Netzpolitik
Netzpolitik hauptsächlich in Deutschland, aber auch international. Kernthema dieses Blogs.
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: IT-Gipfel: Auf der Datenautobahn in die vierte Dimension
: IT-Gipfel: Auf der Datenautobahn in die vierte Dimension Heute ist mal wieder IT-Gipfel, die „Bundesregierung sucht den Schulterschluss mit der Industrie“, vergisst dabei wie immer die Zivilgesellschaft, und schüttet Geld in die üblichen Industriekanäle für Großprojekte, die manchmal vielleicht auch etwas werden. Soweit so gut. Lachen musste ich aber über ein Grußwort von Horst Seehofer, das mit viel Retro-90-Charme auf wenig Platz daher kommt:
Unsere regionale Arbeitsgruppe Bayern stellt vor, wie IKT Wettbewerbsvorteile schafft und Wachstum ermöglicht. So erleben wir, dass sich Mobilität von Straßen und Schienen löst und auf die Datenautobahn einbiegt. Sie erst verknüft die Wege zum Netzt, und so wird Mobilität zur globalen Präsenz: Die Infrastruktur gewinnt eine vierte Dimension!
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: Besinnliche CSU-Netzpolitik
: Besinnliche CSU-Netzpolitik Zur Zeit läuft eine Adventsaktion von CSUnet, dem „virtuellen Verband der CSU“, auf Facebook.
Der CSUnet hat sich für die Vorweihnachtszeit eine besondere Aktion ausgedacht: Unter @ventskalender auf Twitter kann jeder User seine ganz persönliche netzpolitische Botschaft loswerden. Jeden Tag veröffentlicht der CSUnet auf seiner Facebook-Seite facebook.com/csunet dann die schönste Nachricht als „Netzpolitisches Kalendertürchen“. Am 24. Dezember wird schließlich aus allen eingegangenen Tweets die „Netzpolitische Botschaft des Jahres“ gekürt. (Quelle)
Bisher sieht das so aus:
1. Dezember „Gesetze so festlegen, dass wir auch im Netz frei sein können“
2. Dezember „Ich will nicht immer einen Juristen fragen müssen, wenn ich mich mit anderen im Netz austausche“
3. Dezember „Freiheit statt VDS“
4. Dezember „Das Internet ist kein Ort für Geheimnisse. Im Internet teilt man Dinge mit.“
5. Dezember „Die Entwicklung des Internets kann man vergleichen mit der Erfindung der Buchdruckerkunst.“Ob offizielle Vorschläge auch über Facebook gemacht werden können weiß ich nicht, ein paar schöne Ideen wurden allerdings auch dort gesammelt:
1. Die CSU ist wie immer Vorreiter.
2. Klarnamenszwang im Internet
3. Das Internet darf nicht im linken Chaos versinken.
4. Der liebe Gott soll uns bei der Lösung all unserer Probleme beistehen.Welche der Sammlungen auf mehr Zustimmung in der Partei treffen würde sei dahingestellt.
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: SPD-Leitantrag “Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität in der digitalen Gesellschaft”
: SPD-Leitantrag “Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität in der digitalen Gesellschaft” Die SPD hat heute in Berlin auf ihrem Bundesparteitag einen Leitantrag mit dem Titel “Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität in der digitalen Gesellschaft” beschlossen. Der Leitantrag behandelt einige netzpolitische Themen, ist aber nicht so umfassend, wie der Titel verspricht. Der Schwerpunkt liegt eher auf klassischen sozialdemokratischen Themen wie Wirtschaft & Arbeit. Trotzdem gibt es einige gute Forderungen wie einen gesetzlichen Schutz der Netzneutralität, mehr Open Data und Freie Software in der Verwaltung bevorzugen und fördern. Was komplett ausgeklammert wurde, ist u.a. der komplette Bereich Überwachung sowie Urheberrecht.
Die Debatte und Abstimmung wurde praktischerweise in die Mittagspausen-Zeit gelegt, so dass die meisten Delegierten sich damit nicht beschäftigen mussten.
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: Buch: Barefoot Into Cyberspace
: Buch: Barefoot Into Cyberspace
Immer Sommer ist das Buch „Barefoot Into Cyberspace: Adventures in Search of Techno-Utopia“ (Partnerlink) von der Britin Becky Hogge erschienen. Becky war mal Geschäftsführerin der Open Rights Group in London und schreibt seitdem lieber über Netzpolitik. Auf dem CCC-Camp stand sie am Wegesrand und verkaufte ihr damals gerade erschienenes Buch, was ich gerne mitnahm, aber wovon ich damals nur einige Seiten gelesen hatte. Den Rest hab ich im Urlaub nachgeholt und mir hat es gefallen. Im Reportagestil beschreibt sie ihre Begegnungen mit Netzaktiviten wie Rop Gonggrijp, Cory Doctorow und Julian Assange auf CCC-KOngressen oder woanders und erzählt darüber noch etwas die Computer- und Internet-Geschichte mit einem Schwerpunkt auf digitaler Kultur und Parrallelen zu anderen Gegenkulturen.
Das Buch hat 246 Seiten, es gibt nur eine englischsprachige Version, aber das Englisch ist nicht so schwierig, wenn man eh in der Netzpolitik-Debatte etwas drin ist.
Freundlicherweise wurde das Buch unter einer CC-BY-Lizenz veröffentlicht und so findet man verschiedenen Version im HTML-, PDF und ePub-Format zum kostenfreien herunterladen.
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: Wie Google in Deutschland Lobbying macht
: Wie Google in Deutschland Lobbying macht Astrid Herbold beschreibt bei Zeit.de mal einen Teil der Google-Lobbying-Strategien in Deutschland: Google umgarnt die Netz-Prominenz. Einen Hauptteil des Artikels macht das von Google initiierte Co:llaboratory aus.
Man muss hinter dem Co:llaboratory, dessen Ergebnisse hauptsächlich in Broschüren, Tagungen und Pressekonferenzen münden, trotzdem keine große Verschwörung vermuten. Die Mitarbeit ist ehrenamtlich, inhaltliche Vorgaben von Google gibt es keine. Nicht mal das Catering bei den langen Sitzungen sei besonders aufregend, berichten die Beteiligten übereinstimmend. „Gepampert wird man nicht“, sagt Jan Engelmann von Wikimedia. „Trotzdem ist das natürlich eine sehr smarte Form der Einbindung zivilgesellschaftlicher Gruppen, das ist uns absolut bewusst.“ Felix Kamella von LobbyControl wird deutlicher: „Solche strategischen Vernetzungsbemühungen fallen eindeutig unter Lobbyismus.“
Beim Co:llaboratory ist es wie beim Alexander von Humboldt-Institut: Die Notwendigkeit, sowas zu machen, ist da. Schade ist, dass beides von Google initiert wurde und dabei Fragen zur Unabhängigkeit nicht mehr los wird. Und traurig ist, dass sonst niemand in der Lage war und ist, z.B. einen richtigen Multi-Stakeholder-Dialog zum Thema Netzpolitik auf die Reihe zu bekommen. Die Bundesregierung interessiert sowas nicht wirklich, die Enquete-Kommission versagt darin seit Beginn wegen zuviel Parteipolitik und das jährliche deutsche Internet Governance Forum ist nicht mehr geworden als eine eintägige Laberrunde.
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: D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt
: D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt Heute wurde in Berlin das „D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt“ präsentiert, zu dessen Gründungsmitgliedern Vertreter aus Internetwirtschaft, Medien und Politik zählen. D64 will als „eine Art Think Tank“ „zu mehr Teilhabe und Transparenz in Wirtschaft und Politik aktiv, konstruktiv und kreativ mitgestalten und zur Vermittlung relevanter technischer Fachkenntnisse beitragen“. Zu den geplanten Aktivitäten gehören „Offline-Aktivitäten, wie Studien, Umfragen, Buchprojekte, journalistische Arbeiten und Diskussionsveranstaltungen, als auch Online-Aktivitäten, wie politische Blogs, Netzwerke, und Kampagnenwerkzeuge“.
Zu den Gründungsmitgliedern gehört eine bunte Mischung aus Sozialdemokraten wie Björn Böhning, Lars Klingbeil und Nico Lumma und dann wieder Menschen aus der Internetwirtschaft wie Stefan Keuchel (Pressesprecher von Google Deutschland), Tina Kulow (Pressesprecherin von Facebook Deutschland) und Eva-Maria Kirschsieper (Lobbyistin von Facebook in Deutschland), aber auch unser Leonard Dobusch. Vorsitzender ist der geschätzte Mathias Richel. Insofern erinnert D64 in der Mischung und im Namen etwas an eine Neuauflage von D21, das seinerzeit u.a. von Gerhard Schröder und Brigitte Zypries mit der Internetwirtschaft gegründet wurde. Der neue Verein dürfte mit dem Fokus irgendwo zwischen dem Politcamp e.V. und dem von Google initierten Collaboraty einzuordnen sein.
Wir wünschen der Gruppe D64 ein gutes Händchen beim Bearbeiten der SPD!
Update: Bei Zeit.de findet sich auch ein Bericht: Die SPD bekommt netzpolitische Nachhilfe.
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: Friedrich: Kein Digital Native, sondern eher digital naiv
: Friedrich: Kein Digital Native, sondern eher digital naiv Vergangenen Mittwoch hat unser Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich auf einem Demokratiekongress der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Rede zur Netzpolitik gehalten, wobei mir gerade unklar ist, ob das die lang erwartete Grundsatzrede zu seiner Netzpolitik gewesen ist. Immerhin ist der Innenminster auch Internetminister, zumindest hatte das Thomas de Maiziere so festgelegt und bisher hat sich diese Zuständigkeit innerhalb der Bundesregierung nicht geändert. Die Rede habe ich aufgrund meines Urlaubs leider verpasst und finde sie auch weder auf Youtube noch auf der Seite des Bundesinnenministeriums. (Hab ich die nur übersehen oder ist die echt nicht online verfügbar?)
Die Kommentierung muss ich daher anderen überlassen, besonders lesenswert fand ich diesen Beitrag in der Süddeutschen Zeitung mit dem schönen Bild „Kein Digital Native, sondern eher digital naiv“: Wie ein Innenminister Netzpolitik simuliert.
Kein Digital Native, sondern eher digital naiv. In seiner Grundsatzrede zur Netzpolitik beschwört Innenminister Friedrich die Rückbesinnung zum Analogen und beweist damit vor allem eines: Der CSU-Mann hat keine Lust, sich mit den Folgen der globalen Digitalisierung auseinanderzusetzen. […] Im Rahmen des Demokratie-Kongresses der Konrad-Adenauer-Stiftung erhielt Friedrich nun die Möglichkeit, in einer Grundsatzrede seine Vision einer Netzpolitik für die kommenden Jahre auszubreiten. Es sei bereits an dieser Stelle verraten: Er versuchte nicht einmal ansatzweise, diese Chance zu nutzen.
Schade.
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: Heute in Berlin: Netzpolitischer Abend der SPD
: Heute in Berlin: Netzpolitischer Abend der SPD Heute Abend gibt es in Berlin einen „Netzpolitischen Abend der SPD“ im Rahmen des SPD-Bundesparteitag. Besonders der Tagesordnungspunkt 4 mit den Singübungen klingt spannend:
Peter Altmaier twittert, die Piratenpartei ist im Berliner Abgeordnetenhaus und selbst die Bundesregierung hat nun einen eigenen Youtube Kanal. Mit all diesen globalen netzpolitischen Umwälzungen dachten wir (Forum Netzpolitik der Berliner SPD), dass es höchste Zeit wird euch alle am Vorabend des Bundesparteitages recht herzlich zum nächsten netzpolitischen Basistreffen der SPD am 3. Dezember von 18–20 Uhr einzuladen.
Geplant sind drei kurze und hoffentlich prägnante Vorträge:
1. Urheberrecht im digitalen Zeitalter | Dr. Leonhard Dobusch, FU Berlin
2. Internationale Internetregulierung | Dr. Jeanette Hofman, Institut für Internet und Gesellschaft
3. Open Government | Friedrich Lindenberg, Open Knowledge Foundation
4. Get-together und Singübungen für den BundesparteitagEin solch spezieller Abend bedarf natürlich auch eines besonderen Ortes: das Stattbad Wedding (Gerichtsstraße 65, 13347 Berlin). Für alle die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen wären die Linien S1, S2 bis Humboldthain oder die U6, S41, S42 bis Wedding sehr empfehlenswert. Um eine kurze Anmeldung unter yannick.haan@googlemail.com wird herzlich netzpolitisch gebeten.
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: Raubkopierer sind Verbrecher vs grüne Netzpolitik
: Raubkopierer sind Verbrecher vs grüne Netzpolitik Man könnte laut lachen, wenn es nicht so traurig wäre: Die „Raubkopierer sind Verbrecher“- & Pro-Netzsperren-Lobby beschwert sich bei den Grünen, dass die sich in einem Leitantrag für den kommenden Parteitag gegen Netzsperren, gegen Vorratsdatenspeicherung und für Netzneuutralität einsetzen. Darauf muss man erstmal kommen! Die Argumente sind so absurd, dass da bewusste Panik- und Angstmache dahinter stecken muss. Da geht´s dann darum, dass man selbstverständlich Vorratsdatenspeicherung braucht, um Datenschutz besser durchzusetzen, die Kinderpornokeule kommt natürlich auch wieder und mit einem Schutz der Netzneutralität versinken wir 25x mehr in Spam. Unglaublich!
Dachte zuerst an einen Fake, aber die ticken ja irgendwie anders: Urheberrechtslobby weint sich bei Grünen aus.
Einen weiteren Kommentar gibt es bei sectio-aurea.org.
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: Rot-Schwarzer Koalitionsvertrag für Berlin
: Rot-Schwarzer Koalitionsvertrag für Berlin Der Koalitionsvertrag von Rot-Schwarz ist jetzt öffentlich verfügbar. Das Ergbnis klingt ein wenig wie ein Tauschgeschäft. Die CDU konnte sich mit mehr Überwachung durchsetzen, dafür hat die SPD einige gute Punkte im Teil „Fortschrittliche Netzpolitik“ untergebracht, die sehr erfreulich klingen. aber erstmal zu den schlechten Dingen
Die Videoüberwachung im Öffentlich Nahverkehr soll ausgebaut werden, dazu soll nicht nur 24 sondern gleich 48 Stunden gespeichert werden. Zusätzlich weist man explizit auf einen Passus aus den Beförderungebedingungen hin, dass „das bestehende Alkoholverbot in Beförderungsmitteln der BVG“ durchzusetzen sei. Bin mal gespannt, wie man das in der Realität auch durchsetzen will, vor allem an Abenden des Wochenendes, wo jeder zweite Fahrgast eine Flasche Bier in der Hand hält. Dafür wurde eine Forderung der Piratenpartei zumindest im Ansatz übernommen: Staatliche Uniformträger dürfen kostenfrei Bus und Bahn fahren, der Rest muss aber weiterhin zahlen.
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: Masterplan der EU-Kommission: Netzneutralität durch Transparenz?
: Masterplan der EU-Kommission: Netzneutralität durch Transparenz? Neelie Kroes, für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Kommission, hat gestern Abend anlässlich des EU-Hackathons eine Rede gehalten, in der sie wieder einmal besonderen Wert auf Transparenz legte. Der Masterplan der Kommission, Netzneutralität durch Transparenz und einfaches Wechseln der Anbieter zu sichern, reicht jedoch in sehr vielen Fällen nicht aus. Angesichts der Realität und den zahlreich aufgezeigten Verletzungen der Netzneutralität in der EU ist die Logik der Kommission nicht wirklich nachvollziehbar. Warum sie geradezu gefährlich ist, erklärten in diesem Monat viele Bürgerrechtsorganisationen in ihren Antworten auf die Konsultation des GEREK:
Antwort der Net User’s Rights Protection Association
Antwort von European Digital Rights
(Crossposting von vasistas?)
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: US-Senat soll Netzneutralität wieder kippen
: US-Senat soll Netzneutralität wieder kippen Als sich die FCC im Dezember letzten Jahres anschickte, Netzneutralität vorzuschreiben, war die Aufregung groß.
Im August war dem schon der Vorstoß von Google und Verizon vorangegangen, mit dem die beiden Unternehmen sich bemühten, Netzneutralität so zu formulieren, dass sie für ihr Kerninteressse, den mobilen Markt nicht gelte.
Dafür hatten sie einerseits ein Argument – limitierte Bandbreiten durch Interferenzen – andererseits zeigt sich gerade an diesem Beispiel, dass fehlende Netzneutralität vor allem eine Diskriminierung der Nutzer unteinander darstellt, und nicht, wie es in unzutreffenden Beispielen oft nahegelgt wird, den Nutzern die Möglichkeit gäbe, ihre persönliche Bandbreite nach ihren Vorstellungen zu verteilen. -
: Tadschikistan, wir haben uns alle lieb
: Tadschikistan, wir haben uns alle lieb Volker Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen hat in seinem Blog die Bemühungen einiger konservativer Politiker kritisiert, sich mit etwas twittern als Netzpolitiker zu inszenieren und damit „Augenwäscherei“ zu betreiben, aber gleichzeitig früher für die Online-Durchsuchung und die Vorratsdatenspeicherung gestimmt zu haben: Tweet, tweet, tweet, wir haben uns alle lieb.
Gleichzeitig argumentiert er als Fortsetzung seines vor kurzem in der FAZ publizierten Beitrages, die konservativen Bundestagsabgeordneten würden jetzt auch nur mit der Piratenpartei kuscheln, um diese zu stärken und damit Rot-Grün bei der kommenden Bundestagswahl zu verhindern.
Diese Vorlage lassen sich Jürgen Scheele und Jörg Braun, Mitarbeiter der Linksfraktion, nicht nehmen und erinnern Volker Beck wiederum an die grüne Vergangenheit in der letzten Rot-Grünen Koalition, als diese die beiden Otto-Kataloge mit Beteiligung von Volker Beck beschlossen haben: Durchs wilde Tadschikistan – Noch mehr Tacheles.
Sie plädieren dabei für mögliche Dreier-Koalitionen – inklusive der Linken oder der Piraten, weil beide Varianten für eine „umfassendere Bürgerrechtspolitik“ stehen würden.
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: Die Piratenpartei Deutschland – Entwicklung und Selbstverständnis
: Die Piratenpartei Deutschland – Entwicklung und Selbstverständnis „Die Piratenpartei Deutschland – Entwicklung und Selbstverständnis“ ist eine Magisterarbeit von Tobias Neumann, die jetzt auch als Buch und als PDF unter der CC-BY-SA – Lizenz erschienen ist
Im Frühjahr 2011 habe ich eine umfangreiche Untersuchung innerhalb der Piratenpartei durchgeführt. Dabei wurden alle (damals rund 12.000) Mitglieder eingeladen an einer Befragung mittels eines elektronischen Fragebogens teilzunehmen. Dabei hat rund ein Viertel der Mitglieder an der Befragung teilgenommen. […] Mein Ziel war es eine umfassende wissenschaftliche Arbeit über die Piratenpartei in Deutschland anzufertigen, deren Blick sich vor allem nach innen richten sollte. Im Ergebnis sind dabei 270 Seiten inklusive der Anhänge Feldbericht und Fragebogen herausgekommen. Eingegangen bin ich dabei zunächst auf die Entwicklung der schwedischen (ersten) Piratenpartei, vor deren Hintergrund ich die Entwicklung der Piratenpartei in Deutschland in vielerlei Hinsicht untersucht habe. Auch der internationale Dachverband der Piratenpartei, die PPI (Pirate Parties International), kam dabei nicht zu kurz. Nach dieser Einleitung folgt die Konstruktion des Fragebogens, der Feldbericht und dann auf knapp 130 Seiten die Auswertung und Analyse der Ergebnisse, der ein Schlusswort hinten angestellt ist.
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: Volker Beck: Pipio ergo sum.
: Volker Beck: Pipio ergo sum. Volker Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion, hat als eine Replik auf den FAZ-Text von Peter Altmaier, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, einen Text zum Internet geschrieben. Die lange Version steht in seinem Blog: Pipio ergo sum.
Die von Walter Benjamin bereits in den 1930er Jahren beschriebene, durch die Reproduzierbarkeit entstandene kollektive Ästhetik, die das Internet uns bietet, entstehen neue Chancen und Gefahren. Es muss deshalb in unserem Interesse sein, dass sich durch das Internet ein Prozess der gesellschaftlichen Emanzipation fortsetzt, den es vor Gefahren politischer Vereinnahmung und autoritärer Eingriffe zu bewahren gilt. Die Netzpolitik nimmt gerade die Hürde vom Fachthema ins Zentrum der politischen Arena: Zentrale Fragen der Netzintegrität, des „Anspruch auf kommunikative Grundversorgung“ (Susanne Baer) und eines Grund- oder Menschenrechts auf Netzzugang werden die Agenda einer freiheitlichen und sozialen Politik zu Beginn dieses Jahrhunderts revolutionieren. Dieser Prozess hat gerade erst begonnen.
Freut mich ja, dass die netzpolitische Debatte jenseits der Netzpolitiker mittlerweile besser wird.
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: Digitale Gesellschaft: TKG-Novelle verpasste Gelegenheit für Internetstandort Deutschland
: Digitale Gesellschaft: TKG-Novelle verpasste Gelegenheit für Internetstandort Deutschland Da gerade im Bundestag einige Vertreter der Regierungskoalition gebetsmühlenhaft wiederholen, dass sie ja im Telekommunikationsgesetz die Netzneutralität gesichert hätten, sei hier auf unseren Kommentar dazu im Blog vom Digitale Gesellschaft e.V. verwiesen: TKG-Novelle verpasste Gelegenheit für Internetstandort Deutschland.
Statt leerer Worte wäre eine gesetzliche Regelung notwendig gewesen, die die Netzneutralität garantiert und dafür der Bundesnetzagentur und der Öffentlichkeit die notwendigen Instrumente an die Hand gibt.” […] “Die Novelle wäre die beste Gelegenheit gewesen, festzuschreiben, dass die Provider nicht beliebig im Internet herumpfuschen dürfen und es dann noch als solches verkaufen dürfen”, erläutert Markus Beckedahl. “Die jetzt vorgeschlagenen Regelungen führen zu nichts. Wir werden auch weiterhin nicht wissen, welche Provider am Verkehr ihrer Kunden herumpfuschen, Inhalte verlangsamen oder bevorzugen.” […] Abgeordnete von CDU, CSU und FDP äußerten, dass der Markt für Netzneutralität sorgen würde. “Aber wie soll ein Markt funktionieren, wenn niemand weiß, was die Anbieter wirklich anbieten? Ohne Netzneutralität hätten wir heute noch das teure, langsame und schlechte BTX aus Bundespostzeiten”, erklärt Beckedahl. Der Digitale Gesellschaft e.V. lehnt die Regelungen, die die Bundesregierung nun vorgeschlagen hat, daher ab.
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: Leutheusser-Schnarrenberger im DLF-Interview
: Leutheusser-Schnarrenberger im DLF-Interview Im „Interview der Woche“ hat der Deutschlandfunk gestern ausführlich unsere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum Euro, Rettungsschirmen, Mitgliederbefragungen und dann auch ausführlich zu Netzpolitik und hier besonders der aktuellen Staatstrojaner-Debatte befragt. Hier ist die MP3.
Leutheusser-Schnarrenberger: Ja, das hängt natürlich ganz entscheidend von der Technik ab. Wenn wir sagen, unmissverständlich, wozu ich neige, das sage ich ganz offen: Ein Trojaner, der eingesetzt wird, um eine Kommunikation über das Internet abzuhören, also etwas anderes als Mobilfunk, aber ein Telefonvorgang ist, der darf nicht mehr können, als auch allein laufende Telekommunikationsüberwachung ist, dann haben wir eine klare Grundlage, denn so was müsste dann ja auch einschränkend in alle Gesetze geschrieben werden. Dann auch in die Strafprozessordnung, aber natürlich auch ins Bundeskriminalamtsgesetz, wir müssen uns mit dem Verfassungsschutzgesetz, BND-Gesetz, Zollfahndungsdienstegesetz, wo das Zollkriminalamt Funktionen eben auch übertragen bekommen hat, dann festschreiben, damit wir dann auch klar abbilden das, was wirklich nur gemacht werden darf. Und dazu haben wir bisher noch nicht wirklich ein klares Bild, ist das auch bisher schon immer der Fall gewesen oder nicht. Und wir sind in dem Punkt auch noch nicht am Ende der Diskussion.
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: Netzpolitik im Parteiprogramm von Die Linke
: Netzpolitik im Parteiprogramm von Die Linke Die Linke hat heute auf ihrem Erfurter Parteitag ein Parteiprogramm beschlossen, wo es auch einen Abschnitt zu Netzpolitik gibt. In diesem bekennt sich Die Linke zu einer gesetzlichen Festschreibung der Netzneutralität, gegen Netzsperren, für mehr Datenschutz, Open-Government, E‑Demokratie und irgendwie weniger Massenmedien in Besitz des Kapitals.
Hier ist der komplette Text:
Demokratisch kontrollierte Medien
Medienmacht und Medienmanipulation sind eine Gefahr für die Demokratie. Um so wichtiger ist die Bewahrung eines freien Internets ohne Zensur und mit festgeschriebener Netzneutralität. Das Internet ist für DIE LINKE ein öffentliches Gut, die Netzinfrastruktur gehört unter gesellschaftliche Kontrolle und muss demokratisiert werden. Demokratische Medien erfordern demokratische Redaktionsstatuten, die Stärkung einer breiten Gegenöffentlichkeit sowie die Anwendung des Kartellrechts auf den Mediensektor.
Medienbildung muss im digitalen Zeitalter als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden. DIE LINKE fordert Medienbildungsangebote, die für alle Bevölkerungsgruppen unabhängig von Alter, sozialer Lage und Region zur Verfügung stehen und Kompetenz im Umgang mit dem Internet und digitalen Medien zu vermitteln.
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: Angela Merkel: „Es darf kein Internet erster und zweiter Klasse geben“
: Angela Merkel: „Es darf kein Internet erster und zweiter Klasse geben“ Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrem wöchentlichen Videopodcast einen Text zu Netzpolitik vorgelesen. Wahrscheinlich dient dieser Themen-Podcast einerseits zur Promotion des neuen Youtube-Kanals der Bundesregierung, andererseits versucht sich die Union ja auch gerade durch einige Protagonisten dem Internet zu nähern.
In ihrem Podcast verkündet sie, dass das Internet „mit Sicherheit keine Modererscheinung“ sei und wir davon ausgehen können, „dass das Internet in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unser Leben dauerhaft verändern wird“. Deshalb sei es wichtig, dass „jeder Bürger einen Zugang zum Internet bekommt – egal, wie viel er verdient, und egal, wo er wohnt.“
Schön, dass wir das mal geklärt haben, dass das Internet erstmal nicht wieder weg geht. Aber wie das mit dem Internetzugang für jeden Bürger konkret umgesetzt wird, lässt sie offen. Auch gibt es keinen Vorstoss in Richtung eines Grundrechts auf Internetzugang, wie es z.B. die Finnen umsetzen.
Die Netzneutralität darf auch nicht fehlen, wo doch diese Woche das Telekommunikationsgesetz in 2. und 3. Lesung verabschiedet werden soll, was jetzt aber keine Regeln zum Schutz der Netzneutralität und damit eines echten und offenen Netzes enthält, sondern lediglich eine Zwischenüberschrift mit dem Wort drin. Aber dafür gibt es ein Machtwort, zumindest irgendwie ein Versprechen und hoffentlich nicht nur eine hohle Phrase:
Und das Stichwort Netzneutralität ist für uns sehr wichtig. Jeder Nutzer, egal was er verdient, welchen Bildungsgrad er hat, soll die Möglichkeit haben, den gleichen Zugang zum Internet zu bekommen. Es darf kein Internet erster und zweiter Klasse geben.
Wie unsere Bundesregierung die Netzneutralität erhalten und dafür sorgen will, dass es kein Internet „erster und zweiter Klasse geben“ wird, bleibt daher das Geheimnis von Angela Merkel und damit lediglich ein Lippenbekenntnis.
Besonders heiß diskutiert wird natürlich auch: Welche Regeln gibt es im Internet? Natürlich muss der Staat die Bürgerinnen und Bürger auch vor dem Missbrauch schützen. Aber die Regelsetzung wird sicherlich anders verlaufen, als wir das bisher aus der klassischen Welt – ohne Internet – kennen. Deshalb wird zum Beispiel über Fragen der Verbrechensbekämpfung im Internet noch ganz massiv diskutiert. Und wir werden unsere Gesetzesvorhaben nicht abschließen können, ohne mit den Internetnutzern selber auch intensiv ins Gespräch zu kommen.
Unklar ist auch, wie das mit dem „mit den Internetnutzern selber auch intensiv ins Gespräch zu kommen“ praktisch gemeint ist. Es steht zu befürchten, dass die klassische (und ausnahmslos langweilige) Form der Top-Down-Kommunikation via Youtube-Kanal dazu genützt werden soll. Das Format ist ja bereits seit Jahren erprobt, wenngleich kein Politiker damit Erfolg gehabt hat: Bürger können Fragen stellen, manchmal können andere Bürger auch Fragen Anderer voten, und dann werden ausgewählte und/oder mitgevotete Fragen der zuständigen PR-Abteilung gegeben, um eine Antwort vorzuformulieren und Politiker spricht dann die vorformulierte Antwort wieder in eine Kamera ein und das wird dann hochgeladen.
In einem weiteren Punkt spricht sie leider nicht explizit den Datenbrief des Chaos Computer Club an, obwohl das die passende politische Antwort auf die Binsenweisheit ist, dass Transparenz gegen Datenmißbrauch helfe.
„Es muss klar sein, wer über wen welche Daten speichert. Und jeder Internetnutzer hat Anspruch darauf, genau dies auch zu erfahren.“
Jeder Nutzer hat jetzt schon den Anspruch, ein Auskunftsersuchen einzufordern. Allerdings muss man dafür auch wissen, wer welche Daten über einen hortet. Eine Lösung dafür kann der Datenbrief sein.
Insgesamt ist der Podcast voll mit Lippenbekenntnissen und Binsenweisheiten „Internet ist eine Kulturtechnik“ ohne konkrete politische Folgen und Forderungen. Ich lass mich mal überraschen, ob man das gesagte auch mal in eine überzeugende Netzpolitik umsetzen will. Bisher passierte da ja wenig. Aber zumindest als Remix-Material eignet sich der Podcast aber gut.
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: Heute: 1. netzpolitischer Abend in Berlin
: Heute: 1. netzpolitischer Abend in Berlin Unvollständiger Mitschnitt des Abends (anfangs fehlen drei kurze Stücke): https://netzpolitik.org/wp-upload/DG-NetzpolAbend-broken-18okt2011.mp3 Ein folgendständiger Video-Mitschnitt folgt.
Hier gehts zum Audio-Livestram: http://streams.xenim.de/digiges.mp3Nochmal als Erinnerung: Heute Abend ist der 1. netzpolitische Abend des Digitale Gesellschaft e.V. in der c‑base in Berlin. Neben einem Rück- und Ausblick auf unsere Aktivitäten gibt es auch noch verschiedene Kurz-Vorträge zu aktuellen Themen.
Mit dabei sind u.a. Ulf Buermeyer (Staatstrojaner & Verfassungsrecht), Leonard Dobusch (Copyright & Digitaler Umweltschutz), Lorenz Matzat (OpenGovernment & Opendata) und Katrin Rönicke (Netzfeminismus), dazu gibts noch was zu Netzneutralität und Vorratsdatenspeicherung.
Der Eintritt ist frei, geöffnet wohl ab 19 Uhr und Start der inhaltlichen Sachen ist dann 20 Uhr.
Update: Wenn alles gut geht, haben wir einen Audiostream ab 20 Uhr, den verlinken wir dann hier.