Überwachung

PRISM: Amerikanischer Geheimdienst NSA hat direkten Zugriff auf alle Daten der großen Internet-Unternehmen

Der amerikanische Militärnachrichtendienst NSA hat direkten Zugriff auf alle Daten der großen amerikanischen Internet-Unternehmen. Das geht aus einer Präsentation ihrer eigenen Abteilung „Special Source Operations“ hervor, die auszugsweise veröffentlicht wurde. Damit festigt die NSA einmal mehr ihren Ruf als größter Datenstaubsauger der Welt, der Daten in kaum vorstellbaren Ausmaß sammelt.

Nach dem Scoop über das Absaugen der Vorratsdaten beim amerikanischen Telekommunikationsanbeiter Verizon legt Glenn Greenwald noch einen drauf. Wieder beim britischen Guardian zitiert er aus einer nur zwei Monate alten 41-Seitigen Powerpoint-Präsentation, dessen Authentizität der Guardian laut eigenen Angaben verifiziert hat.

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In diesem „streng geheimen“ Dokument gibt der amerikanische Nachrichtendienst National Security Agency (NSA) zu, „direkten Zugriff auf die Systeme“ von neun der größten amerikanischen Internet-Firmen zu haben, um so ziemlich alle anfallenden Daten „direkt von den Servern“ abzuschnorcheln:

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Damit ist endlich offiziell, was Interessierten schon lange klar ist: Die NSA hat direkten Zugriff auf alle Daten der großen amerikanischen Internet-Dienste. Nicht „nur“ Metadaten, sondern alle Inhalte, egal ob E-Mails, Chats (Video, Voice, Text), Fotos, Videos, Direktnachrichten, Dateien, Nachrichten oder Skype-Gespräche. Alles.

The program facilitates extensive, in-depth surveillance on live communications and stored information.

All diese Daten dürften in eigene Rechenzentren wie das monströse NSA-Spionage-Center in Utah fließen, für immer gespeichert und permanent gerastert werden. Die Behörde selbst lobt das Programm als „einen der wertvollsten, einzigartigen und produktiven Zugriffe für die NSA“.

Microsoft ist demnach seit 11. September 2007 dabei, Apple „erst“ seit Oktober 2012:

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Möglich wird das durch den Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA), der nach 2001 immer wieder erweitert wurde, unter anderem durch den FISA Amendments Act von 2008. Und auch von der Obama-Regierung immer wieder verlängert. Schon bei der Verabschiedung warnten Kongress-Abgeordnete, dass die amerikanische Öffentlichkeit schockiert sein würde, wenn sie erfahren würde, wie weit die Überwachung der Geheimdienste wirklich geht.

Die NSA, eigentlich Teil des Militärs, hat laut dem Dokument die „Unterstützung von Kommunikations-Anbietern in den USA“. Die genannten Firmen streiten alles ab. Ein hoher Beamter sagte dem Guardian jedoch:

Die Informationen, die im Rahmen dieses Programms gesammelt werden, zählen zu den wichtigsten und wertvollsten nachrichtendienstlichen Informationen, die wir sammeln und werden verwendet, um unserer Land von einer Vielzahl an Bedrohungen zu schützen.

America, fuck yeah!

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21 Kommentare
  1. Ich frage mich ja: Bei den Unmengen an Daten die dort anfallen müssten, muss die NSA ja einer der größten Abnehmer von Speichermedien sein.

    Wenn nun ein weiterer „Player“ dazukommt, macht sich das auf dem Speichermarkt bemerkbar? Oder hat die NSA eine eigene FAB für Massenspeichermedien?

    1. Vielleicht beziehen sich die 20 Millionen nur auf die Kosten für das Abgreifen, aber nicht die Kosten für das Speichern und Auswerten der Daten – die sind vermutlich durch andere Budgets abgedeckt.

  2. Tjar… diese News, so wenig überraschend sie auch ist, hat mich direkt dazu veranlasst euch ein klein wenig Geld dazulassen… Ich weiß, dass euer Einfluss nur sehr klein ist, aber ich will einfach nicht in so einer Welt leben wie die US-Regierung sie gerne hätte :(

  3. Im SPON oder SZ-Forum (weiß nicht mehr genau welches), hat ein User einen sehr treffenden Kommenatr abgegeben:
    Obama:
    „Yes, we SCAN“

  4. Schade dass solche Meldungen nicht als ultimative Aufforderung zum Verschlüsseln der eigenen Daten verstanden werden. Die Behörden können sich eh breitbeinig hinstellen und in die Runde fragen was der geneigte Nerd wohl gedenkt gegen die Schnüffelei zu tun – Bei der breiten Masse wird das alles nicht als Bedrohung erkannt.

  5. Also lieber viele kleine Anbieter in verschiedenen Ländern verwenden, als einen großen und alles in einem Land, sprich: Dezentralisierung.

    Wer meine Suchanfragen bekommt, braucht nicht auch noch meine E-Mails lesen können, oder meine sozialen Kontakte kennen, usw.

  6. Endlich eine schlüssige Begründung, warum eine DE-Mail „kurzzeitig entschlüsselt werden muss, um sie auf Schadcode zu überprüfen“.
    Im Gegenzug leisten die Amis dann VDS- „Schützenhilfe“.

    Verstehe ich das richtig, dass „die Terroristen“ auf ganzer Linie gesiegt haben?

    1. „Verstehe ich das richtig, dass “die Terroristen” auf ganzer Linie gesiegt haben?“

      Danke! Das gleiche denke ich mir auch oft genug. Am Ende haben „die Terroristen“ eben doch genau das geschafft, was sie wollte: Die Menschen leben in ständiger Angst und Misstrauen… -.-*

  7. Also habe ich quasi schon einen persönlichen Speicher auf der NSA-Cloud . Super, müsste jetzt nur noch wissen wie ich darauf zugreifen kann um meine Daten wieder herzustellen.

    Aber mal spass bei Seite, was passiert wenn jemand anderes mit „bösen“ absichten darauf Zugriff bekommt?

    1. „…was passiert wenn jemand anderes mit “bösen” absichten darauf Zugriff bekommt?“

      Sie können davon ausgehen dass der Staat, insbesondere die Exekutive, naturgemäß „böse“ ist bzw. einen starke Tendenz dazu hat, wenn sie nicht kontrolliert wird. Der Staat, und insbesondere die Exekutive, haben ein Machterhaltungs- und erweiterungs Interesse, entgegen des Interesses ihrer Bürger, die staatliche Machtbefugnisse optional (und nach demokratischen Verständnis wünschenswert) wieder entziehen können sollen.

      Um zu erahnen wozu Staaten in der Lage sind, sobald sie massenhaft über Informationen über ihre Bürger verfügen, müssen Sie nur in der Geschichte zurückschauen. Gestapo, Stasi … – Diktatur.

      1. Keine Sicherheit kann so groß sein das sie eine derartige Überwachung rechtfertigt,warum haben wir die Gestapo,die Stasi abgeschafft wenn wir sie uns nun durch die Hintertür zurück holen? Am Ende haben wir alle ein Strichkode am Körper und zur SICHERHEIT einen Mikrochip! Ich kann auf beides verzichten und alle anderen sicher auch. Die Bundesregierung dürfte kaum weniger gewußt haben als Obama und sie machen es wie immer und geben uns Zucker bis bei uns das große Vergessen einsetzt

        Gruß

  8. Ach, das sind doch alles nur Verschwörungstheorien!
    In Wirklichkeit gibt es die NSA ja genau so wenig, wie es Bielefeld gibt.

  9. Und wo wir gerade bei Verschwörungstheorien waren: Hat die NSA vielleicht auch an der Xbox One mitentwickelt?

    Nun gut, ich habe jetzt gelesen, dass das mit dem „always online“ ja gar nicht sooo schlimm ist, es reicht, wenn man sich einmal täglich bei denen meldet. Und die Überwachungskamara (Kinect) ist ja auch nur an, falls Spiele das mal wirklich benötigen sollten.

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