Öffentlichkeit

Holländische Provider: „Netzsperren ineffektiv“

Die holländische „Werkgroup Blokkeren Kinderporno“, die Arbeitsgruppe zum Blockieren von Kinderpornografie, hat sich im November 2010 ans niederländische Justizministerium gewandt. In ihrem Bericht kommt sie zu dem Schluss, dass Netzsperren wenig sinnvoll sind.


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Die Argumente sind die altbekannten, werden aber mit einigen Befunden der letzten Zeit unterstrichen.

Angewendete Sperrlisten schrumpfen:

The size of the blacklist of the English Hotline, the Internet Watch Foundation (IWF), has shrunk significantly in the past two years (from approximately 2000 websites per day on the list to less than 400). Even while in the UK much broader criteria are being applied for registration on the blacklist. […] Translated to the Dutch situation, this trend implies that at this stage there are currently almost no websites which can be blocked.

Filesharing, bessere Rückverfolgungsmöglichkeiten und erhöhte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit haben dazu geführt, dass es weniger kommerzielle Angebote gibt:

Meanwhile the possibilities of the internet, for example as a result of the popularity of internet services and software where internet users can easily exchange (large) files. In addition, efforts to track down child pornography online and the public attention directed towards the distribution of child pornography via the internet have increased significantly, both on a national and an international level. These developments may explain why the number of commercial web sites distributing child pornography has dwindled in recent years

Zuletzt wird dazu geraten, das Unterfangen aufzugeben. Außerdem bat die Arbeitsgruppe darum, die Ergebnisse öffentlich zur Diskussion zu stellen. Gute dreieinhalb Monate später ist es dann jetzt auch so weit.

6 Kommentare
  1. Das weiß man doch auch bei der EU daß es so gut wie keine „echte“ Kinderpornografie zum sperren gibt. Daher doch der ganze Zirkus mit der gigantischen Ausweitung des Kinderpornografie-Begriffs. Wenn der wirklich so Anwendung findet, dann kann man die Hälfte aller bislang legalen Erwachsenenpornografie sperren. Dann fallen darunter nämlich im Extremfall auch komplett angezogene 20jährige die vor der Kamera lediglich so tun als würden sie Sex machen.

    Das hat alles Kalkül. Man will dem Bürger und der Öffentlichkeit vorgaukeln es gäbe eine riesige Kinderpornografie-Schwemme. Und da „echte“ Kinderpornografie immer seltener wird, muß man sich die Begrifflichkeiten halt so zusammenbasteln wie es einem passt.

  2. @blurks:

    Ich denke mal da würde es dann in Zukunft zwar jede Menge Gerichtsprozesse geben mit Urteilen die diesen Unsinn zurückdrängen könnten – aber wieviele Existenzen würde man auf dem Weg dahin erstmal zerstören… schließlich ist ja allein schon der Verdacht daß jemand Kinderpornografie besitzen könnte heutzutage ein soziales Todesurteil… wie verheerend mag es dann erst sein, wenn man bei jemandem Pornos mit nachweislich volljährigen Darstellern findet, die aber laut EU-Richtlinie „Scheinjugendliche“ sind…

    Es zeigt sich somit auch, was das eigentliche Ziel dieser Richtlinie in diesem Punkt ist. Nicht das härtere Durchgreifen gegen sexuellen Mißbrauch von Kindern, sondern die Pönalisierung bislang völlig legaler Pornografie. Aber sobald genug Leute „Think of the children!!“ schreien, ist es ja mit der Vernunft so eine Sache. Bevor man als Pädophilenfreund gebrandmarkt wird, auch und gerade als Politiker, stimmt man lieber dafür daß erwachsene vollkommen mündige Personen nicht einmal Nacktfotos von sich selbst machen dürfen, denn sie könnten ja von irgendwem der weltfremd und verrückt genug ist für minderjährig gehalten werden.

    Ich hab übrigens den „Spiegel“-Artikel in der Print-Ausgabe gelesen gestern. Er ist eine ganz kleine Randnotiz, ganz unten auf einer Seite mit vermischten Meldungen. Und er ist wortgleich und genauso kurz wie die Vorab-Meldung. Bedenkt man einmal die Tragweite dieses Vorhabens, die potenzielle Illegalisierung natürlichen und gesunden Sexualverhaltens von beinahe hunderten von -zig Millionen junger Europäer, dann müßten das Headline News sein, fast schon eine Titelstory. Aber das wäre den Verantwortlichen wohl wieder zu heiß – man muß ja heute wirklich nicht viel tun, es reicht sich auf den gesunden Menschenverstand zu berufen, um als besagter Pädophilenfreund zu gelten.

    1. Naja, ich sehe es auch positiv: Dieses Vorhaben ist so dermaßen abwegig, dass es durchaus mittelfristig das „Argument“ „Aber die Kinder“ als ständig missbrauchte Floskel entlarven könnte.

      Dabei kann man natürlich nicht auf Parteipolitiker hoffen, sondern nur auf die Öffentlichkeit. Ich denke, es gibt genug Betroffene, die bereit wären, sich für ihre Interessen einzusetzen – und auch kontra zu geben, wenn jemand versucht, sie für so einen Unsinn zu verkappten Kinderschändern zu erklären.

      Entscheidend dürften zwei Punkte sein. Erstens: Werden die Jugendlichen irgendwann protestieren, wenn die Einschläge näher kommen, oder am Ende sogar selbst anfangen, an dieses Märchen von der „Unschuld“ bis zum 18. Geburtstag zu glauben? Zweitens: Wie verhalten sich die Systemmedien da langfristig?

      Eines dürfte aber klar sein: Diese RL wird jetzt wahrscheinlich niemand mehr aufhalten oder grundlegend verändern können. Selbst wenn sich später dann doch noch Argumente und Liberalität gegen Gedankenverbrechen und Sittenfaschismus durchsetzen sollten: Die alten Playboys und Bravos müssen bis dahin gebrannt haben.

  3. Erstens: Werden die Jugendlichen irgendwann protestieren, wenn die Einschläge näher kommen, oder am Ende sogar selbst anfangen, an dieses Märchen von der „Unschuld“ bis zum 18. Geburtstag zu glauben?

    Nun, es hat in Südafrika vor ein paar Jahren Bestrebungen gegeben, das Schutzalter für sexuelle Handlungen jeglicher Art (!) auf 16 Jahre festzusetzen und selbst Küssen (!!) unter diesem Alter zu verbieten. Und zwar nicht nur in der Konstellation „über 16 mit unter 16“, sondern auch meinetwegen zwischen zwei 15jährigen. Das hat geendet mit einer großen Facebook-Kampagne die betroffene Jugendliche selbst ins Leben gerufen haben. Und sie haben sich zu einer großen Demo, einem „Kiss-In“ vor dem Präsidentenpalast versammelt. Bezeichnenderweise sagte der südafrikanische Präsident dazu, er verstünde die Aufregung garnicht, und schließlich gelte bei Kinderpornografie ja sogar ein Schutzalter von 18 Jahren (!!!).

    Es zeigt, daß Jugendliche sich sehr wohl zur Wehr setzen wenn man sie genügend auf die Füße tritt und ihrer Rechte beraubt. Das eigentlich traurige aber ist, daß es erst so weit kommen muß, bis die Machthaber merken was für einen Unsinn sie verzapfen. Und selbst dann gibt es keine Garantie, daß Vernunft Einzug hält.

    Zweitens: Wie verhalten sich die Systemmedien da langfristig?

    Was das angeht, habe ich leider absolut düstere Befürchtungen.

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