Netzpolitik

Netzpolitik hauptsächlich in Deutschland, aber auch international. Kernthema dieses Blogs.

  • : Jetzt handeln: Bürgerrechte beim Telekom-Paket stärken!
    Jetzt handeln: Bürgerrechte beim Telekom-Paket stärken!

    Wie es ausschaut, haben sich Konservative, Liberale und Sozialdemokraten bei der Universaldiensterichtlinie im Rahmen des Telekom-Paketes auf einen Kompromiss geeinigt. Dieser liegt uns vor und unsere Kritik wurde dabei leider nicht wirklich berücksichtigt. Diese drei Fraktionen haben zusammen die Mehrheit im Europaparlament, und es ist zu befürchten, dass am kommenden Dienstag, den 23. September in der ersten Lesung mehrheitlich für eine EU-Gesetzgebung gestimmt wird, die weiter Bürger- und Verbraucherrechte in Europa gefährdet.

    Ich hab das Kompromisspapier als DOC, ODT und PDF online gestellt und wir analysieren gerade die einzelnen Passagen. Wer gerne mithelfen möchte, kann dies in den Kommentaren tun.

    Gegenüber unserer ersten Mobilisierung vor den Abstimmungen in den Ausschüssen Anfang Juli hat sich die Sprache etwas gewandelt und ist nicht mehr ganz so gefährlich: Eine flächendeckende Überwachung des Internetverkehrs steht nicht mehr auf der Tagesordnung, was ein Erfolg unserer Bemühungen ist. Aber genug Sprengstoff bleibt enthalten! Einige kritischen Punkte sind im aktuellen Kompromisspapier auf nationale Ebene verlegt worden. Hier würden wir uns aber wünschen, dass das Europaparlament eine klare Stellung für den Erhalt und Ausbau von Bürgerrechten im digitalen Raum und dem Erhalt von Netzneutralität bezieht. Das ist im Moment nicht der Fall, vielmehr gibt es genug Einfallstore, dass Nationalstaaten umstrittene Gesetzgebungen umsetzen können wie die „3 strikes and you´re out“-Strategie in Frankreich und Grossbritanien, mit denen unsere CDU auch sympathisiert. Viele von uns kritisierten Begriffe kommen dort weiterhin vor: So ist immer noch die Rede von „lawful“ und „unlawful“, sowie einer „cooperation“ zur Promotion von „lawful content“ (Dazu mehr weiter unten).

    Im Grossen und Ganzen hat es bei diesem Kompromisspapier keine relevanten Änderungen gegenüber dem letzten Kompromisspapier gegeben. Und das ist schlecht. Aber dies ist erst eine von drei umstrittenen Richtlinien aus dem Paket mit insgesamt vier. Da diese miteinander interagieren, muss aber auf die Sprache in allen geachtet werden. Von den anderen beiden (Rahmenrichtlinie und ePrivacy-Richtlinie) liegen uns leider noch keine Kompromiss-Papiere vor. Wer eines davon schon hat, kann uns das gerne zur Veröffentlichung schicken.

    Darum geht vor allem in unserer Kritik:

    * Copyright(bekämpfung) / Inhalte gehören nicht ins Telekom-Paket, wo es um Telekommunikation geht
    * Copyrightbekämpfung im Telekom-Paket bedeutet den Einstieg in Filter- und Zensurmassnahmen in Europa und damit einen Eingriff in unsere Privatsphäre
    * Netzneutralität muss in Europa gesichert werden, im aktuellen Kompromiss ist diese gefährdet.
    * Das Telekom-Paket sollte Verbraucherrechte in Europa stärken, durch die Copyright-Ergänzungen werden diese aber abgebaut.

    Ein grosses Problem stellt mal wieder die Intransparenz des Europaparlamentes dar, was teilweise dem eng gesteckten Zeitplan geschuldet ist. Am Dienstag soll abgestimmt werden, aber die ganzen Änderungsanträge (Ammendments) stehen wohl erst spätestens Montag online. Das erschert uns die Mobilisierung, weil wir so schlechter Wahlempfehlungen abgeben können, mit denen man bei seinen Europaabgeordneten vorstellig werden kann.

    Was kann man tun?

    Informiert Euch, z.B. bei uns im Wiki, wo wir viele Ressourcen rund um die Diskussion und die Kritik zusammen gestellt haben. Einen guten Einblick in die verwendete juristische Sprache gibt bietet das kurze Analyse-Papier von Monica Horten, sowie ein Papier des europäischen Datenschutzbeauftragten zum vorherigen Kompromiss.
    Analysiert das Kompromiss-Papier, wobei juristisches englisch hilfreich ist.
    Kontaktiert Eure Abgeordneten. Vor allem Sozialdemokraten, Liberale und Konservative sollten daran erinnert werden, dass es viele Menchen gibt, die sich für ein freies und offenes Internet einsetzen und nächstes Jahr zur Wahl gehen. Seid höflich dabei und argumentiert! Eure nächsten EU-Abgeordnten und ihre Kontaktdaten findet Ihr u.a. bei Abgeordntenwatch.
    Schreibt darüber, podcastet und/oder erzählt anderen Menschen davon!

    Wir werden die nächsten Tage noch mehr Informationen dazu liefern.

    Argumente gegen das neue Kompromisspapier:

    15. September 2008 15
  • : The Rise and Fall of Invasive ISP Surveillance
    The Rise and Fall of Invasive ISP Surveillance

    The Rise and Fall of Invasive ISP Surveillance“ ist ein guter aktueller wissenschaftlicher Text zum Verhältnis von Netzneutralität und Privatsphäre, wenn es um Netzwerkmanagement geht.

    Nothing in society poses as grave a threat to privacy as the Internet Service Provider (ISP). ISPs carry their users’ conversations, secrets, relationships, acts, and omissions. Until the very recent past, they had left most of these alone because they had lacked the tools to spy invasively, but with recent advances in eavesdropping technology, they can now spy on people in unprecedented ways. Meanwhile, advertisers and copyright owners have been tempting them to put their users’ secrets up for sale, and judging from a recent flurry of reports, ISPs are giving in to the temptation and experimenting with new forms of spying. This is only the leading edge of a coming storm of unprecedented and invasive ISP surveillance.

    This Article proposes an innovative new theory of communications privacy to help policymakers strike the proper balance between user privacy and ISP need. We cannot simply ban aggressive monitoring, because ISPs have legitimate reasons for scrutinizing communications on an Internet teeming with threats. Using this new theory, policymakers will be able to distinguish between an ISP’s legitimate needs and mere desires.

    In addition, this Article injects privacy into the network neutrality debate – a debate about who gets to control innovation on the Internet. Despite the thousands of pages that have already been written about the topic, nobody has recognized that we already enjoy mandatory network neutrality in the form of expansive wiretapping laws. The recognition of this idea will flip the status quo and reinvigorate a stagnant debate by introducing privacy and personal autonomy into a discussion that has only ever been about economics and innovation.

    (Eine Empfelung von Ralf Bendrath)

    15. September 2008
  • : EU-Konsultation: IKT-Forschungs- und Innovationsstrategie
    EU-Konsultation: IKT-Forschungs- und Innovationsstrategie

    Die EU-Kommission hat eine öffentliche Konsultation mit dem Ziel gestartet, seine Führungsstellung bei der Forschung und Innovation auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) im kommenden Jahrzehnt ausbauen. Dazu sollen die besten Strategien gefunden werden:

    Die Europäische Kommission hat die Absicht, diesen Herausforderungen mit einer rückhaltlosen Überprüfung ihrer IKT-Forschungs- und –Innovationsstrategie zu begegnen. In der Konsultation werden drei Hauptfragen gestellt:

    1. Vor welchen wichtigsten Herausforderungen steht die IKT-Forschung und ‑Innovation? Welche Hauptprioritäten sollte Europa angesichts der andauernden IKT-Revolution für die Forschung und Innovation setzen?
    2. Wie und auf welchen Gebieten sollte Europa eine Führungsrolle anstreben? In Industrie und Technologie kann Europa weltweite Spitzenreiter auf Gebieten wie Telekommunikation und eingebettete Systeme vorweisen. Wie kann der Vorsprung auf diesen Gebieten ausgebaut werden, und auf welchen neuen Gebieten sollte eine Führungsrolle angestrebt werden?
    3. Welche Rolle muss die Politik spielen, um Europa bei der IKT-Innovation an die Spitze zu bringen. Wie kann die Forschungspolitik konsolidiert werden, damit ein europäischer Markt der IKT-Innovation entsteht? Wie können ergänzende Politikfelder wie Normung, Lizenzen und geistiges Eigentum so gestaltet werden, dass eine frühzeitige Vermarktung der Forschungsergebnisse erleichtert wird?

    Konsultationspapier der Kommission.

    11. September 2008 2
  • : NetzpolitikTV 053: Erika Mann über das Telekom-Paket
    NetzpolitikTV 053: Erika Mann über das Telekom-Paket

    NetzpolitikTV Folge 053 ist ein Gespräch mit der SPD-Europaabgeordneten Erika Mann über das Telekom-Paket und Netzpolitik in der EU. Sie ist Schattenberichterstatterin für den Richtlinienvorschlag für eine EU-Verordnung zur Einrichtung der Europäischen Behörde für die Märkte der elektronischen Kommunikation (EU-Regulierungsbehörde), einer der vier Richtlinien, die im Rahmen des Telekom-Pakets gerade im EU-Parlament diskutiert wird. Erika Mann erklärt die Diskussion rund um diese Richtlinie. Die Ideen der EU-Kommission, eine richtig grosse EU-Regulierungsbehörde zu schaffen, ist von allen anderen Beteiligten zusammen geschrumpft worden. Nun soll es ein Büro werden, eine Mischung aus Zentrale und Arbeitskreis der nationalen Regulierungsbehörden. Unklar sind noch Fragen der Autonomie, Finanzierung und Vetorechte.

    Weiter geht es um die Kritik an der Rahmenrichtlinie und der Universaldiensterichtlinie, dass dort Änderungen in Richtung Verfolgung von Urheberrechtsvergehen rein gekommen sind. Nach Meinung von Erika Mann gehören diese Teile nicht in das Telekom-Paket. Wir unterhalten uns über Warnhinweise an Verbraucher und wie diese aussehen könnten, sowie über die kontinuierliche politische Debatte um die Verschärfung des Urheberrechts. Sie plädiert an die Unterhaltungsindustrie, mehr Geschäftsmodelle zu entwickeln, die auch nutzbar sind. Weiter geht es um Netzneutralität und wie man diese politisch erreichen und sichern könnte, sowie um Parallelen zur US-Netzpolitik.

    Sie beschreibt auch den Zeitplan des Telekom-Paketes und das Ziel, die zweite Lesung bis zum Ende dieser EU-Legislaturperiode zu schaffen. Dies müsste bis April / Mai 2009 geschehen.

    Zum Abschluss geht es darum, wie man sich als Abgeordnete im Bereich Netzpolitik unter vielen Internet-Analphabeten in der Politik fühlt und was das faszinierende an diesem Themenbereich ist.

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    Das Interview ist ca. 28 Minuten lang und liegt als MP4 bereit.

    11. September 2008 1
  • : Telekompaket: Malcolm Harbour wehrt sich
    Telekompaket: Malcolm Harbour wehrt sich

    Der britische EU-Abgeordnete Malcom Harbour wird etwas nervös bei der Diskussion um das Telekom-Paket, wie die Futurezone berichtet: Telekompaket: Malcolm Harbour wehrt sich. Als Berichterstatter und somit verantwortlicher Koordinator des Parlaments für die Universaldiensterichtlinie bezeichnet er jetzt unsere Kritik als „Angstmacherei“. Interessant ist, dass es wohl gerade die Linie der Konservativen ist, in der Öffentlichkeit jegliche Verweise auf Copyright-Durchsetzung zu verneinen.

    „Das Telekompaket der EU wird den Verbrauchern im Zeitalter der modernen Telekommunikation neue Rechte geben“, so Harbour in seiner Stellungnahme, „Es wird nicht als ein Werkzeug zur Durchsetzung des Copyrights dienen, wie einige Leute unrichtigerweise behaupten.“ In einer offiziellen Stellungnahme zur Debatte vom 2. September hatte die französische SP-Abgeordnete Catherine Trautmann, die für den Industrieausschuss das Telekompaket betreut, ausdrücklich bedauert, dass die Copyright-Fragen in den Gesetzgebungsprozess eingeschleust worden sind. Harbour weist auf die anderen Regelungen des Telekompakets hin. So müssten Provider vor Abschluss von Verträgen ihre Kunden auf eventuelle Einschränkungen ihrer Dienstleistungen hinweisen – beispielsweise wenn ein Telefonieanbieter in seinem Netz die Benutzung von Skype untersagt. Ob es für die Konsumenten nicht noch besser wäre, wenn es den Providern im Sinne der Netzneutralität untersagt wäre, bestimmte Dienste zu sperren, steht freilich auf einem anderen Blatt.

    Wenn das Gesetzespaket nicht als Urheberrechts-Durchsetzung gedacht ist, so kann man dies ruhig klar formulieren. Mit klar formulierten Gesetzestexten, die dies verständlich ausschliessen, bekommt man auch weniger Kritik. Mal schauen, wie es weitergeht. Die Abstimmung rund um das Telekom-Paket wird am 23. September im EU-Parlament in Brüssel stattfinden. Bis kommende Woche sind unsere Wahlempfehlungen fertig. Im Moment sieht es so aus, als ob Druck auf die liberalen und konservativen Abgeordneten aus Deutschland benötigt wird.

    10. September 2008 1
  • : Netzpolitik-Podcast 067: Heide Rühle über das Telekom-Paket
    Netzpolitik-Podcast 067: Heide Rühle über das Telekom-Paket

    Im Netzpolitik-Podcast 067 spricht Mathias Mehldau mit der grünen Europaabgeordneten Heide Rühle über das Telekom-Paket und hier besonders den sogenannten Harbour-Report (Universaldiensterichtlinie). Heide Rühle ist grüne Schattenberichterstatterin für diesen Report und sitzt im Ausschuss für “Binnenmarkt und Verbraucherschutz” (IMCO). In dem Gespräch geht es um die Vorteile für die Verbraucher durch das Telekom-Paket, wie mehr Datensicherheit, mehr Verbraucherrechten (z.B. durch kürzere Vertragslaufzeiten) und mehr Rechte für Behinderte. Aber es geht auch um die Bedenken, auf die wir hier regelmässig hinweisen. Heide Rühle teilt unsere Bedenken, dass z.B. Copyright-Verfolgung nichts im Telekom-Paket zu suchen hat. Gleichzeitig hofft sie, dass diese Änderungen in den nächsten zwei Wochen bis zur Abstimmung raus fliegen, da sonst die Grünen dagegen stimmen müssten. Was aus ihrer Sicht schade wäre, weil 90% des Telekom-Paketes Verbraucherrechte stärken würde.

    Das knapp vier Minuten lange Gespräch gibt es alsMP3 und OGG

    10. September 2008 2
  • : McCain vs Obama in der Medienpolitik
    McCain vs Obama in der Medienpolitik

    Tim Wu vergleicht im US-Magazin Slate die Ansätze der Netzpolitik von John McCain mit der von Barack Obama: On the Media. Kurz zusammen gefasst sieht die McCain Kampagne das Netz eher als „Produkt“, so eine Art „Kabelfernsehen auf Steroiden“. Die Obama-Kampagne wiederum stellt den offenen Charakter des Netzes in der Vordergrund, der geschützt werden muss, um weiterhin Innovationen zu ermöglichen.

    Ultimately, most of the difference in Obama’s and McCain’s media policies boils down to questions about whether the media is special and a dispute over how much to trust the private sector. Camp McCain would tend to leave the private sector alone, with faith that it will deliver to most Americans what they want and deserve. The Obama camp would probably administer a more frequent kick in the pants, in the belief that good behavior just isn’t always natural.

    Interessante Analyse, auch wenn der Autor klar als Befürworter des Obama-Ansatzes erkennbar ist.

    Mehr auf netzpolitik.org zu dem Thema:

    Presidential Technology Policy: Priorities for the Next Executive.
    Joe Biden und die Netzpolitik
    NetzpolitikTV 042: Die Netzpolitik von Barack Obama

    10. September 2008 2
  • : NetzpolitikTV 052: Alexander Alvaro über das Telekom-Paket
    NetzpolitikTV 052: Alexander Alvaro über das Telekom-Paket

    NetzpolitikTV Folge 052 ist ein Interview mit dem FDP-Europaabgeordneten Alexander Alvaro über das Telekom-Paket und insbesondere die Datenschutzrichtlinie. Er ist Berichterstatter des EU-Parlament für die Richtlinie zum Datenschutz in der elektronischen Kommunikation (ePrivacy). In dem Interview geht es um die Rolle und Aufgabe eines Berichterstatters in der parlamentarischen Debatte und worum es bei der Datenschutzrichtlinie geht. Innerhalb dieser gibt es z.B. die Regelung, dass ein Einverständnis des Nutzers vorliegen muss, wenn Software Daten nach Hause sendet.

    Aber wir reden auch über die Konfliktpunkte: Der grösste Konflikt dreht sich um die Frage, ob IP-Adressen als persönliche Daten gewertet werden. Hierfür sprechen sich aktuelle Gesetzgebungen, EU-Kommission, EU-Staaten und alle Datenschützer aus. Alexander Alvaro ist der Meinung, dass dies nicht mehr zeitgemäss ist, weil die IP-Adressen nicht einem Individuum persönlich zugeordnet werden können.* Diese Sichtweise wird von verschiedenen Wirtschfts-Lobbys vertreten und von Verbraucherschützern nicht geteilt. Weiter geht es um Informationspflichten für Datenverluste und wie diese ablaufen könnte. Zum Schluss geht um die Frage, wie man sich in der Politik unter lauter Internet-Analphabeten fühlt und wie man Politikern mehr Medienkompetenz beibringen kann.

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    NetzpolitikTV 052: Alexander Alvaro über das Telekom-Paket from netzpolitik on Vimeo.

    Das Interview ist ca. 15 Minuten lang und liegt als MP4 auf dem Server.

    * In der weiteren kurzen parlamentarischen Debatte rund um die Telekom-Paket ist das ein sehr kontroverser Punkt, und es ist wohl derzeit noch nicht klar, wie die Mehrheit des Parlaments dafür abstimmt. Was ist denn Eure Meinung dazu? Sind IP-Adressen personenbezogene Daten und sollten als solche geschützt werden, oder nicht?

    9. September 2008 9
  • : J!Cast 66: VW, die Denic und kurze Domains
    J!Cast 66: VW, die Denic und kurze Domains

    Der J!Cast Folge 66 behandelt diesmal „VW, die Denic und kurze Domains“:

    Das OLG Frankfurt hat entschieden: entgegen ihrer bisherigen Richtlinien muss die Denic die Domain vw.de registrieren, obwohl diese nur aus 2 Buchstaben vor dem .de besteht. Solange diese Entscheidung noch nicht rechtskräftig ist, will die Denic zunächst nichts tun – doch was passiert dann? Wird die Schlacht auf die wenigen 2‑Buchstaben-Domains eröffnet? Wird es eine Sunrise Period geben oder gar eine lohnende Versteigerung?

    Laura Dierking nutzte die Gelegenheit, um mit Dr. Julia Voegeli aus der Kanzlei Taylor Wessing in Hamburg nicht nur diese Fragen zu erläutern, sondern auch die Strukturen von Denic und ICANN, der großen Schwester in den USA zu beleuchten. Dabei tauchte zwangsläufig die Frage auf, wieviel „Behörde“ die Verwaltung unseres Internets braucht und was man guten Gewissens einem privaten Unternehmen überlassen kann.

    Hier ist die MP3.

    8. September 2008 3
  • : Berliner Manifest: Öffentliche Dienste 2.0
    Berliner Manifest: Öffentliche Dienste 2.0

    Gestern und heute fand in Berlin die ver.di-Konferenz „Öffentliche Dienste 2.0“ statt. Ich war u.a. als Teilnehmer eines Panels aktiv vor Ort. (Ich blog später nochmal mehr dazu.) Als eines der Ergebnisse der Konferenz gibt es das „Berliner Manifest: Öffentliche Dienste 2.0 – Die Daseinsvorsorge in der Informationsgesellschaft stärken!“, wo ich im Vorfeld etwas Input gegeben habe und jetzt in einer Liste von ErstunterzeichnerInnen auftauche.

    1. Grundversorgung und offener Zugang!
    Offener Zugang zum Internet gehört heute zu den unverzichtbaren Voraussetzungen einer Informationsgesellschaft. Nicht am Internet teilhaben zu können, bedeutet den Ausschluss aus weiten Teilen des gesellschaftlichen und familiären Lebens, Ausschluss von Bildungs- und Informationsmöglichkeiten, von demokratischer Teilhabe – privat, wie beruflich.

    Jeder Bürger – ob in Stadt oder Land, ob arm oder reich, ob behindert oder nicht – benötigt Zugang zum Internet mit ausreichender Bandbreite. Um die „digitale Spaltung“ von Arbeitswelt und Gesellschaft zu verhindern, gilt es:
    Die Grundversorgung neu zu definieren, Zugang für alle Menschen auch dadurch zu garantieren, dass Dienstleistungen von „Mensch zu Mensch“ erhalten bleiben und in der Arbeitswelt alle Beschäftigten (z.B. auch ArbeiterInnen) Zugang zu Intra- und Internet bekommen.

    2. Wissen teilen, Wissen mehren!
    Bildung und Zugang zu Wissen sind Grundrechte von zunehmender Bedeutung. Neue Technologien haben Zugang und Austausch von Informationen und Wissen grundlegend erleichtert. Diese Chancen sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Teilhabe sowie kooperativen Arbeitens wollen wir erhalten, nutzen und fortentwickeln.

    Eine kalkulierte Verknappung der Informationsvielfalt, die Einführung technischer Barrieren und die schrittweise Privatisierung von öffentlichen Wissensbeständen ist ein Vergehen an der Allgemeinheit. Demokratische Teilhabe am öffentlichen Geschehen ist auf offenen Zugang zu Wissensbeständen angewiesen.

    5. September 2008 4
  • : Datenschützer: Telekom-Paket der EU könnte Internetsperren erleichtern
    Datenschützer: Telekom-Paket der EU könnte Internetsperren erleichtern

    Heise berichtet über die Analyse des europäischen Datenschutzbeauftragten zum Telekom-Paket und zitiert dazu noch die französische EU-Abgeordnete Catherine Trautmann: Datenschützer: Telecom-Paket der EU könnte Internetsperren erleichtern.

    Catherine Trautmann, Berichterstatterin des Parlaments für die Richtlinie Elektronische Kommunikationsnetze und Dienste, bedauert in einer Pressemitteilung des Parlaments die Streiterei um die urheberrechtlichen Aspekte. Letztlich gehe es um telekommunkationsrechtliche Regelungen, bekräftigte ein Mitarbeiter der Abgeordneten. „Darin geht es normalerweise nicht um Inhalte“, sagte er gegenüber heise online. Der Kampf gegen Piraterie werde zudem ein zentrales Thema in der geplanten Richtinie „Creative Content Online“ sein.

    4. September 2008
  • : NetzpolitikTV 049: Abschied aus Brüssel
    NetzpolitikTV 049: Abschied aus Brüssel

    Ein Video von der Brüssel-Lobby-Aktion rund um das Telekom-Paket musste noch bearbeitet werden und ist jetzt online. Darin geht es um eine kurze Zusammenfassung nach vier Tagen Europaparlament.

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    Die Qualität ist etwas schlechter, weil wir auf die Ersatzkamera zurückgreifen mussten, die kein externes Mikro zulässt.

    Hier ist die MP4.

    4. September 2008
  • : Europäische Datenschutzbeauftragter analysiert Telekom-Paket
    Europäische Datenschutzbeauftragter analysiert Telekom-Paket

    Der Europäische Datenschutzbeauftragter (EDPS) hat eine Analyse des Harbour-Reports (Die Universaldienste-Richtlinie im Telekom-Paket) veröffentlicht. Darin werden weitgehend unsere Kritikpunkte am Telekom-Paket geteilt. Interessant ist die Bewertung im Hinblick auf die Etablierung von DRM-Infrastrukturen (TCPA), der Frage, ob IP-Adressen personenbezogene Daten sind (Wird bestätigt) und wie das „Three strikes and you’re out“-Modell aus Sicht der europäischen Datenschützer gesehen wird. Das überwachen und monitoren von Tauschbörsen durch private Ermittler der Rechteinhaber verletzt demnach die Privatsphäre von Internetnutzern.

    Der FFII fühlt sich durch das Papier in seiner Analyse bestätigt, dass die enthaltenen Punkte im Harbour-Report ein „sowjetisches Internet“ schaffen könnten.

    Mal schauen, was diese Woche die Verhandlungen zwischen den Fraktionen bringen und was von den kritisierten Punkten nächste Woche noch akut ist. Im schlimmsten Fall sind dies alle, aber es ist auch möglich, dass einige davon rausfliegen.

    Update: Die Futurezone hat die Zusammenfassung: EU: Warnungen vor „Three Strikes Out“.

    Insgesamt empfiehlt Hustinx den EU-Parlamentariern, die Harbour-Änderungsanträge 9, 30, 76, 81, 112, 130 und 134 nicht anzunehmen. Diese würden den Schutz persönlicher Daten von Internet-Nutzern gefährden.

    3. September 2008 2
  • : CDU-Sichtweise zum Telekom-Paket
    CDU-Sichtweise zum Telekom-Paket

    Die CDU-Europaabgeordnete Christa Klaß, u.a. zuständig für „Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit“, äussert sich bei Abgeordnetenwatch zum Thema Telekom-Paket:

    Diese Vorschläge werden zur Zeit im Europäischen Parlament beraten. Dabei haben sich bereits viele Missverständnisse in die Diskussion eingeschlichen. Beim EU-Telekompaket geht es nicht um eine Änderung der geltenden Vorschriften zum Fernmeldegeheimnis, sondern um die schwierigen Fragen zum Schutz des Urheberrechts in den Zeiten der Internettechnologie. Die von Ihnen angesprochenen Probleme haben eine große Rolle in der parlamentarischen Beratung gespielt. Aus diesem Grunde wurde das Prinzip der Zusammenarbeit von Urheberrechts-Anbietern und Providern entwickelt, die selbstverständlich an die relevanten geltenden Rechtsvorschriften zum Fernmeldegeheimnis und zum Datenschutz gebunden sind. Dort wird nichts geändert. Diese Vorschläge schränken deshalb auch nicht die individuelle Freiheit und Privatsphäre im Internet ein.

    Beim Lesen der Antwort hat man etwas das Gefühl, dass Christa Klaß an ein anderes Gesetz denkt als an das Telekom-Paket. Eines der vier Richtlinien des Paketes ist übrigens die Datenschutzrichtlinie. Die Missverständnisse scheinen daher eher bei der konservativen Fraktion angesiedelt zu sein. Das ursprüngliche Ziel des Telekom-Pakets war keinesfalls, die „schwierigen Fragen zum Schutz des Urheberrechts in den Zeiten der Internettechnologie“ zu beantworten. Im Richtlinienentwurf der EU-Kommission spielte das Thema keine Rolle. Dies ist erst von den Konservativen in die parlamentarische Debatte geworfen worden. Das Telekom-Paket soll den rechtlichen Rahmen für einen modernen Telekommunikationsrechtsrahmen schaffen, dass heisst, es geht um Infrastruktur. Inhalte und „schwierige Fragen zum Schutz des Urheberrechts“ haben in dem Gesetzespaket nichts verloren. Zum Glück gibt es auch noch konservative EU-Abgeordnete, die anderer Meinung sind. Leider sind das keine deutschen Abgeordneten.

    Gefunden bei Telepolis, wo über die gestrige Aussprache kurz berichtet wird: EU-Telekompaket: Das Ende der Neutralität und der offenen Struktur des Netzes?

    Das Europäische Parlament hat am Dienstag in erster Lesung über die Reform des Rechtsrahmens für elektronische Kommunikation, einschließlich Mobil- und Festnetztelefonie, Rundfunk und Internet, debattiert. Voraussichtlich am 23.September soll darüber abgestimmt werden

    Kleine Fehler: Die erste Lesung findet am 23. September statt und ist die Abstimmung.

    Falls Ihr Fragen an Eure EU-Abgeordneten stellt und Antworten erhaltet, (sei es per Mail, Post oder Abgeordnetenwatch) schickt die uns bitte oder postet sie in den Kommentaren.

    3. September 2008 2
  • : Jetzt live: Telekom-Paket Diskusssion im Europaparlament
    Jetzt live: Telekom-Paket Diskusssion im Europaparlament

    Gerade findet im Europaparlament eine Aussprache zum Telekom-Paket statt. Die wird live übertragen. Unklar ist, welches proprietäre Plugin ich benötige, um mir das auch unter Linux anschauen zu können. Auf der Seite wird nur verkündet, dass der Live-Stream nur mit dem Windows Media Player funktioniert.

    Mit diesem Link
    funktioniert der deutschsprachige Stream im VLC.

    2. September 2008 15
  • : TAZ: Klinkenputzen für ein freies Internet
    TAZ: Klinkenputzen für ein freies Internet

    Die TAZ hat über unser Graswurzel-Lobbying im Rahmen des Telekom-Paketes geschrieben: Klinkenputzen für ein freies Internet.

    In Brüssel versuchen junge Onlineaktivisten aus ganz Europa die EU-Parlamentarier davon zu überzeugen, die Freiheit im Netz nicht noch weiter einzuschränken.

    1. September 2008 2
  • : Bericht vom Telekom-Paket Lobbying in Brüssel
    Bericht vom Telekom-Paket Lobbying in Brüssel

    Gestern Abend bin ich von unserer Lobby-Aktion zum Telekom-Paket in Brüssel zurück gekommen. Die vier Tagen waren intensiv, etwas anstrengend, haben aber auch Spass gemacht. Die Gespräche mit Europa-Abgeordneten und/oder ihren Mitarbeitern waren aber sinnvoll und auch gut. Wir konnten unsere Bedenken artikulieren und unsere Hilfe anbieten. Mal schauen, wie erfolgreich das war. Die nächsten drei Wochen werden darüber entscheiden. Es war aber offensichtlich, dass der vielfältige Druck aus dem Netz in den letzten Wochen das Bewusstsein für einige schlechte Passagen in den Direktiven erfolgreich war.

    Ich kann allen nur empfehlen, bei Sorgen und Bedenken zu laufenden politischen Debatten, diese direkt bei den Entscheidern zu artikulieren. Dies wurde uns auch von allen Abgeordneten bestätigt: Demokratie bedeutet mitmachen. Das kann durch Aktionen vor Ort geschehen, wie in diesem Fall. Ein Anruf, ein persönlicher Brief, Fax oder eine Mail reicht aber auch schon aus, wenn dies viele tun. Dabei sollte man immer darauf achten, dass am anderen Ende auch nur Menschen sitzen: Das heisst, eine höfliche und persönliche Ansprache mit einer Argumentation bringt etwas. Massenmails, Beschimpfungen und Vorurteile sind kontraproduktiv. In unserem Fall hatten wir den Vorteil, dass wir aus der Kampagne gegen Softwarepatente schon einige Kontakte im Europaparlament hatten, die wir in diesem Fall nutzen konnten.

    Wie kommt man in ein Parlament?

    Ein Problem ist ja immer, wie man ins Europaparlament reinkommt. Über ein Abgeordneten-Büro bekamen wir einen Wochenpass und wurden morgens immer freundlicherweise am Eingang abgeholt und konnten uns dann im Parlament frei bewegen. Dies ist zwar nicht legal, weil immer ein Mitarbeiter auf einen aufpassen muss. Aber wenn man sich unauffällig verhält und den Sicherheitsmenschen aus dem Weg geht, fragt niemand nach. Man kann auch direkt ein Treffen mit einem unbekannten Abgeordneten ausmachen und nur für das Treffen ins Parlament rein und dann wieder raus. Der Weg nach Brüssel lohnt sich dann aber nicht immer. Aber man kann ja auch gleich mehrere Treffen an einem Tag machen. Wichtig ist auch, dass man Bedenken klar artikuliert und im Optimalfall auch Alternativvorschläge gleich dabei hat.

    Wie nimmt man Kontakt zu Abgeordneten auf?

    Das war in unserem Fall auch recht einfach. Einerseits kannten wir einige Abgeordnete schon aus anderen Zusammenhängen. Andererseits haben wir einfach Mails geschrieben und um einen Termin gebeten. Das hat in den meisten Fällen problemlos geklappt. Eine Handvoll Abgeordnete hat leider überhaupt nicht reagiert, die meisten aber schon. Auch wenn davon einige noch unterwegs waren und teilweise dann nur die Mitarbeiter zur Verfügung standen. Bei drei Abgeordneten haben wir dann auch die Chance genutzt und direkt ein Interview für NetzpolitikTV gemacht. Die liegen teilweise noch auf DV-Tapes, weil eine Kamera anfing zu spinnen und nicht mehr über Firewire konnekten wollte. Muss ich mir nochmal genauer anschauen, ich hoffe, die Kamera ist bei der Aktion nicht zu Schaden gekommen. Da sind auch noch mehr Video-Berichte vom Lobbying drauf.

    Wie bekommt man Netz im Europaparlament?

    Im Europaparlament gibt es ein geschlossenes WLAN in einigen Bereichen. Hier hat man zwei Möglichkeiten, einen Zugang zu bekommen: Man beantragt einen formell und mit etwas Glück bekommt man nach einigen bürokratie-Schritten auch den Zugang. Wir haben den einfacheren Weg gewählt und uns einen Zugang von einer Person geliehen, die uns vertraute. Das sparte Bürokratie und über den Zugang kamen auch mehrere Notebooks gleichzeitig ins Netz. So konnten wir von dem „Seminar on Internet-Filtering and the telecom-package“ einen Live-Stream senden, twittern, aber auch Videos online stellen. Der Live-Stream war vermutlich nicht legal, die Videos auch nicht, da man einen Antrag auf eine Drehgenehmigung stellen muss. Das war uns aber auch zu kompliziert, zumal wir keinen Presseausweis haben und daher haben wir es gar nicht versucht, sondern einfach gemacht. Die grosse Herausforderung war beim Live-Stream eher, Strom zu bekommen. Man mag ja annehmen, dass in einem Fraktionssitzungssaal ausreichend Steckdosen vorhanden sind. Das ist aber nicht so. Wir haben, abgesehen vom Podium, in einem Raum mit über 100 Plätzen nur zwei Steckdosen ganz hinten gefunden. Zum Glück hat der Stream fast die ganze Zeit geklappt. Nur hat Mogulus.com als Streaming-Plattform leider nur den zweiten Teil gespeichert, der jetzt online zu finden ist. Aber die Aktion war auch nur ein Experiment und beim nächsten Mal können wir auf den Erfahrungen aufbauen. Zum Glück hattenw ir den Netzzugang und mussten nicht über UMTS ins Netz. Ich hätte ja gerne mehr getwittert, aber UMTS ist im Roaming unbezahlbar. Eine Sache, die wir einigen Abgeordneten auch klar artikulieren konnten und die alle gelobten, sich für Verbesserungen einzusetzen.

    Die strittigen Punkte im Telekom-Paket

    Zum Telekom-Paket muss man erstmal klarstellen, dass wir den gesamten Rahmen gar nicht ablehnen. Der Grossteil ist gut und sinnvoll, um für Europa einen verbesserten Innovationsrahmen und auch die Stärkung von Verbraucherrechten zu bringen. Es gibt aber kleine Punkte, die wir ablehnen und wo wir unsere Bedenken artikulieren.

    In der Datenschutzrichtlinie geht es u.a. um die Frage, ob IP-Adressen personenbezogene Daten sind oder nicht. Ich bin da der Meinung, dass diese klar personenbezogene Informationen sind. Andere sagen, dass man IP-Adressen ja noch nicht klar einer Person zuordnen kann und dass man dies erstmal so abbilden muss. Wenn man aber IPv6 und Entwicklungen wie die Vorratsdatenspeicherung ein berechnet, so wird das aber bald der Fall sein und so ein Gesetz hält ja länger.

    In der Universaldienste-Richtlinie (Harbour-Report) sind in den letzten Monaten Punkte aufgetaucht, die nicht in der Intention der EU-Kommission waren. Im Direktiven-Vorschlag der EU-Kommission war es gar nicht vorgesehen, dass man Inhalte mit in die Infrastruktur-Gesetzgebung einbaut. Aber auf einmal war in der Diskussion, dass man Regelungen zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (Stichwort Internetsperrungen und Filterungen) einbaut. Die Diskussion ist geprägt von der französischen Initiative, die Strategieempfehlung der Entertainment-Lobby umzusetzen, eine „3 strikes and you are out“ umzusetzen. Dieses Modell wurde erst vor wenigen Monaten vom EU-Parlament abgelehnt. Aber es gibt immer wieder Bestrebungen, dies wieder in anderen Gesetzen wie dem Telekom-Paket doch noch durchzusetzen. Die verwendete Sprache in dem aktuellen Kompromissvorschlag ist daher auch eher schwer zu verstehen. Monica Horten hat in ihrem Analysen-Papier darauf hingewiesen, dass einige Wörter den Rahmen bilden. Und unser Anliegen war und ist, diese raus zu bekommen. Wenn dort in einer „Cooperaton“ zwischen ISPs und Rechteinhabern gesprochen wird, so findet man die Definition von „Cooperation“ vor allem in Lobby-Papieren der Rechteinhaber. Auch wird oft das Wort „lawful“ und „unlawful“ verwendet. Diese wollen wir raus bekommen und es sieht auch ganz gut aus. Denn es ist unklar, wie man rechtmässige Inhalte definiert und in der Regel wird dies in anderen Gesetzen schon getan. Die Gefahr bei diesen Worten ist, dass man Massnahmen trifft, um unrechtmässige Inhalte raus zu filtern. Da bdeutet Zensur und in der Regel stellen sich Rechteinhaber dafür eine technologische Umsetzung vor, die China als Zensurinfrastruktur nutzt. Aus Bürgerrechtssicht ist dies inakzeptabel.

    Bei einer anderen Verwendung des Wortes „lawful“ konnten wir darauf aufmerksam machen, dass dies anderes formuliert besser klappen könnte. Es ist nämlich die Rede von „lawul applications“. Gemeint ist damit von Verbraucherschützern, dass man Telekommunikationsunternehmen verbieten möchte, dass Software wie Skype / VOIP in ihren Netzen nicht erlaubt wird. Diese Forderung unterstütze ich voll und ganz. Aber wir befürchten, dass man diese Formulierung auch verwenden kann, um Trusted Computing Infrastrukturen zu legitimieren und aufzubauen. Hier suchen wir gerade noch nach anderen Formulierungsmöglichkeiten, um den ersten Sinn besser zu definieren und das zweite auszuschliessen.

    Und sonst?

    Sonst waren das vier spannende Tage, die uns auch wieder neue Einblicke in die Arbeit der europäischen Ebene gebracht haben. Und dazu viele neue Kontakte, bzw. die Vertiefung von schon bestehenden Kontakten. Erfreut waren wir auch über die Kooperatonsangebote einige Abgeordneter, ihre Büros und Telefone mit zu nutzen. Und das WLAN. Was es ist für konkrete Diskussion gebracht hat, wird sich in den nächsten Wochen rausstellen. Hinter den Kulissen laufen jetzt die Verhandlungen und die Suche nach anderen Kompromissen und Mehrheiten. Wir planen auf jeden Fall noch weitere Aktionen aus dem Netz, um den Druck aufrecht zu halten, im Sinne von Netzneutralität und Bürgerrechten zu stimmen. Und in einem angemieteten Appartment in Brüssel werden die kommenden drei Wochen noch einige Aktive aus unserem losen Netzwerk unterkommen und vor Ort mit ihren Abgeordneten sprechen. Das verfolge ich dann aber nur noch aus Berlin und im Netz.

    29. August 2008 16
  • : Christof Fjellner (MdEP) on Telecoms Package
    Christof Fjellner (MdEP) on Telecoms Package

    Today in Bruxelles we spoke with Christofer Fjellner, Member of the European Parliament for the Swedish Conservative Party, about the telecom-packet; it itends, it actual state and the issues of filtering and netneutrality.

    Hier klicken, um den Inhalt von video.google.com anzuzeigen.

    Besides that he tells us how it feels to discuss – as the second youngest member of parliament – such topics with his older collegues. Thanks for the Interview, Christof!

    (CC-NC-ND licensed. Feel free to embed! Hosted at Google Video.)

    Here is the MP4.

    29. August 2008 7
  • : Live aus dem EP: Seminar on Internet-Filtering
    Live aus dem EP: Seminar on Internet-Filtering

    Im Europaparlament findet gerade ein Seminar zu Internet-Filtering & Telecom Package statt. Wir sind live auf Sendung, solange der Strom reicht (Haben bisher nur eine Steckdose im ganzen Raum gefunden):

    [Hier hab es das Mogulus-Widget mit der Live-Aufnahme. Wir checken gerade die Möglichkeit, die aufgezeichnete Übertragung hier wieder sichtbar zu machen.]

    Zumindest Teil 2 war online zu finden:

    [MEDIA=13]

    Man kann auch live mit uns chatten. Läuft (theoretisch) bis 17 Uhr.

    Unfortunatly Part 1 was not saved. But we can proudly present Monsieur Tupont, former cultural minister of france and now member of the european parliament (starting at minute 11). Worth seeing!

    27. August 2008 15
  • : NetzpolitikTV 047: Aus der Lobby
    NetzpolitikTV 047: Aus der Lobby

    Und sofort dahinter die nächste Folge NetzpolitikTV aus Brüssel, diesmal die Nummer 047. Ich beschreibe darin etwas, wie Grasswurzel-Lobbying funktioniert und wie man Kontakt zu Abgeordneten aufnimmt.

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

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    Auch diese Folge gibts leider wieder nur im unfreien MP4.

    Mehr zur Diskussion rund um das Telekom-Paket findet man hier im Blog und auch im Wiki.

    27. August 2008 3