Zensur
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: Wieviele Millionen chinesische Internetnutzer?
: Wieviele Millionen chinesische Internetnutzer? Auf dem Congress liefen auch einige Zahlen dazu durch die Vorträge, aber so wirklich genau weiß das offenbar niemand so richtig. Die staatlich-offizielle Zahl, die Xinhua nennt, beträgt beachtliche 132 Millionen zum Jahresende, davon noch nicht ganz die Hälfte mit Breitbandzugang.
Schon vor Jahren hab ich im Studium gehört, dass die „Sprache des Internets“ chinesisch sein wird. Was immer sich Soziologen genau darunter vorstellen, vermutlich meint es ganz trivial „Mehr als die Hälfte der User haben chinesisch als Muttersprache“. In ein paar Jahren könnte es soweit sein; wenn man die Überseechinesen mitzählt.
Freie Meinungsäußerung in Online-Medien jedenfalls hat noch erhebliche, patriotische und bleibende Hindernisse, vornehmlich die Regierung. Auf dem 23C3 konnte man hören, dass auch in China die Zahl der Tor-User steigt. Es gibt also Hoffnung, dass mehr Internet tatsächlich zu mehr Demokratisierung führt, unbelauschtem Datenverkehr sei Dank.
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: Internetzensur in Vietnam und Iran
: Internetzensur in Vietnam und Iran Die BBC berichtet über Internetzensur in Vietnam: Vietnam’s internet freedom dilemma.
Anti-government sites are blocked, and dissidents regularly report that their internet use is monitored and emails intercepted. „Just two days ago, the Ministry of Public Security informed to me that I would never be allowed to use ADSL internet at home, and maybe in my office too,“ said lawyer and political activist Nguyen Van Dai. „I asked them the reason, and they said that I violated national security,“ he wrote in an email from one of his constantly-changing accounts.
Internetzensur war auch Thema in der FAZ und zwar am Beispiel Iran: Wie Irans Regime das Internet behindert.
Nachweise, daß sich die Lage verschärft, sind nur schwer zu erbringen, da jeden Tag auch wieder Zeichen in die andere Richtung deuten. Die Debatte zwischen Robert Tait und Hossein Derakhsan bestätigt die Hilflosigkeit auf allen Seiten. Die Iraner umschreiben diese Bewegung mit dem „Gang einer Welle“, die völlig unerwartet über Bord schwappen und ungeheure Kraft entwickeln kann. So wenig vorhersehbar die Regierung sich beim Skandal um Zahra Amir Ebrahimi verhält, so unberechenbar zeigt sie sich nun auch im Vorgehen gegen westliche Internetseiten. Die Iraner sind an dieses Wechselspiel gewöhnt, zwischen Hoffen und Ernüchterung: Ahmadineschad verspricht und nimmt wieder zurück, die Regierung droht und setzt es dann doch nicht um, dann droht sie nicht – und verhaftet und verurteilt. Die Wellenbewegung hat System und zermürbt jene, die sich eigentlich gegen das totalitäre System zur Wehr setzen würden.
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: Lokale Färbungen
Zensurder chinesischen Wikipedia: Lokale Färbungen Zensurder chinesischen WikipediaDie Wikipedia wird von China aus mal blockiert, und mal nicht. Das ist man gewöhnt, das macht kaum Schlagzeilen. Der eigentliche Kampf um die Inhalte wird vermutlich auch von den Netz-Zensoren geführt, die in China teils undercover, auf jeden Fall aber zahlreich unterwegs sind. Beim Linuxinsider.com liest man über das Beispiel von Mao Zhedong (Mao Tse-tung, 毛泽东/毛澤東):
Indeed, in its present form, the Chinese Wikipedia introduction to Mao could hardly be more anodyne: „One of the main founders and leaders of the Communist Party of China, the People’s Liberation Army and the People’s Republic of China,“ it reads. „He introduced a series of political movements such as the Great Leap Forward and the Cultural Revolution. He had a great influence over 20th-century China and the world.“
On the evidence of entries like this, for the moment, the fight over editorial direction of Wikipedia in Chinese is being won by enthusiasts who practice self-censorship.
Auch das verwundert nicht. Zensur funktioniert nicht gut, wenn sie alleine von einer Instanz geführt und betrieben wird. Wenn allzu heikle Themen immerzu vermieden werden (hier z.B. von den gemeinen Leuten auf der Straße, den Intellektuellen, Ausländern, Touristen, …) dann funktioniert sie am besten und am schärfsten. Soziale Kontrolle wirkt wie eine Schere in den Köpfen. Man einigt sich auf einen kleinen gemeinsamen Nenner, der möglichst Implikationen vermeidet.
Die üblichen heißen und gemiedenen Themen sind natürlich Erstbesiedlung und heutiger Status von Taiwan (das selbstredend ein eigenständiger, souveräner Staat ist, außer in den Augen der chinesischen Regierung), das Tiananmen-Massaker von 1989, und anderes. Erstaunlich auch, dass die Inhalte der chinesischen Wikipedia vor allem von Überseechinesen erstellt werden. Dazu Jimbo Wales:
said that divergence was not unique to China; English- and French-language entries on the same topics in some cases began quite differently but over time became similar the broader the access. He expects the same phenomenon to affect Chinese entries.
Dann kann die Zukunft ja besser werden. Immerhin steht nach wie vor fest, dass Taiwan die technologische Führung übernommen hat. Schließlich ist es Republik, seit zwei Jahrzehnten demokratisch und respektiert die Menschenrechte.
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: Iran sperrte Wikipedia und andere Seiten
: Iran sperrte Wikipedia und andere Seiten Im Iran gab es wieder massive Internet-Sperrungen. U.a. wurde die englischsprachige Wikipedia für einen Tag ausgeblendet, dazu noch Seiten wie Amazon, Imdb, Youtube und die NYT. Mehr dazu im britischen Guardian: Censorship fears rise as Iran blocks access to top websites
Last week Mohammed Tourang, head of the information bureau’s cultural committee, warned Iranian websites of stricter rules by announcing steps to stamp out „immoral and illegal“ content. He said site owners would be given official reminders to eliminate forbidden material. Special attention would be paid to content judged to be a threat to national unity or insulting to sacred religious texts and symbols. Students and academics say the move limits their ability to conduct research.
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: Cyberdissidenten im Spiegel
: Cyberdissidenten im Spiegel Im aktuellen Print-Spiegel ist ein Artikel über Blogger in repressiven Regimen, der jetzt auch bei SpOn zu finden ist: Rebellen im Netz.
Die riesige Zahl kritischer Online-Tagebücher macht autoritären Staaten wie China, Iran oder Ägypten schwer zu schaffen. Denn solche „Blogs“, die sich im Sekundentakt vermehren, stellen Öffentlichkeit über totgeschwiegene Ereignisse her.
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: China, Wikipedia: wieder unzensierter Zugang?
: China, Wikipedia: wieder unzensierter Zugang? Dass die Wikipedia in China nur eingeschränkt zugänglich ist galt fast schon als Gemeinplatz. Details konnte man teils hier nachlesen. Doch ich lese gerade verwundert, dass offenbar wieder alles unzensiert zugänglich sein soll, sowohl auf chinesisch wie auch auf englisch:
„Nobody knows what the Wikipedia unblocking means and how long it’s going to last,“ Berkman fellow Rebecca MacKinnon said in an article in today’s Boston Globe. The article continues, „[i]ndeed, the Chinese government denies censoring the Internet at all, despite widespread complaints that many Western news and information services are inaccessible. Because of these official denials, said MacKinnon, ‚it makes it difficult to figure out why anything happens.’ “
Womöglich war das auch nur ein Test oder ein Versehen, denn inzwischen soll die Aufhebung der Blockade selbst schon wieder aufgehoben worden sein.
Bei so einer Informationslage möchte man gerne eine Außenstelle China haben oder sowas.
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: 24 Stunden klicken gegen Internetzensur
: 24 Stunden klicken gegen Internetzensur Noch bis morgen früh 11 Uhr läuft die Aktion „24 Stunden klicken gegen Internetzensur“ von „Reporter ohne Grenzen“. Mit der Aktion sollen die „schwarzen Löcher des Internet“ geschlossen werden. „Jeder Klick zählt,“ so Reporter ohne Grenzen, „Und jeder Klick hilft Reporter ohne Grenzen, sich noch nachdrücklicher für einen freien Informationsfluss im Internet einzusetzen.“ Im Visier der Menschenrechtsorganisation sind 13 Länder, in denen das Recht auf freie Meinunsäußerung massiv verletzt wird: Ägypten, China, Iran, Kuba, Myanmar, Nordkorea, Saudi-Arabien, Syrien, Tunesien, Turkmenistan, Usbekistan, Vietnam und Weißrussland. Abgestimmt werden kann auf http://www.rsf.org/24h/
Gleichzeitig startet die Organisation eine eigene Blog-Plattform. Die Preise für ein Blog auf der Plattform http://www.rsfblog.org bewegen sich zwischen 5,90 und 14,90 Euro, wählbar sind zahlreiche Optionen, beispielsweise MoBlog- und Podcasting-Funktionen oder besonders viel Speicher. Ein Teil des Geldes geht an „Reporter ohne Grenzen“ und deren Hilfsfonds: „Der Hilfs-Fond der Organisation unterstützt Familien von Internetnutzern, die in repressiven Ländern für das, was sie online veröffentlicht haben, hinter Gittern sind.“ Außerdem ist es möglich, eine Patenschaft für einen inhaftierten Internet-Dissidenten zu übernehmen: „Foto, sowie Lebenslauf des Inhaftierten erscheinen dann automatisch rechts neben ihrem Blog.“ Das Schicksal der Gefangenen öffentlich zu machen, erhöhe dessen Chance, frei zu kommen.
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: Neue Transparenz: Atombomben-Baupläne von US-Regierung ins Netz gestellt
: Neue Transparenz: Atombomben-Baupläne von US-Regierung ins Netz gestellt Wenn das der Beckstein mitbekommt: US- Regierung veröffentlichte versehentlich Atombomben- Baupläne.
Tatsächlich fanden sich in den veröffentlichten Dokumenten einige Dutzend über das irakische Atomprogramm, berichtet heute die „New York Times“. Und die haben es in ihrer Eindeutigkeit in sich: Was dort zu sehen war, grenze an eine Bauanleitung. „Schockiert“ hätten in der letzten Woche Vertreter der internationalen Atomenergiebehörde bei Gregory L. Schulte, dem US-Vertreter bei der IAEA, Protest angemeldet. Schulte dementiert das. Erst eine Anfrage der „New York Times“ brachte den Stein ins Rollen: Wenige Stunden später zog die US-Regierung den Stecker und nahm die gesamte Webseite vom Netz.
Und zwar überaus gründlich. Weder beim Internet-Archiv, noch in den Caches der großen Suchmaschinen finden sich auch nur noch Spuren der Tausende von Dokumenten. Den Link zu veröffentlichen, erübrigt sich: Dort ist nichts mehr, die Adresse ist augenscheinlich sogar aus den DNS-Verzeichnissen der Internetprovider getilgt.
Die Informationen standen auf dem „Operation Iraqi Freedom Document Portal“, welches wohl dazu genutzt wurde, um eine Legitimität des Irak-Krieges in der öffentlichen Wahrnehmung durch die Publizierung von „Fakten“ zu erreichen. Pikant ist zudem, dass die USA viel mehr Informationen auf dem Portal veröffentlicht haben, als die Mitglieder des Uno-Sicherheitsrates zu sehen bekamen.
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: Zensur von Blogs in Griechenland
: Zensur von Blogs in Griechenland Telepolis berichtet ausführlicher über die Schliessung eines griechischen Blogs während des IGF: Neuer Volkssport für Diktatoren: Jagt den Blog!
Dass Blogger teilweise gefährlich leben, ist bekannt. Wenn irgendwo in der Welt ein Blogger verhört, verklagt oder verhaftet wird, fällt es kaum mehr auf; selbst bei hauptberuflichen Journalisten führt derartiges ja außerhalb der eigenen Kreise nicht mehr zur Empörung, sondern wird achselzuckend als „Berufsrisiko“ angesehen („selbst Schuld“). Im Zeitalter von Guantanamo, Yahoo-Zensur, Google-Filtern und organisierten Massenabmahnungen würde normalerweise niemand mehr Notiz von einem unglücklichen Griechen nehmen, der wegen einer Weblogverlinkung vor den Kadi gezerrt wurde.
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: Bayer zensiert Greenpeace
: Bayer zensiert Greenpeace Bayer unterstützt Greenpeace gerade bei einer Kampagne gegen sich selbst. Konkret geht es um eine Gen-Reis Kampagne. Greenpeace wirft Bayer vor, nicht zugelassenen Gen-Reis zu vertreiben. Dazu nutzt Greenpeace die eigene Verbraucherschutz-Plattform „Einkaufsnetz“ zur Aufklärung und bietet Verbrauchern die Möglichkeit, „Marktaktivisten“ zu werden – durch das Verschicken von Beschwerde-Mails. Das ist zwar nicht wirklich innovativ, aber legitim.
Dies führte am 30.10. allerdings dazu, dass Bayer Abends ohne rechtliche Handhabe Druck auf den kleinen Provider von Greenpeace ausübte, und die Seite sperren liess. Das ist Zensur und eine eklatante Einschränkung von Meinungsfreiheit.
In einer Pressemitteilung schildet Greenpeace die Situation:
Wer nach 18.00 Uhr aktiv werden wollte, bekam nur die Meldung Server nicht gefunden. Bayer hatte den Provider der EinkaufsNetz-Seite vorgeworfen, Spam-Mails zu verschicken und ihn so unter Druck gesetzt, dass der kleine mittelständische Familienbetrieb mit Sitz in Ostdeutschland daraufhin die Seite abschaltete. Wo würden wir hinkommen, wenn große Konzerne per Zuruf das World Wide Web zensieren und kontrollieren könnten, so Greenpeace-Sprecherin Ulrike Brendel.
Am nächsten Morgen gegen 11 Uhr liess der Provider die Sperrung aufheben.
Malte schrieb dazu auf Spreeblick:
Also offensichtlich ein Thema, dass eine breitangelegte Debatte braucht. Bayer findet das nicht. Bayer hält Verbraucherproteste für Spam. Eine ehrliche Haltung. Luthers Thesen wurden vom damaligen Papst sicherlich auch als Spam betrachtet. Schon damals hat sich der Spammer am Ende durchgesetzt.
Wirres hatte es schon früher: lex bayer.
Mehr Informationen zum Gen-Reis Skandal auf den Seiten von Greenpeace:
Greenpeace findet den Gen-Reis im Hamburger Hafen wieder
Chronologie des Gen-Reis-SkandalsUpdate: Die TAZ berichtet darüber: Tote Seite wegen Bayer.
„Wir haben die Website nicht sperren lassen“, erklärte indes ein Bayer-Sprecher. Dies sei auch rechtlich gar nicht möglich. Kontakt mit dem Server-Betreiber habe es allerdings gegeben: „Wir haben dort recherchiert.“
Diese „Recherche“ sah laut Betreiberfirma so aus: Ein Mitarbeiter der Bayer-Konzernsicherheit habe am Montag kurz vor 18 Uhr angerufen und von „massiven Spam-Angriffen“ berichtet, die „unseren kompletten Betrieb lahmlegen“. „Wir wussten nicht, dass es nur um ein Mailpostfach ging“, erklärt ein Sprecher des mittelständischen Server-Betreibers. Da es kurz vor Feierabend gewesen sei und die „Konzernsicherheit“ den Fall als Attacke auf ihr System schilderte, habe man abgeschaltet.
„Wir haben das erst 15 Stunden später erfahren“, erklärt Ulrike Brendel. Verwunderte Aktivisten hatten bei Greenpeace angerufen, weil sie die Seite nicht erreichen konnten. Brendel zeigt sich empört: „Anstatt die Ablehnung der Verbraucher gegen Gen-Reis ernst zu nehmen, nutzt Bayer seine Macht auf diese Weise aus.“ Die Server-Betreiber sehen aber auch eine Teilschuld bei den Umweltschützern: „Bevor Greenpeace so eine Aktion startet, sollten sie uns besser Bescheid geben.“
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: Anonymität.Online: Technik – Szenarien – Geschäftsmodelle
: Anonymität.Online: Technik – Szenarien – Geschäftsmodelle Am 24. November 2006 findet im Bundeswirtschaftsministerium, die Abschlussveranstaltung des BMWi-Projektes „Starke Anonymität und Unbeobachtbarkeit im Internet“ mit dem Titel „Anonymität.Online: Technik – Szenarien – Geschäftsmodelle“ (PDF) statt. Das Projekt „AN.ON – Anonymität Online“ entwickelt und betreibt den vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geförderten Internet-Anonymisierungsdienst AN.ON/JAP. Die Software JAP wurde inzwischen einige Millionen Mal aus dem Internet heruntergeladen und von zahlreichen Nutzern regelmäßig für den anonymen Zugriff auf Internetseiten eingesetzt. Die finanzielle Projektförderung durch das BMWi läuft zum Ende des Jahres 2006 definitiv aus.
Zur Abschlussveranstaltung des Projektes am 24. November 2006 im Bundeswirtschaftsministerium, Berlin, lädt das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein zusammen mit der Universität Regensburg, Lehrstuhl Management der Informationssicherheit, ganz herzlich ein. Dabei sollen unter dem Motto „Technik-Szenarien-Geschäftsmodelle“ insbesondere Erfahrungen ausgetauscht und wirtschaftliche Perspektiven diskutiert werden.
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: ZDF-Aspekte erklärt das Kindermorden
: ZDF-Aspekte erklärt das Kindermorden Bei D‑Frag gibt es eine ausführliche Rezension der ZDF-Sendung Aspekte, die in Frontal21-Tradition gegen Computerspiele agitiert hat: Wie Kinder Spaß am Morden finden.
Erschrocken über den reißerischen Titel? Keine Sorge, er stammt nicht von uns, sondern vom ZDF-Kulturmagazin Aspekte. Normalerweise glänzt Aspekte mit aufwühlenden Themen wie »Der Dresdner Brückenstreit« oder »Das Lucerne Festival«, aber normalerweise stammen die Beiträge dort auch nicht von Rainer Fromm. Bis zum letzten Samstag jedenfalls.
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: Blogger in China müssen sich registrieren?
: Blogger in China müssen sich registrieren? Der Contentpolizei und Säuberungswelle nicht genug, jetzt müssen sich Blogger in China mit Realnamen registrieren, so der Stand der Diskussion. Damit sollen ungesunde und unwahre Informationen in Schach gehalten werden. Wie Gulli heute berichtet,
Online-Pseudonyme sollen im Land hinter der „chinesischen Firewall“ nach wie vor möglich sein, die Blogger jedoch namentlich bekannt und registriert sein. Dieser Schritt sei „unvermeidlich“, sollte die „reguläre“ Entwicklung der chinesischen Blogcommunity gewährleistet bleiben.
„Reguläre“ Entwicklung heißt bei den Volkschinesen natürlich immer, dass sie reglementiert, kontrolliert und gelenkt wird, damit auch ein sonniges und grünes Internet herauskommt. Ob das „einig Bloggerland“ seine Führungsposition hier halten kann? Dazu sagt Xinhua nichts, und auch aktuelle Zahlen werden nicht genannt. Die Internet Society of China /中国互联网协会 (ISC) betont auch, dass noch nichts entschieden ist. So berichtet die China Digital Times: Blog Real Name System Undecided. Daraus:
Related Chinese blog: „The Unreasonable Real-name System Will Destroy the Chinese Blog Website“ from Fang Xingdong, which says,„It is still unclear whether the real-name system will apply to the actual blog, thus it is too early to comment. If violating the essence of blog, betraying the basic rules of the global Internet, and promoting the unreasonable real-name system, we will be certain about the direct consequence is to cause FUD (worries, uncertainty and doubt) effect to China’s national blog service, the greatest mistake ever made to the China Internet!
Once bloggers feel insecure to use Chinese bloggs, their first choices will be hundreds of thousands overseas websites. Because any website in the future will provide a major blog service. Unless China would completely close the Internet, there will be a trend for Chinese netizens to choose overseas blog service.“
FUD scheint die Strategie zu sein; Einschüchterungen eines der Mittel. Bleibt bisher noch, im Ausland zu bloggen, solange die Router sich veralbern lassen, und die üblichen anonymisierenden Werkzeuge zu verwenden. Mal sehen was da noch kommt.
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: Internetzensur in Nord-Korea
: Internetzensur in Nord-Korea Die New York Times berichtete über Internetzensur in Nord-Korea: The Internet Black Hole That Is North Korea
This is an impoverished country where televisions and radios are hard-wired to receive only government-controlled frequencies. Cellphones were banned outright in 2004. In May, the Committee to Protect Journalists in New York ranked North Korea No. 1 — over also-rans like Burma, Syria and Uzbekistan — on its list of the “10 Most Censored Countries.” That would seem to leave the question of Internet access in North Korea moot.
Viel Netz gibts da nicht.
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: Erwachsenenschutz durch die Vista-Hintertür?
: Erwachsenenschutz durch die Vista-Hintertür? Beim Blättern in der aktuellen c’t bin gerade auf ein interessantes Feature von Windows Vista gestoßen, dem man – einmal etabliert und nach realpolitischem Druck (Jugendschutz! Nazipropaganda! Kinderpornographie!) entsprechend nachjustiert – durchaus einen „dual use“-Charakter unterstellen könnte: Der eingebaute Phishingfilter.
Axel Vahldieck beschreibt seine Funktion wie folgt:
Der Phishingfilter wirkt nicht nur im Internet-Explorer, sondern auch im Outlook-Express-Nachfolger Mail. Er prüft erstens, ob die URL der Webseite in einer Liste bekannter sicherer Seiten (Whitelist)* enthalten ist, […] Drittens schickt er die URL – SSL-verschlüsselt und ohne Nutzerparameter und Cookies – an Server eines Partners von Microsoft (bislang ist nur Digital Resolve bekannt), der die Seite in Echtzeit untersuchen soll.
Damit erinnert der Phishingfilter von Vista verblüffend an das im Sommer 2003 vorgestellte Filtersystem ICRAplus.
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: Internetzensur in Kuba
: Internetzensur in Kuba
Von Kuba können deutsche Innenminister noch prima lernen, wie das mit der Kontrolle des Internets und der Einschränkung der Meinungs- und Rezipientenfreiheit funktioniert und welche Massnahmen dazu notwendig sind. Reporter ohne Grenzen haben jetzt einen neuen Kuba-Report veröffentlicht: Reporters Without Borders publishes a report on how the authorities control the Internet in Cuba. An investigation carried out by Reporters Without Borders revealed that the Cuban government uses several mechanisms to ensure that the Internet is not used in a “counter-revolutionary” fashion. Firstly, the government has more or less banned private Internet connections. To visit websites or check their e‑mail, Cubans have to use public access points such as Internet cafes, universities and “Youth computing centers” where it is easier to monitor their activity. Then, the Cuban police has installed software on all computers in Internet cafes and big hotels that triggers an alert message when “subversive” key-words are noticed.
The regime also ensures that there is no Internet access for its political opponents and independent journalists, for whom reaching news media abroad is an ordeal. The government also counts on self-censorship. In Cuba, you can get a 20-year prison sentence for writing a few “counter-revolutionary” articles for foreign websites, and a five-year one just for connecting with the Internet in an illegal manner. Few people dare to defy the state censorship and take such a risk.“
Den ganzen Report gibt es als PDF zum downloaden.
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: Dissident in China zu vier Jahren Gefängnis verurteilt
: Dissident in China zu vier Jahren Gefängnis verurteilt In China ist der 49-jährige Dissident Guo Qizhen wegen „Anstachelung zur Subversion“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, da er im Internet regierungskritische Artikel verbreitet habe. Da werden Menschenrechte mit Füssen getreten.
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: Wie die EU das Internet kontrollieren will – irgendwie
: Wie die EU das Internet kontrollieren will – irgendwie Bei einem Treffen der EU-Innenminister im August wurden Pläne verkündet, stärker im Internet gegen Terroristen vorgehen zu wollen. Das britische Spyblog hat daraufhin 17 Fragen an den EU-Justizkommissar Franco Frattini geschrieben und um Antwort gebeten. Diese sind mittlerweile von Jonathan Faull, seines Zeichen „EU Commission Director General for Justice, Freedom and Security“ beantwortet und vom Spyblog veröffentlicht worden.
Response from the European Commission regarding the policy of censoring „terrorist“ web sites – part 1
European Commission policy of censoring „terrorist“ web sites – part 2
European Commission „policy“ of censoring „terrorist“ web sites – part 3European Commission – censoring „terrorist“ web sites – part 4
The Register berichtet ganz amüsant über die Aktion und vor allem die (nichtssagenden) Antworten: EU plans to block terror sites, but doesn’t know how.
Essentially, the Commission seems to know approximately what it wants to do, to have barely the vaguest of notions how to go about doing it, but to be exceedingly keen to assure people that it won’t do anything that is in conflict with the principles of the European Union. Take question one, for example, „Are you proposing a European Union version of the national level firewall content filtering and censorware software such as is used in the ‚Great firewall of China’ or in Saudi Arabia and other repressive regimes?“
Faull responds with a refrain that will become tedious well before question 17. „At such an early stage of our consultations it would be premature to speak about a specific solution… [so ominously, perhaps we’re not altogether ruling that one out]… the European Union is founded on the principles of liberty, democracy, respect for human rights and fundamental freedoms, and the rule of law. In consequence, policy options undermining such principles will be necessarily ruled out.“ Relieved? We know we were. So even if Europe does build a Great Firewall it won’t be one that undermines our basic principles, right…
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: Chinesische Internetzensur wird intelligenter?
: Chinesische Internetzensur wird intelligenter? Die Wikipedia war lange Zeit in China gesperrt. Nun wurde sie wieder frei geschaltet – irgendwie. Denn die chinesische Zensur scheint mittlerweile etwas mehr „sophisticated“ (intelligenter) zu sein. Peter Schink fragte einen befreundeten Journalisten in China, wie der aktuelle Stand ist. Vorher wurden gleich ganze IPs gesperrt, nun scheint man in der Lage zu sein, nur bestimmte Inhalte unter einer IP zu zensieren, oder nicht? Was gefährlicher sein kann, weil man die Zensur weniger spürt. Praktische Hilfe gibts dazu vermutlich wieder von den üblichen westlichen Firmen.
Hat jemand dazu vielleicht noch mehr Quellen für eine Verifizierung?
Update:
Spiegel-Online: Wikipedia ist in China wieder zugänglich.
Ebenfalls unklar ist, ob auch die chinesischsprachige Wikipedia-Seite aus der Volksrepublik angesurft werden kann. Die meisten Internetnutzer haben keinen Zugriff, doch in einigen Teilen Shanghais ist die chinesische Version völlig unzensiert verfügbar. „Informationen über das Tiananmen-Massaker oder die in China verfolgte Falun-Gong-Bewegung in chinesischen Zeichen, das wird bestimmt bald abgestellt“, glaubt Julien Pain, Leiter der Internetabteilung von Reporter ohne Grenzen. „Wir gehen davon aus, dass die chinesische Firewall gerade aktualisiert wird, so dass es im Moment zu Unregelmäßigkeiten kommt. Das gesamte Ausmaß werden wir erst in den nächsten Tagen erkennen können“, sagt Pain.
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: AOL und die Nazi-Suchanfragen
: AOL und die Nazi-Suchanfragen Wie Suchmaschinen mit dem unliebsamen Suchergebnissen umgehen, kann man bei der Frankfurter Rundschau lesen: Aufklärung statt Nazi-Hetze.
Wer auf der Seite des Internetanbieters AOL den Begriff „Synagoge“ eingibt, erhält als ersten Treffer einen „von AOL empfohlenen“ Link zum Jüdischen Museum in Berlin. Für mehr als hundert Begriffe ist die Suchfunktion so verändert, dass zunächst der Hinweis auf das Museum erscheint. „Wir wollen mit unserem Museum aufklären und die Menschen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet anleiten“, sagt der Marketing-Leiter des Museums, Klaus Siebenhaar.
Mit seiner Kooperation setzt AOL offensiv um, was andere Suchmaschinenbetreiber bereits praktizieren. Wer bei Google, dessen Suchmaschine AOL nutzt und lediglich erweitert hat, Yahoo oder anderen nach Begriffen wie „Hitler“ oder „Nazi“ sucht, stößt nicht auf Seiten mit brauner Propaganda, sondern etwa auf die des Deutschen Historischen Museums. AOL geht einen Schritt weiter, da der Link zum Jüdischen Museum an erster Stelle und mit Logo erscheint.