Zensur
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: FAZ: 37 Millionen Blogs in China?
: FAZ: 37 Millionen Blogs in China? Die FAZ berichtet über Blogs in China, wo es laut Angaben einer chinesischen Universität 16 Millionen Blogge rund 37 Millionen Blogs geben soll: Das Millionenheer.
Sechzehn Millionen Blogger sind nicht subversiv. So viele Menschen können gar nicht irgendwen oder irgendwas unterminieren. Insofern konnte es nicht verwundern, daß der Nationale Volkskongreß, also das chinesische Parlament, auf seiner diesjährigen Frühjahrstagung im April öffentlich darüber diskutierte, ob es nicht sinnvoll sei, wenn nicht nur Staatspräsident Hu Jintao, sondern auch alle Abgeordneten als Blogger aktiv würden. Bloggen ist in China schon lange keine journalistische Wühlarbeit mehr von unten – falls es das jemals war. Vielmehr ist es zu einer politischen Institutionalisierung von oben umgedreht worden.
Sollen aber alle total unpolitisch sein.
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: Europaparlament beschliesst Resolution für Meinungsfreiheit im Netz
: Europaparlament beschliesst Resolution für Meinungsfreiheit im Netz Das Europaparlament hat gestern wohl eine Resolution zur freien Meinungsäußerung im Internet beschlossen. Darauf weisen zumindest die deutsche und die internationale Sektion von Reporter ohne Grenzen jeweils hin und begrüssen die Resolution in Pressemitteilungen:
Englisch: European Parliament condemns ethical breaches by Internet sector companies.
Deutsch: Resolution für Meinungsfreiheit im Internetsektor.In der Resolution wird die europäische Kommission aufgefordert, einen freiwilligen Verhaltenskodex zu erstellen. Er soll die Handlungsmöglichkeiten von Unternehmen in repressiven Staaten einschränken und Firmen dazu anhalten, die Notwendigkeit eines unzensierten Internetzugangs bei ihren Geschäften Drittländern zu berücksichtigen.
Zudem sollen sich die EU-Mitgliedsstaaten „auf eine gemeinsame Erklärung einigen, in der sie ihr Engagement zum Schutz der Rechte von Internetnutzern bekräftigen sowie ihren Willen zum Ausdruck bringen, freie Meinungsäußerung im Internet weltweit zu fördern“, heißt es in der Resolution. Der Beschluss ist für die Europäische Kommission jedoch nicht verbindlich; in Sachen Internet hat die Kommission alleinige Entscheidungsmacht.Yahoo, Google und Microsoft wurden in der Resolution namentlich angeführt, weil sie der Selbstzensur in China zugestimmt haben, während Cisco Systems unter dem Verdacht steht, die notwendige Technologie für die Internetzensur bereitzustellen. Die europäischen Unternehmen France Telecom und Telecom Italia wurden aufgrund ihrer Internet-Kooperationen mit Tunesien und Kuba genannt.
Die Resolution gibt es wohl noch nciht im Netz, RSF wollen sie aber später am Tag online stellen. Auf den Seiten des Europaparlaments steht noch nichts.
Update:
Hier ist die (englischsprachige) Resolution: Democracy and human rights: Somalia, Mauritania and the internet.
Mehr auch bei Heise: EU-Parlament kritisiert Microsoft, Yahoo und Google.
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: Die chinesische Zensur umgehen
: Die chinesische Zensur umgehen Das hier ist eigentlich nur noch fürs Archiv, da schon durch einige Medien gewandert: Man kann die technische Infrastruktur der chinesischen Firewall umgehen. Mal schauen, wie lange das noch geht. Hier gibts auf jeden Fall einen längeren Blogeintrag dazu und hier ein akademisches Paper.
Hier erklärt es Heise: Chinas „Große Firewall“ austricksen.
Zumindest die Blockade durch die Suche nach Schlüsselwörtern lässt sich laut einem Bericht von Forschern der Universität Cambridge austricksen. Aus Leistungsgründen werden die Daten nämlich nicht auf den Grenzroutern gefiltert, sondern auf zusätzlichen Rechnern. Anders als bisher angenommen werden die Pakete aber nicht wirklich verworfen. Vielmehr sendet die Filterrechner mehrere TCP-Reset-Pakete (RST) an beide Endpunkte einer Verbindung, sowohl an den Client als auch den Webserver. In der Folge beenden beide Systeme die Verbindung, der weitere Datenfluß ist unterbrochen – die Zensur hat zugeschlagen.
Diese Maßnahmen lassen sich allerdings recht einfach austricksen, indem Client und Server einfach keine Resets mehr entgegennehmen, meinen die Cambridger Forscher. Versuche, in denen die RST-Pakete einfach mit einer Firewall blockiert wurden, seien sehr gut verlaufen.
Und hier der deutsche Inquirer: Chinas „Große Firewall“ von Briten geknackt.
Das verzweigte Zensursystem überwacht die einzelnen http-Pakete von Webverbindungen und durchsucht sie nach Schlüsselwörtern. Wird ein verdächtiges Datenpaket identifiziert, so wird dieses nicht einfach geblockt, sondern beiden Seiten der Webverbindung vorgetäuscht, dass die Verbindung zu Ende sei. Dies geschieht durch sogenannte Reset-Flags, die sowohl an den chinesischen PC als auch an den Webserver im Ausland geschickt werden und signalisieren, dass der angesprochene Port geschlossen ist. Weitere Verbindungsversuche unterbleiben daraufhin.
Um die Zensur künftig zu umgehen, müssten beide Seiten die Reset-Flags lediglich ignorieren, meint Clayton. Simple Firewall-Regeln würden dazu ausreichen. Der chinesischen Zensur blieben dann zwar noch einige andere technische Maßnahmen, etwa das komplette Blockieren bestimmter Seiten, diese Methoden seien jedoch mit ungemein mehr Aufwand in Pflege und Wartung verbunden und könnten nicht so flexibel angepasst werden.
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: Podcasting-Interview: John Perry Barlow
: Podcasting-Interview: John Perry Barlow Hier ist ein Interview (MP3 / OGG)mit John Perry Barlow, welches ich in Rio geführt habe. Darin geht es um einen Rücklick auf die „Declaration of the Independence of Cyberspace“ , die er vor etwas mehr als zehn Jahren vor dem World Economic Forum in Davos gehalten hat, die Gründung der Electronic Frontier Foundation was mit der Copyright-Gesetzgebung im Moment falsch läuft und wie man sich für digitale Bürgerrechte (Digital Rights) engagieren kann.
Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit für das Interview gehabt – von meinen Gesprächspartnern bisher für den netzpolitik.org-Podcast ist er sicherlich einer der interessantesten überhaupt, aber unser Bus stand vor der Tür, der uns zur nächsten Party bracht. Es macht auf jeden Fall immer sehr grossen Spass, sich mit John Perry Barlow über Netzpolitik zu unterhalten. Und ja – mein englisch ist beim Fragen stellen normalerweise besser. :) Ich muss das nochmal bei Zeiten nachbearbeiten. Zum Glück hört man kaum die Nebengeräusche von der Küche nebenan in dem Hotel, wo wir waren.
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: Polen will Onlineredaktionen untersuchen können
: Polen will Onlineredaktionen untersuchen können Die „Durchleuchtung von Journalisten“ kommt auch in Polen womöglich in Fahrt, wird aber allerlei praktische wie auch merkbefreite Hindernisse hoffentlich nicht überwinden.
Die rechts-nationalistische polnische Regierung plant ein Gesetz, mit dem Journalisten auf eine mögliche Stasi-Vergangenheit untersucht werden sollen. Bisher unterliegen nur Politiker und führende Staatsangestellte der Lustrationspflicht. Künftig sollen alle, die älter als Jahrgang 1972 sind und mehr als die Hälfte ihrer Einkünfte mit journalistischer Tätigkeit erzielen, nur noch in diesem Beruf arbeiten dürfen, wenn sie durchleuchtet wurden. Krzysztof Lozinski, Chefredakteur des Internetmagazins Kontrateksty, protestiert scharf: „Wie wollen die Herren Lustratoren uns, die Internetjournalisten, überprüfen, ob wir durchleuchtet wurden? Kommen Beamte in die Redaktion? In welche Redaktion? Im Dezember 2005 redigierte ich die ‚Kontrateksty’ aus Internetcafes in Indien und Nepal. Am vergangenen Wochenende arbeitete ich am Laptop an einem masurischen See. Die Homepage auf einen Server in den USA zu verlegen, ist auch kein Problem. Am Internet hat sich bereits die Zensur in China, Russland, Weißrussland und Vietnam die Zähne ausgebissen.“
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: San Francisco Times blockiert Penthouse, LA Times zusätzlich Playboy
: San Francisco Times blockiert Penthouse, LA Times zusätzlich Playboy In der Telepolis ist heute von Zensur in Firmennetzen der LA Times und der
San Francisco TimesZweigstelle in San Francisco zu lesen. Dass größere Firmen in den USA ihre Angestellten nicht alles gucken lassen, was es im Internet so gibt, war ja schon bekannt. Verwendet werden dafür Contentfilter, die technisch bedingte, branchenübliche Einschränkungen aufweisen, „wenn beispielsweise nicht nur Porno-Seiten, sondern auch Seiten gesperrt werden, die über Sexualität berichten.“ Das kennen wir ja schon; Webfilter taugen meist nur als (schlechtes, weil allzu offensichtliches) politisches Feigenblatt, hier wie anderswo. Florian Rötzer schreibt in Telepolis:Erstaunlich ist aber, dass eine Zeitung, die der „freien Presse“ angehört und für den von den USA propagierten „freien Fluss der Information“ bürgt, nicht nur die übrigen Angestellten, sondern auch die Journalisten in der Redaktion „behütet“ – und dass diese von der von oben verordneten Zensur offenbar nicht einmal informiert worden waren. Vermutlich wird es sich nicht um einen Einzelfall handeln.
Da ist aber was schiefgegangen. Bei der LA Times wird auch der Zugang zu Anbietern von Filtersoftware unterdrückt. Bei der Recherche eines Reporters über Peacefire, einer Webseite, auf der über kommerzielle Filtersoftware, ihre Schwächen und die Umgehung berichtet wird, war die Seite nicht verfügbar. So kam eine Sache ans Licht, über die die Angestellen und Redakteure der Zeitungen nicht informiert waren:
Der Reporter der LA Times teilte Bennett Haselton, dem Gründer von Peacefire, mit, dass er nicht auf die Webseite kommen konnte. Haselton schickte daraufhin eine Mail an andere Times-Journalisten und bat sie zu überprüfen, ob sie ebenfalls blockiert werden. Die Journalisten berichteten, dass auch andere Webseiten wie die von Playboy blockiert waren. In der Redaktion von San Francisco war man offenbar liberaler. Zwar wurde auch hier ein Webfilter verwendet, aber der Zugriff auf Peacefire und Playboy war frei, hingegen ließ sich nicht auf die Webseite von Penthouse zugreifen. …
Das ist wohl ein Eigentor für die Presse im „Westen“.
Es schien einfach seltsam zu sein, dass eine Klasse von Menschen, auf die wir uns für unsere Informationen verlassen, weniger Freiheit im Internet hat als ein Bürger in China. Wir verlassen uns auf Reporter für Informationen über das, was in unserer Gesellschaft geschieht, und sie können ihren Job nicht erfüllen, wenn eine dritte Partei darüber entscheidet, was sie sehen dürfen.
Bennett HaseltoneNull Kommunikationskultur? Oder blind und plemplem verordnete Blindekuh? Hoffentlich wenden sich die Dinge hier zum Guten, und nein, ich meine nicht die Verkaufszahlen oder Filter„qualität“ von Websense und Konsorten. Es gibt ja für solche Zwecke Umgehungssoftware wie den Circumventor und Psiphon. Einer freien Presse darf sowas nicht passiert werden, wir kriegen auch chinesische Blümchenwiesen vorgesetzt, wenn auch kommentierende Blogs gesperrt werden (LA Observed).
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: And the Winner for best Censorship is: Yahoo!
: And the Winner for best Censorship is: Yahoo! Reporter ohne Grenzen haben in China die Suchmaschinen von Yahoo, Microsoft (MSN), Google und Baitu getestet, um heraus zu finden, wer denn die schlimmste Zensur mit Filterungen praktiziert. Als Gewinner konnte sich dabei Yahoo durchsetzen, herzlichen Glückwunsch für diese Glanztat: Yahoo! clear worst offender in censorship tests on search engines.
Während Microsoft bisher immer kommunzierte, in ihrer chinesischen MSN-Beta keine Filterungen durchzuführen, fand Reporter ohne Grenzen heraus, dass meist dieselben Wörter wie bei der chinesischen Variante von Google gefiltert werden.
Searches using a „subversive“ key word display on average 83% of pro-Beijing websites on google.cn, against 78% on msn.cn. By contrast, the same type of request on an uncensored search engine, like google.com (http://www.google.com/intl/zh-CN), produces only 28% of pro-Beijing sources of information. However, Microsoft like Google appears not to filter content by blocking certain keywords but by refusing to include web sites considered illegal by the authorities.
Weiter wird die Forderung aufgestellt, dass in repressiven Staaten keine Informationen über Dmeokratie und Menschenrechte zensiert werden dürfen und die westlichen Firmen ihrer ethischen Verantwortung nachkommen sollen:
Reporters Without Borders calls for search engines operating in repressive countries to refuse to censor certain content said to be „protected“, such as information on human rights and democracy. „We are convinced that these companies can still access the Chinese market without betraying their ethical principles. They must however adopt a firm and clear position in relation to the Chinese authorities“, it stressed.
internet.rsf.org
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: Google: We suck (regarding China)
: Google: We suck (regarding China) Philipp Lenssen vom großartigen Google Blogoscoped verweist auf eine AP-Meldung, die von einem Treffen mit den Google-Obersten berichtet, die in Sachen China erstaunlich selbstkritisch (für Werte von Google) sind.
“We felt that perhaps we could compromise our principles but provide ultimately more information for the Chinese and be a more effective service and perhaps make more of a difference,” Brin said. (…)
“Perhaps now the principled approach makes more sense,” Brin said. (…)
Passend dazu die Meldung, daß China offenbar mal gerade testweise google.com für eine Weile gesperrt hat.
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: Gegen Online-Repressalien: Kampagne von Amnesty International
: Gegen Online-Repressalien: Kampagne von Amnesty International Die britische Sektion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat zusammen mit der britischen Tageszeitung The Observer und der OpenNet-Initiative eine Kampagne gegen Internet-Zensur gestartet: Irrepressible.info will demonstrieren, dass niemand davon abgehalten werden kann, seine freie Meinung „online wie offline“ uneingeschränkt zu äußern und nicht durch Repressalien bedrängt werden kann, so die Kampagne. In China, Vietnam, Tunesien, Iran, Saudi Arabien und Syrien würden zu den Staaten zählen, die den Zugang zum Internet zensieren und Einwohner verfolgen und inhaftieren, weil sie online ihre Kritik zu den Verhältnissen geäußert hätten. „Internet-Repression geht nicht nur von Regierungen aus“, erklärt Amnesty International weiter: „IT-Unternehmen haben Systeme mit aufgebaut, die den Einsatz von Überwachung und Zensur ermöglichen. So hat Yahoo! die privaten Daten von E‑Mail-Nutzern den chinesischen Behörden übermittelt und damit dazu beigetragen, dass in Fällen unrechtmäßige Verhaftungen statt fanden. Microsoft und Google sind beide den Forderungen der Regierung nachgekommen, aktiv chinesische Nutzer von ihren angebotenen Services einzuschränken.
Amnesty International ruft die Bürger nun auf, selber die Zensur solcher Staaten zu unterwandern. Einmal durch eine Unterschrift bei ihrer „Internet Freiheit“-Kampagne. Wer aktiv zur Meinungsfreiheit beitragen möchte, kann in anderen Ländern zensierte Webinhalte auf seinen eigenen Seite zugänglich machen. Im Falle der chinesischen Zensur bitte Amnesty International um E‑Mail-Beschwerden an die chinesische Regierung, um den Journalisten Shi Tao freizulassen. Der wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er eine E‑Mail an eine Pro-Demokratie-Organisation geschickt haben soll. Weitere Infos dazu auf der Seite von Irrepressible.info.
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: USA: Blogger haben Journalistenrechte
: USA: Blogger haben Journalistenrechte Sehr erfreulich: Im Verfahren Apple vs. Unbekannt hat ein kalifornischer Richter Bloggern dieselben Rechte wie Journalisten zugesprochen. In dem Verfahren „Apple vs. Unbekannt“ wollte Apple gegen Blogs vorgehen, damit diese ihre Quellen offen legen. Mal schauen, wann in Deutschland mal ein solcher Fall wie entschieden wird. Heise berichtete darüber: Apple und die Pressefreiheit für Blogger.
Die Electronic Frontier Foundation kommentierte den Fall in einer Pressemitteilung: Huge Win for Online Journalists’ Source Protection.
„Today’s decision is a victory for the rights of journalists, whether online or offline, and for the public at large,“ said EFF Staff Attorney Kurt Opsahl, who argued the case before the appeals court last month. „The court has upheld the strong protections for the free flow of information to the press, and from the press to the public.“
[…]
„In addition to being a free speech victory for every citizen reporter who uses the Internet to distribute news, today’s decision is a profound electronic privacy victory for everyone who uses email,“ said EFF Staff Attorney Kevin Bankston. „The court correctly found that under federal law, civil litigants can’t subpoena your stored email from your service provider.“Interessant ist die Urteilsbegründung. Der Richter zitierte die Wikipedia insgesamt 11x.
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: BND-Bericht
: BND-Bericht Aus chronologischen Zwecken sei hier nochmal, leicht verspätet, der sogenannte „Schäfer-Bericht zum BND-Skandal verlinkt:
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: Grundrechte-Report 2006 ist erschienen
: Grundrechte-Report 2006 ist erschienen Der „Grundrechte-Report 2006: Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland“ ist heute erschienen. Das Buch ist im Fischer Taschenbuch Verlag publiziert worden, hat 256 Seiten und kostet 9,95€ (ISBN 3–596–17177–6).
Seit zehn Jahren dokumentieren Bürgerrechtsorganisationen alljährlich gemeinsam im „Grundrechte-Report“ Gefährdungen und Verletzungen der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland. Wie in den vergangenen Jahren erscheint das Buch auch 2006 zum Verfassungstag, dem 23. Mai (Jahrestag der Verabschiedung des Grundgesetzes 1949). Die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Frau Prof. Dr. Jutta Limbach, präsentiert den Grundrechte-Report 2006 heute, am Vortag des Verfassungstages, in Karlsruhe (11 Uhr im Schlosshotel). Vorab erklärte sie, dass sie die Hoffnung habe, dass möglichst viele unserem demokratischen und sozialen Rechtsstaat
verbundene Bürgerinnen und Bürger das Buch lesen mögen.
[…]
Weitere Themen des Grundrechte-Reports sind: der Ausbau des Überwachungsstaates, u.a. durch die Einführung biometrischer Pässe, durch die weitere Einschränkung des Datenschutzes oder durch Lauschangriffe. Der Grundrechte-Report 2006 kritisiert außerdem die Verletzung der Pressefreiheit, die Einschränkung des Demonstrationsrechts, die weitere Aushöhlung des Flüchtlingsrechts, zunehmende Repressionen gegenüber Muslimen und demokratiegefährdende Aktivitäten von Geheimdiensten. Als positive Entwicklung sehen die Herausgeber die Einführung des Informationsfreiheitsgesetzes, welches der erste wichtige Schritt in Richtung transparente Verwaltung bedeute. -
: Reporter ohne Grenzen: Offener Brief an Angela Merkel wegen China
: Reporter ohne Grenzen: Offener Brief an Angela Merkel wegen China Bundeskanzlerin Angela Merkel wird mit einer Delegation am 22. und 23. Mai nach China reisen, um dort mit Regierungsvertretern und Zivilgesellschaft (Zumindest die staatseigene) zu treffen. Die deutsche Sektion von Reporter ohne Grenzen hat jetzt einen offenen Brief an Frau Merkel geschrieben, um sie auf die Menschenrechtsverletzungen in China im Zusammenhang mit dem Internet aufmerksam zu machen und sie aufzufordern, sich für Menschenrechte in den Gesprächen einzusetzen.
[…] Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir möchten Sie auf diesem Wege bitten, sich in China nachdrücklich für das Menschenrecht auf Informations- und Meinungsfreiheit einzusetzen.[…]
Bei Heise findet sich auch schon ein Artikel dazu: Reporter ohne Grenzen fordert von Merkel Einsatz für Meinungsfreiheit in China.
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: CRE029: Haftung für Links und das Telemediengesetz
: CRE029: Haftung für Links und das Telemediengesetz Den aktuellen Chaosradio Express-Podcast hat Tim Pritlove mit Alvar Freude zu den Themen „Haftung für Links und das Telemediengesetz“ gemacht. Das 1,5h lange Gespräch gibt es hier als MP3 zum herunterladen. Alternativ kann man es sich auch auf der Chaosradio-Seite anhören.
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: Blog Swap mit Google und Zensurtechnologien
: Blog Swap mit Google und Zensurtechnologien Interessant zu lesen ist der „Blog Swap“ von Philipp Lenssen und Seth Finkelstein. Philipp Lenssen schreibt normalerweise über Google im englischsprachigen Blog „Google Blogoscoped“ und Seth Finkelstein schreibt im interessanten Blog Infothought hauptsächlich über Zensurtechnologien. Im Rahmen des „Blog Swap“ haben sie die Rollen getauscht und so findet sich bei Seth der Artikel „10 Things You Might Not Know About Google“ von Philipp und umgekehrt bei Philipp der Artikel „10 Things You Might Not Know About Censorware“ von Seth geschrieben.
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: RSF: Die schwarzen Löcher des Internets
: RSF: Die schwarzen Löcher des Internets Reporter ohne Grenzen haben ihren jährlichen Internet Annual report 2006 mit dem Untertitel „Everyone’s interested in the Internet – especially dictators“ veröffentlicht. Der Bericht kann als 28-seitiges PDF heruntergeladen werden. Gleichzeitig gibt es die Inhalte auch noch auf der Webseite.
Europa kommt auch vor und es wird kritisiert, dass die Vorratsdatenspeicherung die Privatsphäre aller europäischen Bürger gefährdet. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass ISPs beim blocken von Inhalten die Aufgabe von Richtern übernehmen.
The Internet has revolutionised the world’s media. Personal websites, blogs and discussion groups have given a voice to men and women who were once only passive consumers of information. It has made many newspaper readers and TV viewers into fairly successful amateur journalists. Dictators would seem powerless faced with this explosion of online material. How could they monitor the e‑mails of China’s 130 million users or censor the messages posted by Iran’s 70,000 bloggers? The enemies of the Internet have unfortunately shown their determination and skill in doing just that. China was the first repressive country to realise that the Internet was an extraordinary tool of free expression and quickly assembled the money and personnel to spy on e‑mail and censor „subversive“ websites. The regime soon showed that the Internet, like traditional media, could be controlled. All that was needed was the right technology and to crack down on the first „cyber-dissidents.
Reporter ohne Grenzen bloggen jetzt übrigens auch auf französisch: leblogmedias.
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: Chinesische Contentpolizei, süß, zahlreich und oder undercover
: Chinesische Contentpolizei, süß, zahlreich und oder undercover Da haben die chinesischen Liebhaber freier Meinungsäußerung mal die Kreativabteilung angehauen. Seit neuestem (oder schon etwas länger) werden u.a. in den universitären Internetforen chinesischer Universitäten knuffige Internetpolizei-Grafiken „eingesetzt“. Gemäß einer popkulturellen Maxime, nach der alles süß anzuschauen sein muss (impliziert: auch die Repression), repräsentieren sie auch die sozial vermittelte Kontrolle durch Kommilitonen, die undercover unterwegs sind, wie Kai Raven bei supersized.org berichtet. So schaut das dann aus:


Mit diesen Maskottchen soll gezeigt werden, dass das Internet kein anonymer Ort ist, sondern auch dort ist Polizei unterwegs und virtuell präsent. Und ansprechbar: der geneigte Leser, der befindet „dass da doch was nicht stimmt“ (so der Slogan auf Plakaten der Berliner Polizei vor einiger Zeit), darf und soll sogleich chatten oder mailen, oder wie es beschrieben wird, „sich Hilfe holen“.
Die China Digital Times berichtet vom relativen Erfolg der Aktion, die im Januar auch zum besonderen Schutze der wirtschaftlichen Boom-Region Shenzhen gestartet wurde. Die Absicht ist klar: nicht durch Comicbildchen überzeugen oder umstimmen, sondern Einschüchterung.
„The main function of Jingjing and Chacha is to intimidate, not to answer questions,“ our reporter was told by officials in charge of The Internet Security and Surveillance Division of Shenzhen Public Security Bureau. The Internet has been always monitored by police, the significance of Jingjing and Chacha’s appearence is to publicly remind all netizens to be conscious of safe and healthy use of the Internet, self-regulate their online behavior, and maintain harmonious Internet order together.
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: Internetzensur in Weissrussland
: Internetzensur in Weissrussland Die OpenNet Initiative hat einen neuen Länder-Report veröffentlicht. Thema ist diesmal die Internetzensur in Weissrussland, vor allem vor den letzten umstrittenen Wahlen. Der 52-seitige Bericht kann als PDF heruntergeladen werden.
Amidst fears that the authoritarian regime of President Aleksandr Lukashenka was going to close down Belarus political cyberspace during the elections, ONI testing found little evidence of systematic and comprehensive filtering, despite earlier ONI investigations that established the regimes capability to do so. ONI monitoring during the elections showed that, on average, opposition and independent media websites remained accessible throughout the monitoring period. ONI testing revealed a number of serious irregularities that disrupted access to certain opposition and independent media websites at strategic moments during and after the vote.
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: SpOn: Interview zu Zensur in China
: SpOn: Interview zu Zensur in China Spiegel-Online hat ein Interview mit Julien Paine von Reporter ohne Grenzen zur Zensur in China veröffentlicht: „Yahoo ist am schlimmsten“.
SPIEGEL ONLINE: Yahoo und Google kooperieren mit den chinesischen Behörden. Was ist so schlimm daran? Sie halten sich ja an die lokalen Gesetze wie chinesische Internetfirmen auch…
Julien Pain: Das ist immer das gleiche Argument, das wir zu hören bekommen. Wir machen nichts Illegales, wir befolgen Gesetze des Landes. Ich denke, dieses Argument ist nicht stichhaltig. Was würde wohl passieren, wenn die chinesische Regierung Yahoo auffordern würde, Kinder zu beschäftigen? Kinder dürfen in China arbeiten – also soll auch Yahoo dies möglich machen. Yahoo würde sagen: Nein, das können wir nicht tun. Wir sind eine amerikanische Firma mit bestimmten Werten. Und wir meinen, dass Kinder nicht arbeiten sollten. Wo ist der Unterschied zur freien Meinungsäußerung? Es ist ein international anerkanntes Menschenrecht. Übrigens hat sich auch China dazu bekannt.
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: Mal wieder: Yahoo in China
: Mal wieder: Yahoo in China Die Menschenrechtsorganisation Human Rights in China wirft mal wieder Yahoo vor, bei der Verhaftung eines chinesischen Regime-Kritikers involviert gewesen zu sein. Hier ist die Pressemitteilung von HRiChina und hier ist der Heise-Artikel dazu: Menschenrechtler erheben neue Vorwürfe gegen Yahoo.
Ich hab immer weniger Lust, del.icio.us, Flickr und Upcoming von Yahoo zu benutzen, obwohl die Tools eigentlich cool sind.
Passend dazu ist auch ein aktueller Artikel aus dem Economist: The party, the people and the power of cyber-talk.
Aber auch Google bekommt heute wieder mal Kritik: Der Name „Gu Ge“ für das chinesische Angebot bedeutet übersetzt „Lied der reichen Ernte“ und soll laut Google-Chef Eric Schmidt die reiche Ernte symbolisieren, die bei der Suche über Google eingeholt werden könne.
Internetnutzer in China finden aber beispielsweise „Gou le“ (Es reicht uns) oder „Gou Gou“ (Hündchen) passender, wie Heise berichtet: Internet-Nutzer in China verspotten Google.
Allerdings zensiert das Unternehmen – wie Yahoo oder MSN – die Ergebnisse über die chinesische Suchmaschine selbst, indem politisch heikle Themen wie Kritik an Menschenrechtsverletzungen in China oder an der kommunistischen Führung herausgefiltert werden. Google rechtfertigt das Vorgehen mit örtlichen „Gesetzen und Gebräuchen“. „Wir lieben Dich, Google, aber wir lieben Gu Ge nicht“, heißt es auf der Seite der Gegner. Sie vermissten in der chinesischen Suchmaschine die andernorts gepflegte „transparente, gleichberechtigte und offene“ Unternehmenskultur.