Netzpolitik
Netzpolitik hauptsächlich in Deutschland, aber auch international. Kernthema dieses Blogs.
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: Der 4. DigiGes-Abend zum Nachschauen
: Der 4. DigiGes-Abend zum Nachschauen 
Hier sind nochmal die einzelnen Videos des 4. Netzpolitischen Abends des Digitale Gesellschaft e.V.: -
: Die Netzpolitik der Regierung ist ein Desaster
: Die Netzpolitik der Regierung ist ein Desaster Bernd Holznagel und Pascal Schumacher haben vor zwei Wochen in der ZEIT in einem Gastbeitrag die Netzpolitik der Bundesregierung analysiert und kommentiert. Der Beitrag ist jetzt online: „Nichts geht voran… Die Netzpolitik der Regierung ist ein Desaster – ob beim Urheberrecht oder beim Ausbau der Netze“. Sie definieren „sieben Stufen des Versagens“.
1. Digitale Grundwerte: Angesichts des grenzüberschreitenden Charakters des Internet ist es nicht möglich, alle rechtlichen Fragen unmittelbar gesetzlich oder durch einen zwischenstaatlichen Vertrag zu lösen. Umso wichtiger wäre es, grenzübergreifende Grundwerte für den Cyberspace zu schaffen und durchzusetzen – das Internet als Verfassungsraum wahrzunehmen. Die technischen, sozialen und kulturellen Spezifika des Netzes erfordern, die Grundwerte, wie sie in nationalen Verfassungen und internationalen Menschenrechtserklärungen enthalten sind, mit Blick auf die technischen und sozialen Veränderungen zu reformulieren. Gesucht wird eine zeitgemäße Interpretation, eine Ordnung digitaler Grundrechte. Deutschland könnte diese Debatte organisieren, tut es aber nicht.
Die Analyse ist gut, nur die Schlußfolgerung ist noch ausbaufähig. Hier wird zu sehr die Schaffung eines Beauftragten für Medien- und Netzpolitik innerhalb der Regierungen in den Vordergrund gestellt. Das ist zwar auch wichtig, aber das kann auch nur ein erster Schritt sein.
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: Video des vierten Netzpolitischen Abends
: Video des vierten Netzpolitischen Abends Das Video des vierten Netzpolitischen Abends des Digitale Gesellschaft e.V. ist bereits online. In den kommenden Tagen gibt es alle Talsk nochmal einzeln und dann gibts auch eine Audiospur.
4. Netzpolitischer Abend der Digitalen Gesellschaft from c‑base on Vimeo.
Darüber wurde geredet:
Markus Beckedahl über aktuelle Entwicklungen bei ACTA und der DigiGes Kampagne dagegen
Leonhard Dobusch darüber, nach dem ACTA-Abwehrkampf mit Positivkampagnen, z.B. Offene Lernmaterialien und Recht auf Remix, in die Offensive zu gehen
Till Kreutzer über den rechtlichen Weg zu einer Legalisierung von Remix-Kultur analog zu Fair-Use-Regeln
Julia Kloiber über Opendata in den Kommunen
Michael “nibbler” Horn über den IPv6-Launch und Forderungen zur Schutz unserer Privatsphäre dabeiDanke an Cven für den Video-Stream und den Schnitt, sowie an Wetterfrosch für die Kameraführung.
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: Gleich: Livestream vom 4. DigiGes-Abend
: Gleich: Livestream vom 4. DigiGes-Abend Heute Abend findet der vierte netzpolitische Abend des Digitale Gesellschaft e.V. in der c‑base in Berlin statt. Los geht es zwischen 20:00 – 20:15 Uhr und es gibt einen Video-Livestream auf c‑base.org. Die Video-Aufzeichnungen kommen in den folgenden Tagen online. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Und das sind die fünf geplanten Kurz-Vorträge, deren Reihenfolge sich noch ändern kann:
Markus Beckedahl über aktuelle Entwicklungen bei ACTA und unsere Kampagne dazu
Leonhard Dobusch über eine notwendige Urheberrechtsreform und notwendige Schritte dafür
Till Kreutzer über eine mögliche Legalisierung von Remix-Kultur analog zu Fair-Use-Regeln
Michael „nibbler“ Horn über IPv6 und Privatsphäre
Julia Kloiber über Opendata in den Kommunen -
: Schleswig-Holstein will Vorbild für eine aktive Informationsfreiheit werden
: Schleswig-Holstein will Vorbild für eine aktive Informationsfreiheit werden In Schleswig-Holstein laufen die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grüne und SSW dem Ende entgegen. Wir haben den bereits verhandelten Stand des Koalitionsvertrages zu Innen, Recht und Netzpolitik zugeschickt bekommen und bieten hier einen Überblick über die für uns relevanten Themen. Wir waren beim Lesen positiv überrascht, zumindest in den für uns relevanten Punkten gab es nicht auszusetzen und das liest sich alles gut. Wie immer gilt aber: Koalitionsverträge sind blumige Wörter, wichtig ist, was davon wie umgesetzt wird! Und da lassen wir uns mal überraschen.
Bereits vorgestern wurde bekannt, dass sich Schleswig-Holstein im Bundesrat gegen eine Vorratsdatenspeicherung einsetzen wird. Das ist etwas ungewöhnlich für eine Landesregierung aufgrund der Formulierung, die recht eindeutig ist: „Die Vorratsdatenspeicherung ist ein hochproblematischer Eingriff in die Grundrechte. Deshalb werden wir uns auf Europa- und Bundesebene im Bundesrat und der Innenministerkonferenz gegen jede Form der Vorratsdatenspeicherung einsetzen.“
Das Versammlungsfreiheitsgesetz soll gestärkt und damit verbunden ein Paradigmenwechsel umgesetzt werden: „Demonstrationen sind nicht als Gefahr, sondern als Ausübung eines Grundrechts zu begreifen.“ Dazu gehören „höhere Anforderungen an die technische Überwachung und ‑aufzeichnung auf Demonstrationen“.
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: Olympische Spiele: Stuxnet war nur eine Welle eines größeren amerikanischen Cyber-Angriffs
: Olympische Spiele: Stuxnet war nur eine Welle eines größeren amerikanischen Cyber-Angriffs
Der Computerwurm Stuxnet soll nur ein Baustein eines großangelegten Cyber-Angriffs mit dem Namen „Olympische Spiele“ sein. Das berichtet der Journalist David E. Sanger in seinem neuen Buch, von dem heute ein Auszug in der New York Times veröffentlicht wurde. Begonnen wurde das Programm 2006 unter George Bush, Barack Obama hat es weiter geführt und ausgeweitet.Am besten liest man die ganze Reportage bei der NY Times. Ein Auszug:
At a tense meeting in the White House Situation Room within days of the worm’s “escape,” Mr. Obama, Vice President Joseph R. Biden Jr. and the director of the Central Intelligence Agency at the time, Leon E. Panetta, considered whether America’s most ambitious attempt to slow the progress of Iran’s nuclear efforts had been fatally compromised.
“Should we shut this thing down?” Mr. Obama asked, according to members of the president’s national security team who were in the room.
Told it was unclear how much the Iranians knew about the code, and offered evidence that it was still causing havoc, Mr. Obama decided that the cyberattacks should proceed. In the following weeks, the Natanz plant was hit by a newer version of the computer worm, and then another after that. The last of that series of attacks, a few weeks after Stuxnet was detected around the world, temporarily took out nearly 1,000 of the 5,000 centrifuges Iran had spinning at the time to purify uranium.
Die These, dass die USA und Israel dahinter stecken, ist naheliegend und weit verbreitet. Sanger stützt sich jetzt auf Interviews mit Beamten aus den USA, Israel und Europa, die direkt beteiligt gewesen sein sollen.
Das große Problem mit staatlichen digitalen Waffen soll Obama auch klar sein: Wie will man anderen Staaten und Akteuren etwas verbieten, was man selbst macht?
Mr. Obama, according to participants in the many Situation Room meetings on Olympic Games, was acutely aware that with every attack he was pushing the United States into new territory, much as his predecessors had with the first use of atomic weapons in the 1940s, of intercontinental missiles in the 1950s and of drones in the past decade. He repeatedly expressed concerns that any American acknowledgment that it was using cyberweapons — even under the most careful and limited circumstances — could enable other countries, terrorists or hackers to justify their own attacks.
Wenig überraschend ist auch die Erkenntnis, dass Angriffe dieser Art keineswegs auf den Iran beschränkt sind. Die nächsten Ziele werden schon genannt:
American cyberattacks are not limited to Iran, but the focus of attention, as one administration official put it, “has been overwhelmingly on one country.” There is no reason to believe that will remain the case for long. Some officials question why the same techniques have not been used more aggressively against North Korea. Others see chances to disrupt Chinese military plans, forces in Syria on the way to suppress the uprising there, and Qaeda operations around the world.
Dazu gibt’s noch eine schöne Info-Grafik, wie der Angriff erfolgt sein soll.
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: #rp12: Rückblick auf ein Jahr DigiGes
: #rp12: Rückblick auf ein Jahr DigiGes Auf der vergangenen re:publica hab ich zusammen mit Lavinia Steiner einen Rückblick auf ein Jahr Digitale Gesellschaft e.V. gegegeben. Das Video ist jetzt online:
Und das war der Ankündigungstext:
„Zur re:publica’11 ist der Digitale Gesellschaft e.V. als Verein zur Förderung von Nutzerrechten in der netzpolitischen Debatte an den Start gegangen. Ein Jahr später ist es Zeit, einen Rück- und Ausblick über die vielfältigen Aktivitäten des Vereins zu geben. Das bearbeitete Themenspektrum des bisher rein ehrenamtlich agierenden Vereins ist groß: ACTA, Netzneutralität, Urheberrechtsreform, OpenData, Vorratsdatenspeicherung, Fluggastdaten-Abkommen und die aktuelle EU-Datenschutzreform sind nur einige Themenfelder, zu denen der Verein gearbeitet hat.
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: Politiker und ihr Umgang mit dem Netz
: Politiker und ihr Umgang mit dem Netz
Die ist ein Auszug aus: „Die digitale Gesellschaft. Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage“ von Markus Beckedahl und Falk Lüke. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2012, 14,90 EuroEin weiterer Auszug findet sich bei Spiegel-Online: Songs aus dem Netz: Wie die Musikbranche zum Internetgegner wurde.
Politiker und ihr Umgang mit dem Netz
2007 schickte das ARD ‑Morgenmagazin eine Gruppe Sechsjähriger als Kinderreporter mit einem Kamerateam zu Spitzenpolitikern, um sie zum Thema Internet zu interviewen. Die munteren Kinder schafften es, den Politikern einige Aussagen zu entlocken, die seitdem zu keinem Text über Politiker im Netz fehlen dürfen. Für Guido Westerwelle war das Internet so was »wie ein Hammer und ein Nagel«, der damalige SPD ‑Fraktionsvorsitzende Peter Struck schaute ganz erstaunt in die Kamera, als er erfuhr, dass schon Kinder Webseiten bauen können, und der Grüne Christian Ströbele hatte schon einmal davon gehört, dass es Suchmaschinen gibt, er selbst würde so etwas aber nicht nutzen. Und dann war da noch die damalige Justizministerin, mit zuständig für viele Gesetze zum Internet. Auf die Frage, welchen Browser sie nutzen würde, schaute Brigitte Zypries (SPD ) irritiert zu ihren Mitarbeitern hinüber und fragte dann in die Kamera: »Browser, was sind noch mal Browser?« Nun konnte man davon ausgehen, dass sie nur auf dem falschen Fuß erwischt wurde und einen Browser schon als Selbstverständlichkeit ansah, den man zum Surfen im Netz benötigte, aber diese Frage wurde für einige Jahre der Standard, um das Verhältnis von Politik zum Netz zu beschreiben.
Und noch etwas hatte sich verändert.
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: Jetzt auch wissenschaftlich belegt: Netzneutralität wird permanent verletzt
: Jetzt auch wissenschaftlich belegt: Netzneutralität wird permanent verletzt Weltweit drosseln oder blockieren Internet-Provider Filesharing-Protokolle wie BitTorrent mittels Deep Packet Inspection. Das zeigen neue Daten von Wissenschaftlern aus New York und den Niederlanden. In Deutschland fällt vor allem Kabel Deutschland negativ auf.
Das Tool Glasnost des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme ermöglicht Internet-Nutzern, zu untersuchen, ob ihr Provider in Filesharing-Traffic eingreift. Forscher der Syracuse University sowie der Technischen Universität Delft haben die Datenbank der Messergebnisse nun untersucht und auf deeppacket.info dokumentiert.
Aus den Daten geht hervor, dass Internet-Anbieter weiterhin in den Traffic ihrer User eingreifen. Insgesamt geht die Anzahl der Eingriffe zwar leicht zurück, dennoch sind die Ergebnisse regional recht unterschiedlich:
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: Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage
: Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage
Unser Buch “Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage“ scheint wohl schon bei Amazon lieferbar und wurde auch heute schon in Buchhandlungen gesehen. Eine Amazon-Kindle-Variante gibt es nicht, dafür ist es demnächst als ePub oder PDF erhältlich. Der Preis für die Printausgabe ist 14,99 Euro, die Digitalversionen kosten 12,99 Euro. Eine erste Rezension gab es bereits von dpa auf heise.de zu lesen: Aufgeschreckt von digitaler Bürgerschaft: Die Politik und das Netz.
Update: Kindle-Version kommt auch. Alle eBook-Varianten gibt es ab dem 1. Juni.
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: Gerichte in Finnland und New York: WLAN-Inhaber nicht für Urheberrechtsverletzung verantwortlich
: Gerichte in Finnland und New York: WLAN-Inhaber nicht für Urheberrechtsverletzung verantwortlich Die Betreiberin eines offenen WLANs ist nicht für darüber begangene Urheberrechtsverletzungen verantwortlich. Diese Entscheidung eines finnischen Gerichts könnte Auswirkungen auf EU haben. Ein New Yorker Richter geht noch weiter: Auch der Inhaber einer IP-Adresse haftet nicht.
Eine finnische Frau soll 6.000 Euro zahlen, weil über ihren Internet-Anschluss Urheberrechtsverletzungen begangen worden sein sollen. Sie betreibt ein offenes WLAN und war zur Tatzeit gar nicht zu Hause. Ein Bezirksgericht hat jetzt entschieden, „dass ein WLAN-Inhaber nicht für Vergehen Dritter verantwortlich gemacht werden kann“.
Noch besser: Das Gericht leitete das Urteil von den finnischen Umsetzungsgesetzen dreier EU-Richtlinien ab: E‑Commerce-Richtlinie, Urheberrechtsrichtlinie und Richtlinie zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Gegenseite kann noch Berufung einlegen. Auch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs ist möglich.
Ein Richter in New York geht noch darüber hinaus. In einer Empfehlung vertritt er die Auffassung, dass auch der Inhaber einer IP-Adresse nicht für darüber begangene Vergehen verantwortlich gemacht werden kann. Anlass waren die bekannte Masche, IP-Adressen in Peer-to-Peer Netzwerken zu sammeln und die Anschlussinhaber dahinter zu ermitteln, um von diesen Strafzahlungen zu verlangen.
Die Einschätzung des Richters ist so schön, dass wir sie übersetzt haben:
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: Interessenkonflikt? Europaabgeordneter ist gleichzeitig Anwalt für Patente und Urheberrecht
: Interessenkonflikt? Europaabgeordneter ist gleichzeitig Anwalt für Patente und Urheberrecht Klaus-Heiner Lehne ist CDU-Abgeordneter im Europaparlament, Mitglied im Fraktionsvorstand sowie Vorsitzender im Rechtsausschuss. Quasi nebenbei arbeitet er auch für die internationale Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing, wo er mehr als 120.000 Euro im Jahr verdient. Abgeordnetenwatch.de hat nun recherchiert, wie problematisch das sein kann.

Mit einer Zusammenfassung wäre es gar nicht getan, also einmal rüber zum Original-Artikel klicken, bitte. Nur ein paar Zitate:
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: Reader: Öffentlichkeit im Wandel – Medien, Internet, Journalismus
: Reader: Öffentlichkeit im Wandel – Medien, Internet, Journalismus Die re:publica entwickelt sich mehr und mehr zur jährlichen Deadline für netzpolitische Veröffentlichungen. Abgesehen vom Buch „Die digitale Gesellschaft“ von Markus Beckedahl und Falk Lüke, aus dem heute noch vorgelesen wird, und einer
noch nicht online verfügbarenBroschüre über Freie Lizenzen (PDF) von Wikimedia Deutschland, Creative Commons und iRights, hat die Heinrich-Böll-Stiftung einen Reader zum Thema „Öffentlichkeit im Wandel – Medien, Internet, Journalismus“ herausgegeben:Das veränderte Medienverhalten und der Schwund der Werbeeinnahmen in den Printmedien führen bei den Verlagen und den Sendern zu einer intensiven Suche nach neuen Verwertungs- und Distributionsmodellen. Die Öffentlichkeit ist im Wandel – nicht ohne gravierende Folgen für den Journalismus. Neue Akteure – meist ohne Zertifikat der Journalistenschulen – treten im Internet auf und verändern den professionellen Journalismus durch neue Formen. Die vierte Gewalt demokratisiert sich. Auf Kosten der Qualität?
Über zwanzig Autorinnen und Autoren gehen dieser Frage nach und beschreiben den Wandel und die neuen Chancen unserer Öffentlichkeit.Der Reader steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC-BY-SA) und ist deshalb auch als PDF im Volltext online verfügbar.
Disclaimer: Ich bin einer dieser „über zwanzig Autorinnen und Autoren“ mit einem Beitrag zum Thema „Informationsmärkte und Öffentlichkeit: Jenseits von «Free» und «Free Ride»“
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: Wahlen in Frankreich: Ein netzpolitischer Überblick
: Wahlen in Frankreich: Ein netzpolitischer Überblick Etwa um diese Zeit wird am kommenden Sonntag, den 6. Mai, der neue Präsident Frankreichs feststehen. @FHollande (Sozialistische Partei), der Politiker mit den meisten Followern in ganz Frankreich, liegt laut Umfragen knapp vorne. Derweil ist @NicolasSarkozy zu allem bereit, um im Amt zu bleiben und wirbt mit rechter Rhetorik um die 17,9% der Wähler, die im ersten Wahldurchgang für die rechtsradikale Front National stimmten.
Viele Franzosen fanden die diesjährige Kampagne ziemlich unspannend und vom netzpolitischen Programm der Kandidaten hat man so gut wie nichts gehört. Hier nun ein kleiner Überblick.
Die Kandidaten
Lange wußte Hollande nicht so ganz, was er mit Hadopi anfangen soll. Seine Meinung zum Three-Stikes-Gesetz, das eine Internetzugangssperre für diejenigen vorsieht, die wiederholt bei Urberrechtsverletzungen im Netz erwischt werden, hat er mehrmals geändert.Erst hörte man im letzten Jahr von ihm, dass Hadopi weg muss, dann im Herbst irgendwie doch nicht und nun im Januar 2012 hieß es, diesmal wirklich ganz ganz sicher, dass er das “veraltete” Hadopi abschaffen will. Sollte er gewählt werden, möchte er ein generelles Umdenken: Vorhang auf für den “zweiten Akt der exception culturelle française (französische kulturelle Ausnahme)”. Eine Kulturflatrate möchte er zwar auch nicht, ist aber bereit, über Verwertungsgesellschaften, die Förderung des legalen Angebots und neue Finanzierungsmodelle nachzudenken.
Sarkozy geht in Sachen Urheberrecht natürlich in eine ganz andere Richtung und möchte repressive Maßnahmen auch auf andere Wirtschaftszweige im Netz ausgeweiten. Nicht nur Internetzugangsanbieter sollen in Zukunft zum Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen beitragen, sondern auch Zahlungs‑, Werbedienste und Suchmaschinen sollten sich beteiligen. Sarkozy fordert zudem, dass jede Person, die terroristische oder zu Gewalt aufrufende Webseiten besucht, bestraft wird. Wie dies technisch durchgesetzt werden soll, ist unklar.
Zum Datenschutz findet man im Programm von Sarkozy rein gar nichts. Auch bei Hollande sieht es dort ein wenig mager aus: Zumindest will er einen sogenannten “habeas corpus numérique” einzuführen, der die digitalen Rechte und Freiheiten garantieren soll. Er fordert zudem, dass das Parlament zukünftig über polizeiliche Datenbanken entscheiden soll und will für Bürger das Recht auf Zugang zu ihren Kriminalakten schaffen.
Beide Kandidaten sind sich jedoch einig, dass freie Software in der Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt und möchten die Entwicklung und Nutzung fördern. Beide erklären auch, wie wichtig offene Daten sind und preisen die Chancen der Interoperabilität und offenen Standards. Während Hollande sich jedoch gegen Softwarepatente ausspricht, will Sarkozy für sie freie Bahn.
Beim Thema Netzneutralität gibt es zwei verschiedene Definitionen. Beide sind zwar der Meinung, dass dieses Prinzip geschützt werden muss. Für Sarkozy ist die Netzneutralität bereits mit der Umsetzung des Telekom-Pakets genügend gesichert ist – er findet nicht, dass Zugangserschwerungen oder Internetsperren dem irgendwie widersprechen. Hollande ist klar gegen jegliche Diskriminierung und Einschränkungen im Netz, möchte aber ebenfalls keine zusätzliche gesetzliche Verankerung der Netzneutralität (denn Frankreich sollte sich nicht isolieren) und baut daher auf erhöhte Transparenz der Netzmanagement-Praktiken der Netzanbieter.
Die Franzosen
Am letzten Sonntag gab es in meiner französischsprachigen Timeline viel über Flans, Tomaten, dem Wetter, Schuhgrößen, rotem Käse und ungarischem Wein zu lesen und nette Bildchen anzuschauen. Die Franzosen sind recht kreativ geworden, das gesetzliche Verbot zu umgehen, am Wahltag Hochrechnungen vor dem offiziellen Termin zu kommunizieren – indem verschlüsselt getwittert und der hashtag #radiolondres benutzt wird. Auch am nächsten Sonntag darf vor 20:00 Uhr darf der Gewinner nicht bekannt gegeben werden, denn dies könnte noch die Spätwähler beeinflussen. Journalisten und Blogger kritisierten das Gesetz als nicht mehr zeitgemäß und erklärten, es verletze die Presse- und Meinungsfreiheit.
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: Heimliche Piraten
: Heimliche Piraten Sonja Schünemann und Lars Seefeldt haben für das ZDF eine 14 Minuten lange Kurz-Doku über Dorothee Bär, Jimmy Schulz und Lars Klingbeil gedreht, die es in der Mediathek zu sehen gibt: Heimliche Piraten.
Dorothee Bär, Jimmy Schulz und Lars Klingbeil machen Netzpolitik in CSU, FDP und SPD und kämpfen, um das Thema „Internet“ nach vorn zu bringen. ZDFinfo begleitet die drei mit der Kamera.
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: Der Kampf ums Netz: Herausforderungen für das offene Internet
: Der Kampf ums Netz: Herausforderungen für das offene Internet Der britische Guardian betrachtet in einer Serie verschiedene Aspekte der Auseinandersetzungen um ein freies und offenes Internet. Eine Woche lang berichtet er von mehreren Kampf-Schauplätzen, darunter die Militarisierung des Cyberspace, der Kampf um geistiges Eigentum und die Gefahr geschlossener Systeme.
Sonntag ging’s los mit dem „neuen kalten Krieg“. Auf der einen Seite will die chinesische Regierung das Internet zensieren, auf der anderen Seite sponsorn die USA das offene Internet mit Millionenbeträgen:
Einerseits finanziert die US-Regierung Commotion Wireless, das jeder Person erlaubt, ein Smartphone mit anderen zu verbinden und so ein vermaschtes Netz zu bilden – ein improvisiertes Internet – zur heimlichen Kommunikation, unabhängig von staatlicher Überwachung oder Internet-Abschaltung.
Andererseits warnte das FBI kürzlich auf Flugblättern, dass die verwendung von Anonymisierern, Verschlüsselung und mehreren Mobiltelefonen „Indikatoren für terroristische Aktivitäten“ sein könnten.
Gestern ging es um die Gefahr des Cyberwars, der auch hierzulande gerne heraufbeschworen wird. Auch amerikanische Behörden haben Angst, aber auch die Lösung: Mehr Waffen!
Wir brauchen offensive Fähigkeiten, um die Bösen abzuschrecken.
Der heutige Tag thematisierte geschlossene Systeme wie Apple und Facebook. Dass das Netz auf Offenheit basiert und diese verteidigt werden muss, ist nicht neu. Dass aber Google-Gründer Sergey Brin das nun als bisher größte Gefahr bezeichnete, brachte ihm die zu erwartende Reaktion: Selber!
Morgen geht’s weiter mit Copyright. Eine wichtige Beobachtung hat Clay Shirky schon gemacht:
Die wirkliche Bedrohung für die Freiheit des Internets ist nicht, dass der Iran sagt Wir trennen uns ab und bauen ein eigenes Internet – das ist ein verzweifelter Akt. Die wirkliche Bedrohung kommt von der MPAA [Motion Picture Association of America] und ihren Verbündeten. Wir sollten uns viel mehr Sorgen darüber machen, was in Südkorea los ist als in Nordkorea.
Am fünften Tag zivilisierte Nicholas Sarkozy das Internet. Übermorgen gibt’s ein Profil digitaler Freiheitskämpfer und zum Schluss das Ende der Privatspähre.
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: Video: Mitschnitt vom 3. netzpolitischer Abend der DigiGes
: Video: Mitschnitt vom 3. netzpolitischer Abend der DigiGes Hier ist der komplette Mitschnitt des dritten netzpolitischen Digiges-Abend in der c‑base in Berlin am 4. April 2012. Die ersten Minuten sind mit der Zweitkamera aufgezeichnet, weil da die Stream-Kamera aussetzte. Also nicht über die schlechte Qualität von Bild und Ton in den ersten Minuten wundern, die wird nach spätestens zehn Minuten viel besser.
Wir werden noch in den kommenden Tagen die Vorträge einzeln bereitstellen. Bis dahin gibt es die 85 Minuten lange Extended-Version mit ACTA, Informationsfreiheitsgesetz, Leistungsschutzrecht, Vorratsdatenspeicherung und Fluggastdatenabkommen.
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: Buch: Die Digitale Gesellschaft
: Buch: Die Digitale Gesellschaft
Seit Ende letztem Jahr ist es fertig, eine kleine Korrekturschleife ist beendet und bald sollte es in Druck gehen: Zusammen mit Falk Lüke habe ich mein erstes Buch geschrieben und es erscheint voraussichtlich am 1. Juni beim Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv): „Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage“. Auf 220 Seiten beschreiben wir verschiedene Konfliktfelder der Netzpolitik. Die Zielgruppe besteht wohl eher aus den Menschen, die nicht den ganzen Tag Netzpolitik-Blogs lesen, sondern vielleicht mal was von dem Thema gehört haben, aber nicht genau wissen, worum es dabei überhaupt geht. Andererseits wird der Überblick über die einzelnen Konfliktfelder und die vielen kleinen Informationen vielleicht auch viele Leser interessieren.
Ich bin gespannt, ob nach dem Lesen meine Eltern mal endlich verstehen, womit ich mich den ganzen Tag so beschäftige. Eine eigene Webseite für das Buch wird es nicht geben (ich hab ja schon ein Blog), dafür gibt es eine obligatorische Facebook-Seite und ich werde hier auch etwas über die Erfahrungen als Buch-Autor berichten. Und ich freue mich schon auf weitere Urheberrechtsdebatten. Das macht sicher mehr Spaß, wenn man als Buch-Autor auftreten kann als nur als Blogger.
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: CNETZ – Neuer CDU-CSU-Verein für Netzpolitik
: CNETZ – Neuer CDU-CSU-Verein für Netzpolitik Nach dem SPD-nahen Verein D64 gibt es jetzt auch einen CDU/CSU-nahen Verein namens CNETZ. Dahinter stecken verschiedene Bundestagsabgeordnete wie Dorothee Bär, Peter Altmaier, Thomas Jarzombek, Erika Steinbach und Peter Tauber, sowie einige Basismitglieder.
Auf ihrem Blog schreibt CNETZ, dass man als Vereinsziel ein „Internet der Freiheit“ will:
Wir wollen eine bürgerliche und verantwortungsvolle Netzpolitik, die einen fairen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen in einer pluralistischen Gesellschaft auch im Netz schafft. Wir wollen dabei Werte und Normen im Zeitalter der Digitalisierung mit Leben füllen, die sich für unser Land als förderlich und segensreich erwiesen haben. Dazu gehören die im Grundgesetz niedergeschriebenen Grundrechte, aber auch ein von Respekt und Toleranz geprägter Umgang im alltäglichen Miteinander.
Wir wollen ein Internet der Freiheit. Dabei hat für uns Freiheit ohne Verantwortung keinen Wert. Sie ist kein Selbstzweck, sondern sie befähigt uns. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen Netzpolitik, wie wir sie verstehen und einer Beliebigkeit ohne Verantwortung, von der andere reden. Das christliche Menschenbild und die im Grundgesetz niedergelegten Werte stellen den zur Freiheit berufen Menschen in den Mittelpunkt. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, die Menschen dazu zu befähigen, dieser Freiheit gerecht zu werden – gerade in der digitalen Gesellschaft.Erfreulich ist, wenn sich nach der SPD nun auch in der CDU/CSU netzpolitisch-progressive sammeln und für mehr Netzfreiheit werben wollen. In vielen Debatten wie Vorratsdatenspeicherung, Urheberrecht, ACTA & Co würden den Konservativen vernünftige und grundrechtsfreundliche Positionen gut tun. Insofern wünschen wir viel Erfolg bei dem Ziel, ein Internet der Freiheit mit zu schaffen.
Unklar ist, wann Grüne und Linke eigene Vereine gründen. In beiden Parteien gibt es bisher nur Bundesarbeitsgemeinschaften für Netzpolitik. Selbst bei den Piraten gibt es mit der Gruppe 42 eine eigene Ausgründung, um das netzpolitische Profil zu schärfen.