Öffentlichkeit

Atomlobby zensiert dann doch noch die Twitter-Satire

UPDATE: Die hedonistische Nukleare ist ist bis auf weiteres auf @atomforumde umgestiegen. Außerdem hat man sich nun doch entschlossen, Widerspruch gegen die Sperrung einzulegen. /UPDATE


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

Vor einigen Tagen berichteten wir hier vom Twitter-Account @Atomforum_eV, der mit zynischen Tweets die Haltung des Lobbyverbands Atomforum Deutschland gespiegelt hat. Das (echte) Atomforum distanzierte sich von dem Account, und kündigte an, alles zu unternehmen, um den (offensichtlich als Satire gekennzeichneten) Account zu bekämpfen. Auch rechtliche Schritte wurden nicht ausgeschlossen. In der Folge stieg die Follower-Anzahl von @Atomforum_eV innerhalb weniger Stunden von unter 200 auf fast 4.000 – das Vierfache der Followeranzahl der PR-Abteilung des Lobbyverbandes.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung bezeichnete Dieter Marx, Geschäftsführer des deutschen Atomforums, die Sache dann als erledigt, nachdem der Satire-Account auch sein Logo verfremdet hatte. Dass Marx wohl auch vom Streisand-Effekt überrascht worden war, bleibt zu vermuten. Dennoch: Die Einsicht des Lobbyverbandes wurde durchaus als Sieg für die politische Meinungsfreiheit gewertet. Nachdem die Androhung der rechtlichen Schritte vom Tisch war, gab es sogar ein Bekennerschreiben von der „hedonistischen Nukleare“.

Doch man hätte es von vornherein besser wissen müssen: Wenn es heiß wird in der Küche, kommen Atomlobbyisten schnell mal mit genereller Beschwichtigung und einigen Zugeständnissen daher. Man ist es gewohnt, seine Ziele in Hinterzimmern durchzusetzen – möglichst wenn gerade wieder keiner so genau hinschaut. Auf diese Tugenden besinnt man sich wohl auch, wenn man einen Gegner mundtot machen möchte: Der Twitter-Account @Atomforum_eV ist seit heute Morgen suspendiert.

Die Anti-AKW-Aktivisten, die @Atomforum_eV betrieben haben, wollen den Kampf um den Account nicht aufnehmen: „Das spricht für sich.“ lautete der lapidare Kommentar gegenüber netzpolitik.org. Währenddessen wundert man sich im englischsprachigen Raum über den Account @tep_co, hinter dem einige Follower inzwischen Satiriker statt der Betreiberfirma des Atomkraftwerks Fukushima vermuten. Aber nichts genaues weiß man nicht, denn Twitter ist ja nicht sicher.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
20 Kommentare
  1. Um einen Account unter Deinem Namen stillzulegen, musst Du keine rechtlichen Schritte ergreifen, sondern einen gewissen Verifizierungsprozess gegenüber Twitter.com mitmachen. Das dauert ein paar Tage. Beispiel: Stefan Niggemeier hatte dies auch getan, als ein wohlmeinender Fan(?) einen accoutn in dessen Namen angelegt hatte.

    Die einfachste Erklärung ist: Als Atomforum die rechtlichen Schritte ankündigte, kontaktierte man auch den Support von twitter und der reagierte mit der üblichen Zeitverzögerung.

  2. Jetzt können sich alle meinungskampfer bei den Satirikern bedanken. Die Atomlobby weiss jetzt das sie es sich erlauben kann -traut sich ja keiner sich zu wehren.

    Zu edel sich der Kommentar der Satiriker anhört, so dumm ist er. Glauben die echt irgendjemand aus der Riege der Lobbys interessiert was die jetzt denken?!

    Typisch…
    Nicht gegen Unrecht kämpfen sondern still I’m Kämmerchen sitzen und sich überlegen fühlen wahrend die Bösen wissen das sie gewinnen können weil es keinen Wiserstand gibt.
    Typisch Deutsche.

  3. Nur mal so: Nicht die Atomlobby hat zensiert, sondern Twitter hat sich dafür entschieden zu zensieren! Merkwürdig, dass ihr den Titel so formuliert. Ich finde diese Zensur übrigens äusserst wenig entzückend.
    Muss man jetzt schon generell Sorge um seinen Account haben, wenn man seinen Account als Satire kennzeichnet und sich jemand veralbert vorkommt?
    Nachdem Twitter nun WikiLeaks-Follower Daten an USBehörden liefert und jetzt auch Accounts auf Druck der Industrie sperrt, sinkt meine Sympathie für Twitter deutlich.

  4. Da die Lage im leicht havarierten AKW Fukushima weiter prekär bleibt, bedarf auch das Update eines Updates:

    die Hedonistische Nukleare Wolke erklärt auf identi.ca ihre Solidarität mit den auf Twitter suspendierten Aktivist_innen von @Atomforum_eV

    Auch wenn die Hedonistische Nukleare auf Twitter auf @atomforumde umgestiegen ist, rufen wir zur Schaffung vieler Wolken z.B. via Micro-Blogging StatusNet auf!

    Atomforum_eV Satire ist das Restrisiko der Kunst
    Die Hedonistische Nukleare Wolke
    http://identi.ca/atomforumev

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.