Wissen

Preview #14np: Mit offenen Inhalten eine bessere Welt erschaffen

Wissen verschanzt sich allzu oft hinter Lizenzmodellen, geschlossenen Ökosystemen oder verstaubt in Behördenschränken. Projekte wie Wikipedia oder FragDenStaat.de schicken sich auf unterschiedliche Arten an, es der Öffentlichkeit näherzubringen. Wie das geht, zeigen am 21. September auf unserer Konferenz „Das ist Netzpolitik“ Vorträge, Paneldiskussionen und Workshops.

Offenes Wissen, offene Informationen, offenes Internet – einer der Schwerpunkte auf der #14np. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Gariay Thomas (Schriftzug: netzpolitik.org)

Qualitativ hochwertige Beiträge der öffentlich-rechtlichen Sender finden sich nicht nur in deren eigenen Mediatheken. Auch auf privaten, kommerziellen Plattformen wie Youtube, Twitter oder Facebook verbreiten ARD & Co. kurze Clips, ganze Dokumentationen oder die Tagesschau. Doch ausgerechnet auf einer Plattform glänzen die öffentlich finanzierten Anstalten durch ihre Abwesenheit: auf der gemeinnützigen Wikipedia.


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

„Dabei wären Wikipedia und die Öffentlich-Rechtlichen ein Traumpaar“, sagt Leonhard Dobusch. Der Universitätsprofessor und netzpolitik.org-Autor erforscht in Innsbruck unter anderem transnationale Urheberrechtsregulierung und ist zudem Mitglied des ZDF-Fernsehrats. Dort setzt er sich nicht zuletzt für offene Creative-Commons-Lizenzen ein, die eben auch auf Wikipedia zum Einsatz kommen.

Doch solche Lizenzen sind, bis auf Weiteres, in den meisten Fällen schlicht nicht kompatibel mit den traditionell produzierten und vertriebenen Inhalten der öffentlich-rechtlichen Medien. Ein Trauerspiel, denn die freie Online-Enzyklopädie verfügt vor allem über Textinhalte. ARD und ZDF könnten fehlende Bewegtbilder beisteuern. Der Vortrag widmet sich den Fragen, warum so wenige Inhalte unter offenen Creative-Commons-Lizenzen stehen und wie sich das in Zukunft vielleicht ändern ließe.

Öffentlich finanziert? Öffentliches Gut!

In eine ähnliche Kerbe schlägt die 2017 gestartete Initiative „Public Money – Public Code“. Sie fordert, öffentlich finanzierte Software anschließend unter einer Open-Source-Lizenz öffentlich zugänglich zu machen. Genauso wie öffentlich finanzierte Softwareprojekte grundsätzlich Open-Source-basiert sein sollten. Bei diesen Forderungen muss es nicht bleiben: „Warum diesen Grundsatz nicht ausweiten auf alle staatlich produzierten Inhalte und Werke, die maßgeblich oder vollständig mit Steuergeld bezahlt werden?“, heißt es im Ankündigungstext.

Ein Panel klopft anhand zweier Beispiele aus den Bereichen öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Softwareentwicklung ab, wie dies konkret ausgestaltet werden kann und was sich dafür politisch bewegen muss. Auf dem Podium sitzen werden – naheliegenderweise – Leonhard Dobusch, die Informatikerin, CCC-Sprecherin und netzpolitik.org-Autorin Constanze Kurz und John Weitzmann. Letzterer leitet bei Wikimedia Deutschland das Team Politik und Recht und ist zudem Projektleiter Recht für Creative Commons Deutschland. Die Diskussion ist Teil der Veranstaltungsreihe Monsters of Law von Wikimedia Deutschland, die sich rechtlichen Fragen rund um Freies Wissen widmet.

Offene Plattformen gegen Kommerzialisierung des Internets

Um die Verbreitung von freiem Wissen und Informationen im Internet geht es Abraham Taherivand. Der Wahl-Berliner ist seit 2012 für Wikimedia Deutschland tätig und seit Ende 2016 geschäftsführender Vorstand des Vereins. Damit arbeitet er hautnah am Puls entscheidender Debatten über freien Wissenstransfer und der zunehmenden Kommerzialisierung des Internets.

Dieses dominieren immer mehr die sogenannten „Big Five“: Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft – ein Trend, der so bald nicht abreißen dürfte. Das ist aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil. „Wie können Informationen und Wissen frei bleiben, wenn die Begehrlichkeiten von kommerziellen Firmen immer größer werden?“, fragt Taherivand in seinem Vortrag. Und: Was können wir tun, um unsere Meinungsfreiheit im Netz zu erhalten?

Workshops zu Freier Bildung und Offener Information

Zwei Workshops drehen sich um „Freie Bildung“. Einen einführenden Talk „Netzpolitik ist Bildungspolitik“ hält Christian Friedrich, der sich bei Wikimedia Deutschland als Teil des Teams „Bildung, Wissenschaft & Kultur“ für Offenheit und Freiheit von Bildung und Wissenschaft einsetzt. Friedrich wird darlegen, wie mit Plattformen und geschlossenen Ökosystemen das bestehende Bildungssystem weniger verändert und Bildungseinrichtungen „fit für das 21. Jahrhundert“ gemacht werden sollen, sondern eher das bestehende Bildungssystem zementiert wird.

Anschließend zeigt das Bündnis Freie Bildung, wie Bildung in einer offenen digitalen Gesellschaft aussehen kann. Mit dabei sind Christine Kolbe, die bei mediale pfade unter anderem für das Projekt edulabs.de verantwortlich ist, und Dominik Theis, der das Bündnis koordiniert. Er ist seit November 2018 Teil des Teams Politik und Recht bei Wikimedia Deutschland.

Ebenfalls an der Praxis ausgerichtet ist der Workshop „IFG-Anfragen“. Hinter der Abkürzung steckt das Informationsfreiheitgesetz, mit dem sich Daten und Dokumente von Behörden befreien lassen. Für Fragen stehen die Experten Arne Semsrott und Stefan Wehrmeyer zur Verfügung, die beide eng mit dem Informationsfreiheitsportal FragDenStaat.de verbunden sind.

Niederschwellig wird auch der Workshop der Gesellschaft für Freiheitsrechte ausfallen. Dort stellen Bijan Moini und Sara Fuchs anhand verschiedener konkreter Fälle das Instrument der strategischen Prozessführung vor. Dieses nutzt der Verein, um Grundsatzurteile zu erstreiten, die das deutsche und europäische Recht menschlicher und gerechter machen.


Am Freitag, 21. September, findet in der Berliner Volksbühne unsere diesjährige Konferenz „Das ist Netzpolitik“ statt. Von 10:00 bis 18:30 Uhr geht es auf diesem Treffen der digitalen Zivilgesellschaft darum, wie wir alle eine lebenswerte, faire und offene digitale Gesellschaft gestalten können – und um die politischen Kämpfe auf dem Weg dorthin. Neben Vorträgen und Podien gibt es auch ein feines Kunst- und Workshop-Programm. In den Tagen bis zur Konferenz stellen wir euch in dieser Preview-Reihe das Programm vor. Bisher veröffentlicht:

Der Hashtag für die Veranstaltung lautet #14np, denn wir feiern mit dieser Konferenz unser 14-jähriges Bestehen. Kommt vorbei und diskutiert und plant und feiert mit uns!

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
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