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Nur kurz: Das Internet ist böse, Bild.de gesperrt, Perspektive ZugErschwG

Ich will gar nicht lange ablenken, schließlich schaue ich auch gespannt, wie sich die Situation in Japan entwickelt. 3 Links fürs Wochenende habe ich aber trotzdem, vielleicht schlicht zur Ablenkung:

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# Gestern Abend wurde im Ersten die Doku „Angriff aus dem Internet – Wie Online-Täter uns bedrohen“ wiederholt. 45 Minuten Feinkost nicht nur für Verschwörungstheoretiker.

Die Reportage von ARD-Korrespondent und Grimme-Preisträger Klaus Scherer beginnt recht lebensnah, um ein Licht auf neue, alltägliche Risiken einer vernetzten Welt zu werfen. Er besucht US-Bürger, die von Hackern erst ihrer kompletten Identität und dann ihres Vermögens beraubt wurden. Er trifft FBI-Agenten, die jahrelang verdeckt in Cyber-Gangs ermittelten. Diese verschieben gefälschte Kreditkarten zu Spottpreisen und dabei binnen Stunden Banken um Millionen prellen.

Noch einmal anschauen kann man sich den vielleicht besten Werbefilm, der je für die Vorratsdatenspeicherung gedreht wurde, in der Mediathek des Ersten oder auf Plattformen, vor denen im Film gewarnt wurde.

# Aber gut, das Böse lauert bekanntlich immer und überall. Das dachte man sich auch in der Berliner Stadtbibliothek „Ingeborg Drewitz“ und installierte einen Internetfilter auf ansonsten frei zugänglichen Internet-PCs. Und der filtert nun, u.a. die Webseite der Bild-Zeitung.

Neben jugendgefährdenden Seiten wird auch „Bild.de“ geblockt: „Diese Website enthält nicht jugendfreie Inhalte, die nur für Erwachsene vorgesehen sind.“

Die Bild ist not amused und lässt einen Leser „Zustände wie sonst nur in Diktaturen“ beklagen (Link zu Bild.de). Tja, so kann’s gehen.

# RA Stadler verweist in seinem Blog auf einen Beitrag seines Kollegen RA Boecker, der sich für den AK Zensur ein paar Gedanken zur Zukunft des Zugangserschwerungsgesetzes bzw. zum Kampf gegen Missbrauchsdarstellungen im Internet. Ich bitte um Beachtung:

Ich wünsche mir eine Zukunft, in der im Internet keine Dokumente zu finden sind, die den Mißbrauch von Menschen, insbesondere Kindern, zeigen. Nur: welcher Weg führt dorthin? Wie erreicht man dieses Ziel?

Meine Idee ist, für das Erreichen dieses Zieles einen multilateralem völkerrechtlichem Vertrag einen internationalen Rahmen für das wirksame Löschen zu schaffen (dieser könnte zB in die UN Convention on the Rights of the Child eingefügt oder als Protokoll hierzu erklärt werden).

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29 Kommentare
  1. RA stadler:

    die idee ist j asoweit ganz ok und auch unterstützenswert. aber alleine bei dem begriff multilateral müssen doch schon alle alarmglocken angehen die uns sagen wollen, näh leute, das wird nix.

    also andere ideen her. bosbach, uhl, schünemann, ziercke und jansen wissen doch wie es geht:

    VDS, websperren, knast für filesharer, SWIFT, ELENA, HADOPI sorry…ich will nicht mehr

  2. achso, also für meinen begriff ist eine sperrung von blöd.de eigentlich ein beitrag gegen die allgemeine verblödung in dem land.

    da ich aber tolerant und (noch) verfassungstreu bin, ist diese sperrung natürlich verfassungswidrig. obwohl….da war doch was mit jugendschutz etc….blöd.de bundesweit sperren, ohje diekmann, jetzt ist dein lieblingsadliger vom acker und jetzt können einige leute euren geistigen dünnsch..ss nicht mehr lesen….

  3. Womit bei „Child“ wieder alle Personen unter 18 Jahren gemeint sein sollen?

    Ich werde nicht müde darauf hinzuweisen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Kindern und Jugendlichen und dass es nichts anderes als ein eklatanter Wertungswiderspruch ist, sexuell mündigen Jugendlichen die Ausübung ihrer Sexualität selbstbestimmt zuzugestehen und gleichzeitig die Abbildung derselben mit dem schärfsten verfügbaren Sanktionierungsmittel, über das die Gesellschaft verfügt, dem Strafrecht, zu ahnden.

  4. @Joachim: Da die „Convention on the Rights of the Child“ selber wohl sakrosankt sein dürfte, beutet es wohl eben das. Das hatte ich mich auch schon irritiert.

    Ich gehe davon aus, dass Doninik Boecker das Problem bewußt ist, er sonst aber keinen Aufhänger hätte.

  5. Also ich habe die ARD-Doku gestern gesehen und überhaupt nicht als Werbung für die VDS verstanden. Tatsächlich fällt der Begriff VDS glaube ich überhaupt nicht.

    Ich habe da nur rausgehört, dass man mit seinen Daten sparsam umgehen sollte.

  6. RA Boecker hat recht, aber nun mal ran an die Verbote.
    Gehen wir aber erst mal in das Bücherregal:
    Missbrauch von Menschen, insbesondere Kindern, also raus mit „Grimms Märchen“, wieso steht „Josefine Mutzenbacher“ (übrigens noch bei amazon erhältlich) noch da, es gibt auch noch anderes „Kulturgut“ welches hier indiziert werden könnte.
    Das Internet ist nicht allein böse, verbrennen wir auch noch Bücher.

    P.S. WARNUNG Dieser Beitrag enthält Elemente von Ironie.

  7. @We are Anonymous!: Wie gesagt, handwerklich war das mit das Beste, was ich seit langer Zeit zum Thema gesehen habe.

    Inkl. der Illumination des Symantec-Warrooms! Dachte erst, die hätten heimlich bei mir zuhause gefilmt!

    @OOTS: Genau das war der Trick ,) Das Volk hat einmal mehr gesehen, wie gefährlich das Netz ist (Und dass die Amerikaner ihr Volk viel besser schützen!).

    Nun ist zu tun, was eben zu tun ist. Schluß mit der Bitkuschelei, Datenschutz darf kein Täterschutz sein!!! Gegen den internationalen Digitalterrorismus und seine Gucci-Taschen kaufen Frauen Teams muss jedes Mittel recht sein ,)

    Also, wäre ich gerade Innenminister geworden, würde ich jedenfalls so argumentieren.

  8. Ist natürlich schon eine gewisse Ironie, dass die „Bild“ sich über Zensur aufregt ;-)

    Auf der anderen Seite, wie hat es Voltaire einst tituliert:

    „Ich verachte, was du sagst, aber ich werde dein Recht, es zu sagen, bis zum Tode verteidigen.“

  9. Vorallen inhaltlich falsch bzw. veraltert…
    Magnetkartenstreifen kann man so kopieren und muss sie nicht erst entschlüsseln.. (wie dort gesagt wurde)
    Auch sind Angriffe auf die Postbank wie gezeigt nicht mehr möglich, die iTAN Liste ist bei mir schon seit Feb. zwangsdeaktiviert… auch die Sparkassen stellen um und schalten so langsam iTAN ab.

  10. Soviel ich weiss _müssen_ Bibliotheken Filtersoftware einsetzen, wenn die Internet-PCs für Kinder zugänglich sind. Oder sie müssen das dann irgendwie beaufsichtigen.

  11. @1: dass das eine Menge Arbeit wird, bis das Vorhaben in trockenen Tüchern ist, stelle ich nicht ansatzweise in Abrede – im Gegenteil: ich glaube, dass es enorm viel Arbeit und ein langer Weg ist. Umso mehr regt mich auf, dass die Politik so viel Zeit verstreichen lässt und meine Idee nicht aufgreift (ja so weit ich mitbekommen habe: nichtmals zwischen den Fraktionen diskutiert wird).

    @3: ganz einverstanden mit Deinem Einwand, der auch mit rein sollte (auch wenn ich noch nicht weiß, auf welchem Weg). Ich habe mir die CRC als Aufhänger herausgepickt, weil alle Staaten der Erde (bis auf USA und Somalia) die CRC unterzeichnet haben – der Grundkonsens (vgl. Art 34 CRC) insoweit also schon da ist. Dass da noch mehr zugehört: richtig.

    @7: Mißbrauch ist für mich ersteinmal realer sexueller Mißbrauch und dessen Dokumentation auf Bildern oder Video (also die Sachen, die mindestens bei Kindern als Opfer weltweit geächtet sind); also zB das Filmen von Vergewaltigungen und/oder sexuellem Mißbrauch (und da ist es mir auch völlig egal, ob ein Kind oder ein(e) Erwachsene(r) vergwaltigt oder mißbraucht wird.

    Grüße allseits

  12. Hm. Hälfte angeschaut und bisher nur zwei Angriffe aus dem Internet thematisiert. Wer zugeschickte Dateien einfach öffnet, dem kann man nicht helfen. Die Haustür macht man ja auch nicht auf nur weil es klingelt. Onlinebanking wird ja ganz schön schwarz gemalt. Ein Trojaner der on-the-fly die Überweisung ändert. Wo der wohl her kam? Hat sich das Opfer sicher auch über ICQ reingeholt…

  13. @Christian: Erstaustrahlung war am 26.01. Zieht man grob 6 Monate für Vorlauf, Recherche und Schnitt ab, reden wir also über einen Stand von Herbst 2010, inkl. kleinerer inhaltlicher Updates bis zum Jahresende.

    @Sira: Zugegeben, ich war zu faul nachzusehen. Afaik müssen sie nicht, sind aus rechtlicher Sicht aber gut beraten, es zu tun. Bild.de schreibt übrigens, dass die Rechner nur von Volljährigen genutzt werden können und das wohl auch beaufsichtigt wird.

    Das macht es allerdings nicht besser: Auch Menschen, die sich privat keinen Internetzugang leisten können, sollten in der Öffentlich unzensierte Terminals zur Verfügung stehen (Das ist ein Punkt im Rahmen der #JMStV-Debatte).

  14. @OOTS #6
    Tatsächlich fällt der Begriff VDS glaube ich überhaupt nicht.

    ist ja kein wunder dass der nicht fällt. laut innenminister NRW ist dieser begriff zu stark belastet. zukünftig, um die volksverars…ung kompletter zu machen, spricht man von „mindestspeicherungsdauer“…….drin ist das selbe. und wird auch nicht mehr kassiert werden nach dem urteil in frankreich bzgl. websperren. schliesslich hat fronkraisch ja eine vorbildfunktion für alle demokratien…..

  15. Den Internetkrimi habe ich mir nicht angetan, da ich dieses einseitige Gefasel und Gejammere über die bösen Figuren im Intenet satt habe.

    Einfach, wie schon erwähnt, ist es schon, so das Internet darzustellen, um die VDS und alle anderen Schweinereien durchzuwinken.

    Wer wenig surft, nur mal hier und da schaut und ansonst wenig mit Windows, Linux, Apple und Co. am Hut hat, sich nicht mal selber ne Grafikkarte einbauen oder den Unterschied zwischen 32 und 64 bit Systemen erklären kann, dem ist nicht zu helfen.

    Wir wollen doch alle sicher leben, unsere Kinder – und deren Kinder – und deren Kinder -und deren Kinder….gääähn.

    Solange sich Leser und z.B. Forenuser, wie ich immer wieder kopfschüttelnd festellen musste, mit Argumenten zupflastern “ >Ich habe nichts zu verstecken, die können mich ruhig überwachen“ <
    solange hat dieses System der Hysterie-Chaoten und Weltverbesserer freie Bahn – bis unser GG
    letztendlich im *rsch ist.

    Das genau ist deren Ziel!

  16. # Frosch64
    Das genau ist deren Ziel!

    ja, das ist vielleicht vor 5-10 jahren noch gegangen, aber ich bin der festen überzeugung, dass sich die damen und herren in der berliner verblödungskuppel teuflisch genau überlegen werden, ob sie hand an die verfassung und grundgesetz legen.

    der shitstorm wäre das verschwindend geringe übel, dann gehts richtig zur sache….dann müssten sie dann wirklich ihre gebuchten flüge besteigen, wie einige in besagter kuppel ja mit ausbruch der wirtschaftskrise und der nicht vorhersehbaren entwicklung schon vorgebucht hatten.

    jaja, nicht nur herr leyendecker von der süddeutschen hat insiderinfos und auch nicht siggi baumeister von jacques berndorf….jonny hat die auch…grins

  17. Unter die Definition \Dokumente, die den Mißbrauch von Menschen, insbesondere Kindern, zeigen\ fallen zum Beispiel auch die Mißbrauchsbilder aus Abu Ghraib. Da wurden Menschen mißbraucht.

    Das ist auch nicht die einzige Stelle an der Dominik Boecker unscharf formuliert. Er schreibt zum Beispiel, dass das \Konsumieren dieser Inhalte unter Strafe gestellt\ sein soll. In Deutschland stellt das Gesetz ja nicht grundlos auf den Besitz ab statt auf den \Konsum\.

    Schwammige Formulierungen sind gefährlich, weil sie sich leicht mißbrauchen lassen.

  18. @12
    Zitat: „Ich wünsche mir eine Zukunft, in der im Internet keine Dokumente zu finden sind, die den Mißbrauch von Menschen, insbesondere Kindern, zeigen.“

    Ich schrieb nicht umsonst die WARNUNG vor Ironie für den Inhalt meines ersten Beitrages. Aber mal im Ernst.

    Etwas abgewandelt mein Wunsch:
    „Ich wünsche mir eine Zukunft, in der Menschen jeden Alters, jeder Rasse und Religion nicht missbraucht werden. Und ich wünsche mir, dass es keine Menschen gibt, die sich am Missbrauch an anderen Menschen aufgeilen.“

    Solange es Missbrauch gibt, wird er auch dokumentiert werden, für eben jene letztgenannten. Egal ob Kinderpornographie oder andere Formen der Gewalt.

    Eine ständige Orientierung an Internetinhalten greift da zu kurz.

  19. Also zu diesem ARD-Streifen:

    Ich empfand das weniger als VDS-Werbung sondern vielmehr als ein Plädoyer für ein Cyber-Abwehrzentrum.
    Da wird ja auch das Pendant aus den USA vorgestellt und wie gut die arbeiten. „Schaut her! Die Amerikaner machen das schon lange!“ ;)

    Dazu die Maxi-Packung Cyber-FUD

  20. Fazit:

    viele Gefahren, viele Themen vermischt.

    Für den/die Privatmann/-frau : Gebe deine Daten nicht für jede Kundenkarte raus.

    Dann ist es wichtig die Qualität der Software und der Systeme zu verbessern. Smartphones, E-Business-Plattformen usw. „Sicherheit“ muss einfach der zentrale Bestandteil werden.

    Aber bei der Mischung an Themen in der „Doku“ weiß ich gar nicht richtig wo ich anfangen soll.

    Kritik an der Doppelmoral?
    Kritik an den Gesetzen (Verbraucherschutz, Spionage, usw.)?
    Kritik an der Vermischung von Problemen?
    Kritik an der Konzentration auf mangelhafte Lösungen?
    Ach ich komme selber gar nicht mehr mit.

    Die Qualität der „Doku“ ist aber eher durchwachsen. Schwammige Übersetzungen, schwammige Wortwahl. Vermischung von Themen (Private „Einzeltäter, Mafia, Krieg, Industriespionage/-sabotage).
    Es wurde auch nicht Kritisch nach geforscht und inhaltlich aufgelöst (Was passiert mit einem spionierendem Unternehmen, einer uneinsichtigen Bank, den überwachenden Schulen usw. / Wobei gerade bei den Schulen die Technik weniger das Problem war als die Entscheidungsträger in den Scchulen).

    Am Ende ein Werbefilm für IT-Sicherheitsfirmen und Lobbyisten.
    Der Westen ist gut. Die Anderen wollen unseren Wohlstand und unsere Kinder nackt sehen. usw. Viele dieser Probleme sind nicht exklusiv mit dem Internet verbunden.

  21. cyber-abwehrzentrum..

    mal gespannt, was da wirklich dahinter steckt. man kann es vielleicht ja bald in irgendeinem leak nachlesen.

    da ich unserer regierung ja blind vertraue und auf die unfehlbarkeit ihrer aktivitäten setzte, ist dieses zentrum natürlich NUR zur gefahrenabwehr gedacht. und wer denkt, dass dort eine zentralzensurinfastruktur aufgebaut werden soll, aus steuergeldern, ist einfach kein guter staatsbürger.

  22. Bis auf den erfolgten vollständigen Beweis des Gegenteils gehe ich weiterhin davon aus, daß Leute, die sich per Netz ihre Identität „rauben“ lassen, daran ganz überwiegend selbst schuld sind.

  23. @19: Ich habe den Blogbeitrag geschrieben, um die Diskussion anzuschieben. Ergänzungen sind sehr gerne gesehen und deswegen: danke für die Anmerkung, die ich für Version 2 notiert habe. Wenn Du noch mehr in der Richtung hast: gerne immer her damit. :-)

    @20: Mit dem Unterschied, dass Dokumente, die Kindesmißbrauch zeigen weltweit geächtet (und praktisch überall strafbar) sind. Ein weltweite Harmonisierung des gesamten Rechts ist eine wohl unerreichbare Utopie. Und die Beschränkung auf das Internet resultiert daraus, dass ich mich mit Internetsperren nicht anfreunden kann und einen alternativen Weg aufzeigen möchte.

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