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Linktipps der Redaktion
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: Die Clickworker der chinesischen Zensurfabriken
Das Internet wird in China stark zensiert. : Die Clickworker der chinesischen Zensurfabriken Kein Land zensiert das Internet so weitgehend wie China. Unzählige Seiten sind gesperrt, kritische Beiträge in den chinesischen sozialen Medien werden schnell gelöscht. Doch wer sind die Zensoren? Und wie funktioniert das System? Ein Artikel der New York Times gibt Einblicke in die Branche. Demnach durchsuchen tausende Niedriglohnarbeiter in Zensurfabriken das chinesische Internet nach verbotenen Inhalten. Auftraggeber sind Internetfirmen und Medien, von denen der Staat verlangt, sich selbst zu zensieren.
In den Zensurfabriken arbeiten vor allem junge Uniabsolventen, die meist wenig Ahnung von Politik und Geschichte haben. Bevor sie ihren Job antreten, werden sie daher geschult, schreibt die Times:
In China wird den Jugendlichen von vielen Eltern und Lehrern gesagt, dass die Auseinandersetzung mit politischen Themen nur zu Problemen führt. Um dies zu überwinden, entwickelten Herr Yang und seine Kollegen ein ausgefeiltes Trainingssystem. Neulinge beginnen mit einem einwöchigen „Theorie“-Training, bei dem ältere Mitarbeiter ihnen die sensiblen Informationen vermitteln, die sie vorher nicht kannten. [Eigene Übersetzung]
Von dieser Zensur wäre auch die jüngst abgesagte Suchmaschine von Google für den chinesischen Markt betroffen gewesen. Der Freedom of the Net Bericht für das Jahr 2018 bezeichnet China als den weltweit schlimmsten Feind der Netzfreiheit.
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: Fußball: Werder Bremen beobachtet Training in Hoffenheim mit Drohne
Ein Drohne steigt über einem Sportplatz auf. (Symbolbild) : Fußball: Werder Bremen beobachtet Training in Hoffenheim mit Drohne In Sachen Gegnerbeobachtung setzt der Bundesligist Werder Bremen auf neue Technologien: Ein Scout des Vereins flog vor dem Spiel mit einer Drohne über das Trainingsgelände des TSG Hoffenheim. Laut Weser-Kurier sagte Werder-Geschäftsführer Baumann auf einer Pressekonferenz: „Wir waren mit einem unserer Scouts vor Ort. Wir haben versucht, einige hilfreiche Informationen zu bekommen. Dort kam auch kurzzeitig eine Drohne zum Einsatz.“
Spiegel Online berichtet zum Fall:
Die Polizei hat laut Hoffenheims Klubsprecher Holger Kliem Ermittlungen aufgenommen, da das Fliegen mit Drohnen über Menschenansammlungen verboten ist. Am Freitag betonte Baumann, „nichts Illegales“ getan zu haben. Die Drohne sei nicht über den Platz geflogen, auf dem trainiert wurde. Mit Hoffenheim sei alles geklärt.
Die Diskussion um die Regulierung von Drohnen dürfte durch solche Fälle und die Vorkommnisse auf dem Flughafen London Gatwick neuen Auftrieb bekommen.
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Niedersachsen: Klage gegen Geschwindigkeitsmessung mit Kennzeichenscanner
Niedersachsen: Klage gegen Geschwindigkeitsmessung mit Kennzeichenscanner In Niedersachsen ist heute ein Pilotversuch zu so genannter „Section Control“ gestartet. Es handelt sich bei der Abschnittskontrolle um eine Maßnahme zur Geschwindigkeitsüberwachung im Straßenverkehr, bei der das Nummernschild eines Autos an Punkt A erfasst wird und dann wieder an Punkt B. Mittels dieser Daten wird dann die Durchschnittsgeschwindigkeit ermittelt – und gegebenenfalls ein Bußgeld verhängt.
Gegen den heutigen Start des bundesweit bislang einmaligen Verfahrens auf der B6 südlich von Hannover will der Bürgerrechtler und Jurist Patrick Breyer (Piraten) beim Verwaltungsgericht Hannover Unterlassungsklage einreichen. In einer Pressemitteilung sagt er:
In Deutschland ist es datenschutzrechtlich schlichtweg unzulässig, Fahrzeuge rechtstreuer Verkehrsteilnehmer überhaupt zu fotografieren. Die Abschnittskontrolle ist weit teurer als die bewährten Geschwindigkeitsmessungen und zudem noch weit fehleranfälliger. Und leider leistet sie einer zukünftigen Zweckentfremdung der Daten bis hin zur Erstellung von Bewegungsprofilen Vorschub.
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: Weltwirtschaftsforum: Künstliche Intelligenz ist zu männlich
Im Team Künstliche Intelligenz spielen derzeit wenige Frauen. : Weltwirtschaftsforum: Künstliche Intelligenz ist zu männlich Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat seine jährliche Studie zum weltweiten Stand der Gleichberechtigung veröffentlicht. Neben den üblichen vier Kategorien, die der Bericht vergleicht – ökonomische Teilhabe, Bildung, Gesundheit und politische Ermächtigung -, lag der Fokus diesmal auf dem Hype-Thema Künstliche Intelligenz oder genauer der Frage: Wie viele Frauen und wie viele Männer arbeiten in diesem Bereich? Andere Geschlechter kennt der Index nicht.
Das WEF hat dazu mit dem Berufsnetzwerk LinkedIn zusammengearbeitet und die dort online gestellten Berufsprofile ausgewertet. Als Frauen wurden dabei Profile mit einem weiblich konnotierten Vornamen gewertet, geschlechtsneutrale Namen wurden nicht in die Rechnung mit einbezogen. Das Ergebnis:
Wir machen eine signifikante Geschlechterkluft unter KI-Fachkräften aus. Nur 22 Prozent der KI-Fachkräfte weltweit sind weiblich, verglichen mit 78 Prozent Männern. Das lässt eine Geschlechterkluft von 72 Prozent offen, die geschlossen werden muss. […] Die drei Länder mit dem höchsten Anteil von KI-Talent sind die Vereinigten Staaten, dicht gefolgt von Indien und Deutschland. Zugleich ist Deutschland unter den Ländern mit der weitesten KI-Geschlechterkluft. […] In Deutschland sind lediglich 16 Prozent des KI-Talentpools weiblich.
Das lässt zwei Erklärungen zu: Entweder geben Frauen, die in Deutschland im Bereich Maschinelles Lernen, Deep Learning oder mit anderen Formen von Künstlicher Intelligenz arbeiten, diese Fähigkeiten nicht auf LinkedIn an. Oder aber die Kluft ist in Deutschland tatsächlich wesentlich weiter als im weltweiten Durchschnitt, obwohl hier vergleichsweise viele Menschen über das Wissen und die Ausbildung verfügen.
Nun könnte man sagen: Ist doch schnurz, was Frauen mit ihrer Zeit, Intelligenz und ihren generellen Fähigkeiten anfangen. Gibt ja noch viele andere schöne, wichtige und gesellschaftlich gewinnbringende Berufe. Sollen Männer doch vorwiegend für maschinelles Lernen zuständig sein. Allerdings, darauf weist der Bericht hin, würden damit in einem zukunftsweisenden Bereich auf Dauer wichtige Perspektiven fehlen.
„Die Vielfalt – dazu zählt auch die Geschlechtervielfalt – der Perspektiven von Innovator*innen ist vital, damit die durch KI geschaffenen ökonomischen Chancen die derzeitigen Geschlechterungleichheiten nicht verstärken und damit neue KI-Systeme den Bedürfnissen der gesamten Gesellschaft dienen.“ Auf Dauer werde die Kluft dazu führen, dass in einem Bereich, in dem es ohnehin schon an qualifizierten Menschen fehlt, Möglichkeiten ungenutzt bleiben werden.
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: G20: Hamburger Polizei muss biometrische Daten tausender Bürger löschen
Wer alles in der biometrischen Datenbank der Hamburger Polizei erfasst wurde, weiß niemand. (Symbolbild) : G20: Hamburger Polizei muss biometrische Daten tausender Bürger löschen Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hat die Löschung einer Referenzdatenbank der Hamburger Polizei angeordnet, in der diese biometrische Daten tausender Bürger:innen erfasst hatte. In diese Datenbank sind nicht nur Bilder und Videos der Polizei, Material aus öffentlichen Verkehrsmitteln und aus Medien eingeflossen, sondern auch private Aufnahmen, die Bürger über ein Fahndungsportal hochgeladen hatten. Insgesamt umfasst die Datenbank über 100 Terabyte bei 32.000 Video- und Bilddateien. Nach Auskunft des Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar sei die biometrische Erfassung „unterschieds- und anlasslos“ geschehen. Sie betreffe massenhaft Personen, die nicht tatverdächtig seien.
Er hat am Dienstag gegenüber dem Innensenator der Hansestadt, Andy Grote (SPD), angeordnet, dass die Polizei eine im Rahmen der Ermittlungen aufgebaute biometrische Referenzdatenbank löschen muss. In dem IT-System hatten die Fahnder die Gesichter Tausender Bürger gespeichert.
Caspar hatte die Aktion Ende August bereits als rechtswidrig eingestuft und die Hamburger Polizei aufgefordert, die „ohne Rechtsgrundlage erhobenen biometrischen Daten“ zu löschen und den Einsatz der automatisierten Gesichtserkennungssoftware Videmo 360 zu stoppen. Die Strafverfolgungsbehörde war dem aber nicht nachgekommen, sodass sich der Kontrolleur nun zu dem weiteren Schritt genötigt fühlte.
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: Google: MitarbeiterInnen gegen zensierte Suchmaschine für den chinesischen Markt
Keine Libelle (engl. Dragonfly) für den chinesischen Markt. : Google: MitarbeiterInnen gegen zensierte Suchmaschine für den chinesischen Markt Das nicht allzu geheime Geheimprojekt von Google, eine Suchmaschine mit zensierten Inhalten für den chinesischen Markt zu entwickeln, wurde offiziell von dem Konzern für beendet erklärt. Mehrere MitarbeiterInnen aus dem Datenschutz-Team haben sich gegen das Projekt „Dragonfly“ ausgesprochen, weil ihnen zentrale Informationen vorenthalten worden sind, berichtet The Intercept. Bereits im Juni hatte Google Verträge mit dem Pentagon nicht erneuert, weil MitarbeiterInnen dagegen protestiert hatten.
Für die Entwicklung an der Suchmaschine „Dragonfly“ akquirierte der Konzern laut The Intercept bereits im Jahr 2008 den wichtigen chinesischen Website-Index 265.com, den viele chinesische Nutzer als Website- und News-Portal nutzen. Die Ergebnisse aus der Analyse der Suchdaten sollten dann in die eigene Entwicklung fließen. Im Gegensatz zu anderen Google-Websites wie YouTube oder Google.com ist die Seite 265.com in China frei zugänglich.
Der interne Streit bei Google über den Datenzugriff auf 265.com ist nicht das erste Mal, dass wichtige Informationen über Dragonfly dem Datenschutz-Team des Unternehmens vorenthalten wurden. The Intercept berichtete im November, dass die an dem Projekt beteiligten Datenschutz- und SicherheitsmitarbeiterInnen von wichtigen Besprechungen ausgeschlossen wurden und der Meinung waren, dass die Führungskräfte sie übergangen hatten.
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: Twitter: Sicherheitslücke in Support-Formular behoben
Was zwitschert denn da Nutzerdaten heraus? : Twitter: Sicherheitslücke in Support-Formular behoben Die Micro-Blogging-Plattform Twitter gab gestern bekannt, dass Mitte November eine Sicherheitslücke bei einem ihrer Support-Formulare entdeckt wurde, die laut eigener Angaben unmittelbar behoben worden ist. Über die Lücke konnten die Ländervorwahlen von Usern herausgefunden werden, die ihre Telefonnummer in ihrem Account hinterlegt haben. Außerdem konnte ermittelt werden, ob ein bestimmter Account von Twitter gesperrt wurde. Die Mitteilung des Unternehmens lässt allerdings offen, welches Formular genau gemeint ist und wie Daten über diesen Fehler in unbefugte Hände geraten sein könnten. Betroffene User wurden bisher nicht informiert.
In der Mitteilung wird betont, dass Twitter zu dem Vorfall so viele Erkenntnisse wie möglich herausgeben wolle. Daher informieren sie weiter, welche Ungereimtheiten bei der Untersuchung aufgefallen sind:
Während unserer Untersuchung haben wir einige ungewöhnliche Aktivitäten festgestellt, die die betroffene Support-Formular-API betreffen. Wir konnten insbesondere eine große Anzahl von Anfragen beobachten, die von einzelnen IP-Adressen aus China und Saudi-Arabien kamen. Obwohl wir Absichten oder Zuschreibungen nicht sicher bestätigen können, ist es möglich, dass einige dieser IP-Adressen Verbindungen zu staatlich geförderten Akteuren haben. [Eigene Übersetzung]
Was das Unternehmen etwas verklausuliert ausdrücken will: Twitter geht davon aus, dass für den Zugriff auf die Daten eine staatliche finanzierte Truppe der genannten Staaten verantwortlich ist.
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: Amazon-MitarbeiterInnen machen sich mit ihren Aktien für Klimaschutz stark
Zusammen etwas erreichen. : Amazon-MitarbeiterInnen machen sich mit ihren Aktien für Klimaschutz stark Große Tech-Unternehmen geben oft Aktien an ihre MitarbeiterInnen als Teil der Bezahlung oder Abfindung heraus. Einige Angestellte des Online-Händlers Amazon haben sich jetzt erstmalig zusammengetan, um gemeinsam als AnteilseignerInnen Anträge einzubringen. Darin fordern sie den Konzern auf, sich verstärkt für Nachhaltigkeit einzusetzen, berichtet die New York Times.
Dieses Vorhaben reiht sich damit in eine Folge von Protestbewegungen von Angestellten bei Google und Amazon ein. In dem Artikel der New York Times heißt es, dass es fraglich ist, wie erfolgreich die Aktion im Endeffekt ist – immerhin hält Amazon Gründer Jeff Bezos die meisten Unternehmensanteile. Es zeige aber zumindest, dass die MitarbeiterInnen bereit sind, sich für die Erreichung eigens formulierter Ziele zu organisieren:
Die MitarbeiterInnen sagten, es sei dennoch wert, dieses Risiko einzugehen. Vorschläge von Anteilseignern erhalten oft Aufmerksamkeit, weil sie an die anderen Aktionäre weitergereicht werden und in jährlichen Stellvertretererklärungen enthalten sind, sagen die Mitarbeiter. Sie geben den ArbeitnehmerInnen die Möglichkeit, ihre Beschwerden direkt an den Vorstand und nicht nur an ManagerInnen zu richten. [Eigene Übersetzung]
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: Ab 1. Januar 2019: Frankreich führt Digitalsteuer ein
Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire : Ab 1. Januar 2019: Frankreich führt Digitalsteuer ein Nun also doch: Frankreich wird bereits mit dem Jahreswechsel eine Digitalsteuer einführen. Die Abgabe soll ab dem 1. Januar 2019 auf Werbeumsätze, den Verkauf persönlicher Daten und andere Aktivitäten großer Internetplattformen wie Facebook und Google anfallen. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire rechnet für 2019 mit Einnahmen von rund 500 Millionen Euro.
Der französische Alleingang kommt überraschend. Noch vor wenigen Tagen hatte Le Maire verkündet, eine europäische Einigung bis März 2019 abzuwarten. Darauf hatte der Minister sich mit seinem deutschen Kollegen Olaf Scholz geeinigt. Grund für die abrupte Einführung könnten die Gelbwesten-Proteste der vergangenen Wochen sein, berichtet AFP:
Der Schritt Frankreichs zur Einführung der Steuer am 1. Januar könnte von innenpolitischen Bedenken getrieben werden, da das Finanzministerium nach neuen Einnahme- und Sparquellen sucht. Unter dem Druck der Gelbwesten kündigte Präsident Emmanuel Macron letzte Woche eine Reihe von Maßnahmen für Familien mit niedrigem Einkommen an, die im Haushalt 2019 ein Milliardenloch hinterlassen haben. [Eigene Übersetzung]
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: Ein Leben ohne Apple, Microsoft, Google, Facebook und Amazon
Die Großen Fünf abwehren? Designer Oliver Hinzmann hat das für uns illustriert. : Ein Leben ohne Apple, Microsoft, Google, Facebook und Amazon Gibt es ein modernes Leben ohne die Produkte der Großen Fünf? Ein Autor der US-Version des Vice-Techmagazins Motherboard hat es ausprobiert und einen Monat lang seinen Alltag ausschließlich mit der Hilfe von freier Software oder Programmen von unabhängigen Anbietern bestritten. Daniel Oberhaus Bericht vermittelt auf unterhaltsame Art die Chancen und Fallstricke der alternativen Technologie.
Ein besonders unterhaltsamer Teil des Artikels beschreibt die Mühe des Autors damit, von Windows auf ein Linux-Betriebssystem umzusteigen:
Trotz ihrer einfachen Installation und Kompatibilität mit der meisten Software sind Ubuntu und andere Linux-Distributionen immer noch nicht Mainstream. […] Linux verletzt den ersten Grundsatz, mit dem man Leute dazu kriegt, eine Technologie zu verwenden: Nämlich dass es sich nicht so anfühlen sollte, als würde man überhaupt Technologie verwenden. Um Arthur C. Clarke zu paraphrasieren, es sollte sich wie Magie anfühlen. Linux fühlt sich nicht wie Magie an, sondern wie ein Ärgernis – zumindest, bis man herausgefunden hat, wie man eine Kommandozeile bedient. [Eigene Übersetzung]
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: Taylor Swift überwacht Fans mit Gesichtserkennung
Taylor Swift bei einem Auftritt im Jahr 2013. (Archivbild) : Taylor Swift überwacht Fans mit Gesichtserkennung Immer mehr nicht-staatliche Akteure nutzen Gesichtserkennung. Laut einem Bericht im Rolling Stone hat Popstar Taylor Swift bei einem Konzert in Los Angeles im Mai ihre Fans mit Kameras erfasst und mit einer Datenbank mutmaßlicher Stalker abgeglichen. Die biometrische Überwachung geschah ohne Information oder Einwilligung der Besucher/innen über diese Maßnahme.
In Deutschland hätte so eine Maßnahme keine Rechtsgrundlage, sagt ein Sprecher der Bundesdatenschutzbeauftragten gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Auch die Bürgerrechtsorganisation Privacy International kritisiert die private Überwachungsmaßnahme.
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: Studie: Industrie dominiert mediale Berichterstattung über Künstliche Intelligenz
Oft im Fokus der Aufmerksamkeit: Tech-Unternehmer Elon Musk : Studie: Industrie dominiert mediale Berichterstattung über Künstliche Intelligenz Die Interessen großer Konzerne stehen bei Medienberichten über Künstliche Intelligenz (KI) in Großbritannien klar im Vordergrund. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Reuters-Instituts für Journalismusforschung der Universität Oxford. Die bei weitem häufigste Quelle für Artikel zum Thema KI seien Pressemeldungen von Unternehmen, schreibt Co-Autor Scott Brennen. KI werde häufig als relevante und passende Lösung für eine ganze Reihe von Problemen beschrieben.
Die Studie analysierte 760 in diesem Jahr erschienene Artikel in britischen Medien. Sie kommt zu dem Schluss:
- Nahezu 60 Prozent der Artikel konzentrieren sich auf neue Produkte, Ankündigungen oder Initiativen von Unternehmen. Bezüge zu KI finden sich in Berichten über Smartphones und Laufschuhe, Sexroboter und die Konservierung von Gehirnen.
- Medien berichten regelmäßig über PR-Event von Unternehmen, neue Startups, Übernahmen, Investitonen und Konferenzen
- Ein Drittel der Artikel beruhen auf Industrie-Quellen – hauptsächlich Firmenchefs und führende Manager. Sie kommen sechs Mal so oft vor wie Regierungsquellen und doppelt so oft wie Quellen aus der Wissenschaft.
- Zwölf Prozent der Artikel nennen namentlich Tesla-Chef Elon Musk.
- KI-Produkte werden oft als Lösung für eine ganze Reihe von Problemen beschrieben, von Krebs bis zu erneuerbarer Energie und der Auslieferung von Kaffee. Journalisten und Kommentatoren hinterfragen selten, ob KI-basierte Technologie die beste Lösung für solche Fragen ist oder erwähnen kritische Debatten über die möglichen Auswirkungen von KI.
- Mediale Berichterstattung über KI ist politisiert: Rechtsgerichtete Medien beleuchten wirtschaftliche und geopolitische Fragen; linke Medien schreiben über ethische Fragen wie Diskriminierung, algorithmische Verzerrung und Privatsphäre.
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: Online-Spiel klärt über Verschlüsselung auf
Alles sicher? : Online-Spiel klärt über Verschlüsselung auf Verschlüsselung ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Viele Nachrichten-Messenger nutzen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und im Browser zeigt einem ein kleines grünes Schloss an, dass die Datenübertragung bei dem Besuch einer Website abgesichert ist. Doch viele AnwenderInnen verstehen nicht, wie Verschlüsselung eigentlich funktioniert. Das kann in brenzligen Situationen dazu führen, dass man sich fragt, ob und wie Unbefugte an die eigenen Daten gelangen können.
In einem kleinen Online-Spiel leistet die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Aufklärungsarbeit zu Datenschutz und Verschlüsselung. Die SpielerInnen folgen dem Charakter Fei durch ihren Alltag und müssen sich in unterschiedlichen Situationen für die sicherste Alternative entscheiden. Ganz gleich, ob man richtig oder falsch klickt, bekommt man einiges an Informationen rund um das Thema Verschlüsselung im Alltag.
„Verschlüsselung hilft uns, unsere Online-Transaktionen, persönlichen Daten, intimen Fotos und sensible Kommunikation vor wachsamen Augen abzuschirmen“, erklärt Cynthia Wong, Internet Forscherin bei Human Rights Watch in einem Blogbeitrag. „Aber wie diese technische Abwehr funktioniert, ist manchmal unklar, also hoffen wir, dass die Menschen, die das Spiel spielen mehr darüber lernen, wie wichtig Verschlüsselung für ihre Sicherheit ist.“
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: 70 Jahre Menschenrechte: Gerhart Baum fordert Genfer Konvention zu Cyberwar
Eleanor Roosevelt mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1949. : 70 Jahre Menschenrechte: Gerhart Baum fordert Genfer Konvention zu Cyberwar Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte feiert einen runden Geburtstag. Vor siebzig Jahren sollten die selbstverpflichtenden Bestimmungen zum Schutz der Würde und der Person Licht in eine düstere Welt bringen. Obwohl sich längst nicht alle unterzeichnenden Nationen an die dreißig Artikel umfassende unverbindliche Charta halten, ist ihre Relevanz doch unverkennbar: Die Erklärung bildet heute die maßgebliche Grundlage dafür, Verstöße gegen das Menschenrecht auf- und anzuzeigen. Aber das ist kein Grund, nur zu feiern und das Jubiläum nicht auch mit Forderungen zu verbinden, findet der ehemalige Innenminister und Liberale Gerhart Baum.
Denn zwar sei das Recht auf die „Freiheitssphäre des Einzelnen“ in Artikel 12 festgehalten und deklariere einen „Anspruch auf rechtlichen Schutz“ gegen Eingriffe in das Privatleben als Menschenrecht. Dieses Recht gerät aber seit siebzig Jahren zunehmend durch staatliche und kommerzielle Überwachung in Gefahr, schreibt Baum. In einem dankenswerterweise frei zugänglichen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung resümiert der Jurist und Freiheitskämpfer sieben Dekaden Menschenrechte. Und er plädiert außerdem für eine überfällige UN-Konvention gegen offensive staatliche Hackerangriffe:
Eine neue „Genfer Konvention“ zu Cyberwar sollte in Angriff genommen werden. Der Schutz der Privatheit bedarf dringend einer weltweiten rechtlichen Regelung. Die Vereinten Nationen haben durch Resolutionen der Generalversammlung regelmäßig auf diese Gefahren hingewiesen. Im Grunde braucht es nach 25 Jahren eine zweite Weltmenschenrechtskonferenz, schon um der Tendenz des Internets, zum Macht- und Unterdrückungsinstrument und zum Mittel für die Einflussnahme auf politische Entscheidungen zu werden, entgegenzuwirken. Wer Daten hat, hat Macht.
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: NGO-Bündnis appelliert an Bundesregierung: Konzernmacht in der digitalen Welt beschränken
: NGO-Bündnis appelliert an Bundesregierung: Konzernmacht in der digitalen Welt beschränken Die Initiative „Konzermacht beschränken“ hat ein Diskussionspapier zur Einschränkung digitaler Monopole veröffentlicht. Darin weist das Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen auf Regulierungslücken des Digitalmarktes hin und fordert die Bundesregierung auf, durch Gesetzesänderungen Monopolbildungen zu verhindern und die Marktmacht von Konzernen zu beschränken.
In der Ankündigung der NGOs heißt es:
Mit diesem Diskussionspapier will die Initiative „Konzernmacht beschränken“ einen Beitrag zur öffentlichen Debatte über die Notwendigkeit von Regulierung 4.0. leisten. Im Mittelpunkt stehen die Betrachtung der Bedeutung von Daten und Algorithmen, der Monopolisierung sowie politischer Ansätze im Kartellrecht. Entscheidend wird sein, ob die Digitalisierung die soziale und ökologische Transformation des Wirtschaftssystems unterstützt oder, was es zu vermeiden gilt, behindert.
Dem Bündnis gehören der Bund für Umwelt und Naturschutz, der Chaos Computer Club, Oxfam und zahlreiche weitere Organisationen an.
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: Juli Zeh wird Verfassungsrichterin in Brandenburg
Juli Zeh auf der Frankfurter Buchmesse 2018. : Juli Zeh wird Verfassungsrichterin in Brandenburg Der brandenburgische Landtag hat die Schriftstellerin, Juristin und Überwachungskritikerin Juli Zeh zur Richterin am Landesverfassungsgericht gewählt. Sie erhielt 71 von 86 Stimmen, berichtet die Berliner Morgenpost.
Juli Zeh ist promovierte Völkerrechtlerin und SPD-Mitglied, sie engagiert sich seit Langem für Grund- und Bürgerrechte und war in der Vergangenheit immer wieder als laute Stimme gegen Überwachung zu hören. 2008 reichte sie beim Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde gegen den biometrischen Reisepass ein, die allerdings abgelehnt wurde. In der NSA-Affäre initiierte Zeh einen viel beachteten offenen Brief, der feststellte: „Deutschland ist ein Überwachungsstaat“.
Der Märkischen Allgemeinen berichtete sie bereits im Oktober im Interview über ihre Motivation, das ehrenamtliche Amt anzutreten:
Es mag pathetisch klingen, aber ich liebe das demokratische Rechtssystem. Es ist ein Wunderwerk. Auch mit Fehlern und Unpässlichkeiten, natürlich, aber im Großen und Ganzen mit einer schier unglaublichen Funktionsfähigkeit, wenn man bedenkt, was für eine riesenhafte Aufgabe es ist, das Zusammenleben von 80 Millionen Menschen zu ordnen und zu befrieden, und das auch noch innerhalb des europäischen Rahmens. Ich teile die Werte unseres Grundgesetzes und der Landesverfassung aus tiefstem Herzen. Es ist doch toll, wenn man sich in den Dienst einer so guten Sache stellen kann. Erst recht in Zeiten, da Demokratie und Rechtsstaat immer unverfrorener rhetorisch angegriffen und missbraucht werden von Menschen, die das Projekt der offenen und europäischen Demokratie beenden wollen.
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: Albanien stellt aus Versehen Geheimdienstdaten ins Netz
Dem albanischen Geheimdienst sind Daten abhanden gekommen. (Symbolbild) : Albanien stellt aus Versehen Geheimdienstdaten ins Netz Albaniens Finanzministerium hat aus Versehen sensible Informationen von Mitarbeitern und hohen Beamten des Geheimdienstes SHISH ins Internet gestellt. Die Informationen enthielten Details zu Personen, ihren Fahrzeugen, ihren Rollen in Operationen, Reisebewegungen und täglichen Gewohnheiten, berichtet The Independent.
Die veröffentlichten Tabellen enthielten auch Namen, Löhne und Ausgaben von mindestens acht Mitarbeitern von Geheimoperationen in Belgien, Griechenland, Kosovo, Italien, Mazedonien und Serbien. Gegenüber dem Independent bestätigten Geheimdienstmitarbeiter die „heikle Natur“ der Daten.
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: Berlin: Datenschutzbehörde prüft chinesischen Fahrradverleih Mobike
Ein Leihfahrrad des chinesischen Herstellers Mobike. : Berlin: Datenschutzbehörde prüft chinesischen Fahrradverleih Mobike Nach einem kritischen Medium-Beitrag des Datenschutzaktivisten Alexander Hanff will die Berliner Datenschutzbehörde den chinesischen Fahrradverleih Mobike prüfen, berichtet der Tagesspiegel. Der sogenannte Bike-Sharing-Anbieter sammelt umfangreiche Nutzungs- und Standortinformationen über seine Kund:innen, überträgt diese nach China und berechnet für die Betroffenen individuelle Score-Werte.
Hanff zufolge begeht das Unternehmen dabei mehrere Verstöße gegen die Datenschutzgrundverordnung. Dem Tagesspiegel teilte die zuständige Berliner Aufsichtsbehörde heute mit:
„Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hatte bereits geplant, eine Prüfung von Car- und Bikesharing-Unternehmen vorzunehmen. […] Es ist geplant, Mobike noch in dieser Woche um eine schriftliche Stellungnahme sowie um die Beantwortung eines Fragenkatalogs zu bitten.“
Das Unternehmen habe dann drei Wochen Zeit für eine Antwort.
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: Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast: Wie Apps unseren Standort ausspionieren
Auch die Wetter-App weiß, wenn man in New York ist. : Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast: Wie Apps unseren Standort ausspionieren Es sind diese Dinge, von denen man eine ungefähre Ahnung hat, sie aber nicht genau wissen will. Deswegen ist es gut, ab und zu noch einmal mit der Nase drauf gestoßen zu werden. Die New York Times berichtet in einer ausführlichen Reportage über Smartphone-Apps, die unseren Standort ausspionieren und die Daten weiterverkaufen. Die Anbieter rechtfertigen ihr Verhalten damit, dass die Daten nicht mit Namen verbunden sind.
Der Artikel in der New York Times zeigt wieder einmal, dass eine Kombination vieler Daten eben doch Rückschlüsse auf einzelne Personen ermöglicht. Es wird auf gruselige Weise visualisiert, was sich darüber alles über NutzerInnen in Erfahrung bringen lässt. Das mangelnde Bewusstsein über die Möglichkeit der Datenweitergabe ist von App-Betreibern auch so beabsichtigt, wie es in dem Artikel heißt:
Viele Anbieter, die Standorte tracken, sagen, dass die Daten vogelfrei sind, weil die Nutzer Standortservices aktiviert haben. Die New York Times fand allerdings heraus, dass die Informationen, die den Nutzern bei der Einwilligung zur Standortfreigabe angezeigt werden, oftmals unvollständig oder irreführend sind. Eine App teilt Nutzern beispielsweise mit, dass das Standort-Tracking hilft, Verkehrsinformationen zu erhalten, erwähnt aber nicht, dass die Daten geteilt und verkauft werden. Diese Offenlegung ist oft in einer vagen Datenschutzerklärung vergraben. [Eigene Übersetzung]
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: Hass im Netz: Neues Tool bietet erste Hilfe für die Kommentarspalte
Wie geht man mit Hatern in den eigenen Kommentarspalten um? Das Helpdesk hilft gerne weiter. : Hass im Netz: Neues Tool bietet erste Hilfe für die Kommentarspalte Die Deutsche Welle hat ihre Kommentarfunktion längst abgeschaltet, die Süddeutsche Zeitung, die Neue Züricher Zeitung und viele andere Medien haben sie stark eingeschränkt. Die Beleidigungen, Hetze und Halbwahrheiten in den eigenen Kommentarspalten zu verwalten, oder auch nur das im Blick zu behalten, was nach deutschem Recht justiziabel ist, führt viele ohnehin schon dünn besetzte Redaktionen an ihre Grenzen – manchmal auch darüber hinaus.
Der Verein Neue Deutsche Medienmacher hat jetzt ein Online-Werkzeug erstellt, das Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit im Steinbruch der Kommentare unterstützen soll. Der Helpdesk, der seit heute online steht, bündelt das Wissen von Aktivist*innen und anderen, die täglich mit Hassrede im Netz konfrontiert sind. Sortiert in die drei Kategorien „Vorher“, „Jetzt“ und „Danach“ bietet die Seite Grundlagenwissen, Soforthilfe und Hinweise, wann sich im Nachgang etwa eine Anzeige oder Abmahnung lohnt.
Hier ein Auszug aus den „10 Goldenen Regeln zum Umgang mit Hass im Netz“, dem Herzstück der Seite:
Bevor man sich überlegt, ob und wie man auf einen Hasskommentar reagiert: erst einmal einen kurzen Moment zurücklehnen. Was will der*die Hater*in erreichen? Was will man selbst mit seiner Antwort bewirken? Wichtig: Leute, die haten, erreicht man nur in den seltensten Fällen. Und: Leute, die haten, sind eine laute Minderheit. Deswegen sollte man die eigene Antwort auf Hassrede in der Regel für die stillen Mitleser*innen – die Mehrheit – formulieren. Sie will man ansprechen und ermutigen, sich nicht aus der Debatte zurückzuziehen.
Viele dieser Informationen, etwa zur Rechtslage, bestehenden Kampagnen gegen Hassrede oder den entsprechenden Meldestellen, lassen sich auch anderswo im Netz bereits nachlesen. Was die Seite leistet, ist Usability und Übersicht – beides nicht zu unterschätzen in einer hektischen Situation, wenn eine Redaktion oder eine einzelne Person mit einer akuten Krise in den eigenen Kommentaren konfrontiert ist. Hier bietet der Helpdesk unkomplizierte Soforthilfe.