Netzpolitik

Netzpolitik hauptsächlich in Deutschland, aber auch international. Kernthema dieses Blogs.

  • : EDRi-gram – Nummer 4.2 erschienen
    EDRi-gram – Nummer 4.2 erschienen

    Das neue EDRi-gram, Nummer 4.2, der European Digital Rights Initiative ist soeben mit den folgenden Themen erschienen:

    1. Commission refuses to do an impact assessment on the data retention directive
    2. OECD Conference on the Future Digital Economy
    3. German Wikipedia back on the Internet
    4. A CD should work on any device, says French court
    5. Debates on draft directive on Television without Frontiers Directive
    6. EU Visa Database under scrutiny of the European Data Protection Supervisor
    7. French anti-terrorism law not anti-constitutional
    8. Combating Racism on Internet
    9. Irish ISPs to give File-sharers details
    10. Slovenian Intelligence Agency performed illegal eavesdropping
    11. Big Brother Award for Dutch immigration minister
    12. UK Passenger Travel Data in Advance
    13. Recommended reading: Security Policies in Europe

    2. Februar 2006
  • : .Berlin
    .Berlin

    Die Netzeitung hat Dirk Krischenowski von dotBerlin zu den Plänen der Firma befragt: «.berlin» – Eine Domain für die Hauptstadt. Ich kenne die Pläne seit einiger Zeit, habe mir aber noch keine abschliessende Meinung dazu bilden können.

    2. Februar 2006 5
  • : Zeitungen kritisieren Kunden
    Zeitungen kritisieren Kunden

    Wenn man mit Gesetzen nicht weiterkommt und noch nicht so weit ist, eigene Fehler zu erkennen, prügelt man auf die Gruppe mit der geringsten Lobbydichte ein, die Kunden:

    O’Reilly erläuterte, die News-Aggregatoren zeigten zwar oft lediglich eine Überschrift und einen knappen Text an, doch für viele Nutzer reiche dies bereits aus, um einen Überblick zu bekommen.

    Yeah, right.

    1. Februar 2006 2
  • : OECD-Konferenz zu „Digital Content“
    OECD-Konferenz zu „Digital Content“

    Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veranstaltet heute und morgen in Rom eine Konferenz über die Zukunft der digitalen Wirtschaft“. Im Mittelpunkt der Diskussion über “Digital-Content – Creation, Distrubution and Access“ stehen die gesetzliche Regulierung von Kopierschutzsystemen sowie die Ausgestaltung von VerbraucherInnen Rechten in der digitalen Welt.

    Monika Ermert schreibt im Heise Newsticker:

    „Bevor die Umgehung von DRM-Systemen unter Strafe gestellt werden soll, sollte diese gesetzlich reguliert werden,“ forderte Jamie Love, Direktor des Consumer Project for Technology (CPTech). Die rund 350 Konferenzteilnehmer sollten sich einmal eine Welt vorstellen, in der das digitale Rechtemanagement perfekt funktioniere. Da alle bislang von der Existenz digitaler Inhalte profitiert hätten, warb Jamie Love, Direktor des Consumer Project for Technology für einen völkerrechtlichen Vertrag über den Wissenszugang, wie ihn derzeit verschiedene Entwicklungsländer im Rahmen einer Reform der World Intellectual Property Organisation (WIPO) fordern.

    Das Berkam Center for Internet & Society an der Harvard Law School hilft bei der Navigation durch die Readings der 350 KonferenzteilnehmerInnen:

    If you are interested in questions concerning digital media, please check out the conference’s „background reading,“ which includes reports on music, scientific publishing, the online computer and video game industry, and mobile content.

    In einem Interview mit Urs Gasser sagt der Rechtsexperte der Harvard Law School über sein Panel „new user habits and social attitudes“:

    I think the common denominator is that we are really seeing a move towards a more participatory information environment where users are no longer passive receivers of information.

    We are increasingly much more interactive, we participate in the production of different things, like open source software, which is a huge phenomenon with large-scale contributions by amateurs. Another example is Wikipedia, peer-produced content as a new mode of how we produce knowledge or entertainment.

    Den KonferenzbesucherInnen wird im Hinterkopf auch der Gedanke an die dieses Jahr zu verhandelnde Erneuerung des Broadcasting Treaty der World Intellectual Property Organization (WIPO) nicht fehlen: Ob ihnen eher nach DRM für DVB oder der letztes Jahr zurückgewiesenen und wieder auferstandenen Forderung nach einer „Broadcast Flag“ ist lässt sich schwer einschätzen.

    Die Meldung auf Heise stellt voran, dass der Stratege eines Werbe- und PR-Dienstleisters auf der Auftaktveranstaltung sagte:

    Während die rasante Zunahme digitaler Inhalte eine Gefahr für traditionelle Medien und Vertriebswege ist, bietet sie vor allem Chancen für Newcomer.

    Ob er dabei auch an „Newcomer Countries„dachte, ist nicht überliefert.

    Markus hat im vergangenen November mit Jamie Love ein 28 Minuten langes Podcasting-Interview (Hier als OGG) zum Thema „Access to Knowledge“-Völkervertrag gemacht.

    30. Januar 2006
  • : Kongress-Debatte um Zensur in China
    Kongress-Debatte um Zensur in China

    Spiegel Online berichtet über eine geplante Anhörung des „Human Rights Caucus“ des US-Kongresses zum Thema „Zensur in China“. Vertreter von Industrie und Menschenrechtsorganisationen waren zum Meinungsaustausch und zur Information des Kongresses eingeladen. Nur kommt von den betroffenen Technologiefirmen wohl niemand. Von Cisco und Microsoft gab es „offene Absagen“, Yahoo und Google antworteten bisher gar nicht: Internet-Zensurdebatte – Bill Gates deckt Google.

    Eindeutig zeichnet sich dagegen ab, dass Bill Gates mit seiner Einschätzung, allein die Anwesenheit der US-Firmen in China leiste „Beiträge zum nationalen Dialog“ wohl richtig liegt – nur findet der halt nicht in China statt, sondern in den Vereinigten Staaten. Im US-Kongress könnten schon in den nächsten Tagen Gesetzesinitiativen diskutiert werden, die US-Firmen verpflichten würden, E‑Mail-Server nur außerhalb „repressiver Staaten“ unterhalten zu dürfen, und die den Export von Internettechnik in solche Staaten limitieren würden. Zur Diskussion steht außerdem die Einrichtung einer Behörde, deren Aufgabe in der Entwicklung von Gegenmaßnahmen zur Zensur des Informationsflusses sein könnte. Spätestens dann säßen die Internet-Firmen vollends zwischen den Stühlen.

    Die Gesetzesinitiativen gehen wohl in dieselbe Richtung, wie Reporter ohne Grenzen sie unlängst mit einer Petition gefordert hatte. Ich bin mal gespannt, was dabei heraus kommt.

    Die Anhörung ist eine Initiative des Kongressabgeordneten Chris Smith und soll am 16. Februar stattfinden. Mehr zum Thema gibts auch bei News.com: „Firms snub congressional briefing on China“.

    Mehr Informationen zum Themenkomplex bietet auch ein Podcasting-Interview mit Sharon Hom, der Executive Director von “Human Rights in China”, die ich im vergangenen November interviewed habe.

    30. Januar 2006
  • : Das Pentagon und die Bekämpfung des Netzes
    Das Pentagon und die Bekämpfung des Netzes

    Telepolis berichtet über eine „Information Operations Roadmap“ des US-Pentagon: „Das Netz muss wie ein feindliches Waffensystem bekämpft werden“.

    Von besonderer Bedeutung seien drei Punkte. An erster Stelle steht dabei: „We Must Fight the Net“. Das Pentagon baue, so heißt es weiter, eine informationsbasierte Streitkraft auf. Netzwerke seien immer entscheidender, daher müsse das Militär auch darauf vorbereitet sein, „das Netz zu bekämpfen“. Hier sind Teile ausgeschwärzt, stehen geblieben ist nur, dass die Netzwerkfunktionalität, die für die Kriegsführung notwendig ist, sichergestellt werden müsse. Netzwerke würden allerdings immer verwundbarer werden. Ein Grund sei, weil sie schneller wachsen, als sie verteidigt werden können, und weil Hacker und Staaten zunehmend besser Angriffe ausführen können. Wie ein BBC-Artikel hervorhebt, könnte die Formulierung „Bekämpfung des Netzes“ darauf hindeuten, dass das Internet in Konflikten insgesamt als Bedrohung gesehen wird. So heißt es im Kontext der langfristigen und globalen Strategie der „Tiefenverteidigung“, dass dies auf der Grundlage geschehen müsse, das Netz so zu bekämpfen „wie ein feindliches Waffensystem“.

    30. Januar 2006
  • : SpOn über den BT-Netzpolitik-Unterausschuss (und Markus)
    SpOn über den BT-Netzpolitik-Unterausschuss (und Markus)

    http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,druck-398062,00.html

    Markus Beckedahl kritisiert den Einfluss von Lobbyisten auch auf die kleineren Parteien wie die FDP: „Es kommt nur sehr spärlich die Erinnerung an liberale Inhalte durch. Beim Thema Urheberrecht hat die Partei überhaupt nicht verstanden, dass es hier auch um Bürger- und Verbraucherrechte geht.“

    30. Januar 2006
  • : Landesanstalt für Medien NRW empfiehlt Pornoseiten-Filter
    Landesanstalt für Medien NRW empfiehlt Pornoseiten-Filter

    Schon seit einigen Tagen online zu haben, das neue Material zum Umgang mit dem bösen Internet, von der Landesanstalt für Medien in NRW. Auch über Klicksafe hat netzpolitik.org schon berichtet. Herausgekommen in der Zusammenarbeit mit Klicksafe ist nun eine 45seitige Broschüre (PDF, 1,6MB), die auch mit Empfehlungen und Schwarzmalerei glänzt:

    Allerdings sollten Sie den Abenteuertrieb und die Neugier von Kindern und Jugendlichen nicht unterschätzen. Viele legen es darauf an, Sexseiten zu finden. Und das wird den Jugendlichen leicht gemacht: „SafeSearch“ lässt sich bei Google auf der Einstellungsseite abschalten. Auch in der deutschen Version von Yahoo kann der Jugendschutzfilter abgeschaltet werden.

    Auf Seite 37 findet sich der passende Screenshot, um den „Pornofilter“ umzuschalten. Davon abgesehen, dass es natürlich auch als eine prima Anleitung gelesen werden kann, werden der eigentlichen Zielgruppe der besorgten Eltern auch diese Ratschläge an die Hand gegeben:

    Wenn Sie Ihr Kind nach einer gewissen Zeit jedoch auch alleine ins Netz lassen möchten, sollten Sie je nach Alter einen zusätzlichen Filter installieren.

    Das ergibt dann eine „grüne Wiese“-Funktion, wo Kinder unbesorgt spielen können; alles Üble wird ausgezäunt. Naja.. das technische Mittel der Filterung ist eher heikel und sehr von politischen Vorgaben geprägt, was nicht besprochen wird. Ebenfalls mit öffentlichen Mitteln geförderte Projekte wie die Jux² Live-CD werden gar nicht erwähnt, auch wenn sich Dialer- und Virenprobleme damit fast komplett umgehen lassen könnten. Es gibt genau eine Erwähnung von Linux und zum Einrichten von Nutzerkonten mit eingeschränkten Rechten. Davon abgesehen wird (mangelnde) Technik-Kompetenz auf Furcht und übermäßige Vorsicht reduziert.

    Immerhin finden sich auch Hinweise auf (immer angebrachte) aktive Medienerziehung, die zum kompetenten Umgang mit neuen Medien verhelfen soll. Aber statt 12 goldener Regeln zur Verwendung von Suchmaschinen klingt es insgesamt mehr nach Schwarzmalerei und behandelt thematisch ein schlimmes, kommerzgetriebenes, unsicheres Internet und die Hilflosigkeit der Eltern. Medienkompetenz fehlt jedenfalls allerorten, nicht nur bei arglosen Kindern.

    28. Januar 2006 2
  • : Regierungskoalition: Vorratsdatenspeicherung verfassungsgemäß
    Regierungskoalition: Vorratsdatenspeicherung verfassungsgemäß

    Dass die von der EU beschlossene Speicherung von Kommunikations-Nutzungsdaten, also von Telefon- und Internetverbindungen, einen ganzen Kontinent unter Pauschalverdacht stellt ist nicht neu. Es ist auch nichts Neues, dass die Maßnahme gegen einigermaßen helle NutzerInnen mit kriminellen Absichten nichts nützt, solange Verschlüsselung erlaubt ist.

    Nach dem Beschluss durch das Europaparlament Mitte Dezember war neu, dass die Bundesregierung nur die Mindestanforderungen der Richtlinie hinsichtlich des Grundsatzes der Datensparsamkeit umsetzen möchte: Also eine Datenvorrätighaltung von einem halben, statt maximal zwei Jahren.

    Die CDU/CSU- und SPD-Bundestagsfrakionen wollen nun dieses Ansinnen in einem Antragsentwurf, der heise online vorliegt bekräftigen: Nur Verbindungsdaten („Wer wann mit wem?“) und keine Inhalte – wie ohnehin schon in der Richtlinie vorgesehen – sollen gespeichert werden. Die Datenabfrage möge auf „erhebliche oder mittels Telekommunikation begangener Straftaten“ beschränkt werden. Mo-ment: Die Richtlinie beschränkt den Zugriff bereits auf allein „schwere“ Verbrechen.

    Neu ist allerdings:

    Die Abgeordneten der Großen Koalition haben keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegenüber einer restriktiven Umsetzung der Richtlinie. […] Dass mit dem Wegfall der bisherigen Löschpflicht von Verbindungsdaten jenseits enger Grenzen und der Einführung eine Speicherpflicht ein „Paradigmenwechsel“ erfolge, sind sich die Koalitionspolitiker aber bewusst.

    So heise online. Für eine Beibehaltung der gestern vor einem Jahr mit Stimmen der Union‑, SPD- und Grünen-ParlamentarierInnen beschlossenen Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung durch den Bundestag wird in Reihen von SPD und Union wohl niemand mehr votieren. Warum eigentlich?

    28. Januar 2006 1
  • : Gilberto Gil zu Gast im Europaparlament
    Gilberto Gil zu Gast im Europaparlament

    Der brasilianische Kulturminister Gilberto Gil war zu Gast im Europaparlament. EUPolitix hat einen Artikel darüber: Brazil minister backs MEP calls for internet charter.

    26. Januar 2006
  • : Radiosendung: Internet Censorship and Surveillance
    Radiosendung: Internet Censorship and Surveillance

    Am Freitag lief im Bostoner Radio „On Point“ eine sehr interessante Sendung zum Thema „Internet Censorship and Surveillance“.

    You remember the wide open promise of the World Wide Web, right? This was to be the untrammeled, free range domain of digital liberation, a new world of freedom. Well, yes and no.

    You can search for whatever you like, but type in „democracy“ in China’s blogosphere, or „human rights“ or „women“ in Iran, and you’re getting nothing. E‑mail trails are sending dissidents to jail. Whole realms of thought are being filtered right off the web – and American companies are helping.

    Now, the US government has subpoenaed search records by the millions. And the National Security Agency is reading e‑mail – maybe yours. Hear about Big Brother, American companies, and the web.

    Gäste im Studio waren:

    * Timothy Wu, Professor at Columbia Law School
    * Ronald Deibert, Professor of Political Science and Director of the Citizen Lab at the University of Toronto
    * Julien Pain, Reporters Without Borders
    * Declan McCullagh, Chief Political Correspondent for CNET News.com

    Die Sendung gibts noch im Real- oder WMA-Format als Stream. Ich würde mich freuen, wenn jemand die Sendung mitschneiden könnte, und mir einen Link zum Download schicken könnte.

    [via RConversation]

    Update: Die Sendung gibts jetzt auch im verbraucherfreundlichem MP3-Format.

    22. Januar 2006
  • : EU bereitet Überarbeitung der Regeln zur elektronischen Kommunikation vor
    EU bereitet Überarbeitung der Regeln zur elektronischen Kommunikation vor

    2006 steht eine Revision des EU-Rahmens zum gemeinsamen Markt im Bereich elektronische Kommunikation und Dienste an. Es geht dabei um folgende EU-Richtlinien:

    • Framework Directive (2002/21/EC)
    • Authorisation Directive (2002/20/EC)
    • Access Directive (2002/19/EC)
    • Universal Service Directive (2002/22/EC)
    • Directive on Privacy and Electronic Communications (2002/58/EC)

    Die Kommission veranstaltet dazu am 24. Januar Februar einen Workshop in Brüssel, der allen interessierten Parteien offen steht (Tagesordnung, Anmeldeformular). Schriftliche Stellungnahmen zu dem aktuellen Konsultations-Dokument, das auch eine Reihe von interessanten Fragen enthält, können bis zum 31. Januar eingereicht werden.

    19. Januar 2006 2
  • : Verbraucher fordern besseren Datenschutz im Netz
    Verbraucher fordern besseren Datenschutz im Netz

    Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet momentan am Entwurf eines neuen Telemediengesetzes, das im Frühjahr beschlossen werden soll. Heute ist dazu ein umfangreicher Forderungskatalog aus Verbrauchersicht veröffentlicht worden, der vor allem auf eine Verbesserung des Datenschutzes im Netz zielt. Unterzeichner sind elf Organisationen, darunter das Netzwerk Neue Medien, der virtuelle Ortsverein der SPD, die Verbraucherzentrale Bundesverband und die Deutsche Vereinigung für Datenschutz. Kernforderung:

    „Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten (…), dass sie im virtuellen Leben ebenso anonym und überwachungsfrei handeln können wie im wirklichen Leben.“

    19. Januar 2006 1
  • : Dieses Blog wird auch weiterhin einen eigenen Bundestagsausschuss haben
    Dieses Blog wird auch weiterhin einen eigenen Bundestagsausschuss haben

    heise meldet: Bundestag setzt Ausschuss für Netzpolitik wieder ein

    Der Bundestagsausschuss für Kultur und Medien hat auf seiner Sitzung am heutigen Mittwoch einen Ableger rund um die Netzpolitik ins parlamentarische Leben berufen. Gemäß einem interfraktionellen Antrag sprachen sich neben den Vertretern der Großen Koalition auch die Politiker der Oppositionsparteien für die erneute Einsetzung eines Unterausschusses Neue Medien aus.

    Verwiesen sei auf die Tagesordnung der Ausschussitzung.

    18. Januar 2006 1
  • : FDP: Parlament ist nicht legitimiert
    FDP: Parlament ist nicht legitimiert

    Hans-Joachim Otto, MdB der FDP hat in einer Pressemitteilung ein wenig gegen das Konzept der Kulturflatrate argumentiert und dabei das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Golem berichtet darüber im Sinne einer Nacherzählung der Pressemitteilung.

    Seine Kernaussage „Die „Kulturflatrate“ ist eine Mißachtung des Urheberrechts“ ist dabei jedoch Produkt eines gedanklichen Irrtums, denn selbstverständlich fällt etwa dem Bundestag das Recht zu, eine Kulturflatrate im deutschen Urheberrecht zu verankern. „Legalisierung von Cannabis ist unmöglich, da es ja verboten ist“ wäre vielleicht eher als kreisrunde Argumentation aufgefallen.

    Noch fehlen mir eindeutige Hinweise, daß die FDP den deutschen Parlamentarismus im Speziellen oder Demokratie im Allgemeinen ablehnt, die Zeichen von Otto sind jedoch nicht ermutigend.

    Ob Eigentumsrechte, wie sie das Grundgesetz gebietet oder ein gesetzgeberischer (änderbarer!) Rahmen von europäischer Ebene möglicherweise Probleme aufwerfen können, sei einmal dahingestellt. Im ersten Fall wäre es dann ein verfassungsrechtliches Problem und immer noch kein urheberrechtliches.

    Was Otto vorwerfen könnte, wäre die „Verletzung des Geistes des (deutschen/europäischen) Urheberrechts“ und das wäre dann weniger eine Argumentation auf faktischer, denn auf emotionaler Ebene.

    Die FDP unterstützt alle Bemühungen, die einer weiteren Stärkung des Urheberrechts im digitalen Kontext und einer Förderung des Respekts vor dem geistigen Eigentum dienen. Die FDP lehnt eine „Kulturflatrate“ deshalb strikt ab.

    Das darf sie.

    17. Januar 2006 3
  • : Blogschau Krings/Open Source
    Blogschau Krings/Open Source

    In den letzten Tagen haben sich einige Blogs der Rede von Günter Krings angenommen. Zeit für eine kleine Presseschau in Ermangelung an Presse.

    Netbib:

    CDU-MdB Krings hat wieder einmal seine Ideologie-Maschine bezüglich des Urheberrechtes angeworfen und geißelt die “kurzsichtigen Interessen” der Verbraucher und der Börsenverein bringt das natürlich.

    Opensourcejahrbuch.de:

    Die Entscheidung, ein eigenes Werk unter eine offene Lizenz zu stellen erfolgt selbstverständlich immer freiwillig – anders als Herr Krings behauptet soll niemand dazu gezwungen werden. Jedoch sind offene Lizenzen, ein wirklich fairer Umgang mit Kulturgütern und Lernmaterialien und unlukrative Pauschalvergütungen der Verwertungsindustrie schon lange ein Dorn im Auge. Und so unterstellt er fadenscheinig den Kritikern der aktuell anstehenden Urheberrechtsnovelle Eigentums- und Freiheitsfeindlichkeit.

    yellowled:

    Jessas.

    luedke.org:

    Und wieder mal spricht ein Politiker offen über etwas, von dem er anscheinend keine Ahnung hat. Diesmal ist es der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings, der für eine Verschärfung des Urheberrechts plädiert. Ist an sich vielleicht gar keine schlechte Idee (in bestimmten Bereichen), doch was er während seiner Rede alles durcheinander wirft ist doch geradezu haarsträubend.

    zimmer428.net:

    Problematisch indes ist in meinen Augen, daß die Krings’sche Stellungnahme grundsätzlich fixiert zu sein scheint auf den Aspekt “Open-Source = Vertretung von Verbraucher-Interessen = kostenlose Inhalte für eine Selbstbedienungs-Generation”.

    Auf meine Email habe ich von Günter Krings eine Antwort bekommen, die ich leider im Moment noch nicht veröffentlichen kann, da ich ihn nicht gebeten haben, mir das Recht zur Veröffentlichung einzuräumen. *Sigh*. Whatever. Hole ich nach.

    17. Januar 2006 5
  • : Informationsfreiheit einmal praktisch
    Informationsfreiheit einmal praktisch

    Der Bundestag gibt sich freundlich. Auf der Startseite wird auf das neue deutsche Informationsfreiheitsgesetz verwiesen und auf den Aktenplan im deutschen Bundestag. Die URL zeigt derzeit noch nach „http://www.bundestag.de/htdocs/parlament/verwalt/aktenplan.pdf“, was jedoch Unfug ist. Richtig ist http://www.bundestag.de/parlament/verwalt/aktenplan.pdf

    Jörg Tauss (SPD-MdB) rief auf dem 22C3 dazu auf, die Grenzen des IFG auszuloten. Happy Hacking!

    Lieber Bundestag. Ich liebe Dich, denn du hast den „Geheimschutz“ an Position 23 gestellt.

    23 Geheimschutz
    230 Allgemeine Geheimschutzangelegenheiten
    2300 6200 Allgemeine Angelegenheiten der Staatssicherheit
    2301 6201 Einzelfälle der Staatssicherheit
    2302 6202 Spionage- und Sabotageabwehr Spionageabwehr
    2303 6204 Verfassungswidrige Parteien und Organisationen
    2304 6207 Datenschutz im Bereich der Sicherheitsbehörden
    2305 Geheimschutzvorschriften der NATO/CAZ/CTS
    2306 6224 Geheimschutzvorschriften des Deutschen Bundestages

    13. Januar 2006
  • : Freibier und Freisinn
    Freibier und Freisinn

    Auf Börsenblatt.net findet sich ein PDF-Dokument mit der Rede eines CDU-MdB:

    Bundestagsabgeordneter Günter Krings (CDU) hat sich gestern auf der Jahrestagung der AG Publikumsverlage gegen die Freibiermentalität im Umgang mit geistigem Eigentum ausgesprochen.

    Krings geht dort in einigen Punkten auf das ein, was er unter Open Source versteht. Auf einigen Thesenpunkten wird aus dem Mittelalter ein Urheberrecht hergeleitet, das Konzept von Open Source in eine Art Gegensatz dazu gestellt und dann die Verstärkung des Bewußtseins für Geistiges Eigentum gefordert. Grob gefasst, Krings macht das etwas ausführlicher und eleganter.

    Es macht meist auch wenig Sinn, ein belletristisches Buch zu „verbessern“. Es kann allenfalls den Anstoß für eigene, geistige Schöpfungen Dritter bilden – von der Rezension bis hin zum eigenen Roman als Antwort auf das Gelesene. Und diese stehen in jedem Falle als eigenständige Werke neben dem ursprünglichen.

    Man beachte die Beschränkung auf die Belletristik. Doch auch hier gibt es ein gewisses Problem, denn die Freiheit, einen Text ändern zu dürften muss ja nicht zwingend mit dem Anspruch verbunden sein, ihn verbessern zu wollen. Welcher deutsche Verlag hat selbst genügend Mittel, ein mäßig erfolgreiches Schmökerchen auf Urdu zu übersetzen, wenn es keine pakistanische Kulturförderung gibt, die hier Gelder dafür bereitstellen kann? Auch schon eine einfache CC-nc-Lizenz (Evil yadda yadda) reichte hier bereits aus, daß jemand den Text auf eine hör-mp3-taugliche Form herunterbrechen könnte oder den Text so glätten könnte, daß die kleine 5 jährige Susanne es mag. Nur so eine Idee.

    Solange es noch keine Patente auf Handlungen gibt (ich bin zu alt), hat Krings natürlich noch eine Tür offengelassen: Ein neues Buch schreiben. So wird aus Harry Potter dann Tanja Grotter. Und alle sind glücklich, weil sie 5 Monate lang über einen Plagiatsprozess mit ungewissem Ausgang berichten können.

    Wenn es an harte Texte geht (Software-Handbücher), so wird die Sache noch ein wenig klarer, denn hier bringt O’Reilly schon seit einigen Jahren vernünftige Bücher unter freien Lizenzen heraus.

    Golem.de hat die Rede ein wenig auf die skandalträchtigen Teile gekürzt und flugs daraus ein „Krings: Open-Source-Idee für Bücher ungeeignet“ gemacht.

    In Krings Postkasten findet sich seit einigen Stunden folgende Email:

    Sehr geehrter Herr Krings,

    auf den Seiten des Börsenblattes habe ich heute einen recht
    interessanten Text von ihnen gelesen. Ich habe die URL dazu auf die
    Mailingliste der deutschsprachigen Wikipedia weitergeleitet und bin
    einmal gespannt, wie dort die Reaktionen ausfallen werden.

    Wikipedia ist ein mehrsprachiges internationales Projekt zur
    Erstellung einer Enzyklopädie. Die Texte sind urheberrechtlich
    geschützt, von den Autoren jedoch unter eine freie Lizenz, die GNU FDL
    gestellt, die den freien Einsatz der Texte auch zu kommerziellen
    Zwecken erlaubt.

    Obwohl das Projekt gerade erst 5 Jahr alt ist (am 15. Januar wird
    gefeiert), hat es doch in den letzten Jahren schon einiges auf die
    Beine gestellt. Wikipedia gehört derzeit zu den am 20
    häufigstbesuchten Webseiten weltweit, will man einmal den Zahlen von
    alexa.com glauben. 2 von 1000 Webseitenbesuchen gehen auf Wikipedia.

    In Berlin hat ein Verlag (Zenodot) gerade die ersten drei Bände einer
    Taschenbuchreihe herausgebracht, deren Texte aus der Wikipedia stammen
    und die lizenzkonform eingesetzt werden. Wer will, kann die
    Taschenbücher für etwa 10 Euro im Buchhandel erwerben. Darüber hinaus
    gibt es sie als PDF zum Download auf den Seiten der Wikipedia und bei
    www.wikipress.de, wo auch die Arbeiten an weiteren Bänden stattfinden.

    Directmedia und Zenodot sind damit aber nicht die Ersten. O’Reilly und
    andere Verlage pubizieren schon seit einigen Jahren Bücher, die
    ebenfalls unter einer freien Lizenz stehen. Der heise-Verlag / dpunkt
    haben 2004 einige Werke unter die Creative-Commons-Lizenz gestellt.

    In Ihrem Text hatte ich zwischenzeitlich den Eindruck, als seien hier
    die freie Lizenzierung und die Befürwortung des geistigen Eigentums
    ein Widerspruch. Aus meiner Arbeit in der Wikipedia kann ich Ihnen
    versichern, daß dies mitnichten der Fall ist.

    Damit die Texte der Wikipedia frei einsetzbar sind und frei bleiben,
    sind auch wir gezwungen, Urheberrechtsverletzungen entgegenzuwirken.
    Dies fängt dann bei Zeitungen an, die ohne die Befolgung der
    Lizenzbedingungen und sogar ohne Quellenangabe lange Passagen
    übernehmen, sei es nun die Süddeutsche Zeitung oder Spiegel Online.

    Ich würde mich freuen, mit Ihnen über das Thema freier Textlizenzen in
    einen Austausch treten zu können und Ihnen die Anwendungsmöglichkeiten
    freier Textsammlungen zu zeigen.

    Herzliche Grüße,
    Mathias Schindler

    13. Januar 2006 2
  • : Zwei Jahresrückblicke auf 2005
    Zwei Jahresrückblicke auf 2005

    Hier sind noch zwei interessante Jahresrückblicke auf das Jahr 2005:

    The Register: 2005: The year the US government undermined the internet

    2005 will be forever seen as the year in which the US government managed to keep unilateral control of the internet, despite widespread opposition by the rest of the world. However, while this very public spat went on, everyone failed to notice a related change that will have far greater implications for everyday internet users and for the internet itself. That change will see greater state-controlled censorship on the internet, reduce people’s ability to use the internet to communicate freely, and leave expansion of the internet in the hands of the people least capable of doing the job.

    BBC: The year of the digital citizen

    2005 was arguably the year citizens really started to do it for themselves. Raising mobiles aloft, they did not just talk and text, they snapped, shared and reported the world around them.

    3. Januar 2006
  • : Chaosradio-Interview mit Joi Ito
    Chaosradio-Interview mit Joi Ito

    Beim Chaosradio-Express gibt es ein Interview mit Joi Ito, welches Tim Pritlove auf dem 22c3 mit ihm gemacht hat. Die MP3-Datei ist 57MB gross.

    Chaosradio Express episode 11 is an interview with 22C3’s keynote speaker Joi Ito. The interview touches various topics including Chicago’s club scene and Joi’s affiliation with it, the early Internet days via X.25, Creative Commons licensing issues, the Open Source Initiative, political activism in general and what can and should be done, optimism vs. pessimism in the current situation of global political fighting, ICANN, living a super-public life and combining all kinds of modern communication tools, the influence of the Internet on political activism and democracy and of course the 22C3 and his personal experiences at the event.

    2. Januar 2006