Linkschleuder

Laura Poitras: „Ich möchte wissen, warum der Staat mich heimlich zum Ziel von Beobachtungen macht“

Laura Poitras hat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ein sehr lesenswertes Interview gegeben: Amerikas Politik schafft Terror und Chaos.

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Die Filmemacherin und Oscar-Preisträgerin (Citizenfour) Poitras verklagt die US-Regierung auf Zugang zu Informationen darüber, warum sie jahrelang bei insgesamt über neunzig Grenzübertritten immer wieder durchsucht und befragt wurde. Sie erklärt im Interview ihre Entscheidung, juristische Schritte einzuleiten:

Ich habe vor mehr als einem Jahr zahlreiche Anfragen eingereicht, wie sie unser Gesetz zur informationellen Selbstbestimmung, der „Freedom of Information Act“, vorsieht. Die amerikanische Regierung hat meine Fragen, die zu beantworten sie gesetzlich verpflichtet ist, nicht beantwortet. Deshalb habe ich mich für den nächsten Schritt, die Klage vor Gericht, entschieden. […] Ich möchte wie sie wissen, warum der Staat mich heimlich zum Ziel von Beobachtungen macht.

Poitras wird zu den Überwachungsprogrammen der Geheimdienste, zu Beobachtungslisten, Kontrollen an Grenzen und Menschenrechten befragt und spricht über ihre Erwartungen an einen Rechtsstaat mit garantierter Meinungsfreiheit. Über die höchstwahrscheinlich über sie existierende BND-Akte sagt sie, dass sie später auch gern mal darin Einblick nehmen würde.

Befragt zu ihrer Einschätzung über die Richtung, die in den Vereinigten Staaten politisch eingeschlagen wurde, kommt die US-Amerikanerin Poitras zu einem insgesamt pessimistischen Ergebnis, betont aber die Wichtigkeit der Möglichkeit, Kritik frei äußern zu können:

Trotz der ernsten Bedenken, die ich habe, wenn ich darüber nachdenke, in welche Richtung sich mein Land bewegt: Wir haben immer noch die Freiheit der Rede. Anders als viele andere Länder, in denen Journalisten um ihr Leben bangen müssen, wenn sie die Wahrheit öffentlich machen. Ich hätte diese Fragen nicht beantworten können, wenn ich nicht diese Freiheit hätte.

Das sollten wir uns immer mal wieder vergegenwärtigen. Denn hinzuzufügen wäre vielleicht noch, dass man diese Freiheit der Rede auch ausüben muss. Rechte, die man nicht auslebt, gehen nach und nach ein wie eine Pflanze, die man zu wenig gießt.

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12 Kommentare
  1. Was wir erleben ist ein Krieg gegen Journalisten mit allen Mitteln. Selbstverständlich werden auch auf den Selektorenlisten Journalisten zu finden sein. Deswegen werden diese Listen auch nie öffentlich.
    Poitras Kollege JEREMY SCAHILL:

    „Well, I mean, look, all of us that are doing this kind of reporting—you know, and I read in the report, my colleague Adam Goldman, who’s a fantastic reporter at The Washington Post, said, you know, we’re forced to sort of act like we’re spies. And we’re not spies. We’re journalists. And we shouldn’t be forced to do all this. But there’s a war on journalism around the world, and in some countries it comes in the form of journalists being murdered. Here, it comes in the form of our communications being surveilled, phone records being seized, our communications being monitored.“

    http://www.democracynow.org/2014/7/29/mass_us_surveillance_targeting_journalists_and

    Und was in den USA passiert wird auch in Deutschland praktiziert werden.

  2. Komplett am Thema vorbei, aber:
    Ist der Film Citizenfour mittlerweile „freigegeben“, also darf er getauscht werden? Oder warum die Verlinkung auf Pirate Bay?

    1. Das habe ich mich auch gefragt. Aber auch egal, ich werde trotzdem die Blu-Ray kaufen. Jeder soll für seine Arbeit auch angemessen entlohnt werden. Mit dem Oscar und all den anderen Auszeichnungen lässt sich vermutlich schwer die Miete bezahlen.

    2. Mir ging es eher um das „was hat der Link hier zu suchen, wenns illegal ist“ und nicht um Möglichkeiten, wie man den Film gegen Geld schauen kann. Das ist diese gibt (und man die Arbeit auch würdigen sollte) ist mir klar.

  3. Schönes Interview.

    „Aber gewählte Amtsinhaber sollten zur Verantwortung gezogen werden.“

    Das wäre doch mal was.

    „Es ist eine nationale Schande, dass die Vereinigten Staaten nach dem 11.September Entführungen und die Folterprogramme ins Werk gesetzt haben. Es ist eine nationale Schande, dass Guantánamo immer noch nicht geschlossen wurde und dass die Menschen, die dort inhaftiert sind, seit dreizehn Jahren auf ihre Anklage warten. Die Vereinigten Staaten sind auf der falschen Seite der Geschichte gelandet, und ich hoffe, dass die Deutschen und die anderen Verbündeten internationalen Druck auf Amerika ausüben, damit diese Politik ein Ende hat.“

    Poitras ist international viel unterwegs und hat in Berlin gelebt. Mir ist wirklich schleierhaft, wo sie Ansatzpunkte für diese Hoffnung gefunden zu haben meint. Das ist bar jeder Realität.

    1. Wohl wahr. Aber er trat nicht wegen der VDS zurück, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass er in den ihm verbleibenden Domänen eine noch lautere Propaganda betreibt.

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