Technologie

Verfassungsschutz-Chef Maaßen vergleicht das Internet mit Atomenergie

cyber-one-more-timeAuf der 3. Potsdamer Konferenz für nationale Cybersicherheit passierte allerhand Bizarres. So verglich Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen das Internet mit Atomkraft, der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Michael Hange, weist die Vorwürfe zur mangelnden Sicherheit zurück und schuld sind natürlich immer die anderen. Und das BKA gibt sich nicht involviert.


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Der BSI-Chef Hange stellte sich und seine Behörde vor. Er erklärte, dass man nie von einer hundertprozentigen Sicherheit ausgehen könne und Computersicherheit demnach ein fortlaufender Prozess sei. Die heutige Software habe einfach zu viele Schwachstellen, als dass das BSI sagen könne, es gäbe ein absolut sicheres Netz. Hange wollte aber keine Einschätzung dazu äußern, wie groß der Schaden ist, der beim Hackerangriff auf den Bundestag entstanden ist, noch wollte er eine Aussage dazu treffen, wer hinter der Attacke stehen könnte.

BKA-Chef Münch erklärte aber, dass seine Institution nicht in den Aufklärungsprozess involviert sei, der Bundestag habe seine eigene Polizei und erst, wenn diese das BKA verständige, könne es tätig werden. Er hält aber eine zukünftige Zusammenarbeit von BKA, BSI und der Polizei bei Cyberangriffen für alternativlos.

Abstrus wurde es, als Maaßen, um vor den Gefahren des Internets zu warnen, dieses mit der Atomkraft verglich. Er wolle an die Zeit erinnern, in der Atomkraft noch als eine vermeintlich sichere Technologie galt, obwohl noch niemand deren Gefahrenpotential habe abschätzen können. Eine ähnliche Entwicklung drohe nun dem sogenannten „Cyberraum“. Man habe mit Nordkorea einen Angreifer, welcher nicht einmal einen einzigen Geldautomaten besäße, gleichzeitig aber sei es ein Land, welches Cyberangriffe ausübe. Maaßen sagte weiter, es bereite ihm größte Sorge, wie unbekümmert die Bevölkerung das Internet wahrnehme, während andere das Netz für Propaganda und Sabotage nutzen. Anders als bei der Atomkraft, bei der es eine Ausstiegsmöglichkeit gäbe, sei das Internet Realität.

7 Kommentare
  1. heise zitiert das als

    „Das Internet ist Realität und anderes als bei der Atomkraft gibt es keinen Ausstieg aus dieser Technik mehr“

    und der Vergleich ist mE gar nicht so schlecht. Bei den beschworenen Gefahren sollte man jetzt weniger als einzelne Benutzer denken, als an Geschaeftsmodelle wie UberPop oder den Betrieb kritischer Infrastruktur ueber unsichere Netze.

  2. Sorry, aber was ist das denn bitte für ein schwacher Artikel? Was ist an den geschilderten Aussagen „bizarr“?

    Maaßen hat mit seiner Aussage nicht unrecht. Hange macht bei den ganzen Spekulationen nicht mit, weil die Analyse des Systems noch nicht abgeschlossen ist. Und Münch & co. können erst tätig werden, wenn die Bundestagsverwaltung das zulässt bzw. mit den Ermittlungen beauftragt wird.

    1. Naja, er setzt schon einen etwas bizarren Kontext und ich glaube nicht, dass er die Realitaet seines eigenen Vergleichs verstanden hat, aber dazu kenne ich ihn zu wenig.

  3. Ich denke der Vergleich ist schon passend gesetzt. Der Beginn des Atomzeitalters hat in mancher Hinsicht immerhin eine technische Revolution eingeleitet. Die Bedeutung des Internets ist in dieser Hinsicht mindestens ebenbürtig.

    Das eine solche Revolution auch mitunter bedeutende Gefahren mit sich bringt ist evident. Wie auch immer diese aussehen mögen. Netzpolitik weist hierauf auch in vielerlei Hinsicht in. Insofern liegt man hier gar nicht so weit auseinander.

    _________

    Und Hange hat mitunter recht, wenn er sich beschwert, dass „ignorante Abgeordnete“ die andauernde Lösung der Situation verhindern. Der Bundestag ist verwaltungstechnisch eigenständig (Gewaltenteilung -> tolle Erfindung) und weder BKA noch BfV werden dort in diesem Fall tätig ohne explizite „Einladung“. Das wird ja bislang ganz offensichtlich und explizit verhindert. Da muss man sich an manchen Stellen nicht wundern.

    IMO: Zudem wird das Problem nur entstanden sein, weil die „bequemen“ Abgeordneten nicht auf ihr Fraktionsspielzeug und Internet (… siehe Edathy) verzichten wollen…

  4. Verstehe das Problem an dem Vergleich gerade nicht. Oder ist er nur unerträglich, weil vom Präsidenten des BfV („Verfassungsschutz-Chef“) formuliert?
    An und für sich befürworte ich euer Engagement ja vollkommen. Aber in letzter Zeit berichtet ihr vermehrt derart tendenziös, dass das Lesen zum Teil schlicht und ergreifend keinen Spaß mehr macht. Etwas sachlichere Berichterstattung wäre ganz nett.. davon hätten wir alle was.

  5. Weil hier alle fragen, warum der Vergleich problematisch ist: Er ist Brainfuck.
    Wenn sich das duchsetzt, kommt nächstes Jahr „Netzneutralität ist Proliferation“, „wir brauchen internationale Kontrollinstanzen“, „Snowden-Files schlimmer als Anschlag mit schmutziger Bombe (weil Internet == nukular.)“
    Das ist ne Aufforderung an alte Menschen, Angst zu haben und entsprechend zu reagieren. Das Dumme ist, dass das gerade bei dunkelgrün/hellschwarzen Opas und Omas im Süden auf ruchtbaren Boden fallen wird. Die halten da Farbfernsehen noch für Hexenwerk.

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