Unsere Arbeit wird vor allem durch unsere Leserinnen und Leser finanziert. Das funktioniert immer besser, wie wir in diesem Update beschreiben können. Im Februar hatten wir über unser Vermarktungsdilemma gebloggt. Ein Großteil unserer Leserinnen und Leser nutzt Adblocker und Anti-Trackingtools und nur alleine von Werbung können wir unsere Arbeit nicht finanzieren. Wir haben daraufhin auf Werbung über Adserver verzichtet und bieten jetzt selber datenschutzfreundliche Werbeflächen an. Im vergangenen Jahr haben wir deshalb das Experiment mit einer freiwilligen Leserfinanzierung gestartet – auch um ein Zeichen gegen den Trend zu Paywalls zu setzen. Und durch die immer besser funktionierende Leserfinanzierung sind wir unabhängig von großen Unternehmen und Institutionen.
netzpolitik.org ist für uns kein Geschäftsmodell – wir arbeiten gemeinwohlorientiert. Wenn wir einfach nur Geld verdienen wollten, würden wir ganz andere Dinge machen. Wir sind ein journalistisches Medium, das die politischen Fragestellungen der digitalen Welt aus der Perspektive von Grundrechten thematisiert – und sich in gesellschaftlichen Debatten einmischt. Wir sind damit der zentrale Ort für Netzpolitik im deutschsprachigen Raum. Und sehen uns zugleich als ein Weiterbildungsangebot.
Dieses Jahr bisher 94.153 Euro an Spenden eingenommen.
Bis Ende September hat der gemeinnützige Netzpolitik e.V. 94.153 Euro an Spenden in diesem Jahr eingenommen. Dabei gab es zwei ungewöhnliche Peaks: Im Mai fand unsere re:publica statt und Sascha Lobo rief dazu auf, unsere Arbeit zu unterstützen. (Fun-Fact: Menschen, die dem Aufruf von Sascha Lobo gefolgt sind, scheinen eher per Paypal zu spenden). Im Juni erreichte uns eine Spende des Chaos Computer Club über 12.000 Euro. (Hier ist die Begründung vom CCC zu lesen).
Was uns freut: Die monatlichen Spenden gehen nach oben. Im Vergleich zum Vorjahr fand hier fast eine Verdoppelung statt. Auch die Daueraufträge, die uns mehr Sicherheit geben, weil sie regelmäßig kommen, gehen kontinuierlich nach oben.
Hier sind die Zahlen nochmal aufgeschlüsselt nach Zahlungsart:
| Jan | Feb | März | Apr | Mai | Juni | Juli | Aug | Sep | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Überweisung | 3.307 | 3.160 | 2.701 | 1.904 | 12.634 | 17.224 | 3.708 | 3.918 | 3.039 |
| Dauerauftrag | 1.896 | 2.100 | 2.153 | 2.264 | 2.608 | 3.135 | 3.322 | 3.264 | 3.589 |
| Paypal | 221 | 700 | 311 | 118 | 5.947 | 1.421 | 437 | 232 | 564 |
| Flattr | 863 | 936 | 809 | 1.535 | 1.000 | 734 | 1.449 | ||
| Barspenden | 100 | 50 | |||||||
| Bußgelder | 350 | 200 | 100 | 150 | |||||
| Gesamt | 6.287 | 5.960 | 6.101 | 5.095 | 22.824 | 22.130 | 8.668 | 8.248 | 8.842 |
Bei Flattr schaue ich nochmal nach genauen Zahlen, die sind hier nicht Monatsgenau, weil wir nicht immer regelmäßig das Geld abrufen. Flattr scheint aber für einen Teil unserer Leserschaft die Funktion einer Art Dauerauftragssystem zu haben. Einzelne Artikel werden so gut wie überhaupt nicht geflattert, insofern scheint das ursprüngliche System zumindest bei uns, bzw. in Textform, nicht zu funktionieren (bei Podcasts scheint das etwas anders zu tun).
Einnahmen und Ausgaben im September
Im September betrugen unsere Ausgaben 14.741 Euro. Davon ist der größte Posten die Auszahlung von Gehältern für drei Personen (zwei feste und eine halbe Stelle), sowie Praktikumsvergütungen. Dazu kommen die üblichen Ausgaben wie Buchhaltung, Miete, Hosting & Administration und sonstige betriebliche Ausgaben für Hardware und Büroartikel. Die Einnahmen bestehen außer den Spenden vor allem in Werbung, Buchverkäufen, Gastbeiträgen, Vorträgen und Bußgeldern (die uns von Gerichten zugesprochen werden). Eine Bilanz des Septembers zeigt, dass unsere Ausgaben leicht höher als die Einnahmen waren. Das lag auch daran, dass wir im September nur wenig Werbung verkauft haben.
Aber zum Glück haben wir einige Monate Überschuss angesammelt, um dieses Minus zu kompensieren.
Unsere Personalkosten sind mit der Zeit etwas gestiegen. Im Frühjahr haben wir es mal temporär mit einer zusätzlichen halben Stelle im Vertrieb versucht, um die Einnahmen über die Werbe-Säule zu erhöhen. Aber wenn man unabhängig Werbeflächen verkaufen möchte, die dazu auch noch datenschutzfreundlich als Banner eingebunden sind, ist das aufwändig, aber leider nicht so erfolgreich. Wir sparen uns daher diese Ausgaben und freuen uns über jede Anfrage nach unseren Werbeformen. Dazu sind wir im vergangenen Jahr mit zwei 30 Stunden Stellen und einem Praktikumsplatz gestartet und haben das ausbauen können. Jetzt besteht unsere feste Redaktion aus zwei 40 Stunden und einer 20 Stunden Stelle, dazu einem weiteren Praktikantenplatz. (Ab Januar haben wir noch einen freien Platz).
Wir blicken optimistischer als im Vorjahr auf unsere Finanzierung, weil wir durch Euch und Eure Spenden das Gefühl vermittelt bekommen, dass unsere Arbeit Euch etwas wert ist. Das würden wir gerne weiter ausbauen. Wenn alles gut geht, können wir im Januar eine weitere volle Stelle schaffen. Das ist auch dringend notwendig, weil die Arbeit immer mehr wird. Die neue EU-Kommission fängt gerade mit Günther Oettinger erst an und die Bundesregierung hat jetzt ein Zeitfenster von zwei Jahren für Gesetzesvorhaben.
Drei Gründe, unsere Arbeit mit einer Spende zu unterstützen:
- Wir reden nicht nur, was man tun sollte, wir tun was. Und das seit über zehn Jahren. Für Grundrechte, Verbraucherrechte und eine lebenswerte digitale Gesellschaft. Und das oft effektiv trotz weniger Personen, dafür mit einem großen Netzwerk hinter uns.
- Wir sind ein Frühwarnsystem. Bei uns liest man über Themen, bevor die gesellschaftliche Debatte startet: ACTA, Vorratsdatenspeicherung, Totalüberwachung, Netzneutralität oder Netzsperren sind dabei nur einige Themen, die wir teilweise von Anfang an bis zum Ende und darüber hinaus begleitet haben. Wir bleiben dran und haben den notwendigen langen Atem für politische Prozesse. Auch wenn ein Thema zwischendurch keinen Spaß macht und keine Klicks bringt.
- Wir haben schon über den NSA-Skandal berichtet, als Edward Snowden noch nicht für den Geheimdienst gearbeitet hat. Wir werden weiter darüber berichten, wenn andere Medien das Interesse verloren haben. Wir bleiben auch bis zum Ende im NSA-Untersuchungsauschuss sitzen und berichten ausführlicher von dort als alle anderen. Wir bloggen auch unter Polizeischutz und uns liegen nicht nur Dokumente vor, wir veröffentlichen sie auch. Auch wenn das dem Kanzleramt oder anderen nicht gefällt.
Wir sind dabei aber nur so stark, wie Ihr uns unterstützt.




