Demokratie

StopWatching.Us – Mozilla startet Protestkampagne

Mit der heute gestarteten Kampagne „StopWatching.Us“ setzt sich das Mozilla-Projekt an die Spitze einer politisch relativ bunt wirkenden Gruppe von Organisationen (von Greenpeace USA über Consumer Watchdog bis zur Mansfield North Central Ohio Tea Party Association und 46 anderen). Sie fordert vom US Kongress einen Stopp und eine vollständige Offenlegung der heimlichen Überwachungsprogramme rund um PRISM und bietet dazu gleich die Möglichkeit, den entsprechenden offenen Brief elektronisch ebenfalls zu unterzeichnen (aktuell um 01:40 werden 27.000 Unterzeichner angezeigt).

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Im Blog-Post zum Kampagnenstart wird darauf hingewiesen, dass viele der durch Internetnutzer selbst einsetzbaren Schutzwerkzeuge nicht viel nützen, wenn die großen Plattformbetreiber per Gerichtsbeschluss zur Übergabe von Nutzerdaten gezwungen werdern können, wie es nach dem USA PATRIOT Act und dem Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) wohl der Fall ist:

Technology has also been getting better at providing additional controls and transparency. Mozilla, for instance, provides tools like Do Not Track, Persona and the Collusion Add-on for Firefox, among others.

However, exposures resulting from government-sponsored online surveillance are entirely separate from whether we choose to share information and what those sites say they will or will not do with our data. That’s because, at least in the US, these companies are required to respect a court order to share our information with the government, whether they like it or not.

Die Tragweite des Anzapfens privater Plattformbetreiber wird noch deutlicher durch einen Blick auf die Slides zur „Zuckerstangentheorie“, die Sebastian Deterding auf der re:publica 2010 präsentiert hat.

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15 Kommentare
    1. 1. Richtig. Fang an. Aber nicht hier in den Kommentaren von netzpolitik.org, sondern dort, wo es Dir und anderen etwas bringt.

      2. Die Datenschützer und Bürgerrechtler sind und bleiben in der Minderheit. Deutschland hat keine demokratischen Traditionen.

      3. Die meisten Deutschen begnügen sich mit Fußball, Bier, Party, Poppen, Konsum, Facebook und iPhone/iPad. Bequem und bunt. Das ist wichtig und sorgt für befriedigende Auslastung.

  1. Es wird Zeit das wir endlich Aufwachen und erkennen, das wir im begriff sind zum gläsernen Bürger zu werden und uns endlich dagegen wehren

    1. Wer ist „WIR“? Wenn du die Mehrheit der Deutschen meinst, die haben Hitler selbst dann nicht gestürzt, als Deutschland schon in Schutt und Asche lag. Die Deutschen haben von Innen heraus noch nie eine demokratische Wende erreicht.

      1848/49: gescheitert.
      1918/19: infolge des 1. Weltkriegs unvollständige Revolution ohne restlose Beseitigung der alten Machteliten.
      1949: BRD durch Westallierte gegründet nach 12 Jahren Nazi-Diktatur und 6 Jahren 2. Weltkrieg.
      1989: Untergang der DDR infolge Umbruch in der Sowjetunion samt Nicht-Einsatz der Roten Armee gegen die demonstrierenden DDR-Bürger.

      Falls du trotzdem an die Front ziehen willst, nur zu. Du bist nicht allein. Viele sind schon dort und kämpfen tagtäglich gegen Überwachungswahn und Sicherheitsideologie. Aber solange du nur Kommentare auf netzpolitik.org schreibst, bist du keine Hilfe für den Widerstand.

  2. Wenn die Tea Party dabei ist, dann kann man das ganze vergessen. Nicht nur, dass es ein haufen Knallköpfe ist, sondern sie stehen mittlerweile im Ansehen in der US-Öffentlichkeit zwischen Muslimen und Atheisten – was schon etwas heißt, da beides Gruppen sind, über die die Tea Party selbst gerne wettert.

  3. Vor ein paar Wochen berichtete Glenn Greenwald noch von einem FBI Agent der auf CNN die Theorie bestätigte die US intelligence speichere alle digitale Kommunikation (also auch Telefon Inhalte, nicht nur Vorratsdaten). Doch PRISM spricht ja nun ausschließlich von Vorratsdaten…? Da stellt sich jetzt mir die Frage ob das nun noch als Verschwörungstheorie diskreditiert und geleugnet wird von den „Journalisten“. Ich habe da leicht den Überblick verloren was da nun als Bewiesen gilt und was nicht ;)

    Aber zum Thema: Angesichts dessen dass die USA gerade ein 5 exabyte datacenter in Utah fuer 4 milliarden dollar baut, bin ich doch eher pessimistisch das die aktuelle Debatte irgendetwas ändern wird.

  4. hab grad noch ne nacht ueber die applikation „boundless informant“ geschlafen…

    mich hat dabei was gepeckt, und ich glaub ich weiss jetzt was…, stellt euch vor, ihr wärt die NSA/CIA oder sonst noch son verein…, wo würdet ihr am meisten abhöhren?, dort wo ihr eh schon alles gekauft habt, oder dort wo sich noch leichter wiederstand bzw. politisches ungleichgewicht regt?

    jetzt mal davon abgesehen, dass die ganze austauschgeschichte offensichtlich wie briefmarkentauschen funktioniert, und wenn dich der bnd nicht abhoeren kann, dann machts halt irgendwer anders und laessts dem bnd zukommen, natuerlich liefert dafuer der bnd gerne und bereitwillig auch infos…

    ich glaube die volle tragweite des ganzen problems haben wir bis dato immer noch nicht erfasst.

  5. Wie wär’s anstelle vermutlich völlig wirkungsloser Petitionen einfach mal damit Konsequenz zu zeigen und entsprechende Plattformen nicht (mehr) zu nutzen?!

      1. Mit Verstecken hat das nichts zu tun: Ein Anbieter erfüllt nicht meine Erwartungen (sondern hintergeht mich sogar), also werde ich dem in Zukunft nicht mehr vertrauen. Wie heißt es so schön:

        Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me.

    1. Das mit dem nicht mehr Nutzen der Plattformen ist eben a) nicht so einfach, vor allem für Leute mit wenig technischem Verständnis und gegen die starken Netzwerkeffekte von Facebook & Co., und b) geht’s doch um genau das, was Oliver sagt: Es kann nicht sein, dass die Bürger massenhaft virtuell weglaufen müssen, weil die populärsten Plattformen nach Lust und Laune angezapft werden _dürfen_ (nicht nur können). Überwachung nach Regeln und mit wirksamem Rechtsschutz kann legitim sein, ohne das ist sie es nie.

      1. > für Leute mit wenig technischem Verständnis
        Das Argument akzeptiere ich nicht. Genau dafür gibt es Dienstleister. Warum nur muss bei IT alles kostenfrei sein, in anderen Bereichen aber nicht? Kenne ich mich dem Mauern nicht aus, brauche aber eine Wand, dann bezahle ich einen Maurer. Was ist daran zu abwegig auch für ordentliche Dienstleistung im Netz jemanden zu bezahlen?

        If you don’t pay for it, you’re not the customer but the product being sold .

        > Es kann nicht sein, dass die Bürger massenhaft virtuell weglaufen
        > müssen, weil die populärsten Plattformen nach Lust und Laune
        > angezapft werden _dürfen_ (nicht nur können).
        Ich sehe das nicht als „weglaufen“. Letztlich sind diese Plattformen aber nunmal der Gesetzgebung eines zunehmend autoritären Landes unterworfen.

  6. Mal ’ne dumme Frage…
    So wie ich das lese appellieren die an amerikanische Organisationen, sich an die amerikanische Verfassung zu halten. Ist es da wirklich klug, wenn da ausgerechnet die “Krauts“ unterschreiben?

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