Öffentlichkeit

„Tatort Internet“: Und weiter… (Update: Sendetermine ZDF)

Inzwischen stelle ich mir bei jedem Wort, das ich zu „Tatort Internet“ schreibe, die Frage, ob man sich nicht mitschuldig macht, wenn man den Buzz um die Sendung befeuert? Klar ist, es geht den Veranwortlichen um Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit für eine Gesetzesinitiative, bei der es wohl nur am Rand um Kindesmissbrauch im eigentlichen Sinne geht (Ja, natürlich übergeigt Mühlbauer seinen Ansatz mit dem Hinweis auf eine Bertelsmann-Connection, geschenkt …)


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Die Verantwortlichen selber sprechen derweil weiter davon, eine „gesellschaftliche Debatte“ angestoßen zu haben. Auch das kann man anders sehen. Zum Beispiel, wie Andrian Kreye in der Süddeutschen:

Im Falle „Tatort Internet“ ist das Problem, dass im Kern der Debatte nun nicht mehr steht, dass Pädophile im Internet nach minderjährigen Opfern suchen. Im Kern stehen nun die Methoden der Fernsehproduktionsfirma, die ähnlich wie eine Bürgerwehr auf eigene Faust und ohne Rücksicht auf rechtsstaatliche Prinzipien auf Verbrecherjagd geht. Eine Debatte darf nicht so geführt werden, dass sie einen zwingt, für oder gegen die Verfolgung von Verbrechen einzutreten.

Kreye spricht bei der Gelegenheit auch gleich noch einen zweiten Punkt an, der für das vorgebliche Ziel, nämlich Kinder schützen zu wollen, nicht ganz unwesentlich ist. Wurden im Zuge der Dreharbeiten nun die zuständigen Ermittlungsbehörden informiert, oder nicht? Auch hier ist die Anwort eher ernüchternd:

Im Gegensatz zu ihren US-Kollegen, die stets mit Polizei und Behörden kooperierten und die Verdächtigen verhaften ließen, haben die Sendungsmacher in Deutschland die in die Falle getappten potenziellen Kinderschänder nämlich wieder laufen lassen.

Eine Bestätigung für die Nichtweitergabe der „Rechercheergebnisse“ durch RTL2 oder die Produktionsfirma gibt es bei Welt Online:

Der Vorsitzende des Diözesancaritasverbandes Würzburg, Clemens Bieber, forderte die Absetzung des Formats „Tatort Internet“. Er sei überzeugt, dass die Sendung nicht dazu diene, „Täter zur Strecke zu bringen und Kinder zu schützen“ […]

Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Würzburg gegen den Mann wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Grundlage dafür sei eine Mitteilung der Caritas gewesen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Dietrich Geuder. Der Sender selbst habe die Ermittlungsbehörde in Würzburg nicht unterrichtet.

Bedeutet wohl: Entweder reichte es nicht für eine strafrechtliche Verfolgung der „Sex-Ekel“ oder es gab bei der Produktion andere Prioritäten. Aber gut, für solche Fälle stehen ja immer noch die Bild und Vorbilder wie Til Schweiger* bereit (Bitte nicht auf nüchternem Magen lesen).

Über einen guten Magen sollte man auch verfügen, wenn man diese aktuelle Pressemitteilung von RTL2 liest. Wobei, vielleicht haben wir dem gesellschaftlich engagiertesten aller deutschen Sender einfach Unrecht getan? Schließlich stellt RTL2 im Web „umfangreiche Informationen“ zur Verfügung …

so zum Beispiel „Tipps zum sicheren Surfen“, Antworten auf „häufig gestellte Fragen“, „Zahlen und Fakten zum Thema sexueller Missbrauch“, sowie Hilfe-Kontakte für Betroffene.

Ok, eigentlich sind es eher ein paar Textbausteine mit Werbung für „Innocence in Danger“ und der Hinweis auf eine kostenpflichtige Hotline, die von einen Verein betrieben wird, der von „Innocence in Danger“ unterstützt wird.

Egal, immerhin bewirbt RTL2 im Umfeld der Sendung ja nicht nur Xavier Naidoos neue CD produziert RTL2 nun auch Aufklärungs-DVDs für Schulen! Kaum zu glauben, aber selbst Medienwissenschaftler und der Bund Deutscher Kriminalbeamter loben das Konzept. Und ja, natürlich ist der lobende Medienwissenschaftler kein geringerer der unvermeidliche Jo Groebel.

In wenigen Minuten wird auf RTL2 die nächste Folge von „Tatort Internet“ ausgestrahlt.

Update: Und wo wir nun doch beim Thema sind: Das ZDF legt ein paar Stunden später nach. Heute um 00:15 Uhr und damit quasi zur besten Sendezeit, mit dem kleinen Fernsehspiel „Die Entgleisten“:

Sexueller Missbrauch geschieht am häufigsten innerhalb von Familien. Wie wird dort miteinander umgegangen, wenn eine solche Tat geschehen ist oder dies im Raum steht? Ein Film darüber, wie wichtig und schwierig es ist, das Schweigen zu brechen.

Seit einigen Jahren genießen Missbrauchsdelikte an Kindern hohe Aufmerksamkeit vor allem durch boulevardnahen Journalismus. Attraktiv scheint dabei der Grusel, der vom irgendwo im gefährlichen Draußen lauernden Triebtäter ausgeht. Wenn aber die Statistik ausweist, dass neun von zehn Missbrauchstaten weder von Soziopathen noch von Pädophilen begangen werden: wer begeht sie dann?

Deutlich reisserischer klingt die Ankündigung der Dokumentation „Missbrauch per Mausklick“ morgen Nacht:

Die Zahlen über Kinderpornografie im Internet sind erschreckend. Jeden Tag suchen zirka 350 000 „User“ online ihren perversen Kick. 80 Prozent der Kinder, deren Fotos und Videos im Internet kursieren, sind jünger als zehn Jahre. Die Opfer leiden auch Jahre später noch an den Folgen des sexuellen Missbrauchs. ZDF-Autor Michael Heuer zeigt in seiner 45-minütigen Dokumentation „Missbrauch per Mausklick“ am Mittwoch, 20. Oktober 2010, 0.35 Uhr, wie Ermittler versuchen, den Tätern auf die Spur zu kommen. […]

*Achja, das Buchprojekt von Jörg Tauss. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich erst gestern davon erfahren habe. Wie auch immer: Interessante Idee, generell sicher unterstützenswert, aber selten unglücklicher Zeitpunkt.

34 Kommentare
  1. Also bei dem Text zum Herrn Jo Groebel. musste ich doch etwas lachen. was für ein „Spaßvogel“.

    Holger Kreymeier von fernsehritik.tv hat ganz interessantes in den Raum gestellt.
    Ein Auszug:
    „Erstaunlich übrigens, dass aus den etablierten Parteien hierzu kaum Stellungnahmen zu bekommen sind. Erstens möchte die Politik wohl nicht den Eindruck erwecken, eine Forderung nach einem Verbot könne zugleich die Jagd auf Kinderschänder relativieren. Zweitens scheint es ja ein Interesse daran zu geben, das Internet als Hort des Bösen zu stigmatisieren (Stichwort “Zensursula”).“

    Wohl wahr!!

    Und was wird diese Aufklärungs-DVD enthalten? Beispiele? Tipps für den richtigen Umgang um & mit dem Internet?
    Was für eine tolle Prävention..

  2. Könnte jemand vielleicht eine der angebotenen „Aufklärungs-DVDs“ bestellen und dann für Interessierte zu einem Torrent verwursten/bei Youtube hochladen — es ist ja zu erwarten, dass man sich auch damit nochmal auseinandersetzen muss, wenn das Lehrer Kindern zeigen sollen.

  3. ich glaube ,ich habe einen aus der heutigen folge enttarnt.ich nenne aber keinen nick und keinen real namen.und ich werde keine links setzen.

    wenn ich den richtigen gefunden habe,war es nicht schwer und wir werden morgen über einen nächsten enttarnten im netz lesen.denn ich glaube,ich bin nicht der einzige,der einfach mal so recherchiert hat.

  4. Ich frage mich ja ernsthaft, in welche Richtung die Debatte abgleiten wird, wenn sich einer der Verdächtigen wirklich mal die Kugel gibt… immerhin gilt der „61jährige Jugenddorf-Leiter“ seit Tagen als vermisst.

    Wird der Pöbel dann weiter schreien „Richtig so!“, oder wird man endlich mal auf breiter Front innehalten, die eigenen Lynchjustiz-Gelüste hinterfragen und auch die Macher dieser Sendung dazu bewegen, darüber nachzudenken was für ein Schindluder sie treiben im Namen einer unumstritten nach wie vor ehrenhaften Sache? Um es nochmal zu sagen – Kinder vor Erwachsenen zu schützen die sexuelle Kontakte mit ihnen suchen ist kein Ansinnen das man ernsthaft in Frage stellen kann. Aber wenn man dies in so einer Trash-Manier tut wie „Porno-Steffi“ auf RTL2, dann hilft das keinem einzigen Kind… nicht mal dem einen Kind das immer beschworen wird als Teil der „wenn es nur einem Kind hilft…“-Rhetorik.

    Sollte sich also einer der „aufgedeckten“ Verdächtigen wirklich was antun, dann hätte Frau Guttenberg der „Sache Kinderschutz“ einen kolossalen Bärendienst erwiesen, und einen Flurschaden angerichtet, der so schnell nicht wieder gutzumachen sein wird.

  5. Ich denke, unsere Politiker sind sich seit jahren sicher dass das Internet der Ort ist wo die meisten Straftaten verübt werden und rtl2 geht es nicht um die Täter sondern nur um die Einschalthöhe . Man müsste sich überlegen auch mal neue Gesetze in richtung StGB zu machen und sich dann auf das Internet Strafrecht konzentrieren

  6. @ooohman: Stimmt, sonderlich schwer haben es RTL2 und diwafilm engagierten „Bürger-Ermittlern“ (Ob die Bild die Idee aufgreift?) auch heute wieder nicht gemacht. So langsam scheint mir eine Identifikation nicht nur billigend in Kauf genommen zu werden.

    @Jens: Ich weiß von Parteiexperten, deren Statements zwar aufgenommen, bisher aber nicht gesendet wurden. Von der Produktionsfirma haben sie auch nichts mehr gehört.

    Die Aussagen passten wohl nicht zur Kampagne (Selbst de Maizière kam mir recht dilletantisch eingekürzt vor). Aber gut, nach journalistischen Maßstäben sollte man die Produktion von diwafilm und RTL2 ohnehin nicht werten.

  7. @Andreas: Frau zu Guttenberg (Begriffe wie “Porno-Steffi” finde ich nicht zielführend) ist ja erstmal abgetaucht und überlässt das Tagesgeschäft wie gehabt den Damen von Weiler und Krafft-Schöning.

    Gerade Krafft-Schönings Mitteilungen haben dabei fast schon etwas surreales:

    Im Vergleich zu Reaktionen nach anderen Sendungen mit gleichem Inhalt (Stern TV, Spiegel TV, RTL Explosiv oder Welt der Wunder – alle inklusive Konfrontationen!) sind die negativen Reaktionen völlig unterrepräsentiert. Zu 90 % bekommt Krafft-Schöning für ihre Vorgehensweise Zuspruch, Dank, Hilfsangebote und Zustimmung – und das sogar von bekennenden Pädophilen, die die Vorgehensweise pädokriminellen Täter allgemein ablehnen. Das ist neu.

    Das ist nicht nur neu, sondern auch ein Widerspruch zu den angeblichen Morddrohungen, die Produzentin Danuta Harrich-Zandberg letztens in Stellung brachte.

    Moderatorin und Produzentin(!) werden bedroht, während der Inquisitorin die Pädos um den Hals fallen? Lasst uns auf die Knie sinken, ein Wunder ist geschehen!

    Bis zum ersten Opfer hingegen, befürchte ich, dauert es nicht mehr lange.

  8. Mensch Markus!
    Solltest Dir grundsätzlich mal Gedanken machen. Ob dat alles hier so jut ist. Zugriffszahlen sind dat eine. Inhalte dat andere. Du näherst Dich ümmer mehr dem „Goldenen Blatt“ an. Dat kenne ich noch anders. Nachdenken.
    MfG Marcus

  9. Wen es wenigstens etwas nützen würde, aber diese Sendung ist nur eine Werbesendung für die ungehemmte Vorratsdatenspeicherung. UndDiese wird dann nicht gegen die Schweine von Kinderschändern benutzt, sondern gegen uns Bürger, vorallem gegen kritische.

  10. Man braucht sich nicht wundern über Leute, die keine Ahnung vom Thema haben und sich ernsthaft einbilden, die saubere Frau Guttenberg wäre unser aller Heilsbringerin, wenn Kai Diekmann und seine Propaganda-Maschinerie in der Bild-Zeitung täglich so eine perverse Gehirnwäsche mit naiven Lesern betreibt und nicht nur alle Tatsachen verschweigt, sondern auch vor Falschmeldungen nicht zurückschreckt. Die Bild will offenbar mit allen Mitteln die Guttenbergs ins Kanzleramt schreiben, da schreckt man auch nicht vor miesen Methoden zurück:
    http://www.bildblog.de/23604/bravo-stephanie-zu-guttenberg/

  11. OK, mal was für „Menschen ab 40“: Kennt noch wer die Spielshow Dalli-Dalli?

    Da gab es Dalli-Klick: Ein Prominenter musste erraten werden. Zunächst war der Bildschirm schwarz. Mit jedem „Klick“, der so alle 15 Sekunden kam, wurde ein weiterer Bildausschnitt des Fotos eingeblendet. Mit der Zeit war immer mehr vom Prominenten zu erkennen. Je eher nun die Kandidaten ihren Buzzer betätigten, desto mehr Punkte gab es, wenn der Prominente dann richtig erraten wurde.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ganz fatal, aber „Tatort Internet“ und der Kommentar #5 oben hat mich an Dalli-Klick erinnert. „Wer enttarnt den Pädo?“ Neuer Bürgersport, neue Montags-Abends-Unterhaltung. Wir haben ihn gut getarnt, den Abartigen, aber auch heute wieder nicht gut genug. Also schmeißt google an, Leute, durchstöbert Facebook, weg von der Glotze, rein ins böse Netz, sucht den Perversen, geht auf Jagd!

    Das kann es doch nicht sein! Sacht mal, wie weit wollen die Medien eigentlich noch gehen? Ich kann wirklich nur den Kopf schütteln, das macht mich eher traurig, als zornig. Wir werden allmählich zu einer Gesellschaft, in der wirklich jeder Zweck die Mittel heilt. Das widerspricht dem Gedanken der Aufklärung, das ist rückschrittlich, das ist … zum Tränen kotzen.

  12. Apropos Morddrohungen und Beschimpfungen (#10), mit denen Bild und Harrich-Zandberg zufolge (http://kuerzer.de/gRejq1szq) die N.I.N.A.-Hotline nach Ausstrahlung der ersten Folge angeblich für fast 24 Stunden lahmgelegt wurde: Farlion hat einfach mal bei N.I.N.A. angerufen und nachgefragt. Mit interessantem Ergebnis, siehe http://farlion.com/archives/195-Synonym-fuer-Doppelmoral-Stephanie-zu-Guttenberg.html

    Interessant fand ich in der heutigen Folge ansonsten eine Bemerkung des Homosexuellen mit den 5 Handys, als er auf seine vielfältigen sonstigen Kontakte angesprochen wurde. Aus dem Gedächtnis paraphrasiert, sinngemäß: Bei anderen Jungs ist es nie zu einem Treffen gekommen. Ich war heute total erstaunt, dass die Adresse stimmte, und dann hat er auch noch aufgemacht. Das hatte ich vorher nie!

    Tja, die Diskrepanz zwischen Traum und Tat, Phantasie und Realität kann so erheblich sein. Bei Möchtegern-Boylovern ebenso wie bei den ProduzentInnen „innovativ-investigativer“ Trash-TV-Formate …

  13. Ich habe gerade einen Fetzen der heutigen Sendung auf youtube gesehen. Stelle mir folgende Fragen:
    – Die Schauspieler bekommen die Chatlogs zu sehen und es wurden sogar Vertrauenslehrer mit bei einer Konfrontation mitgenommen.

    Ist das nicht Verbreitung von Kinderpornographie? Sowie ein weiterer Verstoss gegen den Datenschutz? Nun nimmt BKS sogar schon ihre Kursteilnehmer mit zu Vorführungen.

    Ich würde es mir allerdings verbeten dass die tollen Reporter und der Kleiderschrank vom Dienst – ähm Sicherheitsmann mein Auto sehen. Wieder haben wir ein rechtliches Problem.

  14. @sdu: „jetzt machen wir im Handy des Mannes eine interessante Entdeckung…“

    Ich würde mir von niemanden mein Handy abnehmen lassen und die Nachrichten lesen lassen. Die ganzen Leute die in der Wohnung sind lesen die Handies aus, lesen die Namen vor, das Alter usw.

    „und ich hoffe für Sie, dass wir nichts mehr finden…“

    Und wieder der Hinweis auf die Ermittlungsbehörden erwähnt… zum kotzen

  15. @sdu: Bemerkenswert auch, wie der „schüchterne 13-Jährige“, der so gar nichts von einem schüchternen 13-Jährigen hatte, das Gespräch gezielt in die vom potentiellen Täter erhoffte Richtung lenkte. Da konnte noch manche Nutte das Kobern lernen.

  16. Es erstaunt mich immer wieder, wie viele hier immer noch der Glotze huldigen. Wieso schaut Ihr euch den Mist überhaupt an? Dachtet Ihr daß es den Verantwortlichen auch nur im Entferntesten juckt, daß Ihr ihnen eine schlechte Presse / Kritik verpasst? Schlechte Presse ist gute Presse, wenn es um Einschaltquoten geht!!! Also Glotze aus und entsorgen. Keine Einschaltquoten, keine Sendung!

    Glaubt hier einer das dieses(Klagen/Jammern/ Zeter und Mordio) der Aufklärung dienlich ist?

    Man sorgt nur damit, daß die Schwerzgrenze des Erträglichen auf 0 gesetzt wird.

    Kindesmissbrauch gibt es seid es Zivilisationen gibt, seid dem alten Babylon + Ägypten. Man sollte sich mal darüber gedanken machen warum es sowas gibt!!

    Ein Stichpunkt zum Denken: UNSCHULD / REINHEIT

    Dann wisst Ihr auch warum es Pädophilie gibt.

  17. @Ti Amat: Wenn wir deine Thesen von Babylon, Unschuld und Reinheit mal aussen vor lassen: Es ist völlig unerheblich, ob Besserschauer wie du und ich nicht RTL2 schauen. Die Quote ist und war in Zusammenhang mit „Tatort Internet“ von Anfang an irrelevant.

    „Innocence in Danger“ ist es mit Hilfe von RTL2 und dank tatkräftiger Unterstützung von Stern und Bild gelungen, eine vergiftete Kampagne in die Gesellschaft zu tragen. Man kann sich nun der Debatte stellen, oder man kann das Feld den Hetzern und Demagogen überlassen.

  18. (Ja, natürlich übergeigt Mühlbauer seinen Ansatz mit dem Hinweis auf eine Bertelsmann-Connection, geschenkt …)

    Na ja, die Motive sind sicher vielfältig. Charity-Lady Pornosteffi-Barbie will sich und ihren Gatten ins rechte, populistische Licht rücken, sich profilieren.

    Und die Rechteindustrie will zweifelsfrei das Netz kontrollieren, kleine aufstrebende Unternehmen ausschalten und ungenehme Inhalte sperren. Die Zensursulapläne stammten damals aus dem Wirtschafts- und Innenministerium. Sie wurden Zensursula hingeworfen, die sie dankbar aufnahm, um sich im Bundestagswahlkampf 2009 profilieren zu können, wie Schäuble nach der Wahl freimütig einräumte.

    Was also erhofft sich das Innenministerium und der Polizeiapparat? Informations- und Kommunikationskontrolle. Missbrauchte Kinder sind nur das Vehikel mittels dessen ganz andere Ziele verfolgt werden.

    Aber die mächtigste Lobby in diesem widerlichen Missbrauchsspiel sind natürlich die Rechteverwerter: Musiklabels wie Warner, Sony, Buch- und Zeitungsverlage, natürlich auch der globale Verlagskrake Bertelsmann, private Fernsehsender wie ProSieben und RTL. Es ist ein Kampf der alten Gatekeeper um die Meinungs- und Inhaltehoheit in Digitalien. Und dafür ist kein Mittel zu schmutzig.

    Um Schutz und Hilfe für (missbrauchte) Kinder geht und ging es dabei nie, denn Netzsperren schützen die Täter, nicht die Kinder. Sie sind nur ein Zwischenschritt, um eine effektive Zensurinfrastruktur aufzubauen, wie Mühlbauer richtig darstellt.

  19. @Ti Amat
    Die Einschaltquoten werden nur von einigen wenigen gemessen.
    Wenn du dieses Messgerät nicht besitzt, wird dein Einschalten auch nicht gemessen. Dann ist es auch unerheblich, ob du deine Glotze wegwirfst oder nicht.

  20. Ist doch Toll – die Justiz wird entlastet, der vermeintliche Täter bereits bei Ausstrahlung der Sendung verurteilt – es gibt doch nur Gewinner…

    *kopfschüttel*

    Alle Beteiligten sollten sich tunlichst mal unsere Gesetzesbücher genauer ansehen – dann werden vielleicht ein paar Menschen die wahren Täter und Opferrollen bei der Sendung bewusst.

    In der Schweiz sind Sie offenbar viel weiter mit der Diskussion. Da wird ja schon darüber diskutiert ob verdeckte Ermittler zu Straftaten verlocken dürfen – von Journalisten ist da gar keine Rede.

    „Gelegenheit macht Diebe“

    Wenn wirklich so viele sexuelle Straftaten im Netz vonstatten gehen, dann muss es jawohl möglich sein diese bei frischer Tat zu ertappen und nicht erst zu fingieren. Erinnert mich irgendwie an Aufwiegler in Demonstrantenreihen: „Die haben ja auch mit Steinen geworfen…“

    Vielleicht wäre ja ein Kompromiss, wenn man solche Methoden zu nutzen um eventuell solche geächteten sexuellen Neigungen zu entdecken und dem Patienten entsprechende ärztliche Hilfestellungen zu geben – aber bestimmt nicht vor laufender Kamera zur Unterhaltung irgendwelcher Gaffer.

  21. @Jörg-Olaf Schäfers: selbstverständlich ist „Pornosteffi“ zielführend, so wie es „Zensursula“ auch war. Man kann nicht erst bigott auf einem Thema herumreiten und sich dann wundern wenn man damit in Verbindung gebracht wird. Das ganze ist eine Kampagne und Kampagnen leben von griffigen Begriffen (drum macht sie das ja) – das gilt in beide Richtungen. Und manchmal ist es eben wie im Zauberberg, die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht los (oder so).

  22. @jos:

    wenn ich einerseits Opfer nicht verpixele, andererseits höchstens verpixele, aber so viele Einzelheiten über den Verpixelten herausgebe, dass er mühelos gefunden werden kann, dann ist dies meiner Meinung nach sehr deutlich.

    Wir haben also:
    a) jemanden, der meint, die „Täter“ (Ich schreibe von jetzt an nur noch T, damit ist „Täter“ gemeint, ist mir sonst zu nervig) müssen bestraft werden, das Gesetz gibt aber nichts her
    b) jemanden, der T anlockt
    c) jemanden, der T aber nirgends meldet weil er genau weiß, dass er damit auf die Klappe fallen würde (Persönlichkeitsrechte)
    d) nichts über T an die Strafverfolger weitergibt weil er die Persönlichkeitsrechte höher bewertet, wohingegen er im Fernsehen vollmundig mitteilt, dass die Informationen _sofort an die Polizei gingen_
    e) T zwar verpixelt, aber sich bemüht, eine Menge Namen (Screens – siehe kindersindtabu), Einzelheiten usw. usf. zu nennen.
    f) nachweislich vorher Fernsehzeitschriften falsch informiert damit ausgewählte Zeitschriften umso größere Werbung machen können
    g) die Sendungen auch noch online stellt zum Nachschauen

    Die Vermutung, dass gerade RTL2, die sich schon einmal wegen ähnlichem Fall Schadensersatz einfingen, eine seit Jahren ähnlich tätige Journalistin und ein ehemaliger Innensenator allesamt nicht wissen, was sie tun, wenn sie jemanden so zum Abschuss freigeben, ist meiner Meinung nach schon sehr abwegig

    Oh, und nicht zu vergessen: in den USA ging das Format offline nach einem Selbstmord, es ist also durchaus anzunehmen, dass die Damen und Herren, die monatelang ja „andere Sender für das Thema begeistern wollten“ (welche Sender weiß man nicht, Anfragen bleiben unbeantwortet), nicht mal geschaut haben, was das amerikanische Vorbild da verbockt hat.

  23. Man sollte wirklich eine Riesenkampagne *AK-Bildung u. Medienkompetenz* im Netz generieren. Diese Volksverdummung und Politikerlügen -seit über 30 Jahren wird gepredigt wie wichtig Bildung ist, wirklich investiert wird hier (Vorsatz ?!?) nicht- sind nicht mehr zu ertragen. Da werden Milliarden Bürgschaften und Zahlungen plötzlich locker gemacht, für Leute, die Billionen verzockt haben, aber die Ausgaben und Qualität unseres Bildungssys. sinkt u. sinkt und die, zu dummen Konsumenten degradierte (erzogene) Masse lässt sich immer leichter verdummen und vor den Karren spannen.

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