Öffentlichkeit

Willkürliche Facebook-Zensur: Max Schrems darf Buch über Datenschutz nicht im sozialen Netzwerk bewerben

Max Schrems – ist das nicht der Typ, der Facebook verklagt hat? Der seine Daten angefordert hatte, um zu sehen, was Facebook alles über ihn weiß? Über 1000 Seiten gedruckte Daten erhielt er 2011, darunter Informationen, die er bereits als gelöscht glaubte. Wieder andere Daten, von denen er wusste, dass Facebook sie haben müsste, wurden ihm vorenthalten.

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Schrems, dessen Verfahren gegen Facebook noch immer läuft und der mittlerweile die Initiative europe-v-facebook gegründet hat, legt jetzt ein Buch vor: Kämpf um deine Daten. Darin erläutert er die Probleme, die Datenschutz in Europa hat, welchen Überwachungsmaßnahmen und Datensammelallüren man als Bürger ausgesetzt ist, und er beschreibt seinen privaten Kampf gegen die Datenriesen.

Laut einer Pressemitteilung darf Schrems sein Buch nun nicht auf Facebook bewerben. Dieses verstöße gegen Geschäftsbedingungen von Facebook, so die Pressesprecherin von Facebook Deutschland. Eine kleine Randnotiz in der willkürlichen Werbe- und Zensurpolitik des Unternehmens. Ein ironischer Fall, der deutlich illustriert, wie autonom Facebook darüber entscheiden kann, was auf unserer Timeline angezeigt werden darf und was besser verschwiegen wird.

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26 Kommentare
  1. Als erstes: mir ist die Daztnsammelwut auch zuwider!!! Aber ein Stück weit kann man Facebook schon verstehen, dass ein Buch gegen Facebook nicht auf Facebook beworben wierden kann. Oder glaubt ihr man könnte z.B. ein Plakat gegen McDonald’s bei McDonald’s aufhängen?

    1. jein, weil schon alle auf facebook sind, und facebook quasi jetzt schon mehr infrastruktur ist muss man das aufzeigen und verdeutlichen.
      die paar leute die jabber und anderes als messenger verwenden verstinken mit idealismus gegen die menge an FB usern.

      die menge muss man retten und aufrütteln, nicht die einzelnen kleinen nerds, die retten sich selbst. oder scheitern zumindest am probieren.

  2. Wie wäre es denn wenn er anstelle vom Fratzenbuch eben Diaspora oder Friendica benutzt?
    Facebook-User lesen sein Buch eh nicht ist nämlich viel zu kompliziert.

    1. wie wäre es wenn er den Riesen rechtlich angreift der das Monopol hat.

      was bringt es ihm oder uns oder allen Techies oder Nerds wenn wir uns aus Facebook zurückziehen und sichere alternativen verwenden.

      Hey das machen wir alle eh schon. Wichtig ist das ganze politisch zu betrachten. und politisch druck machen. denn nur weils diaspora gibt wechseln nicht alle von facebook zu was sicherem freierem.

      don’t blame the messenger…
      spinnenhaut, das ist ganz ganz mieses attacking. sag das was sinnvolles nicht nur „FB=doof“

  3. Solche Kommentare können nur von der Lobby kommen!?
    Mit derselben Argumentationsweise dürfte man im Bundestag die Arbeitsweise des Bundetages nicht kritisieren.

    Und nur, weil Facebook ein Konzern ist, heißt das noch lange nicht, dass sie mit „ihren“ Daten machen können, was sie wollen.

    1. Die Kommentare kommen sicherlich von der Spackeria, die hier unter dem Deckmantel der Anonymität ihre bedingungslose Solidarität mit den Datensammlern zeigt. Ein Herr G. bezeichnet die Aktion von Max häufig als „PR-Stunt“ – ohne natürlich Ähnliches beim Buch-Projekt eines Herrn S. gelten zu lassen. Beide zetteln übrigens gerade eine neue Militanz-Debatte an – sozusagen als die zwei von der Muppet-Show.

      1. Gab es nicht mal so was wie Meinungsfreiheit? Und muss sich so ein Unternehmen wie fb daran etwa nicht halten? Er verleumdet ja nicht, er hat ja Argumente. Verklangen koennen sie ihn ja immer noch, aber das hier gerade mal wieder Zensur. So einfach ist das.

      2. Das hat mit Meinungsfreiheit in diesem Fall nichts zu tun. FB hat innerhalb seiner Seite Hausrecht (wie jeder andere Betreiber seiner Webseite auch). Was FB mit deinen Post machen darf oder nicht, wird in den AGBs festgelegt. Die Meinungsfreiheit schützt dich ja auch nicht davor, dass ich dich aus meinem Haus werfen darf, wenn mir deine Meinung nicht passt.

        Problematisch wird es erst, wenn FB anfängt, z.B. systematisch Beiträge von Minderheiten oder sowas zu löschen. Oder auf der anderen Seite, wenn Beiträge beleidigend sind o.ä., ist FB teilweise verpflichtet sie zu löschen. Aber so clever ist FB dann schon selbst ;-)

      3. @justme2h: Was steht denn nun in den AGBs von FB? Das man nichts kritisches ueber FB sagen darf? Ich habe keine Lust das zu lesen, aber merkwuerdig finde ich es fuer ein soziales Netzwerk schon. Oder geht hier eher um die Definition von Werbung? Was machen sie, wenn eine Privatperson schreibt „Das neue Buch von Max S. finde ich voll geil“? Wenn sie das weg machen waere es ein Problem … Also viel Spass dabei …

      4. Hab jetzt auch keine Lust die kompletten AGBs durchzugehen, aber auf den ersten Blick kommt z.B. Abschnitt 5.2 ganz gut:
        https://www.facebook.com/legal/terms?locale=de_DE
        „Wir können sämtliche Inhalte und Informationen, die du auf Facebook gepostet hast, entfernen, wenn wir der Ansicht sind, dass diese gegen diese Erklärung bzw. unsere Richtlinien verstoßen.“
        Was z.B. Richtlinnien sind entscheidet FB alleine.

        Ist doch auch ganz normal. Auch auf netzpolitik.org wurden schon Kommentare gelöscht. Jeder Beitreiber versucht natürlich, seine Community miteinzubeziehen, um zu entscheiden, welche Beiträge er löscht und welche nicht. Das macht er aber in der Regel nur, um die Community nicht zu verprellen/verlieren, nicht weil er verpflichtet dazu wäre.

      5. @justme2h:
        „Das macht er aber in der Regel nur, um die Community nicht zu verprellen/verlieren, nicht weil er verpflichtet dazu wäre.“
        Doch er ist dazu verpflichtet, zumindest per Gesetz.
        Ich zitiere die FAQ von Fefes Blog( http://blog.fefe.de/faq.html ):
        „Wo ist denn hier die Kommentarfunktion?
        Gibt es nicht. Vor allem weil ich dann die Kommentare vorzensieren müßte, um mich vor der Pressekammer Hamburg zu schützen. Und ich verbringe meine Zeit lieber mit Bloggen als mit Trollfiltern.“
        Ich kann leider nicht sagen, was die rechtliche Basis ist, aber bzgl. Pressekammer müsste eventuell etwas zu finden sein.
        (Zumindest gilt diese Verpflichtung für netzpolitik.org und ander Publikationsmedien. Wie dies bei Facebook aussieht, kA. Generell müssten aber die Richtlinien von Facebook auch veröffentlicht sein..)

      6. @DDave
        Du schmeißt da ein paar Sachen zusammen, die nicht zusammen gehören.

        Als Webseitenbetreiber hast du eine bewisse Pflicht, dass auf deiner Seite kein Mist gemacht wird. Das heißt für FB, dass sie gegen die Verbreitung von Kinderpornographie (nur als Beispiel) auf ihrem Plattform vorgehen müssen und das heißt für Seiten wie netzpolitik oder fefes Blog, dass sie (wenn sie Kommentare anbieten) ihren Kommentarbereich ebenfalls von irgendwelchem illegalen scheiß freihalten müssen. Das hatte ich oben schonmal geschrieben. Kann gut sein, dass Fefe darauf keine Lust hat, aber das ist ein völlig anderes Szenario.

        Es geht darum, was solche Seiten zusätzlich löschen dürfen, unabhängig davon, was sie löschen müssen. Und das können die Seiteneigenümer relativ frei entscheiden bzw. viele Seiten regeln das dann über die AGBs oder stellen Verhaltensregeln auf. Wie auch immer, ob die Community dabei mit einbezogen wird, ist weitesgehend freiwillig.

      7. @justme2h:
        Ja gut.
        „Und das können die Seiteneigenümer relativ frei entscheiden bzw. viele Seiten regeln das dann über die AGBs oder stellen Verhaltensregeln auf.“
        Facebook argumentiert mit den eigenen Richtlinien und diese müssten dann doch in soweit einsehbar/transparent sein(über AGB).
        Ansonsten ja, ich stimme dir zu!
        Um diese Diskussion zu „beenden“, bzw. das letzte Argument zu geben(AGB, Abschnitt 5.2 passt nicht direkt):
        Sondern Abschnitt 11.12:
        „Wir dürfen eine Werbeanzeige aus beliebigem Grund ablehnen oder entfernen.“
        (https://www.facebook.com/legal/terms?locale=de_DE)
        Somit würde einzig und allein die Graswurzelbewegung übrig bleiben um das Buch publik unter der Facebook-Community zu machen.
        (Wobei dieses Verhalten mit Abschnitt 3.1 und 3.12 in Konflikt steht)
        [Vielen Dank für den Link, ich habe zum ersten Mal die AGB von Facebook überpflogen, obwohl ich ein fast inaktives Mitglied in diesem Verein bin]

  4. Vielleicht sollte irgendwann mal jemand den Leuten erklären, dass Facebook nicht das Internet ist. Im gegenteil, alles was auf FB ist bleibt auch dort. Daher sollte sich jeder seine „Timeline“ selbst zusammenstellen, dann ist auch niemand auf die willkürlichen Entscheidungen irgendwelcher Firmen abhängig.

  5. Hallo,

    da Facebook alles in allem eine Plattform für Publikationen aller Art ist, sollte es dort keine Zensur geben dürfen. Ab einer gewissen Grösse von Online Communitys sollte nicht mehr Privatrecht sonder öffenltiches Recht angewendet werden. Ähnlich wie bei Speakers’ Corner kann die Stadt London ja auch nicht Einfluss auf die Reden nehmen nur weik sie den Park als Plattform betreibt.

    Gruß
    FamWilberg

    1. das ist da nicht so einfach: es gibt ja noch das virtuelle Hausrecht. Da fb ja auch die Rechte von einträgen erwirbt, könn sie afaik damit ja auch tun was sie wollen.

    2. Stell dir mal vor, du gründest eine Firma und auf einmal kommt der Staat und sagt „Du hast zuviele Kunden, ab sofort darfst du nicht mehr über deine eigene Firma bestimmen, das macht jetzt die Öffentlichkeit “ …..

      FB ist und bleibt ein Konzern, der innerhalb von FB die Spielregeln weitesgehend selbst bestimmen kann. Genau aus diesem Grund ist es ja besser, dezentrale Dienste zu nutzen (soweit möglich).

      1. “Du hast zuviele Kunden, ab sofort darfst du nicht mehr über deine eigene Firma bestimmen, das macht jetzt die Öffentlichkeit ”

        Naja, dass ist definitiv nicht möglich. Aber, man könnte sagen, dass aber einer solchen Größe X die Gesetze, die auf einen angewendet werden sich ändern.
        (Aus der Realität gäbe es ein Bsp. Kleinunternehmer können sich von einer Nachweispflicht(bzgl Steuern, ich weiß es nicht mehr genau) befreien lassen(, weil sie zu wenig verdienen und der Aufwand deshalb zu groß wäre), während das für die großen Unternehmen nicht mehr in die Frage kommt.
        Dies bezüglich könnte man z.B. sagen, dass man mit einer gewissen Größe/Seitenzugriffe als Social Media-Unternehmen (bzw. Betreiber einer Social Media Plattform) verpflichtet ist, dem XY-Recht(z.B. Presserecht) nachzukommen und man diverse Dinge, z.B. Weiterverbreitung von kritischen Links, nicht mehr löschen darf.

        Als Werbekunde kann Facebook ja jede unangenehme Werbung ablehnen, genauso wie die Zeitungen…

  6. Hallo Zusammen,
    Jetzt bin ich hier gelandet, weil Facebook mich höchstwahrscheinlich aus politischen Gründen gesperrt hat.
    Facebook betreibt wohl politische Zensur und verschleiert dies mit der Behauptung es ginge um
    den echten Namen. Ihr wisst was ich meine und kennt die Prozedur die man durchmachen
    soll um die Echtheit des Namens der Person zu belegen. Pass, Ausweis, Reisepass ja selbst eine Stromabrechnung fordern sie als Möglichkeit , wenn ich angebe ich kann keinen Ausweis
    hochladen. Begreifen die denn nicht, dass es auch gefährlich bis tödlich sein kann, die politische Meinung in einer Diskussion auf Facebook zu äußern, wenn die falschen Leute den echten Namen wissen ? Tja nun ist mir klar das Facebook vor Wochen schon den Namen hätte kritisieren können
    und die Echtheitsprüfung fordern konnte. Aber nein sie tun es während einer politischen Meinungs-
    äußerung und zack war ich ausgeloogt und das war es. Meine Schätzung, wenn ich die Profilnamen bei Facebook so betrachte ist ca. 50 % sind nicht echt. Für Werbetreibende ist das interessant, denn Facebook bewertet sich höher mit der Behauptung die Profile wären überwiegend echt. Das kann nach meiner Einschätzung aber nicht stimmen. Die Werbung dort ist vielleicht nicht so wertvoll wie sie dargestellt wird. Und politische Zensur im öffentlichem Raum in Europa, in Deutschland macht es noch besser. Für mich hat der persönliche Wert von Facebook die unterste Grenze erreicht und Werbung würde ich dort schon gar nicht schalten. Es nervt nämlich, wenn man Werbung zu sehen bekommt, die sich auf den Inhalt von privaten Nachrichten bezieht. Dann will man Werbung nicht mehr sehen. lG Hub

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