Öffentlichkeit

China: Bei Anruf Protest

In China hat man die Zensurinfrastruktur ausgebaut und ein neues Feature als Service eingeführt: Wenn dort z.B. das Wort Protest in einem Telefonat fällt, wird das Gespräch automatisch abgebrochen. Das soll sowohl in englisch als auch in chinesisch funktionieren, wie die New York Times berichtet: China Tightens Censorship of Electronic Communications. Gleichzeitig ist die gesamte Zensur ausgedehnt worden, mehr Seiten werden geblockt und auch einige VoIP-Services sind nicht mehr erreichbar.


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22 Kommentare
  1. Da hat wohl jemand mächtig Angst vor seinem eigenen Volk. Und doch ist es nur eine Frage der Zei,t bis auch dieses Regime ausgehöhlt in sich zusammenfällt…

  2. Solche Maßnahmen sind vor allem a) Geldverschwendung bzw. Subvention einer Industrie ohne Mehrwert, und b) Katalysator sprachlicher Kreativität des eigenen Volkes.

  3. Das bedeutet doch nichts anderes als das es Möglich ist mittels spracherkennung das gesprochene Wort in Text umzuwandeln was dann durch eine Filterliste zensiert wird.

    So wäre es ein leichtes auch vollständige Gesprächsprotokolle als txt komprimiert in einer Datenbank zu speichern. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten des Staatichen und Privatwirtschaftlichen Repression.

  4. fragt sich andererseits wie ausgereift die Technik wirklich ist… wenn sie so fehleranfällig ist wie sie gemeinhin oft noch sein kann, dann bedeutet das einerseits daß Personen bei Telefonaten unschuldig ins Fadenkreuz geraten können weil der Computer ein Wort falsch versteht (weil z.B. in einem breiten Dialekt gesprochen), andererseits dürfte die Software umgekehrt ihrem eigenen Anspruch nicht mit genügender Treffsicherheit gerecht werden, die Kommunikation von „Staatsfeinden“ zu blockieren. Und es geht ja um mehr als nur darum, das Wort „Protest“ zu erkennen.

    Wenn ich nur daran denke, wie oft ich mir schon die Haare gerauft hab weil der Sprachcomputer meiner Bank mich partout nicht verstehen wollte… und ich bemühe mich trotzdem deutlich zu sprechen…

    Letztlich ist der Inhalt der Liste „gefährlicher Wörter“ ja auch extrem willkürlich wie das Beispiel vom „Protest“ zeigt. Kommt man da in China jetzt auch in Verdacht wenn man am Telefon über nen kaputten Widerstand (!!) auf nem Motherboard redet?

    Aber was einen wirklich beunruhigen sollte ist, daß glaube ich auch INDECT solche Elemente der computerisierten Telefongesprächs-Überwachung enthalten soll… könnte sein daß die Zensur-Länder dieser Welt mal wieder Betatester sind für Technik aus unseren Landen, damit die Software ausgereift ist wenn sie hier bei uns zum Einsatz kommt.

  5. „massive Zurschaustellung gemeinsamer Wünsche“
    „gemeinsam auf die Straße gehen“
    „zusammen ein wenig Krach machen“
    etc.

    Ein Wort verbieten hilft nicht. Es ist die dumme Hoffnung, dass wenn sich man sich nicht ausdrücken kann, auch nicht handeln kann.

    Das hat eher den gegenteiligen Effekt. Subtile Unterdrückung kann zu weilen funktionieren. Sichtbare, das alltägliche Leben massiv verändernde nicht.

  6. Man sollte sich eine blumige Sprache angewöhnen. Die Mafia ist ja auch nicht so platt zu sagen: Wir murksen Euch ab, sondern sie sagen: Du hast eine nette Frau und brave Kinder.

    Geht doch. ;-)

    Frank`n

  7. Gehört zu den Grundtugenden journalistischer Arbeit nicht, wenigstens zwei unabhängige Quellen zu befragen, bevor man irgendwelche wenig glaubhafte Meldungen in die Welt hinausposaunt? Selbst fefe hat sich bezüglich dieser Meldung schon korrigiert …

    1. @atomino: Fefe bezieht sich auf eine Mail eines Lesers. Das würde ich jetzt nicht für mich als vertrauenswürdige Quelle ansehen, um die Meldung der New York Times zu relativieren, die man ja schon als journalistische Arbeit bezeichnen kann.

  8. >> Fefe bezieht sich auf eine Mail eines Lesers.

    Der kann sich beziehen, worauf er will. Schließlich betreibt er ja nur ein „Verschwörungs-Blog“. Aber auch er traut der Orginal-Meldung nicht. Wäre es von euch zu viel verlangt, den NYT-Bericht mal zu verifizieren? Notfalls auf die gleiche Weise wie der Leser von fefes blog?

    >> Das würde ich jetzt nicht für mich als vertrauenswürdige Quelle ansehen, …

    Der Teil des Berichtes in der NYT, an dem ich mich störe, kommt von zwei „Rechercheuren“ (aus Peking), die für Außenstehende erstmal auch nicht vertrauenswürdiger sind, als ein Leser von fefes Blog.

    >> A Beijing entrepreneur, discussing restaurant choices with his fiancée over their cellphones last week, quoted Queen Gertrude’s response to Hamlet: “The lady doth protest too much, methinks.” The second time he said the word “protest,” her phone cut off.

    >> He spoke English, but another caller, repeating the same phrase on Monday in Chinese over a different phone, was also cut off in midsentence.

    Aha, die Zensursoftware erkennt also Englisch aus dem späten 16. Jahrhundert genauso wie die Chinesische Sprache? Welche chinesische Sprache überhaupt? Mandarin? Kantonesisch? Einen der anderen Dialekte oder gleich alle acht? Und was ist mit den regionalen Färbungen der Aussprache? Das deckt diese Zensur-Software ab und merkt sich auch noch, ob das jeweilige Wort schon gesprochen wurde, damit sie exakt beim zweiten Mal zuschlagen kann?

    Angenommen, der Test mit dem Shakespeare-Zitat hat tatsächlich stattgefunden, dann würde das lediglich beweisen, dass die Zensursoftware eben nicht in der Lage ist, den Inhalt von Texten zu erkennen. Dann würden Telefongespräche willkürlich abgebrochen, was sicher nicht unbemerkt geblieben wäre. Dann hätten aber auch andere Medien was mitbekommen müssen, nicht nur die NYT.

    >> um die Meldung der New York Times zu relativieren, die man ja schon als journalistische Arbeit bezeichnen kann.

    Ob beide Autoren dieses Artikels ihre Rechercheure in Peking mal gefragt haben, wie die Vokabeln „Protest“ oder „to protest“ in einer der chinesischen Sprachen ausgesprochen oder verwendet werden? Ich habe da so meine Zweifel …

    1. @atomino: Ja, das ist zuviel verlangt. Ich fahre jetzt nicht nach China. Und nur weil Fefe ausnahmsweise mal eine Meldung korrigiert, sollen wir jetzt zukünftig jedem journalistischen Artikel hinterher recherchieren? Wovon träumst Du nachts?

      1. ein Anruf in China würde ja genügen, um das zu verifzieren. Also ich habe sogar mit Chinesen deutsche und chinesische mails und sms in den letzten Wochen versandt, in denen von Protest die Rede war und das Wort schreibt sich auf dt und engl. nun mal gleich. Auch am Telefon gab´s keine Probleme, aber immerhin gibt´s mehr als 1 Wort für Protest im Chinesischen (ich spreche die Sprache, kann´s also beurteilen) – vielleicht war gerade DAS Wort, das wir benutzt haben nicht das „Telefongesprächsunterbrechungswort“… Man sollte auch NYT nicht alles glauben.

  9. naja, dann prooooo …….. testiere ich eben. ob das dann noch erkannt wird?

    oder ich trete in Testpro, der gegenüber wird schon wissen was gemeint ist

  10. Was für ein Quatsch. Habe es gerade getestet und es ist nichts passiert. Habe mehr mals Protest gesagt sowohl auf Chinesisch als auch auf Englisch. Mal wieder so eine Meldung…

    Grüße aus Chengdu! Kommt mal her, es ist gar nicht so schlimm, wie man aus den deutschen Nachrichten denken könnte

  11. ungalublicher Blödsinn… weiß ja nicht, wie oft man das angeblich verbotene Wortn (sowohl in chinesischer als auch in englischer Sprache) in die Leitung rufen muss, bevor selbige gekappt wird?!? Ich habe jdf. mein Telefonat ohne Probleme zu Ende führen können.

    Mein Tip: nicht immer alles glauben, was man im ach so wahrheitstreuen Netz liest!

  12. Also in der „Editors‘ Note“ des Original-Artikels auf nytimes.com steht doch jetzt, dass beide Telefongespräche mit Personen innerhalb der Pekinger New York Times Redaktion geführt wurden und die Sache daher schon nicht einfach verallgemeinert werden kann. Klar wäre das mal wieder ein weiteres, Aufsehen-erregendes Beispiel für die schreckliche Zensur in China gewesen, aber anscheinend war es doch nur wie so oft ein Sturm im Wasserglas… ;-)

  13. >> Ich fahre jetzt nicht nach China.
    :-)
    Huch, so war das (selbstverständlich) nicht gemeint. Aber einen Bekannten oder Verwandten aufzutreiben, der gerade dort weilt (oder einen solchen kennt) und den zu bitten, diese Telefonsache einfach mal zu auszuprobieren, das hätte ich schon für machbar gehalten. Andernfalls eben das nächste mal auf den reißerischen Aufmacher verzichten, wenn er komisch „riecht“.

    >> … sollen wir jetzt zukünftig jedem journalistischen Artikel hinterher recherchieren? Wovon träumst Du nachts?

    Von Web-Journalisten, die im Gegensatz zu ihren Print-Kollegen bessere Recherche-Arbeit leisten? ;-)

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