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SWR2: Ist die Schwarmintelligenz im Internet ein Mythos?

Bei SWR2 gab es heute eine 45 Minuten lange Debatte zum Thema „Ist die Schwarmintelligenz im Internet ein Mythos?“ zu hören.

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Es diskutieren: Markus Beckedahl – Netzpolitischer Aktivist, Netzpolitik.org, Dr. Stefan Münker – Medienphilosoph, Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Peter Kruse – Unternehmensberater und Organisationspsychologe, Universität Bremen; Gesprächsleitung: Timo Fuchs

Unser Umgang mit dem Internet beruht auf einem großen Missverständnis, meint der Internet-Guru Jaron Lanier: dem Irrglauben, dass der Zusammenschluss der Nutzer zur einer Vermehrung von Wissen und Lösungen führt. Die Vorstellung, die Durchschnittsmeinung einer anonymen Masse bringe neue Ideen hervor, sei eine Illusion. Bremsen also die Milliarden von Meinungen im Netz einen echten Fortschritt aus? Wer hat am Ende Einfluss auf die Sozialen Netzwerke, auf die Datenbanken und Protestbewegungen, die das Netz erzeugt?

Hier ist die MP3.

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5 Kommentare
  1. Die Vorstellung, die Durchschnittsmeinung einer anonymen Masse bringe neue Ideen hervor, sei eine Illusion.

    Es geht eben nicht um die Durchschnittsmeinung, sondern um die höhere Vernetzung der Teilnehmer und eine höhere Anzahl von Meinungen.
    Die Sachwarmintelligenz beruht auf dem Chaos-Prinzip. Das heißt, dass viele Leute ein Problem beackern und dann die erfolgversprechendsten Lösungen aus dem Meinungsbrei heraus destilliert werden. Es ist ein klassische evolutionäre Optimierung, wie sie auch für des Problem des Handelsreisenden eingesetzt werden kann. Es gibt weder die Garantie auf eine optimale Lösung, noch die Garantie auf eine gute Lösung. Im Mittel sind die Lösungen jedoch erstaunlich gut.
    Mit geschickter Moderation kann man die Qualität der Lösungen erheblich steigern.

      1. André, das erklärt er doch ganz gut. Vielleicht meinte er auch Chaos-Theorie. Die Meinungen nähern sich einer „Wahrheit“ an, weil sie seltsamen Attraktor bildet.

        Aus der Wikipedia: Ein Seltsamer Attraktor ist ein Attraktor, also ein Ort im Phasenraum, der den Endzustand eines dynamischen Prozesses darstellt, dessen fraktale Dimension nicht ganzzahlig und dessen Kolmogorov-Entropie echt positiv ist.

        echt positive Entropie und dann mit einer gebrochenen Dimension. Trifft es doch vollkommen. ;-)

      2. Deswegen frage ich nach, Chaos im mathematischen Sinne heißt, dass dynamische Systeme stark abhängig von den Anfangsbedingungen sind und eben nicht konvergieren. Was du meinst, wenn du an „Attraktor“ denkst, ist ein stabiler Fixpunkt oder Grenzzyklus. Seltsame Attraktoren sind etwas anderes. Chaos-Prinzip hört sich so an, als wenn jedesmal sehr unterschiedliche Lösungen herauskommen, was nicht unbedingt zu „heraus destilliert“ oder „evolutionäre Optimierung“ passt.

        Wenn man nach einer mathematischen Unterfütterung sucht, würde ich empfehlen beim Jury-Theorem von Condorcet anzufangen.

      3. Doch. Ich meinte schon einen seltsamen Attraktor. Nach einigen Überlegungen erscheint mir das nicht so unlogisch. Vielleicht könnten viele Dinge so „erklärt“ werden. Das Scheitern von Projekten, Aufspalten von Projekten, das Einrasten in bestimmte, nicht zwingend „optimale“ Lösungen. „Projekte“ laufen, ohne identisch zu sein nach bestimmten Mustern ab.

        Natürlich müsste das belegt (und zunächst einmal ausgeführt) werden. Jedenfalls existiert nicht nur eine „Meinung“ oder etwas, wie ein Konzept wie Wahrheit. Die Erwartung, es würde etwas Bestimmtes „heraus destilliert“ ist unrealistisch. Sie nimmt die (durchaus nicht eindeutige) Lösung quasi (aus einer bestimmten Sicht, bestimmten Bedingungen) vorweg.

        Trotzdem oder besser deshalb: Danke für den Hinweis am Schluß.

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