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Netzneutralität im Streaming-Bereich: Kabel-Deutschland-Chef will Netflix bevorzugen

Switch CC BY-SA 2.0 via flickr/schwenke

Wie golem.de berichtet, hat der Chef von Kabel-Deutschland, Manuel Cubero, auf der Branchenmesse der Kabelnetzbetreiber in Köln in einer Diskussionsrunde erklärt:


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Qualitätsklassen sind in dem Bereich unerlässlich. Wenn Firmen wie Netflix Bedarf haben, ihre Daten schneller zum Kunden zu bringen, dann müssen wir in der Lage sein, das auch anbieten zu können.

Dies sei aber keinesfalls diskriminierend, denn die Qualitätsklassen würden ja allen angeboten. Wenn Kabelnetzbetreiber ihre Gewinne steigern wollen und zu diesem Zwecke Firmen, die das nötige Kleingeld mitbringen, eine bessere Behandlung der Daten ermöglichen, finden wir das sehr wohl diskriminierend. Auch wenn, juristisch gesehen, keine Diskriminierung vorliegt, wenn alle die Möglichkeit haben, bevorzugt behandelt zu werden. Dass die Netzbetreiber auf neue Entwicklungen reagieren und ihre Netze, um dem steigenden Traffic gewachsen zu sein, ausbauen müssen, kann und darf nicht durch Premium-Tarife für Großkunden refinanziert werden. Das wäre das Gegenteil von Netzneutralität. Dem stimmt auch Günther Oettinger zu, wie wir hier erfahren haben.

Er ist FÜR Netzneutralität. Mit einer Ausnahme: Wenn es um Dienste im allgemeinen Interesse geht, also beispielsweise Notdienste, Feuerwehr, Krankendienste, dann sollten diese Vortritt haben. (Das heißt auch, dass es für Firmen keine Ausnahmen geben soll, selbst wenn sie dafür zahlen würden)

Hier positioniert sich Oettinger dann, ganz zu unserer Freude, auch deutlich klarer als die Kanzlerin vor einigen Tagen, anlässlich des Evangelischen Kirchentages. Es sei aber darauf hingewiesen, dass beim EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft Rhetorik und Handeln im Moment noch diametral zueinander stehen. Merkel äußerte (ZDF-Mediathek) sich jedenfalls zum Thema wie folgt:

Dann haben wir das schwierige Problem Netzneutralität. Alle sagen, wir wollen natürlich den gleichen Zugang zum Internet. Andere sagen, wenn ich bestimmte Anwendungen habe, also ich möchte autonom ohne Fahrer Auto fahren, dann kann das natürlich nicht sein, dass ich irgendwo nach 200 Metern plötzlich mit einem anderen zusammen krache, weil das Netz nicht zur Verfügung steht. Ist das nun genauso wichtig, dieses Netz, oder hat es eine höhere Priorität?

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14 Kommentare
  1. Wenn er für Netzneutralität ist, warum werden dann P2P Verbindungen ab 10GB gedrosselt? Für jeden der die Linux Community unterstützen will ein Graus. Für viele Zocker ebenso, die ihre Updates über torrent beziehen.

  2. Der Telekomlobby geht es sicherlich nicht um neue Geschäftsmodelle, sondern bestimmt auch nur um „Dienste im allgemeinen Interesse“, wie sich nun ja auch zeigt … denn Netflix oder Videostreams … da geht es um unser Leben!!! /s

  3. Warum wird eigentlich immer mit den selbstfahrenden Autos argumentiert…derartige Fahrzeuge werden aller Voraussicht nach…und allein schon aus Realismus und Zulassungsgründen im Normalbetrieb ohne Netz auskommen….und sich sicherlich auch auf Handbetrieb umstellen lassen wenn die Elektronik mal spinnt. Da steht man bei Netzausfall vielleicht mal im Stau.

    Ein Auto is ja keine Kampfdrohne die man fernsteuern muss. Und allein schon aus Sicherheitsgründen sollte das auch nicht möglich sein. Sonst hat man wieder einen Angriffsvektor geschaffen.

    Und was das Ärztethema angeht, die geben sich für Videoanwendungen mit relativ lächerlichen Transfervolumina zufrieden. Das Ärzte in Zukunft von der Karibik aus komplette Operationen durchführen sollte ohnehin nicht das Ziel sein.

    1. Selbst Kampfdrohnen fliegen ohne Verbindung. Die haben Systeme die automatisch übernehmen wenn die Verbindung abreißt / so und so lange nichts empfangen wird. Die kriegen Positionen eingestellt zu denen sie nach X Zeit keine Kommunikation fliegen und dann dort in definierter Höhe kreisen bis wieder Kontakt da ist. Ich denk mal das wird so eingestellt, dass wenn kein Kontakt mehr zu stande kommt das Ding nicht direkt beim Feind vor der Haustür runterkommt zum zerlegen und erlernen..

      Ich denk die meisten Politiker bringen da Internet und 802.11p (Kommunikation zwischen Fahrzeugen über Funk) durcheinander. 802.11p soll glaube ich für sowas sein, dass z.B. ein Fahrzeug dem dahinter meldet das es ein Hinderniss erkannt hat und dann das Fahrzeug dahinter halt präventiv abbremmst oder das ein Pannenfahrzeug ein Signal aussendet das andere Autos gewarnt werden die sich der Stelle nähern. Da wäre es natürlich schon von Vorteil wenn das Frequenzband frei ist, damit das funktioniert und Niemand da gerade seinen 8k Film in der Kolonne vom einen zum anderen Fahrzeug auf der gleichen Frequenz mit 100facher Sendeleistung illegal streamt. Da 802.11 allgemein mit WLAN umschrieben wird und WLAN = Internet für Politiker könnte ich mir so absurde Vorderungen vorstellen / die Gedankengänge nachvollziehen.. Vor ein paar Jahren war genau diese Car to Car Kommunikation für Sicherheitssystem mal relativ groß in der Presse und da wurde sicher auch mal WLAN geschrieben ^^

    2. Das Thema wurde bei NP.org mal unter dem Kapitel „Lobbythesen 1:1 übernommen“ angeschnitten. Diese Autonomfahr-Behauptung, die man so oft von Politikern hört, stammt von der Telekom.

    3. Warum mit selbstfahrenden Autos das zwei Klassen Internet herbeigeredet werden soll?
      Na es klingt besser als: „Ist halt so, wir wollen damit Geld verdienen“
      Außerdem ist es ein gutes Totschlagargument für den Fall das Otto-Normalverbraucher behauptet er würde in seinen Rechten beschnitten. „Steht Dein Recht etwa über der Verkehrssicherheit?“ – Was das mit dem Internet zutun hat? Siehe oben!

  4. Ähm, ihr wisst‘ schon, warum das ‚Netzbetreiber‘ heisst?

    Schon die Überschrift ist falsch. Vodafone will nicht Netflix bevorzugen; wenn Netflix bevorzugt werden möchte, wäre Vodafone dazu bereit, dies anzubieten (btw: man kann Netflix via T-Entertain bekommen und der Stream wird dann auch bevorzugt).

    Die ganze Netzneutralitätsdebatte „finden wir das sehr wohl diskriminierend“ ist halt leider einem technischen Unverständnis geschuldet und einem grundsätzlichen Unwillen Kommunikation als ein Geschäft zu betrachten.

    1. Ja klar. Lassen wir den Markt nur machen. Wird schon alles gut werden. Autos, die per Internet navigieren (statt mal auf die Strasse und das GPS zu achten) und weitere hirnverbrannte Argumente kommen solchen „Betreibern“ auch nicht in den Kopf.

      Darüber hinaus gibt es unzählige Beispiele wie Schmugel und Menschenhandel die ja auch ein Markt sind… dort gehen die Regelungen aber in eine ganz andere Richtung.

      Fakt: Den Leuten ist egal wenn die T-Offline Miese macht. Sie wollen ihr verdammtes Breitbandinternet (nein 1000 DSL ist nicht Breitband) und damit machen was, wann und wie sie es verdammt nochmal wollen.

      Passt es dem Marktteilnehmer NICHT sollte er sich einfach aus dem Markt verp… und der Konkurrenz das Feld überlassen. Aber nein. Lieber gehen wir bei Vater Staat um Subventionen und Bevorzugung betteln. Wir müssen einen künstlichen Markt schaffen um dann für eine nicht existierende Leistung Geld zu verlangen. Ich bezahle für Bandbreite. Kann der Betreiber diese nicht liefern sollte er einfach DICHT machen und das Feld jmd. fähigem überlassen. So einfach ist das. Dann greifen wir eben etwas tiefer in die Tasche für richtig schnelles Netz und dann hat sich die Sache. Es wird schon jetzt gedrosselt. Zieh mal mehr als 300GB im Monat und sieh dir an wie viele MBit dein „Betreiber“ dir nächsten Monat „abdreht“.

      Komm mir jetzt keiner mit Poweruser. Es gibt Leute, die haben eben sehr vieles über die eigene IT laufen und da kommen auch mal weit mehr GB raus. Nur blöd das der UPload so lahm ist aber das ist sicherlich auch nur ein Problem des Marktes (ja sicher).

  5. Was mir irgendwie in der ganzen Debatte zur Netzneutralität und anderem noch fehlt ist eine klare Handlungsableitung, abgesehen von den diversen Protestvarianten stimme ich nämlich gerne mit meinem Portemonnaie ab. Sprich: Welchem Provider kann ich mein Geld guten Gewissens in die Hand drücken? Wer ist das Analogon zu den Elektrizitätswerken Schönau in der Inter-Netzlandschaft? Abgesehen von Freifunk und anderen Initiativen mit leider geringer Reichweite suche ich mich da gerade dumm und dusselig, aber noch nicht mal hier finde ich eine Empfehlung. Gibt es einfach keine? Sind wir so auf Telekom & Co. angewiesen, dass man jetzt keine andere Wahl hat als einen der Großanbieter, Kabelnetzvermieter etc. pp. zu finanzieren, sprich Geld abzudrücken für eine Leistung die einer Strategie folgt, die einem persönlich zuwider ist?

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