EU

  • : Europarat: Provider sollen für Internet-Inhalte geradestehen
    Europarat: Provider sollen für Internet-Inhalte geradestehen

    Heise berichtet über eine Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, wonach Provider für Internet-Inhalte geradestehen sollen.

    Die Parlamentarische Versammlung des Europarates (PACE) fordert ihre Mitgliedsstaaten in einer Resolution zur Förderung eines kinderfreundlichen Internets dazu auf, Internet-Provider für illegale Inhalte im Internet stärker in die Verantwortung zu nehmen. Dies soll unabhängig davon geschehen, ob diese Inhalte von Drittfirmen oder Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Möglicherweise sei die Abfassung eines neuen Zusatzprotokolls zum Cybercrime-Abkommen des Europarates möglich, heißt es in der fast einstimmig von den Parlamentariern der 47 Mitgliedsstaaten verabschiedeten Resolution.

    In der Resolution steht vieles richtiges, aber auch manches bedenkenswertes, wie dieser Artikel, den Heise genannt hat:

    16.6. initiate work towards ensuring greater legal responsibility of Internet service providers for illegal content, whether or not this originates from third parties or users; this work may require the drafting of a new additional protocol to the Convention on Cybercrime;

    Die Leitlinie ist, dass man ein Kinderfreundliches wünscht, am Besten mit Altersbeschränkung zu vielen Inhalten. Es wird zwar auch explizit gesagt, dass freiwillige Filtersysteme auf den Computern dies ermöglichen, aber einige andere Formulierungen rücken die Forderungen in die Nähe von Zensursula-Phantasien.

    30. September 2009 16
  • : Telekom-Paket: Keine Netzneutralität in weiteren Verhandlungen
    Telekom-Paket: Keine Netzneutralität in weiteren Verhandlungen

    Die 27 EU-Abgeordneten im Vermittlungsausschuss zum Telekom-Paket haben sich heute getroffen, um die Verhandlungen mit dem EU-Rat vorzubereiten. Dabei wurden leider unsere Vorschläge nicht angenommen, im Rahmen des Vermittlungen nochmal den Punkt Netzneutralität aufzunehmen. Der Vermittlungsausschuss hat die Forderung der Grünen/Piraten-Fraktion abgelehnt und möchte nur den umstrittenen §138 verhandeln. Bei dieser Frage wurde auch in der zweiten Lesung im EU-Parlament kein Kompromiss gefunden. Konkret geht es um die Frage, ob Internetsperrungen bei Urheberrechtsdelikten im Telekom-Paket erlaubt werden oder ob die fundamentalen Rechte der Bürger höher wiegen.

    Unsere Kritik war, dass man dies nicht ohne das Thema Netzneutralität richtig klären kann und deswegen der zwiete umstrittene §166 aus dem Telekom-Paket neu verhandelt wird. Hier hatte sich das EU-Parlament in erster Lesung für klare Netzneutralitäts-Regeln ausgesprochen, aber in der zweiten Lesung dies zugunsten von Lobbyvorschlägen aus der Telko-Industrie massiv verwässert.

    Die schwedische PIratenpartei hat dazu schon eine kurze PM veröffentlicht: Only the Pirate Party and the Greens stand up for the internet users’ rights.

    „It gets strange when you just want to discuss one little detail about Internet users’ rights. Everything is connected. Now, if there will be a negotiation, it is not tactical of the Parliament to limit their own room for maneuver. The important thing here is that the parliament really sticks to its line from the previous reading. The protection of network users’ rights must not be replaced with a compromise. Rule of law is not something to compromise“, says Swedish MEP Christian Engstrom.

    28. September 2009 13
  • : Neuer Statewatch-Bericht: NeoConOpticon
    Neuer Statewatch-Bericht: NeoConOpticon

    Die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch hat einen neuen Report zusammen mit dem Transnational Institute zum Sicherheitsindustriellen Komplex der EU herausgegeben: NeoConOpticon (PDF).

    „Despite the often benign intent behind collaborative European ‘research’ into integrated land, air, maritime, space and cyber-surveillance systems, the EU’s security and R&D policy is coalescing around a high-tech blueprint for a new kind of security. It envisages a future world of red zones and green zones; external borders controlled by military force and internally by a sprawling network of physical and virtual security checkpoints; public spaces, micro-states and ‘mega events’ policed by high-tech surveillance systems and rapid reaction forces; ‘peacekeeping’ and ‘crisis management’ missions that make no operational distinction between the suburbs of Basra or the Banlieue; and the increasing integration of defence and national security functions at home and abroad. It is not just a case of “sleepwalking into” or “waking up to” a “surveillance society”, as the UK’s Information Commissioner famously warned, it feels more like turning a blind eye to the start of a new kind of arms race, one in which all the weapons are pointing inwards. Welcome to the NeoConOpticon.“

    Die Pressemitteilung: Defence industry dominates EU’s security research programme (pdf).

    24. September 2009 4
  • : Telekom-Paket-Aktion: Farbe bekennen!
    Telekom-Paket-Aktion: Farbe bekennen!

    Das ist eine deutsche Übersetzung eines Textes der schwedischen Initiative Telecomix zur Mobilisierung im Rahmen der letzten Verhandlungsrunde zum EU-Telekom-Paket. Die englische Originalversion findet sich hier.

    Aktion: Farbe bekennen!

    „Wir rufen die Mitglieder des Parlaments dazu auf, im Rahmen der derzeitigen Verhandlungen über das Telekom-Paket entschieden für ein freies, offenes und innovatives Internet einzutreten und die grundlegenden Freiheiten der Bürger Europas zu bewahren.“ – 26 führende Internet-Bürgerrechtsorganisationen in einem offenen Brief an das Europaparlament

    Auftrag

    Wir befinden uns jetzt in den Schlussverhandlungen des Telekom-Paketes. Gemeinsam haben wir vieles erreicht und nun nähern wir uns dem Ende. Wir rufen dich dazu auf, im Vorfeld der dritten Lesung des Vermittlungsausschusses Präsenz zu zeigen, um deinen kritischen Standpunkt in Bezug auf die folgenden Punkte einzubringen.

    Dieser Wegweiser wird dir einige Möglichkeiten aufzeigen, das Telekom-Paket zu einem öffentlichen Thema zu machen. Behalte diese Seite im Auge, denn sie wird in Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen immer wieder ergänzt werden!’

    Am Montag (Abend),den 28. September, werden sich die Mitglieder des Vermittlungsausschusses das erste Mal zusammenfinden – und schon dieses erste Treffen wird den grundsätzlichen Kurs der dritten Lesung bestimmen. Wir müssen also vorher handeln!

    23. September 2009 6
  • : Telekom-Paket-Unterhändler wechselt zu AT&T
    Telekom-Paket-Unterhändler wechselt zu AT&T

    Manchmal fragt man sich, warum politische Entscheidungen zustande kommen. Und dann ist alles ganz einfach. In der Debatte über Netzneutralität rund um die zweite Lesung des EU-Telekom-Paketes gab es vor allem einen sehr einflußreichen Player: Das US-Unternehmen AT&T. Nachdem der Kampf um Netzneutralität mit dem Sieg von Barack Obama für die US-Telcos verloren war (Wie man aktuell sehen kann), investierte vor allem AT&T eine Menge Lobby-Ressourcen, um wenigstens Europa in Schach zu halten. In der ersten Lesung zum Telekom-Paket hatte das EU-Parlament überraschenderweise ein starkes Bekenntnis für Netzneutralität abgegeben. Mit den Lobby-Ressourcen von AT&T konnte diese Entscheidung leider in der zweiten Lesung umgedreht werden. Der Netzneutralitäts-Paragraf wurde entschärft und wenig überraschend durch einen fest Wort-gleichen Paragrafen ersetzt, den AT&T vorgeschlagen hatte.

    Vor allem die tschechische Regierung kümmerte sich im EU-Rat um die Interessen von AT&T & Co. Vor einigen Tagen wurde dann klar, warum sie dies machte. Der Vorsitzende der „Telecom Working Group“ im EU-Rat und verantwortlich für die Verhandlungen mit dem EU-Parlament, der tscheche Filip Svab, ist zu AT&T gewechselt. Dort ist er nun Lobbyist und bekommt den Titel „External Affairs Director“ für Zentral- und Osteuropa. Und dort wird er sich weiterhin mit seinen Kontakten und Wissen dafür einsetzen, dass wir keine starken regeln für Netzneutralität in Europa erhalten. Mehr zum Hintergrund findet sich bei Iptegrity.com: EU negotiator lands top job in AT&T.

    Was damit nur indirekt zu tun hat: Hier gibt es die Präsentation von T‑Mobile während eines EU-Meetings, wo sich T‑Mobile gegen Netzneutralität auspricht.

    22. September 2009 8
  • : Petition für Netzneutralität in der EU
    Petition für Netzneutralität in der EU

    Es gibt jetzt eine EU-weite Petition für den Erhalt der Netzneutralität in Europa: euopeninternet.eu. Die könnt Ihr zeichnen und weiterverbreiten. (Danke an Vera, Matthias und Thorsten für die deutsche Übersetzung!)

    Am 21. September hat der Vorsitzende der US-Regulierungsbehörde FCC, Julius Genachowski, Grundsätze für ein offenes Internet formuliert. Gleichzeitig stehen in Europa wichtige Entscheidungen an, die die Zukunft des offenen Internets betreffen. Angesichts dieser Entwicklungen haben wir diese Petition formuliert. Wenn Ihr ebenso wie wir daran glaubt, dass Europa ein offenes und freies Internet gemäß den folgenen Prinzipien verdient, zeichnet diese Petition bitte mit und gebt sie an Eure Freunde weiter.

    1. Internetbenutzer haben das Recht, auf Inhalte ihrer Wahl zuzugreifen, sie zu senden und zu empfangen.
    2. Internetbenutzer haben das Recht, Anwendungen und Dienste ihrer Wahl zu benutzen und auszuführen.
    3. Internetbenutzer haben das Recht, Hard- und Software ihrer Wahl zu nutzen, wenn sie das Netz nicht schädigt.
    4. Internetbenutzer haben das Recht, gemäß den Prinzipien des freiem Markt zwischen Netzwerk‑, Anwendungs‑, Service- und Inhalte-Anbieter zu wählen.
    5. Internetbenutzer haben das Recht auf diskriminierungsfreien Zugang zum Internet. Weder dürfen bestimmte Anwendung oder Dienste blockiert werden, noch dürfen bestimmte Sender oder Empfänger vom freien Datenverkehr ausgeschlossen werden. Provider dürfen nicht bestimmte Dienste behindern oder sperren, noch dürfen sie bestimmte Inhalte oder Anwendeungen bevorzugen. Insbesondere dürfen sie nicht Dienste blockieren, die in Konkurrenz zu ihren eigenen Serviceleistungen stehen.
    6. Internetnutzer haben ein Recht auf einen Anschluss mit festgelegtem Datendurchsatz und ebensolcher Qualität. Die Provider müssen offen darlegen, wie sie den Netzwerk-Verkehr verwalten.

    Diese Prinzipien sollen in europäisches und nationales Recht integriert und von den zuständigen Behörden europaweit einheitlich durchgesetzt werden.

    Englischer Originaltext:

    22. September 2009 44
  • : Zensursula-Evaluation für die Katz?
    Zensursula-Evaluation für die Katz?

    Ein Gedanke der mir heute nochmal kam bezüglich der „ach so tollen“ Zensursula-Netzzensur-Infrastruktur-Evaluation, was die SPD als ihren großen Verhandlungserfolg verkauft: Das könnte alles für die Katz sein! Das Thema wird jetzt mit dem „Erfolgsmodell Deutschland“ auf die EU-Ebene verlagert, wo dann eine entsprechende Richtlinie bei entstehen wird. Und Deutschland wird dann die Evaluation mit Hinweis auf veränderten Rahmenbedingungen durch die EU-Richtlinie ganz schnell beerdigen. Vielleicht nur ein Worst-Case, oder?

    Die Evaluation hab ich schon zu einem früheren Zeitpunkt als relativ unnütz bezeichnet, weil in der Regel Gründe gefunden werden, alles so zu belassen, wie es geschaffen wurde. Der Gedanke mit der EU-Ebene kam mir eben.

    21. September 2009 21
  • : Telekom-Paket: Vier deutsche EU-Abgeordnete im Vermittlungsausschuss
    Telekom-Paket: Vier deutsche EU-Abgeordnete im Vermittlungsausschuss

    Vor 11 Tagen hatten wir über die Vorbereitungen für die dritte Lesung im EU-Telekom-Paket berichtet. Ein Vermittlungsausschuss, bestehend aus jeweils 27 Repräsentanten des EU-Ministerrats und des EU-Parlaments verhandeln ab demnächst hinter verschlossenen Türen über das Schicksal des offenen, freien und neutralen Internets innerhalb der EU. Die 27 EU-Abgeordneten stehen jetzt fest. Dabei sind auch vier aus Deutschland. Die deutschen Politiker im Vermittlungsausschuss sind:

    Angelika NIEBLER, CDU (32,7), Herbert REUL, CDU (23,2), Matthias GROOTE, SPD (54,6) und Silvana KOCH-MEHRIN, FDP (33,6).

    La Quadrature du Net ermittelt immer fleissig bei Internet-relevanten Abstimmungen im EU-Parlament einen Wert für das Political Memory. (Bisher wurden u.a. Telekom-Paket, Softwarepatente und IPRED2 in den Wert einbezogen) So kann das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten in Internetfragen transparent nachvollzogen werden. Das sind die Zahlen hinter den Namen. Wie man sehen kann, sticht niemand durch ein ausgesprochen Internet-freundliches Abstimmungsverhalten hervor. 100% ist der Höchstwert für ein besonders Internet- und Bürgerrechts-freundliches Abstimmungsverhalten. Aber die nun in den Vermittlungsausschuss gewählten Abgeordneten können sich gerne geläutert zeigen und ihr Ranking, sowie ihr Internet-Karma in dieser Legislaturperiode verbessern. Und Ihr könnt gerne diese Abgeordneten kontaktieren und sie bitten, sich gegen Internetsperrungen bei Urheberrechtsverstößen (Haddoupi / 3‑Strikes) und für starke Netzneutralitäts-Regeln einzusetzen. Kontaktdaten findet Ihr durch Klicken auf die Namen.

    Mehr zum Telekom-Paket hier im Blog.

    21. September 2009 12
  • : Offener Brief: Wir müssen Netzneutralität in Europa schützen
    Offener Brief: Wir müssen Netzneutralität in Europa schützen

    Ein Netzwerk aus Organisationen und Initiativen hat einen Offenen Brief an die Abgeordneten im EU-Parlament geschrieben und fordert diese auf, die Netzneutralität zu erhalten. (Danke an Jens und Henning für die deutsche Übersetzung)

    Wir müssen die Netzneutralität in Europa Bewahren! Offener Brief an das Europa-Parlament.

    Netzneutralität war ein unverzichtbarer Katalysator für Wettbewerb, Innovation und fundamentale Freiheiten in der digitalen Umwelt. Ein neutrales Internet stellt sicher, dass die Benutzer in ihrem Zugang zu Anwendungen und Dienstleistungen nicht eingeschränkt werden. Desgleichen verhindert es die Diskriminierung der Quellen, Ziele und Inhalte von Informationen, die durch das Netz übertragen werden. Auf Grund dieses Prinzips hat unsere Gesellschaft gemeinsam das Internet in der Form, in der wir es heute kennen, aufgebaut. Außer in einigen Diktaturen hat jeder auf der Welt Zugang zu dem gleichen Internet und sogar der kleinste Kleinunternehmer steht mit dem führenden, weltumspannenden Konzern auf einer Stufe. Zusätzlich fördert die Netzneutralität das virtuose Entwicklungsmodell, welches auf dem Wachstum eines gemeinsamen Kommunikationsnetzwerks basiert und neue Verwendungsformen und Werkzeuge ermöglicht, im Gegensatz zu einem Netz, welches auf Investitionen in Filter und Kontrolle setzt. Nur unter diesen Bedingungen verbessert das Internet immer weiter unsere Gesellschaft und verstärkt unsere Freiheit – auch die Freiheit der Rede und der Kommunikation – und ermöglicht effizientere und kreativere Märkte.
    Die Netzneutralität wird jedoch bedroht durch Telekommunikationsdienstleister und Inhalteanbieter, die ein Geschäftsmodell in der Zurücksetzung, Filterung und Bevorzugung von Informationen, die durch das Netz fließen, sehen. Überall in Europa werden diese diskriminierenden Handlungen, die schädlich für Nutzer und Innovation sind, eingeführt. Kein Gericht und kein Regulierer haben anscheinend angemessene Möglichkeiten, diesem Verhalten Einhalt zu gebieten und die Interessen der Allgemeinheit zu schützen. Einige Mittel, die in dem Telekommunikationspaket eingeführt werden sollen, könnten dieses Verhalten sogar noch ermutigen. Die Unterzeichner dieses offenen Briefes drängen das Europa-Parlament die Freiheit Inhalte zu empfangen und zu versenden und die freie Benutzung von Dienstleistungen und Anwendungen vor Eingriffen durch private Marktteilnehmer zu beschützen. Wir fordern die Mitglieder des Parlaments auf, während der weiteren Beratungen zu dem Telekommunikationspaket sich entschieden dafür einzusetzen, dass ein freies, offenes und innovatives Internet garantiert wird und die grundlegenden Freiheiten der europäischen Bürger gewahrt bleiben.

    17. September 2009 8
  • : SWIFT-Debatte im EU-Parlament
    SWIFT-Debatte im EU-Parlament

    Das EU-Parlament hat heute über SWIFT und den geplanten Datenabgleich der Finanzdaten mit den USA diskutiert. Die Videos sind schon als WMV und MP4 verfügbar. Als einziger Deutscher sprach Jan-Philipp Albrecht von der Grünen EP-Fraktion zum Thema (MP4).

    Die Hintergründe der Debatte hatten wir Ende Juli ausführlich beleuchtet: EU will weiter Finanzdaten an die US-Geheimdienste geben.

    16. September 2009 3
  • : Privacy Open Space in Wien
    Privacy Open Space in Wien

    „Privacy Open Space“ ist eine EU-geförderte Reihe von Konferenzen, die europaweit Datenschützer aus Behörden, Unternehmen und Zivilgesellschaft zusammenbringen. Die Treffen finden zweimal im Jahr statt, das letzte Mal z.B. als Subkonferenz der re:publica09 in Berlin. Sie sind immer auch für externe Teilnehmer offen.

    Der nächste Privacy Open Space findet am 26. und 27. Oktober in Wien statt, und netterweise beinhaltet der Eintritt von 100 Euro dieses Mal auch die Teilnahme an der Gala zur Verleihung der österreichischen Big Brother Awards. Ich war da letztes Jahr und kann nur sagen: Es lohnt sich.

    Hier kann man sich anmelden.

    13. September 2009 2
  • : EU-Telekom-Paket: Vorbereitung für eine dritte Lesung
    EU-Telekom-Paket: Vorbereitung für eine dritte Lesung

    Hier beschreiben wir mal etwas konkreter, wie auf EU-Ebene die nächsten und letzten Schritte beim Telekom-Paket aussehen werden und wie man da noch agieren kann.

    Sobald der europäische Ministerrat die Änderungsanträge formal zurückweist, für die das europäischen Parlament in der zweiten Lesung abgestimmt hat, wird das Telekom-Paket in eine Beratungsphase übergehen. In dieser Verhandlung entscheidet ein Vermittlungsausschuss, bestehend aus jeweils 27 Repräsentanten des EU-Ministerrats und des EU-Parlaments, hinter verschlossenen Türen über das Schicksal des offenen, freien und neutralen Internets innerhalb der EU. Dieser Text soll Dir eine kleine Hilfestellung geben, um die Abläufe besser zu verstehen und dabei mitzuhelfen, offene und progressive Mitglieder des Parlaments dazu zu motivieren, an diesem Vermittlungsausschuss teilzunehmen.

    Das Vermittlungsverfahren

    Status des Paketes.

    10. September 2009 6
  • : Ist in Europa die Tendenz zur Netzneutralität insgesamt größer?
    Ist in Europa die Tendenz zur Netzneutralität insgesamt größer?

    Die Futurezone hat Rudolf Strohmeier, Kabinettschef von EU-Medienkommissarin Viviane Reding, zu Breitbandausbau, Regulierung des Telekommarktes, Urheberrechte, Internet-Verwaltung und Netzneutralität befragt: „Keine Alternative zum Glasfaserausbau“.

    ORF.at: Welche Auffassung vertritt die Kommission in Sachen Netzneutralität? Sehen Sie die in Europa in Gefahr?

    Strohmeier: Die Frage der Netzneutralität wird in Europa genau so wie in den USA intensiv diskutiert. Die Netzbetreiber würden es gerne sehen, dass die Diensteanbieter sich an ihren Netzinvestitionskosten beteiligen. Sie müssen ihre Netze ja laufend verbessern, um dem gestiegenen Informationsfluss Rechnung zu tragen. Ich persönlich weiß nicht, wie diese Diskussion endet, aber ich gehe davon aus, dass in Europa die Tendenz zur Netzneutralität insgesamt größer ist, weil die Meinung vorherrscht, dass es nicht sein kann, dass der Kapitalstärkste die Priorisierung seiner Inhalte festsetzt.

    Ich bin ja skeptisch, ob in der EU die Tendenz zur Netzneutralität höher ist als in den USA. In den USA gibt es wenigstens eine große politische Debatte um das Thema. In der EU kicken die Telekommunikations-Lobbyisten mit Unterstützung aus den USA erstmal gute Absätze zur Netzneutralität aus dem Telekom-Paket.

    7. September 2009 2
  • : EU: Mitmachen und die Netzneutralität erhalten
    EU: Mitmachen und die Netzneutralität erhalten

    Auf EU-Ebene geht die Debatte um das Telekom-Paket in entscheidende Verlängerung der dritten Lesung. Zusammen mit La Quadrature du Net aus Frankreich starten wir die finale Runde für ein EU-weites Lobbying zum Erhalt der Netzneutralität und gegen Internetsperrungen. Dies ist eine Übersetzung eines Aufschlages von La Quadrature du Net: It is crucial to save Net Neutrality!

    Es ist wichtig, die Netzneutralität zu erhalten

    „Netzneutralität“ – dieses leicht obskure wie auch simple Konzept ist die Wurzel für die Entwicklung des Internets in der Form, wie wir es kennen. Der digitale Bereich, in dem wir leben und arbeiten, garantiert Wettbewerb, Innovation und viele Grundfreiheiten. Bis vor kurzen war Netzneutralität aus technischer und wirtschaftlicher Sicht nur eine Leitlinie. Seit neustem jedoch bedrohen Netzbetreiber dieses ungeschriebene Prinzip, weil sie in der ungleichen Behandlung von Information wirtschaftliche Vorteile sehen, die durch ihre Netzwerke geleitetet werden. Daher ist es wichtig, die dritte Lesung der „Telekom-Paket“-Richtlinien als eine einmalige Gelegenheit zu begreifen, um wichtige Maßnahmen für ein freies, offenes und innovatives Internet innerhalb der EU durchzusetzen.

    Was ist Netzneutralität?

    Wenn ein Brief verschicken wird, so können wir mit Recht davon ausgehen, dass der Postdienst diesen Brief nicht öffnet, um abhängig vom Inhalt oder Absender zu entscheiden, was damit passieren soll. Er wird nur dafür bezahlt, den besagten Brief zu übermitteln, sonst nichts. Man bezeichnet daher unsere heutiges Postsystem als neutral. Dies gilt gleichermaßen für das Internet: Wenn alles gleich behandelt wird, bezüglich des Absenders, Empfängers oder dem Informationinhaltes, dann ist das Internet neutral. Der Netzbetreiber darf weder darüber bestimmen, welche Dienste oder Programme genutzt werden dürfen, noch darf er bestimmte Informationen bevorzugt gegenüber anderen Informationsströmen behandeln. Dank diesem Prinzip hat jeder auf der Welt, unabhängig vom Netzbetreiber, Zugang zu ein und dem selben Internet.

    Warum brauchen wir Netzneutralität?

    1. Wettbewerb:

    2. September 2009 27
  • : Niederländischer ISP UPC verletzt Netzneutralität
    Niederländischer ISP UPC verletzt Netzneutralität

    Gestern haben wir noch im Netzpolitik-Podcast über Netzneutralität und Netzwerkmanagement geredet und schon gibts wieder einen großen Fall dazu in Europa. Der niederländische ISP UPC hat angekündigt, zwischen Mittag und Mitternacht alle Services außer http auf 1/3 der Geschwindigkeit zu drosseln. Begründet wird dies damit, dass 1% der Nutzer zuviel über P2P und Usenet laden würden.

    Die Originalmeldung in niederländisch findet sich hier: Netwerk management activiteiten van UPC update. (Google Translator) Bei Slashdot gibts die passende Diskussion dazu: First European Provider To Break Net Neutrality. Die Überschrift ist nicht ganz korrekt, weil es u.a. in Grossbritannien schon ähnliche Fälle gegeben hat.

    25. August 2009 8
  • : Netzpolitik-Podcast 081: Netzneutralität und Netzwerkmanagement
    Netzpolitik-Podcast 081: Netzneutralität und Netzwerkmanagement

    Der Netzpolitik-Podcast Folge 081 ist ein Interview mit dem Netzwerk-Spezialisten Michael Horn vom Chaos Computer Club. Der Schwerpunkt dieses knapp 52 Minuten langen Gespräches liegt auf den technischen Aspekte von Netzneutralität. Da geistern immer Fachbegriffen wie Netzwerkmanagement, Deep-Packet-Inspection und Quality of Service durch die Debatte. Da in der Regel Technik-fremde Menschen von diesem Teil der Debatte abgeschreckt werden und große Telekommunikationsunternehmen diese Wissenslücken von Politikern in ihrem Lobbying gegen Netzneutralitäs-Regeln ausnutzen, haben wir das mal ausführlich erklärt.

    Aber es geht nicht nur um Technik in diesem Podcast. Wir unterhalten uns auch über die politischen Aspekte der Netzneutralität und gehen etwas in die Geschichte der Debatte hinein. Der Netzpolitik-Podcast 081 ist ca. 50 MB gross und liegt als MP3 auf dem Server. Viel Spass beim hören.

    Dieser Podcast ergänzt den Netzpolitik-Podcast 074, der sich nicht-technisch um Netzneutralität drehte.

    24. August 2009 28
  • : Swift – ePetition
    Swift – ePetition

    Es gibt mal wieder eine neue ePetition, die man unterstützen kann: Bankenwesen – Keine verdachtsunabhängige Weitergabe von Daten an andere Staaten vom 27.07.2009.

    SWIFT: Der Bundestag möge sich dafür einsetzen, dass Bankdaten nicht verdachtsunabhängig an Behörden anderer Staaten weitergegeben werden.

    Begründung

    In Deutschland bestehen klare Grenzen bei der Informationserhebung und Nutzung von Telekommunikations- und Bankdaten. Es ist daher nicht einzusehen, warum Bankdaten von Bundesbürgern über den Umweg eines Privatunternehmens dritten Staaten, insbesondere den USA, zu Verfügung gestellt werden sollten, in denen diese strengen Standards nicht gelten bzw. nicht kontrollierbar sind. Die Begründung „Terrorabwehr“ ist zu allgemein gehalten, als dass sie einen so massiven Eingriff in die Privatsphäre der Bürger rechtfertigen könnte. Die verdachtsunabhängige Übermittlung privater Daten sollte daher unterbleiben.

    18. August 2009 9
  • : Internetpolitik von Gestern
    Internetpolitik von Gestern

    Wolfgang Kleinwächter schreibt bei Telepolis über „Websperren: Internetpolitik von Gestern“. Darin kritisiert er u.a. das fehlende Engagement der Bundesregierung in neuen Politikprozessen rund um Netzpolitik auf internationaler Ebene. Das Engagement fehlt aber auch auf nationaler Ebene:

    Die deutsche Politikkultur ist aber noch immer im 20. Jahrhundert: Sie kommt von oben und findet weitgehend hinter verschlossenen Türen statt, was einseitigen Lobbyismus und schräge Lösungen begünstigt. Auf den mündigen Bürger wird gerne in Sonntagsreden abgehoben, wenn er sich aber tatsächlich zu Wort meldet, ist das Erschrecken groß. Die Kanzlerin stärkt gerne den Rücken der Zivilgesellschaft in Russland und China. Das Argument aber, in Deutschland sei die Zivilgesellschaft ja über die Parteien im Parlament repräsentiert, greift im Informationszeitalter zu kurz. Die Repräsentationskette im politischen Betrieb ist mittlerweile so lang geworden, dass nur noch selten der Input von unten auch oben ankommt. Demokratieverdrossenheit ist eine der Konsequenzen der mitunter kafkaesken politischen Prozesse.

    18. August 2009 7
  • : EU will weiter Finanzdaten an die US-Geheimdienste geben
    EU will weiter Finanzdaten an die US-Geheimdienste geben

    Der Ministerrat der Europäischen Union hat gestern beschlossen , den USA auch dann noch Zugriff auf Überweisungsdaten in der EU zu geben, wenn der Finanzdienstleister SWIFT im September sein neues Rechenzentrum in der Schweiz in Betrieb nimmt. Ein entsprechendes Abkommen mit der US-Regierung soll die EU-Kommission nun schnell verhandeln. Gegen dieses Vorhaben wendet sich momentan eine große Koalition die von Datenschützern, Linkspartei und Grünen über die FDP bis zu Sozialdemokraten, Konservativen und der Wirtschaftspresse reicht. Mehrere Europa-Abgeordnete haben deswegen bereits die Wiederwahl von Kommissionspräsident Manuel Barroso in Frage gestellt. Das Vorhaben steht auch im Kontext des geplanten Stockholm-Programms der EU, das die Innen- und Justizpolitik für den Zeitraum 2010–2014 vorgibt und vor allem aus Überwachung und Grenzabschottung besteht.

    Hintergrund des Abhörskandals

    Die belgische Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (SWIFT) ist Infrastrukturdienstleister u.a. für den internationalen Überweisungsverkehr. Sie betreibt bislang zwei Rechenzentren in den Niederlanden und im US-Bundesstaat Virginia, deren Daten identisch sind. Nach dem 11. September 2001 hatten US-Geheimdienste die Daten in Virginia abgegriffen und im Rahmen ihres „Terrorist Finance Tracking Programme“ (TFTP) ausgewertet. Als die Sache 2006 herauskam, gab eine große öffentliche Aufregung, die unter anderem zu scharfen Resolutionen des Europäischen Parlamentes führte. SWIFT unterliegt nämlich den EU-Datenschutzgesetzen, die so etwas verbieten.

    Die EU-Kommission versuchte damals, die Kritik zu entschärfen, indem eine Untersuchung eingeleitet wurde. Der französischen Richter Jean-Louis Bruguière, den der damalige EU-Innenkommissar und Überwachungsfreund Franco Frattini im Frühjahr 2008 dafür eingesetzt hatte, sollte prüfen, ob die USA wirklich wie versprochen die Daten nur für den Antiterror-Kampf verwenden. Sein erster Bericht wurde dem EU-Parlament am 17.2.2009 vorgelegt. Die Pressemitteilung der Kommission dazu war nur lobend – alles ist gut und so :

    Anlässlich der Vorstellung des Zwischenberichts vor dem Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres des Europäischen Parlaments zeigte sich der für Justiz, Freiheit und Sicherheit zuständige Kommissions-Vizepräsident Barrot „erfreut, dass das US-Finanzministerium von Anfang an sehr auf die Wahrung der Datenschutz-Vorkehrungen geachtet hat, die die Vereinigten Staaten uns in unseren Verhandlungen 2007 zugesichert hatten, insbesondere die ausschließliche Verwendung der Daten für die Terrorismusbekämpfung. Das TFTP hat gerade in Europa viel zur Terrorbekämpfung beigetragen.“

    Diese „Überprüfung“ war allerdings ein Witz. Bruguière ist der oberste französische Ermittlungsrichter und Vizepräsident des Tribunal de Grande Instance in Paris, einem Tribunal für schwere Staatsverbrechen. Er hat sich seit 25 Jahren einen Ruf als Frankreichs „führender Terroristenjäger“ verschafft. So jemand wird natürlich nicht viel an dieser Überwachungsmaßnahme auszusetzen haben.

    Nach viel hin und her willigte SWIFT damals ein, ein neues Rechenzentrum in der Schweiz aufzubauen, wo die inner-europäischen Überweisungen verarbeitet werden sollen. Die USA hätten darauf dann keinen Zugriff mehr gehabt.

    Neues Abkommen mit den USA: Ausverkauf von EU-Daten

    Gestern hat nun der Ministerrat der EU beschlossen, dass dieser Schutz des Bürgerrechts auf informationelle Selbstbestimmung doch nicht nötig ist. Die Vertreter der Mitgliedsstaaten haben einstimmig der EU-Kommission das Mandat erteilt, ein neues Abkommen mit den USA zu verhandeln. Dieser Plan war erst vor zehn Tagen ans Licht gekommen, als Eric Bonse bei ZEIT Online darüber schrieb . Das Europäische Parlament ist nicht einbezogen, weil es im Bereich der Innen- und Sicherheitspolitik erst nach dem Inkrafttreten des Lissabonner Vertrages mitreden darf.

    Bereits im Vorfeld gab es Kritik an dem gesamten Vorhaben:

    Europas Datenschutzbeauftragter Hustinx sieht die geplante Weitergabe der Daten äußerst kritisch. Bisher habe Brüssel die Notwendigkeit eines Abkommens mit Washington nicht nachgewiesen, schreibt er in [einem] Brief an [EU-Kommissionspräsident] Barroso. Die EU verfüge selbst über ein Instrumentarium zur Terrorabwehr. Zudem sei die Rechtsgrundlage fragwürdig. Es sei nicht einzusehen, warum die Kommission nicht auf den Reformvertrag von Lissabon warte, der die Rechte der EU in der Innen- und Justizpolitik stärkt.

    Viele EU-Abgeordnete fühlen sich übergangen und äußerten letzte Woche massive Kritik an dem da noch geplanten Beschluss des Ministerrates. Der Leiter der österreichischen Sozialdemokraten im EP, Jörg Leichtfried, sagte gegenüber Futurezone:

    „Es war ein Fehler, der Kommission das Mandat zu erteilen. Ich finde die Tendenz, die Bürger grundsätzlich als Verbrecher zu behandeln, fatal. Die EU ist keine Kolonie der USA. Sie sollte ihre Bürger vor den USA schützen. Das können die einzelnen Mitgliedsstaaten nicht leisten.“

    Aus Deutschland meldeten sich unter anderem die EU-Abgeordneten Markus Ferber (CSU), Jan Philipp Albrecht (Grüne) und Helmut Scholz (LINKE) mit deutlicher Kritik an dem geplanten Abkommen.

    Mittlerweile haben sich auch prominente Politiker aus der ersten Reihe gegen das neue Abkommen eingeschossen. Die Süddeutsche berichtet :

    CSU-Chef Horst Seehofer zum Beispiel wettert heftig gegen die EU-Kommission: Deren Pläne seien ein „absolutes Unding“, sagte er nach einer Sitzung des CSU-Vorstands: „Ein Stoppschild muss her!“. Der Grünen-Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit wurde noch deutlicher. Er bezeichnete EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sogar als „Handlanger der USA“.

    Auch FDP-Chef Guido Westerwelle sagte : „Dieses Vorhaben muss gestoppt werden“.

    Als Reaktion auf die Kritik soll das Abkommen nun auf ein Jahr befristet werden. Es sollen auch nur einzelne Datensätze auf konkrete Anfrage herausgegeben werden, die US-Dienste bekommen also keinen Vollzugriff auf das System wie bisher. Wenn man sich die Entwicklungen der letzten Jahre im transatlantischen und europäischen Austausch von Geheimdienst- und Polizeidaten ansieht, ist aber nicht abzusehen, dass hier irgendwer der CIA mal sagen würde „nö, diese Daten bekommt ihr nicht“. Es gibt auch weiterhin keine richterliche Kontrolle.

    Eigene Auswertung durch EU-Behörden?

    Laut Eric Bonses Recherchen wollten die Minister zunächst, dass die EU diese sensiblen Informationen „zu Fahndungszwecken“ selbst auswertet. Letzte Woche hieß es noch , man wolle selber ein „Terrorist Finance Tracking Programme“ aufbauen:

    Die EU will (…) prüfen, selbst ein Kontrollsystem für Finanzdaten nach US-Vorbild aufzubauen. Als „Follow-up“ zu einem Abkommen mit den USA müsse man die „Möglichkeit für ein EU-TFTP erwägen“, schreibt die Kommission. Damit würde auch der europäische Zahlungsraum (Sepa) ins Visier der Terrorfahnder geraten. Bisher hatte die EU stets beteuert, dieser sei von der Terrorfahndung nicht betroffen.

    Eine Ausweitung auf die Daten des SEPA-Systems („Single Euro Payment Area“) würde noch viel mehr Überweisungen ausspähen. SEPA-Überweisungen werden nicht über das das SWIFT-Netz abgewickelt, sondern über TARGET II. Target ist das seit 1999 existierende Echtzeit-Überweisungssystem der nationalen Zentralbanken der EU-Staaten. SEPA-Überweisungen sind standardisierter auswertbar, denn SWIFT-Überweisungen bestehen im Gegensatz zu SEPA aus viel Freitext.

    Das wurde nun dementiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute in der Printausgabe:

    Allerdings denkt nach Angaben eines Sprechers der EU-Kommission niemand daran, von den Amerikanern im Gegenzug Einblick in deren Finanzströme zu bekommen. Es gebe auch keine Pläne, ein eigenes System der Analyse der Bankdaten aufzubauen.

    Das ist vermutlich nicht mal gelogen, denn einen offiziellen Beschluss gibt es dazu noch nicht. Im Entwurf für das oben erwähnte Stockholm-Programm ist es aber vorgesehen:

    Die Instrumente zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung müssen bei neuen potenziellen Schwachstellen des Finanzsystems und neuen Zahlungsmethoden, die sich Terroristen zunutze machen, ansetzen. Diese Instrumente müssen gewährleisten, dass die Finanzströme in geeigneter Weise überwacht werden (…).

    Hier wird auch deutlich, dass die EU-Sicherheitspolitiker solche Finanzströme nicht nur zur Terrorbekämpfung auswerten wollen, sondern auch zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Eine zentrale Idee dabei ist mal wieder, EUROPOL zur europaweiten Datensammel- und Überwachungsbehörde auszubauen:

    Im Bereich der Geldwäsche ist eine bessere Abstimmung zwischen den zentralen Meldestellen (Financial Intelligence Units) erforderlich. Ihre Analysen könnten auf der Grundlage des europäischen Informationsmodells in eine beispielsweise bei Europol angesiedelte Datenbank über verdächtige Transaktionen einfließen. Zur Feststellung verdächtiger Bargeldbewegungen müssen alle verfügbaren Informationsquellen herangezogen und miteinander abgestimmt werden.

    Das genannte „europäischen Informationsmodell“ ist ein ebenfalls im Stockholm-Programm geplanter Standard für Datenformate, der den Austausch zwischen den Sicherheitsbehörden erleichtern und den Abgleich von verschiedenen Datenbanken möglich machen soll.

    Einschätzung

    Die Kritik an dem geplanten neuen Abkommen mit den USA hat zwei Dimensionen: Die eine ist inhaltlich, denn diese Überwachung von Finanzströmen ohne Anfangsverdacht bricht mit allen Grundsätzen von Datenschutz und Rechtsstaatlichkeit. Sie steht daher in einer Reihe mit der Speicherung und Weitergabe von Flugpassagierdaten und (zumindest was die anlasslose Speicherung angeht) mit der Vorratsdatenspeicherung. Es gibt bereits weitergehende Pläne, z.B. in Großbritannien, auch Bahn- und Schiffsreisende flächendeckend zu überwachen . Hier muss dringend grundsätzlich geklärt werden, dass so eine pauschale Überwachung verfassungswidrig und mit EU-Menschenrechtsstandards nicht vereinbar ist. Das für den Herbst erwartete Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung dürfte hier eine wichtige Vorentscheidung bringen.

    Die zweite Dimension betrifft die europäische Demokratie. Die EU-Abgeordneten regen sich auch so über das geplante neue SWIFT-Abkommen auf, weil sie bei der inneren Sicherheit anders als bei der Binnenmarkt-Regulierung überhaupt noch nicht mitreden können. Falls nach der erneuten Volksabstimmung in Irland der Lissabonner Vertrag im nächsten Jahr in Kraft tritt, wird sich das ändern. Die schnellen Verhandlungen zwischen Kommission und US-Regierung, die bis September abgeschlossen werden sollen, sind daher ein Affront gegen die immer selbstbewussteren EU-Abgeordneten. Ob sich allerdings mit dem Lissabon-Vertrag inhaltlich etwas ändern würde, ist nicht so sicher, denn das neue Europaparlament ist von konservativen Parteien dominiert.

    Es kommt also wieder einmal darauf an, dass sich der Widerstand gegen eine Europäische Überwachungsunion außerparlamentarisch organisiert, eine europaweite öffentliche Debatte anzettelt, und so Druck auf Ministerrat, Kommission und Parlament aufbaut. Eine Zusammenarbeit zwischen den Gruppen, die gegen das Stockholm-Programm protestieren und es verhindern oder massiv verbessern wollen, besteht zwar schon teilweise. Sie ist aber noch massiv ausbaufähig.

    28. Juli 2009 20
  • : Netzneutralität: Gute Bytes, schlechte Bytes
    Netzneutralität: Gute Bytes, schlechte Bytes

    Zeit Online berichtet über Netzneutralität und hat dazu u.a. Michael Horn vom Chaos Computer Club befragt: Gute Bytes, schlechte Bytes.

    Michael Horn vom Chaos Computer Club (CCC) kritisiert, dass sich Contentanbieter und Provider schon heute die Durchleitung von den großen Carriern wie der Telekom erkaufen müssen. Früher hätte es in so einem Fall eine Netzzusammenschaltung gegeben, ein sogenanntes Peering. Heute sei die „Datensteuer“ für die Telekom längst zu einer weiteren nicht unerheblichen Einnahmequelle geworden. Und die Unternehmen zahlten lieber, als sich zu beschweren, in der Hoffnung einen guten Deal auf Kosten der Konkurrenz gemacht zu haben. Der ahnungslose Internetnutzer wundere sich im Zweifel nur, warum er auf eine bestimmte Seite länger warten muss als auf eine andere.[…]„Man kann das kaum kontrollieren. Das ist ein sehr subtiles Mittel der Konsumentensteuerung“, bemängelt auch Horn vom CCC. Und dass alle Daten im Netz gleichbehandelt werden, sei auch die Garantie für die Freiheit des Kommunikationsmediums Internet. Szenarien, in denen kommerzielle Angebote bevorzugt behandelt würden, wären nur ein weiterer Schritt hin zu einem eindimensionalen Shoppingnetz, von dem auch die Film- und Musikindustrie so gerne träume.

    10. Juli 2009 1