Wir kritisieren schon seit längerem Zero-Rating-Angebote wie beispielsweise Google Freezone, die einen Verstoß gegen das Netzneutralitätsprinzip darstellen: Ein Anbieter, der einen Deal mit Telekommunikationsunternehmen eingeht, damit die Datenübertragung seiner Dienste für den Kunden kostenlos ist, verschafft sich einen ungerechtfertigten Martkvorteil gegenüber konkurrierenden Anbietern. Ob bei diesen Deals bisher Geld geflossen ist, ist nicht klar, sie bieten Vorteile für beide Parteien (Kundenbindung für Google & Co, Anreize für die Kunden, noch mehr vom Netz kostenpflichtig zu nutzen für Telekommunikationsanbieter).
Die chilenische Telekommunikationsbehörde hat jetzt zum 1. Juni die Zero-Dienste von Anbietern wie Google, Facebook und Wikipedia gebannt: Sie widersprechen den gesetzlichen Regelungen zur Netzneutralität (auf Spanisch). Dem Gesetz zufolge dürfen Internet Service Provider nicht willkürlich Inhalte, Anwendungen und Dienste nach Quelle oder Eigentümer unterscheiden.
Das ist ein Schritt hin in die richtige Richtung, auch wenn es offenbar eine Einzelentscheidung ist und in Zukunft weiterhin Einzelfälle geprüft werden (Link auf Spanisch).
Auf Quartz wird die chilenische Entscheidung als rückständig kritisiert und die Free-Rating Optionen von Google oder Facebook als Möglichkeit hervorgehoben, auch ärmeren Bevölkerungsschichten und alten, weniger Internet-affinen Bürgern die Chance zu geben, das Internet zu entdecken, ohne dafür zahlen zu müssen. Es stimmt, Netzneutralität kann als Luxus betrachtet werden, den man sich in reicheren Ländern leisten will, der aber in Entwicklungsgebieten nicht oberste Priorität hat: Hauptsache, überhaupt erst einmal Intenet.
Problematisch ist dabei, dass die führende Stellung dominanter Anbieter durch solche Angebote zementiert wird. Die wachsenden Märkte werden von zahlungskräftigen Unternehmen mit kostenlosen Standardangeboten besetzt und untergraben einen freien und fairen Wettbewerb. Wir finden, es soll freies Internet für alle geben, nicht reduziertes Google und Facebook für alle.