses hatte sich im letzten Jahr klar für Netzneutralität ausgesprochen.

    Im vorliegenden Papier ist davon nicht mehr viel zu lesen. Sämtliche Erwähnungen, Verweise sowie die Definition von Netzneutralität selbst wurden komplett aus dem Text gestrichen. Zuvor hieß es noch, dass „der gesamte Internetverkehr ohne Diskriminierung, Einschränkung oder Störung gleich behandelt werden muss, unabhängig von Absender, Empfänger, Art, Inhalt, Endgerät, Dienst oder Anwendung“.

    Der Text räumt Anbietern zudem die Möglichkeit ein, „diskriminierende Dienste“ auf den Markt zu bringen, wie die Bürgerrechtsorganisation EDRi kritisiert. Damit werden europaweit „Zero-Rating“-Dienste zugelassen und öffnen die Tür für ein Zwei-Klassen-Netz. Auch „vertretbares Netzverkehrs-Management“ der Infrastruktur soll erlaubt sein, wenn temporäre oder außergewöhnliche Überlastung auftrete beziehungsweise verhindert werden soll. Zuvor hieß es noch, dass die Überlastung temporär und außergewöhnlich sein muss.

    Voreingestellte Inhaltsfilter wie die britischen Pornofilter sind laut dem Text nicht zulässig; stattdessen müssen Nutzer ausdrücklich zustimmen, wenn sie in den Genuss solcher Filter kommen wollen. Das stößt bei der britischen Regierung auf heftigen Widerstand, die weiterhin auf einer Opt-Out-Lösung besteht.

    Für EDRi ist es aus einer „institutionellen und demokratischen Perspektive“ inakzeptabel, dass die Position des EU-Parlaments derart missachtet werde. Das offene Internet werde durch ein Netzwerk ersetzt, das „diskrimierende und willkürliche Beeinflussung“ von Datenverkehr zulasse. Überdies seien Wettbewerbsnachteile für europäische Start-Ups zu erwarten, die nicht durch strenge Netzneutralitäts-Regeln geschützt werden, wie es in den USA der Fall ist.

    Wie die Verhandlungen aus der Perspektive des EU-Parlaments verlaufen und wie es in den nächsten Wochen weitergehen wird, beantwortet Michel Reimon, österreichischer EU-Abgeordneter und zuständiger Berichterstatter der Greens/EFA-Fraktion in einem Interview mit Netzpolitik.org.

    27. Mai 2015 1
  • : Michel Reimon: EU-Verhandlungen zur Netzneutralität verlaufen „katastrophal“
    <a href="https://savetheinternet.eu/de/">savetheinternet.net</a>
    Michel Reimon: EU-Verhandlungen zur Netzneutralität verlaufen „katastrophal“

    Save the Internet - Kontaktiere jetzt Deinen Abgeordneten! 2015-05-27 16-24-30In der EU sind die Trilog-Verhandlungen zur Netzneutralität und generell dem Telecom-Single-Market gestartet. Dabei geht es nicht nur um Verhandlungen zwischen Rat, Kommission und Parlament rund um die Frage, ob wir Regeln zum Schutz der Netzneutralität brauchen, sondern auch um die Frequenzen und Roaming. Wir haben Michel Reimon, österreichischer EU-Abgeordneter und zuständiger Berichterstatter der Greens/EFA-Fraktion zum aktuellen Stand der Verhandlungen interviewt.

    netzpolitik.org: Vor einem Jahr hat das EU-Parlament mit großer Mehrheit für klare Regeln zum Schutz der Netzneutralität gestimmt. Vor wenigen Monaten hat der EU-Rat fast das Gegenteil beschlossen. Das bedeutet, ein Trilog soll einen Kompromiss finden. Wie läuft der Trilog?

    Michel Reimon: Katastrophal. Das Parlament hat eine sehr gute Position für abgesicherte Netzneutralität und das Ende der Roaming-Zuschläge in Europa beschlossen. Eine Allianz aus Konservativen und Telekom-Lobbys versucht, das zu verhindern.

    In einem Trilog soll die Kommission zwischen dem Parlament und den 28 Regierungen vermitteln. Vom zuständigen Kommissar Günter Oettinger bzw. seinen Beamten kommt nichts. Ein paar inoffizielle Vorschläge, oft erst Minuten vor einer oder sogar nach einer Sitzung, das war es. Am Dienstag soll die letzte Verhandlungsrunde stattfinden und Oettinger ist weiter auf Tauchstation.
    Für das Parlament verhandelt eine Berichterstatterin, die spanische Konservative Abgeordnete Pilar del Castillo. Die sollte die beschlossene Parlamentsposition vertreten und Kompromisse suchen. Dazu sollte sie sich mit den Zuständigen aus jeder Partei koordinieren. Stattdessen wirft sie alle Positionen über Bord und verhält sich, als ob sie die Deutsche Telekom oder die spanische Telefónica zu vertreten hätte. Einwände aus anderen Fraktionen, dass sie nicht mehr den Parlamentsbeschluss vertritt, lächelt sie höflich weg.

    netzpolitik.org: Umstritten sind im Rahmen des Digitalen Binnenmarktes Frequenzen, Roaming und Netzneutralität. In welcher der drei Debatten hat sich denn bisher in den Trilog-Verhandlungen das EU-Parlament durchgesetzt?

    Michel Reimon: In keinem einzigen. Es begann damit, dass die Regierungen die Verwaltung der Frequenzen auf EU-Ebene nicht mal diskutieren wollten. Dafür wollten die meisten Fraktionen einen Preis verlangen, nämlich die Garantie der Netzneutralität. Del Castillo hat das einfach so akzeptiert. Dann wollten die Regierungen die Abschaffung von Roaming verzögern. Alle waren gesprächsbereit beim exakten Datum, wenn wir dafür die Absicherung der Netzneutralität bekommen. Del Castillo ist auf Ratslinie eingeschwenkt, ohne irgendeinen Preis zu verlangen.

    Und jetzt verlangt die lettische Ratspräsidentschaft: Das Wort „Netzneutralität“ darf nicht vorkommen, Spezialdienste und Zero Rating sollen erlaubt sein, Parental Control und ähnliche Content-Filter sollen installiert werden (…) und die Konservativen und Rechtskonservativen wollen zustimmen. Unterm Strich ist das in allen drei Punkten das Gegenteil des Parlamentsbeschlusses.

    netzpolitik.org: Wenn die Berichterstatterin des Parlaments dessen Positionen nicht ausreichend in den Kompromissverhandlungen vertritt, kann sie denn abgelöst werden – oder was ist das genaue Verfahren?

    Michel Reimon: Der Bericht wurde an die Konservativen vergeben, zuerst müssten die das diskutieren. Da ist del Castillos Verhalten ja auch nicht unumstritten. Formal lässt sie sich aber nichts zuschulden kommen. Wir müssen also eher sicherstellen, dass sie keine Mehrheit in Ausschuss und Plenum findet.

    netzpolitik.org: Zu einem Trilog gehört ja auch die EU-Kommission. Wie ist denn deren Position bei Netzneutralität?

    Michel Reimon: Wie gesagt, offiziell legt die Kommission nichts vor. Dass Oettinger für Spezialdienste ist und digitale Bürgerrechtler für Taliban hält, ist ja bekannt, aber er lässt die Regierungen, vor allem die lettische Ratspräsidentschaft, die Drecksarbeit erledigen.

    netzpolitik.org: Günther Oettinger fordert immer, dass es Ausnahmen bei Special Services für Dienste mit öffentlichem Interesse geben solle. Wir haben bisher dazu keinerlei Definition von Seiten der EU-Kommission gesehen. Habt Ihr mal was konkretes gesehen?

    Michel Reimon: Nein, nichts. Ich weiß nicht, was Günther Oettinger seit zehn Monaten arbeitet. Das ist inhaltlich ein großes schwarzes Loch.

    netzpolitik.org: Wo stehen denn die Fraktionen aus Ihrer Sicht im Moment?

    Michel Reimon: Die Konservativen stehen mehrheitlich auf Seiten der großen Telekom-Konzerne und wollen das Roaming beibehalten und Netzneutralität abschaffen. Die Rechtskonservativen von der European Conservatives and Reformists Group stimmen dem zu, wenn sie dafür Zensurmaßnahmen bekommen, denen geht es vor allem um den Kampf gegen Pornographie. Alle anderen Fraktionen stehen zur beschlossenen Position des Parlaments, sind nur unterschiedlich konstruktiv und kompromissbereit. Für die Grünen verhandle ich – und ich sehe keine Kompromiss-Möglichkeit mehr. Die Frequenzen halte ich für zweitrangig und beim Termin für das Roaming-Ende würde ich beide Augen zudrücken – wenn ich dafür eine gesetzlich garantierte Netzneutralität bekomme. Das ist unverhandelbar. Wenn die Berichterstatterin hier nachgibt, werde ich das Ergebnis auf allen Ebenen bis zur Abstimmung im Plenum bekämpfen.

    netzpolitik.org: Wie ist denn der derzeitige Fahrplan, um die Trilog-Verhandlungen zu einem Ende zu bringen?

    Michel Reimon: Am Montag gibt es nochmal eine Gesprächsrunde der Fraktionen, am Dienstag ist die letzte Trilog-Runde. Geplant ist, dass sich die Berichterstatterin und der Rat da einigen, dann muss dieses Ergebnis in den Ausschuss und dann ins Plenum. Das könnte noch vor dem Sommer, eher aber bis September klappen. Das ist ihr Plan. Meiner ist, das zu verhindern und die Verhandlungen im Herbst neu zu starten.

    netzpolitik.org: Werden wir in der EU am Ende klare Regeln zum Schutz der Netzneutralität haben, so wie die Federal Communications Commission sie vor kurzem beschlossen hat und einzelne EU-Staaten wie die Niederlande oder Slowenien sie bereits eingeführt haben?

    Michel Reimon: Solange wir die nicht haben, ist es nicht das Ende :-)

    netzpolitik.org: Aus Sicht eines EU-Abgeordneten: Was kann man konkret als Bürger/in machen, um sich für klare Regeln einzusetzen?

    Michel Reimon: Machen Sie direkt Druck auf die Abgeordneten des EU-Parlaments, vor allem auf SozialdemokratInnen und Liberale. Die werden den Konservativen die Mehrheit beschaffen müssen. Schreiben Sie ihnen, am Besten persönlich.

    netzpolitik.org: Vielen Dank für das Interview. Mehr zum Thema findet sich bei savetheinternet.eu.

    27. Mai 2015 3
  • : „Diskriminierung im Netz ist durch nichts zu rechtfertigen“
    „Diskriminierung im Netz ist durch nichts zu rechtfertigen“

    Kirsten Fiedler ist von EditionF zu diversen netzpolitischen Themen interviewt worden: „Diskriminierung im Netz ist durch nichts zu rechtfertigen“.

    Damit unsere Leser dich ein bisschen kennen lernen: Könntest du für uns beschreiben, wie sich dein Interesse für deine beiden großen Themen, Urheberrecht und Netzneutralität, entwickelt hat?

    „In den kommenden 30 Jahren werden so einige globale Krisen auf uns zukommen – Klimawandel, weitere Flüchtlingsströme und Ressourcenknappheit. Die daraus entstehenden Konflikte werden schon jetzt im Netz ausgetragen. Wie sie für uns ausgehen, hängt daher von der Frage ab, ob wir frei kommunizieren können oder jemand den Zugang zu Informationen kontrolliert. Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema, wie sich der technologische Fortschritt auf unsere Rechte und Freiheiten auswirkt. Vor ungefähr sechs Jahren fing ich an zu bloggen und stieg dann ein paar Jahre später hauptberuflich in die Verteidigung unserer Menschenrechte im Netz ein. Seitdem wohne ich in Brüssel und arbeite für die Organisation European Digital Rights (EDRi). Wir werden überall da aktiv, wo unsere Freiheiten im Netz gefährdet sind – die Themen Netzneutralität und Urheberrecht gehören natürlich dazu.“

    20. Mai 2015 1
  • : „Mutti, es gibt Handlungsbedarf!“ – Wir brauchen richtige Datenflatrates!
    „Mutti, es gibt Handlungsbedarf!“ – Wir brauchen richtige Datenflatrates!

    Sascha Pallenberg hat auf mobilegeeks.de einen Appell verfasst, endlich volumenbeschränkte Daten-„Flatrates“ abzuschaffen, die nach Aufbrauch auf historische Modemgeschwindigkeit gedrosselt werden:

    Liebe Volksvertreter. Koennt ihr mir mal bitte den Gefallen tun und nicht mehr jahrelang ueber den Breitbandausbau faseln (oder das neueste „Steckenpferd“ oeffentliches Wifi). Wir muessen endlich die Infrastrukturen schaffen, die wir fuer die Wettbewerbsfaehigkeit Deutschlands fundamental sind. Und dazu gehoeren nun einmal auch mobile Flatrates, die ihren Namen auch verdient haben. Smart Homes, Smart Cars, Smart Cities, IoT und Industrie 4.0… Ohne grenzenloses Datenvolumen wird hier in Zukunft nicht viel vorwaerts gehen und genau deshalb muessen wir hier mal Fakten schaffen.

    Und dann beschreibt er, wie es anders laufen kann – zum Beispiel in Taiwan:

    Ich bezahle so um die 35 Euro bei der Chungwa Telecom fuer meine LTE-Flatrate. Keine Drosselung, kein Limit… Einfach Vollgas. Und jetzt erklaere mir doch mal jemand, dass Daten in Taiwan einfach guenstiger sind.

    20. Mai 2015 3
  • : Breites Bündnis gegen Facebook-Initiative Internet.org
    Das Angebot von Internet.org beschränkt sich auf wenige, handverlesene Angebote. CC BY 2.0, via <a href="https://www.flickr.com/photos/samchurchill/14793178854/">flickr/Sam Churchill</a>
    Breites Bündnis gegen Facebook-Initiative Internet.org

    Die Facebook-Initiative Internet.org schafft es trotz aller Bemühungen nicht, aus der Kritik zu kommen. Eine breite Allianz aus netzpolitischen Gruppen hat heute einen offenen Brief an Facebook-CEO Mark Zuckerberg veröffentlicht, in der sie ihre Kritikpunkte an dem Projekt im Detail offenlegt.

    Erklärtes Ziel von Internet.org ist es, Gegenden insbesondere im globalen Süden mit kostenlosem Internetzugang auszustatten. Das Problem dabei: Nutzer bekommen nur eine stark abgespeckte Version des Internets zu Gesicht, weil der Dienst bloß ausgewählte Partnerangebote – Facebook etwa – kostenlos durchlässt. Solche „Zero-Rating“-Angebote hebeln jedoch das Prinzip der Netzneutralität aus, weil sie den handverlesenen Partnern eine privilegierte Stellung verschaffen, während alle anderen Angebote unter den Tisch fallen und gar nicht als Alternative wahrgenommen werden (können). Und wenn erstmal Milliarden an Menschen ins Facebook-Ökosystem eingebunden sind, kommen sie nur schwer wieder heraus.

    Scharf kritisiert wird ferner, dass Internet.org keine verschlüsselten Verbindungen erlaubt. Das ermöglicht nicht nur Regierungen, an einer zentralen Stelle bequem den ungeschützten Datenverkehr mitzuschneiden. Ebenfalls unklar bleibt, wie und ob die Privatsphäre der Nutzer gewährleistet wird. Es herrsche ein Mangel an Transparenz, wie mit den angesammelten Daten umgegangen wird, heißt es in dem Brief. Das betreffe sowohl die von Internet.org angebotenen Dienste als auch die beteiligten Telekom-Unternehmen, die den Zugang bereitstellen.

    Internet.org errichte unterm Strich einen goldenen Käfig, der den Eindruck vermittle, es würde sich dabei um „das Internet“ handeln, jedoch nur einen kleinen Ausschnitt davon liefert. Nutzer erhielten nur Zugang zu einer limitierten Auswahl von Angeboten, die zudem unsicher und datenschutzrechtlich problematisch seien. In seiner gegenwärtigen Ausgestaltung, so der Brief, untergrabe Internet.org die Prinzipien der Netzneutralität und würde freie Meinungsäußerung, Gleichberechtigung, Sicherheit, Privatsphäre sowie Innovation gefährden. Anstatt für einen gleichberechtigen Zugang zum Internet zu sorgen, könnte Internet.org eine Zwei-Klassen-Gesellschaft festschreiben, in der sich ärmere Schichten auf ein eingeschränktes „Internet“ beschränken müssen.

    Insgesamt unterstützen über 60 Organisationen aus 30 Ländern den Aufruf, darunter die Digitale Gesellschaft e.V. und der Förderverein freie Netzwerke e.V. Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, kann hier seine Unterstützung kundtun.

    18. Mai 2015 3
  • : #rp15: Netzneutralität – Endspurt in Europa
    #rp15: Netzneutralität – Endspurt in Europa

    Auf der vergangenen re:publica 2015 hat unser Thomas Lohninger über „Netzneutralität – Endspurt in Europa“ gesprochen. Wer einen aktuellen Überblick über die Debatte und die Argumente braucht, wird in dem rund 53 Minuten langen Video fündig:

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    In einem Paukenschlag hat die amerikanische Regulierungsbehörde FCC dieses Jahr einen starken Schutz der Netzneutralität in den USA beschlossen. In Kanada, den Niederlanden, Indien und Slovenien geraten Verletzungen der Netzneutralität zusehends unter Beschuss. In all diesen Fällen hat sich die Zivilgesellschaft gegen die Interessen der Industrie durchgesetzt. Vor diesem Hintergrund beginnt in Europa die finale Verhandlungsrunde über den EU-weiten Schutz der Netzneutralität und entgegen dem globalen Trend ist man in Europa versucht Netzneutralität endgültig abzuschaffen.

    16. Mai 2015