Ein Leben ohne Apple, Microsoft, Google, Facebook und Amazon

Die Großen Fünf abwehren? Designer Oliver Hinzmann hat das für uns illustriert. CC-BY-SA 4.0 Oliver Hinzmann

Gibt es ein modernes Leben ohne die Produkte der Großen Fünf? Ein Autor der US-Version des Vice-Techmagazins Motherboard hat es ausprobiert und einen Monat lang seinen Alltag ausschließlich mit der Hilfe von freier Software oder Programmen von unabhängigen Anbietern bestritten. Daniel Oberhaus Bericht vermittelt auf unterhaltsame Art die Chancen und Fallstricke der alternativen Technologie.

Ein besonders unterhaltsamer Teil des Artikels beschreibt die Mühe des Autors damit, von Windows auf ein Linux-Betriebssystem umzusteigen:

Trotz ihrer einfachen Installation und Kompatibilität mit der meisten Software sind Ubuntu und andere Linux-Distributionen immer noch nicht Mainstream. […] Linux verletzt den ersten Grundsatz, mit dem man Leute dazu kriegt, eine Technologie zu verwenden: Nämlich dass es sich nicht so anfühlen sollte, als würde man überhaupt Technologie verwenden. Um Arthur C. Clarke zu paraphrasieren, es sollte sich wie Magie anfühlen. Linux fühlt sich nicht wie Magie an, sondern wie ein Ärgernis – zumindest, bis man herausgefunden hat, wie man eine Kommandozeile bedient. [Eigene Übersetzung]

17 Ergänzungen
  1. Zunächst einmal vielen Dank für den Hinweis auf den interessanten Artikel. Leider muss ich aber sagen, dass die Art, wie der Motherboard-Artikel hier zitiert wird, für mich problematisch ist. Auch der Motherboard-Artikel selbst hat meiner Ansicht nach Schwächen. Zur Erklärung:

    Der Autor beschreibt seine Erfahrungen mit Linux und dem Umstieg dort hin weniger als mühevoll, sondern sogar als „quite pleasant“, gerade im Bezug auf die einfache Installation, der Verfügbarkeit von Software und der Bedienung über die grafische Oberfläche. Der letzte Satz des Zitates wirkt da regelrecht deplatziert, denn sein Ausflug auf die Kommandozeile war beabsichtigter Teil seines Experiments und eben nicht unbedingt zur Bedienung seines Computers notwendig, auch wenn die Kommandozeile seiner Erfahrung nach zur Ausführung von „more obscure program[s]“ nötig war. Seine Erfahrungen auf der Kommandozeile beschreibt er als „the most gratifying part of [his] experiment“ und er freut sich über die Genauigkeit der Befehle, die er dem Computer auf diesem Wege geben konnte. „it’s hard to go back,“ so sein Fazit über die Nutzung der Kommandozeile nach einer gewissen Einarbeitungszeit.

    Daniel Oberhaus scheint von dieser Art der Bedienung also durchaus angetan, formuliert es im zitierten Teil seines Textes aber ungeschickt. Ohne den gerade erklärten (fehlenden) Kontext bedient dieser Satz nur die gängigen Klischees von einem Linux, das für den genannten „Mainstream“ viel zu unbequem und kompliziert sein muss. Wer dem Link zum Original nicht folgt, sieht sich in möglicherweise vorhandenen Voruteilen vielleicht sogar bestätigt. So rückt man Open-Source Projekte, in diesem Falle Linux, in kein gutes Licht.

    Angesichts seiner offenbar positiven Einstellung gegenüber Linux wäre mein Rat an Oberhaus, den Satz etwas umzuformulieren: „WINDOWS fühlt sich nicht wie Magie an, sondern wie ein Ärgernis – SOBALD MAN herausgefunden hat, wie man eine LINUX Kommandozeile bedient.“ Das zumindest träfe eher auf die Realität und seine Erfahrungen zu.

    Ins richtige Licht gerückt halte ich den Artikel auf Motherboard für eine gute Sache, hätte mir bei Linux aber noch einen Abschnitt über Drucker gewünscht. Die sind nämlich für viele Leute wichtig und vielleicht sogar einer der wenigen Gründe, überhaupt noch einen eigenen Computer in der Wohnung zu haben. Erfahrungsgemäß sind Drucker aber, je nach Hersteller, nicht unproblematisch unter Linux.

    1. Mir ging das ziemlich genauso wie Dir beim Lesen. :}

      Ich zitiere nochmal kurz zum besseren Verständnis Deines Kommentars die genaue Wortwahl im Original:
      Linux does not feel like magic; it feels like a pain in the ass — at least until you’ve figured out how to use a command terminal.

  2. „Linux does not feel like magic; it feels like a pain in the ass — at least until you’ve figured out how to use a command terminal“

    „Linux fühlt sich nicht wie Magie an; es fühlt sich an wie ein Furunkel am Hintern – zumindest bis man herausgefunden hat wie man ein Terminal-Programm benutzt“

    Nur um die Tonalität richtig rüber zu bringen! Oder habe ich da was falsch übersetzt? :)

    1. Ich muss sagen ich finde Windoofs7 immer noch toll und handlich. Allerdings werde auch ich bis spätestens 2020 umsteigen müssen. Dann wird vlt noch Win10 für spielen genutzt mehr auch nicht.

    2. Ich wette der hat sein „Bigtech Abstinenzprojekt“ niemals durchgezogen, sondern sich was aus den Fingern gelutscht.

      „As for the hosting platform, I decided to use NextCloud, an open source fork of the file hosting service ownCloud.“

      Seit diesem Satz schuldet mir der Autor eine neue Tastatur, ich habe da vor Lachen etwas zu viel Kaffe über die Nase wieder ausgeschieden. :)

      1. Wie jetzt? Wegen dieses einen Satzes glaubst Du dem Autor kein Wort?
        Mit Verlaub, aus Deinem Kommentar spricht mehr die Haltung vieler Techies, für die technische Expertise selbstverständlich ist und die sich nicht vorstellen können oder wollen, dass so ein Umstieg für andere ein anstrengendes, aber spannendes Abenteuer ist. Au weia, da hat wer einen Fakt nicht korrekt oder was nicht genau verstanden, also muss das alles Lüge sein.

        1. Constanze, sei mir nicht böse, aber der Mann schreibt für MOTHERBOARD, da sollte eigentlich der Name Programm sein und sein Profil sieht doch auch nicht unterqualifiziert aus. Den Artikel kann so auch niemand redigiert haben.

          Daniel Oberhaus
          Staff writer focusing on physics, space, cryptocurrency, and the future of energy.

          His work has appeared in The Atlantic, Popular Mechanics, Slate,
          The Baffler, Nautilus, Vice, The Awl, The Outline, and elsewhere.

          „Mastodon (a decentralized Twitter imitator) or Ello (a privacy-oriented, ad-free Facebook alternative). You won’t find anyone you know on there“

          Keine Ahnung, wen der so kennt… :)

          „cat food… large and heavy… The same cat food I always buy on Amazon cost more than twice as much at my local pet store. While this was fine for a month, I couldn’t afford this large of an increase in my expenses in the long term.“

          Ausgewachsener Tiger? Wüsste sonst nicht, wie man sich an Katzenfutter einen Bruch heben und arm werden könnte. :)

          „Linux. For starters, it is arguably the most secure OS“

          Ja ne, is klar! :D

          https://www.cvedetails.com/vulnerability-list/vendor_id-33/product_id-47/cvssscoremin-7/cvssscoremax-7.99/Linux-Linux-Kernel.html

          Soll ich weitermachen? ;)

          Und nichts gegen Ubuntu, ich liebe deren Chromium Bowser wg. VAAPI Support.
          Endlich 4k streamen ohne Wakü auf Vollast.

          1. Achje, Deine Beispiele oben hätte ich vermutlich auch nicht so in einem Bericht geschrieben, aber ich finde es deswegen nicht abwegig und auch noch lange nicht, dass seine Geschichte erlogen sein soll.
            Was Du gegen Motherboard an sich hast, erschließt sich mir auch nicht wirklich. Ich lese es zuweilen ganz gern, manchmal finde ich es schlimm. So what?

            [ ] von Deinen Argumenten überzeugt worden

          2. Quatsch, ich habe nichts gegen Motherboard, Vice und die anderen Publikationen in seiner Bio.

            Ich kam mir beim lesen bloß etwas veräppelt vor. Mein blöder Instinkt sagte mir nach dem lesen:

            „Psychologisch gut gemacht, mal eine neue Methode Dinge die ich mag über Bande durch den Kakao zu ziehen.“

            Man kann da auch zu anderen Schlußfolgerungen kommen, aber für mich fühlte sich das so an. Und ich gehe weder zum Lachen in den Keller, noch mache ich aus meinem Herzen eine Mördergrube. So bin ich halt. :)

          3. Logo! Ich kann gut mit einem gepflegten Dissens leben. :)

            Du siehst ja die gleichen Schwächen und kommst halt zu einer anderen Schlußfolgerung, ist doch kein Ding.

    3. Ich glaube, dass war nicht der Punkt. Sondern, dass Linux erst richtig geil wird, wenn man sich mal mit der CLI beschäftigt hat und man dann nicht mehr zurück will. Stichwort: Red Pill.

      Allerdings ist die Unterstellung quatsch, dass sich etwas nur „magisch“ anfühlt, wenn man nichts dazulernen muss.. Demnach wären alle Dinge nicht „magisch“, die die Menschen in ihren Bann ziehen. Beispiele: Sport, Musik, Bücher, Sex, usw.

  3. The red pill or the blue pill?

    Wenn wir bereits Kinder vor Linux setzen würden, hätten wir bei Weitem nicht so viele Probleme (und DAUs). Wer Linux nutzt hat einfach mehr vom Computer und versteht ihn tendenziell auch besser.

    Es ist eine Schande dass selbst nach den Erkenntnissen des BSI Windows und andere M$-Produkte noch vom Staat usw. eingesetzt werden dürfen.

    Private Nutzer dieser Betriebssysteme haben idR. sehr wenig Ahnung und bereits aufgegeben. Eine ideale Voraussetzung für ein totalitäres System, lauter Looser die bereits aufgegeben haben weil sie lernresistent und faul sind. Wenn das schon bei der Wahl eines Betriebssystems so schnell geht, wie mag es erst in anderen Bereichen aussehen?

    Wer wundert sich noch, dass so viele Bürger bereitwillig Hitler gedient haben nach so einer Erkenntnis?

  4. Man sollte auch einen der Folgeartikel auf Motherboard lesen:
    „Scientists Discover Hidden ‚Supercolony‘ of 1.5 Million Penguins“ :)
    Mal ganz im Ernst. Auch mit technischem Wissen gehört schon einiges an persönlichen Einsatz, sich auch nur ansatzweise aus der Umklammerung der „Big Five“ zu befreien.
    Wenn das nicht nur individuell, sondern auf einer breiten Basis geschehen soll, müssen Angebote her, die das „Out Of The Box“ erledigen. Ein wachsendes Angebot an Linux Notebooks und Firmen wie Jolla, Purism, Pine64 und Necuno machen mir Hoffnung, das das letzte Wort hier noch nicht gesprochen ist.

  5. Ich glaube, dass war nicht der Punkt. Sondern, dass Linux erst richtig geil wird, wenn man sich mal mit der CLI beschäftigt hat und man dann nicht mehr zurück will. Stichwort: Red Pill.

    Allerdings ist die Unterstellung quatsch, dass sich etwas nur „magisch“ anfühlt, wenn man nichts dazulernen muss.. Demnach wären alle Dinge nicht „magisch“, die die Menschen in ihren Bann ziehen. Beispiele: Sport, Musik, Bücher, Sex, usw.

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