Pressefreiheit
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: 250 Jahre Pressefreiheit: Das freie Wort muss immer verteidigt werden!
Schirme erinnern an eine Protestbewegung in Hong Kong. Auch dort ist die Pressefreiheit stark unter Druck. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC-BY 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/studiokanu/16020012822/sizes/h/">Studio Incendo</a> : 250 Jahre Pressefreiheit: Das freie Wort muss immer verteidigt werden! Die Pressefreiheit wird heute 250 Jahre alt. Der stellvertretende Botschafter Schwedens erinnert in einem Gastbeitrag an das erste Pressefreiheitsgesetz der Welt und die weltweit zunehmende Bedrohung grundlegender Rechte und Freiheiten.
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: Gericht: Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz weiterhin zulässig
Mitgeklagt hat auch der Nationalrat Balthasar Glättli, der mit einer Visualisierung seiner Daten auf das Problem der VDS aufmerksam gemacht hatte. : Gericht: Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz weiterhin zulässig Das schweizerische Bundesverwaltungsgericht hat eine Beschwerde von Bürgerrechtlern abgewiesen. Um die sechsmonatige Vorratsdatenspeicherung zu kippen, müssen sie nun vor das höchste Gericht ziehen.
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: Verhaftungen von Oppositionspolitikern: Facebook, Twitter, YouTube und WhatsApp in der Türkei abgeschaltet
Zu den Verhafteten zählen die HDP-Vorsitzenden Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ. Foto: gemeinfrei / Yıldız Yazıcıoğlu : Verhaftungen von Oppositionspolitikern: Facebook, Twitter, YouTube und WhatsApp in der Türkei abgeschaltet Mit den Verhaftungen der Parteispitze und von Abgeordneten der linksliberalen HDP erreicht die Türkei eine neue Stufe auf dem Weg in die Diktatur. Damit spontane Proteste erschwert werden, blockiert die Regierung wieder einmal soziale Netzwerke und Medien. Erstmals in großem Stil betroffen ist auch der Messengerdienst WhatsApp.
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: Datenhungrige Browserplugins machen Politiker erpressbar und bedrohen Journalismus
Der Browserverlauf gibt intime Details über eine Person preis. Der abgebildete Verlauf ist fiktiv. Foto: CC-BY-SA 4.0 netzpolitik.org : Datenhungrige Browserplugins machen Politiker erpressbar und bedrohen Journalismus Der Skandal um Datenhandel weitet sich aus. Spitzenpolitiker sind betroffen, Journalisten fürchten um den Quellenschutz. Klar ist mittlerweile auch: Es geht nicht mehr nur um ein einziges Browserplugin.
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: Abhörskandal von Journalisten in Kanada zieht weitere Kreise
: Abhörskandal von Journalisten in Kanada zieht weitere Kreise Mindestens sieben Journalisten wurden in Kanada monatelang von der örtlichen Polizei in Montreal und Quebec überwacht – um Informanten innerhalb der Polizei herauszufinden. Die Polizei entschuldigt sich mit einer „Ausnahmesituation“.
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: BKA schult Geheimdienste in Ägypten zu Verfolgung von „Extremismus“ im Internet
: BKA schult Geheimdienste in Ägypten zu Verfolgung von „Extremismus“ im Internet Trotz Verfolgung der Opposition, Misshandlungen, Folter und Todesurteilen baut das BMI die Zusammenarbeit mit Ägypten aus. Das BKA arbeitet dazu mit zwei berüchtigten Geheimdiensten zusammen. Im Fokus stehen „Extremismus“ und „Terrorismus“, zwei Etiketten, wegen denen auch Tausende gemäßigte Muslimbrüder im Gefängnis sitzen.
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: Angela Merkel: „Pressefreiheit umfasst auch die Freiheit, Missstände aufdecken und über sie berichten zu können, ohne Nachteile oder gar Gefahren befürchten zu müssen“
: Angela Merkel: „Pressefreiheit umfasst auch die Freiheit, Missstände aufdecken und über sie berichten zu können, ohne Nachteile oder gar Gefahren befürchten zu müssen“ Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am vergangenen Donnerstag im Rahmen des M100 Sanssouci Colloquium einige bemerkenswerte Sätze zur Pressefreiheit gesagt, die wir so auch unterzeichnen könnten:
Sie selbst haben es einmal so formuliert: „Die Pressefreiheit ist ein Recht, das nicht immer garantiert sein wird. Wenn wir es vernachlässigen, welkt es wie eine Blume, die man vergisst zu gießen.“ Dem kann ich nur zustimmen. Wir müssen die Pressefreiheit immer wieder aufs Neue verteidigen und uns immer wieder daran erinnern, wie schnell sie in Gefahr geraten kann – auch bei uns in Europa. […] Pressefreiheit besteht aus der Abwesenheit staatlicher Einflussnahme und Zensur. Aber das ist es nicht allein. Pressefreiheit umfasst weit mehr. Sie umfasst auch die Freiheit, Missstände aufdecken und über sie berichten zu können, ohne Nachteile oder gar Gefahren befürchten zu müssen.[…] Doch gerade für die Pressefreiheit gilt: Sie verdient diesen Namen nur, wenn sie auch gelebt werden kann. Das erfordert leider viel zu oft auch tatsächlich den Mut engagierter Journalistinnen und Journalisten, engagierter Autorinnen und Autoren.
Das gilt natürlich nicht für Whistleblower wie Edward Snowden, wie die Bundesregierung am vergangenen Freitag in der Bundespressekonferenz klar machte:
FRAGE SCALLY: Frau Demmer, die Bundeskanzlerin hat ich glaube, es war gestern Abend gesagt, die Pressefreiheit umfasse auch die Freiheit, Missstände aufzudecken, ohne Nachteile und Gefahren befürchten zu müssen. Hätte Edward Snowden längst eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland bekommen und eine Hacker-WG im Prenzlauer Berg beziehen können, wenn er einen Presseausweis gehabt hätte?
SRS’IN DEMMER: Den letzten Teil Ihrer Frage habe ich jetzt nicht verstanden.
ZUSATZFRAGE SCALLY: Meine Frage ist: Hätte Edward Snowden einen Aufenthaltstitel für Deutschland bekommen, wenn er einen Presseausweis gehabt hätte?
SRS’IN DEMMER: Der Fall Snowden ist hier sehr lang und sehr ausführlich diskutiert worden. Ich möchte gerne grundsätzlich noch einmal wiederholen, was die Kanzlerin gestern zur Pressefreiheit gesagt hat, nämlich dass sie natürlich eine unverhandelbare und unverzichtbare Grundvoraussetzung unserer demokratischen Grundordnung und im Grundgesetz ausdrücklich geschützt ist. Eine freie Presse, eine vielfältige Medienlandschaft, eine kritische, informierte Öffentlichkeit und ein lebendiger Diskurs sind die stärksten Garanten für eine Demokratie und gegen staatliche Willkür.
ZUSATZFRAGE SCALLY: Genau, da sind wir sehr geschützt. Wenn Edward Snowden einen Presseausweis gehabt hätte, wäre seine Chance auf einen Aufenthaltstitel in Deutschland dann besser? Denn er dürfte dann ja keine Nachteile befürchten, nicht einmal in Deutschland.
SRS’IN DEMMER: Ich kann nur noch einmal darauf hinweisen, dass dieser Fall hier sehr lang und ausführlich immer wieder diskutiert worden ist. Ich möchte einzelne spezielle Fälle nicht einordnen, sondern hier einfach noch einmal grundsätzlich bekräftigen wie auch die Kanzlerin gestern in ihrer Rede , wie wichtig Pressefreiheit ist. Ihre Frage ist eine hypothetische Frage, insofern würde ich
ZUSATZFRAGE SCALLY: Okay, eine nicht hypothetische Nachfrage: Anfang des Monats gab es einen geheimen Bericht des Datenschutzbeauftragten, der gesagt hat, dass die Grundrechte unbescholtener Bürger vom BND massiv verletzt wurden. Sind seit Snowdens diesbezüglichen Enthüllungen Innovationen und neue Rechte beim Parlamentarischen Kontrollgremium eingeführt worden, um Missstände beim BND künftig besser aufzudecken? Ist es jetzt besser gewappnet gegen künftige Verstöße des BND gegen die Grundrechte in Deutschland?
SRS’IN DEMMER: Auch dazu würde ich Sie gerne auf die Protokolle der vergangenen Sitzungen hinweisen. Wir kommentieren diesen Bericht hier nicht, weil es um Gremien geht, über die wir hier nicht reden.
Grundsätzlich weisen Sie zu Recht darauf hin, dass man gesetzgeberisch aktiv geworden ist.
ZUSATZFRAGE SCALLY: Meine Frage bezog sich auf das Parlamentarische Kontrollgremium. Hat es im Vergleich zu vor drei Jahren bessere oder neue Werkzeuge, um mit dem BND zu reden, wenn es Sorge bezüglich der Einhaltung der Grundrechte der Bürger hat?
SRS’IN DEMMER: Jedenfalls haben wir aufgrund dieses Falles einige Sachen verbessert. Wir haben hier jede Menge Stellung dazu genommen, ich würde Sie deshalb auf die Protokolle der vergangenen Sitzungen hinweisen. Die Frage zum Parlamentarischen Kontrollgremium müssen Sie an das Gremium selbst richten.
FRAGE JUNG: Die Kanzlerin sagt: „[Die Pressefreiheit] umfasst auch die Freiheit, Missstände aufdecken …, ohne Nachteile oder gar Gefahren befürchten zu müssen.“ Frau Demmer, ich probiere es einmal nicht mit einer hypothetischen, sondern mit einer Lernfrage: Verbinden die Kanzlerin und die Bundesregierung das Schicksal und die Leistungen von Edward Snowden mit dem Thema Pressefreiheit?
SRS’IN DEMMER: Ich habe dazu jetzt tatsächlich alles gesagt, was ich dazu sagen möchte.
ZUSATZ JUNG: Nö. Hat Edward Snowden für die Bundesregierung irgendwas mit dem Thema Pressefreiheit zu tun, oder sind das zwei separate Themen?
SRS’IN DEMMER: Herr Jung, ich habe gesagt: In diesem Raum hier ist sehr viel und sehr lange über diesen Fall diskutiert worden. Es gibt keinen neuen Sachstand, und wir haben dem von hier aus nichts hinzuzufügen.
Grundsätzlich gilt, dass die Pressefreiheit in Deutschland ein sehr hohes Gut ist.
ZUSATZFRAGE JUNG: Das habe ich verstanden. Meine Frage ist aber: Tangiert dieser Fall die Pressefreiheit?
SRS’IN DEMMER: Genau. Aber was Sie nicht verstanden haben, ist, dass ich dazu jetzt nicht noch mehr sagen möchte.
ZUSATZFRAGE JUNG: Ich möchte nur verstehen, ob Sie diese beiden Themen miteinander verbinden.
VORS. WEFERS: Ich glaube, wir diskutieren jetzt
ZUSATZFRAGE JUNG: Wir diskutieren ja nicht, sondern ich will einfach nur eine Frage beantwortet bekommen. Das hört sich sonst nach einem Lippenbekenntnis der Kanzlerin an.
SRS’IN DEMMER: Ihre Analyse teile ich nicht, und damit würde ich das gerne beenden; denn es würde nur Zeit kosten, wenn wir das jetzt fortsetzen.
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: Kritik wächst: ARD, ZDF und Medienverbände bemängeln fehlenden Quellenschutz im BND-Gesetz
Protest vor der neuen BND-Zentrale im Jahr 2013 (Archiv). Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">CC-BY-NC 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/cyzen/9396293074/sizes/h/">ubiquit23</a> : Kritik wächst: ARD, ZDF und Medienverbände bemängeln fehlenden Quellenschutz im BND-Gesetz Ob OSZE, Vereinte Nationen oder Medienrechtsorganisationen: Das geplante BND-Gesetz wird von verschiedensten Seiten kritisiert. Seit heute wenden sich auch die großen öffentlich-rechtlichen Sender und die wichtigsten deutschen Journalistenverbände gegen das Überwachungsgesetz.
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: Napalm-Mädchen: Facebook zensiert ikonografisches Kriegsbild
Screenshot des Facebook-Postings der Aftenposten. : Napalm-Mädchen: Facebook zensiert ikonografisches Kriegsbild Nachdem die norwegische Zeitung Aftenposten das wohl bekannteste Foto der Kriegsfotografie auf Facebook gepostet hatte, dauerte es nicht lange bis das Unternehmen die Zeitung aufforderte, das Bild zu löschen. Die Zeitung reagierte nicht auf die Aufforderung, da löschte Facebook in weniger als 24 Stunden das ikonografische Foto des nackten Mädchens und auch den dazugehörigen Artikel.
Hintergrund der Berichterstattung des Aftenspostens war eine ähnliche Löschaktion gegen den norwegischen Autor Tom Egeland. Der hatte auf Facebook Fotos veröffentlicht, welche die Geschichte der Kriegsführung veränderten. Unter ihnen das mit dem Pulitzer-Preis prämierte Foto des fliehenden Napalm-Mädchens Kim Phúc. Nachdem der Autor sich über die Löschung beschwert hatte, wurde er temporär gesperrt. Über diesen Fall berichtete die Zeitung, bebilderte ihn mit besagtem Foto – und versuchte den Artikel über Facebook zu teilen.
Da Aftenposten jetzt selbst Opfer von Facebooks intransparenter Löschkultur geworden ist, schreibt der Chefredakteur Espen Egil Hansen einen lesenswerten und wütenden offenen Brief an Mark Zuckerberg. Dort heißt es unter anderem:
Listen, Mark, this is serious. First you create rules that don’t distinguish between child pornography and famous war photographs. Then you practice these rules without allowing space for good judgement. Finally you even censor criticism against and a discussion about the decision – and you punish the person who dares to voice criticism.
Espen Egil Hansen kritisiert nicht nur die undurchsichtigen Regeln, sondern auch die Unmöglichkeit, jemals einen menschlichen Ansprechpartner bei Facebook zu erreichen. Gleichzeitig wirft der Chefredakteur Mark Zuckerberg Machtmissbrauch vor und weist darauf hin, dass Facebook als das größte Medium der Welt nicht und nicht auf diese autoritäre Weise die Freiheit einschränken dürfe.
Update:
Mittlerweile gibt es verschiedene Reaktionen auf den Fall. So meldete sich der Deutsche Journalisten-Verband zu Wort:„Man muss von Facebook so viel Medienkompetenz erwarten dürfen, dass eine Unterscheidung zwischen einem zeitgeschichtlichen Dokument und Kinderpornografie vorgenommen wird“, sagt DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. Das gelte vor allem dann, wenn das Bildmaterial auf der Facebook-Seite einer renommierten Tageszeitung stehe. „Welche Inhalte eine Zeitung veröffentlicht, muss die Entscheidung der Redaktion bleiben.“ Alles andere sei ein Eingriff in die Pressefreiheit.
Facebook selbst wird vom österreichischen Standard folgendermaßen zitiert:
Facebook erklärte, es sei schwierig, bei Fotografien mit nackten Kindern einen Unterschied zu machen und die Veröffentlichung in einem Fall zu erlauben und in einem anderen nicht. „Wir versuchen, die richtige Balance zu finden zwischen der Möglichkeit für Menschen, sich auszudrücken, und einer sicheren und respektvollen Umgebung für unsere globale Gemeinschaft. Unsere Lösungen werden nicht immer perfekt sein, aber wir werden versuchen, unsere Regeln und die Art, wie wir sie anwenden, zu verbessern.“
Der Guardian berichtet, dass Facebook das Bild auch vom Facebook-Account der norwegischen Premierministerin Erna Solberg gelöscht habe:
Erna Solberg, the Conservative prime minister, called on Facebook to „review its editing policy“ after it deleted her post voicing support for a Norwegian newspaper that had fallen foul of the social media giant’s guidelines.
Solberg was one of a string of Norwegian politicians who shared the iconic image after Facebook deleted a post from Tom Egeland, a writer who had included the Nick Ut picture as one of seven photographs he said had „changed the history of warfare“.
Und was sagt Kim Phúc, das auf dem Foto gezeigte Mädchen, zu der ganzen Geschichte? Sie ließ über die Kim Phúc Foundation ausrichten (zitiert nach Dagsavisen.no):
„Kim is saddened by those who would focus on the nudity in the historic picture rather than the powerful message it conveys“, writes spokesperson Anne Bayin to Dagsavisen.
Kim Phúc says that it has been painful to see the picture, but that it represents an important moment in history.
„She fully supports the documentary image taken by Nick Ut as a moment of truth that captures the horror of war and its effects on innocent victims“, writes the Kim Phúc Foundation in a statement.
Update 10.9.2016:
Facebook lenkt ein und will das Foto auf seiner Plattform erlauben. Die große Frage von Facebook als größter Filter/Chefredakteur der Welt wird dadurch natürlich nicht gelöst. -
: Bericht: Beschleunigter Verfall der Pressefreiheit in Hongkong
Hongkong hat noch demokratische Freiheiten, die immer weiter zurückgedrängt werden. Hier zu sehen eine Demonstration im Jahr 2014. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC-BY 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/studiokanu/15292823874/sizes/h/">Studio Incendo</a> : Bericht: Beschleunigter Verfall der Pressefreiheit in Hongkong Reporter ohne Grenzen warnt: Hongkongs einstmals vorbildliche Pressefreiheit befindet sich in freiem Fall. Hauptverantwortlich für die Repressalien ist die Regierung in Peking, die immer stärker in die Hongkonger Redaktionen hineinregiert.
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: Facebooks Medienmacht: Acht Fragen zum „Kampf gegen Clickbait“
Bait ist das englische Wort für Köder. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">CC-BY-NC-ND 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/_breathless/5970789644/sizes/l"> BreathLes</a> : Facebooks Medienmacht: Acht Fragen zum „Kampf gegen Clickbait“ Eine zentrale Kommunikationsplattform der digitalen Öffentlichkeit verkündet, dass sie zukünftig bestimmte Nachrichten unterdrücken wird. Informationen zu Kriterien, Prioritäten, Transparenz oder Verantwortung sind rar – aber viele applaudieren. Ein kleiner Denkanstoß.
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: OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien kritisiert BND-Gesetz als Angriff auf Medienfreiheit
: OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien kritisiert BND-Gesetz als Angriff auf Medienfreiheit Die OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien, Dunja Mijatović, hat das geplante BND-Gesetz als Angriff auf die Medienfreiheit kritisiert: Surveillance amendments in new law in Germany pose a threat to media freedom, OSCE Representative says, asks Bundestag to reconsider bill.
“Increasing surveillance capabilities of journalists is a clear threat to media freedom,” Mijatović said. “This draft law runs counter to the very core of fundamental freedoms such as media freedom and freedom of expression.” […] “I call on the German Bundestag to revise the current draft law and ensure proper the protection of journalists regardless of their nationality,” Mijatović said.
Wikipedia erklärt ihre Funktion: „Der OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien (engl. Representative on Freedom of the Media, RFOM) ist eine der drei unabhängigen Institutionen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und beobachtet die Situation der Medienfreiheit in allen 56 OSZE-Teilnehmerstaaten. Der Medienbeauftragte nimmt dabei eine Frühwarnfunktion bei Verletzungen der Presse- und Medienfreiheit war und unterstützt die Umsetzung der OSZE-Prinzipien in diesem Bereich.“
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: Journalistenverbände kritisieren BND-Gesetz als Angriff auf die Pressefreiheit
Pressefreiheit ist Grundrecht : Journalistenverbände kritisieren BND-Gesetz als Angriff auf die Pressefreiheit Am Freitag wird das BND-Gesetz in erster Lesung im Bundestag diskutiert. Journalistenvertreter bezeichnen das geplante Gesetz zur Legalisierung und Ausweitung der Massenüberwachung als Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit.
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: Repressionswelle in Ägypten – Bundesinnenministerium hilft mit Ausbildung und „Sicherheitsabkommen“
Transparent zu den jüngsten Festnahmen in Ägypten am 1. Mai in Berlin. : Repressionswelle in Ägypten – Bundesinnenministerium hilft mit Ausbildung und „Sicherheitsabkommen“ In Ägypten häufen sich abermals Razzien und Festnahmen von regierungskritischen AktivistInnen, nun drohen harte Strafen und weitere Repressalien. Viele Gruppen und Organisationen riefen für den 25. April zu einem Aktionstag auf. Eigentlich sollte gegen einen Deal zur Überlassung zweier Inseln an Saudi-Arabiens Regierung demonstriert werden. Der Protest verbreiterte sich jedoch schnell und richtete sich schließlich allgemein gegen die diktatorische Politik des früheren Armeechefs und jetzigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.
Wie gewohnt überzog al-Sisi das Land vor dem Aktionstag mit einer Repressionswelle. Die Nichtregierungsorganisation Front zur Verteidigung ägyptischer Demonstranten zählte in zwölf Tagen 1.277 Verhaftungen, gegen 577 Personen leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren ein. Die Verhandlungen gegen 86 Betroffene sollen bald beginnen, ein ägyptisches Gericht unterbindet die Berichterstattung mit einer Nachrichtensperre.
Das Committee to Protect Journalists platziert Ägypten auf dem zweiten Rang der Negativliste von inhaftierten JournalistInnen. Die aktuellen Ereignisse bestätigen das: Am Sonntag, einen Tag vor dem Internationalen Tag der Pressefreiheit, hat die ägyptische Polizei mit 50 Beamten die Räume der unabhängigen Journalistengewerkschaft gestürmt und zwei Personen festgenommen. Die Journalisten Amr Bader und Mahmoud al-Sakka sollen die Proteste im April durch kritische Berichte angestachelt und „Chaos“ verursacht haben.
Regierung bekämpft Gewerkschaftsfreiheit
Inzwischen hat das Innenministerium angeblich versehentlich ein Dokument zur Medienstrategie für die Festnahme der Beiden veröffentlicht. Behauptet wurde etwa, Bader und al-Sakka hätten sich der Festnahme durch die Flucht in die Gewerkschaftsräume entziehen wollen. Tatsächlich hatte die Polizei den Zugang zu dem Gebäude mit einem Großaufgebot und zahlreichen Zivilbeamten behindert, da die Gewerkschaft eine öffentliche Konferenz zur Gewerkschaftsfreiheit abhalten wollte.
Von der Repressionswelle sind auch Angehörige von Menschenrechtsorganisationen betroffen. Einer der am 25. April Verhafteten ist der landesweit bekannte Aktivist und Vorsitzende der „Egyptian Commission for Rights and Freedom“ (ECRF), Ahmed Abdallah. Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen gehören die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und die Unterstützung terroristischer Straftaten mithilfe des Internets. Beweise dafür gibt es nicht, weshalb die ECRF und auch die Verlobte von Abdallah eine Rufmordkampagne vermuten.Die ECRF engagiert sich gegen Polizeigewalt, Folter und Verschwindenlassen und ist deshalb bei den Behörden unbeliebt. Einer der spektakulären von Abdallah übernommenen Fälle betrifft den Italiener Giulio Regeni, der im Januar zusammen mit zwei weiteren Aktivisten verschleppt und einige Tage später mit bestialischen Folterspuren ermordet aufgefunden wurde.
Unterstützung für die Fälle von Giulio Regeni und Ahmed Said
Der Student hatte unter Pseudonym in der italienischen linken Tageszeitung Il Manifesto zu Arbeitskämpfen und Gewerkschaftsfreiheit publiziert. Sein Tod sorgte für eine tiefe Krise zwischen den Regierungen Ägyptens und Italiens, denn nach Zeugenaussagen wurde er von Uniformierten verschleppt. Als angebliche Mörder präsentierte al-Sisi kurz darauf vier Verdächtige aus dem Milieu der organisierten Kriminalität, die bei der Festnahme jedoch allesamt erschossen wurden.
Eine italienische Untersuchungskommission zum Fall Giulio Regeni beklagte anschließend, ägyptische Behörden hielten wichtige Dokumente und Beweismittel zurück. Italienische Staatsangehörige dürfen nur in engen Grenzen in Ägypten tätig werden. Die nun verfolgte Menschenrechtsorganisation ECRF hat die Familie des ermordeten Studenten in Ägypten deshalb anwaltlich vertreten.
Zu den bekannteren Fällen der ECRF gehört auch der eigentlich in Deutschland lebende Aktivist Ahmed Said, der im November wegen Teilnahme an einer nicht genehmigten Versammlung festgenommen wurde. Said wurde dafür zu zwei Jahren Haft verurteilt, die er nun in einem Hochsicherheitstrakt absitzen muss.Noch vor dem Urteil und der verlorenen Berufung hatte der Menschenrechtsausschuss des Bundestages den Aktivisten in ein Schutzprogramm aufgenommen. Alle nach Ägypten reisenden deutschen Abgeordneten und Regierungsangehörigen sollen sich nun nach der Situation von Ahmed Said erkundigen oder ihn sogar besuchen. Zuletzt waren Claudia Roth (Grüne) und der Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) auf Besuch in Ägypten und trafen sich unter anderem mit dem Innenminister. Im Gefängnis schauten die beiden nicht vorbei, Gabriel bauchpinselte den Präsidenten al-Sisi stattdessen als „beeindruckenden Präsidenten“.
Ungewöhnlich: Erweitertes „Sicherheitsabkommen“ auch mit Geheimdienst
Die Bundesregierung bestätigt in der Antwort auf Kleine Anfrage, dass „Repressionen gegen die Zivilgesellschaft“ in der vergangenen Zeit zugenommen haben und die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen „eng überwacht“ wird. Freiräume seien in den vergangenen Jahren „kontinuierlich kleiner geworden“. Dies gelte auch für Projekte und Organisationen, in denen deutsche Staatsangehörige mitarbeiten, diese würden mitunter von Sicherheitsbehörden beobachtet.
Dessen ungeachtet will das Bundesinnenministerium ein erweitertes „Sicherheitsabkommen“ mit Ägypten abschließen. Ein entsprechender Text wird seit einiger Zeit verhandelt. Details zu Inhalt und Ausgestaltung sind geheim, um die Verhandlungen nicht zu gefährden. „Sicherheitsabkommen“ unterstützen die sogenannte Vorverlagerungsstrategie der Bundesregierung und sollen die „Auswirkungen von Kriminalität und Terrorismus auf Deutschland“ reduzieren.
Normalerweise werden solche Verträge nur mit Polizeibehörden geschlossen, im Falle Ägyptens ist jedoch der für seine Verhörmethoden berüchtigte Inlandsgeheimdienst NSS beteiligt. Das wiederum erzwingt in Deutschland die Einbeziehung des parlamentarischen Kontrollgremiums, denn es handelt sich um die geheimdienstliche Zusammenarbeit. Eine Einbindung des Gremiums erfolgte jedoch nicht.
Die Überprüfung der Einhaltung der Menschenrechte oder der Rechtsstaatlichkeit ist von „Sicherheitsabkommen“ nicht erfasst. Sie seien aber so ausgestaltet, dass Maßnahmen im Rahmen ihrer Umsetzung „keinen Menschenrechtsverletzungen Vorschub leisten können“. Das kann bezweifelt werden, denn die Bundespolizei hat bereits die für ihre brutale und tödliche Gewalt bekannte Stadionpolizei ausgebildet. Die weitere „bundespolizeiliche Maßnahmenplanung“ zur Ausbildungs- und Ausstattungshilfe wird derzeit verhandelt.
Ein- und Ausreisesperren
Zu den Projekten gehört unter anderem die Sicherheit an Flughäfen. Zusammen mit dem Luftfahrtbundesamt und der Bundespolizei hatten Angehörige des Bundeskriminalamtes die ägyptischen Luftsicherheitsstandards evaluiert, nun sollen Ausbildungsmaßnahmen folgen. Dies betrifft unter anderem die Kontrolle von Passagieren und den Abgleich ihrer Ausweisdokumente mit internationalen Datenbanken. Auf Basis einer Risikoanalyse können die Behörden daraufhin bestimmten Personen den Grenzübertritt verweigern.
So erging es auch dem deutschen Staatsangehörigen Atef Botros, dem eine Forschungsreise untersagt wurde. Der ägyptischstämmige Literaturwissenschaftler forscht zu den Aufständen des arabischen Frühlings. Laut einem Onlinemagazin für Afrika steht sein Name auf einer „No fly“-Liste. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtete im Herbst 2015 über ähnliche Fälle, in denen Sicherheitspersonal die Papiere politischer AktivistInnen und Angehöriger von Nichtregierungsorganisationen konfiszierte.
Ägypten behindere HRW zufolge auch unrechtmäßig und ohne Vorliegen richterlicher Beschlüsse die Ausreise von AktivistInnen. Dies sei nach Artikel 62 der Verfassung aber rechtswidrig. Die Angaben werden von der Bundesregierung bestätigt. Ein Fall betraf eine Gruppe von Frauen, die einer Organisation gegen sexuelle Gewalt gegenüber Frauen angehören. Die Aktivistinnen wurden am Flughafen in Kairo verhört und schließlich an der Ausreise zu einer in Deutschland abgehaltenen Konferenz gegen sexuelle Gewalt gehindert.
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: LuxLeaks: Prozess gegen Whistleblower und Journalisten beginnt
: LuxLeaks: Prozess gegen Whistleblower und Journalisten beginnt Sie enttarnten Steuerbetrüger und steuerflüchtige Unternehmen. Doch statt derer stehen ab heute zwei Whistleblower und ein Journalist in Luxemburg vor Gericht, berichtet tagessschau.de:
Edouard Perrin und Antoine Deltour: So heißen die beiden Schlüsselfiguren in dem Fall, der europaweit für Schlagzeilen sorgte. Der eine ist Journalist, hat als Erster über LuxLeaks berichtet und den Skandal ins Rollen gebracht. Der andere war sein Informant, ein ehemaliger Mitarbeiter der renommierten Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers, kurz PwC. Er soll dem Reporter die brisanten Dokumente beschafft haben. Insgesamt rund 28.000 Seiten Material über dubiose, aber meist legale Steuerdeals, mit denen große Konzerne jahrelang viele Milliarden Euro sparten. Zusammen mit einem weiteren Ex-PwC-Angestellten müssen sich die beiden ab heute vor einem Luxemburger Bezirksgericht verantworten.
Solche Prozesse werden leider mit der neuen EU-Richtlinie zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen in Zukunft eher häufiger als seltener werden.
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: Rangliste der Pressefreiheit: Lage verschlechtert sich weltweit – auch Deutschland sinkt im Ranking
Quelle: "Reporter ohne Grenzen" : Rangliste der Pressefreiheit: Lage verschlechtert sich weltweit – auch Deutschland sinkt im Ranking Reporter ohne Grenzen e.V. setzt sich weltweit für journalistische Freiheit ein, dokumentiert Verstöße gegen Presse- und Informationsfreiheit und macht die Öffentlichkeit darauf aufmerksam. Heute präsentierte der Verein die Rangliste der Pressefreiheit 2016, die Freiheiten und Einschränkungen von Journalisten weltweit vergleicht. Auf Grundlage eines Fragebogens zu Aspekten der journalistischen Unabhängigkeit sowie Zahlen von Übergriffen und Verhaftungen gegen Pressemitglieder wird ein Ranking erstellt.
Der globale Indikator für Pressefreiheit ist 2015 um 3,7 Prozent, seit 2013 um 13,6 Prozent gesunken. Zu dieser Entwicklung tragen autokratische Regime wie die Türkei und Russland, sowie kriegerische Auseinandersetzungen etwa in Syrien und im Jemen bei. Auch die Bestrebungen von Ländern wie Polen und Ungarn, Medien zunehmend unter staatliche Kontrolle zu bringen, wirken sich negativ aus. Deutschland rutscht im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze auf Rang 16 ab. Grund dafür sind Vorfälle wie die Landesverrats-Affäre, Drohungen und Gewalt gegen Journalisten auf Demonstrationen, die Vorratsdatenspeicherung sowie die wirtschaftliche Krise der Printmedien.
Weltweite Einschränkung unabhängiger Berichterstattung
Der Indikator „Produktionsmittel von Medien“ sank 2015 weltweit am stärksten ab. Das lag an den Bestrebungen einiger Regierungen, ungewollte Berichterstattung durch Internetsperren oder die Zerstörung von Redaktionsräumen und Publikationstechnik zu verhindern. Auch die juristischen Rahmenbedingungen verschlechterten sich global. In Form von Gesetzen zur Präsidentenbeleidigung, Blasphemie und Beihilfe zum Terrorismus wird die unabhängige Berichterstattung zunehmend zensiert.
Angeführt wird die weltweite Rangliste von Finnland, den Niederlanden und Norwegen, die ihre Spitzenposition dem guten Schutz von journalistischen Quellen und dem offenen Zugang zu Behördeninformationen verdanken. Schlusslichter sind die Diktaturen Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan, die in ihren Ländern die Medien fast vollständig kontrollieren.
Massive Repressionen in China, Russland und Türkei – Digitale Überwachung in USA
In der Türkei ging der Staat massiv gegen kritische Berichterstattung vor. Unter Präsident Erdogan wurden Nachrichtensperren verhängt und Redaktionen von der Polizei überfallen. Außerdem wurden ausländische Reporter verhaftet und es gab Mordanschläge auf geflüchtete syrische Medienaktivisten.
In Russland steht es ähnlich schlecht um die Pressefreiheit. Reporter ohne Grenzen beklagt die Zunahme der Verfolgung von Regimekritikern und befürchtet, diese Praxis strahle sich auf die Nachbarstaaten aus. Zudem gibt es Bestrebungen, die Berichterstattung im Ausland zu beeinflussen und gegensätzliche Propaganda zu produzieren. NGOs und ausländische Verlage geraten zunehmend unter Druck.
In China sind die Repressionen gegen unabhängige Presse nach wie vor enorm. Entführungen, erzwungene Geständnisse und Drohungen gegen die Familien kritischer Journalisten sind Realität. Die Medien unterliegen einer annähernd absoluten Kontrolle durch die staatliche Führung.
Unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung wird auch in westlichen Demokratien wie den Vereinigten Staaten die Pressefreiheit zunehmend eingeschränkt. Reporter ohne Grenzen beklagt die juristischen Kampagnen gegen Whistleblower und Investigativjournalisten und den Ausbau der digitalen Überwachung in den USA.
Mediale Machtkonzentration in Europa – zunehmende staatliche Kontrolle im Osten
In Europa kritisiert der Verein für Informationsfreiheit die Konzentration von Verlagen in Großkonzernen, die so zunehmend Medien kontrollieren und gleichzeitig andere Geschäftsinteressen verfolgen. In Frankreich sind die meisten relevanten Medien in den Händen weniger Unternehmen, die ihr Hauptgeschäft in anderen Bereichen tätigen. In Schweden klagen Journalisten über vermehrte Drohungen im Zuge des Erstarkens nationaler Kräfte.
In Ungarn obliegt die Überwachung der Einhaltung des „öffentlichen Standards“ einem Medienrat, den die Regierung kontrolliert. Deutlich verschlechtert hat sich auch die Lage in Polen. Als Folge „der zielgerichteten Bestrebungen der neuen Regierung, die Eigenständigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien einzuschränken und private Medien zu ‚repolonisieren’“ wurden die Bedingungen unabhängiger journalistischer Arbeit stark eingeschränkt.
Obwohl die Medien in der Ukraine maßgeblich von Oligarchen beeinflusst werden und Russland enormen Druck ausübt, verbesserte sich das Land im Ranking deutlich. Das liegt an der zurückgehenden Gewalt gegen Journalisten und verschiedener Reformen.
Attacken gegen die „Lügenpresse“ – Pressfreiheit in Deutschland verschlechtert sich
Auch in Deutschland wird die Pressefreiheit laut Reporter ohne Grenzen zunehmend eingeschränkt. Der ausführliche Report zur BRD (PDF) berichtet von mindestens 39 gewalttätigen Übergriffen, meist auf Demonstrationen rechter Gruppen. Vor allem bei Pegida-Veranstaltungen äußert sich die Ablehnung gegenüber der „Lügenpresse“ mit Schlägen, Tritten und verbalen Attacken gegen Reporter. Dabei wird die aggressive Stimmung gegen Medien von Führern der Bewegung und der Partei „Alternative für Deutschland“ geschürt, die immer wieder Journalisten von ihren Veranstaltungen ausschließt. Laut Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling sollen die sogenannten besorgten Bürger „nach den Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten […] aus den Pressehäusern prügeln“.
Verfahren gegen netzpolitik.org
Vergangenen Sommer ermittelte die Generalbundesanwaltschaft gegen netzpolitik.org und die Quelle(n) namens „Unbekannt“. Damals hatte unser Blog durch die Veröffentlichung von internen Dokumenten aufgedeckt, „dass das Bundesamt für Verfassungsschutz seine Kompetenzen zur Netzüberwachung massiv aufrüstet und das verfassungsrechtliche Fragen aufwirft.“ Nach bundesweiten Protesten wurden die Ermittlungen gegen zwei unserer Redakteure, allerdings nicht gegen die unbekannte(n) Quelle(n), eingestellt.
Reporter ohne Grenzen verklagte im Juni 2015 den Bundesnachrichtendienst wegen Verletzung des Fernmeldegeheimnisses, um auf den mangelhaften Schutz journalistischer Quellen und die ausufernde Überwachung durch Geheimdienste hinzuweisen. Zudem forderte der Verein für Informationsfreiheit „eine bessere Kontrolle der Geheimdienste durch das Parlament“ und lamentierte den Missbrauch des Strafrechts durch die Bundesanwaltschaft.
Ermittlungen gegen Whistleblower und massive Vorratsdatenspeicherung
Whisteblower sind in Deutschland nicht ausreichend geschützt, befindet Reporter ohne Grenzen. Zum Beispiel ermittelte die Frankfurter Staatsanwaltschaft im Juli 2015 wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen gegen unbekannt, nachdem die Bild-Zeitung nach Informationen von vertraulichen Quellen über defekte Schutzwesten bei der Polizei schrieb.
Wie stark gegen Journalisten ermittelt wird, wenn sie kritisch über Geheimdienste berichten, zeigte Ende 2015 der Berliner Tagesspiegel. Die Zeitung zwang die Regierung per Gerichtsentscheid, über die Zahl der Fälle von Geheimnisverrat beim Bundesnachrichtendienst aufzuklären. So wurde öffentlich, dass der BND „von Januar bis Oktober 32 Verstöße gegen die einschlägigen Geheimschutzvorschriften – bis auf drei Ausnahmen allesamt durch Veröffentlichungen in Medien“ zählte. Eine ähnliche Anfrage an den Verfassungsschutz scheiterte, da keine entsprechenden Zahlen vorlagen und deren Recherche nicht vom Presseauskunftsrecht gedeckt sei.
Negativ für die Platzierung Deutschlands im Ranking wirkte sich auch das im Oktober verabschiedete Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung aus. Telefon- und Internetunternehmen sind demnach verpflichtet, „die Verbindungsdaten aller Kunden anlasslos zehn Wochen lang zu speichern.“ Zwar darf nur bei schweren Straftaten auf die Daten zugegriffen werden, Reporter ohne Grenzen kritisiert jedoch, dass Berufsgeheimnisträger wie Journalisten nur unzureichend geschützt werden. Außerdem bedrohe der neu eingeführte Strafbestand der Datenhehlerei die Sicherheit von Informanten.
Wirtschaftliche Krise der Printmedien
Punkten konnte Deutschland mit der Veröffentlichung von Ausarbeitungen und Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags. Vorausgegangen war eine erfolgreiche Klage auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes vor dem Bundesverwaltungsgericht und Initiativen der Transparenzportale Abgeordnetenwatch.de und Fragdenstaat.de. Die Seite sehrgutachten.de hat die veröffentlichten Gutachten thematisch sortiert und durchsuchbar gemacht. Von uns gibt es eine netzpolitische Empfehlung zu netzpolitisch relevanten Gutachten.
Die wirtschaftliche Krise bei den Printmedien zwingt immer mehr Zeitungs- und Zeitschriftenverlage dazu, ihre Redaktionen zusammenzulegen. Reporter ohne Grenzen beklagt zunehmende Veröffentlichungen gleicher Inhalte durch Regionalverlage, die von zentralen Redaktionen versorgt werden. Die Pressevielfalt in Deutschland nehme immer weiter ab, Inhalt und Ausrichtung der Zeitungen seien zunehmend identisch.
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: Europaparlament verabschiedet umstrittene Richtlinie zu Geschäftsgeheimnissen
Neue EU-Richtlinie: Was geheim ist, bestimmen allein die Unternehmen. Foto: CC-BY-NC-ND 2.0 <a href="https://www.flickr.com/photos/nathaninsandiego/8004791624/sizes/l">San Diego Shooter (Flickr)</a> : Europaparlament verabschiedet umstrittene Richtlinie zu Geschäftsgeheimnissen Nur eine gute Woche nach Veröffentlichung der Panama Papers hat das Europäische Parlament mit großer Mehrheit die Richtlinie zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen verabschiedet. Für die Richtlinie stimmten 503 Abgeordnete, dagegen 103.
Die Richtlinie gefährdet die Pressefreiheit sowie die Rechte von Arbeitnehmern und Whistleblowern. Europaweit hatten Gewerkschaften und Journalisten gegen die Richtlinie protestiert, mehr als 155.000 Menschen unterzeichneten eine Petition gegen die Ausweitung von Geschäftsgeheimnissen.
Zuletzt hatten auch die Redakteursausschüsse der öffentlich-rechtlichen Sender das Vorhaben scharf kritisiert. Die Richtlinie sei geeignet, „die journalistischen Recherchemöglichkeiten einzuschränken, Journalisten einzuschüchtern und die redaktionelle Arbeit durch hohe Kostenrisiken zu behindern“. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte die Richtlinie im Deutschlandfunk als „Maulkorb für Arbeitnehmer und Whistleblower“.
Die Kritiker sind sich einig, dass die Richtlinie zu weit geht, weil die alleinige Definition, was ein Geschäftsgeheimnis ist, bei den Unternehmen liegt. Gleichzeitig wird die Beweislast, ob der Verrat eines Geschäftsgeheimnisses eventuell doch gerechtfertigt ist, komplett auf die Arbeitnehmer und Whistleblower abgeladen.
Video zum Thema im NDR-Medienmagazin ZAPP:
https://www.youtube.com/watch?v=JABtAoO6jfA
