Technologie

Landesanstalt für Medien NRW empfiehlt Pornoseiten-Filter

Schon seit einigen Tagen online zu haben, das neue Material zum Umgang mit dem bösen Internet, von der Landesanstalt für Medien in NRW. Auch über Klicksafe hat netzpolitik.org schon berichtet. Herausgekommen in der Zusammenarbeit mit Klicksafe ist nun eine 45seitige Broschüre (PDF, 1,6MB), die auch mit Empfehlungen und Schwarzmalerei glänzt:


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Allerdings sollten Sie den Abenteuertrieb und die Neugier von Kindern und Jugendlichen nicht unterschätzen. Viele legen es darauf an, Sexseiten zu finden. Und das wird den Jugendlichen leicht gemacht: „SafeSearch“ lässt sich bei Google auf der Einstellungsseite abschalten. Auch in der deutschen Version von Yahoo kann der Jugendschutzfilter abgeschaltet werden.

Auf Seite 37 findet sich der passende Screenshot, um den „Pornofilter“ umzuschalten. Davon abgesehen, dass es natürlich auch als eine prima Anleitung gelesen werden kann, werden der eigentlichen Zielgruppe der besorgten Eltern auch diese Ratschläge an die Hand gegeben:

Wenn Sie Ihr Kind nach einer gewissen Zeit jedoch auch alleine ins Netz lassen möchten, sollten Sie je nach Alter einen zusätzlichen Filter installieren.

Das ergibt dann eine „grüne Wiese“-Funktion, wo Kinder unbesorgt spielen können; alles Üble wird ausgezäunt. Naja.. das technische Mittel der Filterung ist eher heikel und sehr von politischen Vorgaben geprägt, was nicht besprochen wird. Ebenfalls mit öffentlichen Mitteln geförderte Projekte wie die Jux² Live-CD werden gar nicht erwähnt, auch wenn sich Dialer- und Virenprobleme damit fast komplett umgehen lassen könnten. Es gibt genau eine Erwähnung von Linux und zum Einrichten von Nutzerkonten mit eingeschränkten Rechten. Davon abgesehen wird (mangelnde) Technik-Kompetenz auf Furcht und übermäßige Vorsicht reduziert.

Immerhin finden sich auch Hinweise auf (immer angebrachte) aktive Medienerziehung, die zum kompetenten Umgang mit neuen Medien verhelfen soll. Aber statt 12 goldener Regeln zur Verwendung von Suchmaschinen klingt es insgesamt mehr nach Schwarzmalerei und behandelt thematisch ein schlimmes, kommerzgetriebenes, unsicheres Internet und die Hilflosigkeit der Eltern. Medienkompetenz fehlt jedenfalls allerorten, nicht nur bei arglosen Kindern.

2 Kommentare
  1. Der Einsatz von „Jugendschutzfiltern“ ist zwar (wie immer) gut gemeint, aber dennoch verwerflich. Offenbar soll eine Generation herange/erzogen werden, die bereits an Filter gewoehnt ist. „Neusprech“ statt Klartext soll vermittelt werden!

    1984 > Orwells Horrorvision einer total ueberwachten Gesellschaft
    http://www.opensky.cc/board/viewtopic.php?t=143&sid=ebe684da7a90f14a95aea0b9a90714fb

    Die vom Autor kritisierte aeusserst duerftige Aufklaerung ueber sicheres Surfen bei „KlickSafe“ stoesst mir auch sauer auf, ausser ein paar Links zu kommerziellen Virenscannern und Firewalls ist wenig zu finden – ein Armutszeugnis. Da sind einmal mehr Moralisten mit wenig Fachkompetenz am Werk, denen es mehr um die Oktruierung ihrer verqueren Weltanschauungen geht, als um Sicherheit.

    Dagegen hilft nur eines:

    Tutorial Zensur und Ueberwachung umgehen
    http://www.opensky.cc/board/viewtopic.php?t=397

    Peter Schlegel / opensky.cc

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