Kultur

Sascha Lobo: Denn es ist ein Dauerauftrag, für das freie, offene, sichere Internet zu kämpfen.

Dies ist ein Gastbeitrag von Sascha Lobo im Rahmen unserer Leserfinanzierungs-Kampagne.


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5634703459_016abcb89c_zMein Name ist Sascha Lobo, hauptberuflich bin ich Autor, Vortragsredner und gründe eine Ebook-Plattform. Nebenberuflich bin ich kein Internet-Aktivist.

Mit dem Begriff Internet-Aktivismus wird in der Öffentlichkeit sehr leichtfertig umgegangen. Nach Durchsicht eines Dutzends Artikel über Netzpolitik gewinnt man den Eindruck, es gäbe zehntausende Netzaktivisten in Deutschland. Und man könnte sogar versucht sein zu glauben, ich sei einer von ihnen. Beides entspricht nicht der Wahrheit.

Der Grund für dieses Missverständnis hängt direkt mit der Veränderung der Gesellschaft durch das Internet zusammen. Das Netz besteht dem ersten Anschein nach aus purer Kommunikation: sind ja bloß Pixel, alles. Deshalb sieht es von außen so aus, als wäre jeder, der sich kommunikativ beteiligt, ein tatsächlich Beteiligter. Und damit auch Internet-Aktivist. Aber ein Retweet fährt nicht zum Bundestag, um Gespräche mit Abgeordneten zu führen. Ein hingeworfener Kommentar ist keine politische Aktion.

Die Netzgemeinde, also netzpolitisch substantiell interessierte Personen, schätze ich auf 50.000 bis 100.000 Leute in Deutschland. Die weitaus meisten davon bloggen, twittern oder mumblen über Netz, Gesellschaft, Politik. Das ist famos, das ist superspitzenmäßig, das ist zweifellos notwendig. Vor allem aber ist es nicht Netzaktivismus, sondern Netzdiskussion und Selbstvergewisserung mit geringer Außenwirkung.

Auch die Aktionen mit etwas höherer Außenwirkung können auf ihre Art sinnvoll sein. Ich halte nichts davon, den Begriff „Clicktivismus“ abwertend zu verwenden, diese Form der Beteiligung ist medienrelevant und kann Leute erreichen, die sonst wenig Kontakt mit der politischen Realität haben. Aber es ist eben kein Aktivismus. Ich selbst schreibe einigermaßen regelmäßig in aufrüttelndem bis belehrendem Ton über netzpolitische Themen, und auch dabei handelt es sich nicht um Internet-Aktivismus. Sondern um Artikel über Internet-Aktivismus.

Irgendjemand muss zu völlig unterstreamten Veranstaltungen fahren, Hintergrundgespräche führen, strategisch sinnvoll öffentlichen Druck aufbauen, Anlaufstelle sein für relevante Leaks, Anfragen stellen, Daten auswerten und aufbereiten, Aktionen organisieren und koordinieren und auf Podien und in Gremien genau die Dinge sagen, für die man nicht bezahlt wird. Und irgendjemand muss über die Öffentlichkeit darüber informieren, sie im richtigen Moment mobilisieren sowie alles auch noch fortlaufend dokumentieren. Einmal im Vierteljahr ist das ein großer Spaß, tut man das jeden Tag, muss man es Arbeit nennen. Netzaktivismus ist Arbeit.

Dieser Netzaktivismus, der dringend benötigt wird, ist nichts anderes als eine Lobby. Leider ist das Leitmotiv dieser Lobby kein Geschäftsmodell, dann gäbe es keine Probleme damit, diese Arbeit zu bezahlen. Das Ziel des Netzaktivismus ist ein gesellschaftliches Ideal, die Uridee eines freien, offenen, sicheren Internets für alle. Ideale haben sich am Markt jedoch als umsatzschwach erwiesen. Ideale zahlen keine Miete. Im Gegenteil muss man sich Ideale leisten: leisten können und leisten wollen.

An diesem Punkt kommt dreierlei zusammen:

  • der ständige Kampf für das Internet
  • das Blog Netzpolitik, das unabhängigste Zentralorgan dieses Kampfes
  • Eure Geldbörsen

Jede Person, die ernsthaft an einem freien, offenen, sicheren Netz interessiert ist, ist aufgerufen, sich zu beteiligten. Und dieser Beitrag ist kein Retweet, sondern die direkte Finanzierung derjenigen, die überhaupt erst retweetbare Aktivitäten unternehmen. Eine Finanzierung, die nicht bloß per Einmalbetrag das eigene Gewissen spontan beruhigt, sondern die hilft, dass Netzpolitik.org weiterexistiert. Das Zauberwort – mit dem Eure Elterngeneration Greenpeace hat groß werden lassen – heisst Dauerauftrag.

Richtet einen beliebig hohen, aber monatlichen Dauerauftrag für netzpolitik.org ein.

Denn es ist ein Dauerauftrag, für das freie, offene, sichere Internet zu kämpfen.

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36 Kommentare
    1. Immer schön ruhig bleiben. Ich denke, dass diese Artikel nicht ohne Grund veröffentlicht werden. Wenn alle dem Spenden oder dem Aufruf zum Spenden so kritisch gegenüberstehen würden, könnten Sie sich das Aufräumen Ihres Feedreaders sparen. Das erledigt sich dann ganz von alleine.

      Eher sollte man sehen wie ernst die Lage ist, wenn es denn offensichtlich ist, dass die Finanzierung nicht optimal läuft.

      Ich denke nicht, dass netzpolitik.org Ihre falsche Aufregung verdient hat.

    2. Na ich hoffe doch, dass hier noch ein wenig Hingabe zur Materie herrscht und nicht nur der finanzielle Gedanke!

      Klar sind die Aufrufe legitim und ich hoffe, dass sich auch ein paar Spender finden, doch so langsam nerven mich die ständigen Aufrufe dazu in den letzten Wochen…und dann der Lobo…und so eine Kampfrede….nene, da platzt mir schonma der Kragen… ;)

      1. Der gemeine Freizeit-Blogger, der seine zwei Artikel pro Woche raushaut, mag sich das auch leisten können, nur seiner „Hingabe zur Materie“ frönen zu können. In dem Moment, wo aber Menschen dahinter stehen, die einen erheblichen Aufwand betreiben, um ein Blog in dieser Frequenz und Qualität zu befüllen, sollte man den Betreibern schon zugestehen, dass sie wenigstens Gehälter und andere Kosten wieder reinholen dürfen. Solange die Qualität stimmt, sollte man daher auch einen Spendenaufruf (und ja, auch sogar mehrere ^^) aushalten können :)

  1. Hmmm. Das ist natürlich eine Frage der Definition. Wer in einem Blog einen Kommentar abgibt, muss dazu aktiv werden. Ist das „aktiv werden“ Aktivismus? Insofern frage ich mich, ob der Begriff nicht, so salopp wie er generell gebraucht wird, im Sinne des Wortes doch zutreffend ist. Das, was Du meinst, wäre eher „Netzlobbyismus“. Allerdings ist der Begriff „Lobbyismus“ (zu recht) negativ besetzt. Was wiederum Nichts daran ändert, dass Netzpolitik, und zwar ebenfalls im Sinne des Wortes und nicht nur als Blog, notwendig und wichtig ist.

    P.S.: Ich verstehe und respektiere die Notwendigkeit einer Finanzierung. Und ich werde das bei Gelegenheit organisieren, so weit es mich betrifft. Ich _will_ mir das leisten. Zur Zeit habe ich aber neben Arbeit und Abendstudium kaum mal Abends Zeit. Nicht mal für mein eigenes Blog. Aber irgendwann in näherer Zukunft kriege ich das auf die Reihe.

  2. Finde diese Gastbeiträge überhaupt nicht nervig, im Gegenteil. Dieser ist, ebenso wie der Beitrag von Volker Grassmuck, auch unabhängig vom Anlass lesenswert.

  3. ROFL „das unabhängigste Zentralorgan dieses Kampfes“, erinnert an die Zeit, als es noch das Zentralorgan der Arbeiterklasse und andere Kampfblätter gab. Und unabhängig? Netzpolitik will nach eigener Aussage des Spendenaufrufes ja „unabhängigen Journalismus für digitale Bürgerrechte“ machen, das beißt sich dann mit einer Rolle als Zentralorgan. –Detlef

      1. Danke sehr! Geht aber schlecht, da bei der Konkurrenz…. :) Natürlich sympathisiere ich mit Netzpolitik, aber beim Journalismus kommen die berühmten Brötchen und Brioches ins Spiel.

      2. @Lustig,

        mich zahlt speziell keiner, ich bin Hobby-Netzaktivist. Im Brotjob gehöre ich zu denen, die von Netzneutralität profitieren würden.

  4. Bei manchen Kommentaren hier könnte man den Eindruck gewinnen, als würden ihre Verfasser nicht ganz verstehen, worum es hier – mit der Finanzierungs-Kampagne – eigentlich geht. (Mein Favorite: „Was zahlt ihr denn Gastautoren?“)

    Netzpolitik.org ist nicht deine Underground-News-Source mit dessen zitieren du dich gegenüber anderen als netz-besorgt darstellen kannst. Netzpolitik.org dient, wie Sascha das richtig formuliert hat, dazu eine zentrale Beobachtungsstelle für alles, was im Bereich der Netzpolitik von Relevanz in diesem Land ist, zu sein.

    Es ist traurig, wenn die Publikation und Berichterstattung verschiedenster Themen als Ersatz für die Aktionen und Einflussnahmen missverstanden wird, die dieselben eigentlich hervorrufen müssten.

    Doch damit nicht genug: Obendrein wird noch verlangt, dass diejenigen, die sich durch all die unsexy Gesetzes-Entwürfe kämpfen und jeden Erguss einen noch so seltsamen Politikers oder Vorstands für euch zusammenfassen das Ganze – inklusive der dazu gehörigen Infra-Struktur – auch noch aus eigener Tasche bezahlen und daneben noch arbeiten gehen.

    Sehr interessant. Und warum betreibt ihr, die ihr ja davon nutznießt nicht einen ebenso großen Aufwand, um für einen offenes Internet für jeden zu kämpfen? Ach, vermutlich seid ihr zu kaputt, wenn ihr von der Arbeit kommt? Vielleicht habt ihr aber auch gar nicht das nötige Sachverständnis? Vielleicht habt ihr nicht ausreichend Kontakte? Oder langweilt euch das ewige Kleingedruckte, um das es in der Netzpolitik ja nur allzu oft geht?

    Na, das sind ja prima Ausreden.

    Mir scheint, als hätten einige LeserInnen von Netzpolitik.org noch immer nicht begriffen, dass es hier um etwas geht: Nämlich darum, wer bestimmt, was, wann mit dem Internet passiert. Wer davon profitiert, wer davon ausgeschlossen wird, wer darin gemaßregelt wird – und letztendlich auch ob es als freies Medium, das unser aller Leben in so unendlicher Weise täglich bereichert, bestehen bleibt.

    Für iPhones, Tablets, Latte-Macchiato und zynische Brillen, für den Pizza-Service, das Thai-Restaurant und schöne Schuhe habt ihr alle Geld übrig – doch wenn es darum geht, eine Infrastruktur zu unterstützen, die wenigstens versucht, einen ersten Schritt hin zu einer Bewegung zu machen, die wir dringend benötigen, um die Dinge gerade zu rücken, die in dieser Hinsicht schief gehen – dann hört euer Verständnis auf.

    Verschmizt lächeln, wenn der CCC den Staats-Trojaner auseinandernimmt oder die VDS für uns verhindert, könnt ihr – aber nicht euch vorstellen, dass dieser Verein genauso von Mitgliedsbeiträgen und Spenden lebt, wie Netzpolitik.org.

    Oder vielleicht habt ihr einfach immer noch nicht begriffen, um was es hier eigentlich geht. Ihr gehört vermutlich auch zu denen, die nichts zu verbergen haben.

    Wie glaubt ihr denn gewinnt man einen Kampf gegen riesige PR-Agenturen, Lobby-Verbände und die mediale Omnipräsenz der immer gleichen, immer falschen Argumente?

    Nur wenn wir alle dazu beitragen. Die einen durch ihre Recherche, die anderen durch ihre Aktionen – und die, die nicht anders können oder wollen, dadurch, dass sie all dies finanziell unterstützen.

    Das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein, oder? Und falls doch, wird es nicht mehr lange dauern, bis auch ihr die Konsequenzen des Nichts-Tuns zu spüren bekommen werdet. Bekanntlich rebelliert die Bevölkerung erst, wenn es ihr schlecht genug geht. Ich hatte eigentlich gehofft, diesen Zustand könnte man gemeinsam abwenden…

    1. Vielleicht antworte ich auch noch in Lang, aber zunächst (mein Favorite): Da ist schlicht ’ne Logikfrage.

      Die ‚Leserfinanzierungskampagne‘ (btw: was wird hier finanziert?) deckt (so die vorhergehenden Artikel) die Personalkosten: zwei (Haupt-) Autoren. Ich hab‘ kein Problem damit und ich verstehe auch die Gründe.
      Die Logik (und der Gleichbehandlungsgrundsatz, man könnte es auch Lohnneutralität nennen) sagt, dann sollten alle Autoren bezahlt werden. Also auch Gäste.

      Und ich stelle die Frage: Ist das so?

      1. 1) Was wird hier finanziert?

        Würde es dich tatsächlich interessieren hättest du darauf schon eine Antwort gefunden und zwar hier:

        https://netzpolitik.org/spenden/

        und hier:

        https://netzpolitik.org/2013/was-wollen-wir-mit-mehr-finanzierung-schaffen/

        2) Lohnneutralität

        Ich zitiere mal aus der „Wunschliste“ von Netzpolitk:

        „-mehr Zeit haben für aufwändigere Hintergrundrecherchen;
        noch mehr dokumentieren, analysieren und bewerten, was im Bundestag, im Europaparlament und vielleicht sogar in den Landtagen passiert;

        -nicht mehr bei jeder erfolgreichen Informationsfreiheitsgesetzanfrage zusammen zucken, wenn die Bundesregierung eine Rechnung über 500 Euro mitschickt. “

        Du möchtest also lieber ein Loch ins Fass bohren, mit dem deine drei Stunden Recherche und Artikel schreiben bezahlt werden, als allen Lesern, *die ja diejenigen sind, die dafür spenden*, den Zuwachs an Informationsgehalt gönnen?

        Andersherum: Würdest du genauso Vollzeit – mit Leib und Seele – an Netzpolitik.org mitarbeiten, dann könnte ich deine Forderung verstehen, da dabei schließlich keine Zeit für andere Formen der Erwerbsarbeit übrig bleibt.

        Aber für einen Aktivisten-Blog einen Gastbeitrag verfassen und dann verlangen, dafür bezahlt zu werden ist Ausdruck davon, dass die gleichen Interessen, die die neoliberalen Lobbies und die entsprechenden Politiker mit denen sie sich verbrüdern, auch bei dir vorherrschen.

        Richtig absurd wird es, wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt: Ich möchte für meinen Beitrag zum Aktivismus bezahlt werden. Na, wenn das Schule macht, können sämtliche NGOs, Parteien und Bewegungen einpacken. Oder wir versuchen es mit so etwas wie der Occupy-AG, die dir die Rendite sichert. Aber das Modell hatten wir ja mit der KPDSU ja schon…

        Um es noch einmal ganz einfach zu formulieren: Wir alle leisten unseren Beitrag für eine *bessere Welt* für alle. Möchtest du bezahlt werden, sobald du mal einen Finger krum machst, änderst du besser nichts an den Verhältnissen. Denn die honorieren solches Verhalten ja bereits.

      2. @Fox,
        lass‘ es mich so ausdrücken, wir reden aneinander vorbei…

        Den zentralen Satz hast du selber oben geschrieben:
        Richtig absurd wird es, wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt: Ich möchte für meinen Beitrag zum Aktivismus bezahlt werden. .

        Ich verlange das nicht.

      3. @ Philip: Ich habe hier mal oefter geschrieben, als ich nen Uni-Job hatte, zu diesen Themen geforscht habe und daher viel zu berichten hatte. Inzwischen komme ich weniger dazu aus Zeitgruenden. Aber fuer mich war immer klar, dass ich Markus und Andre (oder der Redaktion damals mit Linus) immer einfach dankbar war, dass sie die Plattform bereitstellen und das Tagesgeschaeft betreiben und wichtige Recherchen machen. Ich habe davon immer profitiert, weil ich viele LeserInnen fuer meine Texte hatte. Mein Beruf war aber nie Bloggen, daher ging es mir auch nie ums Geld. Das geht vielen der anderen AutorInnen hier auch so. Aber den Laden am Laufen zu halten kostet Geld. Daher waere ich als Manchmal-Autor bei Netzpolitik einfach sau-froh, wenn Markus und Andre und vielleicht noch mehr Leute das dauerhaft abgesichert machen koennten.

    2. Sorry, Fox. So manche, die hier kommentieren, investieren viel Zeit oder viel entgangenen Gewinn in die gute Sache, kämen aber nie auf die Idee, dafür Geld erbetteln zu wollen. Der eine schreibt im Blog, die andere fährt nach Berlin und macht den Lobbyist, der nächste gründet eine Partei oder engagiert sich dort, eine redet sich in der Fussgängerzone die Lippen wund, so mancher spricht mit Freunden und Bekannten über unsere Themen, eine denkt intensiv drüber nach wie es eigentlich sein sollte, ein anderer kommentiert, wieder eine andere stellt Infrastruktur zur Verfügung, und ja mancher spendet. Ich auch. Und das ist gut so. Ja, netzpolitik.org ist wichtig, aber Zentralorgan? Nö, für mich nicht. Eine Quelle, eine gute Quelle, von vielen.

  5. Es ist traurig, dass diese „Bettelei“ notwendig ist. Aber ohne gibt’s nur die Alternativen „Ende von Netzpolitik“ oder „Paywall“. Vielleicht findet ja mal irgendwann Jemand eine Methode, die Finanzierung ohne „Bettelei“ und ohne Paywall in den Griff zu bekommen. Ich weiss leider keine solche Methode.

    1. Traurig ist das allerdings. Es gibt zwei solche Methoden:

      1) Die Methode, dass die Leute von sich aus auf die Idee kommen, dass solche Projekte nicht ohne Finanzierung auskommen und selbstständig einen Beitrag leisten.

      Und wenn man auch nur kurz darüber nachdenkt, was damit alles zusammenhängt und was mit einer Finanzierung alles bewegt werden kann, dann sollte einem das direkt aufgehen.

      2) Mehr Leute werden selbst aktiv und erledigen die Aufgaben mit, die hier nur von wenigen übernommen werden. Aber auch dann bleiben Kosten für Infrastruktur etc. bestehen.

      Letztlich ist alles eine Frage davon, wie wichtig einem etwas ist. Ein Gewerkschaftsmitglied zahlt gerne seinen Mitgliedsbeitrag, weil es weiß, was damit bewirkt wird.

      Aber wie ich das oben ja bereits geschrieben habe: Beim CCC oder ähnlichen Phänomenen kommt ja auch niemand auf die Idee sich zu fragen, wieviel Arbeit und Geld dahinter steckt.

      Da wird lieber um Gastbeiträge geschachert. Mich überkommt das Lachen, wenn ich daran denke, dass Mitglieder des CCC auf die gleiche Idee kommen, bei Beiträgen zur Datenschleuder – oder bei Auftritten vor dem BVG das gleiche zu fordern.

  6. Sowas wie von Detlef Borchers versteh ich nicht. Warum kann oder will er hier nicht schreiben? Man will doch das gleiche Ziel erreichen. Ich mag heise, ich mag das hier, ich mag Udo Vetter, usw. Kann doch jeder mal querbeet schreiben, auch wenn ich das -siehe unten- als zumeist Unfug sehe. Selbst Sascha Lobo, den ich als einzigen nicht mag, schreibt hier und das wohl für lau (aber dafür wohl für seine andauernde Selbstdarstellung).
    Will Herr Borchers also das Ziel nur erreichen, wenn er Geld dafür bekommt? Ist ihm ein paar Stück mehr Geld also wichtiger als das Ziel? Verhungern würde er ja nun nicht, wenn er mal hier was schreibt. Diese Frage stell ich mir da nun und ich bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht, wenn er dann von den Brötchen redet.

    Genau das verteilte Schreiben sehe ich bei solchen Themen im Netz aber als nervig bis kontraproduktiv. Schaut man sich nur die Links am rechten Bildrand an, dann sieht man da schon zehn Vereine, die alle so ziemlich das gleiche wollen. Dann kommen noch hunderte Blogs und Newsredaktionen dazu, die auch alle das gleiche reden und sich x mal querverlinken. Man diskutiert an tausend Stellen das gleiche und jeder will „es mal gesagt haben“ und das noch in seitenlangen Reden. Zeitverschwendung ist das in meinen Augen. Ressourcenverschwendung auch. Les ich rivva, seh ich ständig das gleiche.

    Und dann kommt der Herr Lobo her und erklärt das hier zum Zentralorgan und schreibt derweil weiter im SPIEGEL und sonstwo. Und während da zehn oder mehr Vereine und zig Blogs und noch mehr Aktivisten ständig das gleiche aufbereiten, wird darüber geschumpfen, daß es viel Arbeit ist.
    Warum teilen sich die Leute dann die Arbeit nicht so ein, daß jeder das tut, was er am besten kann und ihm vielleicht sogar Spaß macht? Dann sammelt man das, was man erarbeitet hat und lässt es schön aufbereitet an einem Ort. Geht das nicht, weil jeder sich für das Zentralorgan hält, oder bekomme ich das nicht mit?

    Klar, der Witz am Netz ist auch, daß es eben nicht unbedingt Zentralstellen für XY gibt, aber gerade bei diesen Themen, wo es eben meist auf unbezahlte Freizeitaufbringung und Arbeit rausläuft, da fehlt es meiner Ansicht nach an Organisation und man arbeitet bewusst oder unbewusst gegeneinander und vertut seine Zeit, ebenso wie die der Leser. Wäre es nicht sinnvoller, die vielen Blogger würden aufhören sich zu wiederholen und stattdessen den Leuten von hier Arbeit abnehmen?

    Und im Übrigen halte ich das Kommentieren sehr wohl auch für eine Form des Aktivismus‘ und finde es beleidigend und unschlau, wenn Herr Lobo das anders sieht, denn Kommentare und Kommunikation führen nunmal zu neuen Denkansätzen und die sind wichtig. – Wenn das alles Blödsinn ist, wozu gibts dann Kommentarfunktionen?

    1. Auch wenn ich dir in vielen Punkten zustimme, möchte ich dennoch etwas ergänzen:

      Zu den Links:

      Schau dir doch mal genau an, was diese Vereine alle so machen – und du wirst feststellen, dass es eben nicht alles das gleiche ist.

      AK Zensur ist im Bereich Zensur aktiv und versucht speziell dazu Kampagnen ins Leben zu rufen.

      AK Vorrat setzt sich eben speziell mit VDS auseinander und ist in dem Bereich aktiv.

      Auch wenn es da Überscheidungen der Akteure gibt, halte ich diese Gruppen nicht für redundant.

      Dann der CCC. Das Feld mit dem sich der CCC auseinandersetzt ist ja nun so breit gefächert, dass es ich dein Argument in diesem Zusammenhang überhaupt nicht nachvollziehen kann. Angefangen bei der detaillierten Analyse von Technologien über die Organisationen von Camps und Konferenzen bis hin zu Beraterfunktionen für Justiz und Politik hat der CCC sein eigenes Themenfeld in dem wie gewohnt hochwertige Ergebnisse erzielt werden. Zudem hat der CCC außer der DS kein zentrales Kommunikationsorgan.

      Creative Commons ist wieder eine andere Geschichte – ebenso die in Arbeit befindliche Strutkur der Digitalen Gesellschaft, die sich auch mit politischen Fragen beschäftigt.

      Gleiches gilt für die FSF, die wiederum auch einen bestimmten Themenkreis bearbeitet.

      Das ist beileibe nicht alles das gleiche, nur weil es sich teiweise etwas überschneidet und sich im „digitalen Raum“ abspielt.

      Ja, und zu heise bleibt zu sagen: Klar, mag ich auch, les ich auch. Aber die Hintergrund-Info zu dem dort zusammengefassten hole ich mir hier.

    2. Lieber Flo, ich habe es mit einem :) geschrieben.

      Zum Thema: Natürlich gibt es auch von mir Artikel „für lau“, die ich verschenke, weil ich sinnvolle Sachen unterstütze, sowohl online wie in Printmagazinen wichtiger Initiativen. Und es gibt Recherchen, für die ich ein Heidengeld ausgegeben haben, was durch das hierzulande herrschende Lohnniveau bei freien Journalisten niemals eingespielt werden kann.

      Ich machte nur darauf aufmerksam, dass sich Netzpolitik mit dem Spendenaufruf neu positioniert. Statt Blog bzw. netzpolitischer Beobachter und Kondensator zu sein, will man jetzt erklärterweise „unabhängigen Journalismus für digitale Bürgerrechte“ produzieren. Das verlangt schon eine Beurteilung. Dem widerspricht beispielsweise klar eine Rolle als „Zentralorgan“, wie Lobo es haben will.

      Hinzu kommt aber auch, dass unabhängiger Journalismus auch gegenüber Verbänden und Organisationen unabhängig sein muss, über die er berichtet. Und dann ist das, was hier „Netzpolitik“ heißt und von Markus so lobenswert betrieben wird, von mangelnder Trennschärfe, wenn etwa der CCC-Gutachter Neumann zur De-Mail hier über De-Mail schreibt.

      Vielleicht schreibe ich noch was darüber, auch für Markus, aber bis zum Ende der re:publica :) und etwas danach ist bei mir „Land unter“. –Detlef

    3. Flo, nochmal in aller Kürze (ein Kommentar von mir vorhin ist futschikato): Mir geht es absolut nicht ums Bezahlen, sondern um Fragen, die den Journalismus betreffen. Ich stelle schon eine Reihe von Artikeln Vereinen zur Verfügung und ich kann mir auch vorstellen, für Netzpolitik so etwas zu tun.

      Aber: Zentralorgan und unabhängiger Journalismus schließen sich aus.

      Und: Netzpolitik hat IMHO erst mit der Spendenaktion angefangen, sich selbst so zu bezeichnen, dass man „“unabhängigen Journalismus für digitale Bürgerrechte“ macht. Damit geraten Markus & Co a.) in Konkurrenz zu old-fashioned Plattformen wie heise online, wo der unabhängige IT-Journalismus gepflegt wird. Und b.) ist die Unabhängigkeit sehr fragil, wenn z.B. (ich nehme eines meiner Themen) bei De-Mail Linus Neumann auftritt, der vom CCC als Gutachter zum Thema benannt wurde. usw. usf, nach der #rp13 habe ich mehr Zeit, jetzt ist gerade Land unter. –Detlef

  7. Ich hatte die Spendenaktion schon nach dem ersten Antrag unterstützt, ganz einfach weil das was hier geschrieben wird
    a) wichtig ist
    b) unprätentiös geschrieben ist
    c) gut recherchiert ist
    d) und weil ich persönlich nicht die Zeit habe alles das zu recherchieren, zu formulieren und dokumentieren was in Sachen Netzpolitik passiert.

    Zudem ist man hier absolut transparent ist was die Finanzen angeht – Hut ab.

    Ich habe Christoph Kappes auf Twitter unfollowed, weil ich ihn nicht verstehe (aber ihn sehr schätze). Was ich von ihm verstanden habe ist, daß wir ‚Internetmenschen‘ keine Lobby haben, weil sie in einer Blase leben (@surfguard). Und da haben beide recht.

    Ich mag auch den populistischen Sascha Lobo nicht zu gern (sorry), aber das was er oben schreibt scheint mir richtig und wichtig.

    Es ist WICHTIG, dass netzpolitik.org ein statement macht, zu dem alle anderen aus verschiedensten Gründen nicht in der Lage sind. Dafür gebe ich gern Geld.

    VG,
    Dirk

    1. Volle Zustimmung.

      Und bevor ich mir diese Kommentare hier antue, die wieder nur zerreden, zerreden, zerreden, habe ich lieber schnell einen kleinen Dauerauftrag eingerichtet.

      Ihr könnt die Ideen nicht kaputt machen, die ihr nicht verstehen wollt.

  8. Ich denke man will eine kontinuierliche Finanzierung hinbringen. Natürlich erhöhen sich die Spenden bei hochkochenden Themen, wie Zensursula und Drosselkom, sehr ruckartig. Aber dann folgen wieder Durststrecken, mit Themen für die sich wohl keiner so richtig interessiert.

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