Die neue Art der Umgebungsüberwachung: Facebook wird eine neue App anbieten, die es ermöglicht, automatisch zu ermitteln, welche Musik ein Nutzer hört oder welche Fernsehsendung und Filme er gerade anschaut. Dabei schneidet die bald in den USA erhältliche Smartphone-Anwendung beim Statusupdaten kontinuierlich die Umgebungsgeräusche mit, wenn man das Feature aktiviert. Und wird etwas erkannt, erhält man die Möglichkeit, es auf Knopfdruck mit seinen Freunden zu teilen. Die bekommen dann eine 30-sekündige Liedvorschau oder die genaue Angabe der Folge einer Serie oder des Filmes, den man gerade schaut.
Facebook macht mit der neuen App dem ältesten Musikerkenner dieser Art, Shazam, Konkurrenz. Und auch wenn Shazam über 90 Millionen aktive Anwender pro Monat zu verzeichnen hat, die Konkurrenz durch Facebook ist signifikant. Denn das Soziale Netzwerk verzeichnet über 1,2 Milliarden monatliche Nutzer und erreicht damit auf einen Schlag eine riesige Basis. Auch wenn die App zunächst nur in den USA verfügbar sein wird ist eine Ausweitung auf den Rest der Welt zeitnah zu erwarten.
Bei Shazam kam es im Februar zu Kritiken, da der Dienst Standortdaten seiner Nutzer im Hintergrund bei Nutzung der App an Werbekunden sendete.
Wer jetzt um seine Privatsphäre fürchtet, weil Werbetreibende sich auch bei Facebook brennend dafür interessieren, was wir wann wo hören und sehen: Wie immer kein Grund zur Sorge, denn:
You’re in control – if we find a match, you choose whether to share it or not.
Dabei ist der Faktor nicht, ob Freunde (oder die gesamte Onlinewelt) wissen sollen, was gerade gehört wird. Auch wenn man die Daten nicht teilt, die Erkennung ist bereits passiert. Und an einem Punkt wird man besonders misstrauisch:
We can’t identify background noise or conversation. Sounds are only used to find a match and are never stored.
Dass Facebook nicht in der Lage sein könne, Unterhaltungen zu erkennen,ist blanker Hohn. Denn das Unternehmen hat erst im letzten August eine Firma für Spracherkennung auf Mobilgeräten aufgekauft und zeichnet sich auch sonst durch beachtliche Leistungen auf dem Gebiet der automatischen Identifikation, beispielsweise bei Gesichtern, aus. Man müsste wenn überhaupt davon reden, auf Gesprächserkennung zu verzichten.
Und ein weiterer Punkt: Liegen Facebook Mitschnitte – pardon, Streams – von unserer Geräuschsumwelt vor, dürften auch die Geheimdienste begierig darauf sein mitzuhören, denn so ergeben sich ausführliche Möglichkeiten der Lebenswelt-Überwachung und Abhörung ganz ohne klassische Wanzen oder zusätzliche Spähprogramme. Und dass Geheimdienste keine Probleme haben, Daten von Facebook zu bekommen, wissen wir ja seit PRISM. Da kann man dem Tweet von Anne Roth nur zustimmen (auch wenn es bisher ein Opt-In und kein Opt-Out zum Mitschneiden sein soll):
Ich so: diese App von der Firma mit Standleitung zum Geheimdienst hört ab jetzt ständig deine Umgebung ab. Wenn du es nicht abschaltest.
— Anne Roth (@annalist) May 22, 2014
