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Netzneutralität tötet? Zumindest BMW braucht kein Netz für fahrerloses Auto

oettinger_immernoch_eucyberkommissar_npLobbyisten der Telekom-Industrie, Poltitiker wie Günther Oettinger oder Angela Merkel und und die wenigen sonstigen Gegner der Netzneutralität argumentieren immer damit, dass wir weniger Regeln zum Schutz der Netzneutralität wegen den selbstfahrenden Autos brauchen. Unvergessen ist diese rhetorische Meisterleistung von Günther Oettinger:, wo er suggerierte, dass Netzneutralität tötet:

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Wenn Sie Verkehrssicherheit in Echtzeit haben wollen, da geht es um unser Leben, dann muss dies absoluten Vorrang haben, in Qualität und Kapazität. […] Ist es wichtiger, dass im Auto hinten rechts die sechsjährige Tochter hockt, und lädt sich Musik runter, Youtube, hinten links hockt der neunjährige Bengel und macht irgendwelche Games. Ist es wichtiger, dass die beiden in Echtzeit oder der Alte vorne links in Echtzeit hört, von rechts kommt jemand? Ich finde Youtube runterladen hat ein paar Sekunden Zeit. Ich finde das Game kann auch mal nicht perfekt auf dem Bildschirm sein. Aber Verkehrssicherheit, ein kommerzieller Dienst, Gesundheit, ein kommerzieller Dienst und ein paar andere fallen mir ein, sollten von der Netzneutralität, von diesem Taliban-ähnlichen Thema abweichen dürfen.

Aber stimmt das auch? Wir sind nicht überzeugt. Und haben auch in der US-Debatte keine Auto-Industrie vernommen, die vor Netzneutralitätsregeln gewarnt hat. Und etwas komisch ist ja schon, wenn diese Beispiele immer nur von der Telko-Industrie kommen.

Golem.de hat mal bei Autoherstellern nachgefragt
und zumindest BMW hat geantwortet, dass sie für das automatisierte Fahren kein Netz brauchen. Das entspricht auch unserem technischen Stand.

So teilte BMW auf Anfrage von Golem.de mit: „Wir entwickeln das automatisierte Fahren ohne Abhängigkeiten zum Internet. Wir bevorzugen ein zertifiziertes BMW-Backend mit höchster Zuverlässigkeit und integeren Dateninhalten in unserem Konzept.“ Fragt man Programmierer aus dem Bereich, ob das Internet tatsächlich für autonomes Fahren wichtig sei, erntet man fassungslose Blicke und Kopfschütteln. Auch von US-Firmen wie Google war in der Netzneutralitätsdebatte kein Wort zu hören, dass solche Dienste für ihre Autos gebraucht würden. Aus dem Unternehmen erfuhr Golem.de, dass das autonome Auto des Konzerns ebenfalls nicht auf eine Internetverbindung angewiesen ist. Eine Teststrecke in den Niederlanden überträgt zeitkritische Daten an die Fahrzeuge per WLAN über den IEEE-802.11p-Standard, während LTE lediglich genutzt wird, um Messdaten vom Auto an das Verkehrsmanagement zu senden. Auch die Auto-zu-Auto-Kommunikation dürfte eher über WLAN realisiert werden.“

Update: Golem.de hatte den Satz ergänzt, dass von Seiten Google auch ein Dementi kam und deren Autos nicht aufs Netz setzen.

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24 Kommentare
  1. Das andere große Beispiel sind ja immer Tele-Medizinanwendungen. Die gibt es heute schon und werden meines sehr unvollkommenen Wissens nach über VLANs am offenen Internet vorbeigeroutet.

    Hat irgend jemand dazu genauere Infos wie das heutzutage funktioniert und ob dort „Spezialdienste“ irgendeinen Vorteil brächten?

    1. Telemedizin ist auch wieder ein Begriff der soviel umfasst, dass man alles reinpacken kann was man will. Die einen verstehen unter Telemedizin, dass ein Roboter für eine OP ferngesteuert wird und andere verstehen unter Telemedizin, dass man einem Hautarzt ein Bild von seinem Ausschlag schickt und er einem ein Rezept per Mail zukommen lässt. Beim letzteren braucht man definitiv keine Echtzeit Kommunikation. Das erste Beispiel würde ich sogar ehr mit einem selbstfahrenden Auto vergleichen und auch mal die Frage stellen ob man eine solche Anwendung vom Internet abhängig machen sollte?

    2. Welche Medizin-Anwendung Öttinger wohl über das Internet in Echtzeit steuern will?
      Vielleicht seinen Herzschrittmacher?
      Lustige Vorstellung eines „autonomen Herzschrittmachers“ am Internet…

      1. Es geht da wohl am ehesten darum per Internet zu operieren, d.h. der Operateur bedient entweder einen Roboter in einem anderen Krankenhaus oder dirigiert einen anderen Arzt per Telekonferenzschaltung (das wäre jetzt auch das zeit- und sicherheitskritischste Szenario, welches mir einfällt). Und da glaube ich mal ein Beispiel gesehen zu haben, welches über VLAN lief.

    3. Mumpiz, keine OP wird über das Internet gesteuert wenn man die Technik und Netzwerk auch lokal betreiben kann. Und wenn Glasfaser verfügbar ist dann wären die Bandbreiten wirklich kein Problem. Wenn die Politik mal den Netzausbau voran treiben würde anstatt immer nur darüber zu labern dann gäbs dieses Problem gar nicht.

  2. Eine Abhängigkeit vom Internet für autonomes Fahren kann niemals das Ziel sein.
    Was wenn ein MobilfunkMast ausfällt und ein Bereich kein Internetverbindung mehr hat?
    Fahren die Autos dann ineinander?
    Auch „Überholspuren“ im Internet schützen nicht vor einem Ausfall.
    Autonome Fahrzeuge müssen autonom fahren können.
    Das man mit einer Internetverbindung intelligentere Stau Umfahrungen und Verkehrsführung realisieren kann, ja das ist wahr, aber es muss auch ohne Internet gehen.

    1. Wobei Stauumfahrung jetzt alles andere als zeitkritisch ist.

      Das einzige Szenario, welches mir als zeit- und sicherheitskritisch einfällt wäre ein anderes Auto als Hindernis hinter einer Kuppe oder Kurve, wo aufgrund der geographischen Gegebenheiten keine direkte Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Verbindung aufgebaut werden kann (optische Erkennung / Radar scheidet aus wegen Kuppe / Kurve und eine Funkverbindung wird erst zu spät aufgebaut, wenn ich schon mit 100 km/h über die Kuppe rase). Das würde allerdings nur funktionieren, wenn beide Fahrzeuge ständig ihren aktuellen Aufenthaltsort und Geschwindigkeit an einen Server übermitteln würden, der dann in den Daten aller Autos noch möglichen Kollisionen sucht, um rechtzeitig zu warnen.

      1. Stimmt, allerdings wäre dann sicher eine Geschwindigkeitsbegrenzung sinnvoller. Das Reh oder der Radfahrer hinter der Kuppe/Kurve meldet seinen Standort ja vermutlich auch nicht.

  3. Also Gandhi ist ja zu Fuß bis ans Meer gelaufen. Naja, was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen… Wegen SALZ?! Wo es das doch im Himalaya viel billiger gibt! Oder bei Aldi um die Ecke! Und wo kommt der Strom her – aus der Steckdose. logo! :-D

  4. Er kann ja noch so viele Beispiele bringen, der Punkt ist, ein Dienst der wegen „langsamem/instabilem wie auch immer“ Internet Menschenleben gefährdet, ist ein schlechter Dienst, fertig.
    Ein guter Dienst nutzt stabile, redundante Wege der Kommunikation. Da gibt es ja genügend Möglichkeiten.

  5. Irgendwo beißt sich der Artikel in den eigenen Schwanz. Wenn die Autoindustrie sagt, sie braucht für die eher zeitkritischen Dienste kein Internet, dann führt sie darüber mit der Telekom-Industrie auch keine substantiellen Gespräche. Andernfalls würde man heute schon Vorvereinbarungen treffen, proof of concept Projekte aufsetzen, Testumgebungen aufbauen, um Kosten und Aufwände schätzen zu können. Offenbar passiert das ja aber nicht. Demzufolge benutzt die Telekom-Industrie das auch nicht als Lobby-Argument der Politik gegenüber, denn das ergibt ja überhaupt keinen Sinn (und die Politik käme da schnell drauf, weil die ja auch mit der Autoindustrie reden). Will heißen, die Mutmaßung, es handele sich um ein Lobby-Argument der Telekom-Industrie, ist reine Polemik.

    Ich lasse mich aber gerne durch belegbare Zitate der „Telekom-Lobbisten“ überzeugen, wo gelogen wird.

    1. Die Polemik würde ich ehr in den Argumenten von Oettinger und co. suchen … Hier wurde ledig lich nachgefragt ob die Argumentation schlüssig ist …

  6. Wenn autonome Fahrzeuge eine ständige reaktionsschnelle Internetverbindung benötigen, kann man sich bereits nach 1GB Datenverbrauch ein Erdloch freischaufeln.

    Die 1GB werden übrigens schnell zustande kommen… Sicherheitsupdates, Anpassung an geltendes Recht, Download von Werbung usw.

    1. Nein, nein, du wirst dafür noch einen separaten Managed Service buchen müssen, sonst verbindet sich dein auto nicht mit dem Superautoüberholspurinternet. Da gibt es dann für spott günstige 49,99 € / Monat kein Limit für diesen Dienst.

  7. Fahrzeuge, die autonom fahren und dabei mit dem Internet verbunden sein müssen, können nur all jene wollen, die sämtliche Fahrzeuge in Deutschland lückenlos überwachen und kontrollieren wollen.
    Ansonsten macht so ein System keinen Sinn.
    Die Fahrzeuge müssen autonom agieren können, das heisst, auf Veränderungen im Straßenvekehr ohne die Verzögerung Internet direkt und sofort reagieren können. Wenn ein Reh auf die Fahrbahn rennt, reagiert idealerweise das Fahrzeug, denn das Reh ist sicher nicht „gechippt“ – und schon gar nicht cm-genau berechenbar.
    Internetzugang wäre maximal nützlich, um Staualternativen oder ähnliches zu berechnen, also bestenfalls Bonus. Das Nutzen des Fahrzeuges muss auch komplett ohne Internet jederzeit möglich sein. Ich würde in kein Auto steigen wollen, das über das Internet gesteuert wird (!).

    Aber gut, wer demnächst eine Maut einführt, bei der das Pickerl an der Scheibe nicht ausreicht und alle Kennzeichen in ganz Deutschland gescannt und 1 Jahr lang gespeichert werden sollen, der lässt sich auch von sachlichen Argumenten nicht aufhalten.

  8. Wer zeitkritische Dienste über das Internet schickt handelt fahrlässig. Für Telemedizin (gibt es sowas überhaupt in der Realität?), Videokonferenzen, o.ä. mietet man eine Leitung mit garantierter Bandbreite und Latenz an. Ggf läuft das dann über dasselbe Kabel wie Internetdaten, denn für sowas gibt es MPLS. Was der Oettinger da erzählt zeigt nur, dass er lediglich über Halbwissen verfügt.
    Die Telekom findet Netzneutralität doof, denn damit kann man von trafficintensiven Diensten wie Youtube kein zusätzliches Geld verlangen.

    1. Damit wäre YouTube doch ein „Managed Service“ und würde sogar gegenüber der Telemedizin bevorzugt, falls sich das Krankenhaus keine Umsatzbeteiligung leisten kann. Dann stehen gerade wegen des Zwei-Klassen-Internets Menschenleben auf dem Spiel.

    2. …denn für sowas gibt es MPLS. Was der Oettinger da erzählt zeigt nur, dass er lediglich über Halbwissen verfügt.

      MPLS erinnert ja schon so ein bisschen an: Nomen est omen. War der Kommentar auch in Hinblick auf sogenannten„Next generation networks gedacht?

      Wie auch schon Wikipedia schreibt:

      Autonome Kraftfahrzeuge können mit Hilfe verschiedener Sensoren ihre Umgebung wahrnehmen und aus den gewonnenen Informationen ihre Position und die anderer Verkehrsteilnehmer bestimmen, in Zusammenarbeit mit der Navigationssoftware das Fahrziel ansteuern und Kollisionen auf dem Weg vermeiden.

      dh in der Regel ist schon irgendein Funkkontakt irgendwann notwendig. Auch aus Sicherheitsgründen kann ich mir vorstellen würde man sich warscheinlich eher grundsätzlich auch mit einem Navigationssystem abgleichen. Ob das übers Internet stattfinden muss/wird ist eine andere Frage. Das letzte was ich zu dem Thema gehört habe war dass es noch Probleme bei Schnee gab, aber ist schon eine Weile her. Dh. insbesondere können Änderungen in der statischen Umgebung, die nicht im autostationierten Kartenmaterial (anhand dessen sich das Fahrzeug orientiert) vorhanden sind schon ein Problem bilden.

  9. Ich kann mich an ein Projekt des Klinikverbundes im Kreis Borken (Westmünsterland) erinnern, der für den Datenaustausch zwischen seinen 5 Klinkstandorten auf einen eigenen Glasfaserring umgestellt hat. Davor wurden wohl Röntgen, CT und MRT-Bilder per DVD mit Taxis ausgetauscht :-)
    Wichtig dabei ist, das es ich um eine separate Infrastruktur handelt, die für medizinische Übertragung eingestetzt wird und nicht „das Internet“.

  10. Wie wollen die Hersteller oder der Staat verhindern, daß zB. ein fahrerloses Fahrzeug nicht benutzt wird für Anschläge.. mit Sprengstoff gefüllt und dann einfach losgeschickt wird an ein Ziel ? – Hierzu erkenne ich keine kritische Auseinandersetzung zu diesem Thema, wie dies verhindert werden soll, allemal derweil sogar Kriminelle/Terroristen Drohnen versuchen zu nutzen.

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