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  • : #netzrückblick: Gefahr gebannt – vorerst keine Einschränkung der Panoramafreiheit
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    #netzrückblick: Gefahr gebannt – vorerst keine Einschränkung der Panoramafreiheit

    In der EU entbrannte in diesem Jahr eine Debatte über die Panoramafreiheit, also das Recht, Bilder von Gebäuden oder Kunst des öffentlichen Raumes zu verbreiten, die urheberrechtlich geschützt sind. Nachdem der EU-Rechtsausschuss dieses Recht beschneiden wollte, stimmte das EU-Parlament (EP) letztlich gegen eine Einschränkung.

    Statt eines Jahresrückblicks in Buchform gibt es dieses Jahr jeden Tag im Dezember einen Artikel als Rückblick auf die netzpolitischen Ereignisse des Jahres. Das ist der 21. Beitrag in dieser Reihe. netzpolitik.org finanziert sich über Spenden. Wenn euch unsere Berichterstattung in diesem Jahr gefallen hat, freuen wir uns über ein kleines Weihnachtsgeschenk für unseren Blog.

    Vor allem im Bezug auf die Verbreitung freien Wissens war die Erleichterung über den Beschluss im EP groß. So kommentiert Christian Rickerts, Vorstand von Wikimedia Deutschland, gegenüber netzpolitik.org:

    Gerade für Projekte wie Wikimedia Commons ist es grundlegend, sich bei Aufnahmen des öffentlichen Raumes frei und rechtssicher bewegen zu können. Wir haben daher die deutschsprachige Wikipedia-Community bei der Petition gegen die Einschränkung der Panoramafreiheit unterstützt. Ergänzend dazu haben wir die deutschen Europaabgeordneten angeschrieben und die Notwendigkeit der Panoramafreiheit unterstrichen.

    Was war geschehen?

    Die deutsche Piratenabgeordnete Julia Reda hatte dem Rechtsausschuss einen Initiativbericht über die Umsetzung der EU-Urheberrechts-Harmonisierungsrichtlinie (InfoSoc-Richtlinie) vorgelegt, der am Ende nach einigen Bearbeitungen als Reda-Bericht bekannt werden sollte. Darin schlug Reda im Bezug auf die Panoramafreiheit vor,

    […] sicherzustellen, dass die Nutzung von Fotografien, Videomaterial oder anderen Abbildungen von Werken, die dauerhaft an öffentlichen Orten platziert sind, gestattet ist.

    Im Rahmen des parlamentarischen Prozesses diskutierte zunächst der EU-Rechtsausschuss ihren Entwurf. Dort brachte der französische Europaabgeordnete Jean-Marie Cavada einen Änderungsantrag (Nr. 421) ein, der vorsah,

    […] dass die gewerbliche Nutzung von Fotografien, Videomaterial oder anderen Abbildungen von Werken, die dauerhaft an physischen öffentlichen Orten platziert sind, immer an die vorherige Einwilligung der Urheber oder sonstigen Bevollmächtigten geknüpft sein sollte.

    Der Ausschuss hat diese Passage in den Bericht aufgenommen und zur Abstimmung an das EP gegeben. Nach zahlreichen Protesten fand diese Änderung dort letzten Endes jedoch keine Mehrheit – nur 40 Abgeordnete sprachen sich für die Einschränkung der Panoramafreiheit aus. Allerdings lehnten die Parlamentarier auch einen Antrag ab, der die Panoramafreiheit explizit EU-weit gewährleisten würde. Somit blieb die Panoramafreiheit beim Beschluss des Reda-Berichts (unsere Analyse) außen vor, es gelten bis auf Weiteres die nationalen Regelungen.

    Reaktionen aus der EU-Politik

    Julia Reda warnte im Vorfeld der Abstimmung vor einer Aufhebung der Panoramafreiheit – auch versuchte sie sich an einer Erklärung, warum es im Ausschuss überhaupt zur Annahme von Cavadas Vorschlag kommen konnte:

    Bei der Abstimmung dachten die meisten Abgeordneten etwa an Postkartenhersteller, die auf dem Rücken der künstlerischen Werke anderer Geld scheffeln. Sie haben einen fundamentalen Wandel der letzten Jahrzehnte noch nicht vollständig begriffen: Heutzutage […] hält man Momente in Bildern fest – die häufig Elemente von kreativen Werken Anderer beinhalten –, indem man sie mithilfe meist kommerzieller Dienste ins weltweite Netz stellt.

    In der Plenardebatte gab sogar der EU-Kommissar Günther Oettinger eine Entwarnung, was mögliche Absichten der Kommission anbelangt – wenn auch mit einer denkbar schlechten Begründung:

    Die Kommission hat nicht vor, die Panoramafreiheit einzuschränken. […] Was man mit dem Auge als Bürger auf öffentlichen Plätzen und Straßen in Europa sehen darf, sollte man auch mit der Kamera fotografieren dürfen. Ich mache zwischen dem Auge und der Speicherung des Auges durch Kamera und Bilder keinen Unterschied.

    Gegenwehr aus der Netzgemeinde

    Auch wenn Oettinger das anfängliche Durchwinken des Änderungsantrags zur Panoramafreiheit nachträglich als „Missverständnis im Fachausschuss“ abtun sollte, war die Netzgemeinde alarmiert: Vor allem innerhalb der Wikimedia-Gemeinde war die Aufregung groß und die Sorge berechtigt: Cavada wollte zwar explizit die „gewerbliche“ Nutzung einschränken, dies hätte die freie, nicht-kommerzielle Enzyklopädie Wikipedia trotzdem betroffen: Dort dürfen nur uneingeschränkt auch kommerziell nutzbare Bilder eingestellt werden, damit jede*r darauf zurückgreifen und zu ihrer Verbreitung beitragen darf, auch Unternehmen. Der freie Bildschatz hat auch einen hohen monetären Wert, wie jüngere Schätzungen ergeben.

    Nach einer entsprechenden Umfrage in der Wikipedia-Community entschlossen sich die Mitglieder dazu, einen Offenen Brief gegen die Einschränkung der Panoramafreiheit zu initiieren, den über 4.200 Wikipedia-Autor*innen unterzeichneten. Eine begleitende Petition erhielt über 550.000 Unterschriften. Der großen Öffentlichkeitswirkung dieser Aktionen ist es sicher auch zu verdanken, dass das EP schließlich gegen eine Einschränkung der Panoramafreiheit gestimmt hat.

    Interessant wird es im kommenden Jahr, wenn die EU-Kommission weiter am EU-Urheberrecht herumdoktern wird. Wir sind gespannt – und die Wikimedia Foundation hat vorsorglich ein eigenes Public-Policy-Portal geschaffen, das die Urheberrechtsreform als eigenes Themenfeld ausweist.

    Welche Regelungen gelten nun?

    Nachdem die Panoramafreiheit im EP-Beschluss des Reda-Berichts kein Thema mehr war, gelten weiterhin die nationalen Regelungen. Denn nach der InfoSoc-Richtlinie, um die sich der Reda-Bericht dreht, steht es den EU-Staaten frei, eine entsprechende Regelung zu treffen. In den meisten EU-Staaten ist die Panoramafreiheit so auch gesetzlich verankert (siehe die untenstehende Karte), etwa in Deutschland (§ 59 des Urheberrechtsgesetzes) oder Großbritannien. In Frankreich hingegen gibt es keine vergleichbare Regelung.

    Übrigens: Was die Wikimedia selbst beim Kampf um die Panoramafreiheit gelernt hat, hat Dimitar Dimitrov auf unserer „Das ist netzpolitik“-Konferenz erzählt.

    21. Dezember 2015
  • : Autorenschwund in der Wikipedia: Algorithmen als Ursache und Lösung?
    Das Objective Revision Evaluation Service (ORES) hat sogar ein eigenes <a href="https://meta.wikimedia.org/wiki/File:Objective_Revision_Evaluation_Service_logo.svg">Logo</a>
    Autorenschwund in der Wikipedia: Algorithmen als Ursache und Lösung?

    Mit Hilfe eines neuen Tools zur Evaluation von Editierungen in der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia möchte die Wikimedia Foundation, die gemeinnützigen Organisation hinter der Wikipedia, den seit mittlerweile fast zehn Jahre dauernden Rückgang an aktiven WikipedianerInnen stoppen. Am Wikimedia-Blog ist gar von „künstlicher Intelligenz“ und „Röntgenbrillen“ die Rede, die helfen sollen schlechte Änderungen (z.B. Vandalismus) besser von solchen Änderungen zu unterscheiden, die zwar vielleicht gut gemeint („good faith“), aber nicht nicht gut genug nach den Standards der Wikipedia sind. Auf diese Weise sollen Neulinge nicht mehr durch sofortiges und kommentarloses Rückgängigmachen ihrer Änderungen („revertieren“) verprellt sondern stattdessen bei ihren ersten Gehversuchen in der Wikipedia unterstützt werden.

    Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung des etwas sperrig als „Objective Revision Evaluation System“ (ORES) bezeichneten Werkzeugs ist Aaron Halfaker. Bevor Halfaker als Senior Researcher zur Wikimedia Foundation gewechselt ist, forschte er an der University of Minnesota zum Autorenschwund in der Wikipedia. Gemeinsam mit seinen Co-Autoren war er einer der ersten, der Algorithmen – „Bots“ – für den Rückgang an menschlichen WikipedianerInnen mitverantwortlich machte.

    In dem Beitrag „The Rise and Decline of an Open Collaboration System: How Wikipedia’s Reaction to Popularity Is Causing Its Decline“ (Open Access Pre-Print PDF) belegen Halfaker und Kollegen, dass eine steigende Zahl automatisierter Revertierungen die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Neulinge auch längerfristig in der Wikipedia mitarbeiten. Gleichzeitig ermöglichen es aber ebendiese Bots bei bis heute ständig wachsender Zahl an Artikeln Probleme mit Vandalismus, Werbung und Verfälschungen in Grenzen zu halten.

    Mit ORES soll jetzt also ein Algorithmus helfen ein Problem zu lösen, für das andere Algorithmen zumindest mitverantwortlich sind. Konkret sollen sich Bots in Hinkunft in ihrem Verhalten nach der Analyse von ORES richten und dementsprechend „sensibler“ auf gut gemeinte Änderungen reagieren. Ganz allgemein zeigen Halfaker und Taraborelli, Leiter der Wikimedia Forschungsabteilung, mit der ORES-Initiative ein gestiegenes Bewusstsein für die (auch: politische) Brisanz der algorithmischen Implementierung sozialer Regeln und Normen („algorithmic governance“, vgl. Müller-Birn et al. 2012). Im Blogeintrag zur Vorstellung von ORES führen sie dessen Entwicklung demnach auf „feministische Inspiration“ zurück und mahnen zur Vorsicht bei algorithmischer Problemlösung (meine Übersetzung):

    Auch wenn künstliche Intelligenz wahrscheinlich von entscheidender Bedeutung für die Lösung von Problemen in der Größenordnung der Wikipedia ist, kann die Abbildung subjektiver Einschätzungen in Algorithmen auch Menschen unterjochen und inhärente Voreingenommenheiten verschleiern.

    Aber selbst wenn es mit ORES gelingen sollte, zumindest die gröbsten Ecken und Kanten der bestehenden Bots etwas abzuschleifen, für andere Probleme wie zum Beispiel fehlende Diversität sind algorithmische Lösungen nicht in Sicht. Ähnliches gilt für das angespannte Verhältnis zwischen der (ehrenamtlichen) Wikipedia Community und den Hauptamtlichen in der Wikimedia Foundation. Auch hier werden bessere Algorithmen nicht wirklich weiterhelfen.

    18. Dezember 2015 28
  • : Rechtlich unklar, politisch falsch: Zur Mannheimer Abmahnung der Nutzung gemeinfreier Bilder
    Rechtlich unklar, politisch falsch: Zur Mannheimer Abmahnung der Nutzung gemeinfreier Bilder

    Können in der Wikipedia als gemeinfrei markierte Bilder gefahrlos am eigenen Blog verwendet werden? Auch um diese Frage geht es in der laufenden Auseinandersetzung zwischen den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen und der Wikimedia Foundation sowie verschiedenen Nachnutzern. Zu letzteren zählten neben dem kommerziellen Internet-Radio detektor.fm auch die gemeinnützige Mitmach-Webseite für Kinder und Jugendliche „Musical & Co“.

    Die Webseite von Musical & Co ist seit der Abmahnung durch die Stadt Mannheim offline und wird trotz Vergleich auf eine Zahlung von € 400,– bis auf weiteres nicht wieder online gehen. Stattdessen findet sich unter musical-co.net nur eine Schilderung des Sachverhalts sowie eine Begründung für die Abschaltung der Seite:

    Warum Musical&Co abgeschaltet bleibt: Wir haben Angst. Wir sind extrem verunsichert.
    Solange nicht geklärt ist, dass Fotografien von gemeinfreien Gemälden auch gemeinfrei sind, kann uns und allen anderen Internetseiten Betreibern jederzeit eine Abmahnung ins Haus flattern. Jedes strittige Bild kann um die 1000 Euro teuer werden. Das macht uns Angst.
    Unsere Mitmach-Webseite für Kinder und Jugendliche war kostenlos und werbefrei. Wir haben sie 2010 mit einer Förderung von EIN NETZ FÜR KINDER aufbauen können. Seit 2013 haben wir alles selber finanziert und keine Einnahmen gehabt. Kinder und Jugendliche konnten als junge Reporter Musiktheaterveranstaltungen besuchen und darüber berichten. Junge, neue Musicals konnten sich vorstellen. Erwachsene Experten schieben Wissenswertes und Interessantes für ein junges, musikinteressiertes Publikum. Wir haben das alles gerne ohne Honorar unterstützt und auch die Fixkosten getragen. Was wir nicht tragen können ist das Risiko, dass jeder Fehler – oder auch nur vermeintliche Fehler – in die Hunderte bzw. Tausende geht.

    Lehren aus der Abmahnung von Musical&Co

    Das Beispiel Musical&Co ist in mehrfacher Hinsicht instruktiv. Erstens macht es deutlich, wie verfehlt der Einsatz von Abmahnungs- und Klagsinstrumenten in einem urheberrechtlich strittigen Fall durch eine öffentliche Körperschaft war und ist. Das Ausmaß der Abmahnwelle ist noch immer nicht völlig klar und betroffen sind keineswegs nur kommerzielle Nutzer, wie der Fall Musical&Co belegt. Das Ende des Verfahrens im Vergleichswege dokumentiert dabei, dass auch in derartigen Fällen und entgegen öffentlicher Ankündigungen die Abmahnung keineswegs zurückgenommen wurde.

    Zweitens zeigt Musical&Co, dass es eben durchaus Bedarf nach und Nutzung von digitalisierten, gemeinfreien Werken gibt. Denn gerade für gemeinnützige Projekte ist Rechteklärung auf Grund knapper Ressourcen keine Option, kommen entweder gemeinfreie bzw. offen lizenzierte Werke zum Einsatz oder eben gar keine Werke. Selbst wenn also durch rigide Durchsetzung vermeintlicher Lichtbildrechte an digitalisiert-gemeinfreien Werken Einkünfte erzielt werden könnten, aus Perspektive eines öffentlichen Trägers gälte es diese gegen den (wohl ungleich größeren) Verlust an Nutzungsmöglichkeiten für gemeinnützige und private Zwecke abzuwägen.

    Drittens, und das ist besonders absurd, gibt es im konkreten Fall jenseits der Anwälte überhaupt nur Verlierer. Denn nicht nur für Musical&Co war das Verfahren kostspielig, die erzielte Vergleichssumme reicht nicht einmal zur Deckung der Anwaltskosten auf Seiten der Stadt Mannheim. Die Klage war also für beide Streitparteien ein Verlustgeschäft.

    Amtsgericht Nürnberg entscheidet gegen Stadt Mannheim

    Wenn schon prinzipielle Überlegungen die Reiss-Engelhorn-Museen bzw. die Stadt Mannheim nicht von ihrem Abmahnkurs abbringen, dann aber vielleicht doch die Gerichte. Die Kanzlei Hoesmann berichtete vergangene Woche von einer Entscheidung des Amtsgerichts Nürnberg (Az.:32 C 4607/15), die eine Urheberrechtsverletzung durch die Nutzung der Werke klar verneinte. Aus den Entscheidungsgründen des Urteils:

    Obwohl es sich bei dem abfotografierten Gemälde um ein gemeinfreies Werk handelt, ist es dabei letztlich dem betrachtenden Publikum nicht möglich, trotz der Wertungen der Gemeinfreiheit das genannte Gemälde im Wege von Fotografien zu nutzen bzw. zu eigenen Zwecken unentgeltlich wieder zugeben. Im Endeffekt werden damit die Wertungen der Gemeinfreiheit nach Ablauf der Schutzfrist von 70 Jahren umgangen.

    screenshot-kategorie-REM-bilder-rechtsstreitAuch wenn es keine offizielle Auskunft über die Anzahl der im Auftrag der Reiss-Engelhorn-Museen abgemahnten Nachnutzer der Bilder gibt, dokumentiert die Vielzahl und Wahllosigkeit der mittlerweile bekannten Fälle den Massencharakter der Abmahnung. In Wikimedia Commons gibt es bereits eine eigene Kategorie für jene Bilder, die Gegenstand der rechtlichen Auseinandersetzung mit den Reiss-Engelhorn-Museen sind und für deren Nutzung außerhalb von Wikimedia Commons eine Abmahnung droht.

    Stellungnahme der Reiss-Engelhorn-Museen

    Immer länger wird inzwischen auch die offizielle Presseerklärung der Reiss-Engelhorn-Museen (PDF). Neben einer allgemeinen Erläuterung und Rechtfertigung für die Vorgehensweise finden sich darin mittlerweile auch eine FAQ sowie eine „Stellungnahme zur Medienresonanz“, die penibel Kritikpunkte auflistet und zu entkräften sucht. Ein Versuch, der letztlich scheitert:

    • Kunst als öffentliches Gut:

      „Es geht hier aber nicht darum, dass wir Kulturgüter der Allgemeinheit vorenthalten wollen. Es geht hier allein darum, dass wir bei der Frage, wer die von uns mit öffentlichen Geldern erstellten Arbeitsergebnisse auf welche Weise nutzt, für uns ein Mitspracherecht beanspruchen.“

      Tatsächlich führt die Kombination aus Fotografieverbot im Museum und Nutzungseinschränkung – nicht mehr und nicht wenig ist ein „Mitspracherecht“ – aber genau dazu: gemeinfreie Werke werden der Allgemeinheit vorenthalten.

    • Steuergelder:

      „Gerade weil das Fertigen der Fotografie mit Steuergeldern finanziert wurde und die Kulturetats immer knapper werden, verlangen wir für gewerbliche oder kommerzielle Nutzungen moderate Gebühren.“

      Abgesehen davon, dass mit Musical&Co sowie dem gemeinnützigen Wikimedia e.V. keine profitorientierten Nutzer von Abmahnungen betroffen waren, bleibt die Frage, ob die Einnahmen durch kommerzielle Nutzung die dafür erforderliche Einschränkung der Nutzbarkeit rechtfertigen können. In Wirklichkeit ist es so, dass es erst durch die Sichtbarkeit der Werke in Wikipedia überhaupt zu vielfältiger, kommerzieller wie nicht-kommerzieller Nutzung kommt und dadurch gesellschaftlicher Mehrwert entsteht.

    • Geldmacherei/Abzockerei

      Wir verdienen mit den Abmahnungen kein Geld.

      Dieser Punkt ist der Treppenwitz der Geschichte und belegt noch einmal von Seiten der Reiss-Engelhorn-Museen selbst, dass die Vorgehensweise nur Verlierer produziert.

    • Wikipedia sei gemeinnützig

      Es geht uns nicht darum, Wikipedia Schaden zuzufügen, oder darum, dass wir mit deren Projekt grundsätzlich nicht einverstanden wären.

      Es mag sein, dass eine Schädigung von Wikipedia nicht intendiert war, sie ist aber das Ergebnis. Die Vorgehensweise untergräbt das Vertrauen in die Nachnutzung von in der Wikipedia als gemeinfrei gelisteten Werken ganz grundsätzlich. Und das, obwohl Wikipedia sehr rigide in der Einhaltung urheberrechtlicher Regelungen ist.

    • Wert der Fotografie

      Gerade der Aufwand, ein zweidimensionales Gemälde zu fotografieren, ist nicht zu unterschätzen.

      Dieser Punkt ist richtig. Professionelle Digitalisierung gemeinfreier Werke ist im öffentlichen Interesse, aber nicht zum Nulltarif zu haben. Was für ein Glück, dass es öffentlich finanzierte Einrichtungen wie Museen, Bibliotheken und Archive gibt, die sich darum kümmern und das Ergebnis dann zum Nutzen aller im Internet bereit stellen.

    Fazit

    Völlig unabhängig von der noch durch die Gerichte zu klärenden urheberrechtlichen Frage, ob die Abmahnungen der Reiss-Engelhorn-Museen rechtmäßig waren, lässt sich die Frage nach der politischen Legitimität der Vorgehensweise klar und eindeutig beantworten: die Vorgehensweise ist falsch und als solche auch im Widerspruch zu diesbezüglichen politischen Willensbekundungen. Im vom EU-Parlament im Sommer diesen Jahres mit großer Mehrheit verabschiedeten Bericht zum EU-Urheberrecht findet sich unter Punkt 31 folgende Passage:

    [Das Europäische Parlament] fordert die Kommission auf, gemeinfreie Werke wirksam zu schützen, die definitionsgemäß nicht dem Urheberrechtschutz unterliegen; fordert deshalb die Kommission nachdrücklich auf, klarzustellen, dass ein Werk, das einmal gemeinfrei war, auch nach einer etwaigen Digitalisierung des Werkes, durch die kein neues, umgewandeltes Werk entsteht, gemeinfrei bleibt;

    Selbst wenn die Reiss-Engelhorn-Museen diese Ansicht nicht teilen, so bleibt dennoch die Frage, warum mit dem Auspacken der Abmahnkeule nicht zumindest auf die Klärung der rechtlichen Grundsatzfrage gewartet wurde.

    1. Dezember 2015 17
  • : Stadt Mannheim klagt gegen Wikimedia wegen Fotos von gemeinfreien Bildern
    Stadt Mannheim klagt gegen Wikimedia wegen Fotos von gemeinfreien Bildern

    Die Stadt Mannheim klagt wegen 17 Bildern in der Wikipedia (Wikimedia Commons) gegen die Wikimedia Foundation und Wikimedia Deutschland. Es geht dabei um Fotos von Bildern aus dem Reiss-Engelhorn Museen in Mannheim, deren Maler seit über 70 Jahren tot sind und weswegen die Bilder gemeinfrei sind. Eigentlich. Aber in diesem Fall versucht die Stadt Mannheim Urheberrechtsansprüche eines Lichtbildschutzes durchzusetzen: Stadt Mannheim verklagt Wikimedia Foundation und Wikimedia Deutschland ‒ Gemeinfrei aber nicht gemeinsam?

    Die Voraussetzungen, unter denen beim Fotografieren gemeinfreier Werke neue Urheberrechte an der Fotografie entstehen können, sind umstritten. Die Stadt Mannheim behauptet, dass es sich bei den besagten Fotos der gemeinfreien Gemälde so verhalte, weil das Museum dafür eigens einen Fotografen bezahlt hat, der Zeit und Aufwand in die Aufnahmen investieren musste. Daraus folgert sie, dass Abbildungen dieser Arbeit nicht frei über Wikimedia Commons geteilt werden sollten.

    Wir, Wikimedia Deutschland und Wikimedia Foundation, halten die Position der Stadt und des Museums für falsch. Der Schutz von Urheberrechten sollte nicht zweckentfremdet werden, um damit die Verbreitung von Kunst wie jener, die die Reiss-Engelhorn Museen beherbergen, zu kontrollieren und einzuschränken. Es war und ist die Intention von Urheberrechten, einen Schutz für die Mühen kreativer Arbeit zu bieten. Deshalb gilt in Deutschland bereits eine Schutzfrist, die eine ganze Lebensspanne umfasst. Das aber ist nur eine von zwei Seiten, die untrennbar zur Intention von Schutzfristen gehören. Die zweite ist das Interesse am Gemeinwohl: Schutzfristen sind allein dadurch legitimiert, dass sie enden. Nach Ablauf der Frist sollen Werke neu verwendet und in die kulturelle Teilhabe aller zurückgeführt werden können. Auch das gehört zur Absicht des Urheberrechts. Was nicht dazu gehört, ist eine Fristverlängerung durch die Hintertür. Insbesondere dann nicht, wenn es sich wie bei den Fotos im Auftrag des Museums um originalgetreue 1:1‑Abbildungen der Gemälde handelt. Eine handwerklich zeitintensive und aufwändige Arbeit bedingt noch lange keine Kreativität und urheberrechtliche Schöpfungshöhe. Es kann auch eine zeitintensive und aufwändige Arbeit sein, ein Modellauto aus einem Bausatz zu basteln. Und trotzdem entstehen bei dieser Art der originalgetreuen Reproduktion keine neuen Urheberrechte.

    Wir wünschen Wikimedia viel Erfolg. Die Klage ist so absurd, damit darf die Stadt Mannheim nicht durchkommen. Leonhard Dobusch hat das bei uns besser zusammengefasst.

    24. November 2015 5
  • : Wikimedia und Mannheimer Museum führen Musterprozess um Digitalisierung gemeinfreier Bilder
    Wikimedia und Mannheimer Museum führen Musterprozess um Digitalisierung gemeinfreier Bilder

    Kann man durch das bloße Digitalisieren, also Einscannen oder Abfotografieren, eines gemeinfreien Werkes (Urheber-)rechte an dem digitalen Werk begründen? Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen sind der Meinung, dass die mit der Digitalisierung verbundenen Aufwände einen urheberrechtlichen Schutz rechtfertigen und wenden sich damit gegen die Verwendung von Digitalisaten gemeinfreier Werke in der Wikipedia. Wikimedia, die Organisation hinter der Wikipedia, ist gegenteiliger Auffassung.

    Im Rahmen eines Musterprozesses soll diese, für zahlreiche Digitalisierungsprojekte grundlegende, Frage jetzt rechtlich geklärt werden. David Pachali in seinem Bericht über den Prozess bei iRights.info:

    Aus der Perspektive der Reiss-Engelhorn-Museen geht es darum, „über die Frage des Ob und vor allem des Wie der öffentlichen Zugänglichmachung unserer Bestände“ mitzuentscheiden, wie es in einer Erklärung der Museums (PDF) heißt. Besonders, wenn die Inhalte kommerziell verwendet würden, sei ein Entgelt berechtigt und diene dazu, die Kosten ihrer Digitalisierung zu decken. […] Aus der Perspektive vieler Mitwirkenden der Wikipedia-Community wiederum wird Kulturgut der Allgemeinheit entzogen, wenn die Gemeinfreiheit durch Rechte an den Reproduktionen gleichsam ausgehebelt werde und die Einrichtungen zugleich über den Zutritt zu ihren Beständen wachten. Die Wikipedia-Mitwirkenden dokumentieren Kulturschätze häufig auch mit selbst erstellten Fotos. Bei den Reiss-Engelhorn-Museen blieb auch dieser Weg bislang verschlossen. Die Wikipedia-Lizenz erlaubt auch die kommerzielle Nutzung, wofür sich die Einrichtung eine Genehmigung vorbehält.

    Rechtlich berufen sich die Reiss-Engelhorn-Museen auf den Lichtbild-Schutz des § 72 UrhG. Ob dieser aber auch auf bloße Reproduktion gemeinfreier Werke anwendbar ist bzw. in Zeiten immer einfacherer und kostengünstigerer Fotografie anwendbar sein sollte, ist jetzt Gegenstand des Rechtsstreits.

    16. September 2015 14
  • : Wikimedia Foundation präsentiert Public Policy Portal
    Wikimedia Foundation präsentiert Public Policy Portal

    screenshot-wikimedia-public-policyDie Wikimedia Foundation, die gemeinnützige Organisation hinter Wikipedia und ihren Schwesterprojekten, hat seit kurzem ein eigenes Portal für Public Policy, also für politische Anliegen. In der Vergangenheit hatten sich die US-Foundation genauso wie lokale Wikimedia Chapter immer wieder auch zu politischen Fragen rund um freies Wissen und Internet zu Wort gemeldet – sei es in Form eines Wikipedia-Blackouts als Protest gegen die US-Gesetzesinitiativen SOPA/PIPA oder mittels offenem Brief und Petition wie jüngst im Streit um Panoramafreiheit im EU-Urheberrecht. In Brüssel verfügt Wikimedia seit mittlerweile zwei Jahren mit Dimitar Dimitrov sogar über eine Art „ständige Vertretung“.

    Gerade die genannten, erfolgreichen Proteste haben gezeigt, dass die Stimme von Wikimedia mit den vielen Wikipedianern im Rücken durchaus Gehör zu finden vermag. Gleichzeitig waren beides aber auch Beispiele für eher reaktive Ad-hoc-Proteste. Mit dem Public Policy Portal möchte Wikimedia jetzt offensichtlich verstärkt selbst politisch aktiv werden. Zum Start fokussiert Wikimedia fünf Themenfelder:

    • Zugang zu Wissen, der möglichst frei und umfassend sein soll.
    • Zensur im Netz, vor allem was staatliche Einschränkungen und Zensurmaßnahmen betrifft.
    • Urheberrecht, das reformiert werden soll um neue digitale Remixkultur zu ermöglichen.
    • Providerhaftung, die weiterhin beschränkt bleiben soll, sodass Betreiber von Plattformen für nutzergenerierte Inhalte (wie die Wikimedia) nicht jeden einzelnen Beitrag individuell und vorab auf Rechtmäßigkeit hin prüfen müssen.
    • Recht auf Privatsphäre, vor allem auch gegenüber staatlichen Überwachungsmaßnahmen.

    Interessanterweise ist das Public Policy Portal kein Wiki sondern basiert auf WordPress; es gibt aber eine Wiki-Version des Portals, wo die Texte von der Community überarbeitet werden können.

    Aus netzpolitischer Sicht kann es jedenfalls nur von Vorteil sein, wenn der schlafende Riese Wikimedia sich stärker und proaktiver in politische Prozesse einbringt – gerade auch weil Wikimedia zum allergrößten Teil spendenfinanziert und damit unabhängig ist.

    3. September 2015 2
  • : Russland droht Wikipedia mit Sperre
    Stein des Anstoßes: Ein Artikel über das Cannabis-Produkt Charas. Via Wikimedia/<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tosh_Valley_charas.jpg">Atonedstonedsparrow</a>
    Russland droht Wikipedia mit Sperre

    Wegen eines Artikels über „illegale Drogen“ sollen russische Provider damit beginnen, ihren Nutzern den Zugang zu Wikipedia zu sperren. Eine entsprechende Aufforderung hat die Aufsichtsbehörde Roskomnadsor heute an alle Netzbetreiber verschickt. Aus der knapp gehaltenen Ankündigung auf der Webseite der Behörde lässt sich mit etwas wackliger Hilfe von Google Translate herauslesen, dass sich die Sperre allein auf die russischsprachige Version der Wikipedia bezieht; andere Wikipedia-Angebote sollten davon also unberührt bleiben.

    Dennoch bleibt das Ausmaß der Sperrung unklar. Laut einem Posting auf der Wikimedia-Mailingliste sei die ursprüngliche Absicht gewesen, bloß den Zugang zu einem Artikel über die Haschisch-Variante Charas zu blockieren, was aber technisch nicht realisierbar ist. Mehr Informationen sollten aus dem offiziellen Schreiben hervorgehen, das zur Zeit leider nur auf Russisch vorliegt und wir mangels Russischkenntnissen nicht lesen können. Über Hinweise freuen wir uns in den Kommentaren.

    Es ist nicht das erste Mal, dass Russland bestimmte Internetangebote sperrt, seit 2012 ein Gesetz zur Internet-Zensur in Kraft getreten ist. Erst vor wenigen Tagen wurde der Plattform Reddit angedroht, wegen eines einzelnen Threads, in dem es um Tipps zum Cannabis-Anbau ging, den Zugang zur gesamten Webseite abzudrehen. Auch Informationen zum Umgang mit Methamphetamin, Amphetamin, LSD und anderen Drogen würden die russischen Behörden am liebsten in der Versenkung verschwinden lassen.

    24. August 2015 70
  • : Gefangen im Netz von Mark Zuckerberg
    Vermeintlich kostenfreie Zugangsangebote wie Facebooks Internet.org bezahlen die Nutzer mit ihrer Informations- und Wahlfreiheit. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/andrewfeinberg/2321359871/">Andrew Feinberg</a>
    Gefangen im Netz von Mark Zuckerberg

    Große Internetunternehmen wie Facebook oder Google spinnen kontinuierlich ihr Netz, mit dem sie sich in immer mehr Bereiche unseres Lebens vortasten – Nachrichten, Bilder, soziale Netzwerke, mobile Anwendungen. Mehr und mehr nehmen sie auf diese Weise auch Einfluss auf die Informationen, die wir zu Gesicht bekommen, sie begrenzen unsere Wahlfreiheit und manipulieren fernab von demokratischer Kontrolle. Dem gilt es entgegenzutreten.

    Dieser Gastbeitrag von Cathleen Berger und Lea Gimpel entstand im Rahmen eines Projekts der Stiftung Neue Verantwortung.

    Wir verstehen das Internet als ein Medium der freien Wahl. Im Mittelpunkt stehen nicht bestimmte Marken oder Unternehmen, sondern vor allem die Verbindung. Wichtig ist, dass man kommunizieren und sich informieren kann. Der freie Zugang zu allem und jedem ist dann eine Selbstverständlichkeit. Doch was passiert, wenn wir nicht mehr in diesem vielfältigen Internet surfen, sondern alle Inhalte durch Facebook und Wikipedia vorgegeben werden? Denn wie eine Studie kürzlich zeigte, behaupten in Indonesien bereits 11% der Befragten, nicht im Internet gewesen zu sein – aber Zeit auf Facebook verbracht zu haben. Dieser Trend könnte sich schon bald auch in Europa fortsetzen.

    Bei Facebook wird man sich angesichts dieser Umfrageergebnisse vor Freude die Hände gerieben haben. Mit den beiden Angeboten Facebook Zero und Internet.org drängt Mark Zuckerbergs Imperium in neue Märkte. In Entwicklungs- und Schwellenländer strebt sein Unternehmen nach Marktanteilen und neuen Kundengruppen, hierfür bietet das soziale Netzwerk, wie auch Google und Wikipedia, sogenannte „Zero Rating“-Produkte an. In Europa steht die Sicherung einer bereits bestehenden Dominanz im Vordergrund – die Produkte sind letztlich aber die gleichen.

    Zero-Rating-Produkte erlauben es ihren Kunden auf den ersten Blick, das „Internet“ kostenfrei zu nutzen. Jedoch kann nur auf den Seiten des Anbieters gesurft werden, der Zugriff auf andere Inhalte ist beschränkt – wer sich noch an das Surfen im Internet mit AOL in den 90ern und Anfang der 2000er Jahre erinnert, weiß, was gemeint ist. Bei Google Freezone kann man beispielsweise auf Gmail, Maps und die Suche zugreifen – aber nur einen Klick „hinein“. Will man tiefer recherchieren oder folgt einem Link zu Inhalten außerhalb der Plattform, fallen die normalen Gebühren für Datennutzung an. Geld, das viele Menschen in Entwicklungsländern nicht haben, in Europa dürfte die Bequemlichkeit und der Trend zur generellen Nutzung von Apps im Vordergrund stehen.

    Das Gratis-Internet von Facebook & Co. hat seinen Preis

    Doch die vermeintlich kostenfreien Zugangsangebote sind weder umsonst noch gewähren sie Zugang zu dem Internet, wie wir es kennen – frei und vielfältig. Die Nutzer bezahlen mit ihrer Informations- und Wahlfreiheit: Begleitend zu ihren Zero-Rating-Angeboten kooperieren Unternehmen wie Facebook und Google auch mit Geräte- und Betriebssystemherstellern, sodass ihre Dienste auf den Geräten bereits vorinstalliert sind. Ein fairer Wettbewerb unterschiedlicher Anbieter und ein freier Zugang zu Wissen und Diensten, der es auch erlaubt, Inhalte in anderen Foren zu überprüfen oder schlicht weitere Meinungen einzuholen, sind auf dieser Basis nicht gegeben. Ohne Wettbewerb, ohne eine funktionierende digitale Wirtschaft kann sich auch keine Wissensgesellschaft entwickeln – eine Entwicklung, die in Zeiten der digitalen Transformation Grundlage für den sozialen und ökonomischen Erfolg eines Landes ist. Erschwerend kommt die Datensammelwut der Anbieter hinzu: Wie eine fette Spinne in ihrem Netz breiten sich Facebook und Google immer mehr im Internet aus und saugen Daten ab: Like-Buttons auf jeder Webseite, die direkte Integration von Nachrichten und Zeitungsartikeln (Instant Articles), Kurznachrichten über WhatsApp und sogar Gesichtserkennung über „Moments“ – dieses Netz ist sicherlich noch nicht fertig gewoben.

    Doch zurück zum „Gratis-Internet“: Natürlich ist es eine Chance, dort Zugänge zur digitalen Welt zu schaffen, wo es sonst keine gibt oder generell die Kosten zu senken. Doch ergeben sich weitere Probleme: Facebook gibt mit seinen AGB vor, welche Inhalte angemessen sind und welche entfernt werden. Jillian York von der Electronic Frontier Foundation illustriert dies beispielhaft mit Facebooks Forderung nach Klarnamen, die LGBT-Aktivisten und ‑Performer massiv benachteiligt. Das Netzwerk zwingt dadurch den Nutzern seine Sichtweise der Dinge auf; lokale und regionale Werte werden konterkariert, Unterschiede nivelliert. Durch die Regulierung von Sexualität oder Gewaltdarstellungen entsteht ein kultureller Bias. Gleiches betrifft Meinungsfreiheit oder Innovationen, die auf der Plattform entwickelt werden – alles ist solange akzeptabel, wie es den Vorgaben von Facebook entspricht. Lokale Innovationskraft wird dadurch gehemmt, und kleine und mittelständische lokale Unternehmen müssen sich den Facebook-AGB beugen, wenn sie Kunden erreichen wollen. Mit diesen Angeboten entstehen abgeschlossene Insellösungen, die zu sozialer und wirtschaftlicher Abhängigkeit führen – denn ihre Nutzer sind auf den Plattformen eingeschlossen. Jeder, der sich darüber hinaus online bewegen will, wird durch eine „Bezahlschranke“ davon abgehalten oder mit Mehrkosten bestraft. Wikipedia sollte man in diesem Zusammenhang sicherlich noch einmal gesondert betrachten. Doch auch hier gilt: Pluralität wird von Beginn an unmöglich gemacht.

    Die Problematik dieser Angebote bleibt nicht unbemerkt: Im Zuge der Debatte zu Netzneutralität – das heißt dem diskriminierungsfreien Zugang zum Internet und dem gleichberechtigten Transport aller Inhalte – haben sich durch das Engagement von Internetaktivisten bereits mehr als eine Million Inder bei der indischen Telekommunikationsbehörde gegen Zero-Rating-Produkte ausgesprochen. Erste Partner des in Indien gerade erst im Februar gestarteten Facebook-Angebots Internet.org ziehen daraus nun Konsequenzen und verlassen Zuckerbergs Initiative. Chile ging 2014 einen Schritt weiter: Basierend auf dem 2010 verabschiedeten Gesetz zum Schutz der Netzneutralität verbot die Regierung kurzerhand alle Zero-Rating-Angebote. In Europa hingegen diskutiert man auf Druck von Telekommunikationsunternehmen nunmehr die Einführung bzw. Genehmigung solcher Angebote.

    Es geht um nicht weniger als unsere Freiheit und Demokratie

    Wenn das freie Internet nicht durch Datenspinnen wie Facebook ersetzt werden soll, sind Regierungen weltweit in der Pflicht, Unternehmen immer wieder an ihre Verantwortung zu erinnern und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn notwendig. Denn nicht der Zugang zum Internet an sich sollte das Ziel aller Bemühungen um Anschluss und Konnektivität sein, sondern ein breiter, offener, gleichberechtigter Zugang zu einem diversen Angebot, das es dem Nutzer überlässt, welche Inhalte er ansteuert. Die Kontrolle von Inhalten darf nicht bei Unternehmen liegen.

    Noch ist dieses Netz nicht allumfassend: Es muss im Sinne der Netzneutralität, das heißt der Gleichbehandlung aller Daten, die ökonomische Diskriminierung von Inhalten mittels Regulierung untersagt werden – mit anderen Worten: Zero-Rating-Angebote dürfen nicht die Wettbewerbsfähigkeit unterlaufen. Dies kann gleichzeitig bedeuten, dass wirtschaftliche Anreize für Anbieter von lokalen Inhalten geschaffen werden müssen, die zu einer Verbreiterung des Marktes und damit einem fairen Wettbewerb beitragen. Kreativere Modelle könnten vorsehen, dass Länder Internet Service Provider verpflichten, eine kleine Datenmenge pro Kunde kostenlos zur Verfügung zu stellen. Damit kann der Nutzer machen, was er möchte. Letztlich bedarf es eines besseren Schutzes der Konsumenten von staatlicher Seite, um Menschenrechte und die Freiheit im Internet weltweit zu schützen.

    Der ehemalige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Meinungs- und Pressefreiheit, Frank La Rue, bringt dies klar auf den Punkt: Die Einschränkung oder Sperrung des Internetzugangs verstößt gegen das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit (Artikel 19 des VN-Zivilpaktes); das Internet ist in Zeiten der Informations- und Wissensgesellschaft ein grundlegendes Menschenrecht. Mark Zuckerberg, CEO von Facebook, sieht das ähnlich: Zum Start von internet.org bezeichnete er in einem Blogbeitrag (pdf, Facebook-Login-Only-Link) Vernetzung als Menschenrecht. Allein die Auslegung davon ist sehr unterschiedlich. 

    5. August 2015 46
  • : Deutschsprachige Wikipedianer mobilisieren für Panoramafreiheit im EU-Urheberrecht
    Eiffelturm bei Tag (<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:845-Paris.jpg">Foto</a>: Patrick Verdier)
    Deutschsprachige Wikipedianer mobilisieren für Panoramafreiheit im EU-Urheberrecht

    Die Kompromissfassung des mit großer Mehrheit im Rechtsausschuss des EU-Parlaments angenommenen Berichts zum EU-Urheberrecht weist in vielen Punkten in die richtige Richtung und würde, sofern der Gesetzgebungsprozess diesen Leitlinien folgt, fast durchgehend zur Versöhnung von Urheberrecht und Internet beitragen. Der einzige Punkt, in dem der Bericht derzeit eine deutliche Verschlechterung des status quo bedeuten würde, ist jener der Panoramafreiheit.

    In der im Rechtsausschuss beschlossenen Fassung heißt es dazu:

    the commercial use of photographs, video footage or other images of works which are permanently located in physical public places should always be subject to prior authorisation from the authors or any proxy acting for them

    Heute ist es in vielen Ländern der EU, darunter auch Deutschland, geltendes Recht, dass Fotos von urheberrechtlich geschützten Werken im öffentlichen Raum wie Gebäuden und Kunstwerken erstellt, verwendet und verbreitet werden dürfen ohne irgendwelche Rechte zu klären. Dies ist allerdings keineswegs selbstverständlich.

    Kein Eiffelturm in der Wikipedia?

    In Frankreich gibt es beispielsweise keine Panoramafreiheit, weshalb das Verbreiten von Fotos des bei Nacht beleuchteten Eiffelturms im Internet eine Urheberrechtsverletzung darstellen kann – zumindest, wenn sich die Veröffentlichung auch an eine französische Öffentlichkeit richtet. Denn die Betreibergesellschaft „SETE – illuminations Pierre Bideau“ beansprucht das Urheberrecht für nächtliche Aufnahmen, in denen der bestrahlte Eiffelturm als Hauptobjekt zu sehen ist.

    Auch in der Wikipedia finden sich demnach zwar eine ganze Reihe von Eiffelturmbildern, vom Eiffelturm bei Nacht jedoch nur sehr alte Fotos oder Detailaufnahmen. Sollte die Formulierung des Berichtentwurfs letztlich auch in europäisches Urheberrecht gegossen werden, könnte damit eine ähnlich restriktive Regelung von Panoramafreiheit auch im Rest Europas die Folge sein. Selbst wenn Panoramafreiheit für nicht-kommerzielle Zwecke wie private Urlaubsfotos unangetastet bleibt, wären die Konsequenzen weitreichend: das Teilen privater Bilder und Videos auf kommerziellen Plattformen wie Facebook und YouTube wäre damit schwer vereinbar und eben auch offene Projekte wie Wikipedia, deren Lizenz kommerzielle Nutzung erlaubt, blieben außen vor.

    Offener Brief an die Mitglieder des EU-Parlaments

    Kein Wunder, dass sich gerade unter Wikipedianern Widerstand gegen diese Verschärfungspläne regt. In der „Initiative für die Panoramafreiheit“ warnen deutschsprachige Wikipedianer, dass „[e]ine Gesetzesinitiative des Europäischen Parlaments zigtausende von Bildern auf Wikipedia in Gefahr [bringt]“ – technisch gesehen ist das das etwas voreilig, der Bericht ist noch keine Gesetzesinitiative, sondern nur eine quasi offizielle Stellungnahme des Parlaments; die Bedrohung ist aber durchaus real, weil zumindest bislang eine Mehrheit im Europaparlament hinter der problematischen Formulierung zu stehen scheint.

    In einem Entwurf für einen offenen Brief an die Mitglieder des Europäischen Parlaments heißt es dementsprechend:

    Sollte dieser Bericht in der vom Rechtsausschuss beschlossenen Fassung samt der darin vorgeschlagenen Abschaffung der in einigen Mitgliedstaaten geltenden Panoramafreiheit angenommen werden und damit in die geplante Urheberrechtsreform einfließen, wäre es uns nicht mehr möglich, Fotos aus dem öffentlichen Raum unter freien Lizenzen zu veröffentlichen. Wir, Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Wikipedia, ersuchen Sie daher, sich jeder Initiative zu widersetzen, die die Panoramafreiheit einschränkt. Wir bitten Sie vielmehr dringlich, sich dafür einzusetzen, dass Abbildungen von Werken, die sich dauerhaft im öffentlichen Raum befinden – zum Beispiel Gebäude oder Statuen –, auch für kommerzielle Zwecke in der gesamten Europäischen Union nicht der Zustimmung der Rechteinhaber bedürfen.

    Binnen weniger Stunden haben bereits über 700 Wikipedianerinnen und Wikipedianer den Brief unterzeichnet. Vielleicht hilft ja deren Protest, die problematische Formulierung im Rahmen der finalen Abstimmung des Berichts im Plenum des EU-Parlaments am 9. Juli 2015 noch zu kippen. Jedenfalls sind Wikipedianer keineswegs die einzigen Betroffenen, in einem Interview mit derstandard.at verweist Berichtsautorin Julia Reda auch noch auf „Dokumentarfilmer, Journalisten oder Fotografen, die künftig immer an Urheberrechte von Architekten und Bildhauern denken müssten.“

    24. Juni 2015 23
  • : Wikimedia, Human Rights Watch, Privacy International und andere verklagen die NSA
    Wikimedia, Human Rights Watch, Privacy International und andere verklagen die NSA

    Die Wikimedia gab gestern in der New York Times bekannt, dass sie zusammen mit Human Rights Watch, PEN, Amnesty International und anderen die NSA aufgrund der bekanntgewordenen Massenüberwachung verklagt. Die Klage richtet sich gegen die Einschränkung der Meinungs- und Redefreiheit:

    Upstream surveillance hinders the plaintiffs’ ability to ensure the basic confidentiality of their communications with crucial contacts abroad – among them journalists, colleagues, clients, victims of human rights abuses, and the tens of millions of people who read and edit Wikipedia pages.

    11. März 2015 1
  • : Wikipedia als Handbuch für Außerirdische?
    Wikipedia als Handbuch für Außerirdische?

    Eine der großen Fragen der Wissenschaft lautet seit langem: Gibt es andere intelligente Lebensformen im Universum? Seit über 10 Jahren kann sich jeder Mensch an der Suche nach außerirdischem Leben beteiligen, ohne dabei selbst den Himmel mit einem Teleskop absuchen zu müssen. Möglich gemacht wird das durch das Programm SETI@Home, welches freie Rechenkapazität des eigenen Computers nutzt um Radiosignale auf Nachrichten von Außerirdischen zu scannen.

    Nur auf Nachrichten zu lauschen geht dabei vielen aber nicht weit genug, die Forderung eigene Signale auszusenden steht schon lange im Raum. Immer wieder hängt sich die Debatte an den Inhalten solcher Funksprüche auf. Theresa Locker hat in einem Artikel für VICE Motherboard verschiedene Positionen gesammelt:

    Der Physiker Paul Farber plädiert beispielsweise für eine eher zurückhaltende, bescheidene Anfrage: „Bitte kontaktiert uns ganz vorsichtig“—also vielleicht eher nicht mit dem überraschend angekündigten Bau einer hypergalaktischen Umgehungsstraße durch Planet Erde, wie Douglas Adams sie sich ​ausgemalt hatte.

    Via Twitter kann man momentan auch eigene Vorschläge für interstellare Nachrichten unter dem Hashtag #msgtospace einbringen.

    18. Februar 2015 6
  • : Wieviel ist freies Wissen wert? Schätzung am Beispiel des Bildbestands der Wikipedia
    Wieviel ist freies Wissen wert? Schätzung am Beispiel des Bildbestands der Wikipedia

    Bereits vor zwei Jahren haben wir an dieser Stelle über Schätzungen des Werts der Wikipedia durch Jonathan Band und Jonathan Gerafi an Hand von Wiederherstellungskosten, Konsumationswert, oder fiktivem Marktwert berichtet. Im Ergebnis kamen sie zu einem Wert zwischen 3,6 und 80 Milliarden Dollar. Wie schon diese große Bandbreite deutlich macht, handelte es sich dabei nur um sehr grobe und oberflächliche Schätzungen.

    In einem aktuellen Aufsatz mit dem Titel „The Valuation of Unprotected Works“ haben jetzt die Urheberrechtsforscher Paul Heald (siehe auch: „Wie Copyright Bücher und Musik verschwinden lässt“), Martin Kretschmer und Kris Erickson eine sehr viel ausgefeiltere Methode angewandt, um zumindest den Wert des gemeinfreien Bildbestands in der Wikipedia zu schätzen.

    Gleich im ersten Absatz machen die Autoren deutlich, was die Hauptmotivation für die Erstellung ihrer Analyse ist: Sie wollen den Zahlen der Copyright-Lobbys über den (vermeintlichen) Wert urheberrechtlich geschützter Werke Zahlen zum Wert gemeinfreier Werke entgegenstellen (meine Übersetzung):

    Im Zuge der Anstrengungen für Durchsetzung und Ausdehnung ihrer Urheberrechte haben Rechteinhaber eine Kunstfertigkeit darin entwickelt, den Gesamtwert ihrer Werke zu quantifizieren. Für Entscheidungsträger schätzen sie den monetären Wert, den ihre Urheberrechte angeblich zur Wirtschaftskraft beisteuern, und die Verluste, die sie durch Urheberrechtsverletzungen erleiden. Diese Art von Nachweis, obgleich auf den ersten Blick überzeugend, ist reduktionistisch und überschätzt die Rolle exklusiver Urheberrechte für die Förderung einer gesunden Kreativwirtschaft.
    […]
    Diejenigen, die für eine starke Public Domain eintreten und Widerstand gegen die Ausdehnung von Urheberrechten leisten, tun sich schwerer damit den Wert jener Werke zu schätzen, die ihrer Meinung nach frei zugänglich bleiben sollten. (S. 1–2)

    Mehr Wert ohne Schutz?

    Das Ziel des Aufsatzes ist es dementsprechend auch nicht, den gesamten Wert der Public Domain – im Aufsatz definiert u.a. als Werke deren Urheberrechtsschutz abgelaufen ist, die nie urheberrechtlich geschützt waren, oder die unter einer freien Lizenz stehen – zu schätzen, sondern nur für einen klar abgegrenzten Bereich („discrete corner“). Auf diese Weise soll belegt werden, dass gerade das Fehlen („absence“) von urheberrechtlichem Schutz den ökonomischen Wert bestimmter Werke erhöhen kann.

    Zu diesem Zweck untersuchen die Forscher die Nutzung von Public-Domain-Bildern (größtenteils Fotos) auf Wikipedia-Seiten. Dem Wert der Bilder auf Wikipedia-Seiten nähern sich die Autoren auf zweifache Weise:

    Erstens sparen Gestalter der Seite Transaktionskosten und, zumindest potentiell, Lizenzgebühren durch die Nutzung frei verfügbarer Bilder an Stelle von Verhandlungen mit den Rechteinhabern eines Bildes. Zweitens priorisiert Googles Suchmaschine […] Seiten mit Bildern gegenüber Seiten ohne Bilder; Wikipedia-Seiten mit Public-Domain-Bildern sollten deshalb im Durchschnitt mehr Views aufweisen als Seiten ohne Bilder. Da sich Seitenbesuche bewerten lassen an Hand der durchschnittlichen Anzeigenerlöse pro Besucher (und ein Page View auf Wikipedia auf den Wert von $0,0053  geschätzt wird), sollte sich der Wert des zusätzlichen Traffics durch Bilder berechnen lassen. (S. 13)

    Im Rahmen ihrer Untersuchung analysieren Heald und Kollegen Wikipedia-Seiten über 362 Autoren, die einen New-York-Times-Bestseller im Zeitraum zwischen 1895 und 1969 hatten und zwischen 1829 und 1942 geboren wurden. Ginge es nur nach Geburtsdatum der Autoren wäre zu erwarten, dass von jüngeren Autoren mehr Bilder verfügbar sind. Da aber vor 1923 veröffentlichte Werke nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind, prognostizieren die Autoren das Gegenteil, nämlich mehr Bilder bei älteren Autoren.

    Zur monetären Bewertung zogen die Autoren in der Folge den durchschnittlichen Preis für Autorenfotos bei den beiden größten kommerziellen Bildagenturen Corbis und Getty Images heran. Besucherzahlen für die Autorenseiten wurden in den Jahren 2009 und 2014 jeweils für die Monate März, April und Mai gemessen (und dabei für Veränderungen in Artikellänge und Anzahl an Amazon-Reviews kontrolliert). Nach derselben Logik wurden zum Vergleich Daten für 792 Komponisten und Lyriker sowie 300 zufällig ausgewählte Seiten erhoben.

    Ergebnisse der Untersuchung

    Wie von den Autoren vorhergesagt – und obwohl Fotografie im Zeitverlauf immer einfacher und günstiger wurde – finden sich bei älteren Autoren mehr Bilder als bei jüngeren (S. 15):

    Heald-etal-Figure-Seiten-mit-Bildern

    Ein ähnliches Ergebnis liefert die Sortierung nach Tod der Autoren. In der Detailanalyse zeigt sich, dass in der Mehrzahl der Bilder (54%) auf solche zurückgegriffen wurde, deren Urheberrechtsschutz bereits abgelaufen war. Ein ähnliches Ergebnis lieferte auch die Analyse der zufällig ausgewählten Seiten.

    Die kalkulatorische Kostenersparnis durch den Rückgriff auf Public-Domain-Bilder im Vergleich zu Bildern einer Bildagentur ist durchaus beträchtlich. In gut 10 Prozent der Autorenbilder (25 von 240) fanden sich funktional identische Bilder in den kommerziellen Bilddatenbanken zum Preis von durchschnittlich $105/Jahr (Corbis) bzw. $117/Jahr (Getty) für den Einsatz auf einer nicht-kommerziellen Seite. Für weitere 104 Bilder fanden sich ähnliche, aber nicht identische Bilder; im Durschnitt wären so $120/Jahr pro Bild fällig gewesen. Alleine für diese 129 Public-Domain-Bilder im Autorensample müsste demnach Wikimedia – die Organisation hinter Wikipedia – binnen fünf Jahren $77.400 bezahlen (wobei die Autoren darauf hinweisen, dass Wikimedia wohl Mengenrabatt verhandeln könnte). Insgesamt würden für 240 Public-Domain-Bilder jährliche Kosten von $28.000 anfallen.

    Zur Plausibilisierung dieser Beträge berechnen die Autoren in einem nächsten Schritt die theoretisch erzielbaren Werbeeinnahmen auf Grund zusätzlicher Besucher dank Bebilderung der Artikel. Ein Bild erhöht nach den Besucherstatistiken – und korrigiert um Popularitätseffekte auf Basis der Zahl von Amazon-Reviews – die Page Views um rund 19%, wonach sich ca. 5,32 Millionen der rund 28 Millionen Page Views der 240 bebilderten Autorenseiten auf die Bebilderung zurückführen lassen. Multipliziert mit dem geschätzten Wert eines Wikipedia-Page-Views von $0,0053 ergäbe das $28.126 – also ziemlich genau der Wert auf Basis der kalkulatorisch „gesparten“ jährlichen Lizenzkosten.

    In einem letzten Schritt extrapolieren die Autoren ihre Kalkulation um den gesamten Wert an Public-Domain-Fotografien in der Wikipedia zu schätzen. Im Ergebnis („rough estimate“) kommen sie auf einen Betrag zwischen $208 und $232 Millionen pro Jahr auf Basis der Kostenersparnis-Methode. Kalkuliert auf Basis von zusätzlichen Page Views kommen die Autoren auf rund $38 Millionen an kalkulatorischen Anzeigenerlösen, die sich auf die Verwendung von Public-Domain-Bilder zurückführen ließen (hinsichtlich der Limitationen und Unschärfen dieser Schätzungen siehe S.25–27 im Paper).

    Fazit

    Der Beitrag von Heald, Kretschmer und Erickson ist einer der empirisch fundiertesten Versuche bisher, den Wert der Public Domain zu quantifizieren, also quasi an freiem Wissen ein Preisschild anzubringen. Auf Basis ihrer Berechnungen konstatieren die Autoren, dass die rückwirkende Verlängerung urheberrechtlicher Schutzfristen in den USA massive soziale Kosten („massive social harm“, S. 29) verursacht hat und fordern mit Nachdruck wirksame Regulierung im Bereich verwaister Werke. Unabhängig davon wäre schon viel gewonnen, wenn in der politischen Debatte zum Urheberrecht der ökonomische Wert nicht nur von urheberrechtlichem Schutz sondern auch von freiem Zugang und gemeinfreien Werken stärkere Berücksichtigung fände.

    6. Februar 2015 4
  • : Wikimedia Deutschland sammelt 8,2 Millionen Euro zur Förderung freien Wissens
    Wikimedia Deutschland sammelt 8,2 Millionen Euro zur Förderung freien Wissens

    Wikimedia Deutschland hat das Spendenziel für die Weihnachtskampagne 2014 um 400.000 Euro übertroffen und insgesamt 8,2 Millionen Euro von 382.000 Spenden erhalten. Herzlichen Glückwunsch!

    Die durchschnittliche Spende betrug rund 21 Euro, die häufigste Spende lag bei 5 Euro. Viele Spenderinnen und Spender haben Ihre persönliche Begeisterung für Wikipedia und Freies Wissen in ihren öffentlichen Kommentaren beschrieben. Während der Kampagne haben sich 6.500 Menschen entschieden Mitglied der Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens, Wikimedia Deutschland e. V., zu werden und die Wikimedia-Projekte regelmäßig zu unterstützen. Damit steigt die Mitgliederzahl auf über 18.000.

    16. Januar 2015 4
  • : SWR2: Ist die Schwarmintelligenz im Internet ein Mythos?
    SWR2: Ist die Schwarmintelligenz im Internet ein Mythos?

    Bei SWR2 gab es heute eine 45 Minuten lange Debatte zum Thema „Ist die Schwarmintelligenz im Internet ein Mythos?“ zu hören.

    Es diskutieren: Markus Beckedahl – Netzpolitischer Aktivist, Netzpolitik.org, Dr. Stefan Münker – Medienphilosoph, Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Peter Kruse – Unternehmensberater und Organisationspsychologe, Universität Bremen; Gesprächsleitung: Timo Fuchs

    Unser Umgang mit dem Internet beruht auf einem großen Missverständnis, meint der Internet-Guru Jaron Lanier: dem Irrglauben, dass der Zusammenschluss der Nutzer zur einer Vermehrung von Wissen und Lösungen führt. Die Vorstellung, die Durchschnittsmeinung einer anonymen Masse bringe neue Ideen hervor, sei eine Illusion. Bremsen also die Milliarden von Meinungen im Netz einen echten Fortschritt aus? Wer hat am Ende Einfluss auf die Sozialen Netzwerke, auf die Datenbanken und Protestbewegungen, die das Netz erzeugt?

    Hier ist die MP3.

    10. Dezember 2014 5
  • : #OERde14 – Wikimedia Konferenz zur Zukunft freier Bildungsmaterialien
    #OERde14 – Wikimedia Konferenz zur Zukunft freier Bildungsmaterialien

    350px-OERde14_grau_breitOpen Educational Ressources (OER) – zu deutsch freie Bildungsmaterialien – waren der Gegenstand der Wikimedia Fachkonferenz in Berlin vergangenes Wochenende. Die Veranstaltung bestand aus einem kuratierten Teil und einen Barcamp, und brachte die relevanten Akteure aus Schulen, Hochschulen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. OER haben das Potenzial Bildung zu revolutionieren. Die Kernidee: Lehr- und Lernmaterialien sind offen zugänglich und können von allen weiterverarbeitet und weitergegeben werden (hier ein kurzer Beitrag dazu in der Tagesschau). Wikimedia Deutschland schreibt über die Relevanz von OER:

    Eine Gesellschaft, die sich als Wissensgesellschaft versteht, ist gut beraten, wenn sie die Prozesse der Wissenserstellung und des Wissenstransfers konsequent öffnet und dabei möglichst viele Menschen involviert. Die Einführung freier Bildungsmaterialien ermöglicht einen Innovationssprung im Bereich Bildungsmaterialien und setzt wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der pädagogischen Praxis.

    Frei lizenzierte Bildungsmaterialien setzen die Schulbuchverlage, deren Vertreter*innen auch auf der Konferenz vor Ort waren, ziemlich unter Druck. OER müssen aber keinesfalls „das Ende aller Geschäftsmodelle“ bedeuten, wie Till Kreutzer in einem ausführlichen Artikel über „Drei Mythen über Open Educational Ressources“ auf i.rights.info erklärt. Das Erstellen, Aktualisieren und Verbessern von Bildungsmaterialien kostet nach wie vor Geld, daher können OER die Finanzierungsfrage nicht ignorieren. „Offen“ müsse nicht zwangsläufig „kostenlos“ bedeuten.

    Ein Beispiel für ein enorm erfolgreiches Finanzierungsmodell ist die Wikipedia, deren erheblicher Kostenaufwand für Technik, Administration und Organisation ausschließlich durch Spenden finanziert wird. Es zeigt, dass die notwendigen Kosten aufgebracht werden können, hochwertige Inhalte aber auch gänzlich ohne Autorenhonorare oder Lizenzkosten entstehen können. Warum investieren derart viele Menschen freiwillig und ohne jede Vergütung so viel Zeit, um Beiträge für die Wikipedia zu schreiben, zu pflegen oder zu verbessern? Für dieses Engagement gibt es viele mögliche und nachgewiesene Motive, die von persönlichem Reputationsgewinn über den Wunsch, etwas Gutes zu tun bis zum Streben nach Anerkennung innerhalb einer Community gehen.

    Kernfragen Finanzierung und Qualitätssicherung

    Global_Open_Educational_Resources_Logo.svgDie etablierten Bildungsmedienverlage sehen vor allem die Qualität von Bildungsmaterialien bedroht. Doch qualitative Mängel kann es sowohl in offenen wie in proprietären Materialien geben. Mit dem OER-Prinzip hat das nichts zu tun. Auch hier zieht Kreutzer den Vergleich zu Wikipedia, der lange ebenfalls niedrige Qualitätsstandards nachgesagt wurden.

    An der Wikipedia zeigt sich, dass auch Communities sehr effizient Qualitätssicherung betreiben können, wenn sie gut organisiert sind. Untersuchungen haben schon 2005 ergeben, dass sich die – zu diesem Zeitpunkt noch relativ junge – Wikipedia mit Referenz-Publikationen wie der Encyclopedia Britannica in punkto Korrektheit und Editionsqualität durchaus messen konnte . Im Vergleich zum digitalen Brockhaus hatte die Online-Enzyklopädie sogar die Nase vorn. Seitdem wurden die Prozessen und Strukturen in der Wikipedia noch weiterentwickelt und es dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass sie traditionellen Publikationen dieser Art heute weit überlegen ist. Besonders bei der Aktualität der Beiträge spielen Communitys mit einer großen Anzahl an Beteiligten ihre Stärken aus.

    Bildung hat kein wirtschaftliches, sondern ein gesellschaftliches Ziel. Wer die Frage der Qualitätskontrolle in den Mittelpunkt rückt, vernachlässigt dabei die großen Potenziale der OER. Die Entwicklung offener Bildungsmaterialien steht allerdings nicht zuletzt auch in Deutschland noch am Anfang. In Berlin werden seit kurzem OER für Mathe und Naturwissenschaften angeboten. In anderen Bundesländern dürfen Lehrende nicht selbst entscheiden, welche Unterlagen sie im Unterricht verwenden. Ob der Staat sich künftig an der Herstellung und Finanzierung von OER beteiligen wird, dürfte deren Entwicklung maßgeblich beeinflussen.

    Bildungstrend MOOCs

    Ein großes Thema auf der Konferenz war auch das Zusammenspiel mit den sogenannten MOOCs (Massiv Open Online Courses). Das sind in den meisten Fällen Online-Unikurse, die übers Internet Menschen auf der ganzen Welt offen stehen. Bekannte Anbieter sind z.B. Coursera, Udacity und edX, es entstehen aber auch hier immer mehr Open Source Plattformen. Über die Wikimedia-Plattform Wikiversity können beispielweise MOOCs erstellt werden.

    Wer sich für weitere Themen rund um OER interessiert: die Programmübersicht der Konferenz enthält zu allen Veranstaltungen bereits recht umfangreiche Informationen und Pads, in denen die Workshops dokumentiert sind.

    Darüber hinaus hat die Bundeszentrale für politische Bildung die Veranstaltung gefördert und begleitet. Die BPB biete außerdem einkostenloses E‑Book „OER für alle!“ unter der Creative Commons Lizenz BY-SA an, Co-Autor ist unser Mit-Blogger Leonhard Dobusch.

    15. September 2014 1
  • : Wikipedia Zero und Netzneutralität: Wikimedia wendet sich gegen das offene Internet
    Wikipedia Zero und Netzneutralität: Wikimedia wendet sich gegen das offene Internet

    Die Vision der Wikipedia ist „eine Welt, in der jeder Mensch frei die Summe allen Wissens teilen kann.“ Das ist ein Wert, den wir bei Access teilen. Deswegen waren wir schockiert, als die Wikimedia Foundation, die die Wikipedia hostet und unterstützt, sich gegen den größten Treiber des freien Informationszugangs wandte, den die Welt je gekannt hat: das offene Internet.

    AccessNow.org_logoDieser Gastbeitrag stammt von Raegan MacDonald von AccessNow.org und ist dort zuerst auf Englisch erschienen. Die deutsche Übersetzung ist von Kilian Vieth.

    In einem Blog-Post, bewarb Erik Möller, der stellvertretende Direktor der Wikimedia Foundation, ein relativ neues Angebot: Wikipedia Zero, eine Partnerschaft mit Telekom-Unternehmen die den priorisierten, gebührenfreien Zugang zur Wikipedia bereitstellt. Die Idee dahinter ist, die hohen Datengebühren zu umgehen, die immer noch viele Menschen auf der ganzen Welt zwingen, offline zu bleiben. In seiner Argumentation für „Zero“ beteuert Möller, dass die Wikimedia Foundation der Netzneutralität verpflichtet ist – also der Vorstellung, dass alle Online-Daten gleich behandelt werden sollen – und dass Zero dieses grundlegende Konzept des offenen Internets nicht verletzt. Dem müssen wir, bei allem Respekt, allerdings deutlich widersprechen. Wir glauben, dass Zero klar gegen die Netzneutralität verstößt und ein Angriff auf das offene, freie Internet ist.

    Wikimedia sind nicht die einzigen, die diese sogenannten „Zero-rating“-Abkommen mit Telekommunikationsunternehmen vorantreiben. Facebook hat auch schon Vereinbarungen geschlossen, um datenreduzierte Versionen seiner Dienste in Industrie- und in Entwicklungsländern, anzubieten. Aber Wikimedia argumentiert, dass ihre Dienste, im Gegensatz zu Facebook Zero, nicht kommerziell sind. Und deshalb verdiene die Wikipedia spezielle Ausnahmeregelungen, weil im Tausch für die Bevorzugung gegenüber anderen Diensten kein Geld den Besitzer wechselt. Kein Geld, keine Verletzung der Netzneutralität.

    Diese Argumentation stinkt ziemlich.

    In den erst kürzlich aktualisierten Nutzungsbedingungen des Unternehmens steht, dass Zahlung und Nutzung nicht vom Tausch gegen Geld abhängen. Und in der Tat nutzt Wikimedia seine bekannten Marken als Währung in den Verhandlungen mit den Telekom-Partnern, da sie durch Wikipedia Zero mehr Nutzer anwerben wollen.

    Den heutigen Nutzern ist klar, dass die revolutionäre Eigenschaft des Internets auf seiner Breite und Vielfalt beruht. Das Internet ist mehr als Wikipedia, Facebook oder Google. Aber für viele würden die „Null-Gebühren-Angebote“ den Internetzugang auf die Online-Welt der Web-Schwergewichte begrenzen. Für Millionen von Nutzern wären Facebook und Wikipedia gleichbedeutend mit „Internet.“ Am Ende würde Wikipedia Zero nicht zu mehr Nutzern des eigentlichen Internets führen, aber Wikipedia könnte einen schönen Anstieg seiner Seitenaufrufe generieren.

    Wie die Wikimedia Foundation behauptet zu wissen, liefert die Vielfalt und Tiefe des Wissens im Internet genau das, was Netzneutralität, im Wesentlichen, so wichtig macht: Gleichbehandlung von Daten führt zu gleichberechtigtem Zugang für alle. Es ist schwer zu erkennen, wie einzelne bevorzugte Dienste mit diesem Prinzip im Einklang sollen.

    Keine Lösung für den „Digital Divide“

    Darüber hinaus ist der Vorschlag, dass Wikipedia oder Facebook die Lösung für den limitierten Internetzugang in Entwicklungsländern sei, etwa so als würde man ein Pflaster auf eine Schusswunde kleben. Die zugrundeliegenden, komplexen Ursachen der digitalen Spaltung bleiben unbehandelt. Außerdem lässt das Angebot von Dienstleistungen, die nicht in begrenzte Datentarife eingerechnet werden – in den entwickelten und weniger entwickelten Ländern gleichermaßen – das Gleichgewicht zu Gunsten der priorisierten Dienste kippen. Das zerstört die Wachstumsgrundlage für kostengünstige, netzneutrale Alternativen. Die langfristige Wirkung dieser Dienste wird ein Rückgang an Innovation und Wettbewerb im Internet sein – mit einer besonderen Benachteiligung von selbst gebauten, lokalen Dienstleistungen und einer Begünstigung von Unternehmen im Silicon Valley, die Tausende von Meilen entfernt sind. Und ironischerweise führt das zu einer Begrenzung des Zugangs zu Informationen und Wissen.

    Wikipedia Zero und ähnliche Dienste spielen den etablierten Telekommunikationsunternehmen in die Hände, die die Märkte überall auf der Welt bereits heute im Würgegriff halten. Priorisierte Angebote machen die Dienstleistungen der „Telkos“ attraktiver, verfestigen ihre übermäßig dominante Stellung in den meisten Märkten, und sie treiben die Idee voran, dass Webseiten zusätzlich bezahlen sollten, um Nutzer zu erreichen, was wiederum den Grundsätzen der Netzneutralität widerspricht und die Entwicklung von Online-Inhalten und ‑Diensten noch zusätzlich erschwert.

    Wikimedia war immer ein Förderer des offenen Zugangs zu Informationen, aber es ist entscheidend, priorisierte, gebührenfreie Angebote als das zu bezeichnen, was sie sind: Kurzsichtige Deals, die für die Zukunft des offenen Internets großen Schaden anrichten. Während immer mehr Menschen das Internet nutzen und weltweit Kämpfe um die Netzneutralität ausgefochten werden, liegt es gerade in der Verantwortung der angesehenen Organisationen wie Wikimedia, sicherzustellen, dass neue Nutzerinnen und Nutzer ein Internet entdecken können, das tatsächlich „die Summe allen Wissens“ repräsentiert.

    Wenn Wikipedia Zero umgesetzt wird, kann es mit einem Schlag die Entwicklung des offenen Internets verändern – und zwar nicht unbedingt zum Besseren. Kein Unternehmen und keine einzelne Plattform – egal ob Facebook oder Wikipedia – sollte alleine dafür verantwortlich sein, den Zugriff auf die Informationen der Welt zu kuratieren. Kurz gesagt: Priorisierte Inhalte unterwandern die Zukunft des offenen Internets und die Rechte der Menschen, die es benutzen.

    14. August 2014 20
  • : Videos für Wikipedia – Wettbewerb und Workshops
    Videos für Wikipedia – Wettbewerb und Workshops

    Wikipedia-logo-deWikipedia startet einen Wettbewerb, um die Artikel der Enzyklopädie mit mehr Bewegtbildern auszustatten: Videos für Wikipedia-Artikel. Das Leitthema ist „Digitale Gesellschaft“:

    Über 1,7 Millionen Artikel umfasst die deutschsprachige Wikipedia. Videos enthalten die wenigsten. Und das, obwohl bewegte Bilder oft viel anschaulicher sind als reine Text-Einträge. „Videos für Wikipedia-Artikel“ (VWA) möchte das ändern – mit Workshops und einem Video-Wettbewerb zum Leitthema des Wissenschaftsjahres 2014 : „Digitale Gesellschaft“. Dafür braucht VWA Dich!

    Die Workshops, die begleitend angeboten werden, sind kostenlos und finden an verschiedenen Orten in Deutschland zu unterschiedlichen Terminen statt, sogar An- und Abreise kann man sich erstatten lassen. Man muss sich nur bewerben.

    Initiiert wurde das ganze von dem Centre for Digital Cultures der Leuphana Universität Lüneburg, unterstützt wird es unter anderem von Wikimedia Deutschland und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

    31. Juli 2014 1
  • : Gerichtsurteil: Wikipedia in Italien nicht haftbar für konkrete Inhalte
    Gerichtsurteil: Wikipedia in Italien nicht haftbar für konkrete Inhalte

    200px-Wikimedia_Deutschland-Logo.svgWie die Wikimedia Foundation gestern mitteilte, hat die Wikipedia in Italien einen wichtigen gerichtlichen Sieg errungen. Das seit vier Jahren laufende Gerichtsverfahren um 20 Millionen Euro beschäftigte sich mit der Frage, ob die Wikipedia haftbar ist für angeblich diffamierende Aussagen über den italienischen Politiker Antonio Angelucci (in der italienischen Version). Am 9. Juli wurde nun vom Roman Civil Tribunal entschieden: Nein. Wikipedia ist nicht haftbar und nicht rechtlich verantwortlich für Inhalte, die ihre Nutzer frei einstellen und bearbeiten können. Es handle sich nicht um einen Inhalteanbieter oder gar ein Online Journal, wie die Kläger forderten, sondern um einen Hosting-Anbieter. Im Unterschied zu einem Inhalteanbieter ist dieser nur dann haftbar, wenn er von unpassenden Inhalten Meldung erhält und diese dann nicht löscht. Das Gericht wendete hier die generellen Prinzipien der Richtlinie über Elektronischen Handel der EU an (2000/31/EG), auch wenn Wikipedia als nicht europäisches Unternehmen nicht direkt darunter fällt.

    Freude über dieses Urteil ist auch deswegen angebracht, da es über den einzelnen Fall hinausgeht, da Wikipedias Stand in Italien zum ersten Mal vollständig beurteilt wird. Darüber hinaus kann es besseren Schutz freier Meinungsäußerung in Italien nach sich ziehen.

    Ein Aspekt freilich sorgt noch für Verwunderung, auf den auch die Wikimedia Foundation vor Gericht hinwies: Jeder kann bei Wikipedia Artikel bearbeiten. Angelucci hätte seinen eigenen einfach selbst ändern und die ihn störenden Aspekte entfernen können.

    23. Juli 2014 5
  • : Wikipedia-Bot aus Schweden produziert Artikel am laufenden Band
    Wikipedia-Bot aus Schweden produziert Artikel am laufenden Band

    Wikipedia-logo-deDer Bot des schwedischen Wikipedia-Autors  Sverker Johansson fügt der Online-Enzyklopädie täglich bis zu 10.000 Artikel hinzu. Damit macht „Lsjbot“ mit seinen 2,7 Millionen Artikel 8,5% des Gesamt-Artikelvolumens aus. Lsjbot bezieht einen Großteil seiner „Inspiration“ aus öffentlich zugänglichen Datenbanken, die er in Tabellen verpackt und damit Artikel wie Auflistungen von Insektengattungen oder Städte, für die mit deren statistischen Daten Grundlagen für weitere Ergänzungen gelegt werden. Sein Ziel ist es, …

    […] Artikel für die Millionen von Arten anzulegen, für die es noch keine gibt und bei denen in naher Zukunft vermutlich auch niemand welche anlegen wird. […] Alle Tierarten sind erledigt, Pflanzen sind in Arbeit. […]

    Ein anderes Projekt ist es, die schwedischen Wikipedia-Artikel über die Philippinen auszubauen.

    Die Nutzung von Bots auf Wikipedia ist nicht neu, auch in der deutschen Wikipedia gibt es einige davon, die als solche gekennzeichnet sind und Routineaufgaben übernehmen. Zum Beispiel den ArchivBot, der auf seiner Profilseite bekanntgibt:

    Ich erledige die automatische Archivierung. Dazu laufe ich jeden Tag um 12 Uhr und um 03 Uhr die Liste der Seiten durch, die als automatisch archivierbar markiert sind und verschiebe Beiträge, sofern sie die dort angegebenen Kriterien erfüllen. Ebenso archiviere ich die Vandalenmeldungsseite im Abstand von zwei bis vier Stunden.

    Die Nutzung von Bots, vor allem zum automatischen Generieren von Artikeln, wird kontrovers gesehen. Auf der einen Seite entstehen Grundgerüste für Themen, die nachträglich ausgebaut werden können und die sonst vielleicht gar keine Aufmerksamkeit erfahren hätten. Auf der anderen Seite bleibt oft eine große Menge uninspirierter, oberflächlicher Datensammlungen zurück, deren Menge die qualitativ hochwertigeren, manuell recherchierten Artikel erschlägt.

    Die Diskussion um Roboter findet sich auch im klassischen Journalismus, beispielsweise bei der Erstellung von Sport- und Finanznachrichten, Lorenz hat dazu einen Talk auf der re:publica gehalten.

    17. Juli 2014 1
  • : Bundesedit: Anonyme Änderungen von Wikipedia-Einträgen aus Bundesbehörden
    Bundesedit: Anonyme Änderungen von Wikipedia-Einträgen aus Bundesbehörden

    @bundesedit ist ein Twitterbot der Änderungen an Wikipedia Artikeln durch anonyme Benutzer aus den Netzwerken der Bundesregierung, des Bundestages, der Bundesministerien und Bundesämter veröffentlicht.

    Das System basiert auf dem Projekt von edsu/anon, welches das gleiche für @congressedits realisiert hat. Das System basiert auf der Auswertung des Wikipedia IRC Channels in dem die Systeme der Wikipedia alle Änderungen an Aritkel automatisiert einstellen. Alle Änderungen, die nicht durch einen registrierten Benutzer durchgeführt werden, werden mit der IP-Adresse gespeichert. Diese wird dann mit den hier gepflegten Netzwerken abgegelichen. Sobald es eine Übereinstimmung gibt, wird ein Tweet erzeugt.

    15. Juli 2014 8