Netzpolitik

Netzpolitik hauptsächlich in Deutschland, aber auch international. Kernthema dieses Blogs.

  • : Internetsperrungen, Telekom-Paket und das Urheberrecht
    Internetsperrungen, Telekom-Paket und das Urheberrecht

    Heute fand in der französischen Botschaft in Berlin die Veranstaltung „Kann die Olivennes-Vereinbarung die Weichen für die digitale Zukunft stellen?“ statt. Konkret ging es um Internetsperrungen, die Urheberrechsdebatte und das Telekom-Paket, denn Frankreich ist gerade EU-Ratspräsident.

    Ich war dabei und hab mitgebloggt, mich an der Diskussion beteiligt und die ganze Geschichte als MP3 aufgezeichnet. Da die Kritik gerne kommt: Falls es in diesem Artikel Rechtschreibfehler gibt, dann ist das so und ich werde es wohl nicht mehr ändern. Ich werde wie immer, nicht für diese Fleissarbeit bezahlt und ich muss auch noch anderes tun.

    Die Veranstaltung:

    Ein Vertreter der Frankreichs Botschaft erzählte zu Beginn, dass der Schutz des „Geistigen Eigentums“ eine der grössten Herausforderungen der Volkswirtschaftschaften sei. Es gäbe eine Mrd illegale Downloads in Frankreich, daher sei für Frankreich der Kampf notwendig. Man habe herausgefunden, „80% der Benutzer würden nach einfacher Verwarnung den illegalen Download einstellen“. (Da hat sicherlich wieder die Musikindustrie die passende Studie gesponsert, wie gerade in England wieder.) Die Olivennes – Vereinbarung wurde zwischen Musik, Film, audiovisuelle Medien Lobby mit ISPs.ausgehandelt und besteht aus zwei Teilen:

    1.Förderung Legaler Inhalte
    2.Bekämpfung illegaler Downloads (Repression)

    Das Kompromiss zwischen „alles ist kostenlos“ und „alles kostenpflichtig“. (Aha) Es gebe eine pädagogische Rolle der neu geschaffenen Behörde, die befugt ist, zu bestrafen. Sie arbeitet (übrigens) ausschliesslich auf Anfrage der Rechteinhaber.

    Dann gabs den nächsten Vortrag von Ruth Hieronymi, CDU-Abgeordnete im EP. Diese hat in unserer Bewertung des Abstimmungsverhaltens der EU-Abgeordneten zum Telekom-Paket einen phänomenalen 631. Platz erreicht (1 war am Besten, 694 am schlechtesten) Nur ganz wenige deutsche (konservative) Abgeordnete haben schlechter abgeschnitten.

    Frankreich hätte das EP und den Kulturausschuss immer gut unterstützt, die Balance zwischen den Interessne der Sicherung der kulturellen Vielfalt und der Interessen der Sicherung der wirtschaftlichen Interessen in der Infogesellschaft zu finden. (Fernsehrichtlinie, Unesco-Initiative und zur Mitteilung der Kommission zur Entwicklung kreativer Online-Inhalte) Für angemessene Balance sei es wichtig, Frankreich an der Seite zu haben. Sie begrüßt die zunehmende deutsch-französische Kooperation, um schnell zu Lösungen zu kommen.

    15. Oktober 2008 12
  • : Obama vs. McCain: The Wired Scorecard
    Obama vs. McCain: The Wired Scorecard

    Das Wired-Blog Epicenter hat die Positionen von McCain und Obama in der Technologiepolitik miteinander verglichen: Obama vs. McCain: The Wired Scorecard. Konkret wurden die Themenfelder Broadband,H1B issues, Investment in green tech, Net neutrality und Spectrum untersucht. McCain bekommt die Note „D“ und Obama ein „B“. Umgewandelt in unser Schulsystem sind dies eine „4“ und eine „2“. Hatte zuerst nur die Broadband-Policy geschrieben. Dank den freundlichen Hinweisen in den KOmmentaren ist jetzt hier die richtige Notengebung:

    Broadband policy: McCain: D, Obama: B
    H1B Visas: McCain: B+, Obama: C
    Green Tech: McCain: B, Obama: A
    Net Neutrality: McCain: D, Obama: A
    Spectrum: McCain: B, Obama: B

    13. Oktober 2008 3
  • : Telekom-Paket: Frankreich macht Druck gegen Parlament
    Telekom-Paket: Frankreich macht Druck gegen Parlament

    Der französische Präsident Sarkozy stört sich an einem vom EU-Parlament beschlossenen Änderungsantrag zum Telekom-Paket (Hier: Trautmann-Report). Das Parlament hatte in einer leicht chaotischen Abstimmung mit mehreren Wahlgängen nur zu diesem Änderungsantrag den folgenden Text beschlossen:

    ga) applying the principle that no restriction may be imposed on the fundamental rights and freedoms of end-users, without a prior ruling by the judicial authorities, notably in accordance with Article 11 of the Charter of Fundamental Rights of the European Union on freedom of expression and information, save when public security is threatened where the ruling may be subsequent.

    Konkret meint der Text, dass Internetsperrungen nicht ohne richterliche Genehmigung durchgeführt werden dürfen. Die Franzosen wollen allerdings mit einer neuen Behörde und in der Zusammenarbeit mit der Privatpolizei der Unterhaltungsindustrie (vermeintliche) Tauschbörsennutzer aus dem Internet aussperren dürfen (Das System der „Graduate Response“).

    Im Rahmen der französischen Ratspräsidentschaft hat Sarkozy nun einen Brief an den EU-Kommissionschef Jose Manuel Durao Barroso und die Medienkommissarin Viviane Reding geschrieben, indem er diese persönlich bittet, den ihm nicht passenden Teil einfach zu streichen. Tolles Demokratieverständnis. Im Rahmen der ersten Lesung haben sich von den EU-Abgeordneten letztendlich 573 zu 74 für den oben zitierten Text ausgesprochen. Unter den 74 Gegnern finden sich aber überdurchschnittlich viele französische Konservative.

    Die EU-Kommission antwortete jetzt mit einer Pressemeldung auf den französischen Brief:

    The European Commission invites the French government to discuss its views on Amendment 138 with ministers of the other 26 Member States. As the EU Telecoms Package is decided under the co-decision procedure, agreement of Parliament and Council is required before an amendment can become law.

    Zwischen den Zeilen wird der Brief vor allem formell abgelehnt. Frankreich soll sich erstmal mit den anderen Staaten im EU-Rat am 27. November einigen und dort eine Mehrheit für den Änderungswunsch organisieren, bevor man darüber in den Verhandlungen mit dem EU-Parlament über einen „Gemeinsamen Standpunkt“ sprechen kann. Bleibt zu hoffen, dass dieser Punkt, wie vom EU-Parlament beschlossen, erhalten bleibt.

    7. Oktober 2008 8
  • : 10 Jahre Google? – 1 Jahr BREITBAND!
    10 Jahre Google? – 1 Jahr BREITBAND!

    Die Deutschlandradio Kultur Sendung Breitband hat heute Jubiläum gefeiert und ich war als Studiogast eingeladen: 10 Jahre Google? – 1 Jahr BREITBAND! Eine Sondersendung mit Abrechnungen, Aussichten, Alternativen..

    Was ist geblieben vom Social Web?: „Hallo, ich bin die Susi, mag gerne Parties und hier sind die Fotos meiner Katze…“ War der Web‑2.0‑Hype nur ein Medienphänomen? Wie lebendig sind die ewig tot geredeten traditionellen Medien? Inwieweit sind Offline-Sichtweisen eins zu eins auf das Netz übertragen worden? Fragen an Steffen Grimberg, Medienredakteur bei der taz. Man könnte ja annehmen, die Möglichkeiten der digitalen Partizipation würden auch neue politische und gesellschaftliche Entwürfe nach sich ziehen. Bis jetzt – bis auf wenige Ausnahmen – Fehlanzeige. Die deutschen Blogger verrennen sich in Eitelkeiten, die Politik ist nicht in der Lage, Innovationen zu nutzen. Wie kann heutige Netzpolitik aussehen? Mit Marcus Beckedahl von Netzpolitik.org ziehen wir eine Zwischenbilanz. Ist Google in fünf Jahren das Betriebssystem des Internets? Wie sieht das Netz der Zukunft aus? Verstaatlicht? Kommunistisch? Mobil? Was Anton Waldt, Chefredakteur der debug für Morgen vorsieht…

    Das war eine äusserst nette und entspannte Runde eben im Studio. Leider hat man im Radio in einer Stunde nicht allzuviel Zeit, um die angesprochenen Themen aus verschiedenen Seiten tief zu diskutieren. Denn es werden ja auch noch Musik und Nachrichten gespielt. Aber dafür gibts die MP3 schon.

    4. Oktober 2008 1
  • : Warm-Up für „Freiheit statt Angst“ am 11. Oktober
    Warm-Up für „Freiheit statt Angst“ am 11. Oktober

    Die große Demonstration in Berlin gegen den Überwachungswahn ist nur noch eine Woche hin. Bisher rufen schon mehr als 100 verschiedene Organisationen dazu auf, es sieht also alles nach einem großen Erfolg aus. Hoffen wir mal, dass diesmal auch wieder das Wetter mitspielt.

    Hier mal ein kleiner Überblick, was es alles schon so an Vorbereitung, Aufwärm-Aktionen und Planung für nach der Demo gibt.

    In den Berliner U‑Bahnen läuft seit gestern ein Videoclip des AK Vorratsdatenspeicherung.

    Die Aktion war im AK selber nicht ganz unumstritten, weil einige Leute Schwierigkeiten mit bezahlten Werbeformen haben. Andererseits kosten Flyer auch Geld, und das Berliner Fenster, das diese Bildschirmwerbung betreibt, hat uns einen extra-günstigen Rabatt gegeben. Hier der ganze Clip.

    Seit gestern sind zwei Aktivisten aus Bergisch Gladbach mit dem Fahrrad nach Berlin unterwegs, um entlang der Strecke noch ein wenig Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wer an einer der Etappen wohnt, sollte mal mit denen Kontakt aufnehmen und die Lokalpresse darauf ansetzen. Das macht sich immer gut für schöne Foto-Berichte. Hier die Route und weitere Infos zum „Marsch für die Freiheit“.

    Wer etwas bequemer und trotzdem gemeinsam mit anderen freiheitsliebenden Menschen nach Berlin anreisen will: Es gibt noch Fahrkarten für die Busse aus 100 Städten in ganz Deutschland. Wer nicht auf einer der Strecken wohnt oder noch bis Sonntag in Berlin bleiben will, sollte sich an der Mitfahrbörse beteiligen. Auch Übernachtungsplätze sind gern gesehen.

    Das Demo-Büro ist bereits seit einer Weile in Betrieb in der Hessischen Straße 10 in Berlin-Mitte. Dort stehen ständig Ansprechpartner für die Presse zur Verfügung. Außerdem wird vom FoeBuD dort eine noch größere Datenkrake gebaut. Weitere Mithelfer sind immer willkommen, da es noch einiges zu tun gibt.

    Es wird von der Demo den ganzen Tag Webradio von Radio1984 geben mit aktuellen Berichten, Interviews und Hintergrundinformationen. Geplant ist auch eine Aggregierung der Video- und Audio-Streams aus anderen Ländern.

    International sind derzeit mehr als 20 Länder dabei am Aktionstag „Freedom not Fear“. Die Sache umspannt dann fast die ganze Welt – viele aus Europa, dann Nordamerika (USA), Südamerika (Argentinien und Equador, und Aktionen auf dem lateinamerikanischen Sozialforum in Guatemala) und evtl. Asien (Südkorea). An Aktionsformen ist es extrem bunt. Es gibt z.B. Demonstrationen (Berlin, Paris, Stockholm, London, Sofia, Luxemburg), Parties (Kopenhagen, Berlin, Stockholm, Prag), Street-Events (Zürich, Leute springen nackt in den See), Diskussionsveranstaltungen (Washington, Rom) oder sogar alles zusammen: Den Haag plant „street protest, speeches, music, arts, privacy market“, alles unter dem Titel “Volksopstand 2008”.

    Es werden weiterhin Spenden benötigt, da die Bühne mit Technik, die tausende von Flyern und Plakaten, Funkgeräte für die Ordner und viele andere Sachen echtes Geld kosten. Spenden kann man hier. Weil es auch zu den Kosten einige Nachfragen gab: Die auf dem Spendenbanner angegebenen 69.000 Euro sind eine grobe Schätzung zu Beginn der Demo-Planung gewesen, unter der Maßgabe, dass man sehr sehr sehr viele Menschen erwartet und der Sound sowie alles andere optimal sein sollen. Mittlerweile ist wohl klar, dass es deutlich billiger wird, unter anderem, weil auf Live-Musik verzichtet wird. Dennoch werden immer noch einige Tausend Euro benötigt, um die derzeit geplante Technik anzumieten. Und es wäre auch schade, wenn der AK Vorrat nach der Demo seine Aktivitäten einstellen müsste, weil er komplett pleite ist.

    Nach der Demo ist zwar vor der Demo, aber zunächst muss man sich auch ausruhen, kennenlernen und feiern. Eine Reihe Berliner Clubs haben sich daher zusammengetan und veranstalten eine „lange Nacht der Überwachung“ mit DJs, Infos, Keysigning-Parties, Filmabend und und und. Ein Teil des Eintrittes geht als Spende an den AK Vorrat.

    Zuletzt: Macht diese Woche bitte noch Werbung, Werbung, Werbung! Verteilt Material (kostenlos im FoeBuD-Shop zu bestellen), klebt Plakate (vor allem in Berlin, gibt es im Demo-Büro), schaltet Banner auf euren Webseiten, bloggt und twittert darüber, setzt einen Hinweis in eure Mail-Signatur, sprecht mit Freunden, Verwandten und Kollegen, und setzt die Presse darauf an. Weitere gute Ideen könnt ihr hier finden und ergänzen.

    Wir sehen uns in Berlin! (Jedenfalls werdet ihr mich sehen, ich soll nämlich dieses Jahr die Rede für Netzpolitik und das Netzwerk Neue Medien halten, nachdem Markus das letztes Jahr schon grandios gemacht hat.)

    4. Oktober 2008 17
  • : Internet Governance Forum – Deutschland (IGF‑D)
    Internet Governance Forum – Deutschland (IGF‑D)

    Am 11. November wird es in Berlin das erste „Internet Governance Forum – Deutschland (IGF‑D)“ geben. Veranstalter sind eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., DGVN – Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V., DENIC eG und Internet Society German Chapter e.V.

    Das IGF‑D möchte den Stakeholdern des deutschen Internet eine Diskussions- und Austauschplattform bieten zur Vorbereitung auf die Internet Governance Foren der Vereinten Nationen.

    Verschiedene Vorträge und drei Diskussionsrunden werden geboten:

    Podiumsdiskussion 1: Zukunft des Internet: Breitband-Access und Netzneutralität
    Podiumsdiskussion 2: Sicherheit, Privatspäre und Datenschutz im Internet: Auf der Suche nach einer neuen Balance
    Podiumsdiskussion 3: Zukunft des IGF: Beitrag zur Selbst-Verwaltung des Internet

    Ich bin als Teilnehmer für die erste Podiumsdiskussion eingeladen.

    Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist aber erforderlich.

    1. Oktober 2008 1
  • : Digitale Gesellschaft – Grenzenlose Möglichkeiten für die Europäische Union?
    Digitale Gesellschaft – Grenzenlose Möglichkeiten für die Europäische Union?

    Am Samstag, den 25. Oktober 2008, findet in Frankfurt/Main die Konferenz „Digitale Gesellschaft – Grenzenlose Möglichkeiten für die Europäische Union?“ statt. Hier gibts noch ein PDF. Veranstaltet wird sie von der Grünen Jugend in Kooperation mit der EU-Abgeordneten Hiltrud Breyer und der Eintritt ist frei. Ich bin als Moderator gebucht und gebe eine Einführung in den Themenkomplex „Politik in der digitalen Gesellschaft“ und mach noch einen Workshop zu „Politik 2.0“

    E‑mailen, surfen, recherchieren, chatten, online-banking, einkaufen: das Internet ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Seit vor 14 Jahren der erste Webbrowser das Licht des Cyberspace erblickte, wirft dieser neue Kommunikationsraum für uns Grüne, für die Politik in der Europäischen Union, die EU-Mitgliedsstaaten und die lokale Ebene ständig neue Fragestellungen auf: Wie gehen wir mit den internationalen virtuellen Räumen um? Wie verändert die immaterielle Verfügbarkeit von Informationen Kultur und Wirtschaft? Ist die Privatsphäre am Ende oder werden wir ihre Renaissance wiedererleben? […] Diskutieren, streiten und Forderungen erstellen werden wir in den parallel stattfindenden Workshops zu den Themen „Politik im Internet“, „Open Source Software“, „Legal, Illegal, Scheiss Egal? Urheberrechte im Digitalen Zeitalter“, „Bürgerrechte im Internet“ und „Open Source in den Kommunen“.

    Anmeldungen zur Konferenz (mit Name, Post- und e‑mail- Adresse sowie Telefonnummer und Angabe der Workshop-Teilnahme-Präferenz) bitte an: hiltrud.breyer@berlin.de. Anmeldefrist: Mittwoch, 15. Oktober 2008

    1. Oktober 2008 1
  • : Zehn Jahre ICANN
    Zehn Jahre ICANN

    Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ist am 30. September 10 Jahre alt geworden. Zur Feier des Tages gibt es eine Pressemitteilung, was man alles erreicht habe: ICANN: 10 Years Old Today – A decade of multi-stakeholder decision-making and coordination.

    So, what has ICANN done in the past decade?

    * Back in 1998, there was a single registrar, charging $50 a year for domain names; now there are over 900 ICANN-accredited registrars 1 and a domain costs from just $6 2
    * Helped the domain name system grow from roughly three million domains a decade ago to over 160 million today 3
    * Expanded the Internet’s generic top-level domains from three (dotcom, dotnet and dotorg) to 16, including .info, .biz, .cat, .asia, .mobi and .name 4
    * Seen over 35,000 domains go through the Uniform Dispute Resolution Process 5, a faster, cheaper and more efficient alternative to the law courts for ownership disputes
    * Developed policies with the full involvement of governments, business, the technical community and individual Net users that make the Internet’s addressing system able to adapt to the radical new uses that the network is put to every year

    Passend zum Thema gibt es hier etwas Hintergrund:

    Netzpolitik-Podcast 047: Jeanette Hofmann über Internet Governance.
    Netzpolitik-Interview: Nutzervertretung bei ICANN

    1. Oktober 2008 1
  • : Telekom-Paket: Abstimmungsverhalten der EU-Abgeordnten
    Telekom-Paket: Abstimmungsverhalten der EU-Abgeordnten

    In einer aufwändigen, aber zum Glück kollaborativen Arbeit im Wiki, wurden jetzt die Abstimmungsergebnisse der EU-Abgeordneten zum Telekom-Paket im Wiki von La Quadrature du Net zusammengeführt: Telecoms package directives 1st reading by score. Etwas weh tut, dass der französische Rechtsaußen Jean Marie Le Pen die Liste anführt. Aber was soll man machen, wenn man objektiv aus Verbraucherschutzsicht die Abstimmungen der vier Richtlinien und ihren zahlreichen Änderungsanträgen bewertet. (Es geht bei den Franzosen niemand davon aus, dass le Pen Peil von der Materie hat. Der hat dummerweise auch schon bei der Diskussion um die Softwarepatente sich allen Wahlempfehlungen angeschlossen, die wir an alle Abgeordneten verschickt hatten.)

    Die Bewertung funktioniert nach einem (etwas komplizierten) Algorithmus. Für jeden Änderungsantrag wurden im Wiki Punkte vergeben. Diese Punkte wurden dann zusammengeführt.

    Beste deutsche EU-Abgeordnete ist die Grüne Heide Rühle mit einem Score von 18,12, dicht gefolgt von den anderen deutschen in der Grünen-Fraktion. Das freut mich, weil Heide Rühle als Schattenberichterstatterin im Harbour-Report fungierte und wir sie in einem persönlichen Lobby-Gespräch von den vielen Fallen und Problemen in den Änderungsanträgen aufgeklärt haben. Als weitere Fraktion folgt die Linke mit vielen Abgeordneten hinter den Grünen. Aber Teile der liberalen EU-Fraktion steckt noch dazwischen und auch davor. Wenn auch keine deutschen liberalen Abgeordneten in den Spitzenpositionen dabei sind. Erster weitere deutsche EU-Abgeordneter aus einer anderen Fraktion ist Udo Bullmann von den Sozialdemokraten mit einem Score von 12,81. Peter Liese von der CDU/CSU folgt knapp mit 11,44. Es braucht einige Zeit, um den ersten deutschen liberalen EU-Abgeordneten zu finden. Das ist Graf Alexander Lambsdorff mit einem Score von 9.12.

    Abgeordntenwatch.de hat sich auf die Mühe gemacht und das Abstimmungsverhalten der 99 EU-Abgeordneten in der äusserst umstrittene Universaldienste-Richtlinie (Harbour-Report) protokolliert.

    Mit großer Mehrheit hat das EU-Parlament in erster Lesung für die umstrittene Universaldiensterichtlinie als Teil des sog. Telekom-Paketes gestimmt. Die deutschen Abgeordneten von Grünen und Linke votierten mit Nein. Radikalere Pläne, die von Datenschützern als massive Eingriffe in die Privatsphäre von Internetnutzern kritisiert wurden, milderten die Parlamentarier teilweise ab oder verwarfen sie.

    Während in der Rahmenrichtlinie (Trautmann-Report) durch das Parlament einige aus unserer Sicht sehr sinnvolle und vernünftige Änderungsanträge durchgekommen sind, bleiben im Harbour-Report einige Fallen drin. Diese haben wir auch kritisiert. Daher ist es gut, dass Grüne und Linke dagegen gestimmt haben.

    Update: Einen kleinen Haken hat unsere Zählweise mit dem Algorithmus. Wenn ein Abgeordneter einem schlechten Änderungsantrag nicht zustimmt, weil er/sie gar nicht anwesend ist, wird auch gezählt. Dann gibts trotzdem einen Punkt. Ist mir gerade aufgefallen, weil Udo Bollmann und Graf Lambsdorff laut Abgeordntenwatch gar nicht anwesend waren. Müssen wir beim nächsten mal noch optimieren und einberechnen, dass Abgeordnete gar nicht anwesend sind.

    30. September 2008 2
  • : PM zur ersten Lesung zum Telekom-Paket
    PM zur ersten Lesung zum Telekom-Paket

    Auch wenn wir immer noch nicht einen kompletten Überblick über das Abstimmungsverhalten rund um das Telekom-Paket haben, habe ich mal eine erste Pressemitteilung mit einer ersten Bewertung dazu verfasst:

    Die erste Lesung des Telekom-Pakets hinterlässt gemischte Gefühle:

    Es wurden viele Änderungsanträge abgelehnt, die eine deutliche Verschärfung von Urheberrechtsverfolgungen und Internetüberwachung forderten. Eine große Mehrheit der EU-Abgeordneten schloss sich unserer Forderung an, „dass die Rechte und Freiheiten der Endnutzer, insbesondere gemäß Artikel 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union zur Meinungs- und Informationsfreiheit, keinesfalls ohne vorherige Entscheidung der Justizbehörden eingeschränkt werden dürfen“. Ebenfalls deutlich wurde der Vorschlag abgelehnt, ein System von Internetsperrungen nach dem französischen Modell der „Graduate Response“ einzuführen.

    Aber die Mehrheit der EU-Abgeordneten hat ich aus der Verantwortung gestohlen, indem sie kritische Punkte auf die nationale Ebene abgeschoben hat. Die soll jetzt definieren, was „rechtmäßige Inhalte“ sind und was nicht. Hier bleibt viel Interpretationsspielraum, der Abbau von Netzneutralität und mehr Überwachung der Internetnutzer droht weiterhin. Hier hätten wir uns ein deutliches Signal zur Stärkung von Verbraucherrechten auf EU-Ebene gewünscht. Unklar ist auch, was die gewünschten „freiwilligen Kooperationen“ aus Rechteinhabern und ISPs bringen werden. Hier ist zu befürchten, dass ISPs von der nationalen Regierungen unter Druck gesetzt werden, den Forderungen der Rechteinhaber nach einem mehrstufigen Verwarnsystem bei Urheberrechtsverstößen nachzukommen.

    24. September 2008 8
  • : Europaparlament stimmt über Telekom-Paket ab
    Europaparlament stimmt über Telekom-Paket ab

    Ab 11:30h hat das Europaparlament heute über das Telekom-Paketin der ersten Lesung abgestimmt. Da mehr als 800 Änderungsanträgen zu den vier Richtlinien und einer Empfehlung auf der Tagesordnung standen, dauert es wohl noch etwas, bis wir konkretes wissen. Ich werde hier über die Fortschritte berichten und dann später die Ergebnisse kommentieren.

    Update: Ich bin teilweise positiv überrascht. Einige unserer Positionen und Forderungen wurden heute von einer deutlichen Mehrheit im Europaparlament zugestimmt. Das ist besser gelaufen als erwartet. Aber viele Dinge sind weiter drin, wenngleich auch icht so radikal, wie es Rechteinhaber und Konservative geglaubt hätten. Wir müssen noch genauer analysieren, was genau abgestimmt wurde. Bei den vielen Änderungsanträgen dauert es etwas. Und wir konnten uns leider nicht in sämtlichen Punkten durchsetzen, so dass wir mal schauen müssen, was geschehen ist.

    Eines ist klar: Das von den Rechteinhabern eingebrachte „3 Strikes and you’re out“-Modell hat eine deutliche Ablehnung durch das EU-Parlament bekommen! Allerdings hat man einige Punkte auf nationale Ebene abgeschoben. Diese sollen entscheiden, was „lawful content“ ist und was nicht. Das hätten wir auch noch gerne gekillt, aber da stand uns eine Koalition aus Liberalen, Konservativen und Sozialdemokraten im Weg. Auch wird weiterhin eine „freiwillige Kooperation“ zwischen Rechteinhabern und Internetprovidern gewünscht. Das steht weiter dem Ziel entgegen, dass das Telekom-Paket Verbraucherrechte stärken soll.

    Aber alle radikalen Positionen zur Durchsetzung von Urheberrechten haben keine Mehrheit gefunden. Das „französische Modell“ der „graduate Response“ ist auf jeden Fall tot und auch einige Zensur-/Filter-Träume. Und das ist ein schöner Erfolg unserer Kampagne! Insgesamt bleiben aber gemischte Gefühle. Der Harbour-Report (Universaldiensterichtlinie) enthält weiter einige kritische Punkte. Grosse Teile der Linken und Grünen haben dagegen gestimmt, Konservative, Liberale und Sozialdemokraten überwiegend dafür. Aber ohne unsere Kampagne und die Aufmerksamkeit auf viele unbeachtete Punkte wäre es wohl schlechter gelaufen.

    Der Spin von Konservativen, Liberalen und Sozialdemokraten läuft jetzt darauf hinaus, dass alles super ist und Verbraucherrechte gestärkt worden sind. Das stimmt aber nur in Teilen. Ich finde es schade, dass man in Teilen die Verantwortung auf die Nationalstaaten abgeschoben hat. Man hätte die Chance gehabt, auf EU-Ebene Verbraucherrechte deutlich zu stärken. Und zum Kompromisspapier hatten wir hier schon Anmerkungen gemacht. Mal schauen, was davon durchgekommen ist.

    Mehr dazu:

    Futurezone: Ohrfeige für „Three Strikes Out“.

    Auch die Netzneutralität wird durch das Großvorhaben – insgesamt werden drei veraltete Richtlinien zum Thema gleichzeitig runderneuert – einigermaßen festgeschrieben, fixe IP-Adressen, die einer Person zugewiesen sind, gelten als persönliche Informationen, die unter Datenschutz stehen.[…] Kernaussage dieses Zusatzes ist, „dass die Rechte und Freiheiten der Endnutzer, insbesondere gemäß Artikel 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union zur Meinungs- und Informationsfreiheit, keinesfalls ohne vorherige Entscheidung der Justizbehörden eingeschränkt werden dürfen“ [Änderungsantrag 138 zu Absatz 4]. Ausnahmen: „es sei denn aufgrund höherer Gewalt, aufgrund der Erfordernisse zum Schutz der Integrität und Sicherheit von Netzen oder aufgrund nationaler strafrechtlicher Bestimmungen, die aus Gründen öffentlicher Belange, der öffentlichen Sicherheit oder der öffentlichen Moral erlassen wurden“. Unter diese Kriterien fällt wohl die Verfolgung von Urhberrechtsverstößen durch Tauschbörsenbenutzer.

    Laut Informationen aus dem Europaparlament ist der letzte Teil von der Futurezone zitierten Ausnahmen falsch. Die Berichterstatterin Trautmann hat einen mündlichen Änderngsantrag durchgebracht, der ein grosser Sieg für unsere Bestrebungen ist:

    ga) applying the principle that no restriction may be imposed on the fundamental rights and freedoms of end-users, without a prior ruling by the judicial authorities, notably in accordance with Article 11 of the Charter of Fundamental Rights of the European Union on freedom of expression and information, save when public security is threatened where the ruling may be subsequent.

    Demnach gibt es keine Ausnahmen für „strafrechtliche Bestimmungen, die aus Gründen […] der öffentlichen Moral erlassen wurden“. Und das ist gut so. Auf diesen Punkt haben wir uns in den letzten Tagen konzentriert, weil er viele Filterbestrebungen ausschliesst. Dafür gab es dann auch eine deutliche Mehrheit.

    Heise: EU-Parlament: Provider sollen „rechtmäßige Inhalte“ fördern

    Das EU-Parlament hat in erster Lesung umfangreiche Korrekturen am Entwurf der EU-Kommission zur Reform des Telecom-Pakets vorgeschlagen. Vom Tisch sind nach der Abstimmung über die Neuregulierung des Telekommunikationsmarktes zudem Änderungsanträge konservativer Abgeordneter für die direkte Etablierung eines Systems der „abgestuften Antwort“ auf Urheberrechtsverletzungen, wonach Internetzugänge nach wiederholten Warnungen per E‑Mail gekappt werden sollten. Einer flächendeckenden Internetüberwachung widersetzten sich die Parlamentarier ausdrücklich. Eine große Mehrheit fanden aber Kompromissvorschläge, wonach nicht näher spezifizierte Verfahren zur Kooperation zwischen Internetprovidern und Unterhaltungsindustrie zur Förderung „rechtmäßiger Inhalte“ geschaffen werden sollen. […]Nicht durchsetzen konnte sich der konservative Berichterstatter Malcolm Harbour zudem mit einem Antrag, persönliche Informationen wie etwa Verbindungsdaten für die Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte freizugeben. „Das verhindert, dass die Provider zu Hilfssheriffs werden“, begrüßte Helga Trüpel, grüne Vizechefin des Kulturausschusses im EU-Parlament, diese Klauseln gegenüber heise online.

    Heute morgen hatte Spiegel-Online vor der Abstimmung berichtet: EU-Parlament stimmt über Web-Kontrolle ab.

    Raubkopiesperren, Datenschutz, mobiles Internet auf Fernsehfrequenzen: EU-Abgeordnete entscheiden am Mittwoch, wie die Europäische Union das Web regulieren könnte. SPIEGEL ONLINE erklärt die wichtigsten Themenblöcke.

    Und hier sind ein Teil der Abstimmungsergebnisse : (Siehe unsere Liste an Wahlempfehlungen)

    Aus unserer Sicht „gute“ angenommen Änderungsanträge:

    - – – trautmann : 120, 138 \o/, 142
    – – – harbour : 157/163, 166 \o/, 186, 187

    Aus unserer Sicht „schlechte“ abgelehnte Änderungsanträge:

    - – – trautmann : 132/137 (withdrawn by Hyeronimi, Pan, le Toubon), 139
    – – – harbour : 9/191, 30, 33, 34, 126, 130, 134, 177, 179

    Aus unserer Sicht „schlechte“ angenommen Änderungsanträge:

    - – – trautmann : 61, 64, 98, 100
    – – – harbour : 11, 14, 62, 67, 75, 76, 101, 112, 117, 122, 182,
    192 (without the word „individual“, splitted out), 194

    Zoomer.de hat ein Interview mit mir gemacht: „Das hat in dem Gesetz nichts verloren“.

    Die Vielzahl der Änderungsanträge macht es für gewöhnliche Bürger sehr schwierig, durchzublicken.

    Wir kritisieren auch ganz stark die mangelnde Transparenz des Europa-Parlaments in dieser Sache. Dadurch, dass es so schnell gehen musste, hat man einen Teil der Änderungsanträge erst gestern im Internet gefunden – worüber heute die Abgeordneten abgestimmt haben. Das ist einerseits schon für die Abgeordneten ein Problem, die können sich gar nicht richtig vorbereiten. Die müssen sich auf andere verlassen, die quasi die Vorlagen liefern. Und für die interessierte Öffentlichkeit ist es eigentlich auch so gut wie unmöglich, den demokratischen Prozess zu kontrollieren und zu begleiten. Sie können nicht innerhalb von einem Tag 800 Änderungsanträge durchlesen – selbst, wenn Sie das juristische Fachwissen haben.

    SWR: Mehr Rechte für Internet- und Handynutzer.

    Der Sorge von Datenschützern und Bürgerrechtlern, das Telekom-Paket könnte durch einen Teil seiner vielen Unterpunkte die umfassende Kontrolle der Internetnutzung ermöglichen, trugen die Abgeordneten offenbar Rechnung. So hatte das Weblog “Netzpolitik.org“ vor einer Klausel in der Universaldiensterichtlinie gewarnt, die so ausgelegt werden könne, dass Internet-Zugangsprovider angehalten werden könnten, das Surfverhalten ihrer Kunden auf “rechtmäßige“ und “unrechtmäßige“ Inhalte hin zu überwachen. Die Blogger sahen darin ebenso wie andere Datenschutz- und Internetaktivisten das Einfallstor, um im Auftrag von Musik- und Filmindustrie nach möglichen Raubkopien zu suchen und Bürger auszuspionieren. Ihr Schreckensszenario: Nutzern “unrechtmäßiger“ Inhalte könnte der Internetzugang gesperrt oder gedrosselt werden, wie es in Frankreich auf nationaler Ebene eingeführt werden soll.

    24. September 2008 11
  • : Ziele zum Abbau der digitalen Spaltung in Grossbritanien
    Ziele zum Abbau der digitalen Spaltung in Grossbritanien

    In Grossbritanien ist heute der Tag der starken Worte zur Überwindung der Digitalen Spaltung. Premierminister Brown hat auf dem Labour-Parteitag ein Finanzierungsprogramm für sozial schwache Bürger mit Schulkindern angekündigt. Diese sollen im Rahmen eines 300 Millionen Pfund Budgets Beihilfen in Höhe von bis zu 700 Pfund erhalten, um Computer und Internetzugang zu finanzieren: Britische Geringverdiener sollen Geld für Internetanschluss bekommen.

    Der konservative Bürgermeister von London, Boris Johnson, will hingegen London zu einer „wi-fi city“ ausbauen und flächendeckend WLAN anbieten. Die BBC zitiert ihn: Mayor sees London as ‚wi-fi city’.

    „[But] what we need is a city where anywhere you go, you can log on, you can get on the web. „They’ve done it in other parts of the world; why on earth can’t we do it? „I think that’s the way we should be going, rather than bunging money to people, which sounds a bit like a desperate bribe by the prime minister,“ he added. „Let’s look at ways that we can improve the infrastructure in this city so that there’s wi-fi access everywhere.“

    23. September 2008 2
  • : EU-Abgeordneter warnt vor netzpolitik.org
    EU-Abgeordneter warnt vor netzpolitik.org

    In einer offiziellen Pressemitteilung des Europaparlaments wurde netzpolitik.org noch nie namtlich genannt. Auch wurde noch nie in einer offiziellen Pressemitteilung vor uns gewarnt. Bis heute: Berichterstatter: Telekom-Paket führt nicht zu mehr Überwachung im Netz.

    Das Gesetzesvorhaben hat großes Interesse und entsprechende Lobbyarbeit bei Industrievertretern sowie bei Gruppen und Bloggern ausgelöst, die sich für die Privatsphäre im Netz ein möglichst unreguliertes Internet stark machen. Internetgruppen und Blogger wie La Quadratur du Net in Frankreich oder Netzpolitik.org in Deutschland haben insbesondere Befürchtungen geäußert, das Telekompaket könne dazu genutzt werden, auf Druck der Unterhaltungsindustrie den Urheberrechtsschutz im Internet zu verstärken, indem Provider verpflichtet würden, den Datei-Tausch (filesharing) oder illegale Downloads durch ihre Kunden zu unterbinden bzw. Informationen über das Verhalten ihrer Kunden im Internet an Behörden weiterzugeben.[.…] Die Änderungen am Gesetzesvorschlag, die in seinem Bericht vorgesehen sind, hätten „nichts zu tun mit der Durchsetzung von Urheberrechten. Dies ist und war niemals das Ziel dieses Vorschlags“, so Berichterstatter Harbour. Andere Interpretationen bezeichnet er als „alarmistische Angstmacherei“.

    Das sei natürlich alles gar nicht so, sagt Malcolm Harbour, der Berichterstatter im EU-Parlament für die Universaldiensterichtlinie. Wenn das nicht so ist, warum kann man dies nicht klar in den Richtlinien sagen? Und warum lässt man dann durch schwammige Formulierungen und Definitionen den Interpretationsspielraum offen? Morgen entscheidet das EU-Parlament über das Telekom-Paket. Darin sind vier Richtlinien zusammengefasst, die den neuen EU-Gesetzesrahmen für den Telekommunikationssektor schaffen. Wir sind nicht gegen das Telekom-Paket im Ganzen, sondern kritisieren einige Punkte, die unserer Meinung nach schädlich für ein offenes Internet und Bürgerrechte im Allgemeinen sind. Und wir sehen in diesen Punkten und einigen Änderungsanträgen (vor allem von konservativer Seite) einen klaren Verweis auf eine Verschärfung der Bekämpfung von Urheberrechtsvergehen. Da geht es um den Abbau von Netzneutralität, der Einführung von DRM / TCPA Infrastrukturen, der Verfolgung von Urheberrechtsdelikten, den Einstieg in Internetzensur und den weiteren Abbau der Privatsphäre von Internetnutzern in Europa.

    Das kann man transparent nachlesen und sich eigene Gedanken machen: Einen Überblick über die einzelnen Änderungsanträge, worüber morgen die EU-Abgeordneten abstimmen, findet man hier. Dort finden sich auch Bewertungen aus unserer Sicht, ob Änderungsanträge sinnvoll für ein offenes Internet sind, oder schädlich.

    Auch spricht der konservative Abgeordnete Malcolm Harbour nicht für das gesamte EU-Parlament, wie man an den Einreichungen von Änderungsanträgen durch andere Fraktionen und auch durch konservative Abgeordnete sehen kann.

    Lustige Nebensache: Offizielle Pressemitteilungen und ihre Inhalte müssen nicht unbedingt korrekt sein, wie man an diesem Satz sehen kann:

    Rund 250.000 Europäer haben nach Angaben des EU-Statistikamtes Eurostat Zugang zum Breitbandinternet und damit die Möglichkeit, große Dateimengen aus dem Netz zu laden.

    Hätte man 250.000 Berliner geschrieben, wäre dies vermutlich auch falsch.

    Ich bin übrigens etwas verwundert darüber, dass die englischsprachige Pressemitteilung sich signifikant von der deutschsprachigen unterscheidet. Ich ging eigentlich davon aus, dass eine Original-Meldung erstellt wird und diese dannin unterschiedliche Sprachen übersetzt wird. Das scheint aber nicht so zu sein.

    23. September 2008 6
  • : Obama ändert seine Netzpolitik-Positionen
    Obama ändert seine Netzpolitik-Positionen

    Der deutsche Inquirer berichtet mit Verweis auf Slashdot (Obama Significantly Revises Technology Positions) , dass die Webseite von Barack Obama die eigenen Positionen zur Technologiepolitik / Netzpolitik ziemlich verwässert hat: Technologiepolitik: Obama wird zurückhaltend.

    Und schließlich sind auch noch die ganzen detaillierten Vorstellungen darüber über Bord gegangen, wie man via Internet das Regierungshandeln so öffentlich machen kann, dass es auch die Regierten mitbekommen – angesichts der Praxis der noch amtierenden Regierung, gerne mal einige Tausend E‑Mails verschwinden zu lassen, bleibt da ein mehr als schaler Geschmack

    Der Datenschutz-Teil ist auf ein fünftel des ursprünglichen Umfangs zusammengeschrumpft und beim Geistigen Eigentum will man jetzt vor allem „amerikanisches“ schützen. Das war mal alles sehr progressiv und ist jetzt fast nur noch Standard-Demokraten Position. Und die war nie besonders progressiv, sondern brachte z.B. unter Clinton Sachen wie den Digital Millenium Copyright Act (DMCA).

    Hier sieht man einen direkten Vergleich der alten Technologiepolitik mit der neuen inklusive aller Änderungen.

    Mehr zum Thema:

    McCain vs Obama in der Medienpolitik
    Presidential Technology Policy: Priorities for the Next Executive.
    Joe Biden und die Netzpolitik
    NetzpolitikTV 042: Die Netzpolitik von Barack Obama

    22. September 2008 4
  • : Tageschau.de über das Telekom-Paket
    Tageschau.de über das Telekom-Paket

    Tagesschau.de berichtet ausführlich über die bevorstehende Abstimmung im Europaparlament über das Telekom-Paket: Beipackzettel für Internetnutzer – oder Zensur-Klausel?

    Vier große Richtlinien, ungezählte Unterpunkte: Das EU-Telekom-Paket soll umfangreiche Neuregelungen in Sachen Mobilfunk, Telefon und Internet bringen und verspricht Verbrauchern viele Vorteile. Doch Kritiker befürchten, dass über eine Klausel plötzlich auch kontrolliert werden könnte, wozu Verbraucher das Internet nutzen.

    Mittlerweile hat sich der Abstimmungstermin von Dienstag auf Mittwoch um einen Tag verschoben. Noch ist also Zeit, sich an Europaabgeordnete zu wenden und diese über problematische Regelungen in den Telekom-Paket Richtlinien aufzuklären. Wenn es ganz schlecht läuft, ist am Mittwoch jede Chance vorbei und es wird nicht zu einer zweiten Lesung im Parlament kommen. Dann besteht die Möglichkeit, denselben Effekt wie bei der Vorratsdatenspeicherung zu bekommen: Alle wunderten sich, wo die auf einmal herkam. Also tut was!

    Wir haben eine Liste mit Wahlempfehlungen erstellt, wo wir alle Änderungsanträge bewerten. Hier sind Kontaktdaten der Europaabgeordneten, die man auch bei Abgeordntenwatch finden kann. Und hier gibt es Argumentationshilfen für Gespräche mit Abgeordneten und ihren Mitarbeitern am Telefon (Ein Teil davon kann auch noch eine deutsche Übersetzung gebrauchen).

    Wir empfehlen eine Konzentration der Anrufe und eMails auf konservative und sozialdemokratische EU-Abgeordnete!

    22. September 2008
  • : Telekom-Paket: Unsere Wahlempfehlungen!
    Telekom-Paket: Unsere Wahlempfehlungen!

    Für die Abstimmungen zum Telekom-Paket am kommenden Mittwoch sind jetzt unsere Wahlempfehlungen online zu finden. In einer europäischen Kooperation haben wir im La Quadrature du Net – Wiki alle zur Wahl stehenden Änderungsanträge analysiert und bewertet. Bisher sind die Bewertungen für den Trautmann-Report (Rahmenrichtlinie) und dem Harbour-Report (Universaldiensterichtlinie) online. (Die Analyse und Empfehlungen für die Datenschutzrichtlinie / Alvaro-Report kommen noch, sobald online zu finden)

    In unsere Bewertung der Änderungsanträge (Ammendments) haben wir den Einfluss der einzelnen Passagen auf ein freies und offenes Internet, und damit auf Bürger- Und Verbraucherrechte bewertet. Mit Hilfe dieser Wahlempfehlungen kann man nun optimaler die eigenen Europa-Abgeordneten kontaktieren und sich von ihnen wünschen, im Sinne von Freiheit im digitalen Raum abzustimmen.

    Die Wahlempfehlungsliste im Wiki ist folgendermassen aufgebaut:

    Amendig“ und „Amended“ definiert den jeweiligen Report (Richtlinie) und die Passage.
    Topic“ sagt, worum es dabei geht und welche Themen die Änderung betrifft. (Themenbereiche sind: Netzneutralität / 3‑Strikes / Richtervorbehalt / Internet-Filtering / DRM / Datenschutz)
    Am. #’ “ ist die jeweilige Nummer des Änderungsantrages.
    „Source“ ist der Antragsteller, dies können Fraktionen (z.B. Verts/ALE = Grüne) oder Ausschüsse (z.B. ITRE = Industrieausschuss) oder Abgeordnete (z.B. Bono, Cohn-Bendit, Roithová and al.) sein.
    Advice“ ist unsere Empfehlung. Das reicht von „–“ (für ganz schlechte Idee und schädlich) bis hin zu „+++“ (Unbedingt empfehlenswert).
    Comment“ beschreibt meist kurz, worum es geht.

    Mit Hilfe dieser Wahlempfehlungen kann man nun optimaler bis kommenden Mittwoch EU-Abgeordnete kontaktieren und diese bitten, sich einzelnen Änderungsanträgen anzuschliessen. Und wir können nach Mittwoch überprüfen, welche EU-Abgeordneten Internet-feindlich abstimmen.

    Spread the word und werdet aktiv!

    Im La Quadrature Wiki haben wir auch eine aktuelle Mobilisierungsseite. Die englische ist immer die aktuellste und es wird regelmässige Hiilfe bei der Übersetzung der Änderungen nach deutsch benötigt. Hierbei hilft der RSS-Feed.

    Aktueller Stand von Samstag, 18:30h ist: Telekom-Paket Abstimmung (1. Lesung) am 24. September.

    Wir mobilisieren gegen mehr Überwachung im europäischen Internet

    Executive Summary der aktuellen Situation

    * Das „Telekom-Paket“ wird am 24. September in der Plenarsitzung des Europaparlaments um 11:30 abgestimmt.
    * Einige Änderungsanträge enthalten gefährliche Inhalte für ein offenes Internet.
    o Einige Änderungsanträge können Nationalstaaten erlauben, eine sogenannte „Graduate Response“ Regelung gegen unautorisiertes Filesharing durchzusetzen (Internetsperrungen), was massiv Bürgerrechte beeinträchtigt.
    o Die Verwendung des Wortes „lawful content /rechtmässiger Inhalt“ ist eine Gefahr für Bürgerrechte und einer nachhaltigen sowie offenen Entwicklung des Internets.
    * Fortschritte wurden bei der Neubearbeitung der LIBE-Änderungsanträge (LIBE = Ausschuss für bürgerliche Freiheiten) auf Basis der Analyse des Europäischen Datenschutzbeauftragten gemacht.
    * Einige sehr sinnvolle und gute Ändeurngsanträge wurden eingebracht, z.B. das „Bono amendment“ beim Trautmann-Report, sowie verschiedene andere.
    * Es ist nur noch wenig Zeit, um EU-Abgeordnete über diese Fragen und Konflikte aufzuklären, und ihnen Lesehilfe bei den umfangreichen Änderungsanträgen zu geben. Die wenigsten Abgeordneten hatten bisher mit den Diskussionen zu tun und wissen weitgehend nicht, worüber sie am Mittwoch abstimmen. Hier ist Hilfe notwendig, ihnen die Änderungsanträge zu erklären, und ihre Bedeutung für Bürger- und Verbraucherrechte herauszustellen.

    Detailliertere Argumentation:

    „Graduated Response“

    Einige Änderungsanträge können Nationalstaaten erlauben, eine sogenannte „Graduate Response“ Regelung gegen unautorisiertes Filesharing durchzusetzen (Internetsperrungen), was massiv Bürgerrechte beeinträchtigt.

    * Die Erwähnung von „cooperation“ zwischen Internet-Servcie-Providern und der Kulturindustrie über die „Promotion of lawful content“ ist sehr vage und unzureichend.
    o Generelle Information der ISP-Kunden über bestehende Gesetze (z.B. in Form von Newsletters) ist akzeptabel
    o Zielgerichtete Mitteilungen an einzelne Kunden und auf Basis der Überwachung des Nutzerverhaltens ist inakzeptabel.
    o Es gibt keine klare Definition, dass individuelle Benachrichtigungen ausgeschlossen werden bei dieser „cooperation“

    * LIBE-Änderungsanträge sind neue bearbeitet worden nach der Kritik des Europäischen Datenschutzbeauftragten (EPDS)
    o Der Europäische Datenschutzbeauftragte hatte vorgeschlagen, problematische Änderungsanträge neu zu schriben. Diesen Hinweisen wurde nachgegangen und die Sprache ist wneiger gefährlich. Aber es ist immer noch eine Gefahr.

    „Lawful content“

    Die Verwendung des Wortes „lawful content /rechtmässiger Inhalt“ ist eine Gefahr für Bürgerrechte und einer nachhaltigen sowie offenen Entwicklung des Internets.

    * Wer soll entscheiden, ob Inhalt rechtmässig ist und ob nicht. Wo ist die richterliche Kontrolle darüber?
    * Dürfen Behörden ohne Gewaltenkontrolle darüber entscheiden, was rechtmässiger Content ist und was nicht?
    * Was ist mit Regelungen wie der Privatkopie oder das Zitatrecht, bzw. freien Inhalten wie die Creative Commons lizenzierten Inhalten, bzw. Bottum-Up Innovationen, die die Basis für die Entwicklung einer digitalen Umwelt darstellen?

    Bono amendment

    * Today, the judicial judge is the guardian of civil liberties and freedom of citizens. This amendment guarantees that this will continue, that no administrative authority can order justice rulings impacting on internet users’ ability to access and distribute content.
    * The exceptions for „force majeure“ and „national provisions of criminal law imposed for reasons of public policy, public security, or public morality“ are already in Member State’s criminal laws. Nothing will be changed here.
    * The exceptions for „preserving network integrity and security“ are legitimate, technically demonstrable, and described in ( some other part of the texts )
    * The reference to the Charter of Fundamental Rights of the European Union … (?)

    Alle sollten ihre EU-Abgeordneten kontaktieren!

    * Bittet sie, für den Bono-Ändeurngsantrag 138 zu stimmen, der Bürgerrechte wie die Meinungsfreiheit schützt, indem ein Richtervorbehalt zwingend notwendig wird.
    o Wenn es Zweifel gibt, ob die „Graduate Response“-Regelungen immer noch im Telekom-Paket zu finden sind oder nicht ist es besser zu garantieren, dass sie nicht drin sind. Das ermöglicht Änderungsantrag 138.
    o Eine richterliche Ontrolle ist absolut notwendig und zwingend. Dieser Änderunganstrag ändert nichts daran, dass Nationalstaaten Gesetze haben.

    * Bittet Eure Abgeordneten, den Änderungsantrag 34 abzulehnen, der den Datenschutz abbaut im Namen der Urheberrechtsbekämpfung.
    * Empfiehlt Euren Abgeordneten, den Wahlempfehlungen von La Quadrature zu folgen.

    20. September 2008 7
  • : Telekom-Paket: Anschlag auf die Gewaltenteilung verhindern
    Telekom-Paket: Anschlag auf die Gewaltenteilung verhindern

    Wir haben einen neuen Mobilisierungsauruf zusammen mit La Quadrature du Net zum Telekom-Paket verfasst. Es wird in den nächsten Tagen noch einige mehr Infos geben, welche Änderungsanträge wir unterstützen. Leider können wir noch keine komplette Wahlempfehlung rausgeben, weil nicht alle Änderungsanträge mit Nummern versehen auf den Sieten des EU-Parlaments eingepflegt wurden. Dafür wissen wir schon mal einen, den wir sehr unterstützen. Eingebracht wurde er von verschiedenen Abgeordneten aus verschiedenen Fraktionen, von grün bis konservativ: Änderungsantrag 138 für den Trautmann-Report (Rahmenrichtlinie)! Dieser verhindert, dass Nationalstaaten Internetsperrungen unter Umgehung einer richterlichen Kontrolle einführen können. Kontaktiert Eure EU-Abgeordneten, dass sie diesen unterstützen sollen.

    Amendment 138, by Guy Bono, Daniel Cohn-Bendit, Zuzana Roithova, Michel Rocard, Marielle de Sarnez, Christofer Fjellner, Rebecca Harms, Marco Cappato, Jean-Luc Benahmias and others,

    Proposal for a regulation – amending act

    Article 8.4

    („The national regulatory authorities shall promote the interests of the citizens of the European Union by inter alia: …“)

    Text proposed [ ] Amendments by Parliament

    h) applying the principle that no restriction may be imposed on the rights and freedoms of end users in accordance with Article 11 of the Charter of Fundamental Rights of the European Union on freedom of expression and information, without a prior ruling by the judicial authorities, except where dictated by force majeure or by the requirements of preserving network integrity and security, and subject to national provisions of criminal law imposed for reasons of public policy, public security or public morality.

    Und das ist unsere Mobiliserungs-Pressemitteilung dazu:

    Telekom-Paket: Anschlag auf die Gewaltenteilung verhindern.

    Brüssel / Berlin am 19. September

    Das Europa-Parlament wird am Mittwoch, den 24. September in der entscheidenden ersten Lesung über das Telekom-Paket abstimmen. Wird der jetzige Gesetzentwurf bestätigt, droht ein massiver Eingriff in die Bürger- und Verbraucherrechte.

    La Quadrature und netzpolitik.org rufen dazu auf, bei EU-Abgeordneten für die Unterstützung des Änderungsantrages 138 zu werben. Dieser Änderungsantrag ist für den sogenannten Trautmann-Report (Rahmenrichtlinie) vorgelegt und garantiert, dass französische Pläne für Internetsperrungen sich nicht in Europa ausbreiten.

    Aufgrund der massiven Kritik von Verbraucherschützern und Internetaktivisten sowie des EU-Datenschutzbeauftragten (EPDS) wurde bereits einige Änderungen gegenüber dem Ursprungsentwurf vorgenommen. Obwohl einige Aspekte verbessert, sind im jetzt vorliegenden Entwurf noch einige kritische Punkte enthalten: So soll das Konzepte der sogenannten „rechtmässige Inhalte“ in europäisches Telekommunikationsrecht eingeführt werden. Internetnutzer könnten wegen des Verdachts der Nutzung von „unrechtmässigen Inhalten“ Sanktionen bestraft werden.

    Was genau unter diesem Begriff zu verstehen ist, ist weitgehend unklar. Nationalstaaten können diese Unklarheit dazu nutzen, um Meinungs- und Informationsfreiheit im digitalen Raum abzubauen. Zum Beispiel wird das französische Parlament demnächst über das von ihrer Regierung vorgeschlagene „Graduate Response“-Verfahren entscheiden. Eine neue Behörde soll auf Zuruf der Kulturindustrie Internetnutzer sanktionieren können – ohne richterliche Kontrolle. Die Sanktionen sollen bis hin zu Internetsperrungen führen. Wer „unrechtmäßige Inhalte“ nutzt, wird aus dem Internet ausgesperrt.

    Für La Quadrature und netzpolitik.org ist es essentiell, dass das EU-Parlament dieses Risiko abwehrt. Entscheidend ist, dass das Prinzip der Gewaltenteilung und der demokratischen Kontrolle weiterhin bestehend bleibt. Nationalstaatliche Massnahmen, die eigentlich der Bekämpfung von Terrorismus und Kinderpornographie dienen sollen, dürfen nicht auf das nicht-kommerzielle Kopieren von Kultur ausgedehnt werden.

    Wir rufen alle Unterstützer, Verbraucher und Bürger dazu auf, ihre EU-Abgeordneten zu kontaktieren. Diese sollen darauf hingewiesen werden, dass sie am Mittwoch für den Änderungsantrag 138 stimmen, der fraktionsübergreifend u.a. von den Abgeordneten Guy Bono/ Daniel Cohn-Bendit/Zuzana Roithova eingebracht wurde. Mit diesem Änderungsantrag wird garantiert, dass bürgerliche Freiheiten weiterhin unter dem Richtervorbehalt stehen.

    Wir wollen ein Europa, das Bürger schützt, wie es auch in den Hauptzielen des Telekom-Pakets versprochen wird. Umgekehrt darf das Telekom-Paket keine Bürger- und Verbraucherrechte einschränken.

    19. September 2008 7
  • : NetzpolitikTV: Christofer Fjellner über das Telekom-Paket
    NetzpolitikTV: Christofer Fjellner über das Telekom-Paket

    Auf unserer Brüsseler Lobbyaktion im Rahmen der Diskussion rund um das Telekom-Paket haben wir Christofer Fjellner von der Swedish Conservative Party getroffen und interviewt. Als Mitglied der konservativen Fraktion im Europaparlament vertritt er eine andere Meinung als die Fraktionslinie bei den umstrittenen Punkten im Telekom-Paket. Das kann daran liegen, dass er als zweitjüngster Europaabgeordneter einen anderen Blick auf das Internet hat.

    Wir haben ihn für NetzpolitikTV interviewt, das Interview auf die besten drei Minuten zusammen gekürzt, etwas visuell geremixt und mit deutschen Untertiteln versehen. Heraus kommt ein tolles Plädoyer für digitale Freiheiten im Internet und gegen die geplanten Filter-Massnahmen im Telekom-Paket, was man gesehen haben sollte. Und gerne weiterverbreiten kann, um auf die Abstimmung über das Telekom-Paket aufmerksam zu machen, die leider mit ihren umstrittenen Punkten fernab des allgemeinen Medieninteresses läuft.

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

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    Hier gibts das MP4 und die SRT-Datei (Untertitel). Das Video steht unter der CC-BY 3.0 Lizenz.

    „So, dass darüber eine Debatte entsteht und den Leuten klar wird, dass sie darauf wirklich achten müssen. Wir müssen zumindest jeden Kampf angehen. Ich glaube, schlußendlich werden wir gewinnen.“

    Ich hätte auch gerne in Deutschland Abgeordnete, die so argumentieren.

    16. September 2008 8