Datenschutz

Facebook legt plötzlich Wert auf Privatsphäre

Die Privatsphäre ist zurück – als Geschäftsmodell. Das Online-Magazin Slate schreibt über die Kehrtwende Facebooks im Bereich der Privatsphäre. Während vor vier Jahren noch ‚Offenheit‘ das große Ideal war und Privatsphäre nach Zuckerberg keine soziale Norm mehr war, wendet sich jetzt das Blatt – und mit ihm Facebooks Anstrengungen, dem Wunsch der Nutzer nach Privatheit nachzukommen.


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Aktionen wie der Kauf vom Whatsapp, die Einführung der anonymen Login-Möglichkeit für andere Dienste, die umfangreichen Privatsphäre-Einstellungsmöglichkeiten – all das spricht die Sprache der Umorientierung, der Entfernung von der Alles Teilen-Maxime und dem Offenheitsgrundsatz. Slate-Autor Will Oremus hat ein Statement Zuckerbergs von letztem Mittwoch (23. Juli) auf die Frage nach einer strategischen Veränderung der Firma bezüglich der Privatsphäre transkribiert. Hier die zentralen Aussagen auf Deutsch:

Einer der Aspekte auf die wir uns am meisten konzentrieren ist das Schaffen privater Räume für Leute wo sie Dinge teilen und interagieren können wie nirgendwo sonst. […]

Wir suchen also nach neuen Möglichkeiten um solche neue Dynamiken zu schaffen und neue, andere private Räume für Leute zu öffnen wo sie unbedenklich Dinge teilen können oder die Freiheit haben, etwas anderen gegenüber auszudrücken, die sie woanders nicht hätten. Das ist einer der Gründe, warum ich persönlich von „Messaging“ so begeistert bin.
Denn ab einem bestimmten Punkt willst du doch nur noch eine bestimmte Anzahl von Fotos mit allen deinen Freunden teilen. […]

Wir sehen also unsere Arbeit ganz grundsätzlich darin, Menschen diese Räume und Werkzeuge anzubieten. Was sich sehr davon unterscheidet, was viele Leute denken was Facebook ist.

Was sich auch davon unterscheidet, was Zuckerberg unter Facebook verstand. Aber tatsächlich lernt Facebook – dank der zahlreichen Informationen, Daten und direkten oder impliziten Feedbacks seiner Nutzer – immer mehr dazu. Und würde sich selbst im Geschäft schädigen, wenn es darauf nicht einginge. Facebook braucht seine Nutzer, um seinen Wert nicht zu verlieren. Wenn die Nutzer lieber Dinge privat teilen, dann reagiert es darauf. Das Vertrauen der Nutzer soll zurückgewonnen werden, damit weiterhin eine Kapitalisierung der Daten stattfinden kann.

12 Kommentare
  1. Erweiterung zum letzten Satz: Stichwort Wachstum, es sollen nun auch noch die Zielgruppe erreicht werden, die bisher Facebook aus Datenschutzbedenken kritisch gegenüberstand. Wenn Zuckerberg davon spricht das es einen „Punkt gibt, ab dem man bestimmte Fotos eben nur mit seinen engsten Freunden teilen möchte“, dann bedeutet das nicht, dass die Datenübertragung entsprechend geschützt werden soll, sondern lediglich das das Vertrauen der Nutzer gewonnen werden soll, dass sie selbst jene sehr privaten Daten über Facebook weitergeben. Daten die das Unternehmen dann wiederum auswertet. „Vertrauen in Privatspähre zurückzugewinnen“ ist in diesem Fall in der Tat lediglich eine Kapitalisierungsstrategie.

  2. So ist es, das Unternehmen kriegt so umso mehr Daten, nämlich auch die privateren. Natürlich werden die ausgewertet und gespeichert, es kann sie nur nicht mehr jeder sehen. Kann Facebook ja egal sein, die haben die Daten ja.

    1. „es kann sie nur nicht mehr jeder sehen. Kann Facebook ja egal sein, die haben die Daten ja.“

      Es ist Facebook nicht egal, da dadurch der Wert dieser Daten steigt.

  3. Die Äußerungen dieses Konzerns setzen sich nach wie vor aus Euphemismsen (wie „teilen“), Paradoxien („Werkzeuge“ zum Privatsein anbieten) und Oxymora (Facebook unbedenklich?) zusammen. Allein dadurch, dass Privatsphäre bei FB nur durch Schutz vor anderen Nutzern – nicht aber FB selbst oder den wirtschaftlichen/staatlichen Kunden! – definiert ist, sollte diese Äußerung keine Meldung wert sein.

    Man darf bei all dem Schöngerede nicht vergessen, dass es vor Facebook absolut unüblich war, sich mit vollem bürgerlichen Namen im Netz zu bewegen, jeden Rülpser in die Welt hinauszublasen, sich laufend orten zu lassen oder andere fragwürdige Neuentwicklungen. Oder gar die Veröffentlichung von Postings sowie das ungevollte, automatische Veröffentlichen von privaten Details durch Apps als „teilen“ zu bezeichnen.

    Andere Firmen sprangen geifernd mit auf diesen Zug auf, um fortan die Werte ihrer Kunden mit einer Selbstverständlichkeit zu missachten, wie nie zuvor. Sogar Google konnte man noch das „Don’t be evil“ abnehmen ;)

    Kurz gesagt: Ohne diesen weltbewegenden Einfluss Facebooks auf das Nutzungsverhalten der Internetnutzer, das sich bis in die greifbare Welt ausgedehnt hat, hätten wir heute bedeutend mehr selbstverständliche Privatsphäre und Rechte (behalten).

  4. Also im Klartext: FB selbst speichert, analysiert, verkauft nach wie vor die Daten seiner Nutzer, allerdings kann ich das Zeug besser vor anderen FB Mitgliedern verbergen?! …na Klasse…

  5. Jedesmal, wenn jemand selbstverständlich das Wort „Facebook“ in den Mund nimmt, kann ich mir ein Stöhnen kaum verkneifen. WARUM EXISTIERT DAS NOCH??? Ich meine, außer als private PR-Plattform für Unternehmen und so

  6. Der Fischer sagt dem Fisch, dass es ihm am Haken jetzt noch besser geht als vorher!
    Das würde man erwarten.
    Dass viele Fische den Haken so toll finden, dass sie sich höchst freiwillig aufspießen, irritiert allerdings zuweilen.

  7. facebook, google+ etc. usw., wer bei sowas angemeldet ist, muss schon sehr schmerzbefreit sein und datenschutz total egal sein……
    den mist braucht kein mensch, da hole ich mir lieber den amiga 500 oder c64 aus dem keller und denke an die guten alten zeiten, als noch nicht jeder ins internet konnte ….

    schreibt doch gleich mit klar-namen im netz (internet) und benutzt den biometrischen-ausweis von der krankenkasse etc. usw. …

    1. Der Anreiz ist die Möglichkeit zur öffentlichen Selbstdarstellung mit der Chance auf wahrnehmbare Beachtung durch unaufwändiges Minimal-Feedback („Gefällt mir“). Das hat ja Franck in seiner „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ schon vor Jahren gut nachvollziehbar gemacht.
      Aber seit auch die Eltern bei Facebook teilnehmen, merken die Jüngeren, dass die Wahrnehmung öffentlicher Auftritte nicht nur mit Aufmerksamkeit, sondern auch mit sozialer Kontrolle zu tun hat.

  8. Das Unternehmen Facebook Inc. gefällt mir! Wie schön man Menschen mit billigster Propaganda dazu bewegt sich bei so einem „Dienst“ anzumelden. „Soziales Netzwerk“, was besseres kann sich ein Unternehmen – was per Definition assozial ist – als Beschreibung für ein KZ nicht einfallen lassen.

    Auch das einzeunen und einsperren der Benutzer (die werden, wie der Name schon sagt: benutzt) im Facebook-KZ (die Benutzten dürfen nur im durch Facebook Inc. selbst betriebenen KZ zusammengepfercht werden, austausch mit anderen wird laut Bauplan strikt unterbunden) ist eine sehr gute Sache. Da die Benutzer dort sehr doof, sehr naiv sind oder es ihnen schlichtweg egal ist wie sie durch den Kapo missbraucht werden sind diese extrem gute Konsumenten.

    Es freut mich das Facebook Inc. Geld aus den KZ-Insassen saugt durch vermieten der Daten der Benutzer an Untermenschen namens Werbetreibende.

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