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VZBV: Bundesdatenschutzgesetz scheitern lassen

Vergangene Woche haben wir dazu aufgerufen, bei Politikern anzurufen, um mehr Verbraucherrechte im Bundesdatenschutzgesetz zu fordern. Diese Rechte wurden uns von der Bundesregierung im Rahmen des Datenschutz-Gipfels versprochen. Mittlerweile scheint aber von Seiten der Großen Koalition soviel Verbraucherschutz aus dem Gesetzentwurf raus geschmissen worden zu sein, dass jetzt der Verbraucherzentrale Bundesverband einen Neustart nach der…

  • Markus Beckedahl

Vergangene Woche haben wir dazu aufgerufen, bei Politikern anzurufen, um mehr Verbraucherrechte im Bundesdatenschutzgesetz zu fordern. Diese Rechte wurden uns von der Bundesregierung im Rahmen des Datenschutz-Gipfels versprochen. Mittlerweile scheint aber von Seiten der Großen Koalition soviel Verbraucherschutz aus dem Gesetzentwurf raus geschmissen worden zu sein, dass jetzt der Verbraucherzentrale Bundesverband einen Neustart nach der Bundestagswahl fordert: Datenschutz: Placebo-Gesetz scheitern lassen.

„Der jetzt diskutierte Gesetzentwurf ist ein Schlag ins Gesicht der Verbraucher“, so Vorstand Gerd Billen. Von den großen Versprechungen beim Datenschutzgipfel 2008 sei nicht viel übrig geblieben. „Da ist ein Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet“, kritisiert Billen. Die Koalition habe sich dem Druck der Wirtschaft gebeugt, die Verbraucher stünden im Regen. Für den Verbraucherzentrale Bundesverband steht fest: Lieber eine richtige Novellierung in der kommenden, als ein Placebo in dieser Legislaturperiode. Es zeichnet sich ab, dass die Abgeordneten in allen entscheidenden Punkten dem Wunschzettel der Wirtschaft folgen. Weder bei der Abschaffung des Listenprivilegs, bei der Einführung ausdrücklicher Einwilligungen (Opt-In), beim Koppelungsverbot noch beim Verbandsklagerecht will die Koalition den notwendigen Paradigmenwechsel vollziehen. „Die Regierung versäumt die große Chance, den Datenschutz an die Herausforderungen des digitalen Zeitalters anzupassen“, so Billen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte gefordert, dass Datenhandel und die Weitergabe und Nutzung von Verbraucherdaten nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen möglich sein dürfen.

Angela Merkel hatte letzte Woche noch mehr Verbraucherrechte im Rahmen der Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes gefordert. Anscheinend kann sich die Regierung gegenüber ihren eigenen Fraktionen nicht mehr durchsetzen. Die Versprechungen vom Datenschutz-Gipfel im vergangenen Herbst scheinen damit obsolet.

Update: In der Großen Koalition hat es geknallt und das BDSG scheint tot zu sein. Das ist immer noch besser als eine Reform, die es verschlechtert und durchlöchert.

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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5 Kommentare zu „VZBV: Bundesdatenschutzgesetz scheitern lassen“


  1. „„Da ist ein Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet““…

    „Da ist ein Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet“…


  2. Ranjit

    ,

    Die Zeit hierzu:
    http://www.zeit.de/online/2009/22/datenschutz-koalition-gescheitert

    Verzeiht die Unhöflichkeit, aber:
    Man kann gar nicht soviel essen wie man kotzen möchte.


  3. […] VZBV: Bundesdatenschutzgesetz scheitern lassen […]


  4. […] Wirtschaft schlägt sich die Union stets auf die Seite der Wirtschaft. Zuletzt war dies bei der Debatte rund um das Bundesdatenschutzgesetz zu sehen. Einzelne progressive Geister in den Fraktionen werden als Exoten gebrandmarkt. Sie werden […]


  5. Vom Datenschutzgipfel zu einem Häufchen Elend…

    Zugegeben, lang ist es her. Am 4. September 2008 traf sich Vertreter des Bundes und der Länder zu einem „Datenschutzgipfel“. Unter dem Eindruck der massiven Datenskandale (Telekom, T‑Mobile, Lidl) war man zu einem medienwirksamen Termin erschienen.

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