Transparenzbericht: Wir legen unsere bisherigen Einnahmen und Ausgaben für 2014 offen

14971728024_d5c441d681_z(1)Unsere Arbeit wird vor allem durch unsere Leserinnen und Leser finanziert. Das funktioniert immer besser, wie wir in diesem Update beschreiben können. Im Februar hatten wir über unser Vermarktungsdilemma gebloggt. Ein Großteil unserer Leserinnen und Leser nutzt Adblocker und Anti-Trackingtools und nur alleine von Werbung können wir unsere Arbeit nicht finanzieren. Wir haben daraufhin auf Werbung über Adserver verzichtet und bieten jetzt selber datenschutzfreundliche Werbeflächen an. Im vergangenen Jahr haben wir deshalb das Experiment mit einer freiwilligen Leserfinanzierung gestartet – auch um ein Zeichen gegen den Trend zu Paywalls zu setzen. Und durch die immer besser funktionierende Leserfinanzierung sind wir unabhängig von großen Unternehmen und Institutionen.

netzpolitik.org ist für uns kein Geschäftsmodell – wir arbeiten gemeinwohlorientiert. Wenn wir einfach nur Geld verdienen wollten, würden wir ganz andere Dinge machen. Wir sind ein journalistisches Medium, das die politischen Fragestellungen der digitalen Welt aus der Perspektive von Grundrechten thematisiert – und sich in gesellschaftlichen Debatten einmischt. Wir sind damit der zentrale Ort für Netzpolitik im deutschsprachigen Raum. Und sehen uns zugleich als ein Weiterbildungsangebot.

Dieses Jahr bisher 94.153 Euro an Spenden eingenommen.

Bis Ende September hat der gemeinnützige Netzpolitik e.V. 94.153 Euro an Spenden in diesem Jahr eingenommen. Dabei gab es zwei ungewöhnliche Peaks: Im Mai fand unsere re:publica statt und Sascha Lobo rief dazu auf, unsere Arbeit zu unterstützen. (Fun-Fact: Menschen, die dem Aufruf von Sascha Lobo gefolgt sind, scheinen eher per Paypal zu spenden). Im Juni erreichte uns eine Spende des Chaos Computer Club über 12.000 Euro. (Hier ist die Begründung vom CCC zu lesen).

1_Spendeninfo

Was uns freut: Die monatlichen Spenden gehen nach oben. Im Vergleich zum Vorjahr fand hier fast eine Verdoppelung statt. Auch die Daueraufträge, die uns mehr Sicherheit geben, weil sie regelmäßig kommen, gehen kontinuierlich nach oben.

Hier sind die Zahlen nochmal aufgeschlüsselt nach Zahlungsart:

JanFebMärzAprMaiJuniJuliAugSep
Überweisung3.3073.1602.7011.90412.63417.2243.7083.9183.039
Dauerauftrag1.8962.1002.1532.2642.6083.1353.3223.2643.589
Paypal2217003111185.9471.421437232564
Flattr8639368091.5351.0007341.449
Barspenden10050
Bußgelder350200100150
Gesamt6.2875.9606.1015.09522.82422.1308.6688.2488.842

Bei Flattr schaue ich nochmal nach genauen Zahlen, die sind hier nicht Monatsgenau, weil wir nicht immer regelmäßig das Geld abrufen. Flattr scheint aber für einen Teil unserer Leserschaft die Funktion einer Art Dauerauftragssystem zu haben. Einzelne Artikel werden so gut wie überhaupt nicht geflattert, insofern scheint das ursprüngliche System zumindest bei uns, bzw. in Textform, nicht zu funktionieren (bei Podcasts scheint das etwas anders zu tun).

Einnahmen und Ausgaben im September

Im September betrugen unsere Ausgaben 14.741 Euro. Davon ist der größte Posten die Auszahlung von Gehältern für drei Personen (zwei feste und eine halbe Stelle), sowie Praktikumsvergütungen. Dazu kommen die üblichen Ausgaben wie Buchhaltung, Miete, Hosting & Administration und sonstige betriebliche Ausgaben für Hardware und Büroartikel. Die Einnahmen bestehen außer den Spenden vor allem in Werbung, Buchverkäufen, Gastbeiträgen, Vorträgen und Bußgeldern (die uns von Gerichten zugesprochen werden). Eine Bilanz des Septembers zeigt, dass unsere Ausgaben leicht höher als die Einnahmen waren. Das lag auch daran, dass wir im September nur wenig Werbung verkauft haben.

5_Bilanz_September_info

Aber zum Glück haben wir einige Monate Überschuss angesammelt, um dieses Minus zu kompensieren.

3_Summeinfo

Unsere Personalkosten sind mit der Zeit etwas gestiegen. Im Frühjahr haben wir es mal temporär mit einer zusätzlichen halben Stelle im Vertrieb versucht, um die Einnahmen über die Werbe-Säule zu erhöhen. Aber wenn man unabhängig Werbeflächen verkaufen möchte, die dazu auch noch datenschutzfreundlich als Banner eingebunden sind, ist das aufwändig, aber leider nicht so erfolgreich. Wir sparen uns daher diese Ausgaben und freuen uns über jede Anfrage nach unseren Werbeformen. Dazu sind wir im vergangenen Jahr mit zwei 30 Stunden Stellen und einem Praktikumsplatz gestartet und haben das ausbauen können. Jetzt besteht unsere feste Redaktion aus zwei 40 Stunden und einer 20 Stunden Stelle, dazu einem weiteren Praktikantenplatz. (Ab Januar haben wir noch einen freien Platz).

2_Personalkosteninfo

Wir blicken optimistischer als im Vorjahr auf unsere Finanzierung, weil wir durch Euch und Eure Spenden das Gefühl vermittelt bekommen, dass unsere Arbeit Euch etwas wert ist. Das würden wir gerne weiter ausbauen. Wenn alles gut geht, können wir im Januar eine weitere volle Stelle schaffen. Das ist auch dringend notwendig, weil die Arbeit immer mehr wird. Die neue EU-Kommission fängt gerade mit Günther Oettinger erst an und die Bundesregierung hat jetzt ein Zeitfenster von zwei Jahren für Gesetzesvorhaben.

Drei Gründe, unsere Arbeit mit einer Spende zu unterstützen:

  1. Wir reden nicht nur, was man tun sollte, wir tun was. Und das seit über zehn Jahren. Für Grundrechte, Verbraucherrechte und eine lebenswerte digitale Gesellschaft. Und das oft effektiv trotz weniger Personen, dafür mit einem großen Netzwerk hinter uns.
  2. Wir sind ein Frühwarnsystem. Bei uns liest man über Themen, bevor die gesellschaftliche Debatte startet: ACTA, Vorratsdatenspeicherung, Totalüberwachung, Netzneutralität oder Netzsperren sind dabei nur einige Themen, die wir teilweise von Anfang an bis zum Ende und darüber hinaus begleitet haben. Wir bleiben dran und haben den notwendigen langen Atem für politische Prozesse. Auch wenn ein Thema zwischendurch keinen Spaß macht und keine Klicks bringt. 
  3. Wir haben schon über den NSA-Skandal berichtet, als Edward Snowden noch nicht für den Geheimdienst gearbeitet hat. Wir werden weiter darüber berichten, wenn andere Medien das Interesse verloren haben. Wir bleiben auch bis zum Ende im NSA-Untersuchungsauschuss sitzen und berichten ausführlicher von dort als alle anderen. Wir bloggen auch unter Polizeischutz und uns liegen nicht nur Dokumente vor, wir veröffentlichen sie auch. Auch wenn das dem Kanzleramt oder anderen nicht gefällt.

Wir sind dabei aber nur so stark, wie Ihr uns unterstützt.

19 Ergänzungen
  1. Mit Vorbild voran!

    Wie erklärt sich denn dieser Flatr-Wegbruch im Februar und Juni? Hatte das mit der internen Richtlinien Umstellung bei Flatr zu tun?

    MfG

    1. Das erklärt sich rein damit, dass bei uns da nichts händisch abgerufen wurde, weil übersehen. Passiert manchmal wegen Urlaub, Krankheit oder sonstiger Überlastung. Aber Geld bleibt ja da, nur der Abbuchtermin ist ein anderer als die monatlichen Einnahmen.

  2. Bei der personellen Ausstattung und Entlohnung (ca. 3 Vollzeitstellen a ca. 3.300/Monat) finde ich den output nicht so berauschend. Nicht wenige Artikel scheinen bei etwas genauer Betrachtung einen Aufwand von 5min zu erfordern, Nachfragen nach Inhalten von irgendwohin verlinkten Dokumenten werden gern mit „Lies doch selbst“ beantwortet und die erwähnten Vorträge, die zu nicht geringem Maße aus der Marke „netzpolitik.org“ resultieren, dürften weitere relevante Einnahmen generieren, die hier nicht erwähnt sind. Auch wenn der Artikel das Gegenteil behauptet – ich halte nachweislich der Zahlen für ein sehr erfolgreiches Geschäftsmodell. Die Zielgruppe honoriert das. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber wenn es hier ausschließlich um das Gemeinwohl ginge, gäbe es hier PixDaumen ein Drittel weniger Artikel.

    Übrigens: Für das Geld wäre es angebracht etwas mehr in eure Software zu investieren. Weder das dropdown unter „Archiv“, noch der Menüpunkt „14 Tage“ bringen sicher eine aktuelle Darstellung der Inhalte, ganz zu schweigen von den drei Tabs „Meistgelesen“, „Kommentiert“, „Letzte Beiträge“. Caching ist schön, aber wenn es nicht funktioniert, sollte man es lassen. Ihr seid schließlich nicht irgendwer, in euer „softwareaffinen“ Zielgruppe oder im engeren, oft supporteten Netzwerk sollte es doch genug Experten geben. Bitte beheben …

    1. Du verwechselt da was Dickerchen. Das sieht alles so simple und easy aus weil es Profis sind. Was meinst du wie viel fucking Zeit das kostet um alles zu lesen und das wichtigste rauszufiltern oder zusammen zu fassen oder zu übersetzen und wie viele Sachen man generell gelesen und kennen haben muss um zu wissen wo die Quellen sind und welchen man trauen kann usw. Ich hab mir ja vorgenommen jeden Tag lediglich die Tagesmeldungen von Golem, Heise, AllesSchallUndRauch, Kopp Online und evtl. VICE durchzulesen. Nebenbei möchte ich natürlich noch ebooks lesen aber ich schaffe grad mal 1-2 Webseiten am Tag weil die Zeit fehlt und weil innerhalb der Artikel weitere Quellen sind und manches auf englisch sodass man noch bissel mehr Zeit braucht weil man nicht alles versteht usw. Was du hier wie gesagt unterschätzt ist die Zeit.

      Und ey – das alles ist FREIWILLIG sei wohlgemerkt. Support von außerhalb wäre daher nicht verkehrt. Aber nicht in Form von labern sondern machen. Wenn ihr programmieren könnt schreibt ein Tool oder Script oder was auch immer das hier hilfreich wäre. Wenn ihr bei ner wichtigen Firma arbeitet über die hier berichtet wird z.B. die Bullen oder ein ISP (besonders die Telekom) oder Geheimdienst (oder deren Partnerfirmen) usw. dann klaut paar interne Dokumente und schickt die an die Netzpolitik Kollegen. Fühlt euch als ein Teil von Netzpolitik und arbeitet aktiv mit. JEDE Kleinigkeit hilft ungemein wenn sie was zum Artikel beiträgt und den voran treibt

    2. 3300 EUR brutto findest du zu viel für den Output? Also ich finde das absolut in Ordnung bzw. sogar erstaunlich bescheiden dafür, dass man sich das jeden Monat aufs Neue durch Spenden erkämpfen muss.

  3. Richtig TOP ! Freut mich extrem ! Ob es Sinn machen würde ne Art Netzpolitik Spenden Aktionstag zu machen ? Sodass JEDER an dem Tag 1 € spendet ? Weil 1 € ist nix und das klingt nach gar nix. Aber wenn sich wirklich JEDER Leser hier dazu entscheiden würde könnten an nur einem einzigen Tag mehrere Tausend € hinzu kommen.

    Der Gedanke bei vielen Nichtspendern ist: „Ach naja was soll ich mit meinen 10 € schon erreichen monatlich“ Aber ey – vergesst mal nicht wie viele noch so denken. Das ist dasselbe wie bei Wahlen oder Beschwerden schreiben. Alle denken immer „Was soll ich mit meiner einen Stimme schon erreichen“ Ich z.B. habe schon NE MENGE erreicht. Das ist wie mit dem Spruch wer nicht kämpft hat schon verloren und wer kämpft kann zumindest gewinnen. Und wie ihr sehr geht es bergAUF.

    Außerdem: GANZ WICHTIG ! Die Spenden könnt ihr ja absetzen von der Steuer ! Das heißt ihr zahlt nix und macht keinen „Verlust“. Verlust ist es sowieso nicht sondern eine Investition und ein Zeichen von Dankbarkeit. Denn außer Netzpolitik ist nur Kopp Verlag die einzige Seite die mir einfällt von den vielen die ich kenne und lese die sich so aktiv einsetzt und unbequeme Sachen berichtet und stets mit Quellen verlinkt dass man alles selber nachprüfen kann.

    Allein die ganzen Artikel die aufzeigen wie eklig verlogen die ganzen Medien und Firmen und Drecks PO-litiker sind ist es Wert die Arbeit von Netzpolitik zu unterstützen.

    Ich hab mir schon sooo oft gewünscht dass ich reich wäre oder im Lotto gewinnen würde weil Netzpolitik dann ein auf für alle mal die finanziellen Sorgen los wäre. Aber wie gesagt – schon kleine Beträge reichen völlig aus. Insofern einfach machen. Umso mehr ihr spendet desto mehr und NOCH MEHR kann Netzpolitik erreichen. Es ist daher wie gesagt keine „Verschwendung“ oder „Verlust“ sondern INVESTITION – und eben Zeichen von Dankbarkeit und Wertschätzung.

    Ich habe mir vorgenommen zusätzlich zu den Spenden auch alle paar Wochen themenrelevante e-books an die Netzpolitik Peoples zu schicken. Die können dann von dort berichten oder zitieren oder einfach selber für sich nutzen.

    1. Ey Hammer, also weeste, nee. Die vermeintlichen ‚Eliten‘ dieser Gesellschaft spenden um ‚ihre‘ „viel zu hohen“ Steuern zu mindern. Das habe ich nicht nötig. Eine Spende von mir ist für mich Herzenssache und findet schon allein deshalb keinen Eingang in meine Steuererklärung, sondern ist Teil meines bürgerschaftlichen, demokratischen Engagements.

      1. Das ist zu kurzsichtig.

        Wenn du die Spenden steuerlich absetzt, sparst du Geld. Das kannst du dazu nutzen, um noch mehr zu spenden.

        Etwas polemischer:

        Warum schenkst du dieses Geld, das dir rechtlich zusteht(!), dem Finanzamt? Warum holst du es dir nicht und spendest mehr an Netzpolitik?

  4. … habe soeben auf dieser Website den Adblocker deaktiviert. Dies ist meine erste Deaktivierung überhaupt! Darauf könnt ihr euch was einbilden. Sehr schöne Arbeit die ihr macht … weiter so!

  5. Solche Transparenz wünscht man sich. Vielen Dank. Und so wird auch der Bedarf deutlicher. Ich habe daraufhin einen kleinen Dauerauftrag eingerichtet. Letztlich ist netzpolitik.org für mich eine wichtigere und qualitativ hochwertigere Nachrichtenquelle als bspw. eine klassische Tageszeitungen welche ja auch im Abo läuft. Ich hoffe vielen tuen das oder ähnliches auch – denn eure Arbeit ist nicht in Geld aufzuwiegen und ihr bietet die Informationen frei zugänglich an und das sollte auch so bleiben.

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.