Digital Rights

  • : „Stecker aus der Wand gezogen“
    „Stecker aus der Wand gezogen“

    Am 25. März hat Bundesfrauenministerin Ursula von der Leyen im Bundestag ausgeführt, dass sie unter ihrem Vorstoß selbst im Prinzip das zu verstehen scheint, was unsereins unter dem Slogan „Löschen statt Filtern“ fordert:

    Zur technischen Umsetzbarkeit. Man muss sich das in etwa so vorstellen, als wenn man ein Telefon hat, dessen Stecker aus der Wand gezogen ist: Man kann den Hörer abheben und eine Nummer wählen; eine Verbindung wird jedoch nicht aufgebaut. Das ist das Grundprinzip: schon im Ansatz zu sperren, um jeglichen Zugang zu diesem Markt unmöglich zu machen.

    Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 213. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 25. März 2009, S. 23063 (PDF-Seite 9/64), Abschnitt ©

    30. Mai 2009 39
  • : CRE124: Kampf gegen Zensursula
    CRE124: Kampf gegen Zensursula

    Chaosradio Express Folge 124 ist ein Interview mit Florian „scusi“ Walther „Über „KiPo“ als politische Keule und die Selbstfindung der Netzgemeinde in Deutschland: Kampf gegen Zensursula“.

    Der Widerstand der deutschen Netzgemeinde gegen die Pläne der Bundesregierung, im Namen des Kampfes gegen „Kinderpornographie“ eine Infrastruktur zur Internetzensur einzuführen, ist ohne Beispiel. Anfangs verlächelt und verhöhnt organisiert sich aus einer neuen Generation von netzaffinen Menschen eine Bürgerbewegung der neuen Art, mit der die deutsche Politik in der Form bislang noch nicht konfrontiert war. Chaosradio Express blickt in dieser besonderen Ausgabe auf die kurze Geschichte des Widerstandes. Im Gespräch mit Tim Pritlove erläutert Florian „scusi“ Walther die Hintergründe seines eigenen Engagements und welche anderen Aktivisten und Ereignisse die politische Agenda bisher beeinflussten. Dazu wird ein Blick auf die bisherigen Erkenntnisse gerichtet, wie sich der sogenannte „Markt“ der sog. „Kinderpornographie“ tatsächlich darstellt und warum der Begriff selbst mehr als irreführend ist,

    Weitere Themen: Realitäten und Scheinrealitäten im Bereich der „Kinderpornographie“, Inhalte und Strutur der Sperrlisten in anderen Ländern, warum Banken Phishing-Websites problemlos und schnell abgeschaltet bekommen, Realitäten von Hausdurchsuchungen, Wikileaks, wie KiPo-Angebote technisch realisiert werden und die Mobilisierung der Szene.

    Hier ist die MP3.

    30. Mai 2009 6
  • : Silvana Koch-Mehrin und die Ruhrbarone
    Silvana Koch-Mehrin und die Ruhrbarone

    Das Ruhrbarone-Blog hat heute über ein Gerichtsereignis in Hamburg geschrieben, wo die Anwälte der FDP-Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin versuchten, gegen eine FAZ-Berichterstattung vorzugehen. Der Hintergrund sind Vorwürfe an Silvana Koch-Mehrin, dass diese als FDP-Politikerin in den letzten fünf Jahren nicht sehr häufig im Europaparlament anzutreffen war. Das war relativ bekannt, aber die FAZ brachte dazu vor einigen Wochen einen Artikel. Gegen diesen stellten die Anwälte von Silvana Koch-Mehrin eine Einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Hamburg und darum ging es heute.

    Nun ist das alles nicht gerade berichtenswert für dieses Blog. Wenn nicht plötzlich die Anwälte von Silvana Koch-Mehrin den Ruhrbaronen zusetzen würden. Diese stellten die Vermutung auf, dass die FDP-Politikerin einen Meineid geleistet haben könnte, weil mit den offiziellen Zahlen etwas nicht stimmt:

    Der Knackpunkt ist dabei ein ganz spezieller. Wenn man sich die Plakate von Koch-Mehrin ansieht, mit denen sie versucht, Stimmen für ihre Europaspitzenkandidatur zu gewinnen, dann sieht man das Bild einer stolzen Frau. Sie will den Eindruck erwecken, sie verträte die Interessen der Bürger in Europa gut. In dieses Image scheint es nicht zu passen, wenn herauskommt, dass jemand nur irgendwas unter 45 Prozent der Plenarsitzungen in der EU besucht. Egal aus welchen Gründen. Eigentlich hätte man erwarten können, dass Koch-Mehrin diese Wahrheit im Wahlkampf wegsteckt. Doch die FPD-Dame scheint punktgenau da getroffen worden zu sein, wo es wehtut. Sie war bereit, eine möglicherweise irreführende eidesstattliche Versicherung abzugeben, um diese Wahrheit aus der Welt zu schaffen. Sie hat das EU-Parlament unter Druck setzen lassen, um diese Wahrheit zu vertuschen. Damit nicht genug. Seit dieser Bericht in den Ruhrbaronen hochgefahren ist, setzen uns die Anwälte von Koch-Mehrin zu. Sie sagen, wir würden uns strafbar machen, wenn wir schreiben, dass es einen Widerspruch gibt zwischen den Zahlen in der eidesstattliche Versicherung und den offiziellen Zahlen des EU-Parlamentes. Sie drohen offen mit einer Strafanzeige, wenn wir fragen, ob hier eine falsche strafbewehrte eidesstatliche Versicherung vorliegt.

    Die ganze Story liest sich ziemlich interessant. Mal schauen, was in den nächsten Tagen da noch raus kommt.

    Update: Da hat sich gerade eine kleine Schlammschlacht entwickelt, siehe die Kommentare hier und bei den Ruhrbaronen und bei Fefe. Die Schlammschlacht geht gerade gegen den Ruhrbarone-Autor. Dabei verlieren viele aus den Augen: Es geht nicht um die Fehlzeiten von Koch-Mehrin, sondern darum, dass diese gerichtlich versucht hat, Medienberichterstattung rund um die Sache mit Anwälten zu verhindern.

    29. Mai 2009 101
  • : Die Zensur im Netz – Das Ende der digitalen Welt?
    Die Zensur im Netz – Das Ende der digitalen Welt?

    3sat Kulturzeit hat am Mittwoch über „Die Zensur im Netz – Das Ende der digitalen Welt?“ berichtet:

    Nie war die Welt kleiner, vernetzter. Das Internet verbindet Menschen – über Grenzen, Kontinente und politische Systeme hinweg. Mühelos und sekundenschnell. Das weltweite Web könnte das Medium einer globalen Demokratie sein: ungehinderte Kommunikation. Meinungsfreiheit weltweit – so die soziale Vision. Doch der Traum von der Freiheit im Netz steht am Scheideweg.

    Das Transcript gibts bei 3sat, den MItschnitt u.a. auch auf Youtube:

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

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    29. Mai 2009 9
  • : Anhörung zu Netz-Sperren im Bundestag: Niemand hat die Absicht, eine Zensur-Infrastruktur zu errichten
    Anhörung zu Netz-Sperren im Bundestag: Niemand hat die Absicht, eine Zensur-Infrastruktur zu errichten

    Am Mittwoch fand die öffentliche Anhörung zum Gesetzesentwurf für Internet-Sperren im Bundestag statt. Die schriftlichen Stellungnahmen der Sachverständigen wurden vorher veröffentlicht und vorausgesetzt. Diesmal gab es keine Impulsreferate der Sachverständigen, sondern gleich eine Befragung durch Abgeordnete des Ausschusses. Die Fragezeit der einzelnen Fraktionen wurde nach der Fraktionsgröße berechnet.

    Zusammenfassend lässt sich sagen:

    • Die Opposition ist dagegen. FDP und Grüne sehen keine Gesetzgebungskompetenz beim Bund, sondern bei den Ländern. Die Linke bezeichnet die Sperren als „verfassungsrechtlich unzulässig, handwerklich mangelhaft und weitgehend nutzlos“.
    • Die CDU ist natürlich Pro-Sperren.
    • Die SPD ist zwar dafür, gibt aber kein einheitliches Bild ab, sondern tritt mit verschiedenen Positionen auf. Im Fazit mehr dazu.

    Die Sachverständigen haben leider die Diskussion nur auf Basis des vorliegenden Gesetzesentwurfs geführt, es kam keine grundsätzliche Ablehnung von Netz-Sperren. Martin Dörmann von der SPD-Fraktion sagte, dass es keine prinzipiellen Gründe gegen Internet-Sperren gibt, es kommt nur auf die konkrete gesetzliche Ausgestaltung an. Das Grundrecht auf Informationsfreiheit würde mit dem Gesetz zwar eingeschränkt, jedoch sagte kein Sachverständiger, dass diese Einschränkung unverhältnismäßig wäre. Wenigstens Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Sieber sah einen Einschüchterungseffekt und einen Chilling-Effekt, also eine Selbstzensur in der Bevölkerung, aus Angst vor Strafverfolgung.

    Oft wurde das Subsidiaritäts-Prinzip betont, nachdem Server mit strafbaren Inhalten vom Netz genommen werden sollen und erst als darauf folgender Schritt eine Sperre folgen soll. Prof. Sieber sagte, dass alle Länder Gesetze zum Jugendschutz haben. Leider wurde hier nicht nachgehakt, welche Länder keine adäquaten Gesetze oder andere Regelungen zu Kinderpornographie haben. Der Bundesvorsitzende vom Bund Deutscher Kriminalbeamter Jansen forderte eine „internationale Rechtshilfe in Echtzeit“ zur besseren internationalen Zusammenarbeit gegen Kinderpornographie. Auch die Ausbildung von Polizisten müsse verbessert werden, er wünscht sich eine „Qualifizierung zum Cyber-Cop.“

    Diskutiert wurde, ob eine richterliche Überprüfung vor der Aufnahme einer Domain auf die Liste oder im Nachhinein der bessere Weg wäre. Im Interview mit Spiegel Online ging Familienministerin von der Leyen auf Kritiker zu und schlug ein unabhängiges Gremium vor, „das die Blockierlisten unter dem Mehr-Augen-Prinzip anschaut“, wie auch immer das konkret aussehen soll. Gegner einer vorherigen richterlichen Kontrolle verwiesen auf die Schnelllebigkeit von zu sperrenden Angeboten und den „Sachverstand des BKA“ (Dr. Graf vom BGH), während Befürworter nur andersherum die Rechtsstaatlichkeit gewahrt sehen.

    Interessant war, dass die CDU-Fraktion keinen Zugriff auf „personenbezogene Daten“, also die Log-Daten der DNS- und STOPP-Seiten-Server im Gesetz will. Das Gesetz diene der Prävention, nicht der Repression. Diese Formulierung im Gesetzesentwurf kommt von Justizministerin Zypries (SPD). Auch das BKA will diese Daten gar nicht. Herr Sieber machte hier deutlich, dass wenn ein Aufrufen der STOPP-Seite zu einem Verdacht führt, alle möglichen User die Sperren umgehen, dann blieben wirklich nur noch die Falschen hängen. Einen Tag nach der Anhörung knickt auch die SPD ein.

    Die Branchenverbände BITKOM und eco waren recht schwach. Keiner der Verbände äußerte grundlegende Kritik. Sie sorgten sich vielmehr um die Rechtssicherheit von Providern und fordern daher eine technische Richtlinie. Auch gegen die Kosten ist man natürlich, der eco nannte Zahlen von 100.000 bis 4 Mio. Euro Investitionskosten für einzelne Provider. Nichtmal der von der SPD zugespielte Ball zum eco-Vorschlag von Filtern beim Enduser wurde aufgenommen. Wenigstens im Nachhinein bezeichnet der eco das Gesetz als „nicht beschlussreif“.

    Es gibt anscheinend sehr wenig wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema. Auch Dr. Kuhnen, Autorin des Buchs Kinderpornographie und Internet, bestätigte einen Daten- und Forschungsmangel sowohl zur Wirksamkeit von Sperren als auch zu Zahlen zu Verbreitung und Beschaffung von Kinderpornographie. Sicher ist, dass die in der Öffentlichkeit gehandelten Zahlen nicht repräsentativ sind.

    Herr Maurer vom BKA verdient wie immer einen eigenen Absatz. Obwohl er keine wissenschaftlichen Daten hat, schätzt er auf Basis der skandinavischen Listen, dass die vom BKA zu führende Liste „einige tausend“ Domains beinhalten würde und pro Woche 250 neue dazu kommen. Im Zweifel, ob eine Seite KiPo ist oder nicht, soll die Seite nicht auf die Liste genommen werden. In Vorbereitung zur Anhörung hat er sich die finnische Liste angesehen, nach dem Verständnis des BKA beinhalten viele der Einträge davon keine Kinderpornographie. Trotzdem habe es in den skandinavischen Ländern bisher keine Beschwerden wegen „Overblocking“ gegeben, also sei das wohl nicht passiert. So ist auch das BKA der Auffassung, dass nicht zu viel geblockt wird und weil sie sich darin so sicher sind, haben sie sehr weitgehende Haftungsrichtlinien akzeptiert. Staaten, die keine internationalen Vereinbarungen zu KiPo haben, seien unter anderem Russland, karibische Staaten sowie Osteuropa. Achja, und obwohl das BKA keine personenbezogenen Daten der STOPP-Server will, weil das zu viel Arbeit verursachen würde, bezeichnete er die Umgehung der Sperrmassnahmen als „deutlich Verdacht verschaffendes Element“.

    Resümierend ist festzuhalten, dass das ganze Gesetzesvorhaben mit der SPD steht und fällt. Nach den Verträgen zwischen BKA und Providern will die SPD das Ganze auf eine rechtsstaatliche Grundlage stellen. Die Positionen innerhalb der SPD sind jedoch sehr verschieden, wie man zwischen Thorsten Schäfer-Gümbel und Ministerin Zypries sehen kann. Nach einem nicht-öffentlichen Gespräch mit „der Internet-Community“ ™ hat die SPD-Fraktion ihre Forderungen etwas nachgebessert, rückt aber immer noch nicht von den Sperren ab. Hier ist Druck notwendig, hier geht noch was. Ein Hoffnungsschimmer könnte sein, dass die SPD ein Spezialgesetz will. Damit könnte das ganze Vorhaben bis zur Wahl nicht mehr zu schaffen sein. Ansonsten ist leider der Fahrplan, dass das Gesetz am 18.06., also in der vorletzten Sitzungswoche vor der Sommerpause und Bundestagswahl, mit 2. und 3. Lesung sowie Beschluss durch den Bundestag kommt.

    Noch ein paar lose Informationshäppchen:

    • Die Petition wurde gleich als erstes angesprochen.
    • Die SPD will die finnische Sperrliste haben.
    • Prof. Sieber formulierte einen schönen Satz, dass mit diesem Gesetz einen „Internet-Mauer“ gebaut wird, in der Deutschland geschützt werde.
    • Nur ein einziges Mal wurde erwähnt, dass Kinderpornographie und die Dokumentation von Missbrauch von Kindern nicht identisch sind. Prof. Dr. Bäcker wies darauf hin, dass unter den Begriff „Kinderpornographie“ auch Fiktion wie Comics und Romane fallen und dass auf einigen Sperrlisten anderer Staaten solche Sachen sind.
    • Dr. Graf wünscht sich, dass gegen User, die „100–200 Mal das STOPP-Schild anklicken“ wegen begründetem Verdacht ermittelt wird. Und er ist sich nicht sicher, ob „das Web 2 und was es da alles gibt“ die Massnahmen im Gesetz nicht umgehen kann.
    29. Mai 2009 54
  • : 100.000 unterzeichnen Zensursula-Petition
    100.000 unterzeichnen Zensursula-Petition

    Die nächste magische Zahl ist erreicht: Die Petition „Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten“ hat 100.000 Mitzeichner. Herzlichen Glückwunsch an alle Teilnehmer! Mit unserem 72h-Countdown wollten wir das zwar gestern schon erreichen, aber wer konnte auch ahnen, dass die Wartungsarbeiten dazwischen machen. Praktischerweise war der Zähler aber gestern schon so knapp unter 100.000, so dass vielen Medien schon diese Zahl berichteten. dpa berichtete beispielsweise am Abend: „Zensursula“ kann Kritiker nicht überzeugen“.

    Damit ist die Petition nicht abgeschlossen. Es besteht immer noch die Chance, diese zur erfolgreichsten Petition in der Geschichte des ePetitionssystems zu machen. Dafür fehlen noch knapp 40.000 und bleibt Zeit bis zum 16. Juni, um offline und online mehr Mitzeichner zu finden.

    Hintergründe gibt es in unserer kommentierten Zensursula – Linkliste.

    28. Mai 2009 39
  • : Keine Wahlempfehlung: CDU/CSU
    Keine Wahlempfehlung: CDU/CSU

    Am 7. Juni ist Europawahl und die Bundestagswahl steht bald an. Und vor Wahlen gibt es immer eine große Frage: Wen soll man wählen? Deutsche Medien sprechen – anders als zum Beispiel US-Medien – meistens keine Wahlempfehlung aus. Wir drehen den Spieß einfach um und sagen: Nicht CDU/CSU wählen!

    Dafür gibt es viele gute Gründe. Da wir ein Blog über Netzpolitik sind, konzentrieren wir uns dabei auf diesen Themenbereich. Aber wir freuen uns sehr, wenn Ihr den Ball aufnehmt und Eure 10 Punkte (oder auch weniger) für Euer Spezialgebiet formuliert und sagt, warum wer unwählbar ist und hierher verlinkt.

    1. Die CDU/CSU hat meines Wissens noch nie etwas Vernünftiges im Bereich Netzpolitik gefordert bzw. durchgesetzt. Mag sein, dass ich etwas übersehe. Aber die Unionspolitik setzt fast immer auf die beiden Punkte Angst und Kontrolle. Das können wir nicht gut finden.

    2. „Datenschutz ist Täterschutz“: so kann man die Forderungen und Gesetzesinitiativen von CDU/CSU im Bereich Innenpolitik zusammenfassen. Ständig fordern Politiker der beiden Parteien mehr Überwachung und weniger Datenschutz. Damit muss Schluss sein!

    3. Im Verhältnis Bürger zu Wirtschaft schlägt sich die Union stets auf die Seite der Wirtschaft. Zuletzt war dies bei der Debatte rund um das Bundesdatenschutzgesetz zu sehen. Einzelne progressive Geister in den Fraktionen werden als Exoten gebrandmarkt. Sie werden nicht gehört, mit Fraktionszwang oder Wahllistendrohungen geknebelt und niedergestimmt.

    4. Ursula von der Leyen hat anschaulich gezeigt, wie Netzpolitik bei der Union aussieht. Wider besseres Wissen und alle Expertise versuchten die Unionsfraktionen, ein völlig untaugliches Zensursula-Gesetz zur Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet mit heftigen Nebenwirkungen durchzusetzen. Einziges Ziel: Populismus. Niemand hat vor, eine Zensur-Infrastruktur zu errichten?

    5. Niemand in CDU/CSU steht für Netzpolitik oder gar digitale Bürgerrechte. Zwar leistet man sich eine internetpolitische Sprecherin – aber das wars.

    6. Offenheit ist für die Union ein Fremdwort: zu Open Source im Allgemeinen und Freier Software im Besonderen hat sich die Union nie positiv geäußert. Stattdessen steht sie für Gruppenkuscheln mit Microsoft.

    7. Im Political Memory (dem Abstimmungsgedächtnis) von La Quadrature du Net zum Telekom-Paket haben die Abgeordneten der konservativen EVP-Fraktion, der die Unionsabgeordneten angehören, am schlechtesten von allen Fraktionen abgeschnitten. Sie haben konsequent gegen Bürger- und Verbraucherrechte und die Netzneutralität gestimmt.

    8. Beim Urheberrecht fungieren CDU/CSU als verlängerter Arm der Rechteinhaber und fordern ständig Verschärfungen. Die Abgeordnete Ruth Hironymi war eine der lautesten Stimmen im Parlament, die den französischen „Three Strikes and you’re out“-Weg befürwortete. Sie scheidet zwar jetzt aus, aber es gibt keine Anzeichen, dass sich die Position der Union ändern könnte. Zumal die französischen Konservativen in der gemeinsamen Fraktion im Europaparlament die radikalen Hardliner sind. Unser Kulturstaatsminister Neumann von der CDU verkündet aktuell, dass er in der nächsten Legislaturperiode Internetsperrungen einführen will. Hier könnten wir locker noch mehr Beispiele bringen.

    9. In Bayern besteht die historische Chance, die CSU aus dem Europaparlament hinauszukomplimentieren. Wenn die Wahlbeteiligung in anderen Bundesländern etwa stabil bleibt und die CSU ein ähnliches Ergebnis wie bei der letzten Landtagswahl erzielt, schafft sie die bundesweite 5 Prozent-Hürde nicht. Da uns CSUler im EP im Bereich Netzpolitik vor allem als politischer Arm der Softwarepatentelobby aufgefallen sind, würden wir diesen Verlust nicht bedauern.

    10. Hier und in vielen weiteren Punkten – zum Beispiel beim Killerspielverbot (E‑Sport wie Counterstrike ist „mit dem Werteverständnis der CDU nicht vereinbar“ – großkalibrige Waffen schon) – hat die Union unter Beweis gestellt, dass sie sich nicht um die Interessen der Internetgeneration schert. Sie macht Klientelpolitik für die Alten, Ängstlichen, Ahnungslosen und überholte Geschäftsmodelle. Leider sind das noch ganz schön viele. Ob „Killerspiele“, Urheberrecht, Internetsperren, Zensursula oder Netzneutralität: diese Union nicht zu wählen, ist definitiv die beste mögliche Wahl.

    Wir sagen nicht, was ihr wählen sollt. Aber das sind unsere Gründe – und was sind Eure?

    28. Mai 2009 193
  • : BKA widerlegt Ursula von der Leyen
    BKA widerlegt Ursula von der Leyen

    Bevor es hier wahrscheinlich später noch eine längere Kommentierung und Beschreibung des Geschehens während der Zensursula-Anhörung im Bundestag geben wird, sei erstmal auf diese Kurzfassung verwiesen:

    Herr Maurer vom BKA sagte bei der heutigen Anhörung, konfrontiert mit der Prüfung der finnischen Liste, dass

    1. das BKA viele kinderpornografische Inhalte ohne weitere Hinweise nicht finden konnte (es standen Sperrlisten aus .DK und .SE zur Verfügung)

    Damit ist festzustellen: Die „Anfixertheorie“ ist bei Nichtauffindbarkeit selbst für das Fachpersonal vom BKA
    offensichtlich unhaltbar.

    2. die Einträge dort binnen Tagesfrist nicht mehr auf eben diese Inhalte verweisen würde.

    Damit ist festzuhalten: „Die Sinnhaftigkeit von Sperrlisten ist damit nicht gegeben.“

    Herzlichen Dank für diese Klarstellungen nach Wiesbaden

    27. Mai 2009 42
  • : Zensursula-Anhörung live im BundestagTV ab 11 Uhr
    Zensursula-Anhörung live im BundestagTV ab 11 Uhr

    Nochmal die Erinnerung: Von 11 Uhr bis 12:55 sendet BundestagTV live die Öffentliche Anhörungen des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie zum Thema: „Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetze“.

    Der Audio-Livestream tut grad viel besser, als das Video.

    Das kann man sich als Flash-Version auf den Seiten des Deutschen Bundestages anschauen. Mitschnitte soll es frühestens morgen geben. Wenn aber alles wie geplant klappt, haben wir schon kurz nach der Anhörung den Mitschnitt in kleinen Paketen online.

    Während der Anhörung ist sicherlich auch die Twitter-Echtzeit-Suche nach dem Hash-Tag #zensursula interessant (Auch wenn die Suche momentan fehlerhaft ist und vieles nicht anzeigt). Nach der Anhörung wird es hier wohl im Laufe des Nachmittages noch einen Bericht geben, wenn alles klappt.

    27. Mai 2009 26
  • : Zensursula hat viele Gesichter
    Zensursula hat viele Gesichter

    Spiegel Online hat Ursula von der Leyen interviewt. Das ist überaus lesenswert. Sie hat Kreide gefressen, ihre PR-Agentur arbeiten lassen und will ihr Image retten. Von „ich wollte nur“ bis „ich habs doch nicht so gemeint“ muss Mutter Beimer ihren Griff ins Klo rechtfertigen – und versagt nach wie vor auf ganzer Linie. Eine kleine Interview-Analyse ihrer verschiedenen Rollen:

    Zensursula, die PR-Frau:

    „Erst ist Schulterzucken da, dann gibt es kübelweise Kritik, aber dann stellen wir gemeinsam fest: Da ist ein Problem, wir müssen handeln. Es mag unterschiedliche Wege geben, aber im Ziel sind wir einig. Und jetzt ist das Gesetzesverfahren da.“ .. „Ich nehme dabei zwar die Bedenken aus der Petition ernst, weiche aber keinen Millimeter von meinem Ziel ab. Die offen zugänglichen Internet-Bilder von vergewaltigten Kindern sind zu lange nur in kleinen Zirkeln diskutiert worden. Jetzt ist es Zeit zu handeln.“

    An diesem ersten Absatz wird deutlich, wie Ursula von der Leyen politisch vorgeht: sie rechtfertigt ihren PR-GAU damit, dass ohne ihren kopf- und sinnlosen Vorstoß das Thema nicht diskutiert worden sei. Kann man das noch Perfidie nennen? Nein, das ist nur die pure Angst der Schlange vor der Schlinge, die sie sich selbst geknüpft hat. An einen Klasse PR-Coup gedacht (hey, Kinder gehen immer!) und die Rechnung nur mit „Bild, Bams und Glotze“ gemacht. Dumm gelaufen.

    Zensursula, die Aktionistin:

    „Das sogenannte Access Blocking ist ja auch nur ein Teil unseres Gesamtplans, Kinderpornografie auf allen Ebenen zu bekämpfen. Das Wichtigste ist, die Täter zu verfolgen und zu stellen. Zweites Ziel ist, die Quellen zu schließen. Und der dritte, aber unverzichtbare Punkt bleibt: Web-Seiten zu blocken.“

    Ursula von der Leyen hatte vier Jahre Zeit für ihren „Gesamtplan“. Passiert ist in dieser Zeit jedoch: nichts. Stattdessen tanzt sie wenig vor der Bundestagswahl mit einem schlecht inszenierten Politklamauk zurück in die Köpfe. Sie hat eine miserable Amtsbilanz und kann das ganz offensichtlich nur mit Kinderpornokrawall übertünchen. Angesichts dessen, was real Missbrauchsopfer erleiden müssen und mussten, verbietet sich hier jedoch der Gebrauch der Formulierung „politischer Missbrauch“, wenn er auch kaum von der Hand zu weisen ist.

    „Nur beim Thema Access Blocking hat es zehn Jahre lang Gespräche hinter verschlossenen Türen gegeben, aber vergebens. Es hat sich nichts getan.“

    Warum, Frau von der Leyen, warum nur?

    Zensursula, die Kompromissbereite:

    27. Mai 2009 73
  • : Kommunikationsoffensive von Zensursula
    Kommunikationsoffensive von Zensursula

    Es war die Tage schon bekannt geworden, dass Ursula von der Leyen die Platzierung eines Interviews zur Zensursula-Debatte am heutigen Dienstag wünschte. Ihre Kommunikationsstrategie wollte wohl unbedingt nochmal einen großen Aufschlag vor der Anhörung im Bundestag haben, die morgen stattfindet. Spiegel-Online hat angebissen und hat das Interview veröffentlicht: Von der Leyen will Kontrolleure für BKA-Zensoren.

    Für viele in der Web-Community ist sie „Zensursula“. Familienministerin Ursula von der Leyen wird für ihren Gesetzentwurf, Internet-Sperren gegen Kinderpornografie einzuführen, heftig kritisiert – und reagiert. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE stellt sie ein Kontrollgremium für das BKA in Aussicht.

    Die Argumentation ist bekannt.

    Bei unpolitik.de gibt es den Ausschnitt aus einer Rede von Ursula von der Leyen vom 19.5. vor der evangelischen Akademie Tutzing.

    Und auch da möchte ich sagen – diese Dinge, die ich ihnen jetzt schilder’ lassen sie vielleicht im ersten Augenblick entsetzt und scheinbar ohnmächtig weil das Internet so weit und so global und so allumfassend ist. Aber da kommt auch wieder der Punkt, dass wir in der Lage sind… wir haben das Internet als Menschen geschaffen. Das heißt wir sind auch in der Lage im Internet zu sagen: Es ist kein rechtsfreier Raum!

    Das gibts auch als Video:

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    Zur Einordnung ihres Weltbildes hat Ralf in „Kampf der Kulturen“ schon einiges geschrieben.

    26. Mai 2009 19
  • : VZBV: Bundesdatenschutzgesetz scheitern lassen
    VZBV: Bundesdatenschutzgesetz scheitern lassen

    Vergangene Woche haben wir dazu aufgerufen, bei Politikern anzurufen, um mehr Verbraucherrechte im Bundesdatenschutzgesetz zu fordern. Diese Rechte wurden uns von der Bundesregierung im Rahmen des Datenschutz-Gipfels versprochen. Mittlerweile scheint aber von Seiten der Großen Koalition soviel Verbraucherschutz aus dem Gesetzentwurf raus geschmissen worden zu sein, dass jetzt der Verbraucherzentrale Bundesverband einen Neustart nach der Bundestagswahl fordert: Datenschutz: Placebo-Gesetz scheitern lassen.

    „Der jetzt diskutierte Gesetzentwurf ist ein Schlag ins Gesicht der Verbraucher“, so Vorstand Gerd Billen. Von den großen Versprechungen beim Datenschutzgipfel 2008 sei nicht viel übrig geblieben. „Da ist ein Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet“, kritisiert Billen. Die Koalition habe sich dem Druck der Wirtschaft gebeugt, die Verbraucher stünden im Regen. Für den Verbraucherzentrale Bundesverband steht fest: Lieber eine richtige Novellierung in der kommenden, als ein Placebo in dieser Legislaturperiode. Es zeichnet sich ab, dass die Abgeordneten in allen entscheidenden Punkten dem Wunschzettel der Wirtschaft folgen. Weder bei der Abschaffung des Listenprivilegs, bei der Einführung ausdrücklicher Einwilligungen (Opt-In), beim Koppelungsverbot noch beim Verbandsklagerecht will die Koalition den notwendigen Paradigmenwechsel vollziehen. „Die Regierung versäumt die große Chance, den Datenschutz an die Herausforderungen des digitalen Zeitalters anzupassen“, so Billen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte gefordert, dass Datenhandel und die Weitergabe und Nutzung von Verbraucherdaten nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen möglich sein dürfen.

    Angela Merkel hatte letzte Woche noch mehr Verbraucherrechte im Rahmen der Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes gefordert. Anscheinend kann sich die Regierung gegenüber ihren eigenen Fraktionen nicht mehr durchsetzen. Die Versprechungen vom Datenschutz-Gipfel im vergangenen Herbst scheinen damit obsolet.

    Update: In der Großen Koalition hat es geknallt und das BDSG scheint tot zu sein. Das ist immer noch besser als eine Reform, die es verschlechtert und durchlöchert.

    26. Mai 2009 5
  • : Morgen: Wartungspause beim E‑Petitionssystem
    Morgen: Wartungspause beim E‑Petitionssystem

    Eine Warnung für Alle, die morgen Vormittag noch die Zensursula-Petition unterschreiben wollen: Das E‑Petitionssystem macht am Mittwoch, den 27.05.2009 von 09:00 Uhr bis 12:00 Uhr Pause. Das ist natürlich schade, aber je nach Zählung könnten die 100.000 Mitzeichner heute schon erreicht werden. Der aktuelle Stand in der chronologischen Mitzeichner-Liste sind 99506 96898 Unterstützer. Die Angaben auf der Startseite werden immer zeitversetzt aktualisiert. (Und mich verwirrt das System auch immer wieder mit seinen unterschiedlichen Zahlen)

    Bevor jetzt wieder viele Verschwörungstheorien auftauchen wegen Zensurversuchen: Das glaube ich nicht. Das Ende der Mitzeichnungsfrist ist der 16. Juni. Ich wundere mich nur, dass die Vormittags und nicht Abends / Nachts Wartungsarbeiten durchführen und es dürfte ja gerade einen kleinen Run auf das System geben. Soviele Menschen machen doch sonst nicht bei Petitionen mit und ein solches Interesse sollte man eigentlich nicht behindern. Mal schauen, ob wenigstens die Mitzeichnerzahlen für unsere Petition angezeigt wird, wenn sich Medien im Rahmen der Ausschuss-Diskussionen über die aktuelle Zahl informieren wollen.

    26. Mai 2009 26
  • : EU: Abstimmungsverhalten im Telekom-Paket
    EU: Abstimmungsverhalten im Telekom-Paket

    Die Europawahl steht vor der Tür. Und praktisch ist, dass La Quadrature du Net wie schon nach der ersten Lesung zum Telekom-Paket die Wahlergebnisse der zweiten Lesung analysiert hat. Und herausgekommen ist wieder ein Political Memory. Basierend auf unseren Voting-Lists zur zweiten Lesung wurde analysiert, zu wieviel Prozent einzelne Politiker unseren Wahlempfehlungen gefolgt sind. Insgesamt ist auch ein Ranking der Fraktionen im Europaparlament dabei herausgekommen, wo die Ergebnisse aller Abgeordneten zusammen gezählt wurden:

  • Confederal Group of the European United Left – Nordic Green Left: 95.1/100
  • Group of the Greens/European Free Alliance: 93.9/100
  • Independence/Democracy Group: 77.9/100
  • Non-attached Members: 65.1/100
  • Union for Europe of the Nations Group: 62.1/100
  • Socialist Group in the European Parliament: 32.9/100
  • Group of the Alliance of Liberals and Democrats for Europe: 29.8/100
  • Group of the European People’s Party (Christian Democrats) and European Democrats: 18.1/100
  • Das Telekom-Paket war in dieser Legislaturperiode die zentrale Rahmengesetzgebung für Internet- und Telekommunikationsregulierung auf europäischer Ebene. Insofern bietet das Ergebnis des Political Memory Hinweise, welche Fraktionen sich für ein freies und offenes Internet und für Verbraucher- und Bürgerrechte auf europäischer Ebene eingesetzt haben. Interessant sind die Ergebnisse. Während Linke und Grüne mit jeweils über 90% weitgehend unseren Empfehlungen gefolgt sind, sind Sozialdemokraten, Liberale und Konservative weit abgeschlagen. Etwas überrascht hat mich das schlechte Abschneiden der Liberalen, die noch hinter den Sozialdemokraten mit knapp 30% gelandet sind. Da kann man nur irgendwelche Deals im Hintergrund vermuten, die Rhetorik von Seiten der Liberalen ließ ein anderes Abstimmungsverhalten vermuten. Aber der Teufel steckt wohl im Detail und kommt erst bei einer Fleiss-Analyse der zahlreichen Änderungsanträge zum Vorschein.

    Ich hab leider keine Zeit, mich gerade näher mit den einzelnen Ergebnissen zu beschäftigen und einzelne deutsche Abgeordnete aus dem Political Memory rauszufischen, die wieder zur Wahl antreten. Das Ergebnis würde mich aber interessieren. Wer mag, kann das gerne in den Kommentaren tun und mir dabei helfen.

  • : Kommentierte Zensursula – Linkliste
    Kommentierte Zensursula – Linkliste

    Die Zensursula-Debatte läuft nun schon seit einigen Monaten. Zeit für einen kurzen Rückblick und eine Übersicht in Form einer kommentierten Linkliste.

    Der wichtigste Link führt aktuell zur Online-Petition „Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten vom“. Eine andere Eingangsseite ist zeichnemit.de, die man bequemer weitergeben kann. Auf Twitter bietet das Mash-Up @mitzeichner stündlich den aktuellen Stand der Petitions-Mitzeichner. Für alle Blog-Beiträge, Twitter-Meldungen, Youtube-Videos und sonstigem hat sich der Tag „zensursula“ etabliert. Auf Twitter dementsprechend mit Hash-Tag #zensursula (Tweets kann man bequem in der Twitter-Suche finden). Rundmailvorlagen zum verschicken im Freundes- und Bekanntenkreis gibt es u.a. von 50hz, jabka und Max Winde (1 Seite, schön kompakt). Dazu gibt es diesen Infotext für Einsteiger von Christian Wöhrl (4 Seiten, PDF, mit Hintergründen). (Alternativ bitte weitere in den Kommentaren verlinken). Man kann auch offline auf die Petition hinweisen und Unterschriften sammeln.

    Banner und Foto-Kollagen gibt es hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier.

    Dragan Espenschied hat den Ursula von der Leyen-Fanclub gegründet und ein nettes AJAX-Widget zum einbinden programmiert. Das findet Ihr samt einer Zeile Code auf der Seite des Fanclubs.

    Der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur bietet aktuelle Pressemitteilungen, Ansprechpartner und Fundsachen aus dem Netz. Es gibt auch ein Wiki des AK-Zensur mit Pressespiegel, Argumentationshilfen sowie Daten & Fakten zur Debatte. Hier gibt es Infos, wie man selber aktiv werden kann. Die Hauptforderung des AK-Zensur ist „Löschen statt Verstecken! Internet-Experten sagen: Im Kampf gegen Kinderpornographie sind Sperrgesetze keine Lösung“.

    Eine Alternative ist der Chaos Computer Club. 420 Eltern haben die „Erklärung von Eltern aus IT-Berufen zu Internetsperren“ unterzeichnet, die an die Bundestagsabgeordneten verschickt wurden. Die Gesellschaft für Informatik hat sich auch gegen die Zensursula-Pläne geäussert: Statt Internetsperren Kinderpornografie ernsthaft verfolgen. Die Seite Zensurprovider.de listet alle Provider auf, die freiwillig bei der Netz-Zensur mitmachen. Zur Unterzeichnung des Vertrages mit den Zensurprovidern gab es Protest in Berlin: „Hunderte protestierten am frühen Morgen gegen Internet-Zensur

    Lutz Donnerhacke hat für uns einen längeren Hintergrundtext zu „Kinderpornographie & Internet-Sperren“ geschrieben. Die ältere Version des Textes ist „Die dreizehn Lügen der Zensursula“. Wir haben die „Video-Aktion: Blogger gegen Netzzensur“ gemacht. Ralf Bendrath hat darüber gebloggt „Warum wir dem BKA nicht vertrauen können und was das mit dem Föderalismus zu tun hat“. Jens Scholz hat geschrieben „Warum es um Zensur geht“. Zur Einordnung der Debatte sei auch „Der Kampf der Kulturen“ von Ralf Bendrath empfohlen.

    Am Mittwoch, den 27. Mai, befragt der Wirtschaftsausschuss im Deutschen Bundestag in einer Anhörung Sachverständige rund um das Zensursula-Thema. Das kann man sich live anschauen. Die Stellungnahmen der Sachverständigen sind schon online. Der Bundestag hat in der 1. Lesung schon darüber debattiert. Davon kann man sich die Videos anschauen. Die 2. und 3. Lesung und damit der Beschluss des Bundestages ist voraussichtlich am 18. oder 19. Juni. Bis dahin bleibt ein Zeitfenster, sich bei der Politik zu beschweren. Wie das funktioniert, steht hier: Kleines How-To: Kontaktiere einen Abgeordneten. Am meisten Sinn macht die SPD-Fraktion, aber auch die CDU/CSU darf gerne Kritik bekommen.

  • : Zensursula-Statistiken
    Zensursula-Statistiken

    Danke an RK für die Zusendung einer kleinen statistischen Auswertung der Zensursula-Petition.

    Spalte1 Bundesland
    Spalte 2 Bevölkerungsanzahl
    Spalte 3 Anzahl Mitzeichner aus diesem Land
    Spalte 4 jeder x. hat gezeichnet
    Spalte 5 entspricht ± Prozent zum Durchschnitt BRD

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    BRD-Gesamtbevölkerung 82217837
    Mitzeichner – jeder 918. Abw.Durchsch.
    —————————————————————-

    ÜBERDURCHSCHNITTLICHE BETEILIGUNG

    Berlin 3416255 8062 424 53.9%
    Hamburg 1770629 3085 574 37.5%
    Bremen 663082 981 676 26.4%
    Baden-Württemberg 10749755 14286 752 18.1%
    Bayern 12520332 13950 898 2.3%

    UNTERDURCHSCHNITTLICHE BETEILIGUNG

    Sachsen 4220200 4478 942 -2.6%
    Hessen 6072555 6411 947 -3.1%
    Nordrhein-Westfalen 17996621 17863 1007 -9.7%
    Niedersachsen 7971684 7359 1083 -17.9%
    Schleswig-Holstein 2837373 2550 1113 -21.1%
    Saarland 1036598 874 1186 -29.1%
    Rheinland-Pfalz 4045643 3401 1190 -29.5%
    Thüringen 2289219 1762 1299 -41.4%
    Brandenburg 2535737 1854 1368 -48.9%
    Mecklenburg-Vorp. 1679682 1159 1449 -57.8%
    Sachsen-Anhalt 2412472 1432 1685 -83.4%

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    Summe Bundesländer 89507
    andere / Ausland 1685
    Listeneinträge 91192
    —————————————————————-

    Fazit: Die grossen Städte im Norden und die beiden Südländer liegen über dem Durchschnitt, alles dazwischen darunter. Besonderer ‚Nachholbedarf liegt im Südwesten (Saarland / Rheinland-Pfalz) und vor allem in den neuen Bundesländern, in denen man sich offensichtlich teils nur sehr gering an der Sache interessiert. In diesen Regionen ist verstärkte Werbung für die Sache wünschenswert. Obwohl auf der Bundestagsseite ein Stand von 91348 Zeichnern angegeben war, enthält die csv-Liste nur 91193 Einträge. Die Differenz ist unklar.

    Update: Danke für die Zusendung der schönen Visualisierung der aktuellen Statistiken:

    Wieviele Mitzeichner hat nun die Petition?

    Über das fehlerhafte ePetitionssystem des Deutschen Bundestages haben wir des öfteren berichtet. Aktuell ist ein neuer Fehler zu bewundern, der eher ärgerlich ist. Wieviele Mitzeichner trägt eine Petition? Die Lösung ist gar nicht so einfach. Aktuell gibt es bei der Zensursula-Petition drei verschiedene Zahlen auf der Plattform: Die Übersichtseite (Startseite der Petition) zeigt 94691Mitzeichner an und die Einzelauflistung kommt auf einige mehr 97248. Wenn man aber wiederum die CSV-Datei mit den Mitzeichnern herunterlädt, sind es nur noch 94534. Welche Zahl stimmt denn nun? (Danke an Squip für die Zahlen)

    Strategisch gesehen ist es momentan wohl am sinnvollsten, die Zahl auf der Startseite auf über 100.000 Mitzeichner zu bringen.

  • : Deutscher Ärztetag für Zensursula?
    Deutscher Ärztetag für Zensursula?

    Die Deutsche Kinderhilfe macht mal wieder Zensursula-Propaganda und will nach eigenen Angaben den Deutschen Ärztetag dazu bekommen haben, in einem Entschließungsantrag die Zensursula-Pläne zu unterstützen. Das wurde in einer Pressemitteilung an Bundestagsabgeordnete kommuniziert. Interessant ist mal wieder die Formulierung des Entschließungsantrages:

    Der deutsche Ärztetag möge folgende Entschließung fassen:

    Die deutsche Ärzteschaft unterstützt ausdrücklich die Gesetzesinitiative der Bundesregierung zur „Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen“. Sie fordert den Bundesgesetzgeber auf, Kindern und Jugendlichen einen umfassenden Schutz vor sexueller Ausbeutung zu sichern.

    Begründung:

    Unter Federführung des Bundesfamilienministeriums hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur „Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen“ in das Parlament eingebracht. Gegen diesen Gesetzentwurf sammelt eine Initiative „Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten“ in einer Online-Petition Unterschriften, weil die Unterstützer dieser Interessengruppen im besagten Gesetz einen unzumutbaren Eingriff in die Medienfreiheit sehen. Kinderpornographie stellt eines der grausamsten Verbrechen an Kindern und Jugendlichen dar. Das Internet ist einer der Hauptverbreitungswege für kinderpornographische Bilder und Filme.

    Die Logik ist mal wieder dieselbe, wie in der üblichen Propaganda der Deutschen Kinderhilfe: Die Unterstützer der Online-Petition gegen Netz-Zensur wollen Kinderpornographie nicht verhindern. Im Kampf gegen Kinderpornographie sollen Grundrechte keine Rolle spielen. Und man müsse jetzt die Zensursula-Pläne unterstützen, weil es keine Alternative gäbe, um Kinderpornographie zu bekämpfen. Dazu ist das Internet noch irgendwie böse. Dabei sagen wir deutlich: Löschen statt sperren ist die sinnvollere Strategie! Ansonsten wirkt der Entschließungsantrag etwas wirr formuliert.

    Interessant ist heute, dass die Süddeutsche Zeitung auf Seite 12 in „Nachrichten aus dem Netz“ über die Deutsche Kinderhilfe berichtet. Der Artikel wird eingeleitet mit dem Beispiel von angeblich überparteilichen Familienvereinigungen in den USA, die zu einem Netzwerk erzkonservativer Pressure Groups gehören. In Deutschland kann man davon ausgehen, dass die Deutsche Kinderhilfe nach solchen Vorbildern aufgebaut wurde und eingesetzt wird. Ausgehend davon wird beschrieben, wie deutsche Blogs sich das Thema angenommen haben und dass die Deutsche Kinderhilfe sich in den Blogs den „falschen Sparringspartner“ ausgesucht habe. Die Süddeutsche Zeitung kommt zu dem Fazit:

    Die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Kinderhilfe liegt in tausend Scherben. Des Hackerangriffs, der in der vergangenen Woche ihre Webseite lahmlegte, hätte es da gar nicht mehr bedurft. Um die Kampagnenfähigkeit der oft für leichtgewichtig befundene politische Bloggerszene in Deutschland ist es im Wahljahr so schlecht offenbar nicht bestellt.

    Der Artikel ist leider nicht online zu finden. Schade auch, da schreibt die Süddeutsche Zeitung mal positiv über deutsche Blogs und kann nicht mal Lob durch Links einsammeln.

    Wie man so hört, will Zensursula von der Leyen morgen einem großen Online-Medium ein exklusives Interview geben. Der Zeitpunkt dafür ist bewusst gewählt, um vor der Anhörung nochmal in die Kommunikationsoffensive zu gehen. Ihr könnt Euren Protest gegen ihre Netz-Zensur Pläne äussern, indem Ihr mithelft, bis Mittwoch 100.000er Mitzeichner für die Zensursula-ePetition zu gewinnen: 72 Stunden Countdown für Zensursula-ePetition!

    Die 2. und 3. Lesung im Bundestag ist nach Angaben der SPD-Fraktion wohl auf den 18. oder 19 Juni 2009 terminiert. Bis dahin könnt Ihr Euch auch nochmal an die SPD-Fraktion wenden und Eure Ansichten zu den Zensursula-Plänen artikulieren. Hier steht, wie das geht: Kleines How-To: Kontaktiere einen Abgeordneten.

  • : Neue Zensursula-Banner
    Neue Zensursula-Banner

    Es gibt neue Banner für die Zensursula – ePetition und noch immer ist Zeit, selbst kreativ zu werden und eigene Vorschläge einzuschicken.

    Dieses Banner stammt von Mischa:

    (Gibts auch als SVG)

    Und dieses von Jabka.de:

    Und die dritte Einsendung ist von Nicolai:

    Vielen Dank schon mal für die Einreichungen.

  • : Kleines How-To: Kontaktiere einen Abgeordneten.
    Kleines How-To: Kontaktiere einen Abgeordneten.

    Da wir mitten im Superwahljahr sind und Politiker (wieder)gewählt werden wollen, macht es besonders Sinn, in der Zensursula-Debatte die Bundestagabgeordneten zu kontaktieren. Ich hab mal ein kleines How-To geschrieben, wie man vorgehen kann.

    Im Bundestag macht es am meisten Sinn, einen Abgeordneten zu kontaktieren, in dessen Nähe man räumlich wohnt. Im Optimalfall ist das der Wahlkreisabgeordnete. Wer für Dich zuständig ist, erfährst Du z.B. auf Abgeordnetenwatch, indem Du dort Deine PLZ eingibst. Auf der Seite gibt es auch Kontaktmöglichkeiten. Generell gilt: Höflichkeit siegt! Wir wollen die Abgeordneten ja informieren und nicht beleidigen. Hinweise auf die jeweilige Inkompetenz im Thema sind auch nicht angebracht. Argumentiere und überzeuge. Zulabern ist auch keine gute Strategie in der Gesprächsführung.

    Abgeordnete haben öfters Bürgersprechstunden im Wahlkreis. Diese werden in der Regel auf der Abgeordneten-Webseite veröffentlicht. Da kann man hingehen und sein Anliegen vorbringen. Aufpassen: Selbstverständlich sollte man gepflegt (geduscht, etc) dort erscheinen und sich gut vorbereitet haben. Das Wiki des AK-Zensur bietet gute Argumentationshilfen. Was ankommen muss: Löschen statt sperren ist die bessere Wahl im Kampf gegen Kinderpornographie!

    Abgeordnete kann man auch anrufen. In der Regel gehen die Mitarbeiter des Abgeordneten ans Telefon. Hier kann man nett nach einem Rückruf des Abgeordneten fragen. Viele Abgeordnete werden auf die jeweiligen Experten in der Fraktion verweisen. Lasst Euch davon nicht abhalten, vor allem, wenn der Abgeordnete aus dem eigenen Wahlkreis kommt.

    Abgeordnete kann man anschreiben. Dies geht per Mail, aber wirkungsvoller sind Briefe und Faxe. Diese müssen erstmal haptisch in die Hand genommen werden und dafür gibt es keine Spam-Filter.

    Die momentan wichtigsten Ausschüsse in der Diskussion im Deutschen Bundestag sind die für Wirtschaft, Medien und Familien. Wer in den jeweiligen Ausschüssen sitzt, sieht man auf den jeweiligen Webseiten. Bei diesen Abgeordneten lohnt es sich auch anzurufen, wenn der/die jeweilige Abgeordnete/r nicht im eigenen Wahlkreis sitzt.

    Im Moment sollten wir uns auf die Bundestagabgeordneten in der SPD konzentrieren. Diese ist Teil der Großen Koalition und die SPD-Fraktion eignet sich im Moment am Besten, um gemeinsam Druck auf die Koalition auszuüben.

  • : 23 Wege, Deine eigenen digitalen Bürgerrechte zu verteidigen
    23 Wege, Deine eigenen digitalen Bürgerrechte zu verteidigen

    Da einige nochmal anfragten, wie man sich konkret für Netzpolitik, Freiheitsrechte und aktuell in der Zensursula-Debatte engagieren kann: Auf dem 24. Chaos Communication Congress im Dezember 2007 hab ich einen Vortrag über „23 Wege, Deine eigenen digitalen Bürgerrechte zu verteidigen“ gehalten. Dieser findet sich hier als MP3, MP4 und auf Google-Video: