Zensur

  • : „Letzte Diktatur Europas“ verbietet nicht-staatliche Presse
    „Letzte Diktatur Europas“ verbietet nicht-staatliche Presse

    Ebenfalls außerhalb des unaufmerksamen mitteleuropäischen Blickfelds liegen die Verhältnisse in der „letzte[n] Diktatur Europas“. Starke Anschuldigungen erhebt Swiatlana Kurs gegen die Führung in Weißrussland, wo Mitte März Präsidentschaftswahlen stattfinden.

    In einem Gastkommentar gibt die weißrussische Journalistin Swiatlana Kurs von Radio Freies Europa die hasserfüllte Stimmungsmache gegen den Westen im Staatsfernsehen wieder und beschreibt die von Amtsinhaber Alexander Lukaschenko veranlassten Repressalien gegen Journalisten und Schriftsteller. „Das Volk kann sich nicht erinneren, jemals von einer derartigen Repressionswelle überrollt worden zu sein. Man hat die nicht-staatliche Presse unterdrückt… Man hat fast alle Nicht-Regierungsorganisationen abgeschafft… Gerichte verbieten sie innnerhalb eines Tages. Gerade wird der Verband der weißrussischen Schriftsteller geschlossen… Seit Stalin ist niemand so mit Schriftstellern umgesprungen.“

    Wer polnisch kann möge bitte inhaltlich nachhelfen.

    [über den Eurotopics-Newsletter, aus der Gazeta Wyborcza]

    28. Februar 2006
  • : Justizgeheimnis und Pressefreiheit in Portugal
    Justizgeheimnis und Pressefreiheit in Portugal

    Portugal, meist etwas außerhalb des europäischen Blicks, hat auch seine Skandale: die Pressefreiheit ist hier nicht unantastbar, wie es aussieht.

    Vergangene Woche hat die portugiesische Polizei, autorisiert von der Justiz, die Redaktionsräume des Boulevardblattes „24 Horas“ durchsucht. Zwei Reporter hatten vor einem Monat Informationen aus einem Untersuchungsbericht über den Pädophilen-Skandal von Casa Pia, in dem Ende 2004 die Urteile gesprochen wurden, veröffentlicht. „Wenn man jemandem mitteilt, dass er abgehört wurde, dann ist das eine Verletzung des Justizgeheimnisses“, kommentiert die Chefredaktion von Diário de Notícias. „Aber das Problem liegt woanders, und zwar in der Interpretation dieses Gesetzes zum Justizgeheimnis… Die Regierung ist dabei, ein regelrechtes Netz von administrativen und rechtlichen Beschränkungen über die Ausübung eines freien und unabhängigen Journalismus zu spannen. Und genau das werden wir mit allen Mitteln bekämpfen.“

    Wer kann mehr darüber sagen? Mein portugiesisch ist nicht allzu gut.

    [gefunden im Diário de Notícias, über den Eurotopics-Newsletter]

    28. Februar 2006
  • : Kritisch bloggen in China
    Kritisch bloggen in China

    In der Washington Post gbt es ein längeres Portrait über Zhao Jing aka Anti, der als chinesischer Blogger von MSN Spaces wegzensiert wurde: Bloggers Who Pursue Change Confront Fear And Mistrust

    The story of Zhao’s blog – and the ambivalence it met in cyberspace – demonstrates that those trying to use the Internet to foster political change in China must contend not only with the censors but also with the apathy, fear and mistrust of their fellow citizens. The case also highlights the competing ethical and commercial pressures on companies seeking to profit from the Internet in China, including U.S. firms such as Microsoft, Yahoo and Google.

    21. Februar 2006
  • : Anonymizertools im Boston Globe
    Anonymizertools im Boston Globe

    Interessant ist der Artikel „Beating censorship on the Internet“ aus dem Boston Globe zum Thema Anonymizertools.

    While Congress battles with US Internet companies that help China restrict its citizens’ Internet access, independent computer specialists are developing technologies that could reroute Internet information and put it beyond the reach of government censors.

    21. Februar 2006
  • : Coming up: Psiphon. Umgehung von Zensur leicht gemacht
    Coming up: Psiphon. Umgehung von Zensur leicht gemacht

    Das Citizenlab der Universität Toronto entwickelt seit geraumer Zeit eine leicht nutzbare Software namens „Psiphon“ (Website z.Zt. leider offline), die es jedem Menschen in der unzensierten Hemisphäre des Internets ermöglicht seine Anbindung anderen Menschen in Ländern, in denen das Internet gefiltert wird, so zugänglich zu machen, dass die dortigen Zensurmaßnahmen nicht mehr greifen. Dabei wird der Netzverkehr über eine verschlüsselte HTTPS-Verbindung über den Host mittels eines Proxyservers in unzensierten Netzgefilden geleitet.

    Die Software wird voraussichtlich Ende Mai fertig sein. Es gibt eine Übersicht bei CitizenLab sowie eine ausführliche technische Beschreibung im „Final Report“ vom Dezember 2004 (PDF). Das Projekt fand bereits in The Globe and Mail eine Erwähnung.

    Fraglich bleibt nur noch, wie die Zugangsdaten für die hiesigen Proxyserver unbemerkt durch die chinesische Feuermauer gelangen sollen.

    17. Februar 2006 3
  • : USA: Kongress-Anhörung zu chinesischser Zensur
    USA: Kongress-Anhörung zu chinesischser Zensur

    Gestern fand unter der Überschrift „The Internet in China: A Tool for Freedom or Suppression?“ eine Anhörung des Ausschusses für Afrika, Menschenrechte und internationale Angelegenheiten des amerikanischen Parlaments statt. Geladen waren Vertreter von Yahoo, Google, Mircosoft und Cisco, denen aus Geschäftsinteressen die Unterstützung der chinesischen Regierung vorgeworfen wird.

    news.com fasst in seiner Berichterstattung kurz zusammen, was zuvor passierte:

    Over the last few months, public scrutiny of China’s state-mandated censorship has grown thanks to developments such as Microsoft deleting a journalist’s blog, Yahoo turning over information about a Chinese journalist, and Google offering a censored Chinese search service.

    Der Tenor des mit einigen Videoschnipsel von der Anhörung geschmückten Artikel lautet, dass die Abgeordneten den Unternehmen eine Zusammenarbeit mit dem „Regime der Repression“ vorwerfen. Microsoft Cheflobbyist Jack Krumholtz sah sein Unternehmen im Recht, Dienste einzustellen, wenn sie „komplett die Werten der Konsumenten in der Region gefährden.“ Allerdings glaubt Microsoft, so Krumholtz, „dass wir auf Basis der Menschenrechte und des Rechtes auf freier Meinungsäußerung weiterhin unsere Dienste in China anbieten sollten.“ Na schönen Dank.

    Etwas aufgeschlossener zeigte sich Yahoo am Montag zuvor in einer Stellungnahme, in der sie die Regierungen der USA und anderer Länder in die Verantwortung zogen: „Die Privatwirtschaft allein kann ausländische Regierungen in der Frage der freien Meinungs- und Informationsfreiheit nicht effektiv beeinflussen.“ Dies weiss Die Welt zu berichten.

    Die Electronic Frontier Foundation forderte am Morgen der Anhörung den Ausschuss in einem offenen Brief dazu auf, gemeinsam mit der Industrie einfache Richtlinien zum Umgang mit solchen Regimen zu erarbeiteten, nach denen der durch Kooperation mit solchen Ländern mögliche Schaden limitiert werden kann. Regierung und Industrie haben die Möglichkeit und die Pflicht, Menschenrechte zu schützen.

    Eine rare Stellungnahme seitens der chinesischen Regierung wurde vom Regierungsmitarbeiter Liu Zhengrong abgegeben. Auf den Seiten der Computerwoche ist nachzulesen, dass er die Auffassung vertritt, dass sich die Maßnahmen der chinesischen Regierung nicht sonderlich von denen westlicher Länder unterscheide: „Die hauptsächlichen Ziele und Methoden zur Umsetzung unsere Gesetze sind im Prinzip die gleichen.“

    Diese Argumentation wusste auch Bill Gates auf den Punkt zu bringen: „Deutschland verbietet Nazi-Propaganda, die in den USA durch die Verfassung geschützt wird. Sollte ich nun noch Geschäfte in Deutschland machen?“ (de.internet.com) Natürlich rechtfertigt das alleine nicht die defacto-Auslieferung von kritischen Bloggern, wie es Yahoo tat. Einen weiteren Verstoss gegen Godwins Law hätte eigentlich den Vorsitzenden des Ausschusses, den Republikaner Christopher Smith, disqualifizieren müssen: Er verglich die Kooperation mit Chinas Kommunistischer Partei mit der Hilfe Hitlers und der NSDAP während des zweiten Weltkrieges.

    Zusammengefasst, rügen die US Politiker die Unternehmen für ihre Zusammenarbeit mit China, die Unternehmen wünschen sich von der Politik mehr Rechtssicherheit bei internationalen Angelegenheiten und spielen damit den Ball zurück.

    Das US-Außenministerium hat nun die Gründung einer Taskforce für Internet-Freiheit angekündigt, wie heise berichtet: „Diese Task Force soll sich mit dem Einsatz von Technologie zur Einschränkung der Meinungsfreiheit befassen und Maßnahmen dagegen kordinieren.“

    Prekär für Yahoo war die Frage des Abgeordneten Brad Sherman (Demokraten), nach einer eventuellen Zusammenarbeit mit der NSA, welche die Geschichte mit der Unterstützung der Überwachung der US-Bürger wieder aufrollt: Dem eigentlich nur fürs Ausland zuständige Geheimdienst soll von Yahoo widerrechtlich Informationen über US-Bürger erhalten haben. Darüber, ob dies auch ohne notwendige richterliche Anordnung geschah, schwieg sich Yahoo-Mitarbeiter Michael Callahan aus. Das an dieser Stelle zunehmend sichtbarer werdende Maß an Überwachung innerhalb der westlichen Welt stellt in Frage, in wie weit eine „Taskforce für Internetfreiheit“ sinnvoll ist, wenn sich künftig die Menschen weniger trauen, ihre Meinung in der „entwickelten“ Welt zu sagen, ohne dabei überwacht zu werden.

    16. Februar 2006 1
  • : Martus – Freie Software für Menschenrechtler
    Martus – Freie Software für Menschenrechtler

    Im Süd-Afrikanischen Tectonic-Newsticker habe ich einen Artikel über Martus gefunden: Free software working for human rights. Martus ist eine interessante Software für Menschenrechtsorganisationen in repressiven Staaten mit folgenden Eigenschaften:

    1. Uses built-in encryption to safeguard data
    2. Enables text-based bulletins about violations to be created easily and quickly
    3. Securely backs up this information and replicates it in multiple locations to protect against loss
    4. Is free software and open source, encouraging easy code review to foster an atmosphere of trust and collaboration
    5. Provides grassroots groups with power over their own information, allowing them to decide what to make public and what should be kept securely private
    6. Offers consumers of human rights information access to the non-confidential portions of bulletins, enabling activists, prosecutors, press and the public to have direct access to the voices of those affected by human rights violations

    14. Februar 2006
  • : Reporter ohne Grenzen fordern von Yahoo Aufklärung
    Reporter ohne Grenzen fordern von Yahoo Aufklärung

    Die menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen hat Yahoo aufgefordert, ihre Zusammenarbeit mit dem chinesischen Regime transparent zu machen und darüber aufzuklären, ob durch die Mithilfe von Yahoo weitere Cyberdissidenten in China ins Gefängnis gekommen sind: Menschenrechtsorganisation wirft Yahoo rege Kooperation mit chinesischer Polizei vor.

    Reporter ohne Grenzen hatte im September vorigen Jahres Vorwürfe veröffentlicht, Yahoo habe zur Verhaftung und Verurteilung des chinesischen Journalisten Shi Tao beigetragen. Nun vermuten die Menschenrechtler, Yahoo arbeite regelmäßig und „effizient“ mit der chinesischen Polizei zusammen. Das Unternehmen rechtfertige sich damit, dass es Daten aushändige, ohne den Hintergrund zu kennen, schreibt Reporter ohne Grenzen. Doch das Unternehmen müsse wissen, dass nicht nur gegen „gewöhnliche Kriminelle“ ermittelt werde, sondern gegen politische Dissidenten und Journalisten.

    9. Februar 2006 2
  • : Yahoo, Microsoft, Google: China? Alles okay!
    Yahoo, Microsoft, Google: China? Alles okay!

    Die drei Unternehmen stehen seit geraumer Zeit in der Kritik die politische Verfolgung der chinesischen Regierung zu unterstützen: Yahoo verpetzte einen Journalisten, der Vorhaben der kommunistischen Partei ins Ausland mailte, Microsoft zensierte das MSN-Blog eines Cyber-Dissidenten und seit Kurzem filtert Google seine Ergebnisse nach Wunsch des Regimes.

    Nun bittet der Ausschuss ‚Human Rights Caucus on policies’ des US-Kongresses die Unternehmen um Stellungnahme. Zu der gestrigen Anhörung erschien kein Vertreter der Unternehmen, zu denen auch Cisco zählte.

    In einem offenen Brief verteidigen Microsoft und Yahoo ihre Position, indem sie zumindest guten Willen zeigen:

    While we will actively work to encourage governments around the world to embrace policies on Internet content that foster the freer exchange of ideas and promote maximum access to information, we also recognize that, acting alone, our leverage and ability to influence government policies in various countries is severely limited.

    Google führt in seiner Argumentation wieder an, dass die schlechte Verfügbarkeit von google.com in China den Start von google.cn notwendig machte. Das chinesische Angebot müsse die Balance wahren zwischen Informationsfreiheit und „respond to local conditions“. Weiterhin sei das amerikanische Angebot unter .com weiterhin erreichbar – so löchrig wie vorher.

    Als „next steps“ sieht Google die Definition von „common principles to guide technology firms’ practices in countries that restrict access to information“ durch die „Internet industry“ sowie, wie auch Microsoft, den „Government-to-Government Dialogue“, um den Ball an die US-Regierung zurückzuspielen.

    Der republikanische Abgeordnete Chris Smith ist erstaunt, „dass Google, dessen Firmenphilosophie ’sei nicht böse’ lautet, mit der chinesischen Zensur gemeinsame Sache macht, nur um Geld zu verdienen“. Er lädt die Internet industry zu einer Anhörung seines Ausschusses zu Menschenrechten am 16. Februar ein.

    2. Februar 2006 5
  • : Zensur-Anhörung im US-Kongress
    Zensur-Anhörung im US-Kongress

    Gestern fand in Washington das „Congressional Human Rights Caucus Members’ Briefing“ zur Frage der Internetzensur in China und die Unterstützung durch US-Firmen statt.

    Viele Medien wie Spiegel, Netzeitung, Heise, BBC, NY Times, CNet und San Francisco Chronicle berichten darüber.

    Viel interessanter sind die Statements der Firmen (Yahoo & Microsoft, sowie Google), sowie die beiden Redebeiträge von John G. Palfrey und Nart Villeneuve von der OpenNet Initiative, die als Sachverständige geladen waren.

    2. Februar 2006
  • : Als iranischer Blogger in Israel
    Als iranischer Blogger in Israel

    Die Tagesschau hat ein Interview mit Hossein Derakhshan gemacht: „Mein Blog ist Rap-Musik“. Hossein ist ein befreundeter iranischer Blogger, der gerade in Toronto lebt und momentan in Israel ist, um als Citizen Journalist den iranisch-israelischen Dialog zu fördern. Vor seinem Trip nach Israel hat er eine Woche bei uns in Berlin verbracht und seinen Trip vorbereitet. Im vergangenen November habe ich ein Podcasting-Interview mit ihm zu Blogs im Iran gemacht. Wahrscheinlich wird er auf dem Rückweg wieder Zwischenstop in Berlin machen, dann gibts noch ein längeres Interview mit ihm zu seinen Erfahrungen in Israel. Einen weiteren Artikel zu Blogs im Iran gibt es auch bei der Tagesschau: Wer bloggt, wird dem Regime schnell zu politisch.

    2. Februar 2006 1
  • : Google: OpenNet zeigt Blümchenwiese und Freie Welt
    Google: OpenNet zeigt Blümchenwiese und Freie Welt

    Die OpenNet-Initative, ein Zusammenschluss von akademischen und aktivistischen Institutionen, welche sich mit Filtern und Zensursystemen im Netz beschäftigt, veranschaulicht die Zensurmaßnahmen von Google. Auf ihrer Website Google China Search Comparison kann sowohl das chinesische als auch das amerikanische Angebot der Suchmaschine durchsucht und angezeigt werden. Das zeigt, wie sehr sich Google dem chinesischem Regime beugt.

    Bei der Bildersuche nach „tiananmen“ (Platz des Himmlischen Friedens) sieht man:

    Auffällig ist, dass bei der Suche nach „Tiananmen“ (groß geschrieben), die Bilder vom Niederschlag des Aufstandes nicht gefiltert werden. Google ist von einer gewissen Perfektion bei der Filterung also noch einStück weit entfernt. Allerdings: Bei der Suche nach Websites, die „tiananmen“ beinhalten zeigt google.cn rund 34 100 Hits gegenüber 2 Millionen, wie es google.com tut, an.

    1. Februar 2006 10
  • : Amnesty Action Alert: Yahoo, free Shi Tao!
    Amnesty Action Alert: Yahoo, free Shi Tao!

    Der chinesische Journalis Shi Tao wurde vergangenes Jahr zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er eine interne Direktive der Kommunistischen Partei zusammenfasste und im Ausland publizierte. Der Betreiber seines E‑Mail-Accounts, Yahoo, hat bei der Ermittlung gegen ihn durch Herausgabe seiner Account-Informationen dem chinesischem Regime geholfen.

    Amnesty International verurteilt das Handeln des Anbieters:

    Companies must respect human rights, wherever they operate. Yahoo’s business ethics are becoming questionable due to its role in assisting the Chinese government to sentencing Shi Tao. The company has signed the Public Pledge on Self-Discipline for the Internet Industry, effectively agreeing to implement China’s draconian system of censorship and control.

    Take Action!

    Die Menschenrechtsorganisation ruft dazu auf, sich an Yahoo zu wenden und ihnen klar zu machen, welche Bedenken mensch hat, wenn das Unternehmen durch solches Handeln die Rechte von Journalisten wie Shi Tao beschneidet. „Yahoo must use its influence to secure Shi Tao’s release.“

    1. Februar 2006 1
  • : Offene Fragen bei den neuen Microsoft Zensurregeln
    Offene Fragen bei den neuen Microsoft Zensurregeln

    Da ich gerade dem Berliner Radio-Sender 100,6 MhZ ein Kurzinterview zur Microsoft-Ankündigung betreffend der Blog-Zensur gegeben habe, poste ich die paar Punkte auch nochmal hier. Als kleines Zeichen ist es sicherlich positiv zu sehen, dass es Änderungen in der Geschäftspraxis geben soll. Aus Sicht von Microsoft dürfte es nicht angenehm sein, ständig durch neue Fälle ein PR-Desaster nach dem anderen zu produzieren. Allerdings muss immer noch bedacht werden, dass sich westliche Firmen weiterhin einer Mithilfe bei der Einschränkung von fundamentalen Menschenrechten, wie dem Recht auf freie Meinungsäusserung und der Rezipientenfreiheit mitschuldig machen.

    Auch bleiben bei der vagen Ankündigung von Microsoft viele offene Fragen:

    - Werden chinesische Surfer darüber informiert, dass ein Blog zensiert wurde? (Beispielsweise durch einen Text, der darauf hinweist, was aus Gründen der Transparenz geboten sein müsste.)

    - Bekommen Blogger vor der Zensur von Microsoft die Chance, Inhalte ändern zu können, damit der Zensurgrund wegfällt?

    - Wie ist die genaue Prozedur für die Zensur? Muss ein Gerichtsbeschluss vorliegen oder reicht es, wenn eine Regierungsstelle bei Microsoft anruft und die Zensur verlangt?

    Als problematisch sehe ich die Ankündigung Microsofts an, technisch dafür zu sorgen, dass Inhalte in einzelnen Ländern auszufiltern. Übertragen auf das Netz käme das einer globalen Filterinfrastruktur und einer Segmentierung des Netzes gleich. Die Vorfälle der letzten Zeit zeigen eindeutig, dass die Internetfirmen lieber weniger Kundendaten sammeln und vorrätig haben sollten, damit sie ihre Kunden nicht an repressive Regime ausliefern müssen.

    Welche offenen Fragen habe ich vergessen?

    1. Februar 2006
  • : Microsoft zensiert nur regional
    Microsoft zensiert nur regional

    Nachdem ein chinesischer Blogger auf einem bei Microsoft gehosteten Blog für seine Regierung problematische Worte geäussert hat, zensierte das Unternehmen Ende letzten Jahres wiedereinmal ein Blog. Nachdem sich Robert Scoble, Mitarbeiter von Microsoft, in seinem Blog darüber beschwerte, hat der Softwareriese eine neue Policy für den Umgang Zensurwünschen von Regierungen verabschiedet. Nach ihr werden die umstrittenen Inhalt nur für BlogleserInnen aus dem betroffenen Land gesperrt – nicht für den Rest der Welt. (via slashdot)

    Gibt es mittlerweile gute chinesisch-sprachige Anleitungen für das Einrichten von Anonymisierungs- und Verschlüsselungsdiensten, wie JAP und TOR?

    1. Februar 2006 2
  • : Kongress-Debatte um Zensur in China
    Kongress-Debatte um Zensur in China

    Spiegel Online berichtet über eine geplante Anhörung des „Human Rights Caucus“ des US-Kongresses zum Thema „Zensur in China“. Vertreter von Industrie und Menschenrechtsorganisationen waren zum Meinungsaustausch und zur Information des Kongresses eingeladen. Nur kommt von den betroffenen Technologiefirmen wohl niemand. Von Cisco und Microsoft gab es „offene Absagen“, Yahoo und Google antworteten bisher gar nicht: Internet-Zensurdebatte – Bill Gates deckt Google.

    Eindeutig zeichnet sich dagegen ab, dass Bill Gates mit seiner Einschätzung, allein die Anwesenheit der US-Firmen in China leiste „Beiträge zum nationalen Dialog“ wohl richtig liegt – nur findet der halt nicht in China statt, sondern in den Vereinigten Staaten. Im US-Kongress könnten schon in den nächsten Tagen Gesetzesinitiativen diskutiert werden, die US-Firmen verpflichten würden, E‑Mail-Server nur außerhalb „repressiver Staaten“ unterhalten zu dürfen, und die den Export von Internettechnik in solche Staaten limitieren würden. Zur Diskussion steht außerdem die Einrichtung einer Behörde, deren Aufgabe in der Entwicklung von Gegenmaßnahmen zur Zensur des Informationsflusses sein könnte. Spätestens dann säßen die Internet-Firmen vollends zwischen den Stühlen.

    Die Gesetzesinitiativen gehen wohl in dieselbe Richtung, wie Reporter ohne Grenzen sie unlängst mit einer Petition gefordert hatte. Ich bin mal gespannt, was dabei heraus kommt.

    Die Anhörung ist eine Initiative des Kongressabgeordneten Chris Smith und soll am 16. Februar stattfinden. Mehr zum Thema gibts auch bei News.com: „Firms snub congressional briefing on China“.

    Mehr Informationen zum Themenkomplex bietet auch ein Podcasting-Interview mit Sharon Hom, der Executive Director von “Human Rights in China”, die ich im vergangenen November interviewed habe.

    30. Januar 2006
  • : Google 2.0
    Google 2.0
    26. Januar 2006 1
  • : Wie funktioniert das Google-Filtern in China?
    Wie funktioniert das Google-Filtern in China?

    Die OpenNet Initiative hat in ihrem Blog eine kleine Übersicht, wie das Filtering in der neuen chinesischen Suchmaschine von Google funktioniert: Google.cn Filtering: How It Works.

    26. Januar 2006
  • : Google: Wir sind auch böse!
    Google: Wir sind auch böse!

    Das wars dann wohl mit dem guten Image und dem Slogan „We are not evil“. Um auf dem chinesischen Markt Fuss zu fassen, hat Google seine Seele verkauft und ausgiebig die von der Regierung gewünschte Zensur in google.cn eingebaut. Die Konkurrenten sind nicht besser, Yahoo und MSN haben dies schon längst vollzogen.

    Reporter ohne Grenzen kritisieren die Zensur scharf:

    “The launch of Google.cn is a black day for freedom of expression in China,” the worldwide press freedom organisation said. “The firm defends the rights of US Internet users before the US government but fails to defend its Chinese users against theirs.

    “Google’s statements about respecting online privacy are the height of hypocrisy in view of its strategy in China. Like its competitors, the company says it has no choice and must obey Chinese laws, but this is a tired argument. Freedom of expression isn’t a minor principle that can be pushed aside when dealing with a dictatorship. It’s a principle recognised by the Universal Declaration of Human Rights and features in the Chinese national constitution itself.

    Mehr gibts auch bei Heise: Google zensiert seine neue chinesische Suchmaschine.

    Kommentar von Google: „Um in China operieren zu können, haben wir einige Inhalte von den Suchergebnissen entfernt, die www.google.cn zur Verfügung stellt.“ Frage mich nur, was die genaue Definition von „einige Inhalte“ ist. Alles, wo die STichwörter „Demokratie“ oder „Dalai Lama“ vorkommen?

    25. Januar 2006 13
  • : Radiosendung: Internet Censorship and Surveillance
    Radiosendung: Internet Censorship and Surveillance

    Am Freitag lief im Bostoner Radio „On Point“ eine sehr interessante Sendung zum Thema „Internet Censorship and Surveillance“.

    You remember the wide open promise of the World Wide Web, right? This was to be the untrammeled, free range domain of digital liberation, a new world of freedom. Well, yes and no.

    You can search for whatever you like, but type in „democracy“ in China’s blogosphere, or „human rights“ or „women“ in Iran, and you’re getting nothing. E‑mail trails are sending dissidents to jail. Whole realms of thought are being filtered right off the web – and American companies are helping.

    Now, the US government has subpoenaed search records by the millions. And the National Security Agency is reading e‑mail – maybe yours. Hear about Big Brother, American companies, and the web.

    Gäste im Studio waren:

    * Timothy Wu, Professor at Columbia Law School
    * Ronald Deibert, Professor of Political Science and Director of the Citizen Lab at the University of Toronto
    * Julien Pain, Reporters Without Borders
    * Declan McCullagh, Chief Political Correspondent for CNET News.com

    Die Sendung gibts noch im Real- oder WMA-Format als Stream. Ich würde mich freuen, wenn jemand die Sendung mitschneiden könnte, und mir einen Link zum Download schicken könnte.

    [via RConversation]

    Update: Die Sendung gibts jetzt auch im verbraucherfreundlichem MP3-Format.

    22. Januar 2006