Vor bald drei Monaten hatte ich über unser Vermarktungsdilemma geschrieben. Wir standen vor dem Problem, dass die gängige Werbefinanzierung für Onlinejournalismus bei uns nicht funktioniert, auch weil ein Großteil unserer Leserinnen und Leser Anti-Tracking-Tools und Adblocker einsetzt, sowie ein nicht unerheblicher Teil uns im Full-RSS-Feed liest. Wir haben mittlerweile eine Entscheidung getroffen. Ich kam nur bisher nicht dazu, das mal aufzuschreiben. Aber da heute ja das Crowdfunding für das Krautreporter-Magazin gestartet ist und das Thema deshalb vielleicht einige interessiert, schreibe ich mal was dazu.
Wir finanzieren uns vor allem durch einen Mix aus verschiedenen Säulen. Dazu gehören Werbung, Spenden, Honorare für Vorträge sowie Gastbeiträge / Kolumnen. Keine einzige dieser Säulen könnte unsere Arbeit alleine finanzieren. Da das mit den freiwilligen Abos in Form von Spenden durch Euch gut funktioniert, konnte unsere Redaktion auf mittlerweile drei feste Personen (plus 1–2 Praktikanten) anwachsen und wir machen kein Minus mehr. Neben mir gehören noch Andre Meister und Anna Biselli zur festen Redaktion. Der Rest der Redaktion schreibt ehrenamtlich, wenn er oder sie Lust haben.
Und das Vermarktungsdilemma?
Wir haben unser Vermarktungsdilemma dadurch gelöst, indem wir uns für einen konkreten Weg entschieden haben: Wir lassen das mit externer Vermarktung, verzichten auf Ad-Server Einblendungen (und damit auch auf ein Stück Kuchen von den großen Werbebudgets, die nach 1000er Einblendungen über diverse Medien verteilt werden) und nehmen das mit der Vermarktung selbst in die Hand. Das heißt, wir verkaufen Bannerplätze pro Monat. Bis zur vier Stück pro Monat. Das ist zwar etwas mehr Aufwand, aber dafür müssen wir keine Provision teilen. Und bisher kamen alle auf uns zu. Das haben wir bisher nicht kommuniziert, weil wir auf unseren Relaunch warten wollten. Aber der dauert mal wieder länger und kommt ganz bestimmt bald.
Positiver Nebeneffekt unserer Entscheidung: Klicks und Reichweite sind uns weiterhin egal. Wir finden es zwar schön, wenn unsere Artikel auch viel gelesen werden, denn wir sehen unsere Arbeit auch als Bildungsauftrag. Aber wir sind damit unabhängig von Klicks, weil sie keinen Einfluss auf mehr oder weniger Einnahmen haben. Wer Interesse an einem Bannerplatz hat, kann uns übrigens unter werbung@netzpolitik.org kontaktieren.
Unser RSS-Feed bleibt weiter offen
Den RSS-Feed werden wir weiterhin frei anbieten. Dafür behalten wir uns vor, dort auch einen Anzeigenplatz unterzubringen. Natürlich wäre es noch schön, eine werbefreie Variante für zahlende Spender anzubieten, das erscheint uns gerade aber noch etwas aufwändig. Das liegt auch daran, dass wir von den meisten Spenderinnen und Spendern keine Daten haben, außer dem, was wir auf den Kontoauszügen sehen. Vielleicht ändern wir das noch. Und wir überlegen derzeit auch, am Anfang oder zum Ende des Monats in einem Posting auf unsere Werbepartner hinzuweisen. Erstmal vor allem aus Transparenzgründen, aber auch, damit die RSS-Leser wenigstens einmal im Monat davon erfahren.
Der Lobo-Effekt:
Auf der vergangenen re:publica hatte Sascha Lobo explizit dazu aufgerufen, unsere Arbeit finanziell zu unterstützen. Ein Ergebnis können wir in unseren Spendenzahlen sehen, ganz im Gegenteil übrigens zum Verschenken unseres Buches „Überwachtes Netz“, wo es trotz über 90.000 Downloads keine sichtbaren Auswirkungen gab. Bisher können wir auch den „Lobo-Effekt“ in Zahlen nennen: Rund 160 zusätzliche Spenden haben wir in der vergangenen Woche erhalten und bedanken uns bei allen herzlich. Das motiviert zudem immer wieder, hier jeden Tag aufs neue über Netzpolitik zu berichten. Interessant ist vor allem, dass der Großteil der Spenden über Paypal reinkam. Dieser Zahlungsweg spielte in der Vergangenheit immer weniger eine Rolle. An Daueraufträgen konnten wir bisher aber nur drei neue entdecken. Daueraufträge helfen uns zu einer nachhaltigen Finanzierung, weil jeden Monat ein kleiner Betrag zur Grunddeckung unserer Arbeit reinkommt. Dafür haben wir jetzt den Spitzenreiter unter den Daueraufträgen bekommen:
https://twitter.com/prcdv/status/465607782751014912
Natürlich würden wir auch gerne komplett auf Werbung verzichten. In unserem Fall würde das aber bedeuten, dass wir unsere monatlichen Spenden konstant verdoppelt bekommen müssten. Oder Sascha Lobo jeden Monat eine solche Rede vor einem vergleichbaren Publikum halten müsste. Beides halten wir derzeit für unrealistisch. Spenden sind übrigens von der Steuer absetzbar, falls das ein zusätzliches Argument ist!
Übrigens hatte Sascha Lobo bereits vor einem Jahr bei uns geschrieben:
Jede Person, die ernsthaft an einem freien, offenen, sicheren Netz interessiert ist, ist aufgerufen, sich zu beteiligten. Und dieser Beitrag ist kein Retweet, sondern die direkte Finanzierung derjenigen, die überhaupt erst retweetbare Aktivitäten unternehmen. Eine Finanzierung, die nicht bloß per Einmalbetrag das eigene Gewissen spontan beruhigt, sondern die hilft, dass Netzpolitik.org weiterexistiert. Das Zauberwort – mit dem Eure Elterngeneration Greenpeace hat groß werden lassen – heisst Dauerauftrag. Richtet einen beliebig hohen, aber monatlichen Dauerauftrag für netzpolitik.org ein. Denn es ist ein Dauerauftrag, für das freie, offene, sichere Internet zu kämpfen.
