Zensur
-
: Aus für Internetsperren: Ein Schritt vor, zwei zurück?
: Aus für Internetsperren: Ein Schritt vor, zwei zurück? Ich finde den Nachrichtenwert der Meldung, das Kabinett in Berlin habe das „Aus für Internetsperren“ beschlossen, persönlich ja eher gering, den ein oder anderen Leser wird es aber sicher interessieren, was z.B. Heise Online schreibt:
Die Bundesregierung will die umstrittenen Internet-Sperren gegen Kinderpornos kippen. Das Kabinett brachte am Mittwoch in Berlin laut dpa Eckpunkte für ein Gesetz auf den Weg, mit dem das bisherige Zungangserschwerungsgesetz aufgehoben werden soll. Künftig sollen Kinderpornos gelöscht werden. Zudem beschloss das Kabinett Eckpunkte für eine Visa-Warndatei, mit der künftig Visa-Missbrauch bekämpft werden soll. Auf beides hatten sich die Spitzen von Union und FDP in der vergangenen Woche bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel verständigt. […]
D.h. das „Aus für Internetsperren“ ist zunächst einmal nur ein Regierungsbeschluss, bzw. eine mehr oder weniger formelle Absichtserklärung, ein Gesetz zur Aufhebung des „Zugangserschwerungsgesetzes“ zu formulieren und im Parlament (Bundestag) einzubringen. Erst, wenn dieses (Aufhebungs-)Gesetz das Parlament durchlaufen hat, können wir wirklich von einem „Aus für Internetsperren“ sprechen.
Wobei, nein, können wir leider nicht! Netzsperren drohen derzeit bekanntlich ja noch an anderen Fronten. Während es auf EU-Ebene derzeit gar nicht schlecht aussieht (Der aktuelle Verhandlungstext fordert keine verpflichtenden Netzsperren, auch wenn im Rahmen des CIRCAMP-Projektes parallel und mit deutscher Beteiligung entsprechende Datenbanken aufgebaut werden), zeichnet sich mit dem Glücksspielstaatsvertrag („GlüStV“, bitte merken! ‚) ein neues Problemfeld auf Länderebene ab.
Beim Glücksspielstaatsvertrag ist es im Grunde wie beim JMStV im letzten Jahr. Im Gegensatz zum Zugangserschwerungsgesetz, das eine übergreifende technische Infrastruktur inkl. zentraler Sperrliste (DNS-Sperren, evtl. auch ein Zonenmodell, wie es Paul Vixie vorgeschlagen hat) etabliert hätte, handelt es sich bei Sperren nach dem GlüStV bzw. JMStV um ordnungsrechtliche Einzelfallentscheidungen (bzw. Verwaltungsakte). Oder eben um eine „ultima ratio“, also die letzte aller denkbaren Optionen, falls jemand die Neusprechvariante bevorzugt.
Oder, noch anders gesagt, ich glaube nicht so recht, dass sich über Sperrverfügungen das halbe Internet wegsperren lässt, wie es offenbar selbst Protagonisten des Entwurfs hoffen:
Man werde dafür sorgen, dass die Internetdienste unerlaubte Angebote sperrten, und man werde den elektronischen Zahlungsverkehr zu den betreffenden Firmen unterbrechen. „Das Geschäft der von uns zugelassenen Gesellschaften wird geschützt“, verspricht Robra. Auf diese Weise könne man 90 Prozent des Schwarzmarktes austrocknen, glaubt der Staatskanzleichef. (Quelle: Printausgabe der SZ, 8.4.2011, via „Digitale Linke“)
Sollten die Ordnungsbehörden tatsächlich versuchen, das Angebot großflächig mit Sperrverfügungen zur regulieren, hätten wir eine – wohl auch verfassungsrechtlich – spannende Debatte. Bei der werden sicher auch wieder die Zugangsprovider mitspielen, die beim (bzw. vor dem) Zugangserschwerungsgesetz eingeknickt sind. Es dürfte fraglich sein, ob die Politik diese Debatte – gerade nach den Erfahrungen mit dem JMStV (die Möglichkeit, im Zuge des Medienschutzes Sperrverfügungen auszusprechen, besteht unabhängig von der gescheiterten Novellierung!) – führen möchte.
Bevor Missverständnisse aufkommen: Das macht Netzsperren bzw. eine „Zensur“ im Einzelfall natürlich nicht besser. Sperrverfügungen sind als ordnungsrechtliche Maßnahme aber schlicht eine andere Qualität bzw. ein anderer Level als das Zugangserschwerungsgesetz.
Wie auch immer, es gibt es dieses Jahr noch einiges zu tun.
Update, 13.04.: Siehe auch Torsten Kleinz bei Hyperland:* „Netzsperren noch nicht vom Tisch“
*Disclosure: „Hyperland“ wird von Blinkenlichten für das ZDF produziert. Während ich hier bei Netzpolitik mehr oder weniger als Gast schreiben darf (von mir aus auch als Ehrengast oder der Typ, der nicht nach Hause gehen wollte, als die Party vorbei war), verdiene ich dort einen Teil meiner Miete.
Nur falls sich jemand über das Interview mit Markus zur „Digitalen Gesellschaft“ wundert. Die „Digitale Gesellschaft“ ist – ebenso wie Netzpolitik.org – ein Projekt von
Newthinking Communicationsvon Markus, mit dem ich ansonsten aber nichts zu tun habe. Bis Freitag/zur Anfrage, ob ich für Hyperland etwas schreiben wolle, wusste ich über die „dg“ nicht viel mehr als den Projektnamen.Im Interview selber findet man ein Antworten auf Fragen, die die geschätzten Kollegen bis zu meiner Deadline am Dienstag schlicht nicht gestellt hatten. „PR“ geht anders, das ist auch nicht mein Ding.
-
: AK Zensur appelliert an SPD und GRÜNE: Absage an Netzsperren in Koalitionsvertrag aufnehmen!
: AK Zensur appelliert an SPD und GRÜNE: Absage an Netzsperren in Koalitionsvertrag aufnehmen! Für die laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Bündnis ’90/Die Grünen und der SPD in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hat der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) an beide Parteien appelliert, sich in ihrem Koalitionsvertrag klar gegen Internetsperren und Zensur auszusprechen und den Weg für eine moderne Netzpolitik auf Landesebene zu ebnen.
„Der Regierungswechsel in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bietet die Chance, neue Akzente in der Netzpolitik des Landes zu setzen. Der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) möchte Sie dabei darin bestärken, die auf Bundesebene bei GRÜNEN und SPD diesbezüglich erreichten Fortschritte auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fortzuführen. Wir bitten Sie daher, die Ablehnung von Netzsperren und Zensur ausdrücklich in Ihren Koalitionsvertrag aufzunehmen.Mit den Stimmen oder auf Initiative Ihrer Landesregierung darf es keinen Aufbau einer Zensur-Infrastruktur geben!Denn egal, ob es mit dem Kampf gegen Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern („Kinderpornographie“), illegalem Glücksspiel oder zur Stärkung von Urheberrechten begründet wird oder ob andere Ziele verfolgt werden: Das Aufstellen von „Stopp-Schildern“, „Legalitätsweichen“ oder gar die „Blockade“ des Transports von Datenpaketen bedeutet zwangsläufig immer den Aufbau einer technischen Kontrollinfrastruktur, die ein hohes Missbrauchspotential trägt. Gleiches gilt für die Versendung von „Warn-Hinweisen“. Unter veränderten politischen Vorzeichen können diese Infrastruktur und Maßnahmen sofort für Zensur und Meinungskontrolle im Internet verwendet werden. Diese Technik lässt sich niemals hinreichend sicher auf das ursprüngliche politische Ziel begrenzen.“ heißt es in dem heute veröffentlichen Schreiben an die Verhandlungsführer beider Parteien.Dabei sei es auch unerheblich, aus welchen Gründen eine Zensur-Infrastruktur aufgebaut werden solle und ob dies auf Basis eines Gesetzes wie dem Zugangserschwerungsgesetz, dem derzeit diskutierten Glücksspiel-Staatsvertrag, dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag oder mittels einer mehr oder weniger „freiwilligen“ Verpflichtung geschehe. „Zensur darf in einem demokratischen Rechtsstaat niemals ein geeignetes Mittel zur Erreichung selbst von legitimen Zielen sein“ so Alvar Freude zur Begründung im Auftrag des Arbeitskreises.„Eine technische Zensur-Infrastruktur ist ein Instrument mit bedrohlicher Wirkung auf die Meinungs- und Informationsfreiheit. Das gilt umso mehr, als dass mit Sperren lediglich eine symbolische Wirkung erzielt werden kann und zwar unabhängig davon, mit welcher Intention diese ursprünglich eingerichtet wurden. Probleme müssenimmer an der Wurzel angegangen werden. Technik und technische Eingriffe können keine Lösung für soziale Probleme sein. Kontrollierende und inhaltlich wertende Eingriffe in eine technologisch neutrale Infrastruktur sind eine Gefahr für den freiheitlichen Rechtsstaat.“Die Koalitionäre von SPD und GRÜNEN werden daher aufgefordert, sich im Koalitionsvertrag verbindlich darauf zu verständigen, dass die Errichtung einer solchen Infrastruktur – egal mit welcher Begründung – von der neuen Landesregierung nicht gefordert, befördert oder unterstützt wird.http://ak-zensur.de/2011/04/ak-zensur-appelliert-an-spd-und-grune-absage-an-netzsperren-in-koalitionsvertrag-aufnehmen.html -
: Netzsperren durch neuen Glücksspielstaatsvertrag?
: Netzsperren durch neuen Glücksspielstaatsvertrag? Gemeinsame Presseerklärung von AK-Zensur und Chaos Computer Club: Arbeitskreis gegen Internetsperren und Chaos Computer Club warnen vor dem Einschleppen von Netzsperren durch neuen Glücksspielstaatsvertrag.
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) und der Chaos Computer Club (CCC) warnen vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag, der zur Zeit abseits der Öffentlichkeit verhandelt wird. Der dem CCC zugespielte Entwurf des Staatsvertrages macht deutlich, dass die Ministerpräsidenten der Bundesländer erneut über die Einführung von Internetsperren nachdenken. Der Arbeitskreis fordert die Ministerpräsidenten der Länder auf, umgehend den Stand der Verhandlungen offenzulegen und die Zivilgesellschaft zu beteiligen.
„Wir erleben hier einen weiteren Versuch, eine Zensurinfrastruktur in Deutschland aufzubauen. Diesmal kommt er unter dem Deckmäntelchen der Prävention von Glücksspielsucht, wahrscheinlicher ist jedoch die Furcht vor Steuereinnahmeverlusten durch ausländische Glücksspielseiten“, erklärt Benjamin Stöcker, Mitglied im AK Zensur. „Damit wird dem freien Zugang zu Informationen im Netz der Kampf angesagt. Dabei dachten wir, die Politik hätte aus den Debakeln beim Jugendmedienschutzstaatsvertrag und dem Zugangserschwerungsgesetz gelernt.“
-
: Tagesschau: Große Zustimmung für Ende der Internetsperren
: Tagesschau: Große Zustimmung für Ende der Internetsperren Die Tagesschau hat heute prominent über das Ende des Zugangserschwerungsgesetz direkt am Anfang berichtet: Große Zustimmung für Ende der Internetsperren.
Das gibts als OGG und MP4. Und bei Youtube:
Ein kurzer Kommentar von mir kommt auch drin vor.
-
: Kommentar: Netzsperren sind erstmal beerdigt
: Kommentar: Netzsperren sind erstmal beerdigt Die Koalition hat gestern beschlossen, das Zugangserschwerungsgesetz endgültig zu beerdigen, was wohl durch ein Aufhebungsgesetz erfolgen wird. Das hatten alle Oppositionsfraktionen bereits durch eigene Anträge in den Bundestag eingebracht, aber bisher zögerte die Koalition. Allerdings ist ein Aufhebungsgesetz der einzige richtige rechtstaatliche Weg. Erfreulich ist, dass die FDP (und hier vor allem Leutheusser-Schnarrenberger) sich in diesem Thema mit ihrer Position durchgesetzt hat, die mittlerweile auch von vielen jungen CDU-lern und selbst CSU-lern (durch ihren Netzrat) geteilt wurde.
Die offene Frage bleibt: Was war der Deal? Die Visa-Datei kann es nicht gewesen sein, dazu ist diese nicht bedeutend genug. Außerdem stand das schon im Koalitionsvertrag. Und so schwebt immer noch das Damoklesschwert der Vorratsdatenspeicherung über allem, die vehement von unserem neuen Innenminister Friedrich vertreten wird und die gestern vertagt wurde. Wird es also bei der nächsten Runde eine Vorratsdatenspeicherung geben, die vielleicht nur etwas gekürzt wird, um die Gesichter aller Beteiligten zu bewahren? Die Union könnte es als Sieg verkaufen, diese wieder eingeführt zu haben und die FDP könnte es als Teil-Sieg verkaufen, zumindest die Laufzeit verkürzt zu haben. Aber trotzdem würden unser Verbindungsdaten protokolliert werden. Oder wartet man tatsächlich auf die EU-Evaluation, um anhand derer Handlungsempfehlungen eine Blaupause zu haben, um diese wieder einzuführen? Eine weitere Variante aus Sicht der Union wäre, das ungeliebte Gesetz wieder losgeworden zu sein, um dem Koalitionspartner FDP einen Erfolg zu schenken und ihn in den Meinungsumfragen wieder über 5% zu bekommen. -
: Bundesjustizministerium erklärt Löschen statt Sperren
: Bundesjustizministerium erklärt Löschen statt Sperren Das Bundesjustizministerium erklärt in einem kurzen Imagefilm das Prinzip von „Löschen statt Sperren“:
In der ersten Folge beschäftigen wir uns mit dem Thema: „Warum Löschen statt Sperren?“ Dass Internetseiten mit kinderpornographischen Inhalten aus dem Internet müssen, ist eine Selbstverständlichkeit – ob diese Seiten allerdings gelöscht oder gesperrt werden sollen, wird diskutiert.
-
: Atomlobby zensiert dann doch noch die Twitter-Satire
: Atomlobby zensiert dann doch noch die Twitter-Satire UPDATE: Die hedonistische Nukleare ist ist bis auf weiteres auf @atomforumde umgestiegen. Außerdem hat man sich nun doch entschlossen, Widerspruch gegen die Sperrung einzulegen. /UPDATE
Vor einigen Tagen berichteten wir hier vom Twitter-Account @Atomforum_eV, der mit zynischen Tweets die Haltung des Lobbyverbands Atomforum Deutschland gespiegelt hat. Das (echte) Atomforum distanzierte sich von dem Account, und kündigte an, alles zu unternehmen, um den (offensichtlich als Satire gekennzeichneten) Account zu bekämpfen. Auch rechtliche Schritte wurden nicht ausgeschlossen. In der Folge stieg die Follower-Anzahl von @Atomforum_eV innerhalb weniger Stunden von unter 200 auf fast 4.000 – das Vierfache der Followeranzahl der PR-Abteilung des Lobbyverbandes.
Gegenüber der Süddeutschen Zeitung bezeichnete Dieter Marx, Geschäftsführer des deutschen Atomforums, die Sache dann als erledigt, nachdem der Satire-Account auch sein Logo verfremdet hatte. Dass Marx wohl auch vom Streisand-Effekt überrascht worden war, bleibt zu vermuten. Dennoch: Die Einsicht des Lobbyverbandes wurde durchaus als Sieg für die politische Meinungsfreiheit gewertet. Nachdem die Androhung der rechtlichen Schritte vom Tisch war, gab es sogar ein Bekennerschreiben von der „hedonistischen Nukleare“.
Doch man hätte es von vornherein besser wissen müssen: Wenn es heiß wird in der Küche, kommen Atomlobbyisten schnell mal mit genereller Beschwichtigung und einigen Zugeständnissen daher. Man ist es gewohnt, seine Ziele in Hinterzimmern durchzusetzen – möglichst wenn gerade wieder keiner so genau hinschaut. Auf diese Tugenden besinnt man sich wohl auch, wenn man einen Gegner mundtot machen möchte: Der Twitter-Account @Atomforum_eV ist seit heute Morgen suspendiert.
Die Anti-AKW-Aktivisten, die @Atomforum_eV betrieben haben, wollen den Kampf um den Account nicht aufnehmen: „Das spricht für sich.“ lautete der lapidare Kommentar gegenüber netzpolitik.org. Währenddessen wundert man sich im englischsprachigen Raum über den Account @tep_co, hinter dem einige Follower inzwischen Satiriker statt der Betreiberfirma des Atomkraftwerks Fukushima vermuten. Aber nichts genaues weiß man nicht, denn Twitter ist ja nicht sicher.
-
: OpenNet-Report über Export von Netzzensur-Technologien
: OpenNet-Report über Export von Netzzensur-Technologien Die OpenNet Initiative hat einen neuen Report veröffentlicht, welche US- und kanadischen Unternehmen Netzzensur-Technologien herstellen und in repressive Regime exportieren: West Censoring East: The Use of Western Technologies by Middle East Censors, 2010–2011. Hier ist das PDF.
The OpenNet Initiative has documented network filtering of the Internet by national governments in over forty countries worldwide. Countries use this network filtering as one of many methods to control the flow of online content that is objectionable to the filtering governments for social, political, and security reasons. Filtering is particularly appealing to governments as it allows them to control content not published within their national borders. National governments use a variety of technical means to filter the Internet; in this paper, we analyze the use of American- and Canadian-made software for the purpose of government-level filtering in the Middle East and North Africa. In this report, the authors find that nine countries in the region utilize Western-made tools for the purpose of blocking social and political content, effectively blocking a total of over 20 million Internet users from accessing such websites.1 The authors analyze as well the increasing opacity of the usage of Western-made tools for filtering at the national level.
Jillian C. York, eine der beiden Co-Autorinnen, wird auch auf der kommenden re:publica’11 zu Gast sein. Die Washington Post berichtet über den Report: U.S. Products Help Block Mideast Web.
Passend dazu berichtet Erich Moechl auf FM4: Export von Überwachungstechnik an Diktaturen legal.
Deutsche Firmen können weiterhin Überwachungssysteme für Telefonie und Internet für „Strafverfolger“ in Syrien, Bahrain und dem Jemen liefern. Das bestätigte das deutsche Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle auf Anfrage von ORF.at.
-
: China: Bei Anruf Protest
: China: Bei Anruf Protest In China hat man die Zensurinfrastruktur ausgebaut und ein neues Feature als Service eingeführt: Wenn dort z.B. das Wort Protest in einem Telefonat fällt, wird das Gespräch automatisch abgebrochen. Das soll sowohl in englisch als auch in chinesisch funktionieren, wie die New York Times berichtet: China Tightens Censorship of Electronic Communications. Gleichzeitig ist die gesamte Zensur ausgedehnt worden, mehr Seiten werden geblockt und auch einige VoIP-Services sind nicht mehr erreichbar.
-
: BKA-Zahlen belegen den Erfolg von „löschen statt sperren“ (div. Updates)
Ausriss "Evaluationszeitraut" (Oktober 2010) : BKA-Zahlen belegen den Erfolg von „löschen statt sperren“ (div. Updates) Nein, nein, das ist kein Tippfehler da oben in der Oberschrift. So steht es heute bei Heise Online bzw. im Blog „Digitale Linke“:
Die Zahlen des BKA für Januar 2011 im Einzelnen:
Mitteilungen zu kinderpornografischen Inhalten im World Wide Web ins Ausland: 143, davon wurden
- innerhalb 1 Woche gelöscht: 97 (68%)
- innerhalb 2 Wochen gelöscht: 133 (93%)
- innerhalb 3 Wochen gelöscht: 140 (98%)
- innerhalb 4 Wochen gelöscht: 142 (99%).
Diese Zahlen belegen, dass das Löschen von Webseiten mit kinderpornografischem Inhalt auch im Ausland möglich ist.
Siehe auch:
# Eigene Zahlen bringen BKA in Erklärungsnot (Konstantin von Notz, Grün Digital)
# Kinderpornografie im Internet BKA-Zahlen zeigen Löscherfolge (SpOn)Überrascht? Ich nicht. Letztendlich basieren diese Zahlenspiele auf einem Trick, den wir hier bei Netzpolitik.org schon häufiger angesprochen haben.
-
: Flickr zensiert Funde der Amn al Dawla – Plünderung
: Flickr zensiert Funde der Amn al Dawla – Plünderung Vor bereits mehr als einer Woche haben die Ägypter die ehemaligen Gebäude der Staatssicherheit geplündert. Das ist nach Revolutionen Brauch, um zu verhindern, dass die dort gesammelten Daten vernichtet werden. Beweise über Mitarbeiter und Kollaborateure möchte man der Nachwelt verständlicherweise erhalten.
Hossam Arabawy weiß als Blogger, wie man Dinge der Nachwelt erhält: Man lädt sie ins Netz. Irgendwie war ihm eine CD mit Bildern in die Hände geraten. Er lud sie am Freitag auf Flickr und bloggte: (SS = State Security, Amn al Dawla)
Dear SS, yes you had every right to be worried from the Piggipedia. We will expose you, bring shame on you. You forced millions of Egyptians to live in fear and terror. Now you have to answer for your crimes.
Kurz darauf erhielt er die Nachricht, dass seine Bilder wegen Urheberrechts-Verletzung wieder entfernt wurden. Die Community-Guidelines sehen nämlich vor, dass bei Flickr nur Bilder eingespielt werden, die man selbst gemacht hat. So einfach ist das. Wie sehr Flickr sich sonst um diese Regel kümmert, beschreibt Thomas Hawk:
In fact Flickr staff themselves routinely upload photos to their own personal photostreams that are “not their work.”
Natürlich sind die zensierten Bilder jetzt an x anderen Stellen im Netz erhältlich – und Arabawy macht übrigens auch sonst ganz gewitzt weiter: Hier zum Beispiel identifiziert er ehemalige Stasi-Mitarbeiter auf linkd.in bei der Jobsuche.
-
: US-Gericht: Twitter muss Wikileaks-Daten an US-Behörden geben
: US-Gericht: Twitter muss Wikileaks-Daten an US-Behörden geben Wir hatten hier und hier darüber berichtet, dass die USA ganz gerne „einmal alles“ von Twitter über @rop_g, @birgittaj, @ioerror, @wikileaks, Bradley Manning und allen Followern derer Accounts haben wollen. Twitter hat die Account-Inhaber informiert, und die hatten sich – unterstützt von allen möglichen Organisationen mit allen rechtlichen Kräften dagegen gewehrt.
Gegen die Entscheidung des US-Bundesgerichts kann und wird Berufung eingelegt werden. Die Sache ist also noch nicht vom Tisch.
-
: Heute ist Welttag gegen Internetzensur
: Heute ist Welttag gegen Internetzensur Heute ist der Welttag gegen Internetzensur. Wie in den vergangenen Jahren hat Reporter ohne Grenzen wieder zehn Feinde des Internets aufgelistet. Das sind Staaten, wo Meinungsfreiheit am meisten missachtet werden. Auf der Liste stehen wie im vergangenen Jahr: Birma, China, Kuba, Iran, Nordkorea, Saudi Arabien, Syrien, Turkmenistan, Usbekistan und Vietnam. Tunesien und Ägypten waren letztes Jahr auch noch mit dabei, dort gab es aber bekanntlich Revolutionen.
Diese Staaten zensieren das Internet durch massive Filterungen und Sperrungen von Websites, verfolgen kritische Internetnutzer systematisch und instrumentalisieren das Netz für propagandistische Zwecke, heißt es in dem mehr als 100-seitigen ROG-Bericht. Auch weil Internetnutzer in Ländern wie China, Iran und Saudi Arabien zunehmend Programme zur Umgehung von Zensur nutzen, haben viele autoritäre Staaten in den vergangenen Jahren über das Blockieren und Filtern hinausgehende Methoden der Online-Überwachung und ‑Manipulation entwickelt: Staatliche Mitarbeiter oder eine eigens geschaffene Cyberpolizei kontrollieren Inhalte im Netz oder infiltrieren soziale Netzwerkseiten. Blogger werden dafür bezahlt, Kommentare auf gut besuchten Websites zu platzieren. Websites werden durch Cyberattacken oder Spyware lahmgelegt. Mit neuen Gesetzen versuchen die Regierungen Internetnutzer zu zwingen, ihre Anonymität aufzugeben. In Ländern wie Birma war mehrfach zu beobachten, dass die Geschwindigkeiten der Internetverbindungen so stark gedrosselt wurden, dass eine Nutzung des Mediums für die Bevölkerung kaum mehr möglich war. Die Störungen gehen in einigen Ländern bis hin zur Abschaltung des Internets und sind häufig begleitet von Unterbrechungen des Mobilfunks.
Dazu gibt es noch die Beobachtungsliste inklusive Frankreich:
16 Staaten stellt ROG in seinem Bericht „Unter Beobachtung“. Es handelt sich um Länder, die beunruhigende Zensurmaßnahmen ergriffen haben, die leicht missbraucht werden könnten. Neu „Unter Beobachtung“: Frankreich, Libyen und Venezuela.
Hier ist die englische Fassung des 103-seitigen Berichts „Feinde des Internets“.
-
: Nur kurz: Das Internet ist böse, Bild.de gesperrt, Perspektive ZugErschwG
: Nur kurz: Das Internet ist böse, Bild.de gesperrt, Perspektive ZugErschwG Ich will gar nicht lange ablenken, schließlich schaue ich auch gespannt, wie sich die Situation in Japan entwickelt. 3 Links fürs Wochenende habe ich aber trotzdem, vielleicht schlicht zur Ablenkung:
# Gestern Abend wurde im Ersten die Doku „Angriff aus dem Internet – Wie Online-Täter uns bedrohen“ wiederholt. 45 Minuten Feinkost nicht nur für Verschwörungstheoretiker.
Die Reportage von ARD-Korrespondent und Grimme-Preisträger Klaus Scherer beginnt recht lebensnah, um ein Licht auf neue, alltägliche Risiken einer vernetzten Welt zu werfen. Er besucht US-Bürger, die von Hackern erst ihrer kompletten Identität und dann ihres Vermögens beraubt wurden. Er trifft FBI-Agenten, die jahrelang verdeckt in Cyber-Gangs ermittelten. Diese verschieben gefälschte Kreditkarten zu Spottpreisen und dabei binnen Stunden Banken um Millionen prellen.
Noch einmal anschauen kann man sich den vielleicht besten Werbefilm, der je für die Vorratsdatenspeicherung gedreht wurde, in der Mediathek des Ersten oder auf Plattformen, vor denen im Film gewarnt wurde.
# Aber gut, das Böse lauert bekanntlich immer und überall.
-
: USA: 5 Jahre Haft wegen Haftung für Links?
: USA: 5 Jahre Haft wegen Haftung für Links?
Vor einiger Zeit berichteten wir hier bereits von der neuen Taktik der US-Regierung, Domains wegen Copyright-Verstößen zu beschlagnahmen. Dieses Schicksal ereilte unter anderem auch die Domain channelsurfing.net, unter der Links zu Online-Streams von TV-Sendungen und Sport-Übertragungen veröffentlicht wurden. Wer die Seite aufruft, bekommt eine Sperrnotiz zu sehen.
(Ähnlichkeiten zur Türkei sind sicher nur Zufall)Das war aber wohl erst der Anfang. Brian McCarthy, der Betreiber der Seite, wurde am Freitag verhaftet. Der Vorwurf lautet auf „kriminelle Copyright-Verletzung“, die mögliche Höchststrafe sind 5 Jahre Freiheitsentzug. Wohlgemerkt: McCarthy hat nie selbst gestreamt, sondern nur Links zu externen Seiten gesetzt.
Das mag nun wie Haarspalterei klingen, aber die Folgen,wenn nun Links „illegal“ werden, sind in ihrem Ausmaß kaum abzuschätzen. Nicht nur die die Frage, über wie viele Ecken ein Link noch strafbar sein sollen, illustriert, wie realitätsfern allein die Idee ist. Mache ich mich strafbar, wenn ich auf jemanden linke, der auf jemanden linkt, der…? Insbesondere, weil sich auch die Veränderung des Inhalts einer verlinkten Seite meinem Einfluss entzieht, ergäbe sich hier letztlich nur Sicherheit, wenn man gar nicht verlinkt. Um mal ein altbekanntes Mem anzustrengen: „Ohne Links ist das Internet aber weitgehend wertlos.“
-
: Zeit-Interview mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
: Zeit-Interview mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Die Zeit hat unsere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zu Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren und Facebook-Regulierung interviewt: „Ihr Reflex greift zu kurz“.
ZEIT: Einer der Streitpunkte wird die Vorratsdatenspeicherung sein. Vor einem Jahr hat das Verfassungsgericht sie in weiten Teilen für verfassungswidrig erklärt. Seither streitet die Bundesregierung über eine Neuregelung. Wie lange soll der gesetzlose Zustand noch andauern?
Leutheusser-Schnarrenberger: Der Zustand ist nicht gesetzlos, sondern so wie vor 2008. Auch damals war die Sicherheit gewährleistet. Karlsruhe hat ein verfassungswidriges Gesetz kassiert, das vergessen manche gerne.
-
: Verleihung der BigBrotherAwards am Freitag, 1. April 2011, in Bielefeld
: Verleihung der BigBrotherAwards am Freitag, 1. April 2011, in Bielefeld „Die Jury hat getagt und für schlecht befunden… die aktuellen „Oscars für Überwachung“ stehen fest“ teilt der FoeBud mit.
Am Freitag, den 1. April um 18:00 Uhr beginnt die diesjährige Verleihungsgala der BigBrotherAwards in der Hechelei der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld wo die Preisträger der Öffentlichkeit präsentiert werden. Es ist die elfte Verleihung der Negativpreise für die „schlimmsten Datenkraken im Lande“.
Erstmals werden die BigBrotherAwards nicht im Oktober, sondern schon im Frühjahr vergeben. In den Kategorien Sport, Arbeitswelt, Politik, Wirtschaft und Lebenswerk werden Firmen, Organisationen und Personen „ausgezeichnet“, deren Wirken den Organisatoren nach mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient. Die Verleihung der BigBrotherAwards ist öffentlich, Eintrittskarten für 5€ gibt es im FoeBuD-Shop.
Die Macher rufen außerdem für Spenden für die BigBrotherAwards auf:
Die BigBrotherAward bringen Aufmerksamkeit – ungebetene Öffentlichkeit für die, deren üble Machenschaften sie verdienen. Aber das kostet Geld! Neben sehr viel persönliches Engagement muss das ganze Jahr über organisiert werden, müssen eingereichte Vorschläge nachrecherchiert werden, muss die Gala ausgerichtet werden, und vieles dergleichen mehr. Denn die Preisträger sollen den Preis zu Recht bekommen. Unsere Aktionen werden von vielen Freiwilligen ehrenamtlich ‚gestemmt’. Aber ganz ohne Geld geht es nicht. Deswegen bitten wir um Ihre Spende. Mit 10, 15 oder 20 Euro monatlich können Sie viel bewirken. Als Spenderin und Spender helfen Sie mit, digitale Lebensqualität für alle zu schaffen.
Spendeninformationen:
FoeBuD e.V.
Spendenkonto: 5459 5459 01
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 370 205 00Man kann auch online spenden unter https://www.foebud.org/spende/
-
: Holländische Provider: „Netzsperren ineffektiv“
: Holländische Provider: „Netzsperren ineffektiv“ Die holländische „Werkgroup Blokkeren Kinderporno“, die Arbeitsgruppe zum Blockieren von Kinderpornografie, hat sich im November 2010 ans niederländische Justizministerium gewandt. In ihrem Bericht kommt sie zu dem Schluss, dass Netzsperren wenig sinnvoll sind.
Die Argumente sind die altbekannten, werden aber mit einigen Befunden der letzten Zeit unterstrichen.
Angewendete Sperrlisten schrumpfen:
The size of the blacklist of the English Hotline, the Internet Watch Foundation (IWF), has shrunk significantly in the past two years (from approximately 2000 websites per day on the list to less than 400). Even while in the UK much broader criteria are being applied for registration on the blacklist. […] Translated to the Dutch situation, this trend implies that at this stage there are currently almost no websites which can be blocked.
Filesharing, bessere Rückverfolgungsmöglichkeiten und erhöhte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit haben dazu geführt, dass es weniger kommerzielle Angebote gibt:
Meanwhile the possibilities of the internet, for example as a result of the popularity of internet services and software where internet users can easily exchange (large) files. In addition, efforts to track down child pornography online and the public attention directed towards the distribution of child pornography via the internet have increased significantly, both on a national and an international level. These developments may explain why the number of commercial web sites distributing child pornography has dwindled in recent years
Zuletzt wird dazu geraten, das Unterfangen aufzugeben. Außerdem bat die Arbeitsgruppe darum, die Ergebnisse öffentlich zur Diskussion zu stellen. Gute dreieinhalb Monate später ist es dann jetzt auch so weit.
-
: Aktueller Stand der Netzsperren-Pläne für die EU
: Aktueller Stand der Netzsperren-Pläne für die EU Letzten Montag fand in der Ständigen Vertretung der Republik Ungarns bei der EU in Brüssel ein Treffen zwischen EU-Bloggerinnen und Bloggern und Vertretern der ungarischen Ratspräsidentschaft statt. In einem zweistündigen offenen Gespräch sprachen wir (Ronny Patz vom Bloggingportal.eu, Ralf Bendrath, JoeMcNamee von EDRi und vasistas?) mit Gergely Polner, Sprecher der Ratspräsidentschaft, und Borbála Garai, dritte Sekretärin für die Zusammenarbeit in Strafsachen und das materielle Strafrecht.< Die ungarische Ratspräsidentschaft organisiert in unregelmäßigen Abständen informelle Treffen mit Bloggern, die an europäischen Themen interessiert sind. Es soll jetzt ein Pilotprojekt gestartet werden, das uns den Zugang zu Pressekonferenzen und auf lange Sicht eine Akkreditierung ermöglichen soll. Thema dieses Mal war die geplante Einführung verpflichtender Netzsperren ohne Richtervorbehalt für alle Mitgliedstaaten im Rahmen der EU-Richtlinie zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung (pdf), initiiert von Kommissarin Cecilia Malmström (vulgo Censilia).
-
: Jugendschutz: O2 sperrt in England „frische Früchte“ (Update)
: Jugendschutz: O2 sperrt in England „frische Früchte“ (Update) Spätestens, wenn man den von Marcel Machill (damals Bertelsmann Stiftung, inzwischen Uni Leipzig) und Friedemann Schindler (jugendschutz.net) veröffentlichten Wegweiser „Transparenz im Netz“ (PDF) gelesen hat, weiß man, dass gerade hinter scheinbar harmlosen Suchbegriffen wie „Taschengeld“ und „frische Früchtchen“ der größte Schund und Schmutz des Internets lauert.
Das dachte sich wohl auch O2 in England und sperrte kurzerhand ein entsprechendes Angebot. Auf der Webseite geht es zwar um frische Früchte, glücklicherweise aber nicht in einer Art und Weise, wie es wohl Qualitätsschauspieler Til Schweiger vermuten würde. Die Lebensmittelseite „Love fresh“ ist lediglich inkompatibel zum Jugenschutzsystem von O2:
Lovefre.sh, a location-based service for finding fresh food, discovered that it had been rated at „only suitable for over 18s“ by a third-party company which provides content filtering for O2, and that users of its iPhone app – which has seen nearly 18,000 downloads from Apple’s App Store since its launch – would only see a blank page.
Irgendwie dumm, inbesondere da so gut wie alle iPhone im Vereinigten Königreich mit O2-Vertrag laufen, wie der Guardian berichtet.
Update: Das Problem betrifft nicht nur O2. Bei wired.co.uk …