Öffentlichkeit

Geleaktes Dokument des Rates der EU könnte Pornofilter in Großbritannien in Gefahr bringen

Quelle: The Hungry and Foolish

Laut The Sunday Times will die EU das Blockieren von anstößigem Material für Mobilfunk- und Internetunternehmen verbieten. Die Zeitung beruft sich dabei auf ein geleaktes Policy-Dokument des Rates der EU vom 17. Mai 2015, in dem stehe, dass der Endnutzer die volle Kontrolle über seinen Internettraffic haben soll, also auch Jugendfiltern explizit zustimmen muss, wenn er diese nutzen will.

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Das würde die Praktiken Großbritanniens, Pornographie großflächig zu blocken, hinfällig machen. Dort gibt es bei den meisten Internetprovidern voreingestellte Jugendfilter, die jedoch nicht nur Pornographie, sondern auch andere kritische Inhalte wie Webseiten zu Essstörungen, Alkohol, Suizid, Esoterik, Aufklärungsseiten und Zensurumgehungstools unzugänglich machen (sollen).

David Cameron, dem britischen Premierminister, dürfte das Dokument des Rates gar nicht passen. Denn der will Filter, die bereits auf dem Server des Providers umgesetzt sind. Der Nutzer hat damit keinen direkten Einfluss mehr auf das Blocking und müsste aus Eigeninitiative seinen Provider kontaktieren, um den Filter abschalten zu lassen. Ein Vertreter des britischen Department for Culture, Media and Sport sagte:

The UK government will not support any proposals that do not allow us to maintain our child protection policies or bring forward new policies.

Regierungsberater John Carr dazu:

The prime minister and children’s organisations have been campaigning for it, and the industry have been willing to do it. It seems incredible that an obscure measure from Brussels could bring all this to a halt.

Da fragt man sich, was hier obskur ist: Die Verteidigung eines freien Internets – niemand hindert jemanden daran, die Filter nach Zustimmung anzuschalten! – oder der Aufbau einer intransparenten Zensurinfrastruktur, die zum Over-Blocking neigt und für andere Zwecke missbraucht werden kann.

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6 Kommentare
    1. Und damit das Land alleine lassen und es so, beispielsweiße England, noch leichter machen solch eine Zensur einzuführen?

      Ich denke es fehlt die Debatte in England. Wir in Deutschland sind sehr hohe Standarts in Sachen Datenschutz gewohnt. Auch sind wir, aufgrund unserer Vergangenheit, etwas sensibler was es Zensur und ähnliches angeht, daher sehen wir etliches anders. Und genau das können – und sollten – wir nutzen um eben eine Diskussion zu starten die von der Gesellschaft und nicht der Regierung geführt wird.
      Ausserdem fehlt leider nach wie vor vielen Menschen das Wissen darüber, wie man Zuhause selbst einen Filter einrichtet und verwaltet. Hier sollten Regierungen verstärkt Wert darauf legen diese Wissenslücke zu schließen, anstatt eine Bevormundung durch staatliche Filter vorranzutreiben.

      Mit dem Plan des Rates der EU wären wir wieder einen kleinen Schritt weiter in Richtung Netzfreiheit in fest geschriebener Form.

      1. „Ausserdem fehlt leider nach wie vor vielen Menschen das Wissen darüber, wie man Zuhause selbst einen Filter einrichtet und verwaltet. Hier sollten Regierungen verstärkt Wert darauf legen diese Wissenslücke zu schließen, anstatt eine Bevormundung durch staatliche Filter vorranzutreiben.“ Keine der aktuelle im Parlament legt in irgendeiner Form Wert auf die Eigenverantwortung des Bürgers. Ich fürchte im Gegenteil, dass ein medienwirksames Event (Bild Schlagzeile: ’10 Jähriger guckt 5h pro Tag Pornos‘) reicht damit die gleichen Filter auch bei uns installiert werden.

      2. Leider hast du da recht, daher auch das ’sollte‘. Das ist damit wohl wieder ein Punkt mehr, bei dem sich die Gesellschaft selbst helfen muss. Dabei müsste der Staat ja nur bestehende Webseiten und Tutorials weiterverlinken ( um einen ersten Schritt zu machen )..

  1. “ … wie man Zuhause selbst einen Filter einrichtet und verwaltet. “ Kann man der Meinung sein, dass das doll wäre, wenn alle Fahrradfahrer und -innen wüssten wie sie Ketten wechseln, Reifen pumpen, Sattel verstellen, Lager einstellen, Schaltungen reparieren. Kann man aber auch feststellen, dass das mindestens 70 Prozent der Fahrradnutzer und -innen nicht auch noch interessiert. Schlimmer noch mit den Elektrokisten auf unter dem Tisch und in den Jacken. Das Zeug ist im Verhältnis überkomplex. Wer neben Erwerbsbiografie und tausend Formularen noch leben will, verzichtet wohl eher darauf.

  2. hmm kopfkratz … also ich benutz einen englischen! proxie um auf pornostreams zu kommen die in deutschland geofickt sind … warum ist meine realität so anders als die der andren :O

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