XinjiangWie TikTok die Unterdrückung der Uiguren verschweigt

Die Social-Media-Plattform TikTok zeigt unter dem Schlagwort #Xinjiang auch nach der Veröffentlichung der „Xinjiang Police Files“ durch internationale Medien vor allem idyllische Landschaftsaufnahmen, Top-Kommentare sind Propaganda. Doch von Deutschland aus ist mittlerweile auch vereinzelt Kritik abrufbar.

Ein Handy ist an eine Zimmerpflanze angelehnt. Auf dem Handydisplay ist die App TikTok geöffnet und das Profil der offiziellen TikTok-Seite. Der Hintergrund ist weiß.
Kann ein millionenfach genutztes Soziales-Netzwerk unpolitisch sein? (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Collabstr

Eine Recherche von netzpolitik.org-Journalist Sebastian Meineck zeigte, dass Nutzer:innen bei TikTok wenig von der Unterdrückung der Uiguren in China sehen. Unter den Top-Beiträgen, die TikTok-Nutzer:innen unter dem Schlagwort #Xinjiang sehen, befindet sich ein Propaganda-Video, das idyllische Landschaften aus der chinesischen Provinz Xinjiang zeigt. In der überwiegend muslimischen Provinz Xinjian geht die chinesische Zentralregierung mit großer Härte gegen die Minderheit der elf Millionen Uiguren vor.

In diesem Fenster soll ein Twitter-Post wiedergeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an Twitter. Aus technischen Gründen muss zum Beispiel Deine IP-Adresse übermittelt werden. Twitter nutzt die Möglichkeit jedoch auch, um Dein Nutzungsverhalten mithilfe von Cookies oder anderen Tracking-Technologien zu Marktforschungs- und Marketingzwecken zu analysieren.

Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Abfluss deiner Daten an Twitter so lange, bis Du aktiv auf diesen Hinweis klickst. Technisch gesehen wird der Inhalt erst nach dem Klick eingebunden. Twitter betrachtet Deinen Klick als Einwilligung in die Nutzung deiner Daten. Weitere Informationen stellt Twitter hoffentlich in der Datenschutzerklärung bereit.

Zur Datenschutzerklärung von Twitter

Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org


Einige Kommentare zeigen ebenfalls nur Propaganda über Xinjiang. So wirken auch die drei Top-Kommentare unter dem Video, das die idyllischen Landschaften in Xinjiang zeigt, manipuliert. Übersetzt lauten die Kommentare: „Die glücklichsten Muslime kann es nur in China geben“ sowie „Ich bin ein Muslim aus Xinjiang“, aus dem Englischen übersetzt: „Lassen Sie sich nicht vom Westen einer Gehirnwäsche unterziehen, besuchen Sie es einfach, sehen heißt glauben.“

Zuletzt war TikTok für den Umgang mit russischer Propaganda nach Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine in die Kritik geraten.

TikTok im Wandel?

Trotz der Kritik an dem Vorgehen von TikTok zeigt sich im Vergleich mit den vergangenen Jahren ein Wandel auf der Plattform. So veröffentlichte das Australian Strategic Policy Institute noch 2020 einen Bericht, der das Ausmaß der Zensur auf TikTok durch die Eigentümerin ByteDance zeigte. Damals war unter den Top-20-Videos nur ein einziges Video, das Kritik gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas äußerte.

„Das Ergebnis, selbst für TikTok-Nutzer, die sich mit dem Thema befassen, ist eine Darstellung von Xinjiang, die die Menschenrechtstragödie, die sich dort abspielt, beschönigt“, heißt es in dem Bericht. Stattdessen vermittle TikTok eine für die Kommunistische Partei Chinas bequemere Version, „voll mit lächelnden und tanzenden Uiguren“, so der Bericht weiter.

Aktuell sehen Nutzer:innen auf TikTok ein etwas verändertes Bild. Bei der Suche nach #Xinjiang sind unter den ersten vier Beiträgen immerhin drei kritische Videos von Medienanstalten und einem Blogger. Unter den Top-20-Beiträgen finden sich insgesamt vier Videos, die die Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang oder die kritischen internationalen Medienberichte thematisieren. Erst vergangene Woche veröffentlichten internationale Medien unter dem Schlagwort „Xinjiang Police Files“ Datensätze, die das Ausmaß der Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang drastisch zeigen. Unter anderem der Spiegel, die BBC und Le Monde dokumentierten mit der Veröffentlichung von geleakten Dokumenten die Situation in den Lagern in der Provinz.

Nach wie vor zeigt TikTok bei der Suche nach #Xinjiang dennoch auch Propaganda-Videos, die die Existenz von Umerziehungslagern und die Unterdrückung der Uiguren bestreiten. Die Mehrheit der Videos sind jedoch scheinbar unpolitische Videos, die die Landschaft in Xinjiang zeigen oder Beiträge von Reise-Bloggerinnen, die von ihrem Urlaub berichten.

Mehr Zeit für kritische Berichterstattung

Ihr kennt es: Zum Jahresende stehen wir traditionell vor einer sehr großen Finanzierungslücke und auch wenn die Planung und Umsetzung unseres Spendenendspurts viel Spaß macht, bindet es doch sehr viele Ressourcen; Ressourcen, die an anderer Stelle für unsere wichtige Arbeit fehlen. Um Euch also weniger mit Spendenaufrufen auf die Nerven zu gehen und mehr Recherchen und Hintergründe bieten zu können, brauchen wir Eure regelmäßige Unterstützung.

Jährlich eine Stunde netzpolitik.org finanzieren

Das Jahr hat 8.760 Stunden. Das sind 8.760 Stunden freier Zugang zu kritischer Berichterstattung und wichtigen Fragestellungen rund um Internet, Gesellschaft und Politik bei netzpolitik.org.

Werde Teil unserer Unterstützungs-Community und finanziere jährlich eine von 8.760 Stunden netzpolitik.org oder eben fünf Minuten im Monat.

Jetzt spenden


Jetzt spenden

0 Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge! Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.