Zensur

  • : Iran: Blogger zu drei Jahren Haft verurteilt
    Iran: Blogger zu drei Jahren Haft verurteilt

    Der iranische Blogger und Journalist Ahmad Reza Shiri ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Die zur Bewährung ausgesetzte Strafe wurde am 8. Januar verhängt, wie Reporter ohne Grenzen berichtet. Als Grund für die Veurteilung wurde wohl angeführt, dass er in Blogeinträgen zum Boykott der Wahlen im Februar 2004 aufgerufen habe.

    „Auf Bewährung verhängte Strafen werden häufig instrumentalisiert, um dem Regime unliebsame Journalisten ruhigzustellen,“ so ein Sprecher der Organisation. „Die Tatsache, dass ein Blogger auf diese Art verurteilt wurde, zeigt die Relevanz, die von Weblogs im Iran ausgeht“.

    [via Reporter ohne Grenzen]

    20. Januar 2006 1
  • : Thilo ist nicht alleine zu Haus
    Thilo ist nicht alleine zu Haus

    Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, Dr. Thilo Weichert, wurde vom Innenminister von Schleswig Holstein gerügt. Vorangegangen war eine Kritik am geplanten Polizeigesetz, welches eine Überwachung der Bürger ohne konkreten Anfangsverdacht ermöglichen soll. Nachdem der Innenminister eine Pressemitteilung mit der Überschrift „Thilo allein zu Haus“ veröffentlicht hatte, konterte jetzt das Unabhängige Landeszentrums für Datenschutz mit dem folgenden Bild:

    Das Bild gibt es hier in gross.

    Irgendwie hatten wir das schonmal mit der Kritik von Innenministern an störenden Datenschützern…

    [via Isotopp]

    16. Januar 2006
  • : Zensur in China und DRM in der EU
    Zensur in China und DRM in der EU

    Unsere EU-Kommissarin für die Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding, war in China und beklagte laut dpa/Heise die Zensur dort. Dies ist ja erstmal ein erfreuliches Signal, dass die EU das Thema Zensur Ernst nimmt. Verwundert bin ich nur über die Zitate, die das Statement untermauern:

    „Sie schämen sich nicht für die Zensur.“ Während sich die Europäische Union darum sorge, dass ihre Bürger vor Kontrolle im Internet geschützt werden müssten, gehe es in China um den Schutz der Regierung vor dem Internet. „Wir sprechen nicht die gleiche Sprache“, sagte Reding. „Für sie ist es eine ganz normale Verhaltenweise.“

    Was die Zukunft des Internet angehe, stehe die EU „nicht auf der Seite Pekings“. Aus europäischer Sicht solle das Internet niemandem gehören. „Niemand kontrolliert den Inhalt bislang, außer die Diktatoren dieser Welt“, sagte Reding. „Unser Ziel ist der freie Zugang zu Informationen in der Welt.“

    Die Statements klingen ein wenig merkwürdig und wenig glaubwürdig, wenn man sich die Betrebungen der EU anschaut, Digital Restriction Management – Systeme zur Kontrolle der Inhalte zu fördern, in einen rechtlichen Gesetzesrahmen zu bringen (EU-Copyright-Directive) und ebenfalls die Durchsetzung der monopolisierten Inhalte durch entsprechende Richtlinien zu begleiten.

    Was bleibt vom „Free Flow of informations“ übrig, wenn erstmal eine Trusted DRM-Infrastruktur der Rechteinhaber neue Oligopole schafft und das freie Internet zur Seite drängt?

    13. Januar 2006
  • : Übersetzung der RSF-Petition
    Übersetzung der RSF-Petition

    Über die aktuelle Petition von Reporter ohne Grenzen habe ich heute Mittag schon geschrieben. Eine deutsche Übersetzung des Textes wäre noch sinnvoll, leider fehlt mir heute die Zeit dazu. Aber vielleicht hat ja jemand Lust und Zeit, den Text zu übersetzen?

    Update:

    Klasse Sache: Stefan T Saffert hat eine Übersetzung gemacht und sie mir geschickt.

    Unternehmerische Verantwortung
    ==============================
    Reporter Ohne Grenzen bittet Internet-Nutzer und Blogger, ihre Empfehlungen bezüglich freier Meinungsäußerung zu unterstützen.

    Am 6. Januar veröffentlichte Reporter Ohne Grenzen sechs konkrete Vorschläge mit dem Ziel der Gewährleistung, daß Internet-Unternehmen das Recht auf freie Meinungsäußerung respektieren, wenn sie in repressiven Staaten Geschäfte tätigen.

    Diese Empfehlungen richten sich an die Regierung und Gesetzgeber der USA, da alle Unternehmen, die in diesem Dokument genannt werden, ihren Sitz in den Vereinigten Staaten von Amerika haben. Gleichwohl betreffen sie alle demokratischen Länder und wurden deshalb auch an Amtspersonen der Europäischen Union sowie an den Generalsekretär des OECD geschickt.

    10. Januar 2006
  • : Petition von Reporter ohne Grenzen für mehr Meinungsfreiheit
    Petition von Reporter ohne Grenzen für mehr Meinungsfreiheit

    Sehr unterstützenswert: Reporter ohne Grenzen haben heute eine Petition gestartet, um US-Unternehmen an ihre gesellschaftliche Verantwortung zu erinnern, ethische Leitlinien zu entwickeln und Meinungsfreiheit im Internet zu schützen. Die Pertition baut auf sechs Vorschläge von Reporter ohne Grenzen auf, die Internet-Unternehmen auffordern, keine Zensur zu unterstützen und die personenbezogenen Daten ihrer Kunden nicht an repressive Regime heraus zu geben.

    Corporate responsibility: Reporters Without Borders urges Internet users and bloggers to support its recommendations on freedom of expression

    On 6 January, Reporters Without Borders issued six concrete proposals aimed at ensuring that Internet-sector companies respect free expression when operating in repressive countries. The organisation calls on bloggers and Internet user to sign an online petition in support of this initiative.

    These recommendations will be addressed to the US government and US legislators because all the companies named in this document are based in the United States. Nonetheless, they concern all democratic countries and have therefore will be sent to European Union officials and to the Secretary General of the OECD as well.

    Reporters Without Borders’ proposals

    - E‑mail services:

    No US company would be allowed to host e‑mail servers within a repressive country*. So, if the authorities of a repressive country want personal information about the user of a US company’s e‑mail service, they would have to request it under a procedure supervised by US judicial authorities .

    - Search engines:

    Search engines would not be allowed to incorporate automatic filters that censor „protected“ words. The list of „protected“ keywords such as „democracy“ or „human rights“ should be appended to the law or code of conduct.

    - Content hosts (websites, blogs, discussion forums etc)

    US companies would not be allowed to locate their host servers within repressive countries. If the authorities of a repressive country desire the closure of a publication hosted by a US company, they would have to request it under a procedure supervised by the US judicial authorities. Like search engines, content hosts would not be allowed to incorporate automatic filters that censor „protected“ key-words.

    - Internet censorship technologies

    Reporters Without Borders proposes two options:

    Option a: US companies would no longer be permitted to sell Internet censorship software to repressive states.

    Option b: They would still be able to market this type of software but it will have to incorporate a list of „protected“ keywords that are rendered technically impossible to censor.

    - Internet surveillance technology and equipment
    US companies would have to obtain the express permission of the Department of Commerce in order to sell to a repressive country any technology or equipment which can be used to intercept electronic communications or which is specifically designed to assist the authorities in monitoring Internet users.

    - Training

    US companies would have to obtain the express permission of the Department of Commerce before providing any programme of training in Internet surveillance and censorship techniques in a repressive country.

    * A list of countries that repress freedom of expression would be drawn up on the basis of documents provided by the US State Department and would be appended to the code of conduct or law that is adopted. This list would be regularly updated.

    Note: The purpose of these recommendations is to protect freedom of expression. They in no way aim to restrict the necessary cooperation between governments in their efforts to combat terrorism, paedophilia and cyber-crime.

    10. Januar 2006 2
  • : Microsoft bestätigt Blogger-Zensur in China
    Microsoft bestätigt Blogger-Zensur in China

    Über die Anschuldigungen, dass Microsoft den chinesischen Blogger Zhao Jing, aka Michael Anti zensiert haben soll, hatte ich schon am Dienstag berichtet. Jetzt bestätigte Microsoft den Fall, wie aus einem Artikel der „Information Week“ hervorgeht:

    Microsoft said in a statement that the decision to unplug Zhao was inline with its practice of „ensuring that products and services comply with global and local laws, norms, and industry practices.“

    „Most countries have laws and practices that require companies providing online services to make the Internet safe for local users,“ the company said. „Occasionally, as in China, local laws and practices require consideration of unique elements.”

    Während sich in den USA immer mehr Massenmedien des Themas annehmen (z.B. Forbes), passiert in Deutschland leider nicht viel. Lediglich bei der Netzeitung habe ich bisher etwas darüber gelesen. Schade eigentlich. Das war vor einiger Zeit beim ersten Yahoo-Fall noch ganz anders.

    Update:

    Am heutigen Freitag berichten nun auch andere Medien in Deutschland darüber:

    Spiegel: MSN zensierte chinesischen Blogger
    Heise: MSN nimmt chinesisches Weblog vom Netz

    5. Januar 2006 4
  • : MSN Spaces zensiert chinesischen Cyber-Dissidenten
    MSN Spaces zensiert chinesischen Cyber-Dissidenten

    Wie Rebecca MacKinnon in ihrem Blog RConversation berichtet, hat der Microsoft Blogging-Service MSN Spaces das Blog des chinesischen Cyber-Dissidenten Zhao Jing, aka Michael Anti einfach gelöscht, bzw. zensiert. Wer der chinesischen Sprache mächtig ist, findet im Google-Cache noch Beiträge bis zum 22. Dezember.

    Update:

    Die Story zieht mittlerweile weite Kreise. Peter Schink schreibt in der Netzeitung darüber: Microsoft zensiert chinesischen Dissidenten. Und spätestens seitdem BoingBoing berichtet hat (Outspoken Chinese blogger censored by Microsoft ), übernehmen immer mehr Weblogs die Story.

    3. Januar 2006 6
  • : Herausgeber wollen Geld von Google
    Herausgeber wollen Geld von Google

    Folgende Nachricht habe ich gerade auf silicon.de gelesen:

    Europäische Herausgeber haben die News-Praktiken bei Google und anderen Portalen mit News-Links kritisiert. Sie fordern, dass die Betreiber für die Publikation von Nachrichten die Quellen bezahlen sollen.

    Leider hat silicon.de keine Quellenangabe zu dieser Nachricht (wer eine Quelle zu diesem Thema findet, kann sie ja in den Kommentaren veröffentlichen). In das aktuelle Bild der Content-Industrie passt diese Meldung aber schon. Ich gebe es zu, ich bin ein Fan von Google News, da dieser Dienst mir einen schnellen Nachrichtenüberblick über Spezialthemen gibt. Meiner Meinung nach macht Google Werbung für die Publikationen, die in Google News auftauchen.

    Kann es tatsächlich möglich sein, dass ein Herausgeber wirklich annimmt, nur weil es das Internet gibt, würde seine Regionalzeitung von aller Welt täglich gelesen?

    8. Dezember 2005 6
  • : Frankreich plant digitale Katastrophe
    Frankreich plant digitale Katastrophe

    Unser Nachbarland Frankreich ist in letztere Zeit vor allem durch immer schärfer werdende Gesetze zur „Inneren Sicherheit“ aufgefallen. Aktuell ist der Plan, die Urheberrechts-Gesetzgebung in einem Schnelldurchlauf bis Weihnachten zu verändern und massiv zu verschärfen. Die Planungen für die veränderte Urheberrechts-Gesetzgebung gehen in den frühen Sommer zurück.

    Geplant ist u.a.:

    * Ein Verbot aller Software, die kein DRM und Wasserzeichen unterstützt
    * Ein Marketing- und Werbe-Verbot von Kopierschutzentfernungs-Software und strafrechtliche Sanktionen von bis zu drei Jahren und Geldstrafen bis zu einer Höhe von 300.000 Euro bei einem Verstoss
    * Eine Kriminalisierung von Wissenschaftlern und Internet-Nutzern, die über die Umgehung von Kopierschutz berichten und/oder diese erforschen
    * DRM für digitale Radioübertragung
    * Eine Filterung privater Kommunikation nach urheberrechtlich geschützten Daten bei den ISPs

    Der Kollateralschaden für eine freie und offene Wissensgesellschaft und eine entstehende Digitalkultur wäre bei einem Durchkommen der Gesetzgebung massiv. Und das nicht nur in Frankreich. Immerhin ist das unser Nachbarland und es könnte massive Konsequenzen für unseren gestoppten „2. Korb der Urheberrechtsnovellierung“ bedeuten. Hinter der Lobby-Aktion stehen vor allem die Business Software Alliance (Microsoft & Co), Vivendi Universal und SACEM.

    Die französische Verwertungsgesellschaft SACEM (Vergleichbar mit der GEMA) hat schon ein Verbot Freier Software gefordert und Programmierer aufgefordert, ihre Lizenzen zu ändern, was meiner Meinung nach mehr als surreal ist. Ausgerechnet eine Verwertungsgesellschaft, die für die Rechte von Kreativen (ihrer Mitglieder) eintritt, fordert andere Kreative auf, ihre Arbeit einzustellen, bzw. bedroht diese mit Klagewellen. Kann man eigentlich nur noch als „Kulturkampf“ bezeichnen, der sich da abspielt.

    Sehr ausführlich geht Stefan Krempl auf Heise darauf ein: Frankreich plant drastische Verschärfung des Urheberrechts. Sehr ausführlich berichtet die Kampagne EUCD.info über die Verschärfungen und bietet auch eine Petition zum Unterschreiben an. Diese wurde bisher von 25000 Menschen unterschrieben.

    Hoffen wir mal, dass diese Verschärfung so nicht durchkommt. Die Folgen wären katastrophal, und das nicht nur für Frankreich.

    7. Dezember 2005 7
  • : Ende von notice-and-takedown??
    Ende von notice-and-takedown??

    Über das Forum des Onlineangebotes des Heiseverlages wurde zu einer Sabotage aufgerufen. Das gestrige Urteil des Hamburger Landgerichtes in diesem Fall besagt nun, dass der Verlag faktisch jeden Beitrag im Forum vor seiner Veröffentlichung auf mögliche Rechtsbedenklichkeiten prüfen muss. Damit kommt auf den Heiseverlag ein großer Mehraufwand zu.

    Mehr noch. Der Grundsatz des „Notice-and-Takedown“-Verfahren ist gefährdert: Nach dem Verfahren müssen Betreiber von Diskussionplattformen und Inhaltsanbieter, wie etwa Internetprovider, nicht jede einzelne auf ihren Geräten zur Verfügung gestellte Aussage vor Veröffentlichung prüfen, sondern den Zugang zu ihr unterbinden, wenn der Anbieter auf die Unrechtmäßigkeit hingewiesen wird. Sollte diese Grundsatzentscheidung in weiteren Instanzen beibehalten werden, ist ein essentieller Bestandteil freier Meinungsäußerung in der digitalen Informationsgesellschaft passe.

    Passend dazu ist auch ein Artikel von Stefan Krempl auf Telepolis: Das Internet in den Mühlen des Rechts.

    Foren und Haftung: Von der Demontage eines interaktiven Mediums
    Es war einmal die Hoffnung auf ein neues Medium, das den Datenreisenden mehr Raum für freie Meinungsäußerungen lassen würde. Nicht auf eine rechtsfreie Sphäre, aber auf einen interaktiven, Feedback ermöglichenden und die Einbahnstraßen der Massenkommunikation aufbrechenden, zweiseitig befahrbaren Kommunikationskanal. Es war auch mal ein Münchner Amtsgericht, das einen heute weitgehend unbekannten Provider namens CompuServe für die reine Durchleitung von Inhalten verantwortlich machen wollte. Und eine Schar weiser Politiker, die mit Hilfe von Gesetzen die Spielregeln für das noch größtenteils unbekannte Medium salomonisch festzusetzen suchten. Doch dann kamen die Anwälte und neue Richter.

    6. Dezember 2005 2
  • : Internet-Zensur im Mittleren Osten und Nord-Afrika
    Internet-Zensur im Mittleren Osten und Nord-Afrika

    Human Rights Watch hat einen Bericht über Internet-Zensur im Mittleren Osten und Nordafrika veröffentlicht: „Online Censorship in the Middle East and North Africa“. Enthalten sind Einzelberichte über Ägypten, Iran, Syrien und Tunesien.

    This report examines Internet trends and policies in the Middle East and North Africa region as they affect freedom of expression, focusing particularly on Egypt, Iran, Syria, and Tunisia. Human Rights Watch selected these four countries for closer scrutiny as much for their differences as for their similarities, and their inclusion should not suggest that their policies are worse than those of other countries in the region. For each of the featured countries, Human Rights Watch examines government policies affecting Internet access, the role the Internet has played in fostering freedom of expression and civil society, laws restricting free expression, online censorship, and cases in which people have been detained for their online activities.

    30. November 2005
  • : Deutsche Fußball Liga (DFL) fordert Internet-Zensur
    Deutsche Fußball Liga (DFL) fordert Internet-Zensur

    Im Vorfeld der Fussball-Weltmeisterschaft haben so einige Pressemeldungen ein großes desaströses Potenzial. Diesmal trifft es die Deutsche Fußball Liga, die im Auftrag des DFB mit Verwertungsrechten und dem ‚operativen Geschäft des Lizenzfußballs’ betraut ist. Frisch auf den Tisch gekommen soll eine (berichtete) Forderung der DFL nach einem massiven Eingriff in die freie Infrastruktur des Internets sein:

    Medienberichten zu Folge wollen die Deutschen den Zugang deshalb über die Internet-Access-Provider verbieten.

    Wir finden gerade im Netz keine qualifizierte Quelle für diese Forderung. Evtl. ist ein zitierter Focus-Artikel die Quelle (Vielleicht hat den jemand zur Hand und kann die Behauptung verifizieren?).

    Hintergrund ist eine (Windows only) Software, die bei pplive.com (englisch) zum Download angeboten wird, und mit der man gestreamte Inhalte aus China (hier vom staatlichen Sender CCTV‑5) überall auf der Welt kostenlos empfangen kann. Das Magazin ‚TV Spielfilm’ fasst das ganze so zusammen:

    Auch in Deutschland können die Spiele über eine schnelle DSL-Verbindung kostenlos per Live-Stream angeschaut werden. Die Chinesen begnügen sich nicht einmal mit der Bundesliga – hinzu kommen sogar die Spiele der Champions League und der englischen Premier League. Außerdem können Sendungen des US-Sportskanals ESPN und des US-Kabelsenders HBO über pplive.com verfolgt werden.

    Das geht manchen Deutschen gegen den Strich, genauer diametral gegen die existenzielle Finanzierungsquelle der 1. und zweiten Bundesliga, nämlich die Fernsehübertragungsrechte, wie die Bundesliga-Durchführungsbestimmungen das benennen. Die Forderung nach Zensur durch deutsche Internet-Provider widerspricht nicht nur dem Grundgesetz Artikel 5 (1), sondern ist auch inhaltlich kurzschlüssig. Wie kann man dann zugleich dafür sorgen, dass z.B. in Deutschland lebende chinesische Staatsbürger das von ihren eigenen Steuern bezahlte Fernsehangebot nutzen können?

    Diese Kurzsicht beschränkt sich nicht nur auf die DFL. Auch die europäischen Rechteverwerter stricken bereits an technischen Maßnahmen zur Zensur. In einer sich globalisierenden Welt, positiv als Netz des freien Zugangs verstanden, sollte möglich und legal sein, dass

    … zum Beispiel ein deutscher Fan über eine französische Internetseite den Elitekickern zuschaut. „Wir haben einen Mix aus Sicherheitsmaßnahmen, um das Herkunftsland der Zuschauer festzustellen“, kündigte der Chef der UEFA Media Technologies, Alexandre Fourtoy, an.

    Wie Golem berichtet, ist genau diese Art der (womöglich IP-basierten) Zensur Ziel der UEFA Media Technologies, einer Tochter des europäischen Fußballverbandes. Sie arbeitet nach Focus-Informationen an entsprechenden Lösungen und will eben das ausschließen. Diese Forderung, seitens der UEFA und besonders der DFL, kommen einer ‚chinesischen Mauer’ im deutschen Internet gleich, also einer Mauer gegen chinesische Inhalte.

    28. November 2005 4
  • : Netzblockade: Don Quichotte und die Phisher
    Netzblockade: Don Quichotte und die Phisher

    Gerade habe ich bei Heise Online gelesen, dass der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow seinen Kampf gegen rechtextreme Webseiten für erfolgreich hält. Bisher habe man alle Klagen gewonnen. Das ist soweit durchaus richtig.

    Allerdings ignoriert Büssow geflissentlich, dass es bisher erst zwei erstinstanzliche Entscheidungen in den Hauptsacheverfahren gab (4 stehen noch aus) und die betroffenen Providern noch Rechtsmittel einlegen können.

    Ob eine – juristisch nach wie vor nicht abgesicherte – Zugangsblockade von 2 rechtsextremen Webseite durch ein paar (längst nicht mehr alle) Provider in NRW überhaupt als Erfolg gewertet werden kann, kann man wohl auch diskutieren.

    Gefahrenabwehr mit 2 Promille

    Der Bundesverfassungsschutz listet schließlich regelmäßig über 1000 ähnlich ausgerichtete Angebote auf, mit ein wenig Hintergrundwissen sind auch in NRW die beiden „gesperrten“ Naziseiten leicht zu erreichen.

    22. November 2005
  • : Podcasting: Weblogs im Iran
    Podcasting: Weblogs im Iran

    Eines der letzten Interviews vom WSIS, die ich jetzt endlich nachbearbeiten konnte, habe ich mit Hossein Derakshan gemacht. Hossein emigrierte vor fünf Jahren aus dem Iran nach Kanada, nachdem das iranische Regime die Zeitung verboten hatte, für die er eine Kolumne schrieb. In Kanada entdeckte er Weblogs und startete eines der ersten persischen Weblogs, www.hoder.com. Nachdem er eine Anleitung ins Netz gestellt hatte, wie man auf persisch bloggen kann, explodierten Weblogs im Iran. In dem knapp 10-minütigem Interview beschreibt er die Entwicklung von Weblogs im Iran und wie er zum bloggen gekommen ist.

    21. November 2005 2
  • : WSIS: In Tunesien zensierte Webseiten
    WSIS: In Tunesien zensierte Webseiten

    Auf der APC-Seite findet sich noch eine Liste mit zensierten Internetseiten, die wir in den letzten Tagen als gefiltert identifiziert haben.

    18. November 2005
  • : WSIS-Podcasting:Human Rights in China
    WSIS-Podcasting:Human Rights in China

    Hier ist ein sehr interessantes Interview mit Sharon Hom, die Executive Director von „Human Rights in China“ ist, zur Zensur in China, dem Einsatz von westlichen Filtertechnologien und wie diese funktionieren.

    18. November 2005 2
  • : WSIS-Podcasting: Julien Pain von Reporter ohne Grenzen
    WSIS-Podcasting: Julien Pain von Reporter ohne Grenzen

    Hier ist ein Interview mit Julien Pain, dem Internet-Koordinator von Reporter ohne Grenzen. In dem Interview geht es um die Mission und Arbeit von Reporter ohne Grenzen, was Weblogs mit Pressefreiheit zu tun hat und die Probleme der Organistion beim WSIS in Tunesien.

    18. November 2005
  • : WSIS: Netzeitungs-Interview
    WSIS: Netzeitungs-Interview

    Die Netzeitung hat ein längeres Interview mit mir zum WSIS gemacht, was jetzt online ist: UN-Gipfel: «Wichtig ist Zugang zu Informationen».

    18. November 2005
  • : WSIS: “Expression Under Repression.”
    WSIS: “Expression Under Repression.”

    Gerade fand eine sehr spannende Diskussion zum Thema “Expression Under Repression” statt. Die von Rebecca MacKinnon (GlobalVoicesOnline) moderierte Diskussion thematisierte Weblogs und Meinungsfreiheit. Mit dabei waren drei Blogger, die in Ländern ihre Weblogs betreiben, wo die Meinungsfreiheit keinen hohen Stellungswert haben. Taurai Maduna (Simbawne), Hossein Derakshan (Iran) und Isaac Maon (China). Die Diskussion war sehr spannend und interessant.

    Beinahe hätte ich sie nicht gefunden, denn sie findet in den Konferenz-Räumen der ICT4D-Messe statt. Im Gegensatz zu den WSIS-Panels, welche unter UN-Hoheit stehen, ist dies tunesisches Gebiet. Und die Veranstaltung wurde aus dem Programm gestrichen und an den ganzen Info-Ständen gab es keine Information. Zum Glück fand ich sie dann doch noch. Einige Zeit nach dem Start füllte sich der Raum immer mehr mit tunesischen Geheimdienstlern und es drohte die Gefahr des Abbruchs. Deshalb musste auf eine Pause im Programm verzichtet werden, um den tunesischen Geheimdienstlern keine Gelegenheit zu geben, den Raum zu sperren. Schnell wurden per SMS andere Menschen mobilisiert. Das klappte ausgesprochen gut. Die Diskussion konnte daher weitergeführt werden. Gerade geht es im zwieten Teil um Filtertechnologien, die zur Zensur eingesetzt werden. Quasi „Zensurtechnologien für Anfänger“. Jemand von der OpenNet Initiatives führt in verschiedene Technologien ein. Die Blogger-Diskussion wurde aufgezeichnet, wenn alles klappt, hab ich heute Abend schon den Link zum MP3.

    Die Filtereinführung kann ich leider nicht aufzeichnen, weil ich gleich zum P2P-Filesharing-Panel muss.

    Update: Im APC-Blog gibt es eine schriftliche Zusammenfassung. Und auch Global Voices berichtet darüber. Der Panel-Mitschnitt ist leider immer noch nicht online. Dafür gibt es schon einen kurzen Mitschnitt von Hossein Derakshan Einführungsbeitrag, den Andy Carvin auf seiner Seite veröffentlicht hat. Ich habe letzte Nacht noch ein Interview mit Hossein Derakshan über Blogs im Iran gemacht, was ich später noch veröffentliche.

    Hier ist jetzt der Link zum Mitschnitt.

    17. November 2005 3