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  • : Innenministerien wollen „terroristische Internetinhalte“ löschen lassen und durch Gegenpropaganda ersetzen
    Die InnenministerInnen von Luxemburg, Österreich, der Schweiz, Deutschland und Liechtenstein wollen " terroristische Inhalte möglichst rasch aus dem Internet" löschen.
    Die InnenministerInnen von Luxemburg, Österreich, der Schweiz, Deutschland und Liechtenstein wollen " terroristische Inhalte möglichst rasch aus dem Internet" löschen.
    Innenministerien wollen „terroristische Internetinhalte“ löschen lassen und durch Gegenpropaganda ersetzen

    Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtete am Freitag über eine Forderung des Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU), „der Propaganda von Islamisten mit einer Aufklärungsoffensive zu begegnen“. Der Minister war hierzu eigens in der Politikredaktion der FAZ aufgekreuzt und hatte dort beklagt, „Islamisten wie jene von der Terrormiliz“ hätten „bei der Propaganda im Internet erheblichen Vorsprung“. De Maizière wirbt dafür, die „öffentliche Propagandahoheit dieser Szene“ durch „eine Art Gegenoffensive“ zu kontern. Diese Aufgabe könnte demnach von der Bundeszentrale für politische Bildung übernommen werden.

    In Wirklichkeit gehen die anvisierten Maßnahmen gegen die „ausländische Kämpfer“ aber deutlich über eine meist als „Counter Narratives“ bezeichnete Gegenpropaganda im Internet hinaus. Die Regierungen von EU-Mitgliedstaaten diskutieren seit geraumer Zeit über neue Möglichkeiten, „terroristische Onlineaktivitäten“ in Zusammenarbeit mit Internetdienstleistern zu stoppen und unliebsame Inhalte zu löschen.

    Auch auf den regelmäßigen G6-Treffen einiger EU-Innenministerien (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Polen) war das Thema bereits mehrmals auf der Agenda. An dem jüngsten Treffen haben nicht nur wie üblich Innen- und Justizminister aus den USA teilgenommen: Neben Behörden aus Kanada sei auch die Türkei nach Presseberichten „hochrangig vertreten“ gewesen. Zu vorläufigen Ergebnissen erklärte demnach de Maizière:

    Wir haben verabredet, dass wir in einem strukturierten Dialog mit den großen Netzbetreibern erreichen wollen, dass sie aus eigenem Interesse diese Quelle des digitalen Dschihad dadurch austrocknen, dass sie solche Inhalte selbst aus dem Netz entfernen.

    Die Netzbetreiber sind vom „eigenen Interesse“ augenscheinlich noch nicht wirklich überzeugt: Es handele sich laut de Maizière bislang um einen „dringenden Appell“.

    Informelles Abendessen mit Twitter, Google, Microsoft und Facebook

    Vor ihrer Oktober-Sitzung hatten sich die Innenminister aller EU-Mitgliedstaaten mit den Internetkonzernen Twitter, Google, Microsoft und Facebook zu einem informellen Abendessen getroffen, auch die EU-Kommission war eingeladen. Ziel war, „Instrumente und Techniken“ zu entwickeln, um den „terroristischen Onlineaktivitäten“ entgegenzutreten.

    Es ist aber unklar, um welche Inhalte es sich eigentlich handelt. Denn im Bezug auf Videos von Enthauptungen oder anderen Gräueltaten sind die Interdienstleister längst von sich aus bemüht, Filme möglichst schnell zu erkennen und den Zugang zu sperren.

    Laut der Bundesregierung sei es bei dem Abendessen um „Internetbezogene Sicherheitsaufgaben im Kontext der Beziehungen zu Großunternehmen der Internet-Branche“ gegangen. Auch „Verfahrensanforderungen“ seien erörtert worden. Außer „Möglichkeiten der Verhinderung der Verbreitung von Hinrichtungsbildern für Propagandazwecke“ sei auch die Nutzung von Accounts in sozialen Netzwerken Thema gewesen. Das Treffen habe der „Vertrauensbildung und Schaffung von Transparenz“ gedient.

    Löschen von Inhalten „um keinen Keim zu säen“

    Das Bundesinnenministerium ist auch an weitergehenden Initiativen beteiligt. Hierzu gehört die Teilnahme an einer Arbeitsgruppe mit Innenministerien aus Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg. Im Ergebnis hieß es, dass noch 2014 ein „Workshop zur Erarbeitung von Präventionsvideos“ in Wien veranstaltet werden soll. Auch Deutschland will sich ausweislich einer Mitteilung des Innenministeriums Österreichs daran beteiligen.

    Allerdings hat sich auch diese Arbeitsgruppe nicht nur mit Gegenpropaganda befasst. Denn laut der österreichischen Innenministerin Mikl-Leitner sei es vor allem darum gegangen, dass „terroristische Inhalte möglichst rasch aus dem Internet genommen werden, um keinen Keim zu säen“. In der gleichen Pressemitteilung ist davon die Rede, dass Mikl-Leitner hierzu das „Google Entwicklungszentrum Zürich“ besucht habe, das als der „größte Entwicklungsstandort der Firma außerhalb der USA“ beschrieben wird. Die Innenministerin habe sich dort angesehen, „an welchen Entwicklungen Google-Experten arbeiten, um verhetzende Inhalte zu erkennen“.

    Es ist denkbar, dass die EU-Innenminister Einfluss auf die Filtertechnologien oder entsprechende Suchkriterien nehmen wollen. Ähnlich hatte Großbritannien vergangene Woche mitgeteilt, dass ein eigentlich zur Erkennung von Kinderpornografie eingerichteter Filter auf „extremistische Inhalte“ erweitert werden soll. Neu ist die Idee nicht, bereits Anfang des Jahres war von „Cybergrenzkontrollen“ gegen „extremistische Videos“ die Rede.

    24. November 2014 20
  • : pretty Easy Privacy – Whatsapp verschlüsseln. Und Facebook-Nachrichten. Auch mit Outlook.
    pretty Easy Privacy – Whatsapp verschlüsseln. Und Facebook-Nachrichten. Auch mit Outlook.

    pEp logo (font universe)

    pretty Easy Privacy – kurz: p≡p – ist ein Projekt des Softwarearchitekten Volker Birk und des Chaostreff Winterthur in der Schweiz. Es will, dass verschlüsselte und anonyme Kommunikation nicht nur „good“, sondern auch „easy“ ist. In einem Gastbeitrag erklärt Volker, wie, warum und wo noch Hilfe notwendig ist. Er wird auch auf Volkers Blog und der Projektseite von p≡p erschienen.

    pretty Easy Privacy – Lasst uns Whatsapp verschlüsseln! Und Facebook-Nachrichten. Auch mit Outlook. Nein, wirklich!

    TL;DR

    p≡p will den Default für textbasierende Nachrichten ändern, und zwar von unverschlüsselt und transparent auf anonymisiert und verschlüsselt. Dabei soll es egal sein, ob SMS, WhatsApp-Nachricht, Mail, – Hauptsache ist, der Nutzer muss gar nichts mehr dafür tun, um verschlüsselt zu kommunizieren. p≡p befindet sich in der Entwicklung, dafür braucht es Geld. Das Indiegogo-Crowdfunding ist heute gestartet.

    Das Problem

    Was sich abgedreht anhört, hat einen sehr ernsten Hintergrund. Inzwischen sind wir beim CCC Zürich bei der 11. Kryptoparty. Kurz: die Resonanz ist großartig. Die Leute lieben es und bekommen Service von Nerds mit Herz und einer Engelsgeduld. Nur: was nützt es? Es nützt. Aber der Impact? Wir erreichen so nicht einmal 1% der Internetnutzer. Der Cypherpunk gilt als gescheitert. Aber ist er das? Muss er das sein?

    Eine Crypto-App nach der anderen, eine Crypto-Box, ein Crypto-Webdienst nach dem anderen schießt wie Pilze aus dem Boden. Ich begrüße alle davon. Jedem, der so ein Projekt macht, wünsche ich allen Erfolg, den er je haben kann. Aber wieder: der Impact? Die Leute nutzen nach wie vor Whatsapp, Facebook, Instagram & Co. Ein Crypto-Projekt mit 200.000 Nutzern gilt als erfolgreich. Das sind 0.0002 Milliarden. Zum Vergleich: Whatsapp hat 0.6 Milliarden und geht weiter auf die 1 Milliarde zu. Was tun, sprach Zeus?

    Wir müssen das Problem neu denken. Wir müssen da agieren, wo die Leute sind. Und das bedeutet eben, wir müssen Whatsapp verschlüsseln. Und Facebook-Nachrichten. Aber eben auch E‑Mail. Und SMS. Und alles das, was die Leute tatsächlich nutzen. Und das Verschlüsseln alleine reicht nicht, lange nicht. Das muss ganz anders werden.

    Deshalb hat sich eine Gruppe von Leuten gebildet, die das Problem lösen will. Das Motto lautet: pretty Easy privacy, p≡p. Denn Good ist sie schon, die Privacy. Aber Easy muss nun großgeschrieben werden. Und sie muss endlich dort greifen, wo die Leute wirklich kommunizieren.

    p≡p ist also nicht noch eine neue Crypto-App. p≡p ist der Versuch, den Standard für textbasierende Nachrichten im Internet zu ändern: von unverschlüsselt und transparent für die Überwacher auf anonymisiert und verschlüsselt. Cypherpunk eben. Wie geht das?

    Das Problem des Verschlüsselns liegt für die meisten Menschen nicht darin, dass sie keine Software finden, mit der man verschlüsseln kann. Sondern darin, dass sie es auch damit nicht können, weil sie es nicht verstehen. Das ist ein deutlicher Hinweis, dass mit der Software was nicht stimmt. Um genau zu sein, mit deren Nutzerschnittstelle. Wenn es nur ganz wenige können, ist die offensichtlich schlecht. Machen wir uns nichts vor: sie ist furchtbar.

    Lege Dir erst einmal ein Schlüsselpaar an. Nein, nimm mindestens 2048 bit RSA, besser 4096.“ Hä? Wieso geht das wieder nicht?

    Schlüssel abgelaufen.“ Aha. Und nun?

    So kann es mit PGP nicht weitergehen, da hat Matthew Green ganz recht.

    Die grüne Statusanzeige zeigt, dass die Kommunikation verschlüsselt stattfindet und die Teilnehmer sich vertrauen.

    Die grüne Statusanzeige zeigt, dass die Kommunikation verschlüsselt stattfindet und die Teilnehmer sich vertrauen.

    Die Idee

    Man kann PGP richtig benutzen, das wissen viele der Leser hier genau. Und sie wissen auch, wie genau. Warum schreibt man das nicht einmal auf? Nein, nicht als Bedienungsanleitung, sondern als Protokoll. Und dann schreibt man es nochmal. In Quellcode, als Engine. Das ist die p≡p‑Engine. Die p≡p‑Engine ist keine Crypto-Engine. Sie ist eine Crypto-Benutz-Engine. Als Backends unterstützt sie GnuPG und NetPGP. Das kann man sich in etwa so vorstellen:

    Der Nutzer installiert das p≡p‑Outlook-Plugin. Das installiert automatisch auch GPG4Win, da auf der Platte noch keins gefunden wurde. Der Nutzer startet Outlook und will eine neue Mail schreiben. Im Hintergrund arbeitet die p≡p‑Engine: Hat der Nutzer schon ein Schlüsselpaar? Wie heißt die eigene Mailadresse, die hier verwendet wird? Sie stellt fest, es gibt noch kein Schlüsselpaar und erzeugt eines.

    Die Mail geht an alfred@neuman.com und die p≡p‑Engine fragt sich hinter den Kulissen: Haben wir einen Public Key für alfred@neuman.com? Scheinbar nicht, aber man könnte auf einem Keyserver nachsehen. Da liegt ein Key und der wird sofort importiert. Wenn der Nutzer in Outlook auf „Senden“ drückt nimmt p≡p den öffentlichen Schlüssel von Alfred, verschlüsselt die Mail und hängt den eigenen öffentlichen Schlüssel hinten dran. Dann wird die Mail verschickt.

    In der Vorversion auf pep-project.org sieht, dass das schon heute funktioniert. Die Unterstützung von anderen Mailclients und Messaging-Programmen kommt bald dazu.

    Der Spread

    Ein großes Problem bei allen Cryptoprojekten ist: Wie kriegt man die Benutzer dazu, das Zeug zu verwenden? Man muss sich klarmachen, dass es völlig unterschiedliche Benutzer gibt:

    Auf der einen Seite gibt es die Unternehmen. Die lechzen nach Verschlüsselung. Und scheitern. Weil es zu kompliziert ist. Easy game to play. Aber wir brauchen „Enterprise Features“: Key Escrow zum Beispiel. Und wir brauchen die Software für Systeme wie Microsoft Outlook, und nicht nur (aber auch) für andere freie Software wie z.B. Kolab, das in der nächsten Release p≡p mit ausliefern wird. Denn Georg Greve, Kolab-Chef und FSFE-Gründer, ist mit an Bord bei p≡p. Weitere Groupware ist herzlich willkommen! Wir haben bereits drei Pilotprojekte mit p≡p für Outlook. Den Quellcode findet Ihr auf der Homepage.

    Denn p≡p ist das, zu 100%: Freie Software unter GPL. Ja, es ist eine Dual License angedacht. Unternehmen sollen das incl. Service kaufen können. Denn das wollen Unternehmen oft: einen Vertragspartner. Also haben wir die p≡p Security SA in Luxembourg gegründet. Und die bietet Unternehmenssupport. Redhat ist Vorbild.

    Bei Privatleuten ist das anders. Falls die überhaupt noch mailen, dann oft im Webmailer. Deshalb brauchen sie Ganze als Browserplugin, am besten gleich mit Google-Mail-Unterstützung. Aber Privatleute brauchen noch mehr: sie kommunizieren über Whatsapp & Co. Also muss p≡p nicht nur E‑Mails können. Wir schreiben an RFCs, nicht nur an einer. Und implementieren. Es gibt ja bereits OpenWhatsapp. Und eine Facebook-Messaging-API.

    Das sind die beiden Hauptgründe, mit denen p≡p Endbenutzer dazu kriegen will, p≡p zu mögen:

    1. Konvergenz. Heute haben viele nicht nur eine Messaging App. Auf meinem iPhone sind es fünf. Der eine hat vier (einschließlich SMS/iMessage und E‑Mail), der andere sechs oder sieben. Die p≡p App sorgt dafür, dass alle Nachrichten in einer App ankommen. Und dass man hier wieder nur „antworten“ oder „neue Nachricht“ klicken kann, und die Nachricht geht über den sichersten verfügbaren Kanal raus. Man kann sogar damit twittern. Der Fallback, falls eine Verschlüsselung nicht möglich ist, ist das unverschlüsselte Senden. Das geschieht ohne Rückfragen, aber mit einer leicht verständlichen und gut sichtbaren Farbmarkierung für den Benutzer.

    2. Synchronisation. p≡p synchronisiert alle Endgeräte eines Benutzers ohne dass er viel konfigurieren muss. Dafür müssen die Geräte eine gemeinsame E‑Mail-Adresse kenne, über die ein in Textnachrichten implementiertes Protokoll läuft. Synchronisiert werden nicht nur Schlüssel und Trust, sondern auch Kontakte und Termine. Das funktioniert, indem p≡p einen Diff in SQL als E‑Mail-Anhang an die eigene Adresse schickt, verschlüsselt mit dem eigenen Schlüssel. Damit wandern diese Daten nicht mehr in die „Cloud“.

    Der Punkt 3, die Sicherheit, ist bei der Nutzerakzeptanz „nur“ ein Nebenargument. Technisch ist es jedoch alles andere als das. Wenn beide Seiten p≡p haben, macht p≡p noch etwas anderes. Dann leitet es den gesamten Nachrichtenverkehr um – über GnuNet und damit anonymisiert und hart verschlüsselt. Mit Perfect Forward Secrecy. Ja, auch Whatsapp-Nachrichten. Die dann keine mehr sind.

    Warum das alles?

    Weil sich jetzt etwas ändern muss. Weil es so nicht mehr weitergehen kann. Wir müssen die Hardware zurück erobern. Und die Systeme. Und den Nachrichtenverkehr. Denn die Ciscos, die kriegen wir nicht zurück. Die gehören denen. Lösen wir jedoch jene Aufgaben, so können sie die Ciscos behalten. Es dann ist es trotzdem nicht mehr so schlimm für uns.

    Deshalb habe ich für die nächsten drei Jahre vor, p≡p zu machen. Bisher ist aller Code von mir, aber mittlerweile ist auch mein Freund Edouard Tisserant mit im Spiel. Und ich hoffe, dass es gar nicht noch drei Jahre dauern muss, bis wir die wichtigsten Plattformen mit p≡p versehen konnten. Sondern dass das viel schneller geht.

    Dafür brauchen wir eure Hilfe und die könnt ihr uns auf verschiedenen Wegen geben: Macht mit beim Crowdfunding und helft uns, Entwickler bezahlen zu können. Unterstützt die p≡p engine in Eurer Freien Software. Und tragt das Projekt ideell mit. So, wie Ihr eben könnt und wollt. Wir freuen uns über jede Unterstüzung, die wir kriegen können. Danke jetzt schon dafür!

    15. September 2014 32
  • : Hamburger Datenschutz-Chef fordert mehr Personal
    Prof. Dr. Johannes Caspar (HmbBfDI)
    Hamburger Datenschutz-Chef fordert mehr Personal

    Der Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI) Prof. Dr. Johannes Caspar fordert mehr Mitarbeiter für seine Behörde. In einer Mitteilung an die Mitglieder des Datenschutzausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft schreibt er laut Welt:

    „Mit den derzeit zur Verfügung stehenden personellen und sachlichen Ressourcen ist eine angemessene Bewältigung der vielfältigen Aufgabenbereiche (…) nicht möglich.“

    Obwohl sich immer mehr Internetunternehmen in Hamburg ansiedelten, darunter Facebook, Google, Xing und bald auch Twitter, werden die Kapazitäten der Datenschutzbehörde reduziert statt aufgebaut. Datenschutzeingaben werden am Sitz des betroffenen Unternehmens bearbeitet. Caspar sieht dadurch die Handlungsfähigkeit der Datenschützer bedroht, da die Zahl an Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern stark zunehme. Die Entwicklung der Datenschutzeingaben stellt die Datenschutzbehörde in einer Broschüre (PDF) ausführlich dar. Mehr Stellungnahmen im Artikel von welt.de.

    9. September 2014
  • : Studie: Online Netzwerke senken das subjektive Wohlbefinden
    Studie: Online Netzwerke senken das subjektive Wohlbefinden

    SNS_studyEine wissenschaftliche Studie auf Basis einer groß angelegten Erhebung in Italien mit 50.000 Befragten ergab: Online-Netzwerke wirken sich negativ auf das persönlich wahrgenommene Wohlbefinden aus.

    Die beiden Forscher Fabio Sabatini und Francesco Sarracino wollten herausfinden ob und wie die Nutzung von Online-Netzwerken wie z.B. Facebook das subjektive Wohlbefinden senkt. Sie fanden unter anderem Zusammenhänge zwischen „echten“ Offline-Interaktionen und dem Level an Vertrauen gegenüber Mitmenschen mit dem wahrgenommenen Wohlbefinden. Die Nutzung sozialer Online-Netzwerke senke das Vertrauen und habe dadurch auch negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden.

    Eine kurze Analyse der Studie gibt es beim MIT Technology Review. Zu den Schlussfolgerungen aus der Arbeit heißt es dort:

    Sabatini and Sarracino particularly highlight the role of discrimination and hate speech on social media which they say play a significant role in trust and well-being. Better moderation could significantly improve the well-being of the people who use social networks, they conclude.

    Facebook, Twitter, and others take note.

    8. September 2014 2
  • : Pew Research: Soziale Medien tragen nicht zu Meinungsvielfalt bei
    Pew Research: Soziale Medien tragen nicht zu Meinungsvielfalt bei

    Der amerikanische „Pew Research“-ThinkTank hat untersucht, ob die Verbreitung von Sozialen Medien dazu beigetragen hat, dass es mehr Meinungsvielfalt gibt und auch diejenigen mit einer Minderheitsansicht besser zu Wort kommen können als zuvor. Anhand einer beispielhaften Umfrage über die Meinung zur Snowden-Affäre fanden sie jedoch das Gegenteil heraus:

    Menschen waren zwar in 86% der Fälle bereit, von Angesicht zu Angesicht über die Snowden-Enthüllungen zu diskutieren, jedoch nur 42% taten dies über Facebook und Twitter. Es gab nur wenige, die persönlich nicht bereit waren und dafür im Internet über ihre Meinung redeten. Die Bereitschaft zur Meinungsäußerung stieg auch mit dem Glauben an, auf Menschen ähnlicher Ansichten zu treffen.

    PI-2014-25-socialDebates-06

    Den ganzen Bericht kann man sich hier herunterladen.

    27. August 2014
  • : Wikipedia Zero und Netzneutralität: Wikimedia wendet sich gegen das offene Internet
    Wikipedia Zero und Netzneutralität: Wikimedia wendet sich gegen das offene Internet

    Die Vision der Wikipedia ist „eine Welt, in der jeder Mensch frei die Summe allen Wissens teilen kann.“ Das ist ein Wert, den wir bei Access teilen. Deswegen waren wir schockiert, als die Wikimedia Foundation, die die Wikipedia hostet und unterstützt, sich gegen den größten Treiber des freien Informationszugangs wandte, den die Welt je gekannt hat: das offene Internet.

    AccessNow.org_logoDieser Gastbeitrag stammt von Raegan MacDonald von AccessNow.org und ist dort zuerst auf Englisch erschienen. Die deutsche Übersetzung ist von Kilian Vieth.

    In einem Blog-Post, bewarb Erik Möller, der stellvertretende Direktor der Wikimedia Foundation, ein relativ neues Angebot: Wikipedia Zero, eine Partnerschaft mit Telekom-Unternehmen die den priorisierten, gebührenfreien Zugang zur Wikipedia bereitstellt. Die Idee dahinter ist, die hohen Datengebühren zu umgehen, die immer noch viele Menschen auf der ganzen Welt zwingen, offline zu bleiben. In seiner Argumentation für „Zero“ beteuert Möller, dass die Wikimedia Foundation der Netzneutralität verpflichtet ist – also der Vorstellung, dass alle Online-Daten gleich behandelt werden sollen – und dass Zero dieses grundlegende Konzept des offenen Internets nicht verletzt. Dem müssen wir, bei allem Respekt, allerdings deutlich widersprechen. Wir glauben, dass Zero klar gegen die Netzneutralität verstößt und ein Angriff auf das offene, freie Internet ist.

    Wikimedia sind nicht die einzigen, die diese sogenannten „Zero-rating“-Abkommen mit Telekommunikationsunternehmen vorantreiben. Facebook hat auch schon Vereinbarungen geschlossen, um datenreduzierte Versionen seiner Dienste in Industrie- und in Entwicklungsländern, anzubieten. Aber Wikimedia argumentiert, dass ihre Dienste, im Gegensatz zu Facebook Zero, nicht kommerziell sind. Und deshalb verdiene die Wikipedia spezielle Ausnahmeregelungen, weil im Tausch für die Bevorzugung gegenüber anderen Diensten kein Geld den Besitzer wechselt. Kein Geld, keine Verletzung der Netzneutralität.

    Diese Argumentation stinkt ziemlich.

    In den erst kürzlich aktualisierten Nutzungsbedingungen des Unternehmens steht, dass Zahlung und Nutzung nicht vom Tausch gegen Geld abhängen. Und in der Tat nutzt Wikimedia seine bekannten Marken als Währung in den Verhandlungen mit den Telekom-Partnern, da sie durch Wikipedia Zero mehr Nutzer anwerben wollen.

    Den heutigen Nutzern ist klar, dass die revolutionäre Eigenschaft des Internets auf seiner Breite und Vielfalt beruht. Das Internet ist mehr als Wikipedia, Facebook oder Google. Aber für viele würden die „Null-Gebühren-Angebote“ den Internetzugang auf die Online-Welt der Web-Schwergewichte begrenzen. Für Millionen von Nutzern wären Facebook und Wikipedia gleichbedeutend mit „Internet.“ Am Ende würde Wikipedia Zero nicht zu mehr Nutzern des eigentlichen Internets führen, aber Wikipedia könnte einen schönen Anstieg seiner Seitenaufrufe generieren.

    Wie die Wikimedia Foundation behauptet zu wissen, liefert die Vielfalt und Tiefe des Wissens im Internet genau das, was Netzneutralität, im Wesentlichen, so wichtig macht: Gleichbehandlung von Daten führt zu gleichberechtigtem Zugang für alle. Es ist schwer zu erkennen, wie einzelne bevorzugte Dienste mit diesem Prinzip im Einklang sollen.

    Keine Lösung für den „Digital Divide“

    Darüber hinaus ist der Vorschlag, dass Wikipedia oder Facebook die Lösung für den limitierten Internetzugang in Entwicklungsländern sei, etwa so als würde man ein Pflaster auf eine Schusswunde kleben. Die zugrundeliegenden, komplexen Ursachen der digitalen Spaltung bleiben unbehandelt. Außerdem lässt das Angebot von Dienstleistungen, die nicht in begrenzte Datentarife eingerechnet werden – in den entwickelten und weniger entwickelten Ländern gleichermaßen – das Gleichgewicht zu Gunsten der priorisierten Dienste kippen. Das zerstört die Wachstumsgrundlage für kostengünstige, netzneutrale Alternativen. Die langfristige Wirkung dieser Dienste wird ein Rückgang an Innovation und Wettbewerb im Internet sein – mit einer besonderen Benachteiligung von selbst gebauten, lokalen Dienstleistungen und einer Begünstigung von Unternehmen im Silicon Valley, die Tausende von Meilen entfernt sind. Und ironischerweise führt das zu einer Begrenzung des Zugangs zu Informationen und Wissen.

    Wikipedia Zero und ähnliche Dienste spielen den etablierten Telekommunikationsunternehmen in die Hände, die die Märkte überall auf der Welt bereits heute im Würgegriff halten. Priorisierte Angebote machen die Dienstleistungen der „Telkos“ attraktiver, verfestigen ihre übermäßig dominante Stellung in den meisten Märkten, und sie treiben die Idee voran, dass Webseiten zusätzlich bezahlen sollten, um Nutzer zu erreichen, was wiederum den Grundsätzen der Netzneutralität widerspricht und die Entwicklung von Online-Inhalten und ‑Diensten noch zusätzlich erschwert.

    Wikimedia war immer ein Förderer des offenen Zugangs zu Informationen, aber es ist entscheidend, priorisierte, gebührenfreie Angebote als das zu bezeichnen, was sie sind: Kurzsichtige Deals, die für die Zukunft des offenen Internets großen Schaden anrichten. Während immer mehr Menschen das Internet nutzen und weltweit Kämpfe um die Netzneutralität ausgefochten werden, liegt es gerade in der Verantwortung der angesehenen Organisationen wie Wikimedia, sicherzustellen, dass neue Nutzerinnen und Nutzer ein Internet entdecken können, das tatsächlich „die Summe allen Wissens“ repräsentiert.

    Wenn Wikipedia Zero umgesetzt wird, kann es mit einem Schlag die Entwicklung des offenen Internets verändern – und zwar nicht unbedingt zum Besseren. Kein Unternehmen und keine einzelne Plattform – egal ob Facebook oder Wikipedia – sollte alleine dafür verantwortlich sein, den Zugriff auf die Informationen der Welt zu kuratieren. Kurz gesagt: Priorisierte Inhalte unterwandern die Zukunft des offenen Internets und die Rechte der Menschen, die es benutzen.

    14. August 2014 20
  • : Nicht nur Facebook experimentiert mit Nutzern: Auch OkCupid manipuliert Ergebnisse
    Nicht nur Facebook experimentiert mit Nutzern: Auch OkCupid manipuliert Ergebnisse

    Die Partnerbörse OkCupid experimentiert mit ihren Algorithmen und den Menschen, die damit die Hoffnung auf eine neue Liebe verbinden. Das hat der Mitgründer der Plattform Christian Rudder in einem Blogpost offenbart:

    I’m the first to admit it: we might be popular, we might create a lot of great relationships, we might blah blah blah. But OkCupid doesn’t really know what it’s doing. Neither does any other website.

    In einer der letzten Folgen von How-To-Analyze Everyone hatten wir noch auf den angeblichen Matching-Algorithmus von OkCupid Bezug genommen, der vorgab anhand der Übereinstimmung bei beantworteten Fragen und gesetzter Präferenzen zu ermitteln, wie gut Teilnehmer zusammenpassen. Doch in manchen Fällen, so stellte sich heraus, war der Übereinstimmungswert reine Fiktion und Menschen mit niedrigen Matching-Punktzahlen wurde stattdessen ein hoher Wert vorgespielt:

    [I]n the back of our minds, there’s always been the possibility: maybe it works just because we tell people it does. Maybe people just like each other because they think they’re supposed to?

    Das Ergebnis: Suggestion spielt eine große Rolle, aber dennoch ist die Erfolgswahrscheinlichkeit bei zuvor ermitteltem hohem Matching-Wert am höchsten.

    Rudder reagiert mit dem Eingeständnis Werte manipuliert zu haben auf den Aufschrei, der im Zuge des Facebook-Experiments erfolgt war. Das Soziale Netzwerk hatte zugegeben, die Newsfeeds von einigen Nutzern manipuliert zu haben, um herauszufinden ob sich die Stimmung eines Nutzers auf andere überträgt. Manchen wurden mehr positiv gestimmte, anderen negative Beiträge angezeigt. Man fand heraus, dass das eigene Postingverhalten tatsächlich in Zusammenhang mit dem anderer stehe.

    Mit einem hat Rudder in Bezug auf Auswertungsalgorithmen und Co. recht:

    It’s not like people have been building these things for very long, or you can go look up a blueprint or something. Most ideas are bad. Even good ideas could be better. Experiments are how you sort all this out.

    Wie weit man bei solchen Experimenten gehen darf, muss jedoch diskutiert werden. Die Medienwissenschaftlerin Danah Boyd hatte bezogen auf das Facebook-Experiment die Möglichkeit in den Raum gestellt, Ethikbeiräte zu besetzen, die ein geplantes Experiment vor seiner Durchführung bewerten sollen.

    29. Juli 2014 5
  • : Facebook legt plötzlich Wert auf Privatsphäre
    Facebook legt plötzlich Wert auf Privatsphäre

    Die Privatsphäre ist zurück – als Geschäftsmodell. Das Online-Magazin Slate schreibt über die Kehrtwende Facebooks im Bereich der Privatsphäre. Während vor vier Jahren noch ‚Offenheit’ das große Ideal war und Privatsphäre nach Zuckerberg keine soziale Norm mehr war, wendet sich jetzt das Blatt – und mit ihm Facebooks Anstrengungen, dem Wunsch der Nutzer nach Privatheit nachzukommen.

    Aktionen wie der Kauf vom Whatsapp, die Einführung der anonymen Login-Möglichkeit für andere Dienste, die umfangreichen Privatsphäre-Einstellungsmöglichkeiten – all das spricht die Sprache der Umorientierung, der Entfernung von der Alles Teilen-Maxime und dem Offenheitsgrundsatz. Slate-Autor Will Oremus hat ein Statement Zuckerbergs von letztem Mittwoch (23. Juli) auf die Frage nach einer strategischen Veränderung der Firma bezüglich der Privatsphäre transkribiert. Hier die zentralen Aussagen auf Deutsch:

    Einer der Aspekte auf die wir uns am meisten konzentrieren ist das Schaffen privater Räume für Leute wo sie Dinge teilen und interagieren können wie nirgendwo sonst. […]

    Wir suchen also nach neuen Möglichkeiten um solche neue Dynamiken zu schaffen und neue, andere private Räume für Leute zu öffnen wo sie unbedenklich Dinge teilen können oder die Freiheit haben, etwas anderen gegenüber auszudrücken, die sie woanders nicht hätten. Das ist einer der Gründe, warum ich persönlich von „Messaging“ so begeistert bin.
    Denn ab einem bestimmten Punkt willst du doch nur noch eine bestimmte Anzahl von Fotos mit allen deinen Freunden teilen. […]

    Wir sehen also unsere Arbeit ganz grundsätzlich darin, Menschen diese Räume und Werkzeuge anzubieten. Was sich sehr davon unterscheidet, was viele Leute denken was Facebook ist.

    Was sich auch davon unterscheidet, was Zuckerberg unter Facebook verstand. Aber tatsächlich lernt Facebook – dank der zahlreichen Informationen, Daten und direkten oder impliziten Feedbacks seiner Nutzer – immer mehr dazu. Und würde sich selbst im Geschäft schädigen, wenn es darauf nicht einginge. Facebook braucht seine Nutzer, um seinen Wert nicht zu verlieren. Wenn die Nutzer lieber Dinge privat teilen, dann reagiert es darauf. Das Vertrauen der Nutzer soll zurückgewonnen werden, damit weiterhin eine Kapitalisierung der Daten stattfinden kann.

    28. Juli 2014 12
  • : Russland: Gesetz verpflichtet Facebook & Co., Daten an russischen Standorten zu speichern
    Russland: Gesetz verpflichtet Facebook & Co., Daten an russischen Standorten zu speichern

    Vorratsdatenspeicherung in Russland: Ein neues Gesetz, welches bereits im April als bedenklich galt, wurde jetzt vom Präsidenten Wladimir Putin unterschrieben. Es verpflichtet Internetfirmen, personenbezogene Daten der russischen Nutzer an russischen Standorten zu speichern. Nach einem Bericht von ZDnet.com, einer Business Technology Website, könnten Firmen, die sich nicht an das Gesetz halten, in Russland blockiert werden.

    Das Gesetz ist Teil der russischen Anti-Terror-Gesetzgebung und erlaubt es russischen Behörden, auf diese Daten zuzugreifen, die vorher außerhalb ihrer legalen Reichweite lagen. Firmen sollen die Daten für bis zu sechs Monate abrufbar halten.

    Problematisch ist das vor allem für Blogs und soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, die häufig Plattformen für regimekritische Äußerungen darstellen. Mit dem neuen Gesetz könnte diese Kritik merklich eingedämmt werden.

    24. Juli 2014 8
  • : Militärputsch 2014: Internetsperren in Thailand
    Militärputsch 2014: Internetsperren in Thailand

    Das thailändische Militär hat das Land seit dem Putsch am 22. Mai fest im Griff. Um die politische Kontrolle abzusichern und Gegenstimmen zu unterdrücken, greift das Militärregime zu Kommunikationsüberwachung und ‑zensur, vor allem online. Was wird da gefiltert und blockiert?

    Eine Besonderheit dieses Putsches ist, dass das Kriegsrecht bereits zwei Tage vor dem eigentlichen Putsch verhängt wurde. So war es dem Militär möglich, im Vorfeld Rede‑, Versammlungs- und Pressefreiheit massiv einzuschränken und so den erfolgreichen Verlauf der Machtübernahme zu gewährleisten. Kurz darauf sorgte die kurzfristige Unzugänglichkeit von Facebook für Schlagzeilen. Citizen Lab, das interdisziplinäre Forschungslabor aus Toronto, hat sich eingehend mit Online-Sperren ab dem Putschzeitpunkt befasst und veröffentlichte gestern einen Bericht über Filterung in Thailand im Zeitraum vom 22. Mai bis 26. Juni.

    Die Autoren untersuchen, wie genau in Thailand was online gefiltert wird und welche weiteren Formen der Informationskontrolle im Anschluss an den Putsch angewendet werden. Von 437 getesteten URL waren 56 bei verschiedenen Internetanbietern gesperrt:

    Die Ergebnisse identifizieren insgesamt 56 blockierte URLs im Land. Die blockierten Inhalte beinhalten sowohl politisches Material, wie von inländischen unabhängigen Nachrichtenmedien und internationaler Staatsstreich-kritischer Berichterstatung, als auch Accounts sozialer Medien die Anti-Putsch-Material teilen, sowie Umgehungswerkzeuge, Glücksspielwebseiten und Pornografie.

    Dank der kontinuierlichen Testweise konnten die Autoren die dynamische Entwicklung der Filterung feststellen. Je nach sich wandelndem Inhalt und Art der Hoster veränderte sich auch die Art der Sperrung.

    Neben den Online-Blockaden führte die Junta noch weitere kommunikationskontrollierende Maßnahmen durch, wie etwa die Schaffung neuer Behörden zur Überwachung und Kontrolle von Online-Inhalten, die Überwachung mobiler Kommunikation, gezieltes Vorgehen gegen Aktivisten und social-network-affine ehemalige Regierungsmitglieder, Befragungen von Akademikern und Journalisten und die Einführung einer App, um Facebook-Anmeldeinformationen abzuschöpfen.

    Der Bericht von Citizen Lab ist eher technisch, weist aber auf einen wichtigen Umstand hin: In Zeiten politischer Umbrüche, Krisen und Konflikte ist Kommunikation, vor allem das Internet, ein besonders umkämpftes Gut. Das Militärregime geht mit großer Härte gegen kritische Meinungen vor, setzte Belohnungen für identifizierende Bilder von Demonstranten aus, überwacht Aktivisten und führt Phishingangriffe und Netzsperren durch. Das soll der Stabilisierung der Situation, aber vor allem der Machthaber dienen. Mit einer Demokratie hat das überhaupt nichts zu tun, aber im Kriegsrecht ist alles erlaubt. Dass dabei die eigene Bevölkerung unterdrückt wird, gerät zur Nebensächlichkeit.

    Whether and to what extent these information controls affect the ICT landscape in Thailand in years to come remains to be seen.

    Der längerfristige Einfluss dieser strikten Kontrollmaßnahen muss noch abgewartet werden. Citizen Lab bleibt an der Untersuchung der Lage dran.

    10. Juli 2014 1
  • : Das Experiment
    Das Experiment

    Hier veröffentlichen wir einen Gastbeitrag von Friedemann Karig über das sogenannte „Facebook-Experiment“ und seine Konsequenzen. Wir hatten auch schon hier darüber berichtet.

    Die schlechte Nachricht: Facebook hat 689003 User für einen Menschenversuch missbraucht.

    Im Zuge einer kürzlich veröffentlichten Studie mit dem schönen Namen “Experimental evidence of massive-scale emotional contagion through social Networks”, die Facebook 2012 gemeinsam mit der Cornell University durchführte.

    Die Forschungsfrage: Was passiert, wenn man das Ausmaß von positiven bzw. negativen Äußerungen in den Timelines und Newsfeeds der User erhöht?

    Das Ergebnis: Wer mehr positives liest, postet mehr positives. Wer mehr negatives liest, postet negativer. Die ahnungslosen Probanden äußerten sich im Schnitt um 3% besser oder schlechter gelaunt. Damit ist bewiesen: Gefühle sind ansteckend. Auch im digitalen Raum.
    Und: die User äußerten sich rein quantitativ mehr, je mehr gefühliges sie gelesen hatten. Was für ein soziales Netzwerk eine wichtige Information ist. Facebook manipulierte also die Gefühle seiner Nutzer um zu lernen, wie und warum diese aktiver werden.

    Die gute Nachricht: Facebook macht genau das jeden Tag. Mit uns allen. Sie veröffentlichen es nur nicht. Aber ist das wirklich eine gute Nachricht? Und dürfen die das überhaupt?

    Bildschirmfoto-2014-07-08-um-12.03.56Facebook im Jahr 1907

    Dürfen die das?

    Facebooks Algorithmus – formerly known as “EdgeRank” (oder wie auch immer sie ihn momentan nennen) – bestimmt, was in welcher Gewichtung in den Newsfeed und die Timeline eingespeist wird und was nicht. Er wird fortlaufend optimiert. Dazu schauen die Nerds bei Facebook, wie in jeder Forschungs- und Entwicklungsabteilung, ziemlich genau hin, wie User auf welche Veränderung reagieren. Man will wissen, was sie annehmen und was nicht, beispielsweise welche Werbung unter welchen Umständen am besten “klickt”. Und das findet man nur heraus, indem man Thesen aufstellt und sie falsifiziert, am lebenden Objekt.

    Eigentlich macht das jede Webseite und jeder Online-Händler. Sie nennen es “A/B‑Testing“: Welche Alternative gefällt den Usern besser im Sinne von “wird mehr geklickt”? Ah, okay, die mit rosa, dann nehmen wir die. Achtung, stark vereinfachender Vergleich: Jeder Bäcker testet A/B, wenn er die Marmeladenfüllung seiner Croissants variiert und seine Kunden nach dem Verputzen der Hörnchen befragt, welches am besten geschmeckt hat.

    Die jetzt veröffentlichte Forschung hat technisch also nichts anderes getan, als Facebook und jeder andere (fleißige) Dienstleister macht, sogar machen muss, um sein Angebot zu optimieren.Every ad based company exists to alter how you perceive the world” schreibt Andrew Ledvina, ein ehemaliger “Data Scientist” bei Facebook. 
    Deswegen hat auch das hinzugezogene Institutional Review Board (IRB), das in den USA jede Forschung am Menschen absegnen muss, das Experiment zugelassen: Facebook führt vergleichbare Untersuchungen sowieso ständig durch, argumentierten die beteiligten Forscher.

    Aber darf Facebook seine User der Wissenschaft überlassen?
    Dieses spezielle Experiment, anders als Facebook-interne Forschung, hat ein wissenschaftliches Erkenntnisinteresse formuliert und entsprechende Ergebnisse veröffentlicht. Es hat nicht primär im Sinne des Produktes geforscht (das auch nicht immer unbedingt im Sinne des Nutzers sein muss), sondern im Sinne einer Forschungsfrage.
    Die Nutzung der User(-Daten) zu Forschungszwecken war angeblich von den Facebook-AGBs abgedeckt. Als User erklärt man sich bereit, dass Daten und Profile für “for internal operations, including troubleshooting, data analysis, testing, research and service improvement” genutzt werden. Dass die AGBs “niemand” im Sinne von “fast niemand” liest, ist unser Problem, nicht das von Facebook. Dass der Zusatz “research” erst nach der Studie in die AGBs kam, schon. Facebook wird dennoch argumentieren, auch dieses Experiment diene letztlich der Verbesserung des Service (“service improvement”), weswegen es legal im Sinne der AGBs sei.
    Für die Zukunft spielt das keine Rolle, denn jeder Anbieter wird einfach wie Facebook das unverfängliche Wort “research” in seine AGBs aufnehmen, um sich abzusichern. Daraus ergibt sich folgende Grafik:

    Bildschirmfoto-2014-07-08-um-11.57.46

     

    Hölle, Hölle, Hölle!

    Kritisch an dieser eigentlich nur logischen Nutzung des Datenschatzes bleibt jedoch die “Manipulation” von Emotionen. Wie schon Wolle Petry klagte: “Das ist Wahnsinn. Du spielst mit meinen Gefühlen.” Was wäre, wenn  jemand der (negativ) manipulierten Personen sich oder anderen etwas angetan hätte? Hölle Hölle Hölle?
    Wir introvertierten Emotionsverweigerer wissen: Gefühle empfinden und Gefühle ausdrücken ist nicht das gleiche. Und die Studie zielte auf einen minimalen Einfluss ab: “…the result was that people produced an average of one fewer emotional word, per thousand words.” Eine Veränderung des emotionalen Ausdrucks im Promillebereich kann schwer als massive Manipulation von Gefühlen gelten.
    Und auch wenn das forschende Fingern an sogenannten “Sentimenten”, also Gefühlszuständen, auf den ersten Blick anrüchig erscheint (und auf den zweiten Blick auch wissenschaftlich mindervalide, aber das ist eine andere Geschichte): Ein Kaufreflex ist ebenso eine Gefühlsregung, ein Verlangen, das die Werbung gezielt reizt. Wo genau verläuft  die Grenze zwischen Manipulation zu Abverkaufszwecken, die oft nicht nur positive Gefühle anspricht, sondern Menschen auch gezielt ein schlechtes Gewissen macht, und der Manipulation zu Gunsten einer kommunikativen Aktivierung?

    Im wissenschaftsethischen Sinne wiegt schwerer, dass die Teilnehmer nicht über die Studie informiert wurden, es also keinen “informed consent” gab, wie er bei Versuchen mit Menschen vorgeschrieben ist. Eine ethische Wissenschaft informiert freiwillige Probanden oder versucht, falls das Studiendesign die Unwissenheit der Probanden vorschreibt, sich über Dritte abzusichern und sie direkt nach dem Versuch zu informieren.
    Und auch wenn Facebook ein von seinen AGBs geschütztes Unternehmen ist, gelten vom moralischen Standpunkt her die Regeln vergleichbarer wissenschaftlicher Unternehmungen. Zumindest für die Forscher. Sie hätten darauf bestehen müssen, dass keine Probanden ohne echte informierte Zustimmung Teil des Experimentes werden. Bis jetzt schweigen die Teile der Scientific Community jedoch, die betroffen sind. Wahrscheinlich, weil der Honigtopf der Big Data sie alle lockt. In Zukunft müssen sie sich die Frage stellen, welche Art von Big-Data-Forschung wissenschaftsethisch vertretbar ist.

    Im Sinne unternehmerischer Fairness hätte Facebook eine einfache Abfrage vorschalten müssen, ob die User einverstanden sind, an solch einer Studie teilzunehmen. Es fänden sich sicher 700000, die sich der Forschung nicht nur durch AGBs legalisiert, sondern durch einen “informed consent” legitimiert zur Verfügung stellen. Und die Ergebnisse dieser Forschung müssten transparent allen zur Verfügung stehen. Was in diesem Fall passierte und paradoxerweise erst zur Empörung führte.

    Aber warum fühlt sich das alles nicht nur falsch, sondern bedrohlich und böse an? Warum erledigt sich das Problem nicht, wenn Facebook das nächste Mal vorher nachfragt? Was passiert als nächstes?

    Bildschirmfoto-2014-07-09-um-11.20.40

    Der Kunde als Experiment

    Subjektiv fühlt sich natürlich der Eingriff in die eigene “Privatsphäre” mies an. Meine Timeline, mein Newsfeed, mein Profil sind für mich privat. In diesem digitalen Abbild meines Soziotopes will ich der Souverän sein. Und normalerweise empfinde ich mich auch als solchen. Auch, weil Facebook mir suggeriert, ich könne per Einstellungen und Abos und Freundschaften und “Verbergen” weitgehend über “mein” Facebook bestimmen.
    Was nicht richtig ist. Facebook bestimmt.
    Es ist ihr Produkt.

    So wie ein mit Marmelade gefülltes Croissant das Produkt eines Bäckers ist. Ich kann darauf verzichten, wenn es mir nicht schmeckt. Aber ich kann es nicht endgültig beeinflussen. Das letzte Wort hat immer der Anbieter. Und die Anbieter suchen emsig nach Möglichkeiten, den Datenschatz zu heben. Sie werden nicht aufhören, die Daten für alles zu gebrauchen, was man zulässt. Und offensichtlich schrecken sie dabei vor nichts zurück.
    Langfristig an Gefühlen rumspielen ist etwas anderes als einen kurzfristigen Kaufreflex zu triggern. 700000 User schlechter gelaunt machen ist etwas anderes, als ihnen Viagra anzudrehen.

    Und das ist genau die Lektion, die wir aus diesem ersten öffentlichen Fall eines Big-Data-Missbrauchs lernen sollten: Wir können keine digitale Fairness von profitorientierten Unternehmen erwarten. Inzwischen ist es eine alte digitale Weisheit:
    Wenn etwas umsonst ist, bin ich nicht der Kunde. Sondern das Produkt.
    Oder das Experiment.

    fixingabrain Facebook im Jahr 1964

     

    Heimliche Verführer

    Das Facebook-Experiment lässt die Möglichkeiten dieser Unternehmen, aber auch der Politik und anderer Institutionen, die sich ihrer bedienen, erahnen. Sie machen mir Angst. Und erinnern Sebastian Deterding an eine Schöne Neue Welt: “Manipulations like these show how much power online companies like Facebook have over us, and filtering information by sentiment could keep us in a Huxleyan SNAFU bubble.”

    Dieses “Social Engineering” auf Basis von Big Data macht uns alle zu Versuchskanninchen, um in unsere Köpfe zu schauen und unser Verhalten zu beeinflussen. Ja, das macht die Werbung seit Jahrzehnten. Aber sie hatte niemals die Macht der Big Data. Sie arbeitete mit groben Clustern, Sinus-Milieus, Zielgruppen. Nicht auf der Ebene der Individuen.
    Und sie hatte niemals diese Effizienz: Die Studie wurde von drei Personen durchgeführt, “one member of Facebook’s own Core Data Science team and two university researchers from Cornell and UCSF”. Drei Menschen konnten 700000 andere Menschen studieren. Und das um einiges genauer, als es früher möglich war: “If the 20th century engineers of consent had magnifying glasses and baseball bats, those of the 21st century have acquired telescopes, microscopes and scalpels in the shape of algorithms and analytics,” vergleicht Zeynep Tufekci.

    Genau jetzt, angesichts solcher Beispiele, ist die Zeit sich dagegen zu wehren, dass Akteure wie Facebook ihre Macht ausnutzen. Tufekci warnt: “…these large corporations (and governments and political campaigns) now have new tools and stealth methods to quietly model our personality, our vulnerabilities, identify our networks, and effectively nudge and shape our ideas, desires and dreams.”

    Bildschirmfoto-2014-07-08-um-12.32.41Facebook im Jahr 2024 (und im schwedischen Animationsfilm Metropia, von dessen Filmplakat der Ausschnitt stammt)

    Facebook als Fernbedienung

    Das ist das Problem an solchen Experimenten und an den Systemen, die sie erst ermöglichen: Nicht, dass sie illegal, fantasie- und absichtsvoll böse wären. Das sind sie nicht automatisch, auch wenn sie sich so anfühlen mögen.
    Sondern, dass sie eben nur ein ganz kleiner Schritt von alltäglichen, legitimen Praktiken entfernt sind. Dass sie ein bisschen wie normale Werbung aussehen. Dass sie aufsetzen auf einer längst akzeptierten Realitätskonstruktion durch intransparente Anbieter. Dass sie auf Grund der Größenordnung und Heimlichkeit einerseits so effizient und andererseits so leicht zu verbergen sind. Dass sie unseren Kontrollverlust nicht erfinden, sondern nur ausnutzen.

    Dieses “Social Engineering” ist gefährlich, obwohl oder gerade weil es per se nichts neues oder böses ist. Sondern weil es letztlich unsichtbare Kontrolle ermöglicht. Willensbildung wird weniger öffentlich, weniger bewusst, weniger selbstständig. Big Data, richtig (oder eher falsch) genutzt, wird zur Fernbedienung für unsere Köpfe.

    Nichts im Netz ist objektiv oder neutral. Umso genauer müssen wir hinschauen, wer uns etwas warum für objektiv oder neutral verkaufen will. Und noch wichtiger: Nichts ist umsonst. Umso klarer müssen wir sehen, was es kostet.

    tl;dr: Big Data kann missbraucht werden, wehret den Anfängen.

    10. Juli 2014 3
  • : Kontroverse Studie: Facebook spielt mit unseren Gefühlen
    Kontroverse Studie: Facebook spielt mit unseren Gefühlen

    facebook_bitesEine kürzlich veröffentlichte Studie hat für großes Aufsehen gesorgt: ein bei Facebook angestellter Forscher hat gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaftlern eine experimentelle Studie verfasst. Darin wurden die Newsfeeds von 689.000 Facebook-Nutzern manipuliert um herauszufinden ob sich die Stimmung eines Nutzers auf andere überträgt. Dazu wurden verschiedenen Nutzergruppen gezielt mehr „positive“ bzw. „negative“ Beiträge angezeigt. Im Vergleich zu Testgruppen, deren Newsfeed-Algorithmus unverändert blieb, wurde dann untersucht ob sich die manipulierten Nutzer anders verhalten. Das wurde daran gemessen, was sie selbst auf Facebook posteten. Das Ergebnis der Forscher: Emotionen sind auf Facebook tatsächlich „ansteckend“. Wer mehr positive Beiträge sieht postet auch selbst mehr Positives. Markus hat das Experiment auch in seiner N24-Kolumne erklärt. Die wissenschafltiche Methodik der Studie wurde durchaus auch kritisiert. Uns interessieren aber vor allem die grundlegenden Fragen, ob solche Experimente überhaupt vertretbar sind und welche Konsequenzen sie haben.

    Die Kontroverse: Dürfen die das?

    Die aufgrund der Studie entbrannte Diskussion dreht sich um die Kernfrage, ob eine solche Studie ethisch vertretbar ist oder nicht. Zwischen wissenschaftlichen und unternehmerischen Ethikstandards klafft eine große Lücke. Wissenschaftliche Regeln sind aufgrund von Fällen schrecklichen Missbrauchs in der Vergangenheit wesentlich strikter, wie Ed Felten, Professor an der Princeton University, in seinem Artikel erklärt. Ein Unternehmen wie Facebook ist durch solche Regeln nicht gebunden.

    7. Juli 2014 6
  • : Schritt hin zur Netzneutralität: Chile bannt Zero-Dienste
    Schritt hin zur Netzneutralität: Chile bannt Zero-Dienste

    Wir kritisieren schon seit längerem Zero-Rating-Angebote wie beispielsweise Google Freezone, die einen Verstoß gegen das Netzneutralitätsprinzip darstellen: Ein Anbieter, der einen Deal mit Telekommunikationsunternehmen eingeht, damit die Datenübertragung seiner Dienste für den Kunden kostenlos ist, verschafft sich einen ungerechtfertigten Martkvorteil gegenüber konkurrierenden Anbietern. Ob bei diesen Deals bisher Geld geflossen ist, ist nicht klar, sie bieten Vorteile für beide Parteien (Kundenbindung für Google & Co, Anreize für die Kunden, noch mehr vom Netz kostenpflichtig zu nutzen für Telekommunikationsanbieter).

    Die chilenische Telekommunikationsbehörde hat jetzt zum 1. Juni die Zero-Dienste von Anbietern wie Google, Facebook und Wikipedia gebannt: Sie widersprechen den gesetzlichen Regelungen zur Netzneutralität (auf Spanisch). Dem Gesetz zufolge dürfen Internet Service Provider nicht willkürlich Inhalte, Anwendungen und Dienste nach Quelle oder Eigentümer unterscheiden.

    Das ist ein Schritt hin in die richtige Richtung, auch wenn es offenbar eine Einzelentscheidung ist und in Zukunft weiterhin Einzelfälle geprüft werden (Link auf Spanisch).

    Auf Quartz wird die chilenische Entscheidung als rückständig kritisiert und die Free-Rating Optionen von Google oder Facebook als Möglichkeit hervorgehoben, auch ärmeren Bevölkerungsschichten und alten, weniger Internet-affinen Bürgern die Chance zu geben, das Internet zu entdecken, ohne dafür zahlen zu müssen. Es stimmt, Netzneutralität kann als Luxus betrachtet werden, den man sich in reicheren Ländern leisten will, der aber in Entwicklungsgebieten nicht oberste Priorität hat: Hauptsache, überhaupt erst einmal Intenet.

    Problematisch ist dabei, dass die führende Stellung dominanter Anbieter durch solche Angebote zementiert wird. Die wachsenden Märkte werden von zahlungskräftigen Unternehmen mit kostenlosen Standardangeboten besetzt und untergraben einen freien und fairen Wettbewerb. Wir finden, es soll freies Internet für alle geben, nicht reduziertes Google und Facebook für alle.

    27. Juni 2014 60
  • : PRISM vor dem Europäischen Gerichtshof: 10 Fragen an Max Schrems
    PRISM vor dem Europäischen Gerichtshof: 10 Fragen an Max Schrems

    Im Zuge der Veröffentlichung der ersten Snowden-Dokumente wurde bekannt, dass US-Behörden mithilfe des PRISM-Programms die zentralen Rechner (und damit die Kundendaten) von allen größeren Internet-Firmen direkt anzapfen. Am 25. Juni 2013 beschwerte sich Max Schrems, Jurastudent und Gründer der Initiative „Europe v Facebook“, daher bei der irischen Datenschutzbehörde und verlangte von ihr eine Untersuchung. Die Behorde ist zuständig, weil sich viele US-Unternehmen aus Steuergründen in Dublin niedergelassen haben. Als sich diese jedoch weigerte, den ungehemmten Datentransfer von Millionen europäischen Facebook-Nutzern an die USA zu untersuchen und Schrem’s Forderung als „frivol und schikanös“ („frivolous and vexatious“) bezeichnete, ging er gegen die Untätigkeit der Datenschutzbehörde in Irland vor Gericht.

    Am 18. Juni entschied nun der irische High Court, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) in dieser Sache entscheiden soll. Der Richter erkannte in seinem Urteil implizit an, dass eine kleine Datenschutzbehörde neben einer Fish-and-Chips-Bude in Dublin kein wirklicher Gegner für Giganten wie Facebook oder Google ist. Daher fragt er den EuGH in seinem Urteil (pdf), ob die Safe Harbor-Regeln mit Artikeln 7 und 8 der Grundrechte-Charta vereinbar sind (Paragraph 71, S. 33) und ob einzelne Datenschutzbehörden entscheiden können, ob Safe Harbor ein „angemessenes Datenschutzniveau“ gewährt (Paragraph 84, S. 36).

    Wir haben Max Schrems zu den Einzelheiten des Urteils befragt:

    netzpolitik.org: Was sind für dich die wichtigsten Punkte in diesem recht bizarr zu lesenden Urteil? Welche Fragen werden dem EuGH gestellt?

    Das Urteil umgeht jede logische Konsequenz, weil auf mehreren Ebenen eigentlich der Fall zurück an die Datenschutzbehörde gehen sollte. Der Richter hat aber das Ding einfach zum EuGH bringen wollen. Was politisch auch durchaus sinnvoll ist.

    Der Richter stellt eine sehr weite Frage, die auf die Gültigkeit des „Safe Harbor“ an sich abzielt. Dabei wird gefragt, ob ein Abkommen aus 2000, wegen den faktischen Veränderungen (9/11, Kampf gegen den Terror, NSA, PRISM) und wegen der Einführung der EU-Grundrechtecharta noch gültig sein kann.
    Außerdem ist in der Frage verpackt, ob die Irische Behörde trotz einer weiteren Gültigkeit des Safe Harbour, eventuell im Einzelfall anders entscheiden kann. Dafür findet sich aber die Antwort schon in Artikel 3 des Safe Harbour: Das geht.

    netzpolitik.org: Du beschwertes Dich auf Twitter, dass die Medien fehlerhaft über das Urteil berichteten. Was war da los?

    Am Mittwoch hat Reuters erst falsch berichtet, dass wir „abgewiesen“ wurden und dann haben Journalisten probiert, aus dem Urteil viel rauszulesen das dort einfach nicht steht. Ich glaube, die meisten Journalisten hatten keine Ahnung, dass „Safe Harbor“ die Rechtsgrundlage für den Großteil des EU-US Datenaustausches ist. Wenn da dran gesägt wird, dann ist das viel heftiger als das „Recht auf Vergessen“ und zumindest wirtschaftlich viel heftiger als das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung. Da kommt also ordentlich was auf uns zu.

    netzpolitik.org: Was ist denn eigentlich die Safe-Harbor-Vereinbarung?

    Safe Harbor ist eigentlich eine Entscheidung der EU-Kommission. Generell dürfen Daten nicht aus der EU ins Ausland geschickt werden, weil man dort eben den Datenschutz nicht sicherstellen kann. In den USA gibt es die Möglichkeit, dass sich Unternehmen „selbst verpflichten“, sich an eine verkrüppelte Version des EU-Datenschutzes zu halten. Das sind die „Safe Harbour“-Prinzipien. Dann dürfen diese Unternehmen EU-Daten erhalten, auch wenn es in den USA keinen Datenschutz in unserem Sinne gibt. Die Lösung ist aber stark kritisiert, weil es in der Praxis einfach kein echter Schutz ist.

    20. Juni 2014 3
  • : Willkürliche Facebook-Zensur: Max Schrems darf Buch über Datenschutz nicht im sozialen Netzwerk bewerben
    Willkürliche Facebook-Zensur: Max Schrems darf Buch über Datenschutz nicht im sozialen Netzwerk bewerben

    Max Schrems – ist das nicht der Typ, der Facebook verklagt hat? Der seine Daten angefordert hatte, um zu sehen, was Facebook alles über ihn weiß? Über 1000 Seiten gedruckte Daten erhielt er 2011, darunter Informationen, die er bereits als gelöscht glaubte. Wieder andere Daten, von denen er wusste, dass Facebook sie haben müsste, wurden ihm vorenthalten.

    Schrems, dessen Verfahren gegen Facebook noch immer läuft und der mittlerweile die Initiative europe-v-facebook gegründet hat, legt jetzt ein Buch vor: Kämpf um deine Daten. Darin erläutert er die Probleme, die Datenschutz in Europa hat, welchen Überwachungsmaßnahmen und Datensammelallüren man als Bürger ausgesetzt ist, und er beschreibt seinen privaten Kampf gegen die Datenriesen.

    Laut einer Pressemitteilung darf Schrems sein Buch nun nicht auf Facebook bewerben. Dieses verstöße gegen Geschäftsbedingungen von Facebook, so die Pressesprecherin von Facebook Deutschland. Eine kleine Randnotiz in der willkürlichen Werbe- und Zensurpolitik des Unternehmens. Ein ironischer Fall, der deutlich illustriert, wie autonom Facebook darüber entscheiden kann, was auf unserer Timeline angezeigt werden darf und was besser verschwiegen wird.

    6. Juni 2014 27
  • : Wie Facebook Wahlen beeinflussen kann, oder: Was tun gegen digitales Gerrymandering?
    Wie Facebook Wahlen beeinflussen kann, oder: Was tun gegen digitales Gerrymandering?

    Jonathan Zittrain, Professor für Recht und Computerwissenschaft in Harvard und Autor von „The Future of the Internet and how to stop it“, setzt sich in einem aktuellen Artikel auf newrepublic.com mit der möglichen Manipulation von Wahlergebnissen durch Dienste wie Facebook auseinander. Wie lässt sich verhindern, dass Mark Zuckerberg den nächsten amerikanischen Präsidenten bestimmt?

    Zittrain beschreibt, wie in einem Experiment während der Halbzeit-Kongresswahlen in den USA 2010 versuchte, mehr Facebooknutzer zum Wählen zu bewegen. Mittels einer Grafik bekamen manche Nutzer die Möglichkeit, Wahllokale in ihrer Umgebung zu lokalisieren, selbst anzugeben, dass sie gewählt hatten, und es wurden bis zu sechs Freunde angezeigt, die ebenfalls ihre Stimme abgegeben hatten. Kontrollgruppen bekamen simple „Geht wählen“-Nachrichten oder keine Erinnerung. Nach Auswertung der Daten stand fest: Eine solche Grafik konnte die Wahrscheinlichkeit der Nutzer, wählen zu gehen, erhöhen und zusätzliche Stimmen mobilisieren. Zwar war ein Urnengang der solcherart beeinflussten Nutzer nur um 0,39 Prozent wahrscheinlicher, in konkreten Zahlen waren dies aber bis zu 340.000 Stimmen mehr.

    3. Juni 2014 15
  • : Staatsstreich der Armee: Militär-Regierung sperrt Facebook in Thailand
    Staatsstreich der Armee: Militär-Regierung sperrt Facebook in Thailand

    Am Mittwoch wurde Facebook in Thailand vorübergehend vom Telekommunikationsministerium gesperrt. Die Blockade dauerte nur etwa 30 Minuten, dennoch erzeugte sie ein starkes Online-Echo und Proteste, vor allem auf Twitter.

    Nach dem Putsch vergangene Woche hatte das Militär die Kontrolle über das Land übernommen. Einer der ersten Schritte war die Gleichschaltung der Rundfunk- und Printmedien, um die Verbreitung von Kritik am Putsch zu verhindern. Ein freier Austausch über soziale Medien war weiterhin möglich.

    Offenbar wurde das jetzt zu einem Problem: Dem Informationsministerium zufolge gab es Aufrufe zu Protesten gegen die Militärjunta auf Facebook. Um diese Proteste zu verhindern, erfolgte die kurzzeitige Blockade. Es sind auch Kooperationsgespräche mit anderen sozialen Medien angedacht.

    Die Facebookblockade, war sie auch noch so kurz, schlug relativ hohe Wellen auf Twitter und in Nachrichtenplattformen, so dass sich Richard Barrow, vor Ort in Thailand, zu einem interessanten Tweet veranlasst sah:

    In diesem Fenster soll ein Twitter-Post wiedergeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an Twitter. Aus technischen Gründen muss zum Beispiel Deine IP-Adresse übermittelt werden. Twitter nutzt die Möglichkeit jedoch auch, um Dein Nutzungsverhalten mithilfe von Cookies oder anderen Tracking-Technologien zu Marktforschungs- und Marketingzwecken zu analysieren.

    Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Abfluss deiner Daten an Twitter so lange, bis Du aktiv auf diesen Hinweis klickst. Technisch gesehen wird der Inhalt erst nach dem Klick eingebunden. Twitter betrachtet Deinen Klick als Einwilligung in die Nutzung deiner Daten. Weitere Informationen stellt Twitter hoffentlich in der Datenschutzerklärung bereit.

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    28. Mai 2014 4
  • : Netzpolitischer Wochenrückblick 21/2014
    Netzpolitischer Wochenrückblick 21/2014

    muchdoge-700x393Woosh, wie schnell so eine Woche vergeht. Nur noch zweimal schlafen, dann ist Europawahl! Wir haben uns eingehend mit dem Thema befasst und sogar eine netzpolitische Wahlempfehlung für euch zusammengestellt! Sie basiert auf den detailliert analysierten Europawahlprogrammen der Parteien und den Versprechen von Kandidaten auf wepromise.eu. Diese Woche gab es auch noch einige Statements auf WePromise von den EU-Spitzenkandidaten, der Piratenpartei und zivilgesellschaftlichen Akteuren.

    Was uns die anstehende Europawahl noch einmal verdeutlicht: Die wichtigen Themen wie ACTA, Urheberrecht und Netzneutralität sind noch nicht vorbei. Für Interessierte wurde vor Kurzem eine wissenschaftliche Analyse des Scheiterns von ACTA aufgrund des Engagements zivilgesellschaftlicher Organisationen veröffentlicht, in der auch netzpolitik.org und Markus Beckedahl vorkommen. Worth a read! Und die Bedeutung von Netzneutralität verdeutlichen uns Juice Rap News in der neuen Ausgabe ihrer Nachrichtenshow.

    Wie sieht es so aus mit der Überwachung? Ach ja, wir haben erfahren, dass die NSA sich ein bisschen an kompletter Totalüberwachung ausprobiert, auf den Bahamas und, zunächst ein Mystery-Land, in Afghanistan. Und ob das eine erschöpfende Liste ist, bleibt abzuwarten. In jedem Fall hat sich eine Debatte um die Scheibchentaktik der Veröffentlichung von Snowdens Dokumenten daran entzündet.

    Um die Überwachung für andere ein bisschen schwieriger zu machen, verhängte wenigstens das Wirtschaftsministerium einen Exportstop für deutsche Überwachungstechnologien in „Unrechtstaaten“.

    Aber Apropos Überwachung, Snowden, NSA: Großes Kino gab es am Donnerstag in der ersten öffentlichen Anhörung des NSA-Untersuchungsausschusses des Bundestags. Wir waren live dabei und bloggten fünf Stunden lang simultan. Nachdem wir schon vorab das Gutachten von Matthias Bäcker vorliegen hatten, in dem er die Überwachungspraxis des BND als grundrechtswidrig anprangert, zeichnete sich im Verlauf der Anhörung ab, dass alle drei Sachverständigen die Materie sehr einhellig sehen: Der BND verstößt mit seiner Abhörpraxis im Ausland gegen Grundrechte, und wie kann man von anderen Geheimdiensten fordern, woran man sich selbst nicht hält? Bezeichnend auch die Aufforderung der Juristen an den Ausschuss: Wenn die Politiker sich nicht ausreichend von der Bundesregierung informiert fühlen, sollen sie doch klagen. Aber was befassen wir uns überhaupt noch mit dem leidigen Problem NSA, wissen wir doch nach dem Interview von Innenminister Thomas de Maizière mit dem MDR, dass unsere deutsch-amerikanischen Beziehungen „wichtiger sind als das schwierige Thema NSA“.

    In other news: Mit der Ehrendoktorwürde für Snowden sieht es mau aus, der Rektor der Universität Rostock hat Bedenken ob der Wissenschaftlichkeit von Snowdens Leistungen. Sagt er zumindest. Facebook bringt derweil fröhlich eine neue App heraus, die alle Umgebungsgeräusche mithört, damit man noch besser der ganzen Welt mitteilen kann, was gerade um einen herum geschieht. Keep calm and listen on. Da freuen wir uns doch über die erfreuliche Nachricht, dass die Beschlagnahme des Podcast-Busses von Metronaut rechtswidrig ist – und trauen uns demnächst wieder mit Mikrofonen auf die Straße.

    Und jetzt: Happy voting!

    23. Mai 2014
  • : Keep calm an listen on: Die neue Facebook-App, die all deine Umgebungsgeräusche mithört
    Keep calm an listen on: Die neue Facebook-App, die all deine Umgebungsgeräusche mithört

    keepcalmDie neue Art der Umgebungsüberwachung: Facebook wird eine neue App anbieten, die es ermöglicht, automatisch zu ermitteln, welche Musik ein Nutzer hört oder welche Fernsehsendung und Filme er gerade anschaut. Dabei schneidet die bald in den USA erhältliche Smartphone-Anwendung beim Statusupdaten kontinuierlich die Umgebungsgeräusche mit, wenn man das Feature aktiviert. Und wird etwas erkannt, erhält man die Möglichkeit, es auf Knopfdruck mit seinen Freunden zu teilen. Die bekommen dann eine 30-sekündige Liedvorschau oder die genaue Angabe der Folge einer Serie oder des Filmes, den man gerade schaut.

    Facebook macht mit der neuen App dem ältesten Musikerkenner dieser Art, Shazam, Konkurrenz.  Und auch wenn Shazam über 90 Millionen aktive Anwender pro Monat zu verzeichnen hat, die Konkurrenz durch Facebook ist signifikant. Denn das Soziale Netzwerk verzeichnet über 1,2 Milliarden monatliche Nutzer und erreicht damit auf einen Schlag eine riesige Basis. Auch wenn die App zunächst nur in den USA verfügbar sein wird ist eine Ausweitung auf den Rest der Welt zeitnah zu erwarten.

    Bei Shazam kam es im Februar zu Kritiken, da der Dienst Standortdaten seiner Nutzer im Hintergrund bei Nutzung der App an Werbekunden sendete.

    23. Mai 2014 11
  • : Die digitale Zivilgesellschaft ist auf Twitter. Alle anderen sind bei Facebook.
    Abbildung 1: Die Zahl der Twitter-Follower und Facebook-Fans ausgewählter Akteure der digitalen Zivilgesellschaft in Deutschland
    Die digitale Zivilgesellschaft ist auf Twitter. Alle anderen sind bei Facebook.

    Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2014 zum Thema „Digitale Gesellschaft“ wurde ich eingeladen, einen Beitrag zum dortigen „Experten-Blog“ beizusteuern. Im folgenden eine leicht adaptierte Fassung.

    Ende 2013 zählte Facebook in Deutschland 25 Millionen monatliche Nutzer, von denen 19 Millionen sogar täglich aktiv sind. Für Twitter stammen die letzten Zahlen aus 2012 und belaufen sich auf gerade einmal 2,4 Millionen aktive Nutzer. Selbst bei einem (optimistisch geschätzten) Wachstum von 50 Prozent bei Twitter seit 2012 dürfte es damit in Deutschland heute immer noch knapp neun Mal mehr Facebook- als Twitter-Nutzer geben. Für die digitale Zivilgesellschaft in Deutschland sind diese Zahlen ein Problem: ihre wichtigsten Akteure sind nämlich auf Facebook gar nicht zu finden oder kaum präsent, sie tummeln sich stattdessen auf Twitter (siehe Abbildungen 1 und 2).

    Entscheidend für den Erfolg politischer Mobilisierungsprozesse im Allgemeinen und für soziale Bewegungen im Besonderen ist es, (vermeintlich) unbeteiligte Dritte für ein Anliegen zu interessieren und schließlich zu Engagement zu bewegen. Schafft es eine soziale Bewegung dauerhaft nicht, über den harten Kern an überzeugten Aktivisten hinauszuwirken, wird ihr Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklung eng begrenzt bleiben. Entscheidend dafür, zunächst noch Unbeteiligte für eine Sache zu gewinnen, ist diese dort abzuholen, wo sie stehen. Das bedeutet im übertragenen Sinn Themen so aufzubereiten – zu framen – dass sie auch für jene anschlussfähig sind, die sich zuvor kaum mit ihnen auseinandergesetzt haben. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dort hinzugehen, wo potentielle Unterstützerinnen und Unterstützer sich aufhalten.

    20. Mai 2014 48