Der Contentpolizei und Säuberungswelle nicht genug, jetzt müssen sich Blogger in China mit Realnamen registrieren, so der Stand der Diskussion. Damit sollen ungesunde und unwahre Informationen in Schach gehalten werden. Wie Gulli heute berichtet,
Online-Pseudonyme sollen im Land hinter der „chinesischen Firewall“ nach wie vor möglich sein, die Blogger jedoch namentlich bekannt und registriert sein. Dieser Schritt sei „unvermeidlich“, sollte die „reguläre“ Entwicklung der chinesischen Blogcommunity gewährleistet bleiben.
„Reguläre“ Entwicklung heißt bei den Volkschinesen natürlich immer, dass sie reglementiert, kontrolliert und gelenkt wird, damit auch ein sonniges und grünes Internet herauskommt. Ob das „einig Bloggerland“ seine Führungsposition hier halten kann? Dazu sagt Xinhua nichts, und auch aktuelle Zahlen werden nicht genannt. Die Internet Society of China /中国互联网协会 (ISC) betont auch, dass noch nichts entschieden ist. So berichtet die China Digital Times: Blog Real Name System Undecided. Daraus:
Related Chinese blog: „The Unreasonable Real-name System Will Destroy the Chinese Blog Website“ from Fang Xingdong, which says,„It is still unclear whether the real-name system will apply to the actual blog, thus it is too early to comment. If violating the essence of blog, betraying the basic rules of the global Internet, and promoting the unreasonable real-name system, we will be certain about the direct consequence is to cause FUD (worries, uncertainty and doubt) effect to China’s national blog service, the greatest mistake ever made to the China Internet!
Once bloggers feel insecure to use Chinese bloggs, their first choices will be hundreds of thousands overseas websites. Because any website in the future will provide a major blog service. Unless China would completely close the Internet, there will be a trend for Chinese netizens to choose overseas blog service.“
FUD scheint die Strategie zu sein; Einschüchterungen eines der Mittel. Bleibt bisher noch, im Ausland zu bloggen, solange die Router sich veralbern lassen, und die üblichen anonymisierenden Werkzeuge zu verwenden. Mal sehen was da noch kommt.
Ergänzungen
Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
5 Kommentare zu „Blogger in China müssen sich registrieren?“
,
Wo ist hier der Unterschied zu Deutschland? Hier muss auch letztendlich jeder Blogger ein Impressum bereitstellen mit dem Realnamen und weiteren Daten. Das ist zwar meines Wissens noch nicht abschliessend vor Gericht geklärt, aber alles was ich dazu gelesen habe deutet darauf hin.
,
Vor allem besteht ja der Unterschied darin, wie die Daten verwendet werden, und die Zensur ja hierzulande nicht so ganz so schnell dazu führt, dass Leute verhaftet und eingesperrt werden. China aber liegt weit vor Deutschland, was die Presseunfreiheit angeht und ist gar in den Top 10. Die namentliche Kennzeichnung allein macht den Unterschied ja nicht.
Und: ein Impressum ist (ziemlich sicher) Pflicht, kann aber nur für eigene Webseiten gelten, und weniger für Blogdienste wie etwa twoday.net oder blogger.de oder sowas. Nichtmal ein Realname wird verlangt, wenn ich mich sonstewo als Freemail- oder Gratisbloguser anmelde. Ich mag gegen AGBs verstoßen, na und? Den Staat interessiert das wenig. Ich kann mich so mindestens oberflächlich leicht verstecken.
,
[…] Blogger in China müssen sich registrieren? Wie schon so oft gelesen, scheint die Verbreitung und Popularität der Weblogs in anderen Ländern nicht zwangsweise mit einer Verbreitung der Pressefreiheit einherzugehen. Eine neue Qualität erreicht das ganze jedoch mit dieser Maßnahme… [Via] […]
,
[…] Nicht nur bloggende Chinesen müssen sich im Internet bald mit Realnamen registrieren, auch in Brasilien wäre es beinahe so, oder noch einen Zacken schärfer gekommen: Die Kommission für Verfassung und Justiz des Senats in Brasilien hat am Mittwoch den umstrittenen Gesetzentwurf 124/06 noch vor seiner Debatte zurückgezogen. Er forderte die persönliche Identifizierung der Internetnutzer und drohte bei Nichtbeachtung mit Knaststrafen von einem bis zu vier Jahren. Das Projekt des Sozialdemokraten [extern] Eduardo Azeredo hatte Kritikstürme ausgelöst. […] Mit dem Gesetz wären alle Internetnutzer unter Generalverdacht gestellt worden. Unter Androhung von Haftstrafen bis zu drei Jahren hätte sich jeder gegenüber dem jeweiligen Provider mit Name und Adresse identifizieren müssen, bevor er eine Email verschicken, einen Chatroom besuchen oder einen Blog betreiben kann. Die Provider hätten die Daten zunächst prüfen müssen, bevor sie dem Nutzer ihren Service anbieten dürften. Diese Daten sollten mit den Verbindungsdaten drei Jahre für die Polizei vorgehalten werden. Die Provider sollten für die Echtheit der Daten haftbar sein und bestraft werden können, wenn der Gesetzesbrecher nicht ermittelbar wäre. […]
,
[…] Interessante Meldung von gestern im Wall Street Journal: Why China Relaxed Blogger Crackdown. Mit dem Untertitel “Registration Plan Was Dropped In Face of Tech-Industry Protests” wird beschrieben, dass das lange geplante Realnamensystem nicht mehr erzwungen werden soll. The Chinese government, which sees the online world as a conduit for slander, pornography and antigovernment views, believes the real-name system would force the Internet community to watch their words and actions. But the policy received sharp protests from the technology industry. […]
Dieser Artikel ist älter als 19 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.