Zensur
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: Kommentare zur JMStV-Anhörung in NRW (Update: Neuer Link zur Aufzeichnung!)
JMStV-Anhörung in NRW : Kommentare zur JMStV-Anhörung in NRW (Update: Neuer Link zur Aufzeichnung!) Sticky: Wer meine Notiztabelle zum JMStV ergänzen kann oder Korrekturen hat: Bitte in die Kommentare. Mail geht natürlich auch. Danke!
Zugegeben, viel habe ich in Berlin natürlich nicht von der JMStV-Anhörung heute in NRW mitbekommen. Allerdings gibt eine Aufzeichnung der Debatte (Realvideo) und auch schon einige Kommentare:
# JmStV vs. Medienkompetenz (Guido Brombach, Dotcomblog)
# Volle Breitseite – keine Bewegung (Thomas Meiser, Ruhrbarone)
# JMStV-Entscheidung in NRW – die Anhörung (Ernesto Ruge, sectio aurea)
# NRW-Anhörung: Medienkompetenz stärken? (Michael Krause, JuMSchBlog)
# Jugendmedienschutzstaatsvertrag: Die Argumente ernst nehmen (NRW Jusos)
# Kurze Zusammenfassung der Anhörung zum JMStV im Landtag NRW (LAG Medien der Grünen NRW) -
: YouTube und die Türkei
: YouTube und die Türkei Wegen Beleidigung Kemal Atatürks ist YouTube in der Türkei seit Jahren geblockt gewesen (zusammen mit über 4.000 anderen Seiten). Vor ein paar Tagen ließ die Türkei verlautbaren
Der gesunde Menschenverstand hat gesiegt!
und hob die Blockade auf. Unklar war, ob der Sieg des gesunden Menschenverstandes die Aufhebung der Zensur, oder nur die Entfernung der Videos des Anstoßes „auf die amerikanische Art“ (= durch einen Copyright-Claim) betraf. Nachdem Google den Copyright-Claim geprüft und abgelehnt hatte, gingen die Videos wieder online – und YouTube in der Türkei prompt wieder offline (diesmal aufgrund eines anderen Videos).
Hintergrund: Die Beleidigung des Republikvaters Atatürk ist in der Türkei verboten. Ein paar Griechen hatten sich wohl eine Missachtung dieser Regel erlaubt, um im Austausch von Beleidigungen ein paar türkische Bürger zu ärgern. Ob sie wussten wie viele sie letztendlich für wie lange ärgern würden?
UPDATE: An anderer Stelle lese ich widersprechende Berichte, YouTube sei aus der Türkei noch zu erreichen. Liest uns jemand, der das prüfen könnte?
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: Warum das Zugangserschwerungsgesetz verfassungswidrig ist
: Warum das Zugangserschwerungsgesetz verfassungswidrig ist …erklärt der Fachanwalt für IT-Recht Thomas Stadler. So wie ich das als Laie sehe, muss man den Text jetzt nur noch aus dem Internet ausdrucken und nach Karlsruhe schicken. ;-)
Lesenswert.
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: JMStV-Vorgespräch mit den Grünen in NRW
Vorbesprechung zum JMStV in NRW (Bild abermals von Jürgen Ertelt) : JMStV-Vorgespräch mit den Grünen in NRW Gestern abend gab es im Düsseldorfer Landtag ein informelles Vorgespräch mit Matthi Bolte, dem netzpolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion, zum JMStV und der für Donnerstag angesetzten Anhörung.
Daniel Schwerd – Pirat aus Köln, hat (einmal mehr) einen lesenwerten Bericht verfasst:
Matthi Bolte machte sich fleißig Notizen, ich hatte den Eindruck, er sucht ganz gezielt nach den kritischen Fragen, die in der morgigen Anhörung zu stellen sind. Das Argument vom “Kontinuitätsgebot” wiederholte er nicht – vielmehr macht er deutlich, dass die Anhörung ergebnisoffen sein soll, und keineswegs jetzt schon ein Ergebnis feststeht – weder dafür noch dagegen -, aber anschließend eine Empfehlung folgen kann.
Danke!
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: Jarzombek (CDU): Netzsperren sind perfekt!
: Jarzombek (CDU): Netzsperren sind perfekt! Update: Wenig Internet, viel Eifer, peinliches Ergebnis: Jörg-Olaf hatte das ja schon behandelt…
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: Sperrdebatte: Netzfestung Europa?
: Sperrdebatte: Netzfestung Europa? Eigentlich gilt Thomas Jarzombek ja als einer der Guten. Ein Netzversteher in der CDU, mit dem man durchaus reden kann. Und nun bringt der Mann allen Ernstes Netzsperren als „Brückentechnologie“ und einen „Schengen-Raum im Internet“ ins Gespräch?
Ja, genau das schlägt Jarzombek in einem Gastbeitrag für TheEuropean vor:
“Technisch absolut wirkungslos” habe ich oft dazu im Netz gelesen und bin auch selbst skeptisch, was den Nutzen dieser Technik betrifft. Aber seit der Anhörung im Bundestag am Montag bin ich überzeugt: Netzsperren sind perfekt. Als Brückentechnologie. […]
So waren die Löscherfolge des BKA bislang überschaubar. Bei knapp der Hälfte der Löschbemühungen gegen ausländische Provider konnten keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt werden. […] Doch das Ende naht: Alle Beteiligten haben hart daran gearbeitet, mit einem gemeinsamen Harmonisierungspapier alle diese Probleme zu lösen. […]
Und jetzt müssen wir mit möglichst vielen Ländern staatliche Abkommen schließen, die sich damit zum garantierten Löschen verpflichten und dafür offizielle Stellen einrichten. Damit werden die Sperren dann zur Brücke, denn deutschen Servern wie auch diesen sicheren Ländern sollten wir dafür gesetzliche Sperrfreiheit garantieren. So schaffen wir eine Art “Schengen-Raum” im Internet. Auf dass die Brücke immer kürzer wird.
Was Jarzombek euphemistisch als Brückentechnologie bezeichnet, ist de facto ein Brückenkopf. Ein Brückenkopf zur Etablierung einer technischen Infrastruktur, die die Sperrung beliebiger Inhalte ermöglicht. Nicht mehr, nicht weniger.
Im Kampf gegen Missbrauchsdarstellungen im Internet hingegen sind Sperren auf Zugangsebene wenig hilfreich, bzw. sogar kontraproduktiv. Thomas Jarzombek dürfte dies als Mitglied des Unterausschusses Neue Medien und der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft bekannt sein.
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: Englische Wochen der Netzpolitik: JMStV und andere Anhörungen
: Englische Wochen der Netzpolitik: JMStV und andere Anhörungen Sticky: Wer meine Notiztabelle zum JMStV ergänzen kann oder Korrekturen hat:
Bitte in die Kommentare. Mail geht natürlich auch. Danke!Im Vorfeld von Anhörung zum JMStV in nordrhein-westfälischen Landtag (am 04.11.) gab es gestern wohl eine öffentliche Diskussionrunde der SPD-Landtagsfraktion. Details oder Ergebnisse sind mir leider nicht bekannt, werden in den Kommentaren aber dankend entgegengenommen (Nachtrag: Hier ein Bericht von den Jusos. Danke!). Ich verspreche im Gegenzug auch von einem für Dienstag angesetzten Treffen mit Vertretern der Grünen-Fraktion zu berichten – wenn ich darf ‚)
Am Donnerstag steht dann die Anhörung im Landtag an. Erste Stellungnahmen hat Jens vom Pottblog bereits verlinkt, weitere folgen sicher, wenn sich der Landtagswebserver von seinem Schluckauf erholt hat. Die Liste der geladenen Sachverständigen (Stand: 05.10.2010) haben wir aber auch als lokale Kopie (PDF). Die Namen waren ja ohnehin schon bekannt.*
Vorher, am Mittwoch (03.11.), findet eine Anhörung zum gleichen Thema im Landtag von Schleswig-Holstein statt. Mit dabei sind u.a.: Constanze Kurz, Alvar Freude und der Medienpädagoge Jürgen Ertelt. Interessierte Parlamentarierer finden vorab in diesem Beitrag des Landesblogs wichtige Infos & Argumente. Ah, ich sehe gerade, dass Landesblogger Swen Wacker auch als Anzuhörender benannt wurde (PDF). Einen Stream von der Sitzung des Innen- und Rechtsausschusses wird es wohl nicht geben.
Ein Woche später geht es dann auf Bundesebene weiter. Der Rechtsausschuss des Bundestags läd am Mittwoch, dem 10. November, um 14 Uhr zu einer öffentlichen Anhörung ein. Thema wird, wie bereits am Montag vor dem Unterausschuss Neue Medien, das Zugangserschwerungsgesetz sein. Die Liste der Sachverständigen (PDF) ist noch nicht komplett, dürfte es in den nächsten Tagen aber werden.
*Ja, ich weiß, dass Markus in Barcelona ist.
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: Bemüht sich das BKA wirklich ums Löschen?
: Bemüht sich das BKA wirklich ums Löschen? Erst vor zwei Wochen äußerte sich Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem Interview skeptisch darüber, ob 30 Personen beim BKA ausreichen würden, um effektiv Kinderpornographie bekämpfen zu können.
„Das zeigt doch deutlich die Vollzugsprobleme. Wenn sich in Hamburg 1.450 Kripobeamte 50 Rechner mit Internetzugang teilen müssen, wird es schon schwierig mit der Aufklärung. Wenn das BKA nur 30 Experten hat, um gegen Kinderpornografie vorzugehen, ebenfalls.“
Wir waren da auch skeptisch. Heute kommt raus, dass die Zahl von 30 Personen weit übertrieben war. In einer Antwort auf eine Anfrage der Linken-Fraktion erklärt die Bundesregierung, dass gegenüber der Realität 30 Stellen ganz schön großzügig wären, denn ganze 6,3 Planstellen sind beim BKA für die Bekämpfung von Kinderpornographie zuständig. Das erklärt dann wohl so einiges.
Spiegel-Online hat daraufhin die Bundesjustizministerin die Zahlen kommentieren lassen:
„Wer nur sechs Personen für den Schwerpunktbereich ‚Löschen statt Sperren’ einsetzt, darf sich nicht über schlechte Löschergebnisse wundern“, sagt sie SPIEGEL ONLINE.
Gut möglich, dass das BKA die Stellen künstlich begrenzt hält, um nicht zuviele Löschergebnisse innerhalb der Evaluationszeit präsentieren zu müssen. Immerhin möchte man dort immer noch eine Netzzensur-Infrastruktur errichten.
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: Fazit: “Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch im Internet”
: Fazit: “Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch im Internet” Sicherlich hatte BKA-Chef Zierke sich mehr von den Zahlen erhofft, die er als das wissenschaftliches Ergebnis der einjährigen Bemühungen seiner Behörde, dokumentierten Kindesmissbrauch nicht zu sperren, sondern zu löschen, präsentierte. Als reine Zahlen waren sie doch durchaus geeignet, der Debatte eine – wie man so schön sagt – „ergebnisoffene“ Wendung zu geben.
Doch keiner der geladenen Sachverständigen im Unterausschuss neue Medien des Bundestages gab sich mit dem sprichwörtlich vor ihre Füße geworfenen, mehr als dürftigen Excel-Sheet und dem obskuren Scan eines Faxes(?) zufrieden. Innerhalb weniger Minuten war ein Großteil der Kritik sowohl an Erhebung als auch Auswertung genannt, an deren Ende ein Bericht stand, der selbst den statistischen Ansprüchen eines Häkelkurses an der Volkshochschule nicht gerecht wurde.
Peinlich genug war es ohnehin schon gewesen, mit den Daten einen Großteil der von der damaligen Familienministerin von der Leyen behaupteten „Tatsachen“ widerlegen zu müssen, allen Voran mit der Feststellung dass der größte Teil der Angeboten in den USA liegt – einem Land mit durchaus funktionierenden Strafverfolgungsbehörden und aus Sicht der Hardliner kaum zu kritisierendem Rechtssystem.
Doch Zierke ist nicht so dumm, wie es aufgrund seiner gebetsmühlenartigen Wiederholung von Unsinn auf den ersten Blick scheint. Flexibel nutze er die Situation aus, um nahtlos auf sein anderes großes Anliegen hinzuarbeiten: Die verdachtsunabhängige Vorratsdatenspeicherung. Geschickt schaffte er es, egal welche Frage auf dieses Thema umzumünzen.
Ist die unsinnige Sperr-/Lösch-Debatte nun also endlich vom Tisch, so wie es der Sachverständige Lutz Donnerhacke mit seiner Forderung nach der Konzentration auf Strafverfolgung berechtigt forderte? Jein. Man redet nun vom „Sperren bis zum Löschen“ und nutzt die Argumente dagegen als Rückenwind für das nächste große wiederkehrende Thema: die Vorratsdatenspeicherung.
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: Live: „Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch im Internet“
: Live: „Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch im Internet“ Da wir hoffen, dass es von der heutigen Anhörung des Unterausschuss Neue Medien Interessantes und Erfreuliches zu berichten gibt, sind wir vor Ort und machen mal wieder einen Live-Ticker. Die Videoaufzeichnung gibt es erst ab 14:00h. Der Hashtag ist #uanm.
12:39h – @Jimmyschulz macht einen Live-Stream bei Ustream https://ustre.am/bTD4
(Update 14:00h: den zeitversetzten Stream des Bundestags gibt es hier.)12.41h – Ziercke zur Gesamtsituation: Löschen ist seit langem fester Bestandteil der BKA-Strategie, aber bisher immer nur bedingt gelungen. Probleme im Ausland. „in 44% der Fälle NOCH NICHT gelöscht“ (Anm.: In Bericht ist die Rede von „nach einer WOCHE nicht gelöscht“) – Bestrebungen, ein Maximum an Lösch-Initiative zu erreichen. Korrigiert den 44%-Fehler: nach 1 Woche. 48% der Seiten gehostet in USA.
Auch das Ausland hat Probleme, einerseits Strafverfolgung zu betreiben, andererseits überhaupt erstmal den Provider (er meint Hoster) zu finden, weil der häufig verschleiert wird. -
: Warmup zur Anhörung „Kampf gegen Kindesmissbrauch im Internet“ (Update: Stellungnahmen verlinkt)
NCMEC-Unterrichtung über Bande? : Warmup zur Anhörung „Kampf gegen Kindesmissbrauch im Internet“ (Update: Stellungnahmen verlinkt) Heute ist es endlich so weit. Von 12.30 bis 15 Uhr findet die lange erwartete Anhörung des Unterausschusses Neue Medien zum Kampf gegen Kindesmissbrauch im Internet (Tagesordnung, PDF) findet statt. Oder, genauer gesagt, die Anhörung im „Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch im Internet“. Also gegen Kinderpornographie, aber das nennt man jetzt nicht mehr so.
Moment, lang erwartet? Endlich? Nun, auf jeden Fall wird es interessant. Zumindest verspricht dies die Liste der Sachverständigen, die ihren Sachverstand mit dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, und den Ausschussmitgliedern teilen dürfen:
- Sebastian von Bomhard, Space.net AG (schriftliche Stellungnahme, PDF)
- Lutz Donnerhacke, ICANN (schriftliche Stellungnahme, PDF)
- Sabine Frank, Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (schriftliche Stellungnahme, PDF)
- Alvar Freude, Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (schriftliche Stellungnahme, PDF)
- Dr. Bernhard Rohleder, Bundesverband Informationswirtschaft, und neue Medien e.V. (schriftliche Stellungnahme, PDF)
- Friedemann Schindler, Jugendschutz-net (schriftliche Stellungnahme, PDF)
- Thomas Stadler, Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs FoeBud e.V (schriftliche Stellungnahme, PDF)
- Oliver Süme, Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. (schriftliche Stellungnahme, PDF)
Einen Livestream wird es auf der Webseite des Bundestags nicht geben, wohl aber eine zeitverzögerte Aufzeichnung. Sendebeginn: 14:00 Uhr.
Fast noch spannender, als es die Anhörung zu werden verspricht, war allerdings das Geplänkel im Vorfeld.
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: „Tatort Internet“: Fachmeinung vs. Facebook-Hetze
: „Tatort Internet“: Fachmeinung vs. Facebook-Hetze Eines der größten Probleme beim Kampf gegen Kindesmissbrauch ist, dass sich kaum jemand mit dem Thema auskennt, aber fast jeder eine eindeutige Meinung hat. Eine eindeutige Meinung zu haben ist in diesem Kontext nicht weiter schwer, Kindesmissbrauch gehört schließlich zu den abscheulichsten Verbrechen, die unsere Gesellschaft kennt.
Dass das Themenfeld tatsächlich deutlich komplexer ist, als Trash-Formate wie „Tatort Internet“ vermitteln, wird einmal mehr in einem Interview deutlich, das die Berliner Zeitung mit dem Sexualtherapeuten Christoph Joseph Ahlers geführt hat.
Herr Ahlers, Sie betreuen seit Jahren sexualtherapeutisch Pädophile. Was dachten Sie, als sie hörten, RTL2 jagt jetzt „Kinderschänder“?
Der erste Gedanke war: Nichts gelernt! Das Format zeigt nur, wie mühsam es noch immer ist, die gesellschaftliche Auseinandersetzung zu dem Thema auf einer Sachebene am Leben zu halten.
[…] Das Format führt dazu, die Stigmatisierung von Personen fortzuschreiben, die für sexuelle Übergriffe auf Kinder nicht hauptverantwortlich sind. Die Mehrzahl aller sexuellen Übergriffe auf Kinder wird von Personen verübt, die nicht pädophil sind. Das sind nur ein Viertel bis maximal 40 Prozent der Menschen, die sich an Kindern vergreifen. Pädophilie heißt, dass jemand eine Sexualpräferenz hat, die sich auf vorpubertierende Kinder bezieht.
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: Löschen statt Sperren: Monatliche Evaluierungsberichte des BKA
: Löschen statt Sperren: Monatliche Evaluierungsberichte des BKA Nachdem gestern schon eine Excel-Tabelle mit Zahlen verschickt worden, kamen heute im Bundestag auf dem Postweg die Evaluierungsberichte des BKA zu den eigenen Löschbemühungen an (PDF). Sehr ausführlich sind diese auch nicht.
Wer Lust und Zeit hat, kann sich diese mal genauer anschauen und kommentieren.
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: Netzneutralität: Debatte schwenkt wieder in Richtung Meinungsfreiheit
: Netzneutralität: Debatte schwenkt wieder in Richtung Meinungsfreiheit Sowohl in Deutschland als auch in den USA wurde die Debatte zur Netzneutralität zuletzt vornehmlich unter ökonomischen Gesichtspunkten geführt. Das war einerseits notwendig, weil die Termini der Ökonomie politischen Entscheidungsträgern vertrauter sind als die der Freiheit und Demokratie. Und natürlich geht es auch um wirtschaftliche Fragen – für viele Internet-Nutzer vielleicht sogar primär. Andererseits begibt man sich auf dünnes Eis, denn wenn die ökonomische und politische Sprache eines ist, dann euphemistisch und glatt wie ein Aal. Außerdem hält sich das Interesse der Bürger für Fragen der Marktregulation im Allgemeinen in Grenzen.
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: „Tatort Internet“: Vorratsdatenspeicherung und Echzeit-Screening?
: „Tatort Internet“: Vorratsdatenspeicherung und Echzeit-Screening? In einem Interview der Kukksi, einem Nachrichtenportal, das nach laut Projektbeschreibung von „engagierten Schüler und Studenten […] sowie erfahrene Journalisten“ betrieben wird,* spricht RTL2-Chefermittlerin Beate Krafft-Schöning über ihre Motivation:
Politik müsste dringend handeln: Die Vorratsdatensdatenspeicherung, […] wären aus meiner Sicht ganz dringende Punkte, die man seitens der Politik abarbeiten müsste! Grooming muss generell unter Strafe gestellt werden. Und zwar europaweit. […] Hier steht jedoch oft der Datenschutz wenig hilfreich zur Seite, der Kontrollmöglichkeiten in Chats untersagt. Seit dem Fall des Datenvorratsspeicherungs-Gesetzes vor drei Jahren ist es für die Provider noch schwieriger geworden, Kinder- und Jugendschutzmaßnahmen, sprich Kontrollfunktionen in ihren Angeboten zu installieren. Reine Kinderangebote an sich sind ja eher seltener im Internet zu finden.
Leider vergisst Krafft-Schöning zu erwähnen, welche unverzichtbaren „Kontrollmöglichkeiten“ konkret untersagt sein sollen.
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: „Tatort Internet“: Und weiter… (Update: Sendetermine ZDF)
: „Tatort Internet“: Und weiter… (Update: Sendetermine ZDF) Inzwischen stelle ich mir bei jedem Wort, das ich zu „Tatort Internet“ schreibe, die Frage, ob man sich nicht mitschuldig macht, wenn man den Buzz um die Sendung befeuert? Klar ist, es geht den Veranwortlichen um Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit für eine Gesetzesinitiative, bei der es wohl nur am Rand um Kindesmissbrauch im eigentlichen Sinne geht (Ja, natürlich übergeigt Mühlbauer seinen Ansatz mit dem Hinweis auf eine Bertelsmann-Connection, geschenkt …)
Die Verantwortlichen selber sprechen derweil weiter davon, eine „gesellschaftliche Debatte“ angestoßen zu haben. Auch das kann man anders sehen. Zum Beispiel, wie Andrian Kreye in der Süddeutschen:
Im Falle „Tatort Internet“ ist das Problem, dass im Kern der Debatte nun nicht mehr steht, dass Pädophile im Internet nach minderjährigen Opfern suchen. Im Kern stehen nun die Methoden der Fernsehproduktionsfirma, die ähnlich wie eine Bürgerwehr auf eigene Faust und ohne Rücksicht auf rechtsstaatliche Prinzipien auf Verbrecherjagd geht. Eine Debatte darf nicht so geführt werden, dass sie einen zwingt, für oder gegen die Verfolgung von Verbrechen einzutreten.
Kreye spricht bei der Gelegenheit auch gleich noch einen zweiten Punkt an, der für das vorgebliche Ziel, nämlich Kinder schützen zu wollen, nicht ganz unwesentlich ist. Wurden im Zuge der Dreharbeiten nun die zuständigen Ermittlungsbehörden informiert, oder nicht? Auch hier ist die Anwort eher ernüchternd:
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: Studie über die Nutzung von Anti-Zensur-Tools
: Studie über die Nutzung von Anti-Zensur-Tools Forscher des Berkman Center for Internet & Society der Harvard University haben sich mit der Nutzung von Anti-Zensur-Tools auseinandergesetzt. Die Autoren schätzen dass weniger als 3% der Internet-Nutzer in Zensur-Ländern Maßnahmen zur Umgehung der Filter ergreifen.
Untersucht wurden mehrere Möglichkeiten, eine Zensur zu umgehen: Blockade-resistente Tools wie TOR oder Freegate, einfache Web-Proxies wie Superproxy, VPN-Dienste wie Hotspot Shield und HTTP/SOCKS-Proxies, wie sie in großer und ständig wechselnder Fülle existieren.
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: Überflüssige Gesetze: Wie Politiker Sicherheit vorgaukeln
: Überflüssige Gesetze: Wie Politiker Sicherheit vorgaukeln Die Sendung Panorama in der ARD hat gestern Abend einen 8‑Minuten Bericht über „Überflüssige Gesetze: Wie Politiker Sicherheit vorgaukeln“ gesendet. Mit dabei war auch die Zensursula-Debatte featuring das Zugangserschwerungsgesetz, Online-Durchsuchung sowie die aktuelle Vorratsdatenspeicherungs-Debatte. Ein sehr guter Bericht, den man gesehen haben sollte. Aber seht selbst:
Der Kampf gegen Terror oder Kinderpornografie gehört zu den Lieblingsthemen unserer Sicherheitspolitiker. Hiermit können sie sich profilieren, durchgreifen, Reden schwingen. Eilig werden dabei neue Gesetze verfasst oder bestehende verschärft – ob sie wirksam sind oder nicht. Panorama zeigt, welche Blüten es treiben kann, wenn Politiker beim Thema Innere Sicherheit dem Populismus erliegen und der Sachverstand dabei auf der Strecke bleibt.
Das Video gibt es in der ARD-Mediathek oder auf Youtube:
Man kann auch noch was Neues lernen. „Schaufenstergesetz“ kannte ich bisher noch nicht als passendes Wort für aktionistische Politiker, die schnell einfache Lösung für meist vermeintliche Probleme präsentieren. Aber schade, dass die Rolle der Medien in dem Beitrag so wenig hinterfragt wurde.
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: Seehofer für Netzsperren, Guttenberg für härtere Gesetze
: Seehofer für Netzsperren, Guttenberg für härtere Gesetze Kann mir evtl. jemand helfen? Ich habe mein Handbuch für den Seehofer verlegt. Ich verstehe einfach nicht, was mir der bayerische Ministerpräsident sagen will. Monika Ermert schreibt bei Heise:
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich zum Auftakt der Münchner Medientage für Netzsperren ausgesprochen. […] „Die fehlende Koordination und Technik ist keine Legitimation für die Gefährdung unserer Kinder“, sagte der bayerische Regierungschef mit Blick auf die Gegner der Sperren.
Gut, das Zitat mag verkürzt sein, aber wo genau helfen Netzsperren unseren Kindern? Werden Kinder über das Internet missbraucht?
Wobei ja, werden Sie, wie Stephanie zu Guttenberg den sorgsam aufgehetzten Zuschauern bei RTL 2 fachfreifraulich erklären durfte (Hier noch einmal bei Fernsehkritik-TV,* ab 3′40″):