KW 35Die Woche, als die Digitalstrategie vorgestellt wurde

Die 35. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 23 neue Texte mit insgesamt 167.071 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.

Fraktal, generiert mit MandelBrowser von Tomasz Śmigielski

Hallo liebe Leser:innen,

diese Woche hat Anna mit ihren Freund:innen auf der Arbeit die Digitalstrategie gelesen. Das ist ein langer Text von der Bundesregierung. Am meisten in Erinnerung geblieben sind Anna dabei die eingebauten Geschichten von erfundenen Personen. Sie heißen zum Beispiel Elif, Paul und Sascha. Die Geschichten sollen anschaulich machen, wie toll die digitalisierte Welt wird. Anna fand das inspirierend. Deshalb schreibt sie heute auch ihren Wochenrückblick in der dritten Person.

Auch in der Digitalstrategie kommt eine Person vor, die Anna heißt. Die Anna in der Digitalstrategie informiert sich online im Zuwendungsempfängerregister. Es ist lustig, wenn Menschen zufällig denselben Namen haben. Noch mehr Abenteuer erlebt Marita in der Digitalstrategie. Marita saust mit dem Mietauto über ein kleines Schlagloch. Dabei schmunzelt sie, weil ihr Auto das Schlagloch automatisch an einen Datenpool meldet. Das steht wirklich genau so in der Digitalstrategie und ist sehr anschaulich.

Leider haben Anna nicht alle Teile der Digitalstrategie beim Lesen Spaß gemacht. Oft hatte Anna das Gefühl, das hat sie doch schonmal gehört. Also hat Anna mit ihren digitalen Werkzeugen gesucht, woher sie manche Sätze kennt. Und siehe da: Vieles aus der Digitalstrategie stand schon im Koalitionsvertrag!! Den Koalitionsvertrag fanden damals viele gar nicht mal so schlecht. Anna hat sich gefragt, warum die Regierung das nochmal aufschreibt.

Volker ist der Minister für Verkehr und Digitales. Er hat bei der Digitalstrategie mitgeschrieben. Danach hat Volker gesagt: „Die Digitalstrategie ist eine konkrete Zukunftsvision mit greif- und messbaren Zielen“. Greifbar und messbar. Anna findet diese Worte gut. Aber was wollen Volker und seine Freund:innen, Christian und Nancy, genau messen?

Anna sucht in der Digitalstrategie nach Dingen, die man messen kann, und schmunzelt. Sie findet etwas über ein Onlineportal für Umweltdaten. Da sollen bis 2025 ungefähr 300 Datenquellen eingebunden sein. Hier können Volker und seine Freund:innen später sehr gut nachzählen. Doch dann merkt Anna, dass man andere Sachen in der Digitalstrategie gar nicht messen kann. Da steht, das Gesundheitswesen soll die Potenziale der Digitalisierung „besser“ ausschöpfen. Oh weh, wie soll man das nur zählen?

Anna erinnert das an manche ihrer guten Vorsätze. Sie wollte sich schon oft „besser“ um ihre Zimmerpflanzen kümmern. Aber immer noch gehen Annas Zimmerpflanzen ein. Da kommt Anna eine Idee. Sie muss ihr Ziel genauer formulieren. Mindestens ein Mal pro Woche gucken, ob die Pflanzen Wasser brauchen, jeden Sonntag vorm „Tatort“. Das ist ein guter Tipp. Anna überlegt, ob sie Volker von ihrer Idee erzählen soll.

Auf jeden Fall werden Anna und ihre Freund:innen auf der Arbeit genau gucken, was aus den Vorhaben in der Digitalstrategie wird. Vor allem ist Anna gespannt, ob die Bundesregierung mehr mit der Zivilgesellschaft macht. Das steht nämlich sowohl in der Digitalstrategie als auch im Koalitionsvertrag. Alles, was sie rausfindet, schreibt Anna dann ins Internet, damit Elif, Sascha, Marita, Volker, Nancy und Christian das lesen können.

Was Anna bei der Digitalstrategie wirklich gut fand: Alle Beispiele waren sehr leicht zu verstehen. Das könnten Volker und die anderen öfter machen, denn oft sind Texte von der Regierung sehr schwer geschrieben. Es müssen ja nicht immer gleich Geschichten von erfundenen Menschen sein.

Anna hofft, ihr habt ein schönes Wochenende! Und diesen Sonntag gießt sie ihre Pflanzen, ganz bestimmt, denn die „Tatort“-Sommerpause ist vorbei. Das bringt Anna zum Schmunzeln.

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Eine Ergänzung

  1. Der Spiegel hat jetzt auch eine:

    https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/datenschutz-als-verhinderungswaffe-der-fortschritt-und-seine-feinde-kolumne-a-0cd491dd-425f-4f17-b204-581fc0a0b947

    „Dem real existierenden Datenschutz geht es leider häufiger ums Prinzip als um das digitale Leben. “
    Lustige Exposition eines Blinden fachfremden Fischers? Im Digitalen gibt es NUR das Prinzip. Aufgrund der algorithmischen Struktur und der permanenten Wirkung, wirkt sich sofort alles überall und für immer aus, was Daten betrifft. Da steht höchstens der „heilige Rechtsstaat“ dem gegenüber, welcher dann die Weiternutzung bereits erhobener Daten… äh… gern mal verbietet (was nichts bringt), erlaubt (was schlimm ist), oder bereits bei Ordnungswidrigkeiten statt schwerster Straftaten durchgehen lässt, während von einem Sanktionsregime, GERADE WO WIR DIE DSGVO ERWÄHNT HABEN, auf Staatsseite natürlich keinerlei Rede sein kann, gerade mal so bei Mißbrauch.

    Die Aufgestellten Thesen werden nicht untermauert, bis hier „Datenschutz ist deshalb in Deutschland nicht nur das größte digitale Verhinderungsinstrument, sondern zugleich auch der größte digitale Sündenbock.“ kommt, wo aber irgendwer mit „Datenschutz“ kommt und Projekte verhindert. Also real existierend nur Sündenbock, während die Handelnden einfach irgendwelche Fachfremden Hirnis sind.

    „Microsoft Teams“ – das ist außer Frage, dass das bei Schulen nicht geht. Dafür muss man nicht studiert haben. Das Versagen ist ein Staatssystem, das nicht in der Lage ist, Infrastruktur zu denken, und im Zweifel auch mal mit großem Aufwand ad-hoc hochzuziehen (im Digitalen).

    (… Vorgeschobenes anderer Leute …)

    „Einfallstor“ – ja beim Stürmer jetzt? Das andere Einfallstor ist viel schlimmer, wo wir gerade bei Extremen (Dummen) sind.

    „Thilo Weichert“… „Hohepriester der radikalen schleswig-holsteinischen Datenschutzschule“ … „hatte dann aber nichts gegen eine Form der Vorratsdatenspeicherung einzuwenden“.
    1. Stürmerniveau. Vollidiot.
    2. Unter dem Link steht etwas anderes, als hier suggeriert wird. Niveau?

    “ Einige Datenschutzbeauftragte etwa wollen Behörden verbieten, überhaupt in den großen sozialen Medien aktiv zu sein .“
    Sollen die Digitalaffengenerationen doch Kuchen essen gehen? Oder kacken. Wer nur Facebook kennt ist nicht „digitalaffin“. Die Behörden müssen sicherstellen, dass sie selbst erst mal eine vernünftige Präsenz haben, gerne Infrastruktur dafür bauen, aber es darf nicht passieren, dass ich jetzt zu Facebook muss, um die Öffentlichkeitsarbeit eines Ministeriums zu betrachten. Das ist ein no-go. Wir sind keine kleine Insel.

    Man muss da an den richtigen Stühlen sägen. Der Datenschutz ist nach wie vor wild unterrepräsentiert, z.B. bei der Öffentlichkeitsarbeit ;).

    Mr. Lobo… Fach verfehlt, oder extra Groschen nötig?

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