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KW 22Die Woche, als der Herbst wieder nah war

Die 22. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 13 neue Texte mit insgesamt 79.771 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.

  • Anna Biselli
Ein blaues Fraktal
Fraktal, generiert mit MandelBrowser von Tomasz Śmigielski

Liebe Leser:innen,

es ist Sommer. Das heißt für mich, dass ich mich auch mal spontan mit Freund:innen in einen Park setzen kann. Ohne lange Absprachen über Corona-Tests im Vorfeld. Ohne den Hintergedanken, ob es jetzt wirklich sein muss, sich mit dem Kumpel zu treffen. Ohne Überlegung, ob die Abneigung gegen den tausendsten Spaziergang im 5‑Grad-Celsius-Nieselregen oder das Vermissen des persönlichen Kontakts überwiegt. Genug Luft für alle, ein Kaltgetränk vom Späti und Sonne gratis obendrauf.

Manchmal vergisst man dann die Pandemie und das tut gut. Und dann kommt ausgerechnet ein Gastbeitrag von der Entwicklerin Bianca Kastl, der mir erklärt: Offenbar sind auch andere ganz gut darin auszublenden, dass der Sommer nicht ewig dauert. Es werden keine neuen Schnellteststellen mehr mit der Corona-Warn-App verknüpft. „So deutet sich ein Teufelskreis an: Teststellen fallen weg, neue Teststellen werden aktuell nicht angebunden“, schreibt sie.

Die Sorge liegt nahe, dass spätestens im nächsten Herbst wieder hektisches Chaos ausbricht, weil man wieder fast von vorn anfangen muss. Mit dem Aufbau von Testkapazitäten, mit der Anbindung an die Corona-Warn-App und der komfortablen und bewährten Warnung für die Nutzenden.

Das will vielleicht gerade kaum jemand hören. Auch ich würde das gern verdrängen. Und ich stelle mir dann manchmal die Frage: Wenn wir jetzt darüber berichten – liest das dann jemand? Kommt das irgendwo an?

Aber darum geht es nicht. Wir müssen und dürfen nicht nur über das schreiben, was jetzt gerade brennt. Wir verstehen uns als Frühwarnsystem. Dazu gehört, auch über Themen zu berichten, bevor wieder alles (zu) spät ist. Egal ob es um Pandemiebekämpfung, sperrige EU-Gesetzgebung oder die neuesten Überwachungsfantasien geht. Deshalb bin ich dankbar für den Text, der mich daran erinnert, dass wir uns schon jetzt kümmern müssen, wenn wir auch in ein paar Monaten noch unsere Freund:innen treffen wollen.

Kommt gesund durchs lange Wochenende!
anna

Unsere Artikel der Woche

Digitale TestinfrastrukturDer Teufelskreis

Seit Anfang Mai werden keine neuen Schnellteststellen mehr an die Corona-Warn-App angebunden. Das ist mit Blick auf den Herbst keine weise Entscheidung. Unsere Autorin schreibt über die Hintergründe und den Ausblick.

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Die EU-Kommission will Unternehmen dazu verpflichten, in privaten Nachrichten nach Darstellungen von Gewalt gegen Kinder zu suchen. Dabei machen viele das bereits freiwillig. Welche Technologien heute schon zum Einsatz kommen.

Dritter Unfall in drei JahrenHermes 900 wird zur Crash-Drohne

Eine Drohne von Elbit ist auf den Philippinen abgestürzt. In Israel erhielt der Hersteller trotz ähnlicher Vorfälle die weltweit einmalige Erlaubnis zum Flug im zivilen Luftraum. Das plant auch die Schweiz.

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XinjiangWie TikTok die Unterdrückung der Uiguren verschweigt

Die Social-Media-Plattform TikTok zeigt unter dem Schlagwort #Xinjiang auch nach der Veröffentlichung der „Xinjiang Police Files“ durch internationale Medien vor allem idyllische Landschaftsaufnahmen, Top-Kommentare sind Propaganda. Doch von Deutschland aus ist mittlerweile auch vereinzelt Kritik abrufbar.

Gericht zu UrheberrechtsverstößenYoutube & Co. können als Täter:innen haften

Bei Verletzungen des Urheberrechts können Online-Dienste wie Youtube oder Uploaded als Täter:innen belangt werden, urteilte heute der Bundesgerichtshof. Von den Anbietern sei zu erwarten, wirksame technische Maßnahmen proaktiv einzusetzen, um Rechtsverstöße zu verhindern.

BundesgerichtshofUnerbetene Inbox-Werbung ist nicht erlaubt

Als E‑Mail getarnte, unaufgeforderte Werbung in der Inbox nervt – und ist nicht erlaubt. Eine nun veröffentlichte Entscheidung des Bundesgerichtshof beendet einen Streit zwischen zwei Stromanbietern.

Über die Autor:innen

  • Anna Biselli
    Darja Preuss

    Anna ist Co-Chefredakteurin bei netzpolitik.org. Sie interessiert sich vor allem für staatliche Überwachung und Dinge rund um digitalisierte Migrationskontrolle.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Telefon: +49-30-5771482-42 (Montag bis Freitag jeweils 8 bis 18 Uhr).


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Ein Kommentar zu „Die Woche, als der Herbst wieder nah war“


  1. Wie elektronische Kriegsführung effizienter töten hilft

    ,

    Es gibt aus Gründen von Geheimhaltung nur wenig Einblicke in „elektronische Kriegsführung“. Der Satz „We kill people based on metadata.“ von Michael Hayden klingt noch im Ohr, ist aber schon lange her.

    Auf welchem Stand der elektronisch geführte Krieg in der Ukraine geführt wird, beschreibt dieser Artikel:
    https://apnews.com/article/russia-ukraine-kyiv-technology-90d760f01105b9aaf1886427dbfba917

    In 2018, U.S. Special Operations chief Gen. Raymond Thomas described how U.S. pilots’ communications were regularly “knocked down” in Syria in the “most aggressive” electronic warfare environment on the planet.
    In the current war, electronic warfare has become a furious theater of contention.

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