Zensur

  • : Der Staat, die Zensur und der Müll – effektive Alternativen zum obrigkeitsstaatlichen Internet-’Schutz’
    Der Staat, die Zensur und der Müll – effektive Alternativen zum obrigkeitsstaatlichen Internet-’Schutz’

    Dieser Gastbeitrag stammt von meinem Kollegen Andreas Schmidt, der an der Technischen Universität Delft zu institutionellen und organisatorischen Aspekten von Internet-Sicherheit forscht. Weiterführende Literaturverweise finden sich am Ende. (RB)

    Neue Technologien schaffen neue Möglichkeiten. Bestehendes kann dank neuer Technologien auf neue Weise getan werden, und gänzlich Neues wird durch neue Technologien möglich: neue und andere Produkte, Gegenstände, neue Verfahren, neue Abläufe und neue Wege, Herkömmliches und Anderes neu zu tun.

    Im Privaten hat das Internet uns neue Kommunikationsformen ermöglicht, im Wirtschaftsleben sind qualitativ andere Formen der Kooperation zwischen Geschäftspartnern geschaffen worden. Im Politischen sind neue Arten von Bürgerinitiativen und Formen der politischen Auseinandersetzung entstanden. Die Anti-Sperrbewegung der letzten Monate ist ein Ausdruck dessen.

    Mit welchen Mittel, Methoden und Institutionen ist das Problem der Missbrauchsabbildungen im Internet (vgl. Bleich/Kossel und Günter/Köhler) in den Griff zu bekommen?

    Sicherheit durch Aufbau einer Zensurinfrastruktur?

    In all den frühen Debatten zur Globalisierung und zum Internet war stets die Rede davon, dass diese die Souveränität des Staates untergraben würden. In der Tat: Das Problem der Missbrauchsabbildungen im Internet ist ein transnationales, die Server liegen oft außerhalb der deutschen Jurisdiktion und Strafverfolgung. Missbrauchsabbildungen sind ein Angriff auf die seelische Würde der Betroffenen und sie werden zudem als Anreiz für weitere Missbräuche gesehen (vgl. Günter/Köhler). Somit ist der Staat nicht mehr in der Lage, den Schutz seiner Kinder zu gewährleisten. Diese Unfähigkeit ist ein frontaler Angriff auf die raison d’être des modernen Staates. In dessen Hände, so die übliche Legitimationsformel, legen die Staatsbürger alle Gewalt, auf dass er sie im Gegenzug notfalls mit dieser Gewalt beschütze, im Inneren wie nach außen. Bei der Gefahr, die von Internetservern ausgehen könnte, wähnt oder stellt er sich machtlos.

    Mit dem Sperrgesetz plant die Bundesregierung, den alten, klassischen Sicherheitsbehörden wieder die Macht über den Kommunikationsraum zu geben, die ihnen seit Mitte der 90er Jahre entglitten ist. Er greift mit einem technologisch-administrativen Verfahren in die Architektur des Internet ein und schafft auf diese Weise wieder Grenzen, innerhalb derer er alles im Griff zu haben glaubt. Vorerst noch löchriger als ein Schweizer Käse, lassen sie sich in ein mittelfristig mit Deep Packet Inspection zur Great Wall of Germany aufrüsten.

    Das Sperrgesetz sieht eine Zensurinfrastruktur von einer Machtfülle und Reichweite nicht gekannten Ausmaßes vor, mit der Gefahr der Strafverfolgung von zu Unrecht Verdächtigten, Gefahren für die Freiheit der Meinungsäußerung und der Presse. Das ist die innovatorische Leistung des Gesetzentwurfs zu den Internetsperren: den obrigkeitsstaatlichen Kontrollanspruch ins 21. hinüberzuretten und zu diesem Zweck eine neue, unselige Form von Private-Public-Partnership zu erschaffen – eine Art Headquarter-Governance, bei der der Staat plant und vorgibt und die ISPs als private Sicherheitslieferanten staatliche Planung Sperrzeile für Sperrzeile umsetzen. Der Staat schafft ein Instrument, das die Sicherheit von Kindern gewährleisten soll (aber nicht kann, vgl. Bleich/Kossel), und opfert der anderen Bürger Sicherheit – vor der monopolisierten staatlichen Gewalt.

    Die grundsätzliche Frage, die sich eine Gesellschaft immer wieder stellen muss, ist: Wie viel Macht und welche Macht möchte ein Land seinen Sicherheitsbehörden geben? Und welche Kontrolle verlangt die Gesellschaft im Gegenzug? Wie gewährleistet sie, dass die Bevölkerung auch vor dem Staat sicher ist?

    Das geplante Gesetz schafft ein operatives Zentrum bei einer Behörde, die geographisch, inhaltlich und technologisch weit vom Problem entfernt ist. Es schafft eine Zensurinfrastruktur mit hohem Missbrauchspotential. Und bei all dem bleibt die politische Verantwortung im Ungefähren, für den Bürger jedenfalls kaum nachvollziehbar.

    Praktische Maßnahmen

    Wie sind die Schutzinteressen der potentiellen und realen Opfer mit den Grund- und Freiheitsrechten aller übrigen Internetnutzer in Einklang zu bringen? Wie könnte eine gute Lösung aussehen?

    7. Juni 2009 31
  • : Dieter Wiefelspütz macht klar, dass es um Zensur geht (Update)
    Dieter Wiefelspütz macht klar, dass es um Zensur geht (Update)

    Diese AFP-Meldung dürfte die Union nicht gerade freuen, weil es ihre angeblich nur gegen dokumentierten Kindesmissbrauch gerichteten Internet-Sperren in eine mittelfristige Perspektive einordnet:

    Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hat sich dafür ausgesprochen, die im Gesetzentwurf gegen Kinderpornografie vorgesehene Sperrung von Internetseiten auch auf andere kriminelle Seiten auszuweiten. „Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden“, sagte Wiefelspütz der „Berliner Zeitung“ (Samstagsausgabe). „Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt.“ Er könne sich vorstellen, auch Seiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten zu blocken, sagte der SPD-Politiker.

    Auf deutsch: Wir sollen auch umstrittene Inhalte im Netz nicht mehr zur Kenntnis nehmen dürfen, weil unsere geliebte Bundesregierung besser weiss, was ihre Bürger lesen und worüber sie sich eine eigene Meinung bilden dürfen.

    Die einzige Schlussfolgerung kann sein: Jegliche Zensur ist vollständig abzulehnen. Ein lauer Kompromiss, wie ihn die SPD gerade versucht , ist nicht akzeptabel.

    Update von Markus: Mittlerweile gibt es auch kritische Stimmen zu den Äusserungen von der Opposition:

    Bei FDP und Grünen löste er Empörung aus. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck warf der Koalition vor, die Sperrung von Kinderporno-Seiten als Einstieg in eine weitergehende Zensur zu nutzen. «Den Vorschlägen zur Einführung von Internetsperrlisten und den Aufbau einer umfassenden Sperrinfrastruktur erteilen wir eine klare Absage, da sie rechtsstaatlich und technisch unverantwortlich sind», sagte er. «Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Deshalb muss die Verfolgung von Straftaten im Internet intensiviert werden.» Dazu bedürfe es vor allem einer besseren technischen und personellen Ausstattung der Behörden. Auch die innenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, kritisierte die Überlegungen in der SPD scharf. «Die Äußerungen von Dieter Wiefelspütz beweisen, dass es um eine generelle Durchregulierung des Internets geht», erklärte sie.

    Und irgendwie können wir Herrn Wiefelspütz dankbar sein, so offen die Richtung ausgesprochen zu haben. Die CDU ist not amused, wie man aus einem Zitat von Wolfgang Bosbach erkennen kann:

    “Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät”, sagte Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) der “Berliner Zeitung”.

    Danke für den Hinweis. Dann ist ja jetzt endlich alles klar. Niemand hat die Absicht, eine Zensurinfrastruktur zu errichten…?!

    Nochmal Update von Markus Samstag Nacht: Es wird noch viel spannender! Herr Wiefelspütz beschwert sich bei Abgeordnetenwatch, dass seine Aussagen bei der Berliner Zeitung nicht stimmen würden und vor allem nicht autorisiert worden seien. Nun muss man wissen, dass in Deutschland Politiker-Zitate in der Regel autorisiert werden. Das heisst, sie werden nach Aussagen wieder von den Politikern und ihrem Stab feingeschliffen und PR-Mechanismen kommen zum Wirken. Nun wirft Wiefelspütz der Berliner Zeitung (Allgemein als Qualitätsmedium bekannt) vor, dass diese „bösartige Fälschung seiner Auffassungen“ verfasst haben. Nun kann man davon ausgehen, dasss ein Qualitätsjournalist (in der Regel) weniger manipulativ vorgeht, als ein Politiker. Einfach, weil der Job eines Journalisten nicht so fest ist, wie der eines Politikers. Aber die ganze Antwort von Herrn Wiefelspütz bei Abgeordnetenwatch ist interessant. Zumal einige Zeit nach der ersten Erwiderung eine Ergänzung kam. Für interessierte Beobachter wirkt das, als hätte die Parteispitze nochmal eine Konkretisierung verlangt und es hätte Druck von oben gegeben.

    Was nun stimmt, ist etwas unklar. Bis zu einer Erwiderung der Berliner Zeitung (und einer eventuell möglichen Entschuldigung oder Unterlassungsgeste) gehen wir erstmal davon aus, dass die ersten Aussagen von Herrn Wiefelspütz gegenüber der Berliner Zeitung stimmen und es nur kleine Missverständnisse bei der Autorisierung gab, die zufällig die Wahrheit ans Licht brachten. Und die Aussage von Wolfang Bosbach geht ja auch in dieselbe Richtung.

    Update von Ralf, Sonntag: Wiefelspütz hat nun auf Abgeordnetenwatch gesagt: „Die mir zugeschriebenen Äußerungen habe ich nicht gemacht.“ Das wäre also mehr als nur eine fehlende Autorisierung. Warten wir mal ab, was die Berliner Zeitung am Montag dazu sagt. Durch die Reaktion von Wolfgang Bosbach ist aber mittlerweile eh klar, dass man mit weiteren Zensurbestrebungen wohl nur noch etwas warten will, ich vermute bis nach der Bundestagswahl. Bosbach hat bislang noch nicht dementiert, soweit ich das überblicke.

    6. Juni 2009 120
  • : Das Wortprotokoll der Zensursula-Anhörung
    Das Wortprotokoll der Zensursula-Anhörung

    Das Wortprotokoll der Zensursula-Anhörung im Wirtschaftsausschuss im Deutschen Bundestag vom 27.5. steht wohl noch nicht online, daher veröffentlichen wir es gerne hier in der unkorrigierten Fassung. (Ein späteres Diff zur offiziellen Version könnte evtl. interessant sein)

    Unser Bericht aus der Ausschuss-Anhörung von Andre Meister: Anhörung zu Netz-Sperren im Bundestag: Niemand hat die Absicht, eine Zensur-Infrastruktur zu errichten.

    4. Juni 2009 26
  • : Mangelhafte Organisation der Polizei verhindert Löschen krimineller Webseiten
    Mangelhafte Organisation der Polizei verhindert Löschen krimineller Webseiten

    Neue Pressemitteilung des AK-Zensur: „Mangelhafte Organisation der Polizei verhindert Löschen krimineller Webseiten / Studie der Universität Cambridge bestätigt

    Berlin, 4. Juni 2009. Mangelhafte Organisation und bürokratische Abläufe beim Bundeskriminalamt (BKA) behindern den Kampf gegen kinderpornographische Inhalte im Internet. Diesen Skandal hat jetzt eine Äußerung der Parlamentarischen Geschäftsführerin der CDU/CSU-Fraktion, Martina Krogmann, in einem Beitrag auf der Internet-Plattform abgeordnetenwatch.de zutage gefördert.

    Bekannte Webseiten mit Darstellungen von Kindesmissbrauch würden nicht kurzfristig gelöscht, weil Hinweise auf dem Dienstweg versanden, so die Berichterstatterin der CDU/CSU für den umstrittenen Gesetzentwurf zur Einrichtung von Internet-Sperren in Deutschland. Sie bestätigt damit indirekt die Ergebnisse einer jüngst bekannt gewordenen Studie der Universität Cambridge, nach der kinderpornographische Webseiten wesentlich länger im Netz verbleiben als andere illegale Inhalte.

    Krogmann zufolge können solche Seiten bei Hosting-Anbietern im Ausland nicht gelöscht werden, weil das BKA entsprechende Hinweise zunächst auf dem internationalen Dienstweg an die ausländischen Polizeibehörden weiterleitet, anstatt direkt die Provider zu benachrichtigen. Hiermit wolle das BKA Rücksicht auf die Befindlichkeiten ausländischer Behörden nehmen.

    Wörtlich erklärte Krogmann in der Antwort bei Abgeordnetenwatch: Das BKA „informiert die jeweiligen Polizeibehörden über die dafür vorgesehenen internationalen Organisationen. Dieser Weg nimmt einige Zeit in Anspruch. Da die fraglichen Seiten oft nur einige Tage ihre Domain behalten, ist die Seite schon weitergewandert.“ Die Einhaltung des Dienstweges, so Krogmann weiter, rechtfertige das BKA mit der „Achtung vor der Souveränität der Staaten“.

    Deutsche Provider zeigen sich auf Nachfrage verwundert über diese Aussagen. „Wenn ausländische Behörden uns über strafbare Inhalte auf unseren Servern informieren, prüfen wir das genauso wie entsprechende Meldungen aus anderen Quellen“, erklärt Andreas Maurer, Pressesprecher beim Webhoster 1&1. „Und dann nehmen wir die Inhalte vom Netz und erstatten gegebenenfalls selbst Strafanzeige bei den deutschen Behörden. Erst recht bei Kinderpornographie!“

    Für den Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur sind die Aussagen der Unionspolitikerin unfassbar. „Offenbar sind für das BKA bürokratische Abläufe ein höheres Gut als die Menschenwürde missbrauchter Kinder“, erklärt Alvar Freude, Mitgründer des AK Zensur. „Löschen statt Sperren ist möglich, aber der ‚Dienstweg’ soll dem entgegen stehen?“

    Die Äußerungen von Frau Krogmann erklären zugleich die Ergebnisse einer Studie der Universität Cambridge. Demnach sind Banken im Kampf gegen strafbare Inhalte im Netz wesentlich effektiver. Betrügerische Webseiten, mit denen Kontodaten von Bankkunden ausgespäht werden sollen – so genannte „Phishing“-Seiten -, werden durchschnittlich binnen vier Stunden vom Netz genommen. Kinderpornographische Webseiten werden dagegen erst nach durchschnittlich 30 Tagen gelöscht, wie die Wissenschaftler Tyler Moore und Richard Clayton der Universität Cambridge in ihrer Studie festgestellt haben.

    Dabei existieren schon heute Alternativen zu den ineffizienten Behörden-Dienstwegen. So kontaktiert etwa das von der EU initiierte internationale Netzwerk INHOPE direkt die Provider, damit kinderpornographische Inhalte an der Quelle gelöscht und Beweise zur Ergreifung der Täter gesichert werden. Auch der AK Zensur hat mit unbürokratischen Hinweisen erfolgreich zahlreiche kinderpornographische Webseiten abschalten lassen. Werden dagegen Internet-Sperren eingesetzt, versagen diese Mechanismen. Die illegalen Inhalte bleiben weiter im Netz, die Betreiber werden vorgewarnt und der Missbrauch unschuldiger Kinder fortgesetzt.

    „Die Befürworter der Netzsperren stellen sich ein Armutszeugnis aus“, zeigt sich die Initiatorin der Petition gegen Internetzensur, Franziska Heine, empört. „Frau von der Leyen bekämpft Probleme, die hinter ihrem Rücken das BKA selbst verursacht. Der Kampf gegen Kinderpornographie im Internet sollte mit mehr Sachkenntnis, Ernsthaftigkeit und wahrem Engagement geführt werden – das sind wir den Missbrauchsopfern schuldig!“

    4. Juni 2009 80
  • : Gib Deiner Stimme ein Gesicht
    Gib Deiner Stimme ein Gesicht

    Gib Deiner Stimme ein Gesicht“ ist eine neue Idee im Rahmen der Zensursula-Kampagne (Ok, so ganz neu ist die Idee nicht, aber in diesem Kontext…). Initiiert von Christian Ruediger Bahls bietet die bisher rudimentäre Plattform die Möglichkeit, ein Bild von sich hochzuladen, so dass viele Bilder von vielen Menschen im Optimalfall das Gesamtbild ergeben. Mal schauen, was dabei herauskommt, und wieviele der Petitionsunterstützer auch ihr Bild hochladen. (Ein schöneres CSS wird noch benötigt!) Ein Versuch ist es zumindest wert. Wer weitere kreative Ideen hat: Nur zu, die Zeit ist knapp und wenn alles schlecht läuft ist am 18.6. das Zensursula-Gesetz durch den Bundestag.

    4. Juni 2009 9
  • : Filesharing gegen Musik-Zensur
    Filesharing gegen Musik-Zensur

    Mal ein anderes Argument für Musik in Filesharing-Netzwerken: Im Iran wird seit der Islamischen Revolution 1979 ein großer Teil der „westlichen“ Musik genauso wie Gesang von Frauen streng reglementiert. So sind für Frauen- und Rockbands Auftritte in der Öffentlichkeit verboten und ein legaler Vertrieb ist oft nicht möglich. Das Internet und Musik in Tauschbörsen helfen hier Musikern und Labels, die staatliche Zensur zu umgehen. Ich fühle mich an Stones-Platten in der DDR erinnert.

    Ein interessantes Audio-Interview mit zwei iranischen Sängerinnen über Musik und Zensur im Iran gibt es auf freie-radios.net (MP3). Vom selben Thema handelt auch der Dokumentarfilm Sounds of Silence – Underground Music in Tehran, der zu einem ähnlichen Fazit kommt:

    Featuring interviews with a host of musicians working in various genres, this documentary shows the incredible frustrations and obstacles that Iranian musicians must contend with, as well as the different ways in which they strive to get their music heard. The artists are increasingly turning to the Internet in order to disseminate their work and engage their audiences. From the alternative-rock band O‑Hum to rapper Soroush to trance group Atma, musicians are finding that websites with downloadable songs and videos afford them the exposure that Ershad’s censorship denies them.

    [via ZIP-FM]

    4. Juni 2009 7
  • : DW prämiert „Best of the Blogs“: Gewinner aus Kuba und China nicht dabei
    DW prämiert „Best of the Blogs“: Gewinner aus Kuba und China nicht dabei

    Hier zu Lande werden kritische Webseiten bisher allenfalls abgeschaltet, in anderen Ländern müssen Blogger um ihr Leben fürchten. Anbei die – leicht gekürzte – Pressemeldung der Deutschen Welle, die morgen in Bonn ihren Preis „Best of the Blogs“ verleiht:

    The BOBs: Preisverleihung ohne Blogger aus Kuba und China
    Gewinner können Einladung zum Deutsche Welle Global Media Forum nicht folgen

    Die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez, Gewinnerin des internationalen Weblog-Awards „The BOBs“, wird nicht zur Preisverleihung nach Bonn kommen. Offensichtlich haben ihr die Behörden in Havanna die Ausreise verweigert. Sie sollte die Auszeichnung am 4. Juni im Rahmen des Deutsche Welle Global Media Forum entgegennehmen. Auch die Gewinner des besten chinesischen Weblogs, Liu Xiaoyuan, und des Reporter-ohne-Grenzen-Preises, Zeng Jinyan, können nach Informationen des deutschen Auslandsrundfunks der Einladung zur Preisverleihung nicht Folge leisten. Wie die Deutsche Welle weiter erfuhr, steht Zeng Jinyan weiterhin unter Hausarrest. Sie ist die Ehefrau des in China inhaftierten Menschenrechtlers Hu Jia. In ihrem Blog beschreibt sie das Leben unter der ständigen Überwachung durch die chinesischen Behörden. […]

    Folgende Preisträger der „BOBs“ nehmen am 4. Juni in Bonn ihre Auszeichnungen entgegen:

    […]

    Diskussion mit Blogern zu „Bürgerjournalismus und Meinungsfreiheit“

    Vor der Preisverleihung diskutieren am 4. Juni ab 14.30 Uhr im World Conference Center Bonn die BOBs-Gewinner Nancy Watzman, Olivier Nyirugubara, Israël Yoroba Guébo und Nazli Farokhi zum Thema „Bürgerjournalismus und Meinungsfreiheit“. Hierbei setzen sie sich auseinander mit der rasant steigenden Bedeutung von Weblogs, insbesondere in Ländern mit eingeschränkter Pressefreiheit.



    3. Juni 2009 2
  • : Deutsche Welle Global Media Forum 2009
    Deutsche Welle Global Media Forum 2009

    Von Mittwoch bis Freitag bin ich in Bonn auf dem „Deutsche Welle Global Media Forum 2009″. Dort spreche ich am Freitag um 11:30 Uhr in einem von n‑ost organisierten Panel über „Russlands Blogosphäre: Kann Zensur durch Bloggen umgangen werden?“. Mit dabei ist der russische Blogforscher Dr. Eugene Gorny, den ich im März in Novosibirsk kennengelernt habe. In der Diskussion soll ich auf die deutsche Blogosphäre und die entstehenden neuen Öffentlichkeiten eingehen. Da trifft es sich gut, die aktuelle Zensursula-Debatte mal in einer kleinen Präsentation zu verarbeiten.

    Wer mich auf dem Global Media Forum treffen möchte, kann mich ja wahlweise ansprechen oder mir eine Mail an markus@dieseURL schicken. Da die Frage sicherlich wieder kommt: Ich hab keine Ahnung, ob es da Live-Streams gibt.

    2. Juni 2009
  • : China sperrt populäre Webseiten
    China sperrt populäre Webseiten

    Kurz vor dem 20. Geburtstag des Tiananmen-Massakers wird in China wieder die Netzzensur angezogen und einige populäre Webseiten sind nun gesperrt. Mit dabei sind Twitter (Herdict-Bericht) und laut Reuters mindestens noch Windows Live (Hotmail & Co) sowie Flickr: China blocks Twitter service ahead of anniversary.

    Laut Mashable sind auch WordPress.com, Youtube und Blogger.com betroffen: China Blocks Twitter (And Almost Everything Else). Wikipedia ist laut Berichten auf Twitter ebenfalls gesperrt. Scheint die ganze Palette an populären Webseiten zu sein.

    Die verwenden dazu eine ähnliche Zensur-Infrastruktur, wie sie unsere Bundesregierung mit Zensursula vor hat.

    2. Juni 2009 18
  • : Demo: Freiheit statt Angst in Mainz am 6. Juni
    Demo: Freiheit statt Angst in Mainz am 6. Juni

    Am kommenden Samstag, den 6. Juni, gibt es in Mainz eine Demonstration gegen Überwachung und Zensur. Dazu ruft ein breites Bündnis aus Parteien und Initaitiven auf.

    Freedom Not Fear – Freiheit statt Angst! Gegen Überwachung, Zensur und Totalprotokollierung in Mainz, Rheinland-Pfalz, dem Rhein-Main-Gebiet, Deutschland und überall sonst auf der Welt! Treffpunkt um 10 Uhr am Mainzer Hauptbahnhof, Ende 13 Uhr.

    Mehr Informationen und den Aufruf finden sich auf der Webseite des AK-Vorratsdatenspeicherung.

    1. Juni 2009 5
  • : „Stecker aus der Wand gezogen“
    „Stecker aus der Wand gezogen“

    Am 25. März hat Bundesfrauenministerin Ursula von der Leyen im Bundestag ausgeführt, dass sie unter ihrem Vorstoß selbst im Prinzip das zu verstehen scheint, was unsereins unter dem Slogan „Löschen statt Filtern“ fordert:

    Zur technischen Umsetzbarkeit. Man muss sich das in etwa so vorstellen, als wenn man ein Telefon hat, dessen Stecker aus der Wand gezogen ist: Man kann den Hörer abheben und eine Nummer wählen; eine Verbindung wird jedoch nicht aufgebaut. Das ist das Grundprinzip: schon im Ansatz zu sperren, um jeglichen Zugang zu diesem Markt unmöglich zu machen.

    Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 213. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 25. März 2009, S. 23063 (PDF-Seite 9/64), Abschnitt ©

    30. Mai 2009 39
  • : CRE124: Kampf gegen Zensursula
    CRE124: Kampf gegen Zensursula

    Chaosradio Express Folge 124 ist ein Interview mit Florian „scusi“ Walther „Über „KiPo“ als politische Keule und die Selbstfindung der Netzgemeinde in Deutschland: Kampf gegen Zensursula“.

    Der Widerstand der deutschen Netzgemeinde gegen die Pläne der Bundesregierung, im Namen des Kampfes gegen „Kinderpornographie“ eine Infrastruktur zur Internetzensur einzuführen, ist ohne Beispiel. Anfangs verlächelt und verhöhnt organisiert sich aus einer neuen Generation von netzaffinen Menschen eine Bürgerbewegung der neuen Art, mit der die deutsche Politik in der Form bislang noch nicht konfrontiert war. Chaosradio Express blickt in dieser besonderen Ausgabe auf die kurze Geschichte des Widerstandes. Im Gespräch mit Tim Pritlove erläutert Florian „scusi“ Walther die Hintergründe seines eigenen Engagements und welche anderen Aktivisten und Ereignisse die politische Agenda bisher beeinflussten. Dazu wird ein Blick auf die bisherigen Erkenntnisse gerichtet, wie sich der sogenannte „Markt“ der sog. „Kinderpornographie“ tatsächlich darstellt und warum der Begriff selbst mehr als irreführend ist,

    Weitere Themen: Realitäten und Scheinrealitäten im Bereich der „Kinderpornographie“, Inhalte und Strutur der Sperrlisten in anderen Ländern, warum Banken Phishing-Websites problemlos und schnell abgeschaltet bekommen, Realitäten von Hausdurchsuchungen, Wikileaks, wie KiPo-Angebote technisch realisiert werden und die Mobilisierung der Szene.

    Hier ist die MP3.

    30. Mai 2009 6
  • : „Zensursula“: Stopp-Schild Debatte kindgerecht aufgearbeitet!
    „Zensursula“: Stopp-Schild Debatte kindgerecht aufgearbeitet!

    Kindesmissbrauch ist ein ernstes Thema, ohne Frage. Über Stop℗-Schilder und sinnfreien Aktionismus jenseits der menschlichen und technologischen Realität wird aber wohl noch lachen dürfen, oder?

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    29. Mai 2009 9
  • : „Zensursula“-Debatte: AK Zensur zur Positionierung von SPD & Union
    „Zensursula“-Debatte: AK Zensur zur Positionierung von SPD & Union

    Vom AK Zensur gibt es eine aktuelle Pressemitteilung zur „Zensursula“-Anhörung im Wirtschaftsausschuss (Real Video,* ganz oben) und der anschließenden Positionierung der Fraktionen:

    AK Zensur begrüßt Bewegung in Debatte um Netzsperren – SPD scheint Bedenken der Netzgemeinde ernst zu nehmen.

    Der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) begrüßt die jüngsten Äußerungen der SPD zur Diskussion um Netzsperren als ersten Schritt in die richtige Richtung. „Die Bedenken der Internet-Community werden ernst genommen“, sagt Alvar Freude, Mit-Gründer des AK Zensur, zu der Ankündigung der SPD, das Sperr-Gesetz in der jetzigen Form nicht mittragen zu wollen.

    „Gleichwohl geht der Vorschlag der SPD für ein eigenes, differenzierteres Sperr-Gesetz nicht weit genug: Sperren sind im Kampf gegen die Darstellung des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Internet nicht nur unwirksam, sondern auch gefährlich – und gar nicht nötig. Daher lehnen wir jegliche Form von Netzsperren strikt ab.

    Ist eine Sperr-Infrastruktur erst einmal eingerichet, lassen sich die zu sperrenden Inhalte nicht mehr begrenzen. Überall auf der Welt entfernen Web-Hoster auf Anfrage entsprechendes Material innerhalb kürzester Zeit. Unser Experimenthat das gezeigt. Dem BKA sind mehrere einschlägige Server in Deutschland bekannt gegeben worden. Es ist unverständlich, warum diese lediglich versteckt und nicht abgeschaltet werden sollen.“

    Auch Christian Bahls vom Verein MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren (MOGiS) fordert, dass Inhalte, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen, zügig entfernt werden: „Es kann nicht sein, dass diese Missbrauchsdokumentation nur vordergründig versteckt wird, während die Verbreitung weiterhin stattfindet. Betroffenen fällt die Aufarbeitung des Missbrauchs umso schwerer, wenn die Darstellungen weiter verfügbar sind und weitgehend ungehindert weiterverbreitet werden. Dadurch ist der Missbrauch faktisch nie beendet.“

    Die CDU manövriert sich nach Ansicht der Sperr-Kritiker mit ihren aktuellen Äußerungen weiter ins Abseits. Entgegen entsprechender Aussagen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion habe die Expertenanhörung im Bundestag klar gezeigt, dass Netzsperren im Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornographie keine Lösung seien. „Frau von der Leyen betreibt Wahlkampf auf Kosten des Mediums Internet und auf dem Rücken von Opfern“, erklärt Bahls. „Der Detailreichtum ihrer Schilderungen ist so nicht notwendig. Man kann sehr wohl über sexuellen Kindesmissbrauch reden, ohne Worte wie ‚zerfetzt’ oder ‚innere Blutungen’ zu benutzen. Mit ihrer zugespitzten Darstellung bagatellisiert Frau von der Leyen den alltäglichen Missbrauch und beschädigt das Erkennen früher Formen sexueller Gewalt. Auch erschwert sie damit den Zugang von Missbrauchsopfern zu ihrem eigenen Erleben: Es war ja kein Missbrauch, man wurde ja nicht vergewaltigt.“

    Aus Sicht des AK Zensur bewegt sich die SPD in die richtige Richtung. Aber längst nicht weit genug. Und vor allem die Union muss aufpassen, nicht den Bezug zur menschlichen und technologischen Realität zu verlieren. Das Internet ermöglicht ganz neue Kommunikationsformen und Wege demokratischer Zusammenarbeit – diese sollten wir als Gesellschaft nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

    *Direkt-URL: rtsp://btag-od.real.t‑bn.de/btag/16/bt300_20090527_a09.rm

    29. Mai 2009 9
  • : Newshäppchen: JuSProg-Filter mit automatischer Indexierung?!
    Newshäppchen: JuSProg-Filter mit automatischer Indexierung?!

    Es war also, wie zwischenzeitlich bereits vermutet wurde: Die schwerlich nachvollziehbaren Jugendschutz-Einstufungen des „JuSProg“-Filtersystems haben wir einem Crawler und einer automatischen Indexierung zu verdanken:

    Diese Seiten wurden automatisiert von so genannten Crawlern erfasst und aufgrund bestimmter Wortverknüpfungen teilweise als 18er Seiten identifiziert. Bestimmte Keywords aus den Extrem-Bereichen der Erotik, Gewalt und Politik bedingen eine automatische 18-Qualifizierung.

    Es handle sich um einen „Modellversuch“ – Herr, schmeiß Hirn vom Himmel! Den Rest des Trauerspiels gibt es im Gespräch zwischen Jens Berger und Mirko Drenger (Vorstandsvorsitzender des umstrittenen Jugendschutzvereins JusProg) bei Telepolis.

    29. Mai 2009 5
  • : Die Zensur im Netz – Das Ende der digitalen Welt?
    Die Zensur im Netz – Das Ende der digitalen Welt?

    3sat Kulturzeit hat am Mittwoch über „Die Zensur im Netz – Das Ende der digitalen Welt?“ berichtet:

    Nie war die Welt kleiner, vernetzter. Das Internet verbindet Menschen – über Grenzen, Kontinente und politische Systeme hinweg. Mühelos und sekundenschnell. Das weltweite Web könnte das Medium einer globalen Demokratie sein: ungehinderte Kommunikation. Meinungsfreiheit weltweit – so die soziale Vision. Doch der Traum von der Freiheit im Netz steht am Scheideweg.

    Das Transcript gibts bei 3sat, den MItschnitt u.a. auch auf Youtube:

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    29. Mai 2009 9
  • : Anhörung zu Netz-Sperren im Bundestag: Niemand hat die Absicht, eine Zensur-Infrastruktur zu errichten
    Anhörung zu Netz-Sperren im Bundestag: Niemand hat die Absicht, eine Zensur-Infrastruktur zu errichten

    Am Mittwoch fand die öffentliche Anhörung zum Gesetzesentwurf für Internet-Sperren im Bundestag statt. Die schriftlichen Stellungnahmen der Sachverständigen wurden vorher veröffentlicht und vorausgesetzt. Diesmal gab es keine Impulsreferate der Sachverständigen, sondern gleich eine Befragung durch Abgeordnete des Ausschusses. Die Fragezeit der einzelnen Fraktionen wurde nach der Fraktionsgröße berechnet.

    Zusammenfassend lässt sich sagen:

    • Die Opposition ist dagegen. FDP und Grüne sehen keine Gesetzgebungskompetenz beim Bund, sondern bei den Ländern. Die Linke bezeichnet die Sperren als „verfassungsrechtlich unzulässig, handwerklich mangelhaft und weitgehend nutzlos“.
    • Die CDU ist natürlich Pro-Sperren.
    • Die SPD ist zwar dafür, gibt aber kein einheitliches Bild ab, sondern tritt mit verschiedenen Positionen auf. Im Fazit mehr dazu.

    Die Sachverständigen haben leider die Diskussion nur auf Basis des vorliegenden Gesetzesentwurfs geführt, es kam keine grundsätzliche Ablehnung von Netz-Sperren. Martin Dörmann von der SPD-Fraktion sagte, dass es keine prinzipiellen Gründe gegen Internet-Sperren gibt, es kommt nur auf die konkrete gesetzliche Ausgestaltung an. Das Grundrecht auf Informationsfreiheit würde mit dem Gesetz zwar eingeschränkt, jedoch sagte kein Sachverständiger, dass diese Einschränkung unverhältnismäßig wäre. Wenigstens Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Sieber sah einen Einschüchterungseffekt und einen Chilling-Effekt, also eine Selbstzensur in der Bevölkerung, aus Angst vor Strafverfolgung.

    Oft wurde das Subsidiaritäts-Prinzip betont, nachdem Server mit strafbaren Inhalten vom Netz genommen werden sollen und erst als darauf folgender Schritt eine Sperre folgen soll. Prof. Sieber sagte, dass alle Länder Gesetze zum Jugendschutz haben. Leider wurde hier nicht nachgehakt, welche Länder keine adäquaten Gesetze oder andere Regelungen zu Kinderpornographie haben. Der Bundesvorsitzende vom Bund Deutscher Kriminalbeamter Jansen forderte eine „internationale Rechtshilfe in Echtzeit“ zur besseren internationalen Zusammenarbeit gegen Kinderpornographie. Auch die Ausbildung von Polizisten müsse verbessert werden, er wünscht sich eine „Qualifizierung zum Cyber-Cop.“

    Diskutiert wurde, ob eine richterliche Überprüfung vor der Aufnahme einer Domain auf die Liste oder im Nachhinein der bessere Weg wäre. Im Interview mit Spiegel Online ging Familienministerin von der Leyen auf Kritiker zu und schlug ein unabhängiges Gremium vor, „das die Blockierlisten unter dem Mehr-Augen-Prinzip anschaut“, wie auch immer das konkret aussehen soll. Gegner einer vorherigen richterlichen Kontrolle verwiesen auf die Schnelllebigkeit von zu sperrenden Angeboten und den „Sachverstand des BKA“ (Dr. Graf vom BGH), während Befürworter nur andersherum die Rechtsstaatlichkeit gewahrt sehen.

    Interessant war, dass die CDU-Fraktion keinen Zugriff auf „personenbezogene Daten“, also die Log-Daten der DNS- und STOPP-Seiten-Server im Gesetz will. Das Gesetz diene der Prävention, nicht der Repression. Diese Formulierung im Gesetzesentwurf kommt von Justizministerin Zypries (SPD). Auch das BKA will diese Daten gar nicht. Herr Sieber machte hier deutlich, dass wenn ein Aufrufen der STOPP-Seite zu einem Verdacht führt, alle möglichen User die Sperren umgehen, dann blieben wirklich nur noch die Falschen hängen. Einen Tag nach der Anhörung knickt auch die SPD ein.

    Die Branchenverbände BITKOM und eco waren recht schwach. Keiner der Verbände äußerte grundlegende Kritik. Sie sorgten sich vielmehr um die Rechtssicherheit von Providern und fordern daher eine technische Richtlinie. Auch gegen die Kosten ist man natürlich, der eco nannte Zahlen von 100.000 bis 4 Mio. Euro Investitionskosten für einzelne Provider. Nichtmal der von der SPD zugespielte Ball zum eco-Vorschlag von Filtern beim Enduser wurde aufgenommen. Wenigstens im Nachhinein bezeichnet der eco das Gesetz als „nicht beschlussreif“.

    Es gibt anscheinend sehr wenig wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema. Auch Dr. Kuhnen, Autorin des Buchs Kinderpornographie und Internet, bestätigte einen Daten- und Forschungsmangel sowohl zur Wirksamkeit von Sperren als auch zu Zahlen zu Verbreitung und Beschaffung von Kinderpornographie. Sicher ist, dass die in der Öffentlichkeit gehandelten Zahlen nicht repräsentativ sind.

    Herr Maurer vom BKA verdient wie immer einen eigenen Absatz. Obwohl er keine wissenschaftlichen Daten hat, schätzt er auf Basis der skandinavischen Listen, dass die vom BKA zu führende Liste „einige tausend“ Domains beinhalten würde und pro Woche 250 neue dazu kommen. Im Zweifel, ob eine Seite KiPo ist oder nicht, soll die Seite nicht auf die Liste genommen werden. In Vorbereitung zur Anhörung hat er sich die finnische Liste angesehen, nach dem Verständnis des BKA beinhalten viele der Einträge davon keine Kinderpornographie. Trotzdem habe es in den skandinavischen Ländern bisher keine Beschwerden wegen „Overblocking“ gegeben, also sei das wohl nicht passiert. So ist auch das BKA der Auffassung, dass nicht zu viel geblockt wird und weil sie sich darin so sicher sind, haben sie sehr weitgehende Haftungsrichtlinien akzeptiert. Staaten, die keine internationalen Vereinbarungen zu KiPo haben, seien unter anderem Russland, karibische Staaten sowie Osteuropa. Achja, und obwohl das BKA keine personenbezogenen Daten der STOPP-Server will, weil das zu viel Arbeit verursachen würde, bezeichnete er die Umgehung der Sperrmassnahmen als „deutlich Verdacht verschaffendes Element“.

    Resümierend ist festzuhalten, dass das ganze Gesetzesvorhaben mit der SPD steht und fällt. Nach den Verträgen zwischen BKA und Providern will die SPD das Ganze auf eine rechtsstaatliche Grundlage stellen. Die Positionen innerhalb der SPD sind jedoch sehr verschieden, wie man zwischen Thorsten Schäfer-Gümbel und Ministerin Zypries sehen kann. Nach einem nicht-öffentlichen Gespräch mit „der Internet-Community“ ™ hat die SPD-Fraktion ihre Forderungen etwas nachgebessert, rückt aber immer noch nicht von den Sperren ab. Hier ist Druck notwendig, hier geht noch was. Ein Hoffnungsschimmer könnte sein, dass die SPD ein Spezialgesetz will. Damit könnte das ganze Vorhaben bis zur Wahl nicht mehr zu schaffen sein. Ansonsten ist leider der Fahrplan, dass das Gesetz am 18.06., also in der vorletzten Sitzungswoche vor der Sommerpause und Bundestagswahl, mit 2. und 3. Lesung sowie Beschluss durch den Bundestag kommt.

    Noch ein paar lose Informationshäppchen:

    • Die Petition wurde gleich als erstes angesprochen.
    • Die SPD will die finnische Sperrliste haben.
    • Prof. Sieber formulierte einen schönen Satz, dass mit diesem Gesetz einen „Internet-Mauer“ gebaut wird, in der Deutschland geschützt werde.
    • Nur ein einziges Mal wurde erwähnt, dass Kinderpornographie und die Dokumentation von Missbrauch von Kindern nicht identisch sind. Prof. Dr. Bäcker wies darauf hin, dass unter den Begriff „Kinderpornographie“ auch Fiktion wie Comics und Romane fallen und dass auf einigen Sperrlisten anderer Staaten solche Sachen sind.
    • Dr. Graf wünscht sich, dass gegen User, die „100–200 Mal das STOPP-Schild anklicken“ wegen begründetem Verdacht ermittelt wird. Und er ist sich nicht sicher, ob „das Web 2 und was es da alles gibt“ die Massnahmen im Gesetz nicht umgehen kann.
    29. Mai 2009 54
  • : 100.000 unterzeichnen Zensursula-Petition
    100.000 unterzeichnen Zensursula-Petition

    Die nächste magische Zahl ist erreicht: Die Petition „Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten“ hat 100.000 Mitzeichner. Herzlichen Glückwunsch an alle Teilnehmer! Mit unserem 72h-Countdown wollten wir das zwar gestern schon erreichen, aber wer konnte auch ahnen, dass die Wartungsarbeiten dazwischen machen. Praktischerweise war der Zähler aber gestern schon so knapp unter 100.000, so dass vielen Medien schon diese Zahl berichteten. dpa berichtete beispielsweise am Abend: „Zensursula“ kann Kritiker nicht überzeugen“.

    Damit ist die Petition nicht abgeschlossen. Es besteht immer noch die Chance, diese zur erfolgreichsten Petition in der Geschichte des ePetitionssystems zu machen. Dafür fehlen noch knapp 40.000 und bleibt Zeit bis zum 16. Juni, um offline und online mehr Mitzeichner zu finden.

    Hintergründe gibt es in unserer kommentierten Zensursula – Linkliste.

    28. Mai 2009 39
  • : Pressebericht: SPD will Kinderschutzgesetz stoppen
    Pressebericht: SPD will Kinderschutzgesetz stoppen

    UPDATE – Nein, es geht nicht um das “Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen“, wie ich etwas vorschnell annahm. Sorry, mein Fehler. Den ursprünglich an dieser Stelle veröffentlichten Text habe ich daher erstmal zurück in die Zwischenablage befördert. Wer weiß, vielleicht kann ich ihn schon bald wieder herauskramen.

    Das Gesetz, um das es in der Überschrift geht, scheint übrigens kaum besser zu sein als die Idee, im Internet Stopp-Schilder aufzustellen. – UPDATE

    27. Mai 2009 7
  • : BKA widerlegt Ursula von der Leyen
    BKA widerlegt Ursula von der Leyen

    Bevor es hier wahrscheinlich später noch eine längere Kommentierung und Beschreibung des Geschehens während der Zensursula-Anhörung im Bundestag geben wird, sei erstmal auf diese Kurzfassung verwiesen:

    Herr Maurer vom BKA sagte bei der heutigen Anhörung, konfrontiert mit der Prüfung der finnischen Liste, dass

    1. das BKA viele kinderpornografische Inhalte ohne weitere Hinweise nicht finden konnte (es standen Sperrlisten aus .DK und .SE zur Verfügung)

    Damit ist festzustellen: Die „Anfixertheorie“ ist bei Nichtauffindbarkeit selbst für das Fachpersonal vom BKA
    offensichtlich unhaltbar.

    2. die Einträge dort binnen Tagesfrist nicht mehr auf eben diese Inhalte verweisen würde.

    Damit ist festzuhalten: „Die Sinnhaftigkeit von Sperrlisten ist damit nicht gegeben.“

    Herzlichen Dank für diese Klarstellungen nach Wiesbaden

    27. Mai 2009 42