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  • : „SIGINT Philosopher“-Kolumne der NSA veröffentlicht – Wenn gescheiterte Autoren zu Geheimdiensten wechseln
    „SIGINT Philosopher“-Kolumne der NSA veröffentlicht – Wenn gescheiterte Autoren zu Geheimdiensten wechseln

    The Intercept enthüllte heute neue Snowden-Dokumente, die Teile der „SIGINT Philosopher“-Kolumne enthalten, die im internen Netz der NSA veröffentlicht werden. Die Kolumnen sollen philosophische und ethische Aspekte der Überwachung beleuchten. Sie stammen aus der Feder eines gescheiterten Autors, der nach eigenen Ausführungen generell überwachungskritisch war und eine große Portion Skepsis gegenüber den von der NSA eingesetzten Polygraphen hat, dann aber einen Sinneswandel durchlaufen zu haben scheint und begann, bei der NSA zu arbeiten:

    One of the many thoughts that continually went through my mind was that if I had to reveal part of my personal life to my employer, I’d really rather reveal all of it. Partial revelation, such as the fact that answering question X made my pulse quicken, led to misunderstandings.

    Amüsanterweise wurde der Autor der Kolumne vom Autor des Intercept-Artikels via Google-Recherche identifiziert und kontaktiert. So viel Transparenz wie seinem Arbeitgeber gegenüber will selbiger der Öffentlichkeit jedoch nicht entgegenbringen. Auf The Intercept werden dennoch weitere Details aus dem Leben des NSA-Mitarbeiters und ‑Schreibers ausgeführt, auch privat betreibt er ein Blog, das identifiziert werden konnte.

    „SIGINT Philosopher“ ist nicht die einzige NSA-Kolumne. Vor einiger Zeit demonstrierte uns „Ask Zelda“ bereits, wie man sich abseits von den eigentlichen Arbeitsaufträgen in dem Geheimapparat mit seinen Aufgaben auseinandersetzt.

    11. August 2015 4
  • : Snowden-Dokumente bestätigen Echelon-Programm: Rückschau auf 40 Jahre Aufdeckungsarbeit
    Die neue GCHQ-Zentrale in Cheltenham, Gloucestershire. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/defenceimages/7985695591/">UK Ministry of Defence</a>
    Snowden-Dokumente bestätigen Echelon-Programm: Rückschau auf 40 Jahre Aufdeckungsarbeit

    Hausdurchsuchungen, abgehörte Telefone, angedrohte Gefängnisstrafen – auf solche Folgen muss man sich offenbar einstellen, wenn man geheime Informationen und geleakte Dokumente veröffentlicht. Der britische Journalist Duncan Campbell kann davon ein Lied singen, seit er 1976 einen Artikel über den Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) publizierte. Zusammen mit dem US-Journalisten Mark Hosenball legte er erstmals offen, wie der britische Dienst, in enger Kooperation mit der US-amerikanischen National Security Agency (NSA), schon damals weltweit Kommunikation mitgeschnitten und ausgewertet hat.

    Das sollte nicht der einzige Coup des studierten Physikers bleiben. Gut zehn Jahre später gelang es ihm mit Hilfe der ehemaligen Lockheed-Mitarbeiterin und Whistleblowerin Margaret Newsham, das Überwachungsprogramm Echelon zu enthüllen. Im Auftrag der NSA half sie dabei mit, ein System zu betreiben, das systematisch und automatisiert internationale Satellitenkommunikation nach Schlüsselwörtern durchsuchte.

    Obwohl es Campbell gelang, elektronische Massenüberwachung nachzuweisen, hielt sich der Aufschrei zunächst in Grenzen. Erst um die Jahrtausendwende gelangte das weiterhin streng geheime Projekt wieder an eine breitere Öffentlichkeit, als eine Untersuchung des EU-Parlaments ein wenig Licht in die Sache brachte. Konsequenzen blieben allerdings aus, weil kurz vor dem Ende der Prüfung die Anschläge vom 11. September 2001 die politische Großwetterlage dramatisch umkrempelten.

    Bestätigung durch Snowden-Dokumente

    Im Zuge der Snowden-Enthüllungen klopfte Campbell beim The-Intercept-Journalisten Ryan Gallagher mit der Bitte an, in den Dokumenten nach weiteren Echelon-Puzzlestücken zu suchen. Tatsächlich wurde Gallagher fündig und entdeckte Belege für das in den 1960er-Jahren gestartete Programm. 2011 hieß es in einem Newsletter der NSA-Station Yakima:

    In 1966, NSA established the FROSTING program, an umbrella program for the collection and processing of all communications emanating from communication satellites. FROSTING’s two sub-programs were TRANSIENT, for all efforts against Soviet satellite targets, and ECHELON, for the collection and processing of INTELSAT communications.

    Einem GCHQ-Report aus dem Jahr 2010 lässt sich entnehmen, dass die NSA das System nach wie vor massiv finanziell unterstützte. Und ein weiteres Memo zeigt, mit welcher Verachtung die NSA jeglichen Aufklärungsversuchen begegnete: Als EU-Vertreter im Frühjahr 2001 bei der US-Regierung vorstellig wurden und Aufklärung verlangten – schließlich verschob sich der Fokus von Echelon nach dem Zusammenbruch des Kommunismus auf Wirtschaftsspionage, die sich unter anderem gegen europäische Ziele richtete –, gelang es der „Corporate NSA“ im Zusammenspiel mit Mitgliedern des US-Kongresses, die Delegation erfolgreich abzuwimmeln, sodass sie unverrichteter Dinge wieder abziehen musste.

    Besser lauschen mit Zircon

    Die lesenswerte Rückschau auf gut vierzig Jahre Aufdeckungsarbeit liest sich stellenweise wie ein Agenten-Thriller, der mit persönlichen Anekdoten gespickt ist. Diese hinterlassen oft einen amüsanten Eindruck, zumindest im Nachhinein: Immerhin landete Campbell einmal im Gefängnis, musste mehrere Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen, sah fertig produzierte Fernsehbeiträge vor seinen Augen verschwinden, weil sie der Regierung zu brisant erschienen, und musste nach seiner Festnahme 1977 eine Zeit lang befürchten, für dreißig Jahre hinter Gittern zu landen. Dass sein Telefon für über zehn Jahre angezapft wurde, fällt da kaum noch ins Gewicht.

    Aufsehenerregend war etwa auch seine Enthüllung des Zircon-Programms 1987. GCHQ wollte sich von seinem US-Partner NSA unabhängiger machen und einen eigenen Spionage-Satelliten ins All schießen, der Signale aus Europa, Asien und Afrika hätte abfangen sollen. Um das 700 Millionen US-Dollar teure Projekt geheim zu halten, umging der Geheimdienst kurzerhand sämtliche legislative Kontrollinstanzen. Die Ausstrahlung der sechsteiligen BBC-Sendung konnte zwar im letzten Moment verhindert werden, die Veröffentlichung im „New Statesman“ jedoch nicht. Seine Arbeit konnte der Satellit niemals aufnehmen, das Projekt wurde von der Regierung gestoppt: aus Kostengründen.

    6. August 2015 3
  • : NSA will Zugriff auf Telefonie-Metadaten abschaffen, Telefonanbieter übernehmen ab November
    NSA will Zugriff auf Telefonie-Metadaten abschaffen, Telefonanbieter übernehmen ab November

    Laut einer Mitteilung des Direktors der US-Nachrichtendienste, derzeit durch James Clapper repräsentiert, will die NSA alle Metadaten löschen, die sie nach Section 215 des US Patriot Act gesammelt hat. Anhand Section 215 hat die NSA 14 Jahre lang anlasslos Telefoniemetadaten gesammelt, die für je fünf Jahre aufgehoben wurden. Mit der gescheiterten wiederholten Autorisierung des Überwachungsprogramms Ende Mai und dem USA Freedom Act wurde diese Speicherung für die Zukunft abgeschafft, der Geheimdienst hat jedoch noch eine Übergangsfrist bis Ende November.

    Ab dann sollen die Analysten keinen Zugriff mehr auf die Daten bekommen, Techniker dürfen noch drei Monate länger damit arbeiten. Sollten die Daten Gegenstand einer Zivilklage sein, dürfen sie für diese Zwecke weiter aufgehoben werden.

    Erstaunlicherweise erscheint diese Ankündigung sogar realistisch, denn schon länger ist bekannt, dass es innerhalb der NSA Zweifel bezüglich der Wirksamkeit einer solchen Vorratsdatenspeicherung gibt. Sie besteht jedoch auf andere Art und Weise weiter: Die Daten werden nun nicht mehr von der NSA, sondern von den Telefonanbietern gespeichert und können von der Regierung angefragt werden, wenn eine richterliche Anordnung vorliegt – relativ ungehindert also, da wir wissen, dass die richterliche Genehmigung oft eine Art Blankoschein darstellt.

    28. Juli 2015 9
  • : Generalbundesanwalt Range im Interview: „Marschieren müssen schon Politik und Gesellschaft“
    Generalbundesanwalt Range im Interview: „Marschieren müssen schon Politik und Gesellschaft“

    Der Generalbundesanwalt Harald Range hat sich im aktuellen „Spiegel“ in einem Interview zu den nicht stattfindenden oder wieder eingestellten Ermittlungen gegen Geheimdienste erklärt.

    Mit Bezug auf Wikileaks und die jüngst geleakten Telefonnummern, E‑Mail-Adressen und Zusammenfassungen von Gesprächen aus dem Kanzleramt und mehreren Ministerien, die von der NSA aufgezeichnet wurden, begründet Range, woran es hapert:

    „Als Strafverfolger brauche ich Fakten.“

    Dafür, dass er im selben Interview gleich zu Anfang einräumt, keine vertraulichen Vorgänge mehr am Telefon zu besprechen, reichen die Fakten aber wohl.

    Doch dass Papiere der Bundesregierung NSA-Spionage bis mindestens 2013 bestätigen, zählt offenbar nicht zu den Fakten. Man habe eben andere „Maßstäbe“ als Journalisten und brauche mehr, um Ermittlungen einzuleiten:

    „[…] mit Hypothesen kann ich nichts anfangen, wir brauchen konkrete Anhaltspunkte.“

    Man habe aber nun gegen „Cyberspionage“ immerhin ein „eigenes Referat“ gegründet und auch mal nachgefragt, ob die Presseberichte der Wahrheit entsprechen, nämlich laut Range beim „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, dem Bundesnachrichtendienst, dem Bundesamt für Verfassungsschutz und natürlich dem Bundeskriminalamt“. Natürlich.

    Die Bundesregierung soll ja mit den USA verhandelt haben, ob die Selektorenliste dem NSA-BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags vorgelegt werden können. Abgesehen davon, dass es auf der Bizarro-Skala recht weit oben ausschlägt, wenn man die US-Regierung darum bittet, Daten des technischen Geheimdienstes einsehen zu dürfen, der im Verdacht steht, die Bundesregierung auszuforschen, wurde an Range und seine Behörde dabei offenbar gar nicht gedacht. Denn die Selektorenliste der Bundesanwaltschaft zur Prüfung der Einleitung von Ermittlungen wegen Straftaten vorzulegen, wäre doch eigentlich die normale Reaktion in einem Rechtsstaat.

    Die „Spiegel“-Journalisten fragen Range auch nach dem Bundestagshack und wollen wissen, ob er die Meinung des Bundesamtes für Verfassungsschutz teilt, „dass ein russischer Geheimdienst dahintersteckt“, und ob es einen Unterschied macht, aus welchen Land Spione kämen. Range versichert:

    „Wenn wir das bestätigt bekämen, würden wir auch übernehmen. […] Wir haben alle im Blick.“

    Fragt sich nur, was er mit „auch“ meint. Er muss wohl die „Vorermittlungen“ meinen, die seine Behörde durchführte. Immerhin steht Range der technisierten Überwachung nicht völlig ignorant gegenüber und räumt die Existenz ein:

    „Aber dass so viel möglich ist, wie wir jetzt wissen – das ist mir erst 2013 bewusst geworden.“

    Ob die Überwachung aber gegen bestehende Gesetze verstößt, steht offenbar auf einem anderen Blatt. Range schiebt den Schwarzen Peter stattdessen einfach weiter in Richtung der politischen Entscheider und reduziert den Rechtsstaat zur bloßen Dekoration:

    „In unserer Rechtsordnung gibt das Strafrecht den Flankenschutz von der Seite – marschieren müssen schon Politik und Gesellschaft.“

    Ich verstehe das als Aufforderung.

    27. Juli 2015 30
  • : Laura Poitras: „Ich möchte wissen, warum der Staat mich heimlich zum Ziel von Beobachtungen macht“
    Laura Poitras: „Ich möchte wissen, warum der Staat mich heimlich zum Ziel von Beobachtungen macht“

    Laura Poitras hat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ein sehr lesenswertes Interview gegeben: Amerikas Politik schafft Terror und Chaos.

    Die Filmemacherin und Oscar-Preisträgerin (Citizenfour) Poitras verklagt die US-Regierung auf Zugang zu Informationen darüber, warum sie jahrelang bei insgesamt über neunzig Grenzübertritten immer wieder durchsucht und befragt wurde. Sie erklärt im Interview ihre Entscheidung, juristische Schritte einzuleiten:

    Ich habe vor mehr als einem Jahr zahlreiche Anfragen eingereicht, wie sie unser Gesetz zur informationellen Selbstbestimmung, der „Freedom of Information Act“, vorsieht. Die amerikanische Regierung hat meine Fragen, die zu beantworten sie gesetzlich verpflichtet ist, nicht beantwortet. Deshalb habe ich mich für den nächsten Schritt, die Klage vor Gericht, entschieden. […] Ich möchte wie sie wissen, warum der Staat mich heimlich zum Ziel von Beobachtungen macht.

    Poitras wird zu den Überwachungsprogrammen der Geheimdienste, zu Beobachtungslisten, Kontrollen an Grenzen und Menschenrechten befragt und spricht über ihre Erwartungen an einen Rechtsstaat mit garantierter Meinungsfreiheit. Über die höchstwahrscheinlich über sie existierende BND-Akte sagt sie, dass sie später auch gern mal darin Einblick nehmen würde.

    Befragt zu ihrer Einschätzung über die Richtung, die in den Vereinigten Staaten politisch eingeschlagen wurde, kommt die US-Amerikanerin Poitras zu einem insgesamt pessimistischen Ergebnis, betont aber die Wichtigkeit der Möglichkeit, Kritik frei äußern zu können:

    Trotz der ernsten Bedenken, die ich habe, wenn ich darüber nachdenke, in welche Richtung sich mein Land bewegt: Wir haben immer noch die Freiheit der Rede. Anders als viele andere Länder, in denen Journalisten um ihr Leben bangen müssen, wenn sie die Wahrheit öffentlich machen. Ich hätte diese Fragen nicht beantworten können, wenn ich nicht diese Freiheit hätte.

    Das sollten wir uns immer mal wieder vergegenwärtigen. Denn hinzuzufügen wäre vielleicht noch, dass man diese Freiheit der Rede auch ausüben muss. Rechte, die man nicht auslebt, gehen nach und nach ein wie eine Pflanze, die man zu wenig gießt.

    22. Juli 2015 12
  • Informationsfreiheits-Ablehnung: Selektoren beeinträchtigen „vertrauensvolle Zusammenarbeit mit USA“
    Wo der V-Mann die Selektoren lesen darf: BND-Neubau in Berlin. Bild: Simon - Pierre Krautkrämer. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de/">BY-SA 3.0</a>.
    Informationsfreiheits-Ablehnung Selektoren beeinträchtigen „vertrauensvolle Zusammenarbeit mit USA“

    Wenn bekannt wird, welche Ziele die USA in Deutschland und Europa überwachen, würde das „die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den USA beeinträchtigen“. Mit dieser Begründung verweigert das Kanzleramt die Herausgabe der 40.000 aussortierten Spähziele. Der einzige, der die Liste lesen darf, ist Sonderermittler Graulich – der vertraut dabei dem BND.

    21. Juli 2015 13
  • : Prüfung der NSA-Selektoren beginnt, BND-Mitarbeiter „helfen“ dem Sonderbeauftragten Kurt Graulich
    Wo der V-Mann die Selektoren lesen darf: BND-Neubau in Berlin. Bild: <a href="https://secure.flickr.com/photos/georgkroemer/">Georg Kroemer</a>. LIzenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">BY-NC-ND 2.0</a>.
    Prüfung der NSA-Selektoren beginnt, BND-Mitarbeiter „helfen“ dem Sonderbeauftragten Kurt Graulich

    Der Sonderbeauftragte für die Prüfung der Selektoren, mittels derer der BND der NSA Spionagehilfe leistete, hat seine Arbeit aufgenommen. Betraut mit der umstrittenen Aufgabe ist Kurt Graulich, ehemaliger Bundesverwaltungsrichter.

    Graulichs Position entsprang aus der Weigerung der Bundesregierung, die Selektoren direkt an die Mitglieder des NSA-Untersuchungsausschusses zu geben, da sie die Geheimschutzvereinbarung mit den USA nicht verletzen will. Von einem Kompromiss durch die Einsetzung des Sonderbeauftragten kann aber keine Rede sein, denn die Mitglieder der Opposition sind hochunzufrieden, dass sie nicht selbst Einblick in die Selektorenlisten bekommen. Da Graulich den Abgeordneten nicht über Details aus seiner Prüfung unterrichten sollen darf, ist Intransparenz vorprogrammiert. Graulich selbst äußerte in einem Interview, dass er eng mit der Bundesregierung absprechen wolle, „[i]n welchem Umfang diese Erkenntnisse dann erläutert werden können.“

    Strittig ist außerdem, wie gut es Graulich möglich sein wird, die komplexen technischen Zusammenhänge zu beurteilen. Dass ihm bei dieser Herausforderung BND-Mitarbeiter zur Verfügung stehen, trägt nicht zur weiteren Vertrauensbildung bei. Überdies machte Graulich deutlich, dass er sich darauf verlässt, was er vom BND vorgelegt bekommt:

    Ich bin ja nicht als Detektiv beauftragt, daher gehören diese Dinge nicht zu meiner Kompetenz. Ich werde das analysieren, was man mir vorlegt. Ob es darüber hinaus eventuell noch Dinge von Interesse gibt, müssen andere klären.

    Betrachtet man die Bemühungen des BND, so viel als möglich unter Verschluss zu halten, wirkt ein solcher mangelnder Ehrgeiz disqualifizierend für Graulichs Position, denn gerade jetzt wäre Hartnäckigkeit und Wille zur lückenlosen Aufklärung wichtiger denn je.

    Es gibt die Hoffnung, dass die Oppositionsparteien vor dem Bundesverfassungsgericht auf Herausgabe der Selektorenlisten klagen werden. Bis dahin veröffentlicht Wikileaks munter weiter Teile der Selektorenlisten, die zeigen, dass etwa Bundesregierung und Auswärtiges Amt im Visier der NSA standen.

    21. Juli 2015 11
  • Wissenschaftliche Dienste: Untersuchungsausschuss darf alle Akten lesen, die ein Ermittlungsbeauftragter bekommt
    Klassische "V-Personen": <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Skinheads_S%C3%A4chsische_Schweiz">Skinheads Sächsische Schweiz</a>.
    Wissenschaftliche Dienste Untersuchungsausschuss darf alle Akten lesen, die ein Ermittlungsbeauftragter bekommt

    Dem Bundestag darf „der Zugang zu Material, das [einem] Ermittlungsbeauftragten zugänglich ist, nicht verweigert werden“. Das ist das Fazit eines Gutachtens der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages, das wir veröffentlichen. Deshalb wurde Kurt Graulich für die NSA-Selektoren auch als „Vertrauensperson“ eingesetzt – die Opposition sieht sich dennoch für ihre Klage gestärkt.

    21. Juli 2015 13
  • : Abhörziel Auswärtiges Amt: Wikileaks veröffentlich weitere Selektoren
    Abhörziel Auswärtiges Amt: Wikileaks veröffentlich weitere Selektoren

    Wikileaks hat erneut Selektoren veröffentlicht, die zeigen, wie die NSA deutsche Politiker ausgespäht hat, diesmal aus dem Auswärtigen Amt. Dabei ist auch Bundesaußenminister Frank-Walther Steinmeier, dem gleich zwei Nummern aus der Liste zugeordnet werden.

    Zusätzlich zu den Telefonnummern wurde auch ein Überwachungsprotokoll publiziert, das ein Gespräch Steinmeiers mit einer unbekannten Gegenseite über CIA-Entführungsflüge und ‑Geheimgefängnisse zusammenfasst, in dem er sich über die Erleichterung bezüglich vager Äußerungen zu freuen scheint:

    He seemed relieved that he had not received any definitive response from the U.S. Secretary of State regarding press reports of CIA flights through Germany to secret prisons in eastern Europe allegedly used for interrogating terrorism suspects.

    In den vergangenen Wochen hatte Wikileaks bereits Informationen über 125 hochrangige Ziele aus Regierung und Wirtschaft veröffentlicht. Assange hat überdies dem NSA-Untersuchungsausschuss angeboten, auszusagen. Es ist also zu erwarten, dass uns in nächster Zeit noch mehr Enthüllungen über Selektoren bevorstehen.

    20. Juli 2015 8
  • : Assange will vor NSA-Untersuchungsausschuss aussagen und ungeschwärzte Selektoren mitbringen
    Opposition will endlich keine Informationen mehr vorbehalten bekommen.
    Assange will vor NSA-Untersuchungsausschuss aussagen und ungeschwärzte Selektoren mitbringen

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    Vor etwa zehn Tagen hatte Wikileaks Dokumente veröffentlicht, die zeigen, dass das Kanzleramt bereits seit Jahrzehnten, mindestens seit der Amtszeit von Altkanzler Helmut Kohl, von der NSA abgehört wird. Es wurde dabei auch eine Liste an 56 Selektoren – mit vier geschwärzten Stellen – veröffentlicht, darunter Nummern der Kanzlerin und ihrer engsten Mitarbeiter. Doch die 56 Selektoren in dieser Liste scheinen nicht alles zu sein, was Wikileaks noch in der Hinterhand hat. Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich nun dem NSA-Untersuchungsausschuss angeboten. Er wolle aussagen und dem Ausschuss die ungeschwärzte Liste der Selektoren übergeben. Das geht aus einem Interview mit Assange hervor, das im aktuellen Print-Spiegel abgedruckt ist (Kurzzusammenfassung online).

    Er berichtet auch davon, wer die Telefonnummern auf die Liste gesetzt habe:

    James Clapper, der nationale Geheimdienstdirektor der USA. Es gab drei Bereiche, die im Visier der Dienste standen: wirtschaftliche Angelegenheiten, Nachrichtendienstliches und europäische Politikstrategien. Es ging explizit nicht um militärische Beobachtung, auch nicht um Spionageabwehr. Es ging darum, die deutsche Wirtschaft zu verstehen

    Vor allem die Mitglieder der Opposition freuen sich über Assanges Vorschlag. Christian Ströbele, Mitglied für die Grünen im NSA-Untersuchungsausschuss, bezeichnet ihn als „hervorragendes Angebot“. Martina Renner von den Linken findet besonders im Hinblick auf die Weigerung der Bundesregierung, die Selektorenliste herauszugeben, „jedes Dokument wertvoll, das uns Massenüberwachung und illegale Spionage der NSA in Deutschland erläutert“.

    Auch von der SPD gibt es positive Stimmen. Christian Flisek, Obmann der SPD im NSA-Untersuchungsausschuss, erklärte im Spiegel-Interview, er sei offen dafür, eine Befragung Assanges zu prüfen. Ob dem auch Taten folgen werden, muss sich noch herausstellen.

    Seit im April dieses Jahres bekannt wurde, dass die NSA mithilfe des BND deutsche Ziele überwacht und ihm dafür Selektoren übergab, die offensichtlich nicht hinreichend geprüft wurden, dauert der Streit um die Herausgabe dieser Selektoren-Listen an. Von insgesamt 800.000 Selektoren, die im Rahmen der Operation Eikonal übermittelt wurden, war die Rede, wie viele dieser gegen „deutsche und europäische Interessen“ verstoßen haben ist noch unklar, aussortiert wurden nur wenige hundert.

    Die Bunderegierung tut ihr Möglichstes dafür, die Herausgabe der Liste an die Parlamentarier zu verhindern. Die USA würden eine Herausgabe nicht erlauben, verkündete man gewohnt katzbuckelnd. Man konstruierte dann einen „Selektorenbeauftragten“, der sozusagen als Mittler Einblick in die Liste haben und Bericht erstatten soll. Die Oppositionsparteien freut das wenig, sie wollen vor dem Bundesverfassungsgericht klagen, denn es ist klar, dass der Beauftragte nicht wirklich für Transparenz sorgen wird: Er ist „zur Verschwiegenheit verpflichtet“ und soll nicht allzusehr ins Detail gehen.

    Wie eine Befragung Assanges aussehen könnte, ist noch ungewiss, denn er kann die ecuadorianische Botschaft in London nicht verlassen, ohne festgenommen zu werden. Die Abgeordneten müssten also nach London fahren, vorher jedoch die Genehmigung der britischen Regierung einholen, Assange zu befragen.

    Assanges Angebot stellt, wie auch all die anderen Leaks im Zusammenhang mit dem NSA-Untersuchungsausschuss, ein wichtiges Element dar, um das Informationsungleichgewicht zwischen Bundesregierung und Ausschuss nicht vollständig aus dem Ruder laufen zu lassen. Und um zu signalisieren, dass sich BND und Co. nicht ewig hinter ihren Lügen und ihrem Schweigen verstecken können, solange es einige gibt, die ihr Gewissen nicht zu ihrem Dienstantritt abgegeben haben. Und gleichzeitig sind sie ein Armutszeugnis an ebenjene, die trotz geheucheltem Aufklärungsinteresse immer noch alles tun, um die Ausschussarbeit zu behindern. Und an diejenigen, die weiterhin bestreiten, dass es einen Verdacht auf NSA-Spionage gebe, der zu Ermittlungen berechtige.

    19. Juli 2015 11
  • : Der BND kann leider keine Auskunft über Selektorenliste geben, weil die der NSA gehört
    Der BND kann leider keine Auskunft über Selektorenliste geben, weil die der NSA gehört

    Der Journalist Richard Gutjahr hatte beim Bundesnachrichtendienst um Auskunft verlangt, ob sein Name in der Liste der NSA-Selektoren ist, die der BND in seine Systeme eingepflegt hatte und von der man in den vergangenen Monaten soviel gehört hat. Der Bundesnachrichtendienst brauchte einige Zeit, um darauf eine Antwort zu finden.

    Dabei ist alles so einfach: „Es handelt sich um Material der NSA. Der Bundesnachrichtendienst kann nicht frei über dieses Material verfügen“. Darauf muss man erst mal kommen! Quasi „geistiges Eigentum“ der NSA. Sticht natürlich die legitimen Auskunftsansprüche von Richard Gutjahr.

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    13. Juli 2015 8
  • : SZ: US-Spionage ist eine Demütigung für Deutschland
    SZ: US-Spionage ist eine Demütigung für Deutschland

    In der Süddeutschen Zeitung kommentiert der Journalist Tanjev Schultz: US-Spionage ist eine Demütigung für Deutschland.

    Deutschland hätte in der NSA-Affäre von Anfang an offensiver auftreten müssen; es ist groß und mächtig genug, um sich das leisten zu können. Und es war ein Fehler, den Whistleblower Edward Snowden Russland zu überlassen. Deutschland hätte ihm Asyl anbieten und ihn schützen müssen. Wenn es den politischen Willen dafür gegeben hätte, wäre dies möglich gewesen. Vielleicht ist es, wenn Snowden es noch wollen würde, noch immer nicht zu spät. Die US-Spionage ist eine Demütigung für Deutschland, aus der die Bundesregierung Konsequenzen ziehen muss. Geht es um Edward Snowden, gibt es schon lange keinen Grund mehr, auf die USA Rücksicht zu nehmen.

    9. Juli 2015 11
  • : Wikileaks: Reaktionen auf den jüngsten Leak
    Wikileaks: Reaktionen auf den jüngsten Leak

    WikiLeaks_Chancellors_Men_CartoonGestern Abend wurde auf der Enthüllungsplattform Wikileaks eine Liste mit Telefonnummern veröffentlicht, die von der NSA abgehört worden sein sollen. Die 56 Nummern enthaltende Liste enthält die Telefonnummern von hochrangigen Mitarbeitern des Bundeskanzleramtes, allerdings auch schon zu Zeiten vor dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin. Dazu gab es Reaktionen von diversen Oppositionspolitikern und des NSA-Ausschuss-Vorsitzenden Patrick Sensburg, hier eine kleine Zusammenstellung.

    Jan Korte (LINKE) äußerte sich dazu:

    „Langsam wird’s lächerlich. Die einzigen, die neben dem NSA-Untersuchungsausschuss Licht ins Dunkel bringen, sind Enthüllungsplattformen und Journalisten. Zur Belohnung werden die dann von Bundesbehörden auch noch verklagt. Auch die jahrzehntelange und vermutlich bis heute anhaltende Bespitzelung der eigenen Kommunikation hält die Bundesregierung nicht davon ab, weiter in Vasallentreue jegliche Aufklärung der Geheimdienstumtriebe zu behindern.

    Konstantin von Notz (Grüne) spricht von einer Hochnotpeinlichkeit:

    Die jüngsten Veröffentlichungen sind hochnotpeinlich für das Kanzleramt und Angela Merkel. Enthüllungsplattformen und investigative Journalisten führen Amt und Regierungschefin im Wochentakt vor. Dies ist auch das Ergebnis der anhaltenden Verweigerungshaltung der Kanzlerin.

    Spätestens seit den Enthüllungen Edward Snowdens im Sommer 2013 wusste man um die gravierenden Probleme. Statt diese anzugehen, hat man versucht, die Affäre zu vertuschen, abzumoderieren und einfach auszusitzen. Das rächt sich heute bitter.

    Martina Renner (Linke) spricht davon, dass die Bundeskanzlerin Merkel endlich aufhören müsse, das Ausmaß der NSA-Spionage zu verharmlosen und zu vertuschen.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel muss aufhören, das Ausmaß der NSA-Spionage zu vertuschen und zu verharmlosen. Wir werden eine Sondersitzung des Untersuchungsausschusses beantragen, bei der Bundesinnenminister de Maizière und Kanzleramtschef Altmaier uns erklären müssen, was die Bundesregierung jetzt unternimmt, um die Spionage unter Freunden zu beenden und wann der Untersuchungsausschuss endlich selbst Zugang zur umstrittenen Selektorenliste erhält

    Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitiert den Grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele so:

    Der Generalbundesanwalt muss jetzt endlich ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen dieser Spionage einleiten. Er kann sich nicht mehr dahinter verstecken, dass es angeblich keinen ausreichenden Verdacht und keine Beweise gibt

    Gegenüber dem Deutschlandfunk merkte Patrick Sensburg (CDU) an, vor dem Hintergrund der jüngsten Enthüllungen, dass deutsche Regierungsstellen und Politiker über Jahrzehnte ausspioniert worden sein könnten.

    Ich glaube, wir sehen in diesen Tagen wieder, wie interessant doch die deutsche Politik für nachrichtendienstliche Ausspähung ist. Ich glaube, das politische Berlin steht im Zentrum vieler Nachrichtendienste. Wir liegen geografisch in der Mitte Europas, die transatlantischen Beziehungen sind intensiv. Ich glaube, wenn man schaut, wie weit diese Ausforschungen zurückgehen – und wir reden ja jetzt nur von den Amerikanern , dann kann man sich sicherlich vorstellen, dass Ende der 80er-Jahre, Anfang der 90er-Jahre in Zeiten der Wiedervereinigung, wie intensiv da die nachrichtendienstlichen Tätigkeiten gewesen sein müssen.

    Die Bundesregierung äußerte sich dazu so, dass sie keine Anhaltspunkte dazu habe. Hierbei stellt sich dann doch die Frage, was die Bundesregierung eigentlich noch dazu braucht?

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

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    9. Juli 2015 14
  • WikiLeaks veröffentlicht Selektoren und Abhörprotokolle: Kanzleramt und Regierung schon seit Jahrzehnten abgehört
    WikiLeaks veröffentlicht Selektoren und Abhörprotokolle Kanzleramt und Regierung schon seit Jahrzehnten abgehört

    WikiLeaks_Chancellors_Men_CartoonWikiLeaks hat neue Details zur Überwachung der Bundesregierung durch die NSA veröffentlicht: All The Chancellor’s Men

    Today, Wednesday 8 July at 1800 CEST, WikiLeaks publishes three NSA intercepts of German Chancellor Angela Merkel, together with a list of 56 National Security Agency (NSA) target selectors for the Chancellor and the Chancellery. It lists not only confidential numbers for the Chancellor, but also for her top officials, her aides, her chief of staff, her political office and even her fax machine. The combined German NSA target lists released by WikiLeaks so far shows the NSA explicitly targeted for long-term surveillance 125 phone numbers for top German officials and did so for political and economic reasons, according to its own designations.

    The intercepts published today show that the most senior levels of the US Executive were appraised of Chancellor Merkel’s plans on how to respond to the international financial crisis and the Eurozone bank bailout. Her private views about Obama’s engagement with Iran were also intercepted as she spoke to the United Arab Emirates Crown Prince Shaykh Muhammad bin Zayid al-Nuhayyan.

    The target list includes almost two dozen targeted telephone numbers at the federal agency (German: Bundeskanzleramt) that serves the executive office of the Chancellor, surrounding the Chancellor in a web of surveillance. The intensive nature of US targeting around the Chancellor explains why the White House could easily commit to not targeting Angela Merkel personally in the future, but continues to refuse to make such a commitment for other members of the German government – the Chancellor cannot run the government by talking to herself.

    Dazu gibt’s 56 Selektoren und drei neue Abhörprotokolle.

    Der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hatte wieder vorab Zugriff auf die Daten und berichtet einmal in der Süddeutschen: Von Kohl bis Merkel – die NSA hörte mit

    Der amerikanische Geheimdienst NSA hat nach Informationen von Wikileaks über Jahrzehnte das Bundeskanzleramt abgehört. Betroffen waren neben der Regierung von Angela Merkel offenbar auch die Regierungen ihrer Vorgänger Gerhard Schröder und Helmut Kohl. Die Enthüllungsplattform veröffentlichte am Mittwochabend dazu Dokumente, die sie zuvor der Süddeutschen Zeitung sowie dem NDR und dem WDR zugänglich gemacht hatte.

    Ungewöhnlich an den neuen Unterlagen ist das Ausmaß des Lauschangriffs. Auf der Liste stehen insgesamt 56 Nummern, von denen etwa zwei Dutzend bis heute die aktuellen Nummern aus Merkels engster Umgebung sind. Darunter sind auch die Durchwahlen ihrer Büroleiterin und Vertrauten Beate Baumann, des Kanzleramtsministers Peter Altmaier und des für die Koordination der Geheimdienste zuständigen Staatssekretärs Klaus-Dieter Fritsche. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder ist unter „Parl Merkel Advisor Kauder“ aufgeführt. Ebenfalls auf der Liste steht die bis heute aktive Handynummer des früheren Kanzleramtsministers Ronald Pofalla. Ebenso findet sich dort Merkels bis mindestens Ende 2013 genutzte Handy-Nummer.

    Vor einigen Wochen stellte der Generalbundesanwalt ein Ermittlungsverfahren ein, weil sich nicht nachweisen lasse, dass die NSA Merkel abgehört habe. Von wann genau die jetzt von Wikileaks vorgelegte Liste stammt, ist nicht bekannt.

    Und auf Tagesschau: Kanzleramt schon seit Kohl-Ära im NSA-Visier

    Noch in der vergangenen Woche hatten der Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt, Günter Heiß, und der ehemalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) bei einer Befragung im NSA-Untersuchungsausschuss abgewiegelt. Auf die Frage, ob Merkels Handy abgehört worden sei, sagte Heiß, es gebe Indizien dafür. Es könne aber auch sein, dass ein Gespräch „zufällig“ abgehört worden sei, als ein „Beifang“ etwa bei einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Putin. Pofalla sagte, er halte es bis heute für nicht bewiesen, dass das Handy der Kanzlerin abgehört worden sei. Der „Spiegel“ hatte 2013 erstmals über diesen Verdacht berichtet.

    Wir sind gespannt, wie die Ausreden diesmal ausfallen.

    Update: Reaktionen haben wir hier gesammelt.

    8. Juli 2015 41
  • : Wir brauchen besser funktionierende Kontrollgremien und gesetzliche Rahmenbedingungen
    Now with a new internet surveillance department: Federal Office for the Protection of the Constitution. Image: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Stefan_Kühn">Stefan Kühn</a>. License: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de">BY-SA 3.0</a>.
    Wir brauchen besser funktionierende Kontrollgremien und gesetzliche Rahmenbedingungen

    Im Rahmen der Tagung des Netzwerkes Recherche fand eine Talkrunde mit dem Thema der Recherche zu Geheimdiensten, wie zum Beispiel NSA oder BND statt. Hierzu fanden sich der Präsident des BND, Gerhard Schindler, und die Journalisten Oliver Schröm, Georg Mascolo und Elmar Theveßen zusammen, moderiert wurde die Veranstaltung von Gudula Geuther.

    Das Gespräch begann mit einem Eingangsstatement des BND-Präsidenten Schindler. Darin führte er aus, dass er die Zusammenarbeit mit der NSA „okay“ fände und sprach sich für einen milderen Umgang mit seiner Behörde aus. Der BND würde seitens der Journalisten unfair behandelt werden, wenn beispielsweise Fragen per E‑Mail an Schindlers Behörde gestellt werden, wären diese Anfragen zeitlich so knapp begrenzt, dass es praktisch unmöglich sei, diese innerhalb der geforderten Zeit zu beantworten. Der BND müsse ja erst selbst intern zum angefragten Thema recherchieren und anschließend müsse dies dann noch vom Kanzleramt abgesegnet werden, bevor die Information veröffentlicht werden könne. Allerdings selbst wenn der BND etwas dementiere, würde dies, so Schindler, dann oft nicht gedruckt. Dies würde die schöne Story kaputt machen. Er wünsche sich einen respektvolleren Umgang miteinander.

    Zu einem respektvollen Umgang gehört aber wohl auch, dass die Bundesregierung Journalisten nicht schütze. Mascolo ist der Meinung, dass die Kontrollgremien versagt haben. Der BND könne nicht einfach so Journalisten überwachen. Er glaube nicht, dass es je Zeiten gegeben habe, in denen es so viel Wut innerhalb der Regierung über die Arbeit der Journalisten gegeben hätte. Er mahnte aber auch zur Zurückhaltung, man müsse bei weitem nicht jedes Geheimnis einer Regierung publizieren, es sei wichtig, sich immer die Frage danach zu stellen, ob es ein öffentliches Interesse daran gäbe.

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    Theveßen zieht den Bogen zur NSA-Affäre und sieht einen möglichen Grund hierfür darin, dass die Berichterstattung seit dem 11. September zunehmend von Emotionalität dominiert werde. Man habe aufgrund der Schmach, dass einige Täter aus Deutschland kamen bzw. in Deutschland lebten, bereitwillig alle verfügbaren Daten bereitgestellt. Die Bush-Administration habe der damaligen Bundesregierung einen 20-Punkte-Plan vorgelegt, in dem auch der Zugriff auf Behörden gefordert wurde, auch auf regionaler Ebene. Die einzige Gegenleistung wäre gewesen, dass man warnen würde, falls ein Terroranschlag drohe.

    Schindler widersprach dem und sagte, dass der BND sehr wohl Journalisten schütze. Er erinnere sich daran, selbst in Redaktionen angerufen zu haben und dazu angeraten habe, Journalisten aus diesen Regionen abzuziehen. Namentlich nannte der BND-Präsident hier Ägypten, den Irak oder Aleppo (Syrien). Er wünsche sich eben mehr Kooperation mit den Journalisten. Schröm ist hier anderer Meinung. Zu viel Nähe sei nicht gut, man kann ja wohl kaum nur die offiziellen Weg gehen, Recherche sei ja etwas anderes.

    Auch für Theveßen ist dies von Wichtigkeit. Nur wenn man eine kritische Masse in der Faktenlage erreicht habe, könne man tatsächlich unabhängig über etwas berichten. Wir hätten ein gewisses Mantra in der Politik und Berichterstattung entwickelt, dass Menschenleben immer zu jedem Preis gerettet werden sollen. Wenn man dies lange genug höre, würde man automatisch anfangen, jedes Mittel zu heiligen. Man müsse sich dann nicht mehr wundern, wenn Sicherheitsbehörden aktiv wegschauen oder sich sogar direkt an illegalen Aktionen beteiligen würden.

    Eine Publikumsfrage kritisierte Schindlers Aussage, dass Journalisten nicht akzeptieren könnten, dass Geheimdienste im Geheimen arbeiten. Vielmehr sei es so, dass der BND gegen bestehendes Recht verstoße. Beispielsweise sei die Veras-Datenbank eine Vorratsdatenspeicherung ohne gesetzliche Grundlage, der BND betreibe diese trotzdem.

    Schindler verteidigte sich und seine Behörde damit, das sie nicht gegen bestehendes Recht verstoßen würden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für den BND seien das BND-Gesetz und das G10-Gesetz, Veras verstoße hiergegen nicht. Allenfalls verstoße dies gegen das Datenschutzrecht, und hier sei dann zu prüfen, ob es sich um einen formalen oder ein inhaltlichen Verstoß handle. Die Datenschutzbeauftragte des Bundes habe dies geprüft und sei zu dem Befund gekommen, dass eine Anordnung für Vera fehle. Für Schindler ist dies kein inhaltliches Problem. Es gäbe ja auch in anderen Behörden Probleme, die der Datenschutzbeauftragte festgestellt habe.

    Für Mascolo funktioniere vor allem die parlamentarische Kontrolle nicht, ebenfalls vermisst er eine konkrete Gesetzgebung. Dies führe zu einer zunehmend härter werdenden Auseinandersetzung, die zumindest das Bundesamt für Verfassungsschutz mit Strafanzeigen austrägt. Weiter wiederholte Mascolo die Unabdingbarkeit von klaren gesetzlichen Regelungen und funktionierenden parlamentarischen Kontrollgremien. Schindler schließt sich dieser Forderung an, er wolle aber keine zusätzlichen Befugnisse für seine Behörde, sondern lediglich klare Richtlinien für die bestehenden Befugnisse. Allerdings konnte er sich hier zumindest ein Teilgeständnis abringen, dass sich seine Behörde in der Vergangenheit an der Grenze des Erlaubten bewegt habe. Theveßen wünscht sich außerdem eine Möglichkeit des formalen Protests für den BND gegenüber Anweisungen aus dem Bundeskanzleramt.

    Zum Ende der Gesprächsrunde mahnte Mascolo aber auch die Journalisten zur Zurückhaltung, etwa die Hälfte von dem, was über die NSA/BND-Affäre geschrieben worden sei, habe sich im Nachhinein als unzutreffend herausgestellt. Wenn wir als Journalisten unsere Glaubwürdigkeit verteidigen wollen würden, hätten wir eine Verpflichtung gegenüber dem Publikum, so Mascolo. Man müsse dem Publikum offen sagen, wenn man sich geirrt habe, und diese Information solle von einem selbst bereitgestellt werden und nicht durch Dritte.

    8. Juli 2015 6
  • : Wikileaks veröffentlicht 29 Telefonnummern brasilianischer Regierungs- und Finanzvertreter, die durch die NSA überwacht wurden
    Wikileaks veröffentlicht 29 Telefonnummern brasilianischer Regierungs- und Finanzvertreter, die durch die NSA überwacht wurden

    29 Telefonnummern wichtiger brasilianischer Regierungsmitglieder, Diplomaten und Repräsentanten standen auf einer Beobachtungsliste der NSA, die Wikileaks am 4. Juli veröffentlicht hat. Darunter die Präsidentin Dilma Rousseff und ihre direkten Mitarbeiter, der Finanzminister sowie der Vorstand der Zentralbank.

    Passenderweise kommt die Enthüllung einen Tag, nachdem Rousseff von einer Reise zu US-Präsident Barack Obama zurückgekehrt war – die erste nach zwei Jahren des Ärgers über die Enthüllungen, dass das brasilianische Energieministerium, die nationale Ölbehörde sowie die Energiekonzerne Petrobras und Eletrobras im Visier der NSA standen.

    Die neuen Enthüllungen untermauern das und dürften die Spannungen zwischen den Ländern wieder verstärken, denn die Leugnungen von Wirtschaftsspionage durch die NSA wirken immer absurder – wenn das überhaupt noch möglich ist.

    Drei Tage vorher hat Wikileaks 69 Telefonselektoren veröffentlicht, die gegen deutsche Regierungsziele gerichtet sind. Auch in diesen finden sich auffällig viele Repräsentanten aus Wirtschafts- und Finanzinstitutionen.

    6. Juli 2015 3
  • : Neues Überwachungsprotokoll geleakt: NSA hörte Gespräche des Kanzleramtes ab
    Neues Überwachungsprotokoll geleakt: NSA hörte Gespräche des Kanzleramtes ab

    Die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht weiter Dokumente, die zeigen, wie europäische Politiker von US-Diensten abgehört werden. Am heutigen Freitag wurde das Protokoll eines abgefangenen Telefonates veröffentlicht, das zwischen dem Abteilungsleiter für EU-Angelegenheiten im Kanzleramt, Nikolaus Meyer-Landrut und einem Berater des damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy stattfand. Im Gespräch ging es um einen geplanten EU-Vertrag zur Bekämpfung von Finanzkrisen. Meyer-Landrut erwähnte die Verärgerung Schwedens über eine Blockadehaltung Großbritanniens.

    Verantwortlich für das Abhören ist vermutlich der Special Collection Service (SCS), eine Spezialeinheit von NSA und CIA, die sich mit Abhörmaßnahmen unter schwierigen Voraussetzungen befassen – etwa in Nicht-US-Regierungsgebieten.

    SCS steht auch im Verdacht, das Kanzlerinnenhandy abgehört haben, was bisher jedoch nicht bestätigt werden konnte. In einem veröffentlichten Protokoll zu einem Telefonat Merkels mit einem persönlichen Assistenten, dass Wikileaks zuvor veröffentlichte, findet sich zumindest kein expliziter Hinweis auf SCS. Es ist auch unklar, ob das jüngste publizierte Telefonat am Kanzleramt oder beim französischen Kommunikationspartner abgehört wurde.

    3. Juli 2015 10
  • : Mehr Details über den Aufbau und die Funktionen der Überwachungssuchmaschine XKeyscore veröffentlicht
    Screenshot einer bei netzpolitik gespiegelten Präsentation zu XKeyscore
    Screenshot einer NSA-Präsentation zu XKeyscore.
    Mehr Details über den Aufbau und die Funktionen der Überwachungssuchmaschine XKeyscore veröffentlicht

    The Intercept hat in einer zweiteiligen Artikelreihe 48 neue Dokumente zu dem Überwachungsprogramm XKeyscore veröffentlicht. Wir haben die mal gespiegelt und in ein Archiv zusammengepackt (Achtung >800MB). Die ersten Enthüllungen über XKeyscore – die „Googlesuche der NSA“ – gab es bereits zu Beginn der Snowden-Enthüllungen im Juli 2013.

    Mit XKeyscore hat die NSA ein System erschaffen, mit dem sie ihre gewaltigen Datenberge durchsuchen kann – E‑Mails, Chatprotokolle oder Internetaktivitäten, Metadaten und Inhalte, gefiltert nach Namen, Telefonnummern, IP-Adressen, Browsertyp und vielem mehr. Ohne jegliche Kontrolle oder Aufsicht. Auf einem Cluster aus über 700 Server an 150 Standorten in verschiedenen Ländern wird sämtlicher Datenverkehr, der an Glasfaserkabeln abgeschnorchelt wurde, für gewisse Zeit gespeichert und durchsuchbar gemacht. Mit einer Nutzeroberfläche, die erstaunlich übersichtlich und bedienbar anmutet.

    Die neuen Dokumente, die bis ins Jahr 2013 hineinreichen, zeigen uns, dass beim Durchsuchen von Mails, Chats und Internetaktivitäten noch lange nicht Schluss ist. Quasi alles wird gespeichert, kategorisiert und durchsucht. Dazu gehören:

    [P]ictures, documents, voice calls, webcam photos, web searches, advertising analytics traffic, social media traffic, botnet traffic, logged keystrokes, computer network exploitation (CNE) targeting, intercepted username and password pairs, file uploads to online services, Skype sessions and more.

    Uns wird auch gezeigt, dass sich die NSA zahlreicherer Möglichkeiten bedient, einen Nutzer zu verfolgen und seine Datenspuren zu einem Bild zusammenzufügen, als bisher bekannt. Nicht nur anhand der IP-Adresse wird getrackt, die NSA greift auch auf die Cookies kommerzieller Anbieter zurück und lässt diese so einen Teil der Verfolgungsarbeit erledigen, ganz ohne dass diese es merken. XKeyscore kann außerdem als Hacking-Tool benutzt werden, denn Passwörter und Zugangsdaten können abgefragt werden, ebenso wie „verwundbare“ Geräte. Und auch die Überwachungsergebnisse anderer werden von XKeyscore genutzt, sobald die NSA es geschafft hat, deren Instrumente zu analysieren. Es wird also wo es geht, Überwachungsarbeit an andere ausgelagert.

    Um aus einer so inhomogenen Masse an Daten, wie sie durch XKeyscore zusammenkommen, sinnvolle Erkenntnisse zu generieren und aussagekräftige Abfragen tätigen zu können, müssen die Daten auf vielfältige Arten und Weise verarbeitet, analysiert und kategorisiert werden:

    For example, the system automatically detects if a given piece of traffic is an email. If it is, the system tags if it’s from Yahoo or Gmail, if it contains an airline itinerary, if it’s encrypted with PGP, or if the sender’s language is set to Arabic, along with myriad other details.

    Dazu bedient sich der Geheimdienst getaggten Inhalts- und Metadaten in hierarchischen Verzeichnisstrukturen. So wäre eine PGP-verschlüsselte Nachricht mit dem Fingerprint „encryption/pgp/message“ versehen. Laut einer Präsentation aus dem Jahr 2010 enthielt XKeyscore zu jenem Zeitpunkt bereits 10.000 solcher AppIDs (für das Kommunikationsprotokoll) und Fingerprints (für Arten von Inhalt). Und falls das gewünschte noch nicht dabei gewesen sein sollte, „kannst du einfach deinen eigenen erstellen!“ Falls einfache Regeln zum Sortieren des eingehenden Datenverkehrs nicht ausreichen sollten, kann der erfahrene Nutzer C++-Plugins mit komplexeren Filtern selbst in das System integrieren.

    Der Aufbau des XKeyscore-Systems besteht laut einer Erklärung von The Intercept aus Red-Hat-Servern, auf denen ein Apache Web Server läuft und auf denen die Daten in MySQL-Datenbanken gespeichert werden – ein gewöhnlicher Open-Source-Stack also und keine Spezialsysteme. Die Analysten greifen über ganz normale Browser – „Internet Explorer wird nicht unterstützt“ – auf das System zu. Der Unterschied zu einer herkömmlichen Suchmaschine erscheint immer kleiner.

    The Intercept zitiert John Adams, einen früheren Sicherheitsingenieur bei Twitter, der den schlechten Aufbau des Systems kritisiert. XKeyscore habe einige Sicherheitsmängel. So gebe es einen geteilten Administratorenaccount, sodass einer aus der Gruppe der Administratoren Änderungen vornehmen könne, die nicht auf ihn direkt zurückgeführt werden könnten. Administratoren können auch SQL-Anfragen direkt an die Datenbank stellen, die nicht wie die Suchen über das Nutzerinterface aufgezeichnet werden. Womit vollständig unnachweisbar wird, ob nicht doch die Daten von US-Personen angefragt werden – die offiziell rechtlich vor diesem Zugriff geschützt wären. Am Ende wundert sich John Adams, wie die NSA mit einem „so schlecht designten System“ so viel Erfolg haben konnte.

    Nicht nur die NSA hat Zugriff auf XKeyscore, auch andere Regierungen werden für ihre Zusammenarbeit mit dem Zugriff auf die Überwachungssuchmaschine belohnt. Darunter natürlich die Mitglieder der Five Eyes, aber auch „die deutschen Dienste liegen mit den Amerikanern im Bett“. Und die freuen sich sicherlich auch über jedes neue Feature und jede Verbesserung, die von der NSA an XKeyscore durchgeführt wird. Denn mittlerweile sind die Informationen, die wir über das Programm haben, mindestens zwei Jahre alt. Und in diesen zwei Jahren dürfte viel passiert sein, von dem wir noch nichts wissen.

    3. Juli 2015 5
  • : Kanzleramt bestellt US-Botschafter ein
    Kanzleramt bestellt US-Botschafter ein

    Laut FAZ hat Kanzleramtschef Peter Altmaier den US-Botschafter John B. Emerson zum Gespräch ins Kanzleramt einbestellt, nachdem gestern Wikileaks in neuen Enthüllungen auf eine größere Überwachung der Bundesregierung durch US-Geheimdienste berichtete als bisher über das Kanzlerinnen-Handy hinaus bekannt war.

    Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) hat, wie die F.A.Z. erfuhr, den amerikanischen Botschafter John B. Emerson am Donnerstag zu einem umgehenden Gespräch ins Kanzleramt gebeten. Er will dabei Aufklärung über die abgehörten Gespräche der Bundeskanzlerin und Mitarbeitern des Kanzleramts durch den amerikanischen Geheimdienst NSA erhalten, über die die Plattform Wikileaks berichtet hatte.

    Update: Offensichtlich ist das nur ein nettes kurzfristiges Kaffeekränzchen und es handelt sich nicht um eine konkrete diplomatische „Einbestellung“.

    Update: Kommentar von Extra3 dazu (inkl. Name falsch geschrieben).

    extra3 on Twitter: "#Altmeier bestellt den US-Botschafter ein. Praktisch: Dafür muss man im Kanzleramt ja nicht mal zum Telefon greifen. #NSAUA" 2015-07-02 14-51-46

    2. Juli 2015 9
  • : Verfassungsschutz: US-Plattformen nutzen Sie inklusive NSA-Überwachung auf eigene Gefahr
    Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen stellte sich dem Rechtsausschuss, sieht bei sich aber keine Schuld in der Landesverrats-Affäre.
    Verfassungsschutz: US-Plattformen nutzen Sie inklusive NSA-Überwachung auf eigene Gefahr

    maaßen_bpkAm Montag wurde in der Bundespressekonferenz der Verfassungsschutzbericht vorgestellt. Innenminister Thomas de Maiziere und der Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen wurden dabei auch zur NSA-Spionage befragt, die in dem Bericht keine wirkliche Rolle spielte.

    Interessant waren dabei vor allem zwei Punkte: Maaßen sieht immer noch keine Anhaltspunkte für eine NSA-Spionage in Deutschland. Unklar ist, ob die aktuellen Enthüllungen von Wikileaks einen konkreten Anfangsverdacht bedeuten und wenn nicht, was eigentlich sonst noch leaken müsste, bis man das nicht mehr Verneinen kann.

    Und dann gab es zwei Statements von Maaßen, die eindeutig so gelesen werden können, dass der Verfassungsschutz klar vor der Nutzung von US-Plattformen warnt, die u.a. durch das PRISM-Programm Schnittstellen zu den US-Geheimdiensten haben, und die mit ihrem Sitz in den USA auch eindeutig US-Gesetzen unterliegen (wofür sich wiederum der Verfassungsschutz nicht zu interessieren scheint).

    1:00

    Hans-Georg Maaßen: Ich mag dazu nur sagen, dass sich die bisherige Diskussion darum gedreht inwieweit die NSA in Deutschland gegen deutsches Recht verstößt und Daten von deutschen Bürgern auswertet. Dafür haben wir keine Anhaltspunkte. Ich habe wiederholt auch, ob es nun Industrie- oder Wirtschaftsvertreter sind, auch Staatsanwaltschaften darum gebeten, uns Informationen dazu zur Verfügung zu stellen, wenn es so etwas gibt, damit wir dies auch in unsere Bewertung aufnehmen können. Wir haben dazu keine Information. Und das was in den Medien bisher berichtet worden ist, hat sich bisher für uns nicht bestätigen lassen. Als Ergänzung: Was die Amerikaner in Amerika mit deutschen Daten machen, die von den Deutschen freiwillig dort hingegeben werden und amerikanischem Recht unterliegen, ist nicht Aufgabe des Verfassungsschutzes, dies zu überprüfen.

    […]

    2:50

    Hans-Georg Maaßen: Sie behaupten immer „NSA-Spionage“. Sie wissen selbst, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen in dieser Angelegenheit mit Blick eben auf das Kanzlerinnenhandy nicht dahin gebracht hat, dass es zu einem Ermittlungsverfahren, zur Anklageerhebung gekommen ist. Wir haben bisher keine Anhaltspunke dafür, das in Deutschland die NSA spioniert. Was in den USA auf amerikanischen Rechnern mit deutschen Daten stattfindet, ist letztendlich nicht unsere Aufgabe.

    Spannend wäre es natürlich zu wissen, wie der Verfassungsschutz mit der Argumentation den Einsatz des US-Unternehmens Cloudflare bewertet, dessen Dienste momentan der Deutsche Bundestag einsetzt. Immerhin nutzt der Deutsche Bundestag die Dienste von Cloudflare freiwillig.

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    2. Juli 2015 9