Trotz strenger Netzneutralitäts-Regeln in den USA suchen Provider nach Schlupflöchern, um sie zu umgehen. Diesmal ist es der Anbieter AT&T, der sein „Sponsored Data“ genanntes Programm auf Video-Angebote ausweiten will. Dabei anfallender Datenverbrauch soll nicht auf das Transfervolumen angerechnet werden, das beispielsweise bei AT&Ts DSL-Leitungen auf 150 GByte pro Monat begrenzt ist.
Zur Kasse sollen nicht direkt die Verbraucher selbst, sondern am Programm teilnehmende Anbieter gebeten werden, wie das jetzt schon bei einigen Werbeunternehmen der Fall ist. Sollte der Vorstoß von AT&T gelingen, ist auch denkbar, dass der Provider eigene Video-Angebote vom Transfervolumen ausnimmt und sie so bevorzugt auf dem Markt platziert.
Das alles wird freilich davon abhängen, wie die Regulierungsbehörde FCC über die Anfrage von AT&T entscheiden wird. Diese war notwendig geworden, weil vor zwei Wochen Provider wie Cogent im Verbund mit Think Tanks, unter anderem dem Open Technology Institute, die FCC aufgerufen haben, entsprechende Bedingungen an die geplante Übernahme des Satelliten-TV-Betreibers DirecTV durch AT&T zu knüpfen. Auch die Videostreaming-Plattform Netflix wehrt sich gegen die Pläne und befürchtet, ins Hintertreffen zu geraten, sollte AT&T eigene Angebote vom Transfervolumen ausnehmen und diese dadurch begünstigen.
Solcherart realisierte Zero-Rating-Angebote sind in den Netzneutralitäts-Regeln nicht ausdrücklich verboten, sondern sollen auf Fall-zu-Fall-Basis entschieden werden. Knackpunkt ist, ob dadurch Wettbewerbsverzerrungen entstehen oder Verbraucher geschädigt werden. Diese Gefahr sieht AT&T nicht und verweist darauf, dass die bestehenden Trafficlimits für die überwältigende Mehrheit der Kunden ausreichend seien. Sollte das tatsächlich der Fall sein, bleibt jedoch unklar, warum es überhaupt eines Sponsored-Data-Programms bedarf.
Naheliegender erscheint es, dass sich AT&T, stellvertretend für andere US-Provider, gegen die Degradierung zum reinen Infrastruktur-Lieferanten zu wehren versucht. Sollte die FCC diese Praxis erlauben, könnte AT&T nicht nur eigene Angebote bevorzugt auf den Markt bringen, sondern zusätzlich Geld von Anbietern wie Netflix oder Hulu kassieren, die sonst das Nachsehen hätten. Von der Entscheidung der FCC wird also abhängen, ob auf dem US-Markt trotz festgeschriebener Netzneutralität durch die Hintertür ein Zwei-Klassen-Netz entstehen wird.
