Im Vorfeld der Fussball-Weltmeisterschaft haben so einige Pressemeldungen ein großes desaströses Potenzial. Diesmal trifft es die Deutsche Fußball Liga, die im Auftrag des DFB mit Verwertungsrechten und dem ‚operativen Geschäft des Lizenzfußballs’ betraut ist. Frisch auf den Tisch gekommen soll eine (berichtete) Forderung der DFL nach einem massiven Eingriff in die freie Infrastruktur des Internets sein:
Medienberichten zu Folge wollen die Deutschen den Zugang deshalb über die Internet-Access-Provider verbieten.
Wir finden gerade im Netz keine qualifizierte Quelle für diese Forderung. Evtl. ist ein zitierter Focus-Artikel die Quelle (Vielleicht hat den jemand zur Hand und kann die Behauptung verifizieren?).
Hintergrund ist eine (Windows only) Software, die bei pplive.com (englisch) zum Download angeboten wird, und mit der man gestreamte Inhalte aus China (hier vom staatlichen Sender CCTV‑5) überall auf der Welt kostenlos empfangen kann. Das Magazin ‚TV Spielfilm’ fasst das ganze so zusammen:
Auch in Deutschland können die Spiele über eine schnelle DSL-Verbindung kostenlos per Live-Stream angeschaut werden. Die Chinesen begnügen sich nicht einmal mit der Bundesliga – hinzu kommen sogar die Spiele der Champions League und der englischen Premier League. Außerdem können Sendungen des US-Sportskanals ESPN und des US-Kabelsenders HBO über pplive.com verfolgt werden.
Das geht manchen Deutschen gegen den Strich, genauer diametral gegen die existenzielle Finanzierungsquelle der 1. und zweiten Bundesliga, nämlich die Fernsehübertragungsrechte, wie die Bundesliga-Durchführungsbestimmungen das benennen. Die Forderung nach Zensur durch deutsche Internet-Provider widerspricht nicht nur dem Grundgesetz Artikel 5 (1), sondern ist auch inhaltlich kurzschlüssig. Wie kann man dann zugleich dafür sorgen, dass z.B. in Deutschland lebende chinesische Staatsbürger das von ihren eigenen Steuern bezahlte Fernsehangebot nutzen können?
Diese Kurzsicht beschränkt sich nicht nur auf die DFL. Auch die europäischen Rechteverwerter stricken bereits an technischen Maßnahmen zur Zensur. In einer sich globalisierenden Welt, positiv als Netz des freien Zugangs verstanden, sollte möglich und legal sein, dass
… zum Beispiel ein deutscher Fan über eine französische Internetseite den Elitekickern zuschaut. „Wir haben einen Mix aus Sicherheitsmaßnahmen, um das Herkunftsland der Zuschauer festzustellen“, kündigte der Chef der UEFA Media Technologies, Alexandre Fourtoy, an.
Wie Golem berichtet, ist genau diese Art der (womöglich IP-basierten) Zensur Ziel der UEFA Media Technologies, einer Tochter des europäischen Fußballverbandes. Sie arbeitet nach Focus-Informationen an entsprechenden Lösungen und will eben das ausschließen. Diese Forderung, seitens der UEFA und besonders der DFL, kommen einer ‚chinesischen Mauer’ im deutschen Internet gleich, also einer Mauer gegen chinesische Inhalte.